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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brutbreme bis brutgans (Bd. 2, Sp. 454 bis 455)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brutbreme, m. dasselbe. Henisch 541, 24.
 
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brutei, n. ovum interrupta cubatione perditum, ein bebrütetes, der henne weggenommenes ei.
 
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brütelmasz, n. ein masz, wonach sich die fischer beim fang der jungen brut zu richten haben. Frisch 1, 148b.
 
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brüteln, incubare:

nachdem komet uns der werde meige,
so brüetelt ieder swalme sin eige. namenb. 113;

so sitzt die gans da und brütlet, die schreiet gaga, gaga! ..... schreit er gaga, gaga! und meint, die weil er junge gäns brütlet, so könd er auch kein andere sprach. Frey garteng. cap. 1; welche hennen sporen haben, wie ein han, die brütlen nicht gerne. Sebiz 102; brüteln narren aus. Garg. 51a. vgl. DWB ausbrüteln.
 
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brüteln, fervere, bullire: wann der unwillen im hafen zu viel wil sieden, brüteln und grollen, so hebt sie den deckel ab, schaft ihm luft. Garg. 70b; beim heiligen milz, ich wil bei dem könig auch die streu machen und alle die arglistige bubenstück, die ihr hierin kocht und brütelt, entdecken. 158b; murmelt und brüttelt (der betrunkene) bei sich selber, als einer der nicht weisz was er plaudert. Kirchhof wendunm. 444b. es brütelt, ist faule, erstickte luft. Stald. 1, 235. dieses brüteln stimmt zu brodeln sp. 396, bestätigt aber die bei brut angenommene verwandtschaft zwischen fovere und fervere.
 
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brütelnest, n. was brutnest: man soll auch gute sorg haben, das kein han ins prütelnest komme. Sebiz 105.
 
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brüten , fovere, incubare, auch wol blosz cubare (wie schw. ligga), it. covare, franz. couver, prov. coar; ahd. pruotan, mhd. brüeten, ags. brêdan, engl. breed und brood, nnl. broeden, von der urverwandtschaft eben unter brut und von der nahen berührung mit brühen oben sp. 454; nnl. sind broeijen und broeden kaum zu scheiden und auch unsere volksmundarten mengen sie. Alberus hat unter dem wort hn neben brüen zugleich brüten und dem part. gebrüt ist nicht anzusehen, auf welchen der beiden inf. es zurückgehe.
1) transitiv, ausbrüten, bebrüten: sie brüten basilisken eier und wirken spinneweb. Es. 59, 5; was die jungen legten, musten die alten prüten. Garg. 282b; ein hun kann zwölf eier brüten; eine glucke brütet wol zehen küchlein, doch nicht alle werden so grosz, dasz sie mit auf die stange fliegen;

gedrängter quellet,
zwillingsbeeren und reifet
schneller und glänzend voller!
euch brütet der mutter sonne
scheideblick.
Göthe 1, 92;

unheil brütende weiber.
Voss Od. 11, 437;

[Bd. 2, Sp. 455]


wenn Dion, wie es scheint, irgend ein gefährliches vorhaben brütete. Wieland 2, 293; der strahl der liebe brütet die mächtigsten triebe und kräfte in unserm innersten. Leisewitz Jul. v. Tar. 2, 5;

Electra nur
bethörte noch das volk und brütete den samen
der unzufriedenheit.
Gotter 2, 103;

mensch, was brütest du? Schiller 200a;

weisz ich nicht, dasz Alba rache brütet? 280b;

so wie die schöpferische wärme dieses himmels die unglückliche wirkung hatte, die abscheulichsten geburten der tyrannei an das licht zu brüten. 1040a; zweifel und mistrauen brüten. Woldemar 217; in nacht gebrütet und in nacht vollführt, so mag diese freche that der ungerechtigkeit sich verbergen. Göthe 8, 287; stiefeln, welche jeden tag ein neues hünerauge aus den zehen brüteten. J. P. Fibel 150; ich meine, dasz ein hochberühmtes geschlecht nach gottes weisheit von der höhe schwindet, wenn seine fortdauer greuel brütet. Arnim kronenw. 1, 308;

was ich heute verschlossen im obern stübchen gebrütet,
hast du beim abendtisch lächelnd umsonst mich befragt.
Rückert 278:


2) intransitiv, das hun brütet schon acht tage; die grasmücke brütet gauchseier; als man einer hennen tt, wenn sie der klück ankompt und wenn man geren hat, das sie nit brüten sol, so stoszt man sie in ein kalts wasser und reibt sie mit nesseln und berupft si und stürzt sie under ein metzen. Keisersberg geistl. spinnerin c 8c; der igel wird auch daselbs nisten und legen, brüten und ausheggen unter irem schatten. Es. 34, 15;

hofnungen von brütender begier
sanft entfaltet.
Wieland 9, 306;

ein brütend saatfeld für den tag der garben.
Claudius 1, 77;

der vogel ist froh in der luft gemütet,
wenn es da unten im neste brütet.
Göthe 2, 238;

er fühlt, dasz er eine kleine welt
in seinem gehirne brütend hält. 13, 125;

andere hocken zu haus und brüten hinter dem ofen. 40, 216;

dieses gewissen soll erregt, soll beschwichtigt werden. erregt, wenn es stumpf, unthätig, unwirksam dahin brütet. 21, 123; die stille weit verbreitete ruhe über dem breiten Rhein, über den brütenden weinbergen. Bettine br. 1, 73; das schwüle brüten der natur. J. P. Kamp. 17; da der abend schwer auf allen brütete. Hesp. 3, 257.
Man sagt, das hun brütet auf oder über den eiern, öfter letzteres: über der idee einer sache brüten. Kant 2, 564; desto weniger blieb es ihm zweifelhaft, dasz man über einem geheimen anschlag gegen ihn brüte. Wieland 7, 359;

wenn über werdend wachsendem vorher
der vatersinn mit wonne brütend schwebte.
Göthe 9, 320;

jenen heiszen himmelsstrich, wo die sonne noch immer über unsäglichen geheimnissen brütet. 14, 136; meine einbildungskraft brütete über der kleinen welt (des puppenspiels), die gar bald eine andere gestalt gewann. 18, 27; die einbildungskraft brütet über einer wüsten sinnlichkeit. 45, 299; wüste leerheit umfängt erst alles, der geist jedoch brütet schon über beweglichem und gebildetem. 49, 3; über widrigen empfindungen brüten. Klinger 5, 10; brütete über dem was er vernommen hatte. 7, 82; bewustloses brüten oder stand der gänzlichen unschuld. Schelling ak. stud. 149;

während ich, der im gemüte
auf den wink der gunst verzichtet,
bücher vor mir aufgeschichtet,
überm rauch der lampe brüte.
Platen 8b.

statt des dat. begegnet einigemal der acc.: dasz er über eine idee in sich brütet. Kant 1, 180; indem die vernunft über ihre eignen begriffe brütet. 3, 249; hier sitzt er, brütend über sein geschick, den leichnam seiner gattin entseelt im schosze haltend. Göthe 44, 132. vgl. hinbrüten und oben sp. 378. schweiz. brüten, kränkeln. Stald. 1, 236.
 
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bruter, m. was brütler:

ich bin ouch dises drecks ein muoter
und was sein doch nit lang ein bruoter. fastn. 216, 35.


 
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brütfach, n. ein fach, worin man federvieh brüten läszt.
 
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brutflügel, m. ala fovens: er trug ihn in die frische luft und in die beseelenden sonnenstrahlen, wie die ameisen ihre puppen den brutflügeln der sonne unterlegen. J. P. uns. loge 1, 34.
 
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brutgans, f. anser incubans:

speit er mich an wie ein brutgans.
H. Sachs III. 3, 43d.