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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brünzeln bis brunzstatt (Bd. 2, Sp. 441 bis 442)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brünzeln, mingere, bei Stieler falsch geschrieben brinzelen: brünzlen, das wasser abschlahen; das kraut macht brünzlen, bringt den harn, trahit urinas haec herba. Maaler 79d; uf einmal da kam der vatter usz dem rat, da stnd sein sun in dem sal under dem fenster und schlg das wasser ab oder brünzlet z dem fenster usz, und da er den vatter sahe, do hort er uf brünzlen und flh wider z dem fenster hinin. sch. und ernst 1522 cap. 22; groszen durst, das ich manchmal mir selbs in dhand brünzlet han und das für den durst getrunken. Tho. Plater 13; die dochter hatt villicht in die neszlen brünzlet und dem vatter entrinnen (wöllen). 62; die Persier haben nit in die flüsse gebrünzlet. Münster 1371; brünzelt nit, man schlug ihm dann ans zümplin und pfif ihm wie den pferden darz. Garg. 130b; man lasz sich nit irren, das dem kinde viel wasser zu den augen ausgehet, es brünzelt nur desto weniger. Spangenb. lustg. 453. s. DWB wässerlen.
 
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brunzen, mingere, würde ahd. prunnazan, prunazan lauten, erscheint aber nicht verzeichnet. it. far l'acqua, franz. lâcher l'eau, engl. make water, böhm. wodu pustiti, na wodu gjti = brunzen gehn; vgl. DWB bächeln 1, 1062. mhd.

die lêr ich kolen waschen,
die brunzen in die aschen. a. w. 2, 56;

ein witwîp brunzet hovelich
durch einer nâdlun œre. Ls. 2, 388.

nhd. da aber ieder heim gieng und Esopus Xanto nachfolget, füget sich, das Xantus gieng und brunzet. Steinhöwel (1555) 6b; dann ich msz hinausz brunzen gehn. Frey garteng. cap. 118; wie er aber seinen ht also finsterlich aufsetzen wil, so haben in die katzen voll gebrunzt. cap. 77; der lgt einsmals, dasz er zwei käntlin uberkam, das ein brunzt er voll, das ander liesz er im voll weins schenken. cap. 22; einer von den zweien ward sehr wol betrunken, were derhalben gern von dem tisch gewesen, ein wässerlin z machen. sein gefatter sagt, hei, wolt ir darumb aufstehen, nempt hin meinen ht, brunzt darein. Wickram rollw. 65b (115);

wer im in die schueh laszt brunzen
und gstatt, das sein fraw ir profunzen
feil mag iederman heine tragen,
der mag wol han ein guten magen.
Murner narrenb. cap. 59;

ich wolt dich nider werfen vor,
und dir selbst brunzen in ein or.
H. Sachs IV. 3, 45a;

[Bd. 2, Sp. 442]



auch wann dir not zu prunzen ist,
und mitten in der gassen bist,
so ler die blasen aus und steh,
und acht nit wer fur uber geh.
Scheit grob. D 4a;

in dhosen brunz zuweiln darz,
dasz es hinab rinn in die sch. D 4b;

es ist kein jungfer so verzwunzen,
sie lasz ein furz, wann sie will brunzen;

und wer ihnen die blase schon se verstopft gewesen, dasz sie kein bone hetten prunzen können, noch werden sie in eim schnaps so gesund, wie ein fauler apfel auf faulem stro. bienenk. 114a; dann dieselben (Hundsruckerinnen) sitzen grattelig, wann sie zu acker fahren, und schadet ihnen nichts am brunzen. Garg. 230b; ei was zeihest du dich im stinkenden see, darein die fische brunzen (vgl. pisciare mit piscis), zu wohnen. Philand. lugd. 3, 243; du darfst nur das linke bein aufheben, wie ein hund, der an eine ecke brunzt. Simpl. 1, 97; brunze nicht gegen den wind. Simrock no 1365; von dem trocisci werde geben z iedem mal 7 gerstenkörner schwer, also lang bisz er plt brunzet. Braunschweig 29; wann einen gaul die feifel anstoszt, so geusz ihm wasser in ein ohr oder brunz ihm darein. Seuter 229; laszt einen gesunden menschen, der lauter wein trinket über zwei handvoll gersten s. v. brunzen, laszt die gersten die ganze nacht in dem harn erweichen. Hohberg 3, 2, 209a.
Adelung sieht wol ein, dasz dieses wort anfangs ein anständiges war, 'allein es sei mit allen seinen ableitungen nunmehr schon lange dem niedrigsten pöbel preisgegeben worden, daher er sich nicht dabei aufhalten wolle'; als wenn es nicht pflicht der sprachforschung wäre, solchen wörtern, die herabgekommen sind nicht weil sie das volk in ihrer natürlichen geltung festhielt, sondern weil die vornehme welt sie durch fremde, nichts sagende verdrängte und zuletzt vergasz, gleichsam die ehre zu retten. würde ein italienischer lexicograph über far l'acqua so unbesonnen geurtheilt haben? diese althergebrachten, grunddeutschen wörter in ihrer vermeinten erniedrigung hat selbst die neue sprache, wenn sie sie auch nicht oft in den mund nimmt, für die kraft und abschattung der rede als nothwendige und durchsichtige aufrecht zu erhalten und die vorausgehenden belege sind dazu aufgesucht worden. wer wollte in Platers treuherziger erzählung für brünzeln irgend einen andern ausdruck setzen?
 
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brunzer, m. minctor, wenn so gesagt werden kann, bettbrunzer, bettseicher, bettpisser; alter schneebrunzer, alter geck. Schm. 1, 261.
 
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brunzerin, f. minctrix, pisseuse.
 
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brunzern, micturire, pissern: micturio, mich brunzert. Alberus. bei Dasyp. 310a not thn z brunzen.
 
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brunzfasz, n. matula, der nachttopf, nnl. het pottje: prunzfasz, netzfasz, seichfasz. vocab. 1482 z 8b.
 
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brunzgebeizt, lotio maceratus: prunzgebeizter, ärmelerleuchteter ... belz (des jungen Gargantua). Garg. 112b.
 
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brunzhalter, m. qui retinet, cohibet lotium: Ottenberger ... den mein langwadeliger brunzhalter und schwimmer Peter Gravin gern trank. Garg. 58b.
 
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brunzkachel, f. matula. Dasyp. 310a. Maaler 79d. Stieler 912; brunz und seichkacheln. Albertinus Gusm. von Alfarche s. 472; kammerkachel, poet de chambre. Schm. 2, 277. brunzkachel, noch heute in der Wetterau, wo es auch brunzerin bedeutet, wie das schweiz. bronzchachla schelte für ein kind ist.
 
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brunzscherbe, m. matula: doctor saw, Witzel, tölpel, schmid, rotzlöffel, tellerlecker, brunzscherben, Heinz, Meinz, und wer sie mehr sind. Luther 8, 7b;

und trüg in (eis) den brunzscherben aus.
H. Sachs III. 2, 100d;

ist kein schandhipischer (xanthippischer) haushagel, der nach dem donnern auch den regen mit brunzscherben und scheiszkacheln irem mann Saukratz (Sokrates), Pfannkratz (Pankratius) uber den kopf abschüttet. Garg. 75a; wann er ins bett seicht, sagt er es hett im geträumt, wie er an der wand stünd und wässerlet, oder es sei im der brunzscherben ins bett gefallen. 130a; folgends seicht er ein grosze kachel voll und setzt sich zu tisch, dann, wie Eupolides sagt, hat der ein recht palamedisch invent erfunden, so erstlich den brunzscherben erdacht und zum tisch gebracht. 162b. s. DWB scherbe.
 
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brunzstatt, f. franz. pissoir, lieu pour pisser: prunzstat oder ubelschmeckende stat, oletum. voc. 1482 z 8a.