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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brünkel bis brünnel (Bd. 2, Sp. 431 bis 435)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brünkel, n. frustulum: nimm nur ein kleines brünkel vernunft an. Holtei Lamfell 4, 288.
 
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brünkeln, friare, krümeln, zerreiben. Steinbach 211; pflaster beim abnehmen geprünkelt und zusammengefallen. Ettners hebamme 766.
 
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brunken, gloriari, prunken, s. das in brunkel angeführte verbrunken.
 
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brunlauf, entstellt aus brutlauf nuptiae: brudtlacht, prunlauf. vocab. 1482 e 3b, und daher wol bei Henisch 486, 63. aber brunluft schon bei Königshofen 47c. 51c. 112d.
 
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brunn, m. fons, puteus, diese tadelhafte starke form, statt der organischen schwachen, ist im 16 jh. fast allgemein eingerissen, dauert auch noch im 17, bis sie im 18 durch den umgekehrten fehler, wonach man das oblique brunnen zum nom. sg. erhob, verdrängt wurde. Dasyp. 309d schreibt brun, brunn, Maaler 80a, Henisch 533, Stieler 252, Frisch 146c alle geben

[Bd. 2, Sp. 432]


brunn, wie es freilich dem umgestellten born und nnl. bron zu entsprechen scheint. Keisersberg, Luther und andere zeitgenossen flectieren auch stark, gen. brunnes, pl. brünne: da aufbrachen alle brünne der groszen tiefen. 1 Mos. 7, 11; und die brünne der tiefen wurden verstopfet. 8, 2; aber der engel des herrn fand sie bei einem wasserbrun in der wüsten, nemlich bei dem brun am wege zu Sur. 16, 7; zum zeugnis das ich diesen brun gegraben habe. 21, 30; sihe da war ein brun auf dem felde, denn von dem brunne pflegten sie die herde zu trenken und lag ein groszer stein fur dem loch des bruns. 29, 2; das ist der brun, den die fürsten gegraben haben. 4 Mos. 21, 18; der brun Jacob. 5 Mos. 33, 28; und sol iederman seines brunnes trinken. 2 kön. 18, 31; ein betrübt brun und verderbete quell. spr. Sal. 25, 26; des gerechten mund ist ein lebendiger brun. 10, 11; klugheit ist ein lebendiger brun. 16, 22; der brun aber, darein Ismael die todten leichnam warf. Jer. 41, 9; es war aber daselbs Jacobs brun. da nun Jesus müde war von der reise, satzte er sich also auf den brun. Joh. 4, 6; der brun ist tief. 6, 11; bistu mer denn unser vater Jacob, der uns den brun gegeben hat? 6, 12. diese stellen sind freilich in den späteren bibelausgaben manigfach abgeändert worden. hier noch andere belege: von dannen nit vil weiter dann ein meil ist ein wunderbarlicher brun lebendiger wasser, welches brunnes wasser flieszen mit ungestümme von dem berg Lybano und ist der brunn villeicht eines steinwurfs weit von der strasz, die gen Tyrum füret. Frank weltb. 164b; Christus ist der brunn des glücks und ewigen heils. Reiszner Jer. 1, 85a; auch H. Sachs sagt im nom. der prunn, der jungbrunn. Olearius im pers. rosenth. setzt nie anders als brunn, im nom. und acc.;

das pascha, brunn und quell der lust voll nach genügen.
Opitz 3, 244;

frauenwasser aus dem brunn, einem manne nur bekant.
Logau 2, 10, 1;

durch den grimmen brunn der adern dringen.
Gryphius 1, 20;

es ward von ihm ein brunn hier nahe bei gefunden.
Werders Ar. 6, 24;

auch schriftstellern des 18 jh. klebt dieses brunn noch an:

entsprieszt ein reicher brunn mit siedendem gebräuse.
Haller;

der brunn ist tief. Claudius 8, 131; der Teplitzer brunn. Kant 9, 40;

der brunn der ist so schattenkühl.
Göthe 13, 84;

es kömmt vom brunn oder ausm wald. das.;

dann ist ein brunn, der Krekelborn heiszt. 40, 84.

umgekehrt konnte selbst im 16 jh. die organische schwache flexion nicht ganz aussterben und bricht namentlich bei Luther in der ausg. von 1545 durch: wonete bei einem brunnen. 2 Mos. 2, 15; von dannen zogen sie zum brunnen. 4 Mos. 21, 16 und öfter; geen sie wie ein herd vich über ein brunnen. Frank weltb. 14a; um so viel mehr herscht sie im 18 jh., seit sie auch den nom. eingenommen hatte. Maaler geht von dem nom. brunn in den gen. brunnens über, wie er heute gebildet wird, und überall erscheint, nachdem man einmal den faden der regel verloren hatte, ein schwanken der formen. neben jenem starken pl. brünne bildet Luther sogar einen schwachen umlautenden pl. brünnen. 5 Mos. 6, 11. 8, 7. 2 chron. 26, 10, der noch spätere nachahmer findet:

dort ein durchflosznes feld mit vielen süszen brünnen.
Fleming 661;

die aue hier durnäszt mit so viel kalter brünnen (gen. pl.). 656.

s. DWB brunne.
 
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brunnader, f. vena fontis, ein wollautiges wort, ahd. brunâdara manationes aquarum. N. ps. 77, 44; mhd.

lebendigiu brunnâder.
Hoffm. fundgr. 221, 4;

ein brunne dâ mitten enspranc
beide clâr unde kalt,
uber allen den walt
sîne âdern klungen.
Herb. 2189;

scoposas situatas in Brunnadern. Mohrs reg. von Frauenbrunnen no 58. bei Dasyp. 309 brunader oder brunnenquel, scaturigo; Stieler 8; sie (die fische) sind nutzbarlich den flüssen, dann sie eröfnen die brunnadern. Forer 192b; ich wil der brunadern geschweigen, die hin und wider in solcher groszer, treffenlicher weite darein (ins meer) quellen. Thurneisser von wassern 7; einer reichen brunnader von witz und laune. Wieland 4, x. s. brunnenader.
 
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brunnäscher, m. ein gefäsz mit kalkwasser zum erweichen der abgehärten kalbfelle. s. DWB äscher 1, 584 und brunnen 2.
 
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brünnchen, n. fonticulus: mein brünnchen ist versiegt.

[Bd. 2, Sp. 433]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brunne , m. fons, goth. brunna, ahd. prunno (Graff 3, 310), mhd. brunne (Ben. 1, 268b), alts. brunno, ags. fries. burna, stark aber altn. brunnr, schw. brunn, dän. brönd. unsrer nebenformen born und bronne wurde sp. 243 und 397, der heutigen verwilderung unserer flexion eben unter brunn gedacht, durch das nord. vorbild kann sie sich nicht entschuldigen. das O in bronne ist wie in sonne, wonne, das haftende reine U von brunne wie in dumm, krumm, neben fromm. kaum ein einziger schriftsteller wird heute den nom. richtig setzen, der falsche auf brunnen findet sich z. b. schon in Herrs Columella 197b.
Wurzel von brunne ist brinnen nach der vorstellung eines warmen sprudels aus der erde schosz, und genau so gehört quelle zu einem alten quilan ardere, flagrare, skr. dschval (ǵval), lat. calere, woher sich quelian necare, engl. kill, ursprünglich comburere, qualm vapor, nidor und kole carbo leiten; sôt, sod, ags. seáð puteus zu sieden fervere, woher Soden, benennung warmer quellen; ags. vell, engl. well zu veallan, wallen, fervere, wie es mhd. hiesz:

daʒ er in den brunnen viel,
der vor im ûʒ dem berge wiel. krone 4292;

auch torrens, der waldbach fügt sich torrere, wie wir bach und πηγή zu backen und πήγνυμι stellten und das erstarren, frieren, backen auf die wärme zurückführten (1, 1065). höher aufsteigend läszt sich berührung zwischen brinnen und gerinnen, rinnen nicht verkennen, aber brunna ist aus brinnen, nicht aus birinnan gebildet. den umschlag der bedeutung des warmen in die des kalten duldete schon unsere älteste sprache, da sie allen jenen wörtern, welche brunne ausdrücken, unbedenklich die adj. kühl und kalt gesellt. auch dürfte man brunne unmittelbar fassen als das was gebronnen hat, warm gewesen und nun abgekühlt ist. buchstäblich reicht wie brinnen an fervere, brunne ans gr. φρέαρ (gesch. d. d. spr. 398), vielleicht, wenn darin R ausgestoszen ist, ans lat. fons.
Folgende darstellung der bedeutungen achtet weiter nicht auf den zwiespalt der formen brunn, brunne und brunnen.
1) brunne ist das aus dem erdboden quellende, vordringende, sprudelnde wasser, unterschieden von dem fortrinnenden bach und flusz, die sich immer weiter von ihrem ursprung entfernen.

denn, so wie ihre alpen fort und fort
dieselben kräuter nähren, ihre brunnen
gleichförmig flieszen, wolken selbst und winde
den gleichen strich unwandelbar befolgen.
Schiller 527b.

lebt wol, ihr grotten und ihr kühle brunnen. 452a;

quelle meint eigentlich was brunne, und brunnquell, quellbrunne ist ein pleonasmus. das brunnwasser steht dem fluszwasser und regenwasser entgegen, der helle, klare, frische brunne gewährt uns das trinkbarste wasser und brunne bezeichnet das geholte, geschöpfte trinkwasser, ein glas brunnen ist ein glas wasser; ich trinke nichts als brunnen, nichts als wasser;

und trink lieber wein denn brunnen. fastn. 737, 24;

den weibern ghört der brunnen,
die mann der wein erfreut;

brunnen auf die hände gieszen:

und gôʒ ir (der ohnmächtigen) brunnen
in munt und ûf die hende.
Albr. Tit. 2508;

man gôʒ ir waʒʒer in den munt. Parz. 109, 17;

und siud eʒ in eime brunnen. von gut. speise 3; derwerme reinen brunnen. 6; erwelle daʒ ûʒ einem brunnen. 24; weihbrunne, weihwasser; so begierig sind sie (die fische) den brunnen und ursprung der süszen wasser nachzustreichen. Forer 182b.
Zumal heiszt die heilquelle ein heilbrunne, mhd. heilawâc, heilwæge, ahd. heilacprunno (myth. 551. 553), schöner als heute gesundbrunne. man unterscheidet nach dem gehalt salzbrunne, sauerbrunne (säuerling), bitterbrunne (bitterling); heute ist mineralbrunne eingedrungen, als wäre vonnöthen den einflusz der erdkräfte und erze auf die brunnen im namen hervorzuheben, was der ursinn von brunne viel bedeutsamer that. doch heiszt es noch allgemein brunnen trinken, in den brunnen reisen, vgl. DWB brunnenort, brunnenzeit;

der brunnen scheint hier gut,
der Spaaer sonderlich, der rechte wunder thut.
Hagedorn 2, 106.

das alterthum hatte sogar von belebenden, verjüngenden brunnen, jungbrunnen, quëckbrunnen kunde, vgl. nd. quikborn, ags. cvicvell, brunne des lebens, lebenswasser.
2) brunne ist die gehegte, eingefaszte, ummauerte, zugedeckte quelle, oft auch die gegrabne, ausgehauene; schattige bäume schützen den brunnen, auf stufen steigt man zu ihm

[Bd. 2, Sp. 434]


hinab; sein wasser springt durch röhren (springbrunne) oder wird im eimer aus der tiefe gezogen (ziehbrunne, galgbrunne). das alte testament ist voll lieblicher brunnenscenen: sieben lemmer soltu von meiner hand nemen, das sie mir zum zeugnis seien, das ich diesen brun gegraben habe. 1 Mos. 21, 30; er grub viel brünnen. 2 chron. 26, 10; ausgehawen brun. Neh. 9, 25; die dirne steig hinab zum brunnen und füllet den krug. 1 Mos. 24, 16; und lief aber zum brun zu schepfen. 24, 20; und sahe sich umb und sihe da war ein brun auf dem felde und sihe drei herde schafe lagen dabei, denn von dem brunnen pflegten sie die herde zu trenken und lag ein groszer stein fur dem loch des bruns. 29, 2; geen si wie ein herd vich über ein brunnen. Frank weltb. 14a; am brunnen. Göthe 12, 186;

zeige mir den brunnen,
draus du trinkest,
liebes junges weib! 2, 176;

hier zur seit hinab
quillt der brunnen,
den ich trinke. 2, 178.

redensarten. aus kleinen brunnen trinkt man sich so satt wie aus groszen; aus lauteren brunnen schöpft man lauteres wasser; je näher dem brunnen, je frischer das wasser; es ist ein schlechter brunne, der keinen durst löscht; in den brunnen wasser tragen, dem geben, der schon genug hat; ein böser brunn, in den man allwegen msz wasser tragen. Keisersb. bilg. 99a; es sein böse brünne, darein man wasser tragen musz. Butschky kanzl. 519; da haben sie alsdann ein mut, wie drei hund in eim bronnen, freurt einen so sehr als den andern. bienenk. 240a; nun das kind ertrunken ist, deckt man den brunnen zu; die sach stillschweigend in bronnen fallen lassen. urk. zu Götz von Berl. s. 30;

nun ich hof seiner freuden schallen
werd im plötzlich in brunnen fallen.
H. Sachs V, 226a;

in den brunnen felt und zu saurem wasser wird. hessische schrift gegen Waldeck 1630 s. 205; schien die hofnung meiner erlösung in den brunnen zu fallen. Felsenb. 2, 29; allein diese hofnung fiel in den brunnen. 4, 211; da sie weg sind, fällt alles in brunnen. Göthe an fr. v. St. 1, 103. figürlich, der brunne, die tiefe quelle der weisheit, wahrheit: das wort gottes ist der brunn der weisheit. Sir. 1, 5; die groszen suchen im brunnen der wahrheit so selten etwas anders als ihr eignes mit wasserfarben gemachtes kniestück. J. P. Hesp. 2, 183.
3) das goth. brunna, im sinn von fons, puteus würden wir aufzuweisen haben, wenn sich die übersetzung von Luc. 14, 5 und Joh. 4, 6. 11. 12. 14 erhalten hätte. jetzt kennen wir es nur aus Marc. 5, 29, wo sa brunna blôþis dem gr. ἡ πηγὴ του αἵματος, lat. fons sanguinis entspricht und auch Luther der brunn ires bluts hat. Marc. 5, 25. Luc. 8, 43. 44 wird ῥύσις αἵματος, fluxus sanguinis verdeutscht bei Ulfilas runs blôþis, bei Luther blutgang. aus diesen sich genau dem urtext anschlieszenden stellen kann mithin nicht gefolgert werden, dasz brunna gleichviel mit runs und von rinnan abzuleiten sei. dem biblischen brunnen des bluts scheint auch Gryphius 1, 20 seinen 'brunn der adern' nachzubilden, vgl. DWB brunnader.
4) häufig steht brunne für lotium, harn und man sagte den brunnen fangen, besehen, beschauen, machen, schlagen:

ir habt seinen brunnen beschawet. Teuerdank 67, 35;

du wollest mir den brunnen pas besehen. fastn. 89, 21;

ein prunnen trinken, der auf vier peinen stet,
der unter einem kuezagel furher get. 295, 24;

ach ir baurn, ir seit umb süst herkomen,
ir hett denn des prunnen mit genomen,
daran ich wol het gesehen,
was dem baurn im leib wer geschehen.
'ja herr meister, wir habens wohl bedaht,
wir haben des prunnens mit praht. 684, 1;

ob ieman prechenhaftig sei an seim leib,
er sei junk, man oder weib,
der lasz sein prunnen hie besehen. 696, 11;

und süst vil krankheit, die man nit kan nennen,
die kan er all am prunn erkennen. 696, 16;

herr, lat den brunn auch besehen. 698, 9;

eins tags da stund ich vor eim stall
und wolt mein prunn da machen pald. 726, 24;

und habt ir nit sein prunn gefangen,
so bin ich ganz vergebens gangen. 1059, 11;

ein brun zu han (das wasser zu lassen). 1211, 26;

hast du gefangen deinen brunnen?
H. Sachs I, 466c;

gesell, dein prunn ist trüb und gelb. das.;

ob man mir brecht etliche brunnen
von kranken leuten, die ich besech. III, 2, 211b;

[Bd. 2, Sp. 435]


wie es sonst heiszt fahen einen harn. II. 4, 7c; sie schlagen iren brunnen nicht in flieszend wasser (schlagen ihr wasser nicht in einen flusz ab). Frank weltb. 189; ein kind das hett siben tag und nacht keinen brunnen. summerteil Nürnb. 1475, 19d; fraw, die irn brunnen nit wol gehaben mag. Röszlin 11. vgl. brunze.
 
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brünne, f. thorax, goth. brunjô, ahd. pruniâ, prunnâ (Graff 3, 312), mhd. brünne (Ben. 1, 270a), ags. byrne, altn. brynja, dän. brynje, und selbst altsl. br'' nija, altböhm. brně, ein schönes, aus brinnen leuchten entspringendes, daher auch mit braun, leuchtend, glänzend verwandtes wort, das sich statt panzer hätte im lebendigen gebrauch erhalten sollen.

ich zerhau im seine brünne
mit einem schirmenschlag.
Uhland 330;

die brünne werd um deine brust geschnallt,
den kettenpanzer werf ich über dich.
Uhlands Ernst 123.


 
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brünnel, n. was brünnlein, bair. ein brünnel machen, humorem reddere, mingere. Schm. 1, 261.