Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brühen bis brühlein (Bd. 2, Sp. 424 bis 425)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brühen , ein verbum, bei dem die analogie der formen blühen, glühen, mühen anzuschlagen ist, wozu in den übrigen sprachen noch andere treten, mhd. blüejen, brüejen, müejen agitare, rüejen remigare, praet. bluote, bruote, muote, ruote; ags. blôvan florere, grôvan virere, rôvan remigare, praet. bleov, greov, reov; altn. grôa, rôa, praet. greri, reri. gothische verba mangeln, aus ags. bleov wurde oben sp. 155 geschlossen auf blôvan baiblôv, ähnliche schlüsse müsten auf brôvan baibrôv, môvan maimôv u. s. w. erlaubt sein. dem blôvan entspricht lat. florere, dem grôvan virere (für guirere, hirere, wie viridis für guiridis, hiridis = skr. harit), welche R in florere, virere dem altn. greri, reri gleichen. das gefolgerte môvan aber würde sich zum lat. movere, brôvan vielleicht zu fovere für frovere stellen, fervere hielten wir sp. 322 zu ags. breovan, dessen part. broven sich vom part. brôven unterscheidet, doch so, dasz breovan und brôvan verwandt scheinen. wie aus blüejen bluot, aus brüejen bruot, aus grüejen ahd. gruoan gruotî viror, entsprieszt aus müejen muot, mens agitata, lat. motus (vgl.fetus von fovere).
1) intransitives brühen, fervere, sieden folgt schon aus dem subst. brühe, jus, siedendes wasser, zumal aus der bedeutung von wurm am finger. es erscheint aber noch für braten, rösten assari, da wo Bocc. 2, 107a steht: er liesz die arme fraw auf dem thurm an der sonnen braten, hat ein älterer druck 'brüen'. ursprünglich galt es auch für incubare ovis, was hernach durch brüeten, brüten ausgedrückt wurde, denn transitives ausbrüen bedeutet noch ausbrüten, den belegen 1, 839 ist beizufügen: ein kunst brüet die hüner aus. Frank sprichw. 1, 103b; als der guckuk, wann in die grasmuck lang ausbrüet

[Bd. 2, Sp. 425]


und erzeucht. 2, 118b. nnl. de vogel broeit (brütet), het hoen zit te broeijen (das hun sitzt zu brüten); de lucht broeit, die luft ist heisz; het hooi broeit, das heu dörrt, trocknet. nd. em breuet de kopp (sein kopf brütet läuse). Richey s. 24.
2) transitives brühen,
a) coquere, sieden: kartoffel brühen, schweiz. bbrüet erdöpfil, gesottene kartoffel. Tobler 81b.
b) aqua ferventi perfundere: hüner, gänse, fische, schweine brühen, damit die federn, schuppen, haare abgehen: wo man die fische nicht vor wol brühet, so mögen sie nicht geschüppet werden. Forer fischb. 54a; wie dann des landes gewonheit ist, das man die gense sowol als die hüner brühet und die federn hin schüttet. Krügers Hans Clawert 10; fraget, ob das wasser heisz were, das schwein zu brühen. 48. den kaffee, thee brühen, anbrühen; den kohl brühen, abbrühen, das futter für das vieh. die wäsche brühen, laugen.
c) vexare, plagen, scheren, narren, necken: lasz mich ungebrühet, noli me vexare. Frisch 1, 145a; ein praeceptor muste deshalben von uns fort, dasz er mich mit dem catechismo so sehr gebrühet. Weise erzn. 75; ja, ja, gehei dich nur hin und brühe deine mutter! Simpl. 2, 94; so lat dan zwelgen, dattet sine moer brue! Teweschen kindelbehr B, 12. Lukevent B, 8; bru hen, Graite, un halene en betken! (schier dich hin, Grete, und hol ihn ein bischen). Lukevent B, 6; Geise, brue hen un hale den lue to supen! (mache dich hin und hole den leuten zu trinken). B, 7; alle speisen, die nicht fett enthalten, können wol 'dat mul brühen' (den mund necken), aber nicht nähren. Goldschmidt volksmedicin im nordwestl. Deutschland. Bremen 1854 s. 31. dies brüen könnte leicht, mit ausgestoszner lingualis, aus brüden entspringen, und Richey s. 25 stellt brüden, hudeln, scheren, vexieren auf: wat brüdt et mi? was schiert es mich? brüdet darvan! schert euch fort! wie gehei dich! ungebrüdet laten, ungehudelt, ungeheit lassen. hier mengen sich also brühen und brüten, und da beiden auch eine rohe, unzüchtige bedeutung zusteht, wie sie die angeführten redensarten ahnen lassen und bereits Frischlin facet. p. m. 9, als niedersächsische spracheigenheit hervorhebt; so gemahnen sie zugleich an brauten 2 (sp. 333), obschon genauere schreibung auch nd. bröden von brüden scheiden sollte. vgl. hundsgebrüt, farrengebrüt. Garg. 62b.
d) sich brühen, sich braten, hitze aushalten: ha ungeziefer, das sich im schimmer brüht. Fr. Müller 2, 206; alle rücken brühten sich (vor ungeduld und langeweile). J. P. uns. loge 1, 87.
3) vgl. DWB abbrühen, DWB anbrühen, DWB ausbrühen, einbrühen, verbrühen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brüherz, n. kupferkies mit ocker durchzogen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühfasz, n. fasz zum futterbrühen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühfutter, n. viehfutter, das mit heiszem wasser gebrüht wird.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühhäcksel, n. stramenta concisa aqua ferventi perfundenda.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühhäckselfütterung, f.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühheisz, fervidus, siedendheisz: als in einem prüeheiszen wildbade. Mathesius 124a; die wir vor angst und brühheiszer röthe im gesichte uns nicht aufrichten durften. pol. maulaffe 127; einem brühheisz aufgieszen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühkäse, m.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühl, s. DWB brül.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühlauter, purissimus, reingebrüht: brühlautere unschuld. mägdelob 3.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brühlein, n. jusculum: ein süplin, ein brüehelin. Keisersb.; dasz er wol sechs päpsten nacheinander mit italienischen prülein und venedischen süpplin aus den füszen hat geholfen. bienenk. 219a. Maaler 79c hat brüile, brühle.