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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brügeln bis brühhäckselfütterung (Bd. 2, Sp. 423 bis 425)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brügeln ,
1) fuste percutere, ahd. prugilôn (Graff 3, 364), schw. prygla, dän. prygle. einen lahm, todt prügeln; das schreckliche gewitter seines harten brügelns. Harnisch 58; der arme, gebrügelte ritter. das.; da ihm aber Secundatus vom brüglen sagte, griffe er auch an stab. Simpl. 3, 157.
2) den hund prügeln, ihm einen knüttel anhängen.
3) den weg prügeln, ausprügeln, mit knütteln belegen. s. DWB abprügeln, DWB ausprügeln, DWB durchprügeln, zerprügeln.
 
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brügelsuppe, f. eine tracht stockschläge.
 
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brügelweg, m. via fustibus constructa, knüppelweg. Stalder 1, 233.
 
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brühe, f. jus, jusculum, ein ahd. pruohî (wie muohî, pluohî) nicht vorhanden, mhd. brüehe, brüeje (Ben. 1, 267a), nnl. broei, brui (wie bloei m.); Dasyp. schreibt brühe 107d. 309d, Maaler brüi 79c, Henisch brü 531; vgl. it. broda, brodo und oben sp. 395 brod. von der wurzel unter brühen.
1) jus, ζωμός, das heisze wasser auf, von gesottnem fleisch oder kraut, altn. soð: und Gideon kam und schlachtet ein zigenböcklin und legt (das) fleisch in einen korb und thet die brühe in ein töpfen. richt. 6, 19; geusz die brühe aus. 6, 20; schweinenfleisch mit geler bruwen. weisth. 2, 451; schwarze brühe, jus nigrum; den gästen brühe und fleisch vorsetzen;

wie vast das fleisch mir ward verschlossen,
han ich doch oft der brüe genossen. fastn. 261, 30. 339, 17;

sie bat um ein tröpfchen brühe, das wollten mich die wächter nicht reichen lassen. Fr. Müller 3, 207. unsere heidnischen vorfahren genossen die brühe und das oben schwimmende fett des opferfleisches (mythol. s. 50). eine brühe an etwas machen hiesz die brühe noch mit andern speisen z. b. eiern oder mit würze versetzen; dann aber wurden auch zu braten oder backwerk eigne brühen (saucen) bereitet. s. DWB fleischbrühe, DWB bratenbrühe, DWB fischbrühe, hammelsbrühe, kalbsbrühe, hünerbrühe, gerstenbrühe, haberbrühe, eierbrühe, kloszbrühe, würzbrühe, kaffeebrühe.
2) brühe hiesz auch so viel man auf einmal brüht, eine brühe fische = ein gericht fische, ganz wie ein kochet erbsen, ein gericht erbsen, so viel man zusammen kocht. Steinhöwel sagt im Bocc. nach dem alten Ulmer druck 356b: und in kürze ein schöne brü visch gefangen heten, wo im urtext nur in piccolo spazio di tempo presero pesce assai (10, 6), und hier unpassend, da es sich von zu bratenden, nicht zu siedenden fischen handelt, weshalb auch die spätere ausg. von 1580 2, 187b richtig ändert: in kürze ein schöns essen fisch fiengen. jenes brü aber erweist den aufgestellten sprachgebrauch.
3) die brühe von einem, von etwas haben, will sagen nicht

[Bd. 2, Sp. 424]


das geringste davon, nicht einmal die brühe von dem gesottnen fleisch haben, es ist also eine der häufigen verstärkungen der negation (gramm. 3, 728—736), welche dann selbst wegbleiben kann. ursprünglich heiszt es, ich habe nicht die brühe davon, hernach aber mit gleichem sinn, ich habe die brühe davon, wie z. b. ich habe nicht den teufel davon oder ich habe den teufel davon. hier sind einige belegstellen: komm, wir wollen weiters, ich habe die brüh von diesem groben, undankbaren bauren. Simpl. 3, 856; hört vetter, in wirtshäusern musz man bezahlen und habe ich die brüh von eurer vetterschaft, der beste vetter ist im beutel. Ettners hebamme 44; die brühe von einem haben. Dreieicher urk. no 188. auch nnl. ik heb er den brui van, ich lasse mich nicht darauf ein; ik geef er den brui van, ich gebe nicht das mindeste darauf. man sagt auch nnl. daar hebt gij al den brui, al wat er is, im sinne von: da hast du die ganze brühe, den ganzen bras, brei, bettel. westfälisch: van sulke schrabberi weit ich neinen brue, nicht das mindeste. Lukevent B 7a.
4) eine brühe machen, geschwätz und gerede; er macht über alles eine lange brühe. alles in éine brühe werfen, immer dieselbe brühe aufgieszen, die sache in einer weise behandeln. die brühe verschütten, die sache verderben; er hat seine brühe bei ihm verschüttet, sich um dessen gunst gebracht.
5) brühe bezeichnet auszer der gesottenen auch noch andere flüssigkeiten. so nennt man das blut die rothe brühe, wie den rothen saft (sp. 170), oder die rothe suppe (Plesse 3, 177); er drohte, ich werde dich schlagen, dasz die rothe brühe davon laufen soll. wenn jemand gierig saftige früchte iszt: die brühe läuft ihm den mund herab. man sagt auch, die trauben geben viel oder mehr brühe, und nennt den wein traubenbrühe, rebenbrühe, rebensaft:

nu gesegen dich got, du liebe rebenbrü! altd. bl. 1, 406. fastn. 1335.

wäscher und färber nennen die lauge und flüssige farbe brühe, auch der dünne, flüssige koth heiszt brühe. nach dieser letzten bedeutung entspringen die redensarten in die brühe geraten, in die brühe führen, in noth und verlegenheit; in der brühe stecken, sitzen: daurt dich nicht dein liebes völklin, welchs du in die brühe fürest? Garg. 216a; denn ich hatte solcher schleppsäcke unter den bürgerstöchtern ein ganz halb dutzet, die mich mehr als allzu wol kanten und nunmehr recht in der brühe saszen. Simpl. 1, 342; niemand mochte ihn leiden und alle lieszen ihn jetzt in der brühe stecken.
6) schweizerisch ist brüh auch der wurm am finger, wie sonst brüt, gebrüt, gleichsam das siedende, brühende, brütende weh. Tobler 81b.
 
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bruheh, n. clamor venantium, noch in Nürnberg beim ochsenhetzen. Frisch 1, 145a, franz. brouhaha. Schm. 1, 243 deutet anders.
 
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brühen , ein verbum, bei dem die analogie der formen blühen, glühen, mühen anzuschlagen ist, wozu in den übrigen sprachen noch andere treten, mhd. blüejen, brüejen, müejen agitare, rüejen remigare, praet. bluote, bruote, muote, ruote; ags. blôvan florere, grôvan virere, rôvan remigare, praet. bleov, greov, reov; altn. grôa, rôa, praet. greri, reri. gothische verba mangeln, aus ags. bleov wurde oben sp. 155 geschlossen auf blôvan baiblôv, ähnliche schlüsse müsten auf brôvan baibrôv, môvan maimôv u. s. w. erlaubt sein. dem blôvan entspricht lat. florere, dem grôvan virere (für guirere, hirere, wie viridis für guiridis, hiridis = skr. harit), welche R in florere, virere dem altn. greri, reri gleichen. das gefolgerte môvan aber würde sich zum lat. movere, brôvan vielleicht zu fovere für frovere stellen, fervere hielten wir sp. 322 zu ags. breovan, dessen part. broven sich vom part. brôven unterscheidet, doch so, dasz breovan und brôvan verwandt scheinen. wie aus blüejen bluot, aus brüejen bruot, aus grüejen ahd. gruoan gruotî viror, entsprieszt aus müejen muot, mens agitata, lat. motus (vgl.fetus von fovere).
1) intransitives brühen, fervere, sieden folgt schon aus dem subst. brühe, jus, siedendes wasser, zumal aus der bedeutung von wurm am finger. es erscheint aber noch für braten, rösten assari, da wo Bocc. 2, 107a steht: er liesz die arme fraw auf dem thurm an der sonnen braten, hat ein älterer druck 'brüen'. ursprünglich galt es auch für incubare ovis, was hernach durch brüeten, brüten ausgedrückt wurde, denn transitives ausbrüen bedeutet noch ausbrüten, den belegen 1, 839 ist beizufügen: ein kunst brüet die hüner aus. Frank sprichw. 1, 103b; als der guckuk, wann in die grasmuck lang ausbrüet

[Bd. 2, Sp. 425]


und erzeucht. 2, 118b. nnl. de vogel broeit (brütet), het hoen zit te broeijen (das hun sitzt zu brüten); de lucht broeit, die luft ist heisz; het hooi broeit, das heu dörrt, trocknet. nd. em breuet de kopp (sein kopf brütet läuse). Richey s. 24.
2) transitives brühen,
a) coquere, sieden: kartoffel brühen, schweiz. bbrüet erdöpfil, gesottene kartoffel. Tobler 81b.
b) aqua ferventi perfundere: hüner, gänse, fische, schweine brühen, damit die federn, schuppen, haare abgehen: wo man die fische nicht vor wol brühet, so mögen sie nicht geschüppet werden. Forer fischb. 54a; wie dann des landes gewonheit ist, das man die gense sowol als die hüner brühet und die federn hin schüttet. Krügers Hans Clawert 10; fraget, ob das wasser heisz were, das schwein zu brühen. 48. den kaffee, thee brühen, anbrühen; den kohl brühen, abbrühen, das futter für das vieh. die wäsche brühen, laugen.
c) vexare, plagen, scheren, narren, necken: lasz mich ungebrühet, noli me vexare. Frisch 1, 145a; ein praeceptor muste deshalben von uns fort, dasz er mich mit dem catechismo so sehr gebrühet. Weise erzn. 75; ja, ja, gehei dich nur hin und brühe deine mutter! Simpl. 2, 94; so lat dan zwelgen, dattet sine moer brue! Teweschen kindelbehr B, 12. Lukevent B, 8; bru hen, Graite, un halene en betken! (schier dich hin, Grete, und hol ihn ein bischen). Lukevent B, 6; Geise, brue hen un hale den lue to supen! (mache dich hin und hole den leuten zu trinken). B, 7; alle speisen, die nicht fett enthalten, können wol 'dat mul brühen' (den mund necken), aber nicht nähren. Goldschmidt volksmedicin im nordwestl. Deutschland. Bremen 1854 s. 31. dies brüen könnte leicht, mit ausgestoszner lingualis, aus brüden entspringen, und Richey s. 25 stellt brüden, hudeln, scheren, vexieren auf: wat brüdt et mi? was schiert es mich? brüdet darvan! schert euch fort! wie gehei dich! ungebrüdet laten, ungehudelt, ungeheit lassen. hier mengen sich also brühen und brüten, und da beiden auch eine rohe, unzüchtige bedeutung zusteht, wie sie die angeführten redensarten ahnen lassen und bereits Frischlin facet. p. m. 9, als niedersächsische spracheigenheit hervorhebt; so gemahnen sie zugleich an brauten 2 (sp. 333), obschon genauere schreibung auch nd. bröden von brüden scheiden sollte. vgl. hundsgebrüt, farrengebrüt. Garg. 62b.
d) sich brühen, sich braten, hitze aushalten: ha ungeziefer, das sich im schimmer brüht. Fr. Müller 2, 206; alle rücken brühten sich (vor ungeduld und langeweile). J. P. uns. loge 1, 87.
3) vgl. DWB abbrühen, DWB anbrühen, DWB ausbrühen, einbrühen, verbrühen.
 
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brüherz, n. kupferkies mit ocker durchzogen.
 
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brühfasz, n. fasz zum futterbrühen.
 
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brühfutter, n. viehfutter, das mit heiszem wasser gebrüht wird.
 
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brühhäcksel, n. stramenta concisa aqua ferventi perfundenda.
 
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brühhäckselfütterung, f.