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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bruderzwist bis bruheh (Bd. 2, Sp. 422 bis 424)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bruderzwist, m. odium fraternum:

du siehst, dasz deiner söhne bruderzwist
die stadt empört in bürgerlichem streit.
Schiller 490a.


 
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brüdsch, m. eine trauliche koseform für bruder, in schweizerischen gegenden. Stalder 2, 503. ähnlich dem meitschi für mädchen.
 
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brüfen, für prüfen wurde im 16 jh. häufig geschrieben, z. b.

als ich brüfet die hitze mein.
H. Sachs III. 2, 183a.

nicht anders mhd. brüeven.
 
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brüge, f. tabulatio, bretergerüst, was britsche und brücke 7. 8:

daʒ man auch scholte machen
einen zaun all umb den plân,
daʒ was io also schier getân,
und darauf scholt man prügi legen
durch der schönen frawen wegen
die den turner scholten sehen. ring 8a, 30;

daʒ was niemand also schad
sam Chuonzen weib der Jutzen,
die von lachen und von chutzen
obnen ab der prügi viel. 9a, 34.

so noch schweizerisch brüge, brügi, erhöhung von bretern, heuboden, fuszboden im stall, gerüst zur aufbewahrung von baum- und erdefrüchten, bühne im schauspiel. Stalder 1, 233. auch Maaler unterscheidet von bruck f. pons 79b brüge f. machina, tabulatum 79c und erklärt: ein aufgerichte brüge, darauf man ein schawspil haltet oder ein comedi spilt; brüginen und ständ, darauf man einem schawspil zlgt; brüginen im schif oder gäng hin und wider ze gon gemacht, fori fororum. nicht anders steht bei Dasypodius 309c bruck pons gesondert von brüg, mitten im schawhaus, orchestra, pulpitium 309d.

[Bd. 2, Sp. 423]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brügel , m. fustis, heute geschrieben prügel, scheint dem vorausgehenden brüge unmittelbar verwandt, wie es auch Maaler 79c darunter setzt und brügel tile (diele) planca deutet. mit recht zieht noch Stieler 237 die schreibung brügel vor, wiewol er die falsche ableitung von brechen hat. brügel musz einer abkunft sein mit brücke und nicht blosz fustis, sondern auch sudes, palus, knüttel, knüppel, bengel ausdrücken. brügelweg ist ein durch den sumpfboden gebrückter weg, knüppelweg, eine brücke. schon die ahd. sprache, wie aus dem verbum prugilôn gefolgert werden darf, musz dieses prugil besessen haben. brügel ist also
1) fustis, ein knüttel zum schlagen, der schlag selbst; es heiszt prügel geben, austheilen, bekommen, empfangen, erhalten, kriegen, verdienen, davontragen, und der ausdruck ist unedler als schläge. einem mit dem brügel drohen, minari baculo.

schlah in mit eim prügel ümbt schinken. fastn. 686, 26;

geh, bring zwen brügel mir und dir.
H. Sachs II. 4, 28d;

wann klaubten sie all brügel auf,
gar bald würd unser auch ein hauf.
Soltau 240;

indem Pasimondas mit einem groszen prügel inen entgegen kam. Bocc. 1, 261, wo ältere drucke brügel, der Ulmer druck 183a aber prügell; der maultreiber ein prügel nam und das maul aus allen kreften damit schlug. 2, 161b; mit dem prügel bewillkommen; mit dem prügel schlagen, tödten; eine ganze tracht prügel blieb nicht aus. vgl. DWB arschprügel, DWB stockprügel.
2) ein zu brennholz gehauner baumast. Schmeller 1, 342. ein stosz, ein fuder prügel; die prügel richten, schichten.
3) ein prügel zum schieszen, schieszprügel, feuergewehr; auch der dem hund angehängte knüttel.
4) membrum virile.
 
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brügelei, f. verbera: es war eine rechte prügelei.
 
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brügeln ,
1) fuste percutere, ahd. prugilôn (Graff 3, 364), schw. prygla, dän. prygle. einen lahm, todt prügeln; das schreckliche gewitter seines harten brügelns. Harnisch 58; der arme, gebrügelte ritter. das.; da ihm aber Secundatus vom brüglen sagte, griffe er auch an stab. Simpl. 3, 157.
2) den hund prügeln, ihm einen knüttel anhängen.
3) den weg prügeln, ausprügeln, mit knütteln belegen. s. DWB abprügeln, DWB ausprügeln, DWB durchprügeln, zerprügeln.
 
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brügelsuppe, f. eine tracht stockschläge.
 
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brügelweg, m. via fustibus constructa, knüppelweg. Stalder 1, 233.
 
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brühe, f. jus, jusculum, ein ahd. pruohî (wie muohî, pluohî) nicht vorhanden, mhd. brüehe, brüeje (Ben. 1, 267a), nnl. broei, brui (wie bloei m.); Dasyp. schreibt brühe 107d. 309d, Maaler brüi 79c, Henisch brü 531; vgl. it. broda, brodo und oben sp. 395 brod. von der wurzel unter brühen.
1) jus, ζωμός, das heisze wasser auf, von gesottnem fleisch oder kraut, altn. soð: und Gideon kam und schlachtet ein zigenböcklin und legt (das) fleisch in einen korb und thet die brühe in ein töpfen. richt. 6, 19; geusz die brühe aus. 6, 20; schweinenfleisch mit geler bruwen. weisth. 2, 451; schwarze brühe, jus nigrum; den gästen brühe und fleisch vorsetzen;

wie vast das fleisch mir ward verschlossen,
han ich doch oft der brüe genossen. fastn. 261, 30. 339, 17;

sie bat um ein tröpfchen brühe, das wollten mich die wächter nicht reichen lassen. Fr. Müller 3, 207. unsere heidnischen vorfahren genossen die brühe und das oben schwimmende fett des opferfleisches (mythol. s. 50). eine brühe an etwas machen hiesz die brühe noch mit andern speisen z. b. eiern oder mit würze versetzen; dann aber wurden auch zu braten oder backwerk eigne brühen (saucen) bereitet. s. DWB fleischbrühe, DWB bratenbrühe, DWB fischbrühe, hammelsbrühe, kalbsbrühe, hünerbrühe, gerstenbrühe, haberbrühe, eierbrühe, kloszbrühe, würzbrühe, kaffeebrühe.
2) brühe hiesz auch so viel man auf einmal brüht, eine brühe fische = ein gericht fische, ganz wie ein kochet erbsen, ein gericht erbsen, so viel man zusammen kocht. Steinhöwel sagt im Bocc. nach dem alten Ulmer druck 356b: und in kürze ein schöne brü visch gefangen heten, wo im urtext nur in piccolo spazio di tempo presero pesce assai (10, 6), und hier unpassend, da es sich von zu bratenden, nicht zu siedenden fischen handelt, weshalb auch die spätere ausg. von 1580 2, 187b richtig ändert: in kürze ein schöns essen fisch fiengen. jenes brü aber erweist den aufgestellten sprachgebrauch.
3) die brühe von einem, von etwas haben, will sagen nicht

[Bd. 2, Sp. 424]


das geringste davon, nicht einmal die brühe von dem gesottnen fleisch haben, es ist also eine der häufigen verstärkungen der negation (gramm. 3, 728—736), welche dann selbst wegbleiben kann. ursprünglich heiszt es, ich habe nicht die brühe davon, hernach aber mit gleichem sinn, ich habe die brühe davon, wie z. b. ich habe nicht den teufel davon oder ich habe den teufel davon. hier sind einige belegstellen: komm, wir wollen weiters, ich habe die brüh von diesem groben, undankbaren bauren. Simpl. 3, 856; hört vetter, in wirtshäusern musz man bezahlen und habe ich die brüh von eurer vetterschaft, der beste vetter ist im beutel. Ettners hebamme 44; die brühe von einem haben. Dreieicher urk. no 188. auch nnl. ik heb er den brui van, ich lasse mich nicht darauf ein; ik geef er den brui van, ich gebe nicht das mindeste darauf. man sagt auch nnl. daar hebt gij al den brui, al wat er is, im sinne von: da hast du die ganze brühe, den ganzen bras, brei, bettel. westfälisch: van sulke schrabberi weit ich neinen brue, nicht das mindeste. Lukevent B 7a.
4) eine brühe machen, geschwätz und gerede; er macht über alles eine lange brühe. alles in éine brühe werfen, immer dieselbe brühe aufgieszen, die sache in einer weise behandeln. die brühe verschütten, die sache verderben; er hat seine brühe bei ihm verschüttet, sich um dessen gunst gebracht.
5) brühe bezeichnet auszer der gesottenen auch noch andere flüssigkeiten. so nennt man das blut die rothe brühe, wie den rothen saft (sp. 170), oder die rothe suppe (Plesse 3, 177); er drohte, ich werde dich schlagen, dasz die rothe brühe davon laufen soll. wenn jemand gierig saftige früchte iszt: die brühe läuft ihm den mund herab. man sagt auch, die trauben geben viel oder mehr brühe, und nennt den wein traubenbrühe, rebenbrühe, rebensaft:

nu gesegen dich got, du liebe rebenbrü! altd. bl. 1, 406. fastn. 1335.

wäscher und färber nennen die lauge und flüssige farbe brühe, auch der dünne, flüssige koth heiszt brühe. nach dieser letzten bedeutung entspringen die redensarten in die brühe geraten, in die brühe führen, in noth und verlegenheit; in der brühe stecken, sitzen: daurt dich nicht dein liebes völklin, welchs du in die brühe fürest? Garg. 216a; denn ich hatte solcher schleppsäcke unter den bürgerstöchtern ein ganz halb dutzet, die mich mehr als allzu wol kanten und nunmehr recht in der brühe saszen. Simpl. 1, 342; niemand mochte ihn leiden und alle lieszen ihn jetzt in der brühe stecken.
6) schweizerisch ist brüh auch der wurm am finger, wie sonst brüt, gebrüt, gleichsam das siedende, brühende, brütende weh. Tobler 81b.
 
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bruheh, n. clamor venantium, noch in Nürnberg beim ochsenhetzen. Frisch 1, 145a, franz. brouhaha. Schm. 1, 243 deutet anders.