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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bruchwerft bis brückenauge (Bd. 2, Sp. 414 bis 416)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bruchwerft, f. salix arenaria.
 
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bruchwicke, f. lathyrus palustris.
 
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bruchwurz, f. benennung mehrerer bruchheilender oder auch sumpfiger kräuter, agrimonia eupatorium, aristolochia clematitis u. a. m. wie bruchkraut.
 
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brückchen, n. ponticulus.
 
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brücke, f. pons, ahd. prucchâ (Graff 3, 281) für prucchia, mhd. brücke (Ben. 1, 266a), nnl. brug pl. bruggen; fries. bregge, ags. brycg, engl. bridge, wie ecg und edge; altn. bryggja, neben einer kurzen, starken form brû gen. brûar, und ebenso schw. brygga, bro; dän. brygge, bro. im N. T. kommt das wort nicht vor, mangelt mithin bei Ulfilas, raten liesze sich auf bruggvô, briggvô, oder auf braus gen. bravais oder auf noch andere bildungen, nahe läge das lapp. bruwe, bruwe, broun, scheint aber erst aus dem schw. bro entlehnt, wie von uns das litt. brukkas steinbrücke. brû und bryggja verhalten sich wie trûa credere, schw. dän. tro, zu tryggr fidus, schw. dän. trygg, folglich wie goth. trauan zu triggvs, wie ahd. trûên zu triuwi, das ags. treovan stimmt zu treove, selbst triu arbor, ags. treov, engl. tree sind verwandt. ähnliche lautübergänge erfolgen im goth. frauja, ahd. fro, altn. Freyr, Freyja, ags. freá, ahd. frouwâ, altn. Frigg, oder im goth. bauan, bagms (wie triu, der starke, feste), ahd. pouwan, poum, altn. bûa und byggja, schw. bo, bygga und in andern wörtern mehr.
Brücke deutet uns also auf ein verschollenes verbum wie goth. brauan hin, dem der sinn von wölben könnte zugestanden haben, was auch buchstäblich nahe an bauan struere reicht. die ersten brücken waren ohne zweifel über den flusz gelegte bäume, stämme, wie die stege breter oder bohlen, auf welchen man den bach überstieg. in jenem verbum musz ein wälzen, werfen, dämmen und weg machen über den strom enthalten gewesen sein; im fortschritt der zeit gelangte man dazu auch brücken zu mauern, und endlich aus eisen zu schmieden. die holzbrücke aber war ein balken und bretergerüst, das zugleich an die vorstellung von britsche mahnt, was dem engl. bridge begegnet (s. hernach brüge), man erwäge speckia und specke, holzdamm, holzweg.
Nun sind aber auch mythen rege, nicht nur von dratbrücken und schwertbrücken (mythol. 794. 1036), die unsere kettenbrücken gleichsam weissagten, sondern die brücke galt für ein thier, für eine schlange, die sich über den flusz legt, um den menschen die überfahrt zu bereiten (mythol. 929), weshalb von einem kopf, joch und schweif, es scheint auch von einem auge der brücke die rede ist. nach Athenaeus p. 622 soll in einem gr. dialect βλέφυρα, φλέφυρα für γέφυρα gegolten haben, wobei

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schon andere an βλέφαρον denken (Kuhns zeitschr. 1, 134), zumal ein dor. γλέφαρον für βλέφαρον vorkommt. die brücke wölbt sich über dem wasser, wie die braue über dem auge, ὀφρύς ist hügel, rand, ahd. brâwa des berges, supercilium montis, unser braue, prâwa nähert sich unmittelbar jenem gemutmaszten braus, bravais.
Viele unsrer ortsnamen lauten Brücke, Bruck oder sind mit brücke zusammengesetzt, Osnabrück, Steinbrück, Saarbrück, Insbruck u. s. w. unvergleichbar ist wol das keltische briga, bria, briva, welche zwar Ducange 1, 775b. 779b pons, Zeusz (gramm. celt. 101) collis deutet; keine der heutigen keltischen sprachen besitzt ein ähnliches wort für brücke. das ir. drochad, droichiod scheint mit darach eiche, baum nahverwandt, die welsche sprache hat pont aus dem latein. pons wird passend aus skr. patha und pathin (welches einige casus panthan bildet), gedeutet, die brücke ist der weg über den flusz, und auch gr. πόντος scheint der schiffe weg. sonst heiszt brücke im skr. sêtu, die bindende, von der wurzel si, binden. litt. ist sija der brückenbalke, tiltas die brücke, finn. silta, lapp. shialdo. die Slaven haben most''.
Ein mhd. brucke, ohne umlaut, ist noch unerwiesen (gramm. 1, 161), in der zweiten ausg. des Iw. hat Lachmann statt des brucke der ersten brüke geschrieben. nhd. hört man freilich in Baiern und Östreich bruck für brücke, wie selbst der name Insbruck zeigt; Göthe, wenn er den umlaut unterdrückte, that es des reims halben:

auf groszen und auf kleinen brucken
stehn vielgestaltete Nepomucken. 2, 220;

denn sonst hat er nur die umlautende form:

kinder singen auf der brücken (: entzücken). 3, 53,

statt dieses brücken heiszt es besser brücke:

was hör ich drauszen vor dem thor,
was auf der brücke schallen? 1, 178.


Bedeutungen und redensarten.
1) eine brücke bauen, lat. pontem facere (vgl. pontifex), efficere, die verwandtschaft von bauen und facere bestärkend; brücke legen, schlagen, werfen, abwerfen, abbrechen, sperren; die fallbrücke aufziehen, auflassen, niederlassen. fliehendem feinde soll man eine goldne brücke bauen; wie man eine brücke ehrt, ehrt sie einen wieder;

die wasser
sind ausgetreten von dem groszen regen,
und alle brücken hat der strom zerrissen.
Schiller 545a;

ein sprung von dieser brücke macht mich frei. 520a.


2) einem die brücke treten (die aufziehbrücke niedertreten) = den weg bahnen: pfui doch, Lisette, erzürne ihn nicht. Lisette. was? ich glaube sie treten ihm noch die brücke. Lessing 2, 411, thun ihm vorschub; nd. ik mot jummer de brugge dal treden, musz immer vor dem risz stehn, das hindernis heben.
3) die gröszere brücke steht dem kleinen steg entgegen, der nur über bäche und graben geht. beide werden oft verbunden: alle brücken und stege im land kennen;

wo wer auf brücken oder stegen
von euch arges tet sagen,
dem woll wir es selber nit vertragen. fastn. 392, 24.


4) ein alte brücke, ein fales pferd, wenn sie bestehn, sind lobenswerth.

zwei spilten der fûlen brucken.
Altschwert s. 90;

der faulen brücken spielen. Garg. 77b.
5) man sagt, es liegt wol ein schalk unter der brücke und läszt einen ehrlichen mann drüber hingehen. von wassergeistern und neckenden hausgeistern, auch von verwünschten wird erzählt, dasz sie unter der brücke liegen und niesen (deutsche sagen no 224. 225);

wie ietzund ein sprichwort ist,
ein wild man unter der brucken friszt
diese männer, so sich nicht
fürchten vor siemans angesicht.
Ad. Schubarth sieman oder hausteufel F 5b.


6) bildlich, das musz zur brücke dienen, zum übergang von einer sache auf die andere, sonst abliegende. brücken machen, zur tilgung alter schulden neue machen. von einer lüge: wenn das wort eine brücke wäre, möchte ich nicht darüber gehn.
7) brücke hiesz im 16. 17 jh. das bretergerüst, die bühne des theaters, welche einfach auf holzböcken errichtet wurde, zumal das proscenium, wie es sich vor den zuschauern erhöhte, hinter ihm erhob sich die zinne als bekrönung. auf der brücke fand sich eine versenkung, das loch genannt. diese bedeutung, gleich der folgenden, berührt sich mit der von britsche, brüge.

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8) brücke, faulbett, eine breite lagerstatt von bretern am ofen und an einer seitenwand der ländlichen wohnstube, gästen oder kranken angewiesen. der raum darunter ist für das hünervolk. ofenbrücke, hennenbrücke. zu haus hab er ein kranke mueter auf der bruk ligen. Schmeller 1, 252. mhd.

da wil ich den strôsack in die stuben tragen,
sô muoʒ oven und brügge erwagen. MS. 2, 108b.


9) brücke der laute, zither, geige, ponticulus, was wir heute steg nennen. Henisch 527, 21.
10) an der buchdruckerpresse findet sich eine brücke (franz. tablette), zwei in die seiten eingelassene holzstücke, durch welche die büchse geht.
11) weidmännisch ist brücke oder kehle ein kleines gestricke im triebzeug, über welches die feldhüner hinauf, nicht aber zurück können.
12) den ärzten und wundärzten hiesz brücke auch das hüftbein, os coxae, das schlosz oder schluszbein: beifusz, warm über die brück oder schlosz geschlagen vertreibt den kalten seich und die harnwinde. Tabernaemont. s. 44.
13) brücke, strues, scheiterbrücke, scheiterhaufe. auch die leiste auf beiden armen des vorderwagens heiszt brücke.
14) s. DWB fallbrücke, fliegende, DWB hängebrücke, hangende brücke, kettenbrücke, pfalbrücke, schifbrücke, schloszbrücke, steinbrücke.
 
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brückeln, was brägeln, bräkeln, schmoren: ein pfund kupferwasser, ein pfund alaun in den hafen gethan zum feuer gestellt, und durcheinander brückeln lassen, bis es hart wird, dann lassen kalt werden. Pinter 427.
 
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brücken, γεφυροῦν, pontem efficere, dämmen, ahd. prucchôn, bruccôn (Graff 3, 281), mhd. brücken (Ben. 1, 266b), ags. brycgan,

clang väteres þrym
ofer eástreámas, îs brycgade
blæce brimrâde. Andr. 1262,

das eis baute eine brücke über die flut; altn. brûa. nhd. auf der andern seiten des wassers, darüber der feind zu laufen gebrückt hatte. Kirchhof mil. disc. 23; geschnittene eichene bolen, dem geschütz mit unter zu brücken. 24;

mit schiffen man uber Tonaw prucket.
H. Sachs I, 212c;

der streit hörte auf um die zeit, als die banner von Schwytz und Glaris, nachdem sie gebrücket, eben von der Muesa her zu ihnen zogen. Joh. Müller 3, 442;

du brücktest die flut mit schlüpfrigem eis.
Voss 5, 132;

man brückt auf todten knochen
der eltern, die die faust der kinder hat erstochen,
den irrweg auf den thron.
Lohenst. Agripp. 8, 251.

man sagt auch einen bausch über gefäsze brücken, legen; einen dachboden brücken, mit bretern belegen. vgl. DWB bebrücken, DWB überbrücken, DWB unterbrücken, verbrücken.
 
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brucken, pulsare, pultare, pochen, auf die thürklinke schlagen, in einigen landstrichen, z. b. in Göttingen.
 
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brückenamt, n. behörde, welche die brücken beaufsichtet.
 
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brückenarm, m. brachium pontis.
 
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brückenauge, n. ein Thomas de Bruggenoge in einer urk. bei Seibertz 2, 297.