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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bruch bis bruchdegen (Bd. 2, Sp. 410 bis 411)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bruch, f. zuweilen n. femorale, wieder mit langem vocal (wie in buch, tuch), hose, unterhose, niederkleid, ahd. pruoh (Graff 3, 277), mhd. bruoch (Ben. 1, 270b); ags. brôc pl. brêc, welchem pl. der engl. breeches gleicht; ebenso fries. brôk, pl. brêk; nnl. broek; altn. brôk, schw. bracka; lat. brāca und bracca, franz. bragues pl.; die galischen glossare geben ein veraltetes briogais, briogan an und armor. hat sich bragez erhalten. Stalder 1, 232 führt bruch in der bedeutung von badbinde, schambinde auf. Karl der grosze verordnete dem bauer:

siben elne ze hemede unde ze bruoch
ruphîn tuoch,
ist der gêre hinden oder vor
sô hât er sîn êwerc virlorn. kaiserchr. 14815;

nhd. do sach man seinen gesellen (penem)
her auf der prueche prellen. ring 4b, 12,

wie 'stnd im der knecht in der brch auf.' Bebels geschwenk Q 4;

darumb wolt si im waschen
hemde, pruoch und was er het.
Rosenbluts far. schüler bl. 19a;

der pfaf zoch sich nacket ab,
die pruoch er im auch darzuo gab. 21a;

und auch die weil ge an (ohne) ein pruch. fastn. 244, 19;

und sol mein man ein ganz jar
an prueg gen und zornig sein. 485, 29;

hat mir der schaur in die pruch geschlagen. 732, 11;

ob sie der man im haus sein wolt,
das sie die pruch im an gewun,
so wolt er tun alles das er solt. 1279;

das da sollen sieben frawen
fechten umb eine bruch (: klug). Ambr. lb. s. 141;

mit iren röcken, brüchen und schuhen. Luther 8, 88b; mügen in die bruch thun. 8, 214b; und hiesze mich, mit urlaub, eine bruch umbhängen. br. 5, 236; ich zwar hette in die bruch geschissen und were davon gelaufen. tischr. 384b; so zeucht der priester sein underhembd, die bruch ab und wils auch in den kessel werfen. sch. und ernst cap. 283 (sein underhembd, sein femoral. ed. 1522 cap. 249); das merklichst, das er an im vernam, nach seim gedünken, das war ein grosze weite niderwat oder bruch, die im also sitzend zu halbem bein uber das knie werts hinab hienge. Bocc. 2, 89b; ich wil, dasz wir dem richter die bruch gar abziehen. 2, 90a; durch das loch hinauf greif, den richter bei der bruch, die im auf halbem knie hieng, hinab zohe, denn er war ein kleiner schmaler mann, und die bruch weit, als denn alle welsche brüch sind (im original le brache). 2, 90b; zoch die brch ab. Eulensp. cap. 66; hett sein brch auf dem bett ligend vergessen. Frey garteng. cap. 87; nackend und blosz aller ding ausgenommen die brch oder fürtch umb die scham. Frank weltb. 215b; si tragen ein fäl oder haut für ein brch oder schurz, geen sunst nackend. 224b; wann man ein köstlich ding übel anlegt, als so man den hindern krönet und die brch umbs haupt schlüg. sprichw. 1, 3b; bracus, ein bruch. de fide meretr. p. 90; bruch oder niderwat. Katziporus B 2. L 4b;

er müst vor lengst haben angefangen,
eh wann ich thet die bruch erlangen.
H. Sachs III. 3, 69a;

[Bd. 2, Sp. 411]



die bruch tragen, angewinnen. II. 4, 27b. 28d;

ein ding war blauw, gmacht mit stripfen
und hett einr spanne lang zwen zipfen,
da mans besahe, da wars ein bruch.
Waldis Es. 4, 33;

so bhieltens an hosen und schuch,
so dörften sie sonst keiner bruch.
Wolgemut 2, 460;

shemd hangt im hinden aus der bruech,
und hat kein nestel in den hosen.
Thurneisser archid. 12;

wie schickt sich ein langer bauch und kurze bein, grosz bruch und nichts drein. Fischart groszm. 68; und zum warzeichen nennen die zu Löwen ein theologantenhaubt oder caputium auf den heutigen tag noch Aristotelis, mit züchten, bruch oder latz (bracca Aristotelis). bienenk. 56a; mit Aristotelis bruch auf dem kopf und liripipis um den hals. 63a; wiewol ihm (Sebastians bild) etwan ein erbare matron ein kleid anwarf, da ihm die bruch entfallen wolt. 82b; und das kan an den vergulten pantoffeln und köstlichen bruch des allerheiligsten vatters des papsts, die auch daraus geraft sein, erscheinen. 157a; da hat man aus gleichem tuch gemacht ein ander bruch und dem kind nur ein andern namen geben, was vor gehackt stro hiesz, das hiesz darnach geschnitten. 236b; die groszen herren sol auch ein groszer leib ehren und ein groszer ars musz ein grosze bruch haben. Garg. 41b; das dem armen schwanz vor feisztem schrecken möcht das pruch entfallen. 81a; schisz ins bruch. 129b; ein löcherichtes bruch. Philand. 1, 263;

trotzt mancher noch so hoch,
so trift er letzlich doch
für seine füsze schuch,
für seinen sitzer bruch.
Logau 2, 6, 73.

man lese nach, was Kurz in den worterklärungen zu Murners luth. narren s. 207. 208 gesammelt hat. im 18 jh. stirbt das im 16 noch lebendige, im 17 seltne wort fast aus. doch heiszt es in Zürich bis heute: niemand geht baden ohne bruech. nnl. hat es sich besser behauptet: de jonge is reeds in de broek (hat schon hosen an); een kind in de broek steken; zijne vrouw heeft de broek aan, ist meister im haus. in der hirtensprache heiszt de koe heeft eene schoone broek, die kuh sitzt wol im fleisch, ist fett.
In allen folgenden wortbildungen unterscheide man bruch fractio, bruch palus und bruch femorale.
 
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bruchandorn, m. marrubium palustre, wiesenandorn, sumpfandorn.
 
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bruchanmessen, n. hosenanmessen: und warumb weren sonst die näderin so anmütig, wann sie nit mit hembd und bruchanmessen so subtilig und kurzweilig weren? Garg. 15.
 
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bruchanmesserin, f. Garg. 273a.
 
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bruchartig, kann nach jenen drei subst. dreierlei aussagen.
 
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brucharzt, m. medicus in curandis herniis peritus.
 
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bruchband, n. fascia hernialis.
 
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bruchbau, m. bearbeitung eines zu bruch gegangnen bergwerkes.
 
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bruchbeere, f. vaccinium uliginosum, im bruchland wachsende heidelbeere.
 
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bruchbendel, n. fasciola braccas constringens, hosenbendel: denn die bruchbendel (gli usolieri delle brache) ihr (der eptissin) uber die ohren abhiengen. Bocc. 2, 139b.
 
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bruchdegen, m. penis:

so er in der undern wiesen met
mit seinem knodetem pruochdegen. fastn. sp. 244, 29.