Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brotzel bis bruch (Bd. 2, Sp. 407)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brotzel, f. ganz wie das vorige kröte auf ein junges mädchen bezogen:

ein dicke protzel stark und jung.
Waldis 4, 19.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzeln, iracunde tacere, schmollen, zanken. Frisch 1, 141b. Schm. 1, 274.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzelsuppe, f. rixa, verweis, zanken.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzen, ringi: die augen, das maul brotzen, aufreiszen, schmollen; sich brotzen, aufblähen (wie frosch und kröte thun), stolz thun. protzen, wie der herzkönig. Simpl. 1, 373; hinterm ofen protzen. 2, 252; ihr seid doch beide so brave kerls, was soll das brotzen? Wieland bei Merck 2, 85. vgl. DWB protzen, DWB abprotzen, DWB aufprotzen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzer, m. ein schmollender, zürnender: ich möchte zwar weder ein brotzer sein noch dafür angesehn werden. Wieland bei Merck 1, 174.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzig, protzig, schmollend.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzmaul, m. der das maul verzieht, schmollt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzmaulen, schmollen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brotzwinkel, m. schmollwinkel, vgl. jenes hinterm ofen brotzen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
brü, s. DWB brühe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
bruch , m. fractura, scissura, ruptura, mit kurzem vocal, pl. brüche, ahd. pruh pl. pruchî, mhd. bruch pl. brüche, in der älteren sprache seltner, auch den übrigen sprachen abgehend, denn das ags. bric ruptura, fractio, engl. breach, altn. brek vitium sind, wie unser gebreche mit dem vocal des praes. gebildet, und den begrif fractura, plicatura entnehmen die nord. sprachen von der wurzel briota, altn. brot, schw. brott, dän. brud. unser bruch hat viel bedeutungen.
1) der bruch des apfels, der blume, des zweigs, sowol das brechen als auch das gebrochne. der jäger bedeckt das erlegte wildbret mit grünen brüchen, d. i. laubzweigen, steckt brüche auf den hut, hält brüche in der hand, der bruch ist ein ehrenzeichen des gefällten, jagdbaren hirsches, um unjagdbare hirsche darf kein bruch aufgesteckt werden. Döbel 2, 44b. ursprünglich war wol dieser laubbruch ein symbol der besitznahme,

[Bd. 2, Sp. 408]


wie in andern fällen (RA. 130). man pflegte aber auch auf einen todten menschen, der im freien felde lag, laub zu brechen:

lwânet ûf in dô brach
der liehten bluomen zeime dach. Parz. 159, 13.

die von der jagd heimkehrenden weidleute stecken gleich den soldaten, wenn sie aus der gewonnenen schlacht kommen, grüne reiser oder brüche auf: wollen sehn, wer heut am glücklichsten jagt, wer einen bruch erbeutet. Fr. Müller 3, 397. oder geht in dieser stelle bruch auf das gefällte wild? nach Becher 46 wird auch der bestätigte, aufgespürte hirsch verbrochen: der jäger bestetigts, verbricht dem (? den) hirsch, er liebet seinen hund 'hoichta, nur mannrecht!' streicht ihm die augen heraus, zeucht wieder davon, legt sein bruch ... alsdenn zeucht der jäger zu seinem bruch, da er ihn verbrochen und bestätiget (hat), sucht oder jagt ihn mit dem leithund auf. es wird also schon bei dem bestätigen ein laubzweig gelegt.
2) bruch am leib, risz, quetschung: peulen, schweren, feigblattern und andere brüche und lehmen (lähmungen). Mathesius 86a; bruch, ritz, schrunde am fusz. Henisch 525, 5; der bruch des daumens, fingers, der hand; er hat einen bruch am arm, knochen, bein erlitten, vgl. DWB armbruch, DWB beinbruch, DWB halsbruch. er konnte nie an diesen herz-, an diesen augenbruch denken, ohne zu weinen. Hippel 2, 349. zumal aber gilt bruch für hernia, wie gebrochen für herniosus: er hat einen bruch, bekommt einen bruch, der bruch wird geschnitten, geheilt, vgl. DWB darmbruch, DWB hodenbruch, DWB leistenbruch, nabelbruch, bruchband. beim hornvieh sagt man: es ist weidewund. zahnbruch, beim pferd das erste schieben der zähne, ausfall der füllenzähne; das pferd hat seine brüche gethan; der erste bruch erfolgt, wenn das pferd zwei oder dritthalb jahre alt ist.
3) bruch der erde, des ackers: der du die erde bewegt und zurissen hast, heile ire brüche, die so zuschellet ist. ps. 60, 4; der urbar gemachte acker heiszt neubruch, neugereute. bruch des dammes, des walls, der grube, s. DWB dammbruch, DWB wallbruch, grubenbruch: die grube geht zu bruche, kommt zu bruche, wenn das gestein einbricht, verschüttet. bruch, wo das wilde schwein im boden gewühlt hat.
4) bruch des gesteins, des erzes, kalks, da wo sie angebrochen, ausgebrochen werden: steinbruch, erzbruch, eisenbruch, silberbruch, schieferbruch, kalkbruch;

die murer dnt gern grosze brüch.
Brant 48, 56,

brechen, um bald wegzukommen, grosze stücke auf einmal. man sagt, hier bricht stein, erz, silber u. s. w. oder hier wird gebrochen. vgl. auch bruchstein, bruchsalz, bruchsilber. in anderm sinn brechen berge und steine, brechen entzwei, zerbrechen:

dasz berg und thal erzittert
und sich in staub und dampf in weite brüche splittert.
Gryphius 1, 375;

auf stahl und stein zu bauen,
darf keiner sicher trauen,
sie nemen eher bruch (wie n. schaden)
als ein gelehrtes buch.
Logau 3, 4, 57.


5) des wassers und eises: wasserbruch, wolkenbruch, eisbruch und brucheis:

da wurd auch der wassergüssen bruch
erschröcklich und abschewlich.
Weckherlin 63;

Vanus gehet auf den wolken, hoch erhöht durch hohe thaten,
o dasz nicht durch seine schwere wolken in den bruch geraten!
Logau 3, 8, 83.


6) auffallend ist bruch plenilumium, aber alle wörterbücher stimmen: bruch oder volman. Dasyp. 309a; der bruch = wädel, plenilunium, es ist ietz zum drittenmal wädel oder bruch, tertia jam lunae se cornua lumine complent, es was vollmon oder bruch, junctis cornibus implerat orbem luna. Maaler 79b; bruch, vollmond. Henisch 525, 10; darnach hat sie (die frau) wie der vollmond von tag zu tag zugenommen bis letzlich auf den bruch oder vollschein. franz. Simpl. 2, 301. man sollte gerade bruch für den gegensatz des vollmonds halten, wann der mond in ein stück gebrochen erscheint, wie altn. inn skarði mani. Sœm. 134b der schartige ist. in der that nimmt auch Paracelsus bruch für neumond: auch sollend ihr euch insonderheit hüten, so die nebelwetter, regenwetter, bös aspect (geben?) in fischen, im zwilling und den (dem) bruch oder newen mond, dasz ihr euch mit allen den dingen, die euch verbotten sind, wol halten. 1, 689b. sind also Dasyp. und Maaler im irrthum? oder stellt auch Paracelsus plenilunium und novilunium, als beide schädlich, nebeneinander?

[Bd. 2, Sp. 409]


auch wädel schwankt und ist bald plenilunium bald interlunium. wäre aber bruch plenilunium, so müste man es von dem völligen ausbrechen, hervorbrechen des monds, dem vollschein verstehn, oder können alle verwandlungen des mondes mondbrüche heiszen?
7) bruch = windbruch, das vom wind gebrochne holz: item wan man das bruch uszgibt, so mag ein apt mit sesz knechten und sesz achsen (äxten) oder hepen sesz tage vorhauwen. weisth. 1, 521.
8) bruch des schiffes und der segel, schifbruch, segelbruch.
9) bruch des brotes: das es Jesus Christus was gewesen, der do mit inen was gangen und inen also erschinen was und si in erst bekanten in dem bruch des brotes. Keisersb. bilg. 18c. wir haben vorhin in dem wort brot selbst die vorstellung des bruchs entdeckt. goth. ist gabruka unser brocke und brosam. bairisch heiszt bruch auch das in der müle gebrochene und enthülsete getraidekorn: gerstenbruch, haberbruch, kornbruch. Schm. 1, 247.
10) bruch des geschirres oder gefäszes: der topf hat einen bruch, risz; der bruch im glas; es brach ein glas. so bricht unser leben, sagt er, um den glasbruch geschickt anzuwenden. Hippel 2, 9; der bruch, risz, spalt in der glocke. aber auch beim gusz der glocke heiszt das probestück der bruch:

wol, nun kann der gusz beginnen,
schön gezacket ist der bruch.
Schiller 78a.


11) bruch heiszt am geschütz die stelle der verstäbungen.
12) bruch des briefes, siegels, erbrechen. bruch des papiers, falte; bruch im zeuge, wenn es zu lange in falten lag; nur mit zitternden händen konnte ich den brief wieder aufheben, küste und legte ihn mehrmal in seine alten brüche, ehe ich ihn auseinander schlug. Thümmel 6, 411.
13) bruch der wechselbank, bankbruch, engl. bankruptcy.
14) bruch des gesetzes, rechts, friedens, eides, der treue: und sol ouch ein iegelicher, der sollichen bruch erfindet, bi sinem eide rügen, uf dasz der bruch gebessert und dise ordenunge deste bas gehalten werde. Mone zeitschr. 4, 85; der bruch ehlicher treue war nunmehr beiden so nahe, wie der schatten dem körper. pol. stockf. 157; Möser nimmt bruch für die handlung, wodurch einer am land-, dorf-, mark-, kirchenfrieden gebrochen hat; die Gallier, welche dieses als einen bruch des allgemeinen und heiligen rechts betrachteten. Beckers weltg. 2, 403. vgl.ehbruch, DWB eidbruch, DWB friedbruch, treubruch, wortbruch.
15) dissidium, discordia: es kommt zum bruch zwischen beiden; einen bruch veranlassen, herbeiführen; bei einem balle gab es einen öffentlichen bruch, sie glaubte sich äuszerst beleidigt. Göthe 20, 17; worüber denn erst widerwärtigkeit und zwist, darauf ein entschiedener bruch dem ganzen verhältnis unwiederbringlich ein ende macht. 22, 108; so war er von der musikalischen seite unser freund, von der politischen unser widersacher, daher sich im stillen ein bruch vorbereitete, der zuletzt unaufhaltsam an den tag kam. 31, 48.
16) bruch, culpa, defectus, gebrechen, mangel: ob auch einiger bruch daran sei? weisth. 2, 573;

ist der pruch an dem man,
so ist er in des pabsts pan. fastn. 324, 9;

es wird oder geschieht mir bruch am rechten. Schmeller 1, 247; auf dasz niemanden an vorsprechern mangel oder bruch beschehe. das. man sagt, vor den bruch, vor den mangel, vor das loch treten, es stopfen:

weil Eliä geist und brust,
dein so unabläszlichs beten,
vor die riss und brüche treten.
Günther 901;

in die brüche, ritzen fallen, verloren gehn, mangelhaft sein: so fällt mein beweis in die brüche. Lessing 6, 245, wenn diese redensart nicht lieber nach der folgenden bedeutung von bruch auszulegen ist.
17) bruch, numerus fractus: das ein- oder mehrfache eines irgendvielten theils der einheit. die zahl, welche angibt, in wie viel gleiche theile die einheit zu theilen ist, heiszt sein nenner, während der zähler ausdrückt, wie vielmal ein solcher theil zu denken sei. man sagt, es geht in die brüche, ist nicht weiter leicht theilbar, wird aufgegeben; es fällt in die brüche. da darf es keine brüche in seiner rechnung. Weise comöd. pr. 134; diese einzige unze hätte dem pavian noch vollends zum menschen geholfen, da sie jetzt nur einen bruch von vernunft macht. Schiller 201; die schwerfällige verkörperung des theaters hebt alle brüche der einheit des ortes und der zeit stärker heraus. J. P. jubels. 59.

[Bd. 2, Sp. 410]



18) vgl. DWB abbruch, DWB anbruch, DWB aufbruch, ausbruch, durchbruch, einbruch, umbruch.