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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bocksteif bis bodemen (Bd. 2, Sp. 208 bis 210)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bocksteif, rigidus, ungelenk: solche pferde sind zum schritte, trabe und galoppe ungeschickt und werden in kurzer zeit bocksteif. Eisenberg rosteuscherkünste 75.
 
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bockstein, m. suillus lapis, stinkstein.
 
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bockstill, immobilis, wie ein bock, der widerstand leistet. Tobler 63a; doch, ich weisz nicht, ob aus muth oder furcht, stand ich bockstill und guckte nach allen seiten herum, ob ich niemand zu hilf rufen könnte. der a. m. im Tockenb. 158; so wie sie dagegen zu kamen, schwenkte die rosinante ein und bockstill stund sie vor demselben. Gotthelf schuldenb. 289.
 
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bockstinkend: bockstinkende teufel. Ayrer proc. 2, 2.
 
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bockstolz: seit wann sind euch die hörner gewachsen, das ihr also bockstolz seit? Garg. 198a.
 
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bockstosz! ein ausruf, wenn unversehens zwei mit den köpfen an einander stoszen. man sagt auch hammelstutz!
 
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bockstück, n. ein kleines, auf zweirädrigem bocke ruhendes geschütz.
 
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bockstütze, f. hölzerne stütze, die den bock des kutschers trägt.
 
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bockverstellung, f. gerüst zu aufführung hoher gewölbe.
 
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bodem , m. fundus, ahd. podam, podum (Graff 3, 86), mhd. bodem (Ben. 1, 220b), später boden, das alte M hat sich im 15. 16. 17 jh. oft noch erhalten, wofür folgende stellen genügen

[Bd. 2, Sp. 209]


werden: gehen wir zu bodem. Luther 5, 7a; das korn auf dem bodem. 6, 256a; zu bodem gehen. 6, 346b, in der bibel von 1545 steht nur boden; zu bodem gangen. Melanchth. im corp. doctr. 970; in bodem verderben. Bocc. 1, 21b; zu bodem gehen. Mich. Neander syll. locut. 61. Ringwald tr. Eck. E 2b; zu bodem schieszen. K 5b; andere belege werden noch unter boden angezogen. alts. bodam, im ganzen Hel. steht nur der dat. bodme 77, 22; nnl. noch heute bodem; ags. botm, engl. bottom; altn. botn, schw. botten, norw. botn, dän. bund, altdän. noch bodn, grade wie aus altn. vatn, schw. vatten, dän. vand wird.
Was zunächst in diesen formen auffällt ist die gestörte regel des linguallauts. alts. bodom forderte ahd. potam und in der that herscht in den urkunden des 8. 9 jh. bei Neugart die schreibung potamicus lacus und Potama, die daran gelegne villa regia vor, welche man für das heutige Bodmann hält; doch daneben findet sich auch podamicus lacus und Bodoma. verhielten sich nun ahd. potàm und alts. bodom recht, so weicht wiederum ags. botm, altn. botn ab, deren tenuis weder zu ahd. potam noch podam stimmt, und im engl. bottom, schw. botten geminiert; merkwürdig ist das umgestellte dän. bund für budn. diesen zwiespalt schlichten könnte die uns entgehende goth. form, lautete sie budms oder butms? für jenes stritte die abkunft von biudan. wäre in botn die tenuis, wie in bŷta beuten (1, 1754) und in batten (1, 1158)?
1) schon oben sp. 3. 4 wurde zusammengestellt biet tisch, tenne und gebiet territorium, beide lassen sich der wurzel bieten nicht entziehen, den begrif des tisches erreichte bieten durch die vorstellung des opfertisches, altars, den von landgebiet durch die abstraction des herschens, gebietens. ahd. podam, wenn carina ausdrückend, scheint sich wieder an biete puppis zu reihen.
2) näher führen uns lat. fundus und fundere (oben sp. 4). fundus ist boden. in fundo fudi bricht N vor, wie in tundo, tutudi, tudi = stosze und in vielen andern, fundere bedeutet gieszen, sprengen, schleudern, funda schleuder, fundus den grund und boden, worauf gegossen, geschüttet wird, die tiefe. profundus gehört zu profundere und meint das ausgegossene, tiefe, dicke, profunda silva den tiefen, dichten wald, vgl. χέω φύλλα, καρπόν, wie profusa coma dichtes, auf den boden reichendes haar. nach der lautverschiebung stimmte fundus besser zu botn als zu boden, aber durch die ten. in botn verdunkelt sich die herleitung von bieten, altn. bioða, so wie der zusammenhang mit bioðr, unserm biet. den einklang des dän. bund mit fundus hat ein zufälliges lautverhältnis herbeigeführt. ahd. piotan, piot und potam gleichen sich aus wie fundere und fundus. doch vgl. das wort boszen.
3) die gr. sprache gewährt βαθύς = profundus, βάθος und genäselt βένθος (wie πάθος und πένθος) = fundus, aber auch πυθμήν = podam, mit stimmendem M. in diesen gr. formen allen entfernt sich der labialanlaut vom lat. F, goth. B, wogegen die inlautende asp. Θ dem goth. D in biudan zusagt. πύματος, der hinterste, unterste geht zurück auf πύθματος, πύνδαξ ist eines gefäszes boden. aber πέδον, πεδίον scheinen aus πούς geflossen, obschon auch in ihnen die bedeutung von grund und boden waltet und man versucht wäre, zwischen fusz und boden, den die füsze treten, berührung anzunehmen.
4) die sl. partikel pod, welche ὑπό sub ausdrückt, pflegt von po ὑπέρ geleitet zu werden, wie nad von na, die nähe beider wörter und ihres verhalts ist auch unverkennbar. nun aber erscheint bei Polen und Böhmen ein subst. spod boden. das aus iz pod entspringen musz, den Russen auch ispod'' lautet und fortgebildet wird in spodek, russ. ispodok. serb. und illyr. ist aber schon das einfache pod ein stockwerk, tabulatum, fuszboden, russ. pod'' der unten liegende herd, böhm. pda f. fundus, tabulatum. sollten uns diese nomina nicht den lebendigen sinn der partikel pod erschlieszen? man erwäge, wie die vorstellungen unten und nieden sich auflösen in an dem boden, an dem grund, auf der erde, wie zu boden gehn, zu grunde gehn ausdrückt fallen = unten liegen, unterliegen, daniederliegen. zu thal, mhd. ze tal ist unten, herunter, goth. dalaþ χαμαί, dalaþa κάτω, böhm. dole, dle unten, litt. źémay = χαμαί, humi unten, auf der erde, von źéme, erde, grund, humus.
5) dies alles mehr noch ins licht stellen werden die bedeutungen unseres boden, wie sie gleich unter der heutigen wortgestalt folgen.

[Bd. 2, Sp. 210]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bodemen, tabulare, täfeln, s. DWB bodmen.