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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bochen bis bocht (Bd. 2, Sp. 199 bis 201)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bochen , pultare, pulsare, mhd. selten (Ben. 1, 220b), nnl. beuken. schon 1, 1186 wurde ein verlornes biukan bauk pulsare vermutet, von welchen das ahd. pouchan, ags. beácen, ein zeichen durch schlagen an den schild abgeleitet werden musz, dann auch unser bochen, pochen herstammt. die schwankende schreibung mit B und P hat uns aber viele ausflüsse dieser wurzel versteckt und verdunkelt. vgl. DWB buchen, DWB puchen.
1) palpitare: mein herz pocht; das herz pochte ihm in der brust; mein herz pucht mir im leibe und habe kein ruge. Jer. 4, 19.
2) pulsare fores, mensam, terram: sihe da kamen böse buben und umbgaben das haus und pochten an die thür. richt. 19, 22; es wird gepocht, angeklopft; spar dein bochen bis in die finstermetten. Keisersb. brösaml. 36d, d. i. in die rumpelmette, pumpermette (auf den krummen mittwoch), wo in der kirche gelermt und gepocht wurde, den überfall des Judas und seiner rotte anzudeuten. es gibt ein kartenspiel, wobei der sich anmeldende auf den tisch klopfend sagen musz ich poche. s. DWB anpochen 1, 421.
3) transitiv, ferire, tundere. die worte 1 Tim. 3, 3 vgl. Tit. 1, 7 (δεῖ τὸν ἐπίσκοπον εἶναι) μὴ πάροινον, μὴ πλήκτην, vulg. (oportet episcopum esse) non vinolentum, non percussorem,

[Bd. 2, Sp. 200]


verdeutschte der Gothe (skal nu aipiskaupus visan) nih veinnas ni slahals; Luther (es sol aber ein bischof sein) nicht ein weinsäufer, nicht pochen, wo anschlieszender an πλήκτης stände: nicht ein pocher, das dem goth. slahals entspräche.

o winter, ich lasz mich dich nit pochen.
Uhland 24,

ich lasse mich nicht von dir schlagen, mit schlägen vertreiben.
4) oft erscheinen scharren und pochen nebeneinander, was auch dem letztern die bedeutung von verrere und radere überweist. ungeduldige, unzufriedne scharren oder pochen den boden mit den füszen, auspochen (1, 924) ist was ausscharren. plündernde scharren alles vergrabne gut hervor, auspochen ist ausgraben, ausplündern. sich in die burge, vesten und schlösser thun, verschlieszen und verwaren, dieselbige bochen (circumfodere), umblägern und zerstören. Petr. 33a.
5) die bergleute scharren und pochen das erz, schlagen und graben es aus der erde. s. DWB pochwerk, DWB pocherz, DWB pochherd u. s. w.
6) abstract ist pochen trotzen, prahlen, zürnen, fluchen; scharrhans, scharrer ein pocher und prahler: das machten die jungen ratgeber, die unerfaren warent, und inher (einher) bochen und sprechen allzeit redlich dran. Keisersb. s. d. m. 59b; so ein alter spricht, lieber sun, th hübschlich und übereil die sach nit, so bochen sie (die jungen ratsherrn) und stellen sich, als ob ein ganz land an inen stünd. das.; und wann du ufstost, so flchestu und bochest uber weib und kellerin, wan sie dalme uf wellen ston. 82a; pochet nicht so hoch auf ewer gewalt. ps. 75, 6; poche nicht darauf, das du vil kinder hast. Sir. 16, 1;

si hand gebochet lang und vil. fastn. sp. 893, 6;

vil rümen hoher sachen sich,
und bochen stäts zu widerstich.
Brant narrensch. 76, 18;

der wirt thet nichts denn brummen,
im haus schelten und fluchn,
mit fraw und knechten buchn.
H. Sachs I, 96a;

indem hört ich ein stopfen,
ein puchen und anklopfen. I, 307a;

zürnen, scharren und bochen wird dir bösen lohn geben. Petr. 90b.
7) transitiv, vexare, illudere, mishandeln, verhöhnen, herausfordern: wenn mich doch mein feind schendet, wolt ichs leiden, und wenn mich mein hasser pochet, wolt ich mich vor im verbergen. ps. 55, 13; und alle heiden umbher fiengen an das volk zu pochen und zu plagen. 1 Macc. 12, 53; der teufel will damit (mit dem interim) die ganze welt bochen und binden, vexiern und plagen. Alberus dial. vom interim A 3a; der gute alte Clemens, der erst auf ein neuwes von seinem son auch uberrumpelt und gebochet ward zusampt seinem verlust, hett gar nahend angefangen zu weinen. buch der liebe 9a; der die ganze welt bocht und trutzt. Petr. 12b; wilt die leute pochen, der du dem allergeringsten thier zu schwach bist? 187a;

das bier schlegt eim fürs loch,
und ist ein böser koch,
doch trinken wir es noch,
das man das wasser poch. Garg. 86b,

das wasser verhöhne, fortschicke;

doch freundschaft pocht den tod und trotzt die ewikeit.
Fleming 704;

du wirst auch nicht die ganze welt pochen, proin non insultabis hominibusque diisque. Stieler 1463.
 
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bochen, n. pulsatio, gloriatio, jactatio: es (das wild) verlacht das getümel der stad und das pochen des treibers höret es nicht. Hiob 39, 7; der beleidigung und verletzung ist villeicht nit so vil, als des bochens und übermts. Petr. 200a.
 
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bocher, m. jactator, prahler, schnarcher: solch böcher heiszen rotzherren und nit ratsherren, den der kengel in das maul hangt. Keisersb. s. d. m. 59b; ich merk wol, dasz der wirt ein hochbocher ist. Eulensp. cap. 78; bocher und schrier wider einen, clamator, declamator. Maaler 73c;

des hauptman bochers stolz und pracht.
Weckherlin 816:

um ihm, wie wenig er sich vor pochern fürchte, zu zeigen. Wieland 4, 148.
 
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bocherei, f. jactatio, hoffart. Keisersb. himmelf. Mar. 4.
 
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bocherig, prahlhaft: hochfertig und bocherig. Keisersb. post. 2, 42.
 
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bochseln, pulsare, verstärktes bochen: bochslen, ein grosz getösz und klepfen machen, displodere, tumultuari. Maaler 73c; bochseln, dumpfes getöse von sich geben. Stalder 1, 195.

[Bd. 2, Sp. 201]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bochselnächte, pl. die sogenannten klöpflinsnächte, klöpferlinsnächte, von weihnachten bis dreikönige, in welchen die jungen leute an thüren und fensterläden klopfen und geschenke fordern, vgl. Schmid schw. wb. 317. Scheffers Haltaus 190; wie denn in den bochselnächten im bapstthumb der brauch gewest ist. schimpf und ernst. 1577. 195b; wenn kirchwihi da ist im jar, so wirt in der nacht darvor ein grosz bochslen in der kirchen, und in dem bochslen stant all toten uf in den grebern. Schmid schw. wb. 80.
 
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bochsler, m. eine in der wiese aufstoszende quelle. Tobler 63b.
 
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bochslete, f. tumultuatio. Maaler 73c.
 
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bochslung, f. tumultus. daselbst.
 
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bocht, n. und m. sordes, stercus, dreck, koth, mhd. bâht (Ben. 1, 78b), wie docht = mhd. tâht: het ine mit bengeln sere und übel geslagen und ine in den bacht geworfen und uf ine gesprungen und ine aber geslagen, getretten und geroufet, dasz im das blut zu mund und nase usz gieng. Königshoven s. 817; so werfent sie im sin anlit vol bohtes, dasz er nit gesahe vor dreck heim zu komen. 822. in der Schweiz bächt, gebacht, auskehricht, wahrscheinlich gehört auch bächtele pseudonarcissus bei Stalder 1, 123 dahin, gleichsam drecknarcisse, zeitlose, wie es einen narcissus luteus gibt. zulängst dauerte das wort in Hessen und Schlesien: das kind, schwein liegt im bocht. hess. zeitschr. 4, 54; dabei ich und der junge Hanno Zedlitz auch lagen, wie die sau im bochte. Schweinichen 1, 59;

wenn aus dem pochte du gleich kaum dich erst gemacht.
Scherfers grob. 6 vgl. 75,

hier scheint es ein schlechtes lager oder bette, wie in folgender stelle, die es als f. verwendet: wenn ich mich auf der bocht wie ein narr rümgewelzet habe, so hilft michs auf den morgen nicht viel, ob jemand fragen läszt, wie ich geschlafen habe. Weise niederl. bauer 52. Mit dem vorausgehenden bochen, pochen hat dieses bocht keine gemeinschaft, ob mit bähen fovere, bleibt sehr zweifelhaft; vielleicht gehört das fränk. puchta bei Schm. 1, 276, wenn es rahm bedeutet, hinzu. auf jeden fall scheint aber das franz. boue, lutum, daher entsprungen (wie roue, proie aus rota, praeda).