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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blutzwang bis bobo (Bd. 2, Sp. 198 bis 199)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blutzwang, m. dysenteria.
 
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bn ist kein hochdeutscher anlaut, obwol ein gothischer, doch nur in dem nicht mehr als Luc. 6, 1 erscheinenden bnauan fricare, conterere; allen übrigen deutschen sprachen bleibt er gleichfremd. dem gesetz der verschiebung nach sollte diesem BN gr. ΦΝ, lat. FN entsprechen, die ebensowenig anlautend vorkommen, dasz dem gr. organ die verbindung nicht widerstrebte, bezeugt das komisch gebildete φνεί. auch die slavische, littauische, keltische sprache wissen von keinem anlaut BN. inlautendes BN liebt die gothische sehr.
Dagegen stehen sich die gr. anlaute ΠΝ, ahd. FN, richtig geschoben, zur seite, dem latein mangelt auch PN.
 
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bobbel, f. bulla, wasserblase. Henisch 439, bobbel, bubbel. Stieler 205; engl. bubble, dän. boble.
 
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bobbeln, bubbeln, edere sonum enascentium et fatiscentium bullarum. Stieler 205; engl. bubble, dän. boble, nnl. bobbelen. vgl. DWB bluttern, DWB gurgeln.
 
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boben, adv. supra, superne, oben, verhält sich wie bauszen, binnen und begegnet im hochdeutsch noch seltner als diese, während das nnl. boven, engl. above geläufig ist: es gieng aber ganz fein und lustig auch bei der tafel zu, und zwar wie man in Europa zu sagen pflegt, boben thal. Felsenb. 4, 91 d. i. oben und unten, von oben bis unten (mhd. ze tal).
 
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bobenhammer, bobenheimer, culex: vertreibt die mücken, schnacken und bobenhämmer, das seind die giftigen wasserschnacken. Tabernaemont. 12; der dampf vertreibet und tödtet die mücken, schnacken und bobenheimer. 254. es ist schwer, dieses entstellte wort zu deuten, selbst der angesetzte nom. sg. bleibt unsicher, da die belege nur den pl. enthalten. in heim oder heimer scheint zu liegen heime, heimchen, heimel grillus, doch in boben weder jene partikel, noch etwa buben. Nemnich unter culex führt sogar ein rheinisches bodenhämel

[Bd. 2, Sp. 199]


an, das bodenheimel sein und die am grund und boden fliegende mücke meinen könnte.
 
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boberelle, f. physalis alkekengi, ein kraut, dessen blume eine blase bildet, woher der gr. name, solanum vesicarium, solanum halicacabum genannt, bei Maaler 73a boborellen, bei Henisch 439 boberell, bei Nemnich boberellen und bockerellen, böhm. boborelka. da auch blasenpuppe, erdpuppe, teufelspuppe, judentocke dafür vorkommt, liesze sich boberelle aus puppe und irgend einem romanischen puparella verstehen, wenn man nicht lieber an bobbel, blase denken will.
 
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boberesche, f. was beberesche, populus tremula, s. das folgende.
 
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bobern, tremere, bebern, wofür auch bobbern, DWB poppern, DWB puppern gehört wird. Stieler 205.
 
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boblatsche, f. suggestus ad spectandum exstructus, schlesisch, schaugerüst, zumal der marktschreier auf jahrmärkten, obersächs. popelätsche, bair. pablatsche (Schm. 1, 275). ein böhmisches wort, pawlač und pawlačka söller, laube, erker, bühne.
 
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bobo, m. podex, mit dem ton auf der letzten silbe, ein in der sprache der ammen, mädchen, mütter allgemein übliches wort, traulicher als der hintere oder steisz, feiner als arsch, und in der rede gebildeter verwendbar, in den wörterbüchern aber fehlend (nur Campe und Heyse geben popo, doch niemand spricht so, Castelli im östr. wb. 89 boboh); wahrscheinlich auch der nnl. dän. und schw. sprache bekannt. auf den bobo fallen; sich auf den bobo setzen; den bobo klitschen; schläge auf den bobo bekommen. in der französischen kindersprache bedeutet bobo einen kleinen schmerz, was wir wewe nennen und ebenso betonen. böhm. ist bobo, bubu ein schreckwort für kinder, unser wauwau, popanz.