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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blutsucht bis bluttausch (Bd. 2, Sp. 194 bis 195)
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[Bd. 2, Sp. 194]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blutsucht, f. crudelitas.
 
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blutsüchtig, crudelis: das wir nicht blutsüchtig würden. Luther 4, 58a; blutsüchtiges fürnemen. Jo. Cocleus auf Luthers schandbüchlein. Leipz. 1528. B 3b.
 
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blutsünde, f. was blutschande.
 
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blutsverwandt, consanguineus: Kirchhof wendunm. 182a;

zum öftern pflegt ein doppelt nein
ein ja ganz zierlich auszumachen.
wie sollten denn um nebensachen
sich blutsverwandten so entzwein!
Hagedorn 2, 56.

s. blutverwandt.
 
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blutsverwandtin, f. consanguinea: Judith, ihre nechste blutsverwandtin. Zingr. apophth. 6, 27. Schiller 266a.
 
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blutsverwandtnis, f. consanguinitas. Butschky kanzl. 323; wegen natürlicher neigung der blutsverwandnus. Abele 1, 75.
 
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blutsverwandtschaft, f. dasselbe.
 
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blutswein, m. vinum sanguinis: denn es ist nicht mehr schlechter wein im keller, sondern blutswein. Luther 3, 488. 493.
 
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blutt, calvus, nudus, was blatt sp. 76, blott sp. 152, oft auch mit einfachem T geschrieben blut, das doppelte läszt keinen zweifel über die kürze des U, während im verwandten blosz langer vocal stattfindet. liefen all z im und röpften im sin pfowenfedren usz, das er blut stnd. Keisersb. bilg. 10d; er het es nit mit roten gelen schwarzen und wiszen federlin gedürft ufmutzen und so zierlich machen, er hett es wol blutt on federn gelossen als ein krot oder ein ander thier. 125c; aber wan einer spricht, es msz sein und solt hundert gülden daruf gon und ist kum um hundert haller ze thn. das ist ein weiser rat, macht blutte hofstatt, wan es ubel geraten ist, so sprechen sie, wer wolt das gedacht haben. s. d. m. 57b;

so unser gans mit blutter heut,
mit nacktem leib in herter busz
auf kalter erden schlafen musz.
Murner narrénbeschw. bei Scheible 676;

ist er (der gouch) schon blut, si rupfent wider. geuchmatt 1519 h 4;

ein ieder fürst der gans bricht ab,
das er dar von ein fäder hab,
darumb ist es nit wunder grosz,
ob joch das rich si blutt und blosz.
Brant narrensch. 99, 124;

sit blutte meidlin wurden wert
(posteaquam impuberes cunnos gens stulta petivit).
Brant var. carm. Argent. 1498 J 4a;

war er mit blutten füszen.
Uhland 771;

es was ein frauw, die hett den erbgrind lang gehabt, dasz ir die haub gezuckt was worden und der kopf blutt und kal. einsmals ward si von irer nachbeurin eilens berüft, z ir z komen, sie hett eben zu allem glück (zufällig) kein schleier auf, gedacht auch nit, dasz si einen aufgethon hett. alsbald sie so eilends und blutt zr thüren auslauft, so schilt sie ein andere frauw, sprach, worumb si den kopf nit deckte? Frey garteng. cap. 79; wegen der blutten und bloszen reputation. Philand. 2, 515. Maaler 73c: blut, das noch nit fäderen hat, deplumis, implumis, blut vögel, die noch kein fäderen hand, als auch blut meus, die nit gehaar sind, pulli implumes. Dasypodius 306d: blutte berg, die kein böum noch wäld tragen, tonsi montes. Stalder 1, 192 blutt, nackt, unbekleidet, ungefiedert: auf der blutten erde, mit blutten füszen, blutti frucht, die wenig spreu hat, im gegensatz zu spelt. leibshalb bin ich so brav als eine, blutt komm dir auch nicht. Gotthelf erz. 1, 218; ob nicht in irgend einer ecke eine für ihn gewachsen sei, öppe kei uflath und nit ganz e blutti (eine nicht völlig blosze, unbemittelte). 1, 261; wenn dir das (hemd) nicht recht ist, so kannst selbst eins nehmen oder blutt laufen. schuldenb. 168; blutt machen heiszt man gewöhnlich die heutige manier vieler schuldner, sich nach und nach unter der hand von all ihrem eigenthum zu entblöszen. man kann auch jemanden blutt machen. 351. 352. das kartenblatt eines spielenden ist blutt, wenn er kein anderes von derselben farbe hat. Schmeller 1, 240.
Aus dieser bedeutung des kahlen ergibt sich dann auch die des dünnen, weichen, mürben, hinfälligen: das tuch, zeug ist blutt, kahl, abgetragen, dünn, dem zerreiszen nahe; ein blutter, weicher mensch, der kein derbes fleisch hat, wenig aushalten kann; bluttes obst, mürbes, unschmackhaftes, saftloses; dbirre sind blutt, die birnen sind teig, mürb; das das tuch bei faulem, dunkelm und nassem wetter blüter, lidweicher

[Bd. 2, Sp. 195]


und lampender (welker) oder linder werde. Thurneisser von wassern 225; feigenfisch, blut und lär als ein uberreife feigen. Forer fischb. 42b; ir fleisch ist allezeit lind oder blutt. 170b; der alet hat ein lind oder blutt fleisch. 169b; e blotte bera, eine weiche, zerflieszende birne; blott arma, schlaffe arme. Tobler 59b.
Dies merkwürdige blutt scheint, seiner form und bedeutung nach, zwischen blosz und blöde zu schweben; blutt = kahl kann mit blosz tauschen, blutt = weich, dünn aber nicht mit blosz, eher mit blöde, wir sahen sp. 138, dasz blöde auch dünn, abgeschlissen, abgetragen ausdrückte. Henisch 424 führt an: ein dieb ist blutt, fur est meticulosus, an dem tisch soll man nicht blutt sein, nicht blöde, sondern zugreifen. 439 ist ihm blutt = blöd und blosz. Tobler 60a sagt, blott ist ein intensiv von blöd und bietet blosz freundeshand. den buchstaben nach wäre für unser blosz ein goth. blauts, für blöde ein goth. blauþs gerecht, blutt aber könnte sich verirrt haben und einem goth. bluts entsprechen; in diesen consonanten steckt etwas unordentliches, jetzt noch unauflösbares, altn. blautr mollis hat ganz den sinn von blutt weich.
Man wäre wol versucht die wortbildungen blutarm, blutjung, blutsauer, blutselten u. s. w. aus blutt = blosz, statt aus blut zu deuten; doch entgegen steht die gedehnte aussprache des U in ihnen (man hört nie bluttarm, bluttsauer) und blut = sanguis scheint auch treffenden sinn zu gewähren. blutnackig, blutnackend könnte am zweifelhaftesten sein, entweder bluttnackig, nackedigblutt (wie Stalder 1, 192 annimmt) oder nackt bis aufs blut.
 
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bluttag, m. dies sanguinis, blutiger tag.
 
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bluttausch, m. in der chirurgie.