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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bluteiter bis blütendecke (Bd. 2, Sp. 177 bis 179)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bluteiter, m. sanies, mit blut vermischter eiter, zum unterschied vom weiszen eiter.
 
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blüteln, nach blut riechen, schmecken. Tobler 61a.
 
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bluten , sanguinem mittere, ahd. pluotên.
1) sinnlich, du blutest ja; mein finger blutet; die nase blutet mir, ich blute aus der nase, aus dem munde; und in dem schlg er den herren in sein angesicht mit feusten, das im die zen blten. Keisersb. s. d. m. 61a; sist ein stich, er blutet nicht. Hebel 251; die wunde blutet immer fort; er blutete sich zu tode, blutete sich todt (auch abstract, die sache mag sich zu tode bluten);

auf einmal riefs: der könig blutet.
Schiller 244a;

seht nur, wie seine finger bluten. 301b;

schleppt sie zu dem todtenhügel,
wo verbrecher büszend bluten.
Göthe 3, 121;

so kommen die, welche man schonen möchte, in den fall als sühnopfer eines solchen wahnsinns zu bluten. 24, 215. man sagt auch, bluten wie eine (geschlachtete) sau, stark bluten; wer meiner Greten was thut, den hau ich, das die sau blut. Garg. 87b. man sagt von der rebe, wenn sie thränt oder weint, dasz sie blute. s. blutthräne.
2) bluten heiszt auch blutig, roth sein, von blut triefen, sanguine madere:

der blutende rubin trinkt ihrer lippen blut.
Fleming 648;

das richtbeil wird ... in der gurgel bluten.
Günther 1021;

auch thun bluten
Daphnis ruten,
dran man ihn hat aufgehenkt.
Spee trutzn. 279 (273);

da meine waffen bluteten. Klopstock 1, 72; mein gewand blutet, ist nasz von blut, blut lauft hindurch; die dielen des

[Bd. 2, Sp. 178]


gemachs, wo der mord geschah, bluteten noch; der schuh blutete, es quoll blut heraus.
3) bluten von heftigem inneren schmerz, wobei gleichsam leibliche verletzung angenommen wird. schon mhd.

daʒ im sîn herze bluoten mac. Karl 85a. nhd.

meinst du denn, dasz mir mein herz
nicht blutete?
Klopstock 9, 21;

aber die königin, längst zerrissen von innigem aufruhr,
blutet an wunden des herzens und kocht in heimlicher flamme.
Bürger 244a;

und er hörts mit stummem harme,
reiszt sich blutend los.
Schiller 64b;

mir blutet die seele,
seh ich das eulengeschlecht, das zu dem lichte sich drängt. 93a;

schon seh ich deine seele
vom giftgen bisz des argwohns bluten. 245b;

verzeiht, milords, es schneidet mir ins herz,
wehmut ergreift mich und die seele blutet. 419b;

doch wenn das mächtige, das uns regiert,
ein groszes opfer heischt, wir bringens doch,
mit blutendem gefühl, der noth zuletzt.
Göthe 9, 281;

ihm blutete die seele. J. Paul Hesp. 2, 41; einem oberförster blute das herz, wenn er nachts drauszen stehe. 2, 66; er stillte das bluten seines innern mit dem gedanken an die menschen. uns. loge 1, 110.
4) bluten, luere, dafür büszen: ich werde bluten müssen; man wird dich bluten lassen; graf Gotfried wurde gleich nach Lotharii tod los gelassen, nachdem er zuvor stark bluten und einige zu dem bisthum Verdun gehörige plätze abtreten müssen. Hahn 2, 141; uns auf unser versprechen nach hause ziehen, dabei aber tüchtig bluten lassen. Tieck 5, 29. auf ähnliche weise abzapfen und anzapfen oder aderlassen, vgl. auch blotzen müssen, zahlen müssen.
5) die rebe blutet, wenn nach dem beschneiden saft ausläuft; auch der wein, weinstock blutet schon. vgl. DWB blut 10.
6) bergmännisch, das erz blutet, es zeigt sich rothes silbererz, rothgüldenerz; der stein blutet gelb oder braun, die farbe des blutsteins fällt ins gelbe, braune.
7) Klopstock setzt bluten gern transitiv mit dem acc.:

bei dem, der geblutet,
von der höhe des kreuzes herab, sein leben geblutet. Mess. 4, 1008;

aber um unsertwillen sind jene wunden geöfnet,
die er blutet. 4, 1099;

die steigenden adern
bluten todesangst. 5, 637 (1751: aus todesangst);

wenn er für euere kinder und euch sein leben wird bluten. 8, 92;

und des vater, der nun söhnopfer blutet. 9, 246;

den am kreuz? zwar blutet er, aber er blutete gnade. 18, 284.

auch Lessing 2, 105: bei dem blute, das ich gern für deinen vater geblutet. eigenthümlich bei Keisersb. s. d. m. 19b: welcher edelman ietz nicht kan blten und fleischen (blut und fleisch hauen), der kan nüt. vgl. DWB ausbluten, dahinbluten, DWB hinbluten, verbluten.
 
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blütenalter, n.

schöne welt, wo bist du? kehre wieder,
holdes blütenalter der natur.
Schiller 22a.


 
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blütenart, f. jeder busch entwickelt sich im einzelnen, jede blütenart bricht einzeln in seiner gegenwart hervor. Göthe 33, 148.
 
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blütenast, m. blühender ast:

geusz nicht so laut der liebentflammten lieder
tonreichen schall vom blütenast des apfelbaums hernieder,
o nachtigall!
Hölty 158.


 
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blütenathem, m. der laue blütenathem der ganzen leuchtenden landschaft hauchte jeden menschlichen seufzer, jeden schweren busen heilend an. J. Paul Hesp. 1, 117.
 
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blütenbaum, m. blühender baum:

nicht jene hofnung, die im strengen winter
mit frühlingsblumen uns das haupt umwindet,
vom blütenbaum aus reichen früchten lächelt.
Göthe 10, 25.


 
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blütenblatt, n. ferner sehen wir bei mehreren blumen unveränderte stengelblätter ... da sie ihre gestalt noch vollkommen an sich tragen, dürfen wir uns ... auf die botanische terminologie berufen, welche sie mit dem namen blütenblätter, folia floria bezeichnet hat. Göthe 58, 36; ob er (der heutige tag) gleich vom vorigen vielleicht um kein blütenblatt verschieden ist. J. Paul flegelj. 1, 29; ob er dem rothen jüngling angehöre, wornach seiner seele alle ihre blütenblätter standen. 1, 149.

[Bd. 2, Sp. 179]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blütendampf, m. florum exhalatio:

du segnest herlich
das frische feld,
im blütendampfe
die volle welt.
Göthe 1, 80.


 
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blütendecke, f. perianthium.