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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blutdurst bis blütenalter (Bd. 2, Sp. 176 bis 178)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blutdurst, m. sitis sanguinis:

hasz, blutdurst, neid und zorn.
Weckherlin 734;

wilder thiere blutdurst.
Gotter 2, 198.


 
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blutdürstig, sanguinem sitiens: raffe meine seele nicht hin mit den sündern, noch mein leben mit den blutdürstigen. ps. 26, 9;

aus blutdurstgem pracht.
H. Sachs V, 17b;

blutdürstigster tyrann.
Gryphius 1, 55;

ein blutdürstiges bedenken gehässiger theologen. Lessing 9, 398; ha, noch meinen bruder erschlagen? blutdürstiger, höllischer! Fr. Müller 3, 418; ein blutdürstiger, verworfner räuber. Gotter 2, 233.
 
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blutdürstigkeit, f. Butschky Patm. 829.
 
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blüte, n. flos: diesen verkaufet sie das blüte der armen töchterlin, die es auch dester ringer wageten, dieweil sie ihnen verhiesze, die junkfrawschaft zu erneuweren. Wirsung Cal. D 3b.
 
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blüte, f. flos, die schreibung blüthe tadelhaft, ältere setzen noch blüet, wie ahd. pluot (Graff 3, 241), mhd. bluot (Ben. 1, 217), in vielen bedeutungen von blume: in der mitte des baums ist ein besonderer ast, der macht die blüet, wie ein bonenstengel thuot. Frank weltb. 201b; bonen, die in ihre (so) blüet stehn. bienenk. 242a;

meines leibes blüt, blut und saft.
Weckherlin 147;

blüte der gestalt.
Opitz 3, 83;

wo ist mein erste blüte,
da ich so schöne war,
das freudige gemüte?
Fleming 16;

was in der blüte steht, was durch die zeit verfiel.
Gryphius 1, 22;

diese weise leute wollen mir verzeihen, dasz ich über sie seufze, dasz durch ihre phantasei mir die beste blüte meines alters gestolen sei. Schuppius 816; Horaz setzt das breve dem vivax entgegen, daher es denn nothwendig die kurze dauer ihrer blut anzeigen musz. Lessing 3, 440;

ein jüngling, verführt in der blüte.
Klopstock Mess. 8, 310;

mag die schüssel denn stehn, schmückte sie auch das reh,
in der blüte gefällt. werke 2, 185;

o Aristus, um ein wort starb ich in der blüte, und du, mein freund, warst mein grausamer mörder. 11, 122; die blute der vollkommenheit (gegenüber dem verfall der kräfte). Kant 9, 3;

[Bd. 2, Sp. 177]


einen einzgen sohn
Dimitri, die späte blüte seiner kraft,
gebar ihm Marfa.
Schiller 662a;

der anmut unverwelkte blüte. 100b;

o jugend, süsze trunkenheit,
o blüte des gefühls!
Gotter 1, 437;

sie forderten des mädchens blüten
mit schrecklichem geschrei von mir.
Göthe 1, 211 vgl. 21, 80;

dann sammelt sich der jugend schönste blüte
vor eurem spiel und lauscht der offenbarung. 12, 14;

nicht wahr, das elend hat die blüte von meinen wangen gestreift? 10, 158; in der blüte ihrer jahre, ihrer figur, ihrer talente. 15, 115; wer kann wiederholen was sie sagte, wie kann der kalte todte buchstabe diese himmlische blüte des geistes darstellen! 16, 84; indem sie durch solche unreifheiten die wahre wissenschaft unsicher machen und verwirren, ja ihre schönste folge, die practische blüte derselben offenbar verkümmern. 23, 262; als meine neigung zu Annetten in ihrer besten blüte war. 25, 102; es war nicht das erste und letzte mal, dasz ich mich in familien, in geselligen kreisen befand, gerade im augenblick ihrer höchsten blüte. 26, 34; es ist mit Lavater wie mit dem Rheinfall, man glaubt auch man habe ihn nie so gesehn wenn man ihn wiedersieht, er ist die blüte der menschheit, das beste vom besten. an fr. von St. 1, 279; die letzte blüte der wange. J. Paul Hesp. 3, 100; sonne, die am himmel ihre weiszen blüten aufschlug. 3, 145; und ich meinte auch ihn mit seiner zarten blüte. 4, 29; auf der geliebten blassem angesicht schlugen gar zu anmutig rothe blüten aus. Fibel 107; das unbewegte, wenn auch nur mit tauben blüten, aber vom helldunkel verklärte gesicht. komet 2, 139; die ehe trug nur taube blüten. holzschn. 95; zimmer an deren spalierwänden Raphaels ewige blüten glühen. 36, 100; sterne, die ewigen blüten des himmels. Humboldt kosm. 2, 29. blaue blüte heiszt auch der blaue flieder oder hollunder. blüte, hautausschlag im gesicht. s. DWB blütchen.
 
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blutegel, m. hirudo, falsch blutigel, wie schw. blodigel, dän. blodigle, nnl. bloedegel: blutegeln ansetzen; er saugt mich wie ein blutegel aus. bei einigen ist das wort f., dem ahd. egalâ (Graff 1, 130) gemäsz: eine blutegel läszt nicht eher ab zu saugen, bis sie ganz voll blut ist. Rabener 1, 178. noch merkwürdiger ist die form bluteglese: drumb das die juden, die bluthunde und bluteglesen nach seinem blut dürstet. Mathesius 74a.
 
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bluteisz oder eisze,m. ulcus, furunculus, ahd. eiʒ (Graff 1, 541), mhd. eiʒ (Ben. 1, 428), blutschwäre, Stieler 31 schreibt blutais, Tobler 61a bluetasza: seind aber apostemen, beulen, eiszen vorhanden, als die kleinen bluteiszen. Paracelsus 1, 347c; mit einem hünerauge an der groszen zehe, die wenn anderes wetter wurde, wie ein bluteisz brannte. Musaeus kinderkl. 45.
 
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bluteiter, m. sanies, mit blut vermischter eiter, zum unterschied vom weiszen eiter.
 
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blüteln, nach blut riechen, schmecken. Tobler 61a.
 
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bluten , sanguinem mittere, ahd. pluotên.
1) sinnlich, du blutest ja; mein finger blutet; die nase blutet mir, ich blute aus der nase, aus dem munde; und in dem schlg er den herren in sein angesicht mit feusten, das im die zen blten. Keisersb. s. d. m. 61a; sist ein stich, er blutet nicht. Hebel 251; die wunde blutet immer fort; er blutete sich zu tode, blutete sich todt (auch abstract, die sache mag sich zu tode bluten);

auf einmal riefs: der könig blutet.
Schiller 244a;

seht nur, wie seine finger bluten. 301b;

schleppt sie zu dem todtenhügel,
wo verbrecher büszend bluten.
Göthe 3, 121;

so kommen die, welche man schonen möchte, in den fall als sühnopfer eines solchen wahnsinns zu bluten. 24, 215. man sagt auch, bluten wie eine (geschlachtete) sau, stark bluten; wer meiner Greten was thut, den hau ich, das die sau blut. Garg. 87b. man sagt von der rebe, wenn sie thränt oder weint, dasz sie blute. s. blutthräne.
2) bluten heiszt auch blutig, roth sein, von blut triefen, sanguine madere:

der blutende rubin trinkt ihrer lippen blut.
Fleming 648;

das richtbeil wird ... in der gurgel bluten.
Günther 1021;

auch thun bluten
Daphnis ruten,
dran man ihn hat aufgehenkt.
Spee trutzn. 279 (273);

da meine waffen bluteten. Klopstock 1, 72; mein gewand blutet, ist nasz von blut, blut lauft hindurch; die dielen des

[Bd. 2, Sp. 178]


gemachs, wo der mord geschah, bluteten noch; der schuh blutete, es quoll blut heraus.
3) bluten von heftigem inneren schmerz, wobei gleichsam leibliche verletzung angenommen wird. schon mhd.

daʒ im sîn herze bluoten mac. Karl 85a. nhd.

meinst du denn, dasz mir mein herz
nicht blutete?
Klopstock 9, 21;

aber die königin, längst zerrissen von innigem aufruhr,
blutet an wunden des herzens und kocht in heimlicher flamme.
Bürger 244a;

und er hörts mit stummem harme,
reiszt sich blutend los.
Schiller 64b;

mir blutet die seele,
seh ich das eulengeschlecht, das zu dem lichte sich drängt. 93a;

schon seh ich deine seele
vom giftgen bisz des argwohns bluten. 245b;

verzeiht, milords, es schneidet mir ins herz,
wehmut ergreift mich und die seele blutet. 419b;

doch wenn das mächtige, das uns regiert,
ein groszes opfer heischt, wir bringens doch,
mit blutendem gefühl, der noth zuletzt.
Göthe 9, 281;

ihm blutete die seele. J. Paul Hesp. 2, 41; einem oberförster blute das herz, wenn er nachts drauszen stehe. 2, 66; er stillte das bluten seines innern mit dem gedanken an die menschen. uns. loge 1, 110.
4) bluten, luere, dafür büszen: ich werde bluten müssen; man wird dich bluten lassen; graf Gotfried wurde gleich nach Lotharii tod los gelassen, nachdem er zuvor stark bluten und einige zu dem bisthum Verdun gehörige plätze abtreten müssen. Hahn 2, 141; uns auf unser versprechen nach hause ziehen, dabei aber tüchtig bluten lassen. Tieck 5, 29. auf ähnliche weise abzapfen und anzapfen oder aderlassen, vgl. auch blotzen müssen, zahlen müssen.
5) die rebe blutet, wenn nach dem beschneiden saft ausläuft; auch der wein, weinstock blutet schon. vgl. DWB blut 10.
6) bergmännisch, das erz blutet, es zeigt sich rothes silbererz, rothgüldenerz; der stein blutet gelb oder braun, die farbe des blutsteins fällt ins gelbe, braune.
7) Klopstock setzt bluten gern transitiv mit dem acc.:

bei dem, der geblutet,
von der höhe des kreuzes herab, sein leben geblutet. Mess. 4, 1008;

aber um unsertwillen sind jene wunden geöfnet,
die er blutet. 4, 1099;

die steigenden adern
bluten todesangst. 5, 637 (1751: aus todesangst);

wenn er für euere kinder und euch sein leben wird bluten. 8, 92;

und des vater, der nun söhnopfer blutet. 9, 246;

den am kreuz? zwar blutet er, aber er blutete gnade. 18, 284.

auch Lessing 2, 105: bei dem blute, das ich gern für deinen vater geblutet. eigenthümlich bei Keisersb. s. d. m. 19b: welcher edelman ietz nicht kan blten und fleischen (blut und fleisch hauen), der kan nüt. vgl. DWB ausbluten, dahinbluten, DWB hinbluten, verbluten.
 
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blütenalter, n.

schöne welt, wo bist du? kehre wieder,
holdes blütenalter der natur.
Schiller 22a.