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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
blumicht bis blunderkiste (Bd. 2, Sp. 167 bis 169)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blumicht, floridus, bei Dasypodius 306d blmechtig: abgrund, an dessen blumichtem rand er sorglos herum tanzte. Wieland 2, 248; auf dem blumichten pfade des vergnügens. 3, 242; die schöne Lili hüpfte auf dem blumichten wege fort. 6, 73; das blumichte Enna. 10, 19; noch lacht dein heiteres antlitz gleich blumichten bächen. 23, 91. bei Kleist geschrieben blumigt:

auf blumigter flur. 1, 14;

bethaute, blumigte thäler. 2, 4.


 
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blumig, floridus, floreus, oft mit dem begrif von bunt:

die obere sonne
bildet mit dieser vertrauten gehülfin den blumigen frühling.
Klopstock Mess. 1, 627;

was empfand ich, als nun das neue leben mich aufhub
aus der blumigen gruft. 15, 408;

die blume blühet, mit welcher
einiger gräber geliebte nun bald bestreuen, und dennoch
sprach nicht los das gericht den todten im blumigen grabe. 16, 36;

o gefeiert sei mir, blumiger zwölfter mai! werke 1, 46;

jetzo standen sie all in der blumigen au des Skamandros.
Voss Il. 2, 467;

erztlich gebeut sie uns der wunderbaren seirenen
zaubergesang zu meiden, und ihre blumige wiese. Od. 12, 159;

der blumige zarte schmetterling. Tieck ges. nov. 1, 25; die blumigen, lichten stunden rücken vor dem auge des menschen vorüber. J. Paul Hesp. 3, 171; die blumige welt des mondes. herbstbl. 3, 266; es ist weniger die kunst, als das blumige, fröliche, hohe farbenspiel, wobei man auch bei regenwetter immer in den sonnenschein zu sehen glaubt, was mich zu dieser malerei (der glasmalerei) hinzieht. Hegner 4, 175.
 
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blümlein, n. flosculus, blümelein, blümchen, wo schon stellen angeführt wurden:

ich seh auf breiter heide
gar manches blümlein stan,
sie sind gar wol bekleidet,
grosz freud hab ich daran.
Hoffm. ges. 26;

jetzt thun die blümlein blühen,
viel schöne röck anziehen. 59;

und demnach solch werklin von vielerlei mancherhand blümlein zusammengeraft und gesamlet ist. bienenk. 6a; man heiszt selten ein k blümlin, sie hab dann ein bunten flecken. Frank spr. 2, 52a; wie man dann ein kue nit umbsonst bläslein heiszt, sie hab dann ein blümlein. Katziporus g 2.
 
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blumreich, was blumenreich, geblümt:

das feld mit blumreich grünem kleid.
Weckherlin 224.


 
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blumwerk, künstliche zierrat am gebälk und getäfel: inwendig war das ganze haus eitel cedern, mit gedreten knoten und blumwerg, das man keinen stein sahe. 1 kön. 6, 18; schnitzwerg von ausgehöleten cherubim, palmen und blumwerg inwendig und auswendig. 6, 29. die neueren ausgaben ändern in blumenwerk. Frischlins nomencl. 314 gibt: schön und blumwerk, picta vestis, palmata. in anderm sinn Spangenberg lustg. 446: also wird alles grünend gewächs ein meien genant, auch wol etwan von allerlei blumwerk gemachte sträusz also (d. i. meien) geheiszen.
 
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blunder, m. congeries, quisquiliae, vilis supellex, heute plunder; man wird geneigt dies sonst wurzellose wort mit der vorstellung von blenden, mischen zu verknüpfen und darunter zu verstehen, was unordentlich über den haufen geworfen, zusammen geraft ist. altn. blundr (gen. blunds) sopor, schw. dän. blund, gleichsam die unordnung, verwirrung, betäubung des schlafs, wo alles blinderblander untereinander geht. das erstemal begegnet der ausdruck in einem gedicht des 14 jh.

[Bd. 2, Sp. 168]


(altd. wäld. 2, 137), wo es von einem unruhig schlafenden heiszt:

die deck und den plunder
warf ich dicke her und hin,

und eben diese bedeutung von bettdecke, schlafdecke ist auch in der gangbaren redensart gelegen: den plunder zusammen werfen, sich verheiraten, d. i. zusammen betten, das bett war hauptbestandtheil der weiblichen gerade: unter éine decke kommen, von éiner decke beschlagen werden, altn. blœju breiða, verja mey varmri blœju, lîni verja sind uralte bezeichnungen des ehlichen beiwohnens (RA. 420) und das altn. blunda schlafen liesze sich fassen unter der decke, unter dem blunder liegen. nd. ere plunnen to samen smiten = sich verehlichen, freilich bald mit dem nebensinn von ärmlichem gerät und hausrat: ihre lumpen zusammen schmeiszen; mine beten plunnen, meine geringe habe, reculae meae (brem. wb. 3, 345), mein biszchen lumpen; slat em up de plünnen, schlagt ihm auf die lumpen. bettdecken werden oft aus bunten lappen zusammen genäht. im vocab. 1482 steht plunder, induviae, schlangenhaut, also für hemd, hülle, ohne die vorstellung des schlechten, geringen. freilich scheint der versuchten deutung von blunder entgegen, dasz auch nd. PL, nicht BL, selbst nnl. plunderen = plündern, engl. plunder geschrieben wird; man müste diesmal entlehnung aus der hochd. form annehmen, welche umgekehrt, wie die folgenden belege zeigen, noch oft BL gewährt.
Dasypodius 306d hat nur das verbum blündern diripere, Maaler 319a plunder supellex, den plunder zesammen läsen und hinziehen, vasa colligere;

dan die heiden sind in dem land,
darum beschlüsz den blunder (das gerät) allen sand,
dann soltent wir kumen um unseri hab,
der schad gieng uns niemer ab. fastn. sp. 821, 27;

do trug man her den plunder (die tischdecke)
und wolt essen. 1391;

sie band es in ein leilachen, als ein blunder. sch. und ernst cap. ...; und du bald wilt nemen die schwebelkerzlin und an den zundel heben, so verleschest du den blunder mit einander (den ganzen plunder), wann die schwebelhölzlin bös, nasz und fücht sind. Keisersb. bilg. 14e; und nent darnoch ein ganzen blunder (eine menge von sachen untereinander). 60b; ich hab es nit von mir selber, aber der vatter, die mter, der brder haben mir den blunder so vil hudlen und zitlich gt angehenkt. 112c; die hant den blunder uf mich geworfen, do sie gestorben sint. 112d; und ist des blunders (des zeugs) kein end. 156a; wann einer foll bretzelen würd, foller kchen, foller hering und des blunders, davon gond die dempf auf in das haubt. s. d. m. 8b; waher kompt es, das das dir die schnagken und der selb blunder also vil z laid thnd? gunkel c 6d; und wenn sie schon vil blunders an sich henkent und sich aufmusteren auf das allerkostlichest, so ist es doch ein ellende gestalt. d 1c; Fortunatus bestellet ein grosz haus umb zins, darein liesz er im sein blunder (seine habe) führen. Fortunat f 6b; dannenthin mag mengklich blunderen, die dabi sint gewesen, si sien gewafnot oder ungewafnot und den plunder sol ieglicher antwurten dem houptman, under den er gehört. Etterlin s. 49; allen plunder des lägers. Münster 1311;

theten sich beladen
mit gfangen christn und ihrem blunder.
H. Sachs I, 210d;

derwegen ward beschlossen, auf das der plunder (der speisevorrat) nicht unnützlich verdürb und aus dem weg käm, den rücken darhinder zu thun und es weidlich und neidlich aufzureiben. Garg. 81b; es ward das geräte und aller plunder ins lager zusammen getragen. Rollenhagen wunderb. reisen 9; schweiz. wüster plunder, schmutziges gerät, waschzeug. blunder hat also vorwiegend die bedeutung von pack, zeug, gerät, franz. bagage, wie man es mit sich schleppt, und plier bagage heiszt sein bündel schnüren, abziehen, mit sack und pack, mit dem blunder fortziehen, wobei immer decke, bettdecke die ursprüngliche vorstellung gewesen sein mag. das ist lauter plunder, unnützes, werthloses zeug, lumpen; weg mit dem plunder! leute, die allen plunder (alle lumperei) wissen wollen.
 
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blünderei, f. er ward mit plünderei beraubt von jederman. Opitz.
 
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blünderer, m. direptor, praedator, plünderer.
 
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blunderkammer, f. cella supellectili obsoletae servandae, polterkammer, zeugkammer.

[Bd. 2, Sp. 169]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) blunderkaste, m.
 
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blunderkiste, f.