Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
legge bis lehen- (Bd. 12, Sp. 536 bis 539)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) legge, f. vergl. DWB lege sp. 517.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
legieren, verb.
1) testamentarisch vermachen:

das ist disz, so ich hab legiert.
L. Sandrub kurzweil (1618) 136;

wenn unser voreltern, denen münchen ... also weren mitgefahren, weren jhre hab und güter nicht dermaszen erschöpfet, und in die klöster legieret und verschafft worden. 146.
2) beim goldarbeiter, gold mit silber oder kupfer, und silber mit messing oder anderm metall vermischen. Jacobsson 2, 583a.
3) in der fechtkunst, den degen des gegners aus der hand schlagen: stets habe er gewuszt seinen widersacher zu entwaffnen, ... ja er verstehe sich auf legiren so gut, dasz er einst selbst in grosze verlegenheit gerathen, als er den degen seines gegners auf einen hohen baum geschleudert, so dasz man ihn nicht leicht wieder habhaft werden können. Göthe 24, 146; der deutsche (fechtmeister) stand in seiner positur wie eine mauer, paszte auf seinen vortheil, und wuszte mit battiren und legiren seinen gegner ein über das andre mal zu entwaffnen. 232.
legiren in der ersten bedeutung ist das lat. legare, vermachen, in der zweiten aber aus dem ital. allegare, den münzen den gesetzlichen feingehalt geben, herübergenommen. für die dritte bedeutung wird auch ligiren gesagt; es ist das ital. legare und ligare, eigentlich binden.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
legierung, f. gewöhnlich nach legieren 2; in übertragenem sinne: auf den wangen (einer alten kokette) war die legierung mit roth, die tiefere nachbarschaft wurde mit weisz legiert. J. Paul uns. loge 3, 10.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
legion, f., aus dem lat. legio, heerhaufe von zehn cohorten, in die sprache des neuen testamentes übernommen: oder meinstu,

[Bd. 12, Sp. 537]


das ich nicht kündte meinen vater bitten, das er mir zuschickte mehr denn zwelf legion engel (πλείους ἢ δώδεκα λεγεῶνας ἀγγέλων)? Matth. 26, 53; er (der böse geist) antwortet, und sprach, legion heisze ich, denn unser sind viel. Marc. 5, 9; und danach von einer menge engel oder teufel angewendet: du solt wissen, Fauste, sprach der geist, dasz unter uns gleich so wol ein regiment und herrschaft ist, wie auf erden, dann wir haben unsere regierer und regenten, und diener, wie auch ich einer bin, und unser reich nennen wir die legion. volksb. v. dr. Faust s. 16 Braune;

o engelische schaar, jhr himmels legionen.
Weckherlin 303;

in der neueren sprache der gelehrsamkeit an den römischen sprachgebrauch angeschlossen:

man rühmt des helden muth, der, wenn das schwerdt der schlacht
itzt legionen friszt, ihn unerschüttert macht.
Gellert 2, 59;

auch sonst von einer groszen menge: da der name dieser leute doch legion ist. Wieland bei Merck 2, 65;

der boden haucht vergosznen blutes wiederschein,
und angelockt von seltnem wunderglanz der nacht,
versammelt sich hellenischer sage legion.
Göthe 41, 113 (Faust 2. theil, classische walpurgisnacht).


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
legung, f. das legen: positio legunge. Dief. 449a; die legung des grundsteins; legung der balken; wie niederlegung: (an einem thore), wo wegen der durch die auszenwerke gewährten deckung nur sehr niedrige wälle liegen, auf deren baldige legung der fiscus .. bedacht sein musz. Frankf. journ. v. 13. juli 1873; nach legen I, 6, p sp. 530: die legung der bauernwirthschaften und das überhandnehmen der groszlandwirthschaften und majoratsstiftungen (in Mecklenburg und Pommern). zeitungsbericht. sonst in zusammensetzungen wie anlegung, auflegung, auferlegung, durchlegung (einer strasze), niederlegung u. ähnl.; vergl. auch kriegslegung (th. 5, 1281), grundlegung, streitlegung.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
lehdacker, m. ager relictus, codetum, lädacker. Stieler 17.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
lehde, f.
1) wüst liegendes stück land; aus dem niederdeutschen bis ins östl. mitteldeutsch vorgedrungenes wort, niederl. leeghde vallis, locus humilis (Kilian), später leegte und laagte niedrig gelegene fläche, niederung; niederd. legte niederung, eichwald (niederd. sprichw. 89b); neufries. leegte, laagte Epkema wb. 264; nordfr. dat läiged, läiget die niederung Bendsen 8; ob auch ein von Dietrich in Haupts zeitschr. 13, 28 aufgewiesenes ags. læð gut, grund und boden hierher gehört, ist zweifelhaft. das stammwort ist das sp. 58 aufgeführte läg, niederd. leeg und laag niedrig, dessen guttural in der ins hochdeutsche gekommenen form lehde schwand, in einer nebenform leide sich vocalisirte. läden heiszen bei den landgütern, wüst liegende aber doch brauchbare plätze. Frisch 1, 563b; laite, leide oder leede, heiszt ein ungeschlachtes wüstes und ungebaut - liegendes stücke land, welches keinen nutzen trägt. oecon. lex. (1731) 1358; ledden oder lehden heiszen die wüsten triftrasen und anger an hohen orten vor denen hölzern; welche ledden mit kurzen, scharfen magern gras und grind unter einander überzogen sind. Heppe leithund 90; das thal verbreitet sich und alle leden sind wo möglich zum feldbau umgearbeitet. Göthe 43, 147;

Vandaliciens versengte leeden.
Gökingk 3, 113.


2) ein anderes wort ist niederd. lehde, leede, lede lagebalken am gebäude, worauf die ständer gesetzt werden, schwelle (vergl. Schütze 3, 18. 19); aus legede, das was gelegt wird, entstanden.
3) noch anders für letten (s. d.): das gerippe lag 6 fusz tief auf thon oder leeden zerstreut. bei Göthe 55, 301.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
lehdling, m. in Meiszen, agaricus campestris, der champignon.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
lehdung, f. unbebautes landstück in Obersachsen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
lehen, lehn, n. und fem. s. no. 3.
1) etwas dargeliehenes im allgemeinen, wie sonst anlehen (th. 1, 399), darlehen (th. 2, 779); so im ahd., wo lêhan (nach den lautgesetzen aus leihan entstanden) neben der bedeutung unten 2 auch foenus, usura heiszt, im ags. læn, engl. loan, altnord. lân, dän. laan, die nur diese bedeutung kennen; auch noch selten im nhd.: ob ein fraw sich untersteen, und von ymands .... mer gelts entlehen und ausbringen wolte, so solten dieselben an die das lehen begert wirdet, solich ansuchen der frawen man zuvoran, ee ir das lehen beschiht, zu wissen thun. Nürnb. pol.-ordn. 29; hoffe ich, meine bitte sei deste gelimpflicher, das e. w. wolte jm zu seinem studio hülflich sein, etwa mit einem lehen oder sonst, was gott

[Bd. 12, Sp. 538]


bescheret hat. Luther 6, 2a. br. 4, 435; da spricht sie (formicam) ein hewschreck umb ein lehen an und begert von jhr etliche schock körnlein. Mathes. Sar. 24b.
2) ein vom oberherrn dem vasallen auf gewisse bedingungen und auf wiedereinziehung verliehenes grundbesitzthum, feodum, ahd. lêhan, beneficium, praedium, mhd, lehen, mitteld. lên; feodum ein lehen, lechen, len, leyn Dief. 230b;

der werth von ganz Salern
schien im juwelenbusch auf ihrem hut zu wehen,
und jeder knopf von ihrem kleide war
der bare preis von einem kleinen lehen.
Wieland 18, 189;

der plur. ist gewöhnlich die lehen, seltener die lehne: in lehnen (beneficiis) konnte huldigung erfordert werden, aber nicht in eigentlichen feudis. Möser patr. phant. 3, 187; viele nahmen jedoch zuerst lehne an dienstmannstatt. 188; zu einer zeit, in welcher verschiedene gelehrte nur den allerersten ursprung der lehne gefunden zu haben glauben. Lessing 11, 34. Es heiszt ein weltliches lehen, geistliches lehen, präbende; ein offenes lehen, das erledigt ist; ein freies lehen, ohne beschränkung gegebenes: alle lehenschaften der fryen handtlehengütter, ... und dieselbigen fryen lehen lihet ain herr von sant Gallen. weisth. 1, 218 (st. Gallen v. 1469); einem ein lehen ertheilen: (ein lehenprobst, welcher) im beisein des landes-fürsten ... das lehn ertheilet. Löhneys regierkunst (1679) 743a; lehen verleihen oder nemen, feodare. voc. inc. theut. m 2b; ein lehen sinnen, ein lehen muthen, darum ansuchen, vgl. DWB lehensinnung, DWB lehensmuthung: lehen sinnen, feudum petere. Frisch 1, 596c; das lehen muthen, investiturae renovationen petere. ebenda; ein lehen empfangen, haben, tragen; dasz sie das lehen vom römischen käyser allein, und keineswegs vom churfürsten zu Brandenburg empfangen durften. Micrälius alt. Pomm. 3, 330;

von jhm hat fürst und baur,
von jhm hat herr und knecht,
sein land und seinen pflug,
sein lehen und sein recht.
Weckherlin 301;

so kniest du nieder und empfängst
die lehn von grenzenlosem strande.
Göthe 41, 262;

Meier. ich trage gut von Oesterreich zu lehen. ...
Stauffacher. ich trage keine lehen, als des reiches.
Schiller Tell 2, 2;

geh hin, verkaufe deine freie seele,
nimm land zu lehen, werd ein fürstenknecht. 2, 1;

die stätte, fürst, die du gewürdiget
der anfahrt am apulischen gestad,
ich trage von Neapel sie zu lehn.
Uhland ged. 182;

in freierem sinne:

so bleib es (das ross) gewidmet dem göttlichen dienst!
denn ich hab es dem ja gegeben,
von dem ich ehre und irdisches gut
zu lehen trage und leib und blut
und seele und athem und leben.
Schiller graf von Habsburg v. 99;

ein lehen verwirken, versitzen: gab dabeneben für, die herzogen von Pommern hetten jhre lehn von käys. mayt. zu empfangen bisz daher versessen, und batt, jhre länder, derer sie sich verlustig gemachet hetten, jhme zu verlehnen. es war aber mit diesem handel, den der newe churfürst wegen der versessenen lehen vorwandte, so beschaffen. Micrälius alt. Pomm. 3, 325; zu lehen rühren einer herrschaft, zu einer herrschaft als ein lehen gehören. Frisch 1, 596c; zu lehen reichen, gehen: an den orten, die von herzog Georgen zu lehen reichen. Luther 4, 314a; also rhumet er (Paulus) allenthalben, das sein apostelampt nicht ist lehen gegangen von menschen, noch auch durch menschen, sondern von Christo, und durch Christum selbs. 6, 219a; dasz mächtige baronen bei ihr zu lehen gingen. Schiller 1036. das lehen ist dem eigenen gute entgegengesetzt:

warumb solt wir jhm zinszbar sein,
der uns nichts gibet grosz noch klein
weder zu lehen oder zu eigen?
J. Ayrer 202a (1004, 18 Keller);

auf, auf! lasz hof und stadt, lasz eigen gut und lehn.
A. Gryphius 1698 2, 444.

rechtssprichwörter: lehen tragen schulden. Pistorius thes. par. 4, 92; lehen tragen keine schulden. Simrock sprichw. s. 333; lehen fallen nicht auf die spindel. ebenda.Eine übertragung des lehenwesens auf dörfliche gesellschafts- und liebesverhältnisse war das lehenausrufen Vilmar 240 -242; vgl. auch unter bühli theil 2, 506.
3) lehen, auch als fem. gebraucht, in der gleichen bedeutung (2): andere mehr um Wildenbruch gelegene örter, so etliche

[Bd. 12, Sp. 539]


tempelsherren von jhm zur lehen trugen. Micrälius alt. Pomm. 3, 321; das sie (die herzöge von Pommern) .. von seinem sohne, als einem churfürsten von Brandenburg, jhre land und leute zur lehen tragen .. solten. 325; einem ein guth zur lehn geben, von einem zur lehn empfangen. Hederich 1506; die lehn empfangen, einem die lehn reichen. ebenda; die lehen empfangen. um die lehen ansuchen. einem die lehen reichen. Adelung; die lehen entrichten (die lehenwaare). ebenda.
4) lehen, ein bauernhof: lehen, bawrenhoff, villa, colonia. Maaler 267a; lehen, als bauerngut von gewisser grösze bei Schm. 1, 1464 Fromm.; als viertel eines hofes oder halbe hufe Frisch 1, 596c. vgl. unten lehenfrau, lehenmann.
5) ein anderes lehen (das auch als masc. und fem. gebraucht wird) in der bergmännischen sprache, wo es ein flächenmasz von sieben lachtern länge und ebensoviel breite, ferner ein längenmasz von sieben lachtern, endlich das grubenfeld bedeutet. dieses lehen, mittellat. laneus ist das poln. łan, abgemessenes stück land. Veith bergwörterb. 322. 323.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
lehen- s. auch lehens-.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 10 von 51 Vorherige Treffer
1) gaffen
 ... fieng er von neuem an mit weit offnen augen und gähnendem munde zu gaffen. Wieland 11, 254 ( Sylv.
 
2) gähnaffe
 ... machen, höhnend, wol wie pah! gesagt wird mit gähnendem munde: Amalia ( die um Petern wirbt ). nun, ihr
 
3) gähnen
 ... machte. 9, 13 ; am rande des gähnenden grabes. Göthe 8, 291 , ein vielgebrauchtes
 ... steigst ab in solcher gräuel mitten, im gräszlich gähnenden gestein. 41, 252 ;
 ... sie wird im mittelalter als gähnender rachen gebildet, im gähnenden grab wirkt das bild nach. ähnlich von der nacht:
 ... schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt. Schillers taucher;
 ... 2, 121 , sie wird im mittelalter als gähnender rachen gebildet, im gähnenden grab wirkt das bild nach.
 
4) geber
 ... geber , m. hiatus, gähnendes öffnen des mundes, der letzte geber eines sterbenden: das
 
5) genemeulen
 ... genemeulen , mit offnem ( gähnendem ) maule auf etwas blicken: unser schwermer ... gaffen
 
6) gewalt
 ... schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt, grundlos als giengs in den höllenraum.
 
7) gewand
 ... und nun von fern winkt gähnend das gespenst des alltags wieder im spinnwebgrauen, schleppenden
 
8) gienaffe
 ... 1, 1148. zu gienen B als einer, der gähnend oder dumm schauend, müszig den mund offen hat; vgl.
 
9) gienung
 ... ahd. gl. 3, 411, 41 St. - S.; der gähnende abgrund, spalte: ( die hölle ) heizet ouch baratrum, daz
 
10) grab
 ... personifizierenden gebrauchs zu einem ungetüm, mit einem rachen, der sich gähnend öffnet und die menschen zu verschlingen droht; wahrscheinlich wirkt das
 ... menschen zu verschlingen droht; wahrscheinlich wirkt das mittelalterliche bild vom gähnenden höllenrachen mit und noch nach. die hierher gehörigen prägungen zeigen
 ... hinüberzutreten. das grab gähnt: am rande des gähnenden grabes Göthe I 8, 297 W.;
 
Artikel 1 bis 10 von 51 Vorherige Treffer