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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abnähen bis abnehmlich (Bd. 1, Sp. 79 bis 81)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abnähen, consuere, nnl. afnaaijen, benähen, steppen: die ermel belegt und abgenäct mit baumwolle. Frank weltb. 206a; einen rock abnähen, felder abnähen, so dasz die untergelegte wolle sich nicht verrücke. eine blume abnähen, sticken. eine schuld abnähen, durch nähen abverdienen.
 
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abnäher, m. den schneidern, eingenähte, weggenahte falte: einen abnäher machen.
 
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abnahme, f. defectus, nach den verschiednen bedeutungen des wortes abnehmen. sinnlich das herab, herunternehmen: die abnahme vom kreuz, des bildes von der wand, des hutes vom kopf, des bartes vom kinn, des tuches vom tisch. figürlich die abnahme des eides von dem schwörenden, der rechnung von dem der sie stellt. der kaufmann hat keine abnahme, keinen absatz. Von dem intransitiven abnehmen bildet sich abnahme defectus: abnahme des mondes, lichts, tages, des wassers im meer; der kraft, der sinne, des gedächtnisses, der augen, der macht, des reichs. auch abnahme an kraft, an tugend, an fleisz. der gebrauch ist in abnahme, verfall.
 
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abnarben, depilare, bei lederarbeitern, die oberfläche des fells, die haare davon abstoszen. in der landwirtschaft, die

[Bd. 1, Sp. 80]


heide abnarben, abmähen; den mist von der heide abnarben. Möser p. ph. 1, 345.
 
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abnarren, fallere, abbetriegen: bedacht, wie sie andern nationen ihr geld abnarren könne. Weise kl. leute 108.
 
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abnaschen, praeripere delicatiora, den rahm von der milch abnaschen, die rosinen vom kuchen.
 
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abnehmen, auferre, tollere, nnl. afnemen, sinnlich: die äpfel, früchte vom baum, den hut vom kopf, mantel von der schulter, den rahm von der milch, das kind von der brust oder dem arm, den dieb vom galgen abnehmen. mit persönlichem dativ: einem mantel, hut und stock abnehmen, das geld, die last und bürde abnehmen; mit bloszem acc. die milch abnehmen, den rahm abnehmen, den bart abnehmen. früher galt abnehmen vom abschlachten oder abthun der thiere: ein hopt (vihes) abnemen. weisth. 1, 313; so si ein ochsen, kalb oder vogel abnemen wöllen. Frank weltb. 151b; wöllicher wöll ein wochen gut leben, der nem ein saw ab, so hat er kotfleisch und auch würst zu essen. J. Pauli 39; es fügt sich, das er ein färlin het abgenomen. das. 44; si sullent ouch kein unzîtigeʒ vihe niht abnemen. Meraner stadtr. bei Haupt 6, 417; gemeint ist wol ein nehmen von dem leben, von der kehle, wie bei abstechen und abschneiden, die ebenso verwandt werden. Oft kann der acc. wegbleiben, wenn er leicht zu verstehn ist, z. b. abnehmen heiszt für sich schon den tisch, die teller abnehmen: nehmt ab, ich esse nichts mehr. Lenz 1, 269; oder unter spielenden, einen theil der karten abnehmen; nicht anders abnehmen schlachten, ohne beifügung des thiers; abnehmen im deutschen recht meint die schwörenden finger von den reliquien, auf die sie gelegt waren, nehmen. richtst. lehnr. 12, 4; abnehmen beim stricken, die maschen vermindern, dreimal abnehmen, auf der dritten nadel abnehmen. Figürlich ist abnehmen von, aus, an, bei den worten, von der sache, so viel als vernehmen, entnchmen, deducere, intelligere: dabei ist abzunehmen, was für liecht in der archa gewesen sei. Luther 4, 47a; dabei solten sie ie abgenomen und gemerkt haben. 8, 260b; meinen villeicht es sei in nit ernst, oder nemen ir leichtfertig herz darbei ab. Frank weltb. 105a; daran als mengklich wol abzenemen hat. reichsabsch. v. 1501. §. 3;

dann merkt und nimmt man ab, dasz eure fablerei
ein widerhall, vielleicht noch weniger was sei.
Logau 2, 70;

so nehmet selber ab. Wieland 4, 222; hast du das von dir abgenommen? Göthe 8, 235; die regel aus der analogie abnehmen. Kant 8, 321. ferner bedeutet ein bild abnehmen es nachahmen oder zur nachahmung stellen: dasz ich euer konterfei abnehme, ehe ihr von hier reiset. Tieck Sternb. 1, 213; davon ihr euch ein bild abnemen, entnehmen mögt. was aber bedeutet es in folgender stelle: söllte es nit gut sin, so ich arm bin, dasz der rich sin gab mir geb, oder so ich ein sünder bin, dasz mich der gelert abneme? Zwingli 1, 216, wol absolvat? vgl. die buoʒ abnemen. fastn. sp. 309, 8. Gleich der schweren bürde wird anderes abgenommen: ich will dir die arbeit und mühe, ich kann dir den weg abnehmen, ich musz auch dahin; die bürde der jungferschaft abnehmen:

diebstal kan man wiedergeben, abgenummen jungferschaft
kan man also wiedergeben wie dem todten seine kraft.
Logau 2, 238, 176.

Was abgenommen ist, fehlt und gebricht, aus dem transitiven entfaltet sich leicht ein intransitives abnehmen, deficere, minui. das kind, der tag, das licht nimmt ab, der mond steht im abnehmenden viertel; geld, reichthum, kraft, gedächtnis nehmen ab; die krankheit nimmt ab;

bist du der hohe sinn, der vorher mehr und mehr
nach ruhm und tugend stieg? wie hast du abgenommen!
A. Gryphius 1, 523;

wie hat doch deine kraft so gar bald abgenommen?
Fleming 12.

diesem abnehmen steht zunehmen, wie dem transitiven abnehmen zusetzen, zufügen entgegen.
 
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abnehmen, n. der substantivisch gesetzte infinitiv, in allen bedeutungen, und gleichviel mit abnahme, hauptsächlich aber in der neutralen des schwindens und gebrechens. das abnemen heiszt bei Alberus tabes, schwindsucht, die feul im leib, und das volk in der Wetterau sagt dafür heute das abnomme, gleichsam das abgenommenhaben. häufige redensarten: in abnehmen kommen oder gerathen, in abnehmen sein. als keme sein pfarr in abnemen an gelt. Luther 3, 410; in merklich abnehmen

[Bd. 1, Sp. 81]


kommen. ordn. des reichs von 1512 anfangs; dies geschlecht, dies haus geräth in sichtbares abnehmen; der winder in dem abnemmen was. Kirchhof mil. disc. 191; die viehzucht ist auch gar ins abnehmen gerathen. Weise erzn. 94.
 
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abnehmer, m. jeder abnehmende, in transitiver bedeutung, ahd. abanemari, N. ps. 13, 3 von Christus: der abanemari ist dero arbeite, der den mühseligen und beladenen die arbeit abnimmt. wird zumal bei kaufleuten und handwerkern von denen gesagt, die ihnen ihre waare abnehmen: dies tuch findet viele abnehmer, gute waare hat leicht abnehmer. abnehmer im deutschen recht bezeichnete den für einen andern eidlich eintretenden, die verbindlichkeit von ihm abnehmenden, ihn entlastenden.
 
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abnehmig, deficiens, schwach, im abnehmen begriffen: ein solcher junger cörper ist gleich so wol presthaftig und abnemmig an der natur als der alt. Paracelsus opp. 1, 830c.
 
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abnehmlich, deficiens, abnehmend, schwindend: sintemal dieselbige (gedächtnis) für sich selbst schwach und abnemlich. Kirchhof disc. mil. vorr.

 

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1) abgrasen
 ... gramen depascere, das gras wegfressen. die lämmer grasen den anger, die junge saat ab.
 
2) acker
 ... meʒʒen' Parz. 174, 30. niederfallen, s. anger .
 
3) ackerumsatz
 ... zuweilen die wechselwirtschaft, wenn das feld einige jahre als anger, dann zum getraide dient.
 
4) anger
 ... anger , m. pratum, viridarium, ahd. angar ( Graff
 ... ahd. angar ( Graff 1, 350 ), mhd. anger ( Ben. 1, 45 b ), grasbewachsnes land,
 ... ), grasbewachsnes land, weidetrift, wie schon mhd. gewöhnlich grüene anger, altn. engi pratum; vielleicht dasz der alte volksname
 ... dazu gehört, einzelne dörfer heiszen Angersbach, Angersberg, Angersdorf. die anger sind vol schafen und die awen stehen dick mit korn.
 ... landes. Ez. 34, 13 ; auf einen schönen anger. Dan. 3, 1 ; die reichen zelten auf
 ... schönen grünen angern. maulaffe 276; hütten auf dem grünen anger, den ich aus meinem fenster übersehen konte. westf. Robins.
 ... westf. Robins. 122; welch ein anger, o ihr schönen, o wie dünkt er mir
 ... umschattet war mit rasen bedeckt ein weiter grünender anger vor dem dorfe. Göthe 40, 284
 ... angers. Rückert 294 ; eigentlich liegt anger hoch und trocken, aue und wiese feucht: er kommt
 ... feucht: er kommt über wiesen und auen, umgeht auf trocknem anger manchen kleinen see. Göthe 22, 151 .
 ... 22, 151 . auch pferde werden auf dem anger getummelt: sieh .... den anger
 ... anger getummelt: sieh .... den anger voll finsterer rosse. E. v. Kleist 2, 9
 ... 2094 sagt von einem niedergestochnen ritter, dasz er den anger maʒ, wie es sonst heiszt den acker meʒʒen
 
5) anger
 ... anger , enger , steht in den weisthümern für
 
6) angerblume
 ... kurzer, ich bin langer' alsô strîtents ûf dem anger bluomen unde klê. Walth. 51, 36
 
7) angerhäusler
 ... m. hintersasz, nd. brinksitter, einwohner, der auf dem anger ansäszig ist.
 
8) aue
 ... zum frischen wasser. ps. 23, 2 ; die anger sind vol schafen und die awen stehen dick
 
9) befleischen
 ... betrat an einem frühlingsmorgen der fetten anger feuchtes grün. da sah er mit erwünschten freuden
 
10) bestellen
 ... erhellt, wiederum am saum mit schînât; anger und walt bestalt sind wunneclîch. MS.
 
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