Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abgängig bis abgeiseln (Bd. 1, Sp. 43 bis 46)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abgängig, deficiens, was abgeht, abgehend: abgängige waare; bei jedem fall der urtheilsspruch bereit, und was ja noch abgängig oder dunkel wäre, ersetzen die glossen. Göthe 8, 35; pferde, mager und abgängig, dasz sie nicht traben können;

schleunig wird ein bejahrter und schon abgängiger widder
hergeschleppt.
Voss.

abgängige kleider, wäsche, abgenutzte.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgangling, m. gebrauchen einige von abgegangner unreifer leibesfrucht.

[Bd. 1, Sp. 44]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abgaukeln, praestigiis auferre, einem durch blendwerk entziehen: wenn sie aber dir gleich alle evangelisten abgegaukelt haben, so werden sie dir s. Paulum nicht abgaukeln. Luther 3, 531.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgeben, tradere, reddere, agere, nnl. afgeven, von sich geben, ab der hand, aus der hand: der bote gibt den brief, das geld ab, der milchträger die milch, der general den oberbefehl; der überwundne den degen (von der seite); der richter seine stimme, sein urtheil (aus dem munde); der förster gibt den bauern das holz ab, verabreicht es aus dem walde. bloszes abgeben gilt von pferden, wenn sie zähne schieben: es finden sich auch etliche pferde, die gar nicht abgeben, sondern ihre alten zähne immer behalten. Hohberg 2, 119b. Häufig aber partitives geben, wo die alte sprache zu geben die sache in den gen. setzt: du sollst mir von dem wein abgeben, mhd. des wînes geben, ein stück von dem brot abgeben, mhd. des brôtes, von deinem vermögen jährlich zehn thaler abgeben, auf die erkaufte sache fünf thaler (von dem preise) abgeben, erlegen; auch: diese waare gibt viel ab. zumal heiszt es einem etwas abgeben, sein theil davon geben, ihn tadeln, ausschelten, ihm nichts vorenthalten: und Röse gibt ihm immer was ab, wie ers verdient. Göthe 14, 274; sie habens euch aber auch brav abgegeben. Göthe 15, 51; Wilhelm werde wol thun sich auch von ihm entfernt zu halten; denn am ende gebe er jedermann etwas ab. 18, 262; ich liesz mich nicht stören, wenn Schlosser mir manchmal ernstlich, Merk spöttisch etwas abgab. 26, 161; hören sie doch nur, ich will dem Klopstock noch was abgeben wegen seiner gelehrtenrepublik. Lenz 1, 154. den kindern etwas abgeben meint geradezu schläge. heute wird es noch etwas abgeben (von regen, zank, ärger) wie sonst setzen. Nächstdem drückt abgeben aus soviel als hergeben, praebere, vorstellen: dieser tage habe ich den dritten vorschneider an der langen tafel zum erstenmale abgegeben und gemacht. Schweinichen, 1, 57; weil ich von natur so treflich geneigt war, einen federhansen zu agieren und abzugeben. Simplic. 1, 2; wenn aber der teufel den dritten mann abgäbe. 1, 245; dasjenige was unseren helden in dieser nacht begegnete, gibt eine neue bekräftigung dieser bemerkung ab. Wieland 1, 29; bei welcher (mahlzeit) Agathon beinahe einen bloszen zuschauer abgegeben hatte. 1, 202; was für ein modell zu einer bildseule des erstaunens ich abgegeben hätte. 2, 28; Wilhelm muste sich zuletzt entschlieszen den begleiter abzugeben, wobei ihm nicht wol zu muthe war. Göthe 21, 207; dasz ihr einen spion bei ihm abgabt. Tieck 3, 152; du würdest einen guten soldaten abgeben; einen schinder abgeben. Lessing 3, 35; der schöne dorn kann einen spazierstock abgeben. bei Jöcher immer: er gab einen professor zu Leipzig ab, gab zu Kronweissenburg einen apotheker ab, war zu L. pr., zu Kr. apotheker. die zeit kann nicht die eigentliche bedingung der kraft abgeben. Kant 8, 42; ideen, die gar keinen gegenstand für erfahrung abgeben. 4, 90. doch steht auch in solchen fällen bloszes geben: das tuch kann einen mantel geben; er hat einen artlichen poeten gegeben. Opitz;

ich will um meines gottes thor
viel lieber einen hüter geben.
Opitz.

umgekehrt sagte man früher es gibt ab statt des heutigen gibt: als es leider heut zutag dergleichen kerlen genug abgibet, Simplic. 1, 9; da es denn solche viehische menschen abgibet. 1, 31. Sich abgeben hat fast immer die praep. mit bei sich und bedeutet versari in aliqua re, sich beschäftigen, etwas treiben: er gibt sich mit dem griechischen ab, mit dichten, pfropfen; Wilhelm hatte sich schon lange mit einer übersetzung Hamlets abgegeben. Göthe 19, 165; was sogar die frauen an uns ungebildet zurück lassen, das bilden die kinder aus, wenn wir uns mit ihnen abgeben. 20, 82; der sich damit abgibt nicht anders zu gehn als indem er ein rad schlägt. Tieck 3, 7. doch Göthe läszt auch das mit oder damit weg: eine närrin, die sich abgibt gelehrt zu sein. 16, 124;

nein, freunde, lassen wir es noch zusammen
und geben uns nicht ab hier auszukramen. 10, 263.

wie franz. s'occuper, se mêler des en entrathen kann.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgebet, n. deprecatio, schlecht für abbitte: ist ein christliches abgebet schuldig. Abele 3, 123.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgebeten, für abbeten, wo belege stehn.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgebot, n. majus pretium, das höhere gebot, welches abbietet.

[Bd. 1, Sp. 45]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abgebung, f. praestatio, das abgeben, darreichen, besser die abgabe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgehen, abire, davon gehn. zuerst von lebendigen, des gangs mächtigen wesen: der bote geht ab, die schauspieler gehn (von der bühne) ab am schlusse des auftritts: nachdem die königin den Essex beurlaubet, gehen beide auf verschiedene seiten ab. Lessing 7, 281; er geht ab von der bühne, verläszt die bühne; wenn sich männer hadern, und verletzen ein schwanger weib, dasz ihr die frucht abgehe. 2 Mos. 21, 22; aus dem leben abgehn, sterben: vater und mutter sind iro zeitlich abgegangen. Th. Plater 131; solt meines herren marschalk abgehen. Galmy 166; des stands und wesens, des der abgangen gewest. reichsabsch. von 1507 §. 17; Georg Friedrich Schmidt, geboren Berlin 1712, abgegangen daselbst 1775. Göthe, 24, 227;

geht wo ein schulregent in einem flecken ab,
mein gott wie rasen nicht die dichter um sein grab.
Canitz;

ros die uns verwundet abgiengen. Frank weltb. 233a; oft unter beifügung von tödlich oder mit tode, welches zu fassen wäre im geleite des abholenden todes, oder blosz aus dem alten instr. tôdû, statt welches auch der gen. gesetzt wird: todes abgehn, verbleichen. Dann aber von personificationen, namentlich dem tag, monat, jahr und schön von elementen, deren kraft man sich lebendig dachte: ein tag, ein monat geht nach dem andern ab (hin);

heute geht ein altes abe, gehet ein ein neues jahr.
Logau 2, 174, 83;

der winter ist abgegangen (excessit), schnee und eis von den bergen:

schnee, die von dem gebirg abgehend brausend rauschen.
Weckherlin 305;

diese bach geht nimmer ab (versiegt nie). Er. Alberus 139; wir wollen das feuer langsam abgehen (erlöschen) lassen, nachdrücklicher als ausgehn, auch altfranz. li fus sen va (erlischt). nicht anders von losbrennendem gewehr: die flinte gieng nicht ab (versagte); da lieszen wir unser geschütz abgehn, des si ein groszen schrecken namen. Frank weltb. 219b; und als wir unser geschütz lieszen abgehn, entsetzten sichs hart. 227a; hört wie man zur freud abgehen läszt die geschosz. Ayrer 139a; alsdann gehn im creisz etliche raketen ab. 313b; gerade so le fusil part, la flêche, la foudre part, the gun goes off. der dampfwagen, die post geht um zehn uhr ab Weiter von todten sachen, die sich ablösen: die schale will nicht abgehn, der nagel geht mir vom finger ab, die haut, die farbe geht ab. das kleid geht, gleichsam vom leibe ab, zerreiszt: abgegangner, vielmal verbesserter rock. Simplic. 1, 68. vgl. abgängig. der harn gieng blutig ab, die genossene speise unverdaut. es geht kein heller vom preise ab, musz noch viel abgehn; abgehn, gleichsam vom kaufladen: die waare geht reiszend ab, im gegensatz zu liegt still, liegt wie blei. abgehn für hinabgehn, descendere: da Moses abgieng von dem berg; die treppe auf- und abgehn; und so man dasselb berglin abgeet. Frank weltb. 173a; und musz man vil staffeln abgeen darzu in krüften. das. 168b; auch ganz transitiv für abtreten: ich habe mir die sohlen an den schuhen abgegangen, die füsze abgegangen; ich habe mich ganz abgegangen (müde); wenn ich sie herum ziehen sehe mit loosem haar, im mondschein einen kreis abgehn (pedibus calcare). Göthe 11, 50.
An das sinnliche es geht mir ab von den händen reiht sich ein abgezogneres ergehn, von statten gehn, gut oder übel abgehn: lasz ichs gar gutlich abgen (hingehn). fastn. sp. 166, 16; wo viel worte sind, da gehts ohne schaden nicht ab. spr. Salom. 10, 19; denn wir wissen, das es niemand iemals on gewisse fahr abgangen ist, so er gottes gnaden und wolthaten misbraucht. Luther 1, 221a; und wenns künd irer seelen on schaden abgehen. 3, 333b; dem fuchs gieng wol das schwetzen (vom maul) ab. Er. Alberus 70; wollte aber gott dasz ohne nutz und frucht nit abgienge. Kirchhof mil. disc. 266;

selten ist wol abgegangen
was nit wol ist angefangen.
Logau 3, 28, 30.

das böse wol gestellt lasz stehen wie es steht,
es ist noch ungewis, wie neues abe geht. 1, 214, 90;

so schlechtlich gehts nicht ab, dein warnen, das so gut,
setzt manchen aus gefahr in gottes hold und hut. 1, 232, 66;

wird nicht mein buch wol abegehn,
wie sichs zu nutz gebühret,
wird sichs auf gehen nicht verstehn,
wird wollen dasz mans führet. 1, 113, 78;

[Bd. 1, Sp. 46]



Amea ist so wunderhübsch, die schwangern meiden sie,
es gehet ab ohn misgeburt, wo sie begegnet, nie. 2, 230, 120;

Ruggiero schaut, wie doch die schlacht abgehn möge.
Dietr. von dem Werder Ariost 11, 17;

ohne verdrusz, ohne schläge, ohne blut, ohne thränen wird es nicht abgehn; auf einem balle tanzten wir eine menuet zusammen, auch das gieng ohne nähere bekanntschaft ab. Göthe 19, 276; über wissenschaften und künste gieng es auch nicht ohne widerspruch ab. 19, 290.
Auf der andern seite flieszen aus dem davongehn die begriffe des fern seins, abweichens, aufhörens, sich enthaltens, entgehns, mangelns. die ältere sprache pflegt hier noch den gen. zu verwenden, wie es mhd. hiesz eines dinges abe gân: wil er der sach dann nit abgân. fastn. sp. 144, 36; die mag des nit pald abgên. 245, 28; wiltu aber dein irrthum widerrufen und des heucheln(s) abgehen, soltu mich gar bald still und schweigend machen. Luther 1, 366a; und ward oft gewarnet von seinem nachbar, das er des wortes abe gienge. 6, 252b; das er des abgehe und dafür ein vaterunser bete. 6, 297; sie (die wucherer) wurden des schinden(s) und wuchern(s) wol abgehn. Schweinichen 2, 178; aber meine zwei schwäger konnten der unfläterei nicht abgehn. das. 2, 182; sie werden des wachens nicht abe noch gehn. Logau 2, 110, 59. heute stehn praepositionen: reine verstandesbegriffe haben keine bedeutung, wenn sie von den gegenständen der erfahrung abgehn. Kant 3, 232; wenn man von den sinnen abgeht, wie will man begreiflich machen, dasz unsre kategorien noch überall etwas bedeuten. Kant 2, 250; gewohnheit, worin sie von allen übrigen völkern des erdbodens abgehn. Wieland 6, 66; denn wenn sie wüsten kein lohn oder wenn das gute abgehet, hören sie auch auf. Luther 1, 33b; das im seine werk abgehen, ehe ers bedenkt. 4, 12a; nu ist abgangen der brauch, speise und gelt zusammen zu legen in der mess. 1, 335a; durch dein gnade hilf mir, das in mir mein name abgehe und ich zu nichte werde. 1, 73a; diese heilsame gebot Christi sind auch also abgangen, das man sie nicht helt. 1, 191a; insofern ihnen nichts darunter abgeht. Wieland 8, 228; folglich müssen dem artisten ganze classen von gemählden abgehen, die der dichter vor ihm voraus hat. Lessing 6, 462; indesz gehet das zeitwort von kartaune unsern wörterbüchern insgesamt ab. das. 8, 280;

es gieng auch diesesmal nichts der bewirtung ab.
Hagedorn 1, 25;

manchmal wird doch auch einer begraben, der einem andern nahe abgeht. Claudius 4, 3; ich fühle nur zu sehr, dasz mir ein mann dieser art abgeht. Göthe 17, 8; du sollst uns regieren, er soll uns pfeifen, was geht uns noch ab? 14, 115; sie sorgen für unsern gast, abbé, dasz ihm nichts abgeht. 20, 8; o ihr herren, denen nichts abgeht, ihr habt gut von wahrheit und geradheit reden. 20, 109; gottlob wir lassen uns nichts abgehn. Tieck 5, 10; es geht mir an dem gelde noch ein thaler ab; mhd. gêt mir an den (werken) iht abe. Walth. 100, 23. dir get ab an ghör. H. Sachs 1, 465c.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgeigen, fidibus ludere, von der geige abspielen. er geigt alles fertig vom blatte ab.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
abgeiseln, flagellis auferre, einem die haut mit der geisel abhauen, einen abgeiseln.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 10 von 223 Vorherige Treffer
1) abgrasen
 ... gramen depascere, das gras wegfressen. die lämmer grasen den anger, die junge saat ab.
 
2) acker
 ... meʒʒen' Parz. 174, 30. niederfallen, s. anger .
 
3) ackerumsatz
 ... zuweilen die wechselwirtschaft, wenn das feld einige jahre als anger, dann zum getraide dient.
 
4) anger
 ... anger , m. pratum, viridarium, ahd. angar ( Graff
 ... ahd. angar ( Graff 1, 350 ), mhd. anger ( Ben. 1, 45 b ), grasbewachsnes land,
 ... ), grasbewachsnes land, weidetrift, wie schon mhd. gewöhnlich grüene anger, altn. engi pratum; vielleicht dasz der alte volksname
 ... dazu gehört, einzelne dörfer heiszen Angersbach, Angersberg, Angersdorf. die anger sind vol schafen und die awen stehen dick mit korn.
 ... landes. Ez. 34, 13 ; auf einen schönen anger. Dan. 3, 1 ; die reichen zelten auf
 ... schönen grünen angern. maulaffe 276; hütten auf dem grünen anger, den ich aus meinem fenster übersehen konte. westf. Robins.
 ... westf. Robins. 122; welch ein anger, o ihr schönen, o wie dünkt er mir
 ... umschattet war mit rasen bedeckt ein weiter grünender anger vor dem dorfe. Göthe 40, 284
 ... angers. Rückert 294 ; eigentlich liegt anger hoch und trocken, aue und wiese feucht: er kommt
 ... feucht: er kommt über wiesen und auen, umgeht auf trocknem anger manchen kleinen see. Göthe 22, 151 .
 ... 22, 151 . auch pferde werden auf dem anger getummelt: sieh .... den anger
 ... anger getummelt: sieh .... den anger voll finsterer rosse. E. v. Kleist 2, 9
 ... 2094 sagt von einem niedergestochnen ritter, dasz er den anger maʒ, wie es sonst heiszt den acker meʒʒen
 
5) anger
 ... anger , enger , steht in den weisthümern für
 
6) angerblume
 ... kurzer, ich bin langer' alsô strîtents ûf dem anger bluomen unde klê. Walth. 51, 36
 
7) angerhäusler
 ... m. hintersasz, nd. brinksitter, einwohner, der auf dem anger ansäszig ist.
 
8) aue
 ... zum frischen wasser. ps. 23, 2 ; die anger sind vol schafen und die awen stehen dick
 
9) befleischen
 ... betrat an einem frühlingsmorgen der fetten anger feuchtes grün. da sah er mit erwünschten freuden
 
10) bestellen
 ... erhellt, wiederum am saum mit schînât; anger und walt bestalt sind wunneclîch. MS.
 
Artikel 1 bis 10 von 223 Vorherige Treffer