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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
abfädmen bis abfärbig (Bd. 1, Sp. 35 bis 37)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) abfädmen, filum revolvere, den faden herunter ziehen, abwinden. die schoten abfädmen. Göthe schreibt abfädnen: wenn ich mir meine zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne. 16, 39. wenn wir auch faden statt des alten

[Bd. 1, Sp. 36]


fadum sagen, so kann doch der inlaut einer ableitung das m bewahren.
 
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abfahen, s. DWB abfangen.
 
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abfahren, proficisci, davon fahren, hinab fahren. wir trafen spät ein und fuhren den andern tag früh ab; das schif fährt morgen ab;

des herren geist in lichter flamm abfährt.
A. Gryph. 2, 456.

als Lucifer fuhr gar zu hoch,
da fuhr er ab ins höllenloch.
Logau 2, 89, 54.

oft für sterben, aus der welt abfahren: er ist gestern abgefahren; in dieser nacht fahr ich ab. J. Paul Fibel 52. sich vom rechten ziel entfernen, seitwärts fahren: wir sind vom rechten wege abgefahren; die axt ist (vom stiel) abgefahren; das messer fuhr im schneiden (von dem brote) ab. dies wird auf das beschämende mislingen des ungestüm unternommenen angewandt: er bringt seine werbung an, fährt aber ab (confusus recedit). Göthe 45, 171; er wird aber schlimm abfahren. J. Paul Hesp. 1, 191 und so auch oft einen verwegenen abfahren lassen, spöttisch entsenden: fräulein Luise liesz Karln, der sie zum spaziergange einlud, auf eine sehr schnippische weise abfahren. Göthe 15, 104; der consul Metellus läszt zuletzt den Publius, man darf wol sagen, abfahren, als dieser ungestüm die befreiung seines vaters verlangt. 33, 207. Endlich transitiv: einem den arm oder fusz abfahren, ein stück von der mauer abfahren, die schienen von den rädern abfahren, die pferde ganz abfahren.
 
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abfahrt, f. abitus, die fahrt von einem ort, aus dem leben
 
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abfall, m. defluxus, discessio, das niederfallen oder gefallensein, des blattes vom baume, des wassers vom felsen, der späne vom hobel, der spreu vom korn:

des laubs war hier ein unendlicher abfall.
Voss Od. 5, 483.

wo der äst ein unendlicher abfall
unter laub und gesträuch rings moderte.
Voss 1, 36.

abfall einer quelle. Klopst. Mess. 6, 228; abfall des wassers, wasserfall; mit meines lichts abfällen sich verbrämen. Rückert 131; des tisches abfall (die brosamen). dann von einem wesen, an das, von einer sache, an die man gebunden war: der abfall von gott, von seinem herrn, von dem glauben, von einem bund, in diesem sinn häufig untreue und treubruch:

wen hatte der tyrann auf unsern thron gesetzt?
ein mann durch abfall mehr denn hohes blut geschätzt.
A. Gryph. 1, 111.

der engel abfall von gott, der empörer von dem reich. oft gleichviel mit verfall und schmach (franz. déclin, décadence): angesehen, das es (das ablasz) in abfall und verachtung komen were. Luther 6, 82a; und werden ihre messen mehr in abfall komen. Luthers br. 4, 370; ich bin in so groszen abfall und verachtung komen. Luther 3, 150b; die ursache jenes abfalls ist folgende. Möser p. ph. 1, 55; wir leben schon im abfall der zeiten. Tieck 15, 334; abgang oder ausfall: die wackern leute, die in abfall ihres verstandes gekommen sind. Wieland 15, 355; der abfall der letzten ernte und zu besorgende kornmangel. Möser p. ph. 1, 364. Endlich abweichung, verringerung, verschiedenheit, ausnahme: die sorgfältige wahl der edelsten wörter leidet alsdenn einen groszen abfall, wenn der dichter nicht in seiner eignen person spricht. Lessing 6, 144; die natur wirkt durch unmerkliche abfälle. Kant 8, 282; da diese abfälle (in der schwere der grundstoffe) so unendlich als möglich müssen gedacht werden. Kant 8, 266; die empfindungen schattieren sich so manigfaltig, als abfälle zwischen einer habichts- und stumpfnase sind. Göthe 16, 61; abfall (nuance, d. i. nutatio) der farbe. Möser verm. schr. 1, 105; die abfälle des brief- und fragmententons. Herder 1, 20; alsdann musz diese regul einen abfall leiden. Hohberg 3, 26b; gleichwie nun solcher schlusz seine merkliche abfälle ohnedem leicht haben dürfte. Hahns hist. 2, 252. man hat auch versucht in der declination die casus abfälle zu nennen.
 
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abfallen, delabi, decidere, von etwas niederfallen, in allen bei abfall dargelegten bedeutungen. der apfel fällt ab (dem baum), die reife frucht musz abfallen,

du blume deiner zeit wirst in der blüt abfallen.
A. Gryph. 1, 433;

des reiters koller, stück für stück,
fiel ab wie mürber zunder.
Bürger 1, 71;

ein alt weib fiel die stiegen ab, kein wunder bildt euch ein:
die früchte fallen von sich selbst, die überständig sein.
Logau 3, 52, 78;

[Bd. 1, Sp. 37]


unter säufern heiszt es, einen zu boden saufen, dasz abfalle wer reif ist. J. Westphal faulteufel Frankf. 1563 B 8b; der mantel ist ihm ab (von der schulter) gefallen, die krone (vom haupt). der kalk fällt von der mauer ab, der pfad steil von der klippe. alle seine leute sind von ihm abgefallen, ein abgefallener ist ein abtrünniger; ein solcher abgefallener sausewind. Weise erzn. 91. er fällt am ganzen leibe ab, ist vom fleische abgefallen, ist bleich und abgefallen, abgefallen von gram; den jägern heiszt abfallen, mager, schmal werden; (m. s. einfallen). den hals über die treppe abfallen, den hals über ein spindel abfallen. fastn. sp. 267, 11. die erze fallen ab, werden unergibig. diese farbe fällt von der andern sehr ab. der wein fällt ab, steht ab: beifusz in den wein gehenkt, verhütet dasz er nicht abfall. Tabernaemontanus p. 44; den trüben abgefallnen wein wiederum lauter machen. Hohberg 3, 444b; die weinschenken wann sie wöllen, das inen der weisze wein nicht soll rot werden oder abfallen. Sebiz feldbau 387. die gegend fällt ab, senkt sich vom gebirge nieder: da nun zugleich das land abfällt, so kommt man fort mit unglaublicher schnelle. Göthe 27, 6. es fällt noch etwas für uns davon ab, das wir ergreifen können. abfallen für entfallen, wegkommen:

all freud ist mir gefallen ab
mit einer, die ietzt leit im grab.
J. von Schwarzenberg 151.

gott dienet und liebt ich umb vil gab,
ist mir ietzt als gefallen ab. derselbe 131, 2.

wie aber und was gestalt er ledig ward, ist mir der langen jahr halber abgefallen (vergessen). Kirchhof mil. disc. 139; in ein kloster, ist mir abgefallen (ich weisz nicht mehr ob), S. Florian oder Steiergärsten. Hohberg 2, 504b; nu wolt ich euch gern anzeigen die artikel, darauf ich hab antwort geben müssen, halt aber das mir der ein gut teil abgefallen. Luther 3, 411. 413. si meint, sie woll irem man abfallen (ihn verlassen). fastn. sp. 160, 14; ja wenn gleich alle welt unser meinunge (dat. nicht gen.) abfiele. Luther 3, 77b. vgl. beifallen, zufallen. Auch transitiv: er hat sich den hals abgefallen.
 
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abfällig, defluus, aversus, eigentlich niederfallend, abfallend: abfälliges laub, obst, wofür doch lieber abfallendes gesagt wird. abfällige meinung, die von der andern sich entfernt. die abfällige seite eines daches. abfälliger bescheid, unbeifälliger. abtrünnig, treulos: sie werden eure söhne mir abfällig machen. 5 Mos. 7, 4; Paulus macht viel volks abfällig. apostelg. 19, 26; sie wollen euch von mir abfällig machen. Gal. 4, 17; seind auch die zeugen nichts anders als lauter abfällige mammelucken, verleugner ihres glaubens. Ayrer proc. 2, 11; dasz sie ihm wieder abfällig werden sollen. das. 2, 6; die Thüringer die von der Franken geselschaft abfellig wurden. Frank chron. 213b; der teufel bracht sie (die Eva) zu fall, das sie von gott abfellig ward. Luther 6, 357a;

ein kloster,
das ist von uns abfellig worden
und gfallen an die christenhund.
Ayrer 238b.

das er mich aufrürisch schilt und als den, der die Deudschen wolle dem keiser abfellig und aller oberkeit widersetzig machen. Luther 5, 303b; der seiner oberkeit dem keiser widersetzig, im seine unterthanen ungehorsam und abfellig machte. 6, 8b; die alte schlang hat aus neid den menschen vom wort gottes abfellig gemacht. Reiszner Jerus. 1, 12b.
 
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abfalzen, cultro purgare, bei den gerbern mit dem messer reinigen: ein fell abfalzen, das fleisch von der aasseite abfalzen, sonst abaasen, abfleischen. bei tischlern und zimmerleuten falze machen, wofür sonst ausfalzen. s. DWB falzen.
 
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abfangen, intercipere, von einem weg, dem nachbar die tauben, das wild abfangen, das wasser abfangen, ableiten, einem den ball abfangen. bergmännisch: den sand mit balken abfangen, bei absinkung des schachts. bei den jägern, einen hirsch abfangen, ihm den fang geben, ihn tödten. auch angewandt: einen zurückhalten: ein magischer künstler hat mich in diesem blumenhäuschen abgefangen. Tieck nov. 4, 151.
 
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abfärben, colorem amittere, die farbe fahren lassen: das tuch färbt ab, die wand hat abgefärbt; ein mantel entfasert, abgefärbt und ausgenützt. Wieland 9, 3. transitiv umgekehrt: die farbe geben. bei den gerbern, das leder abfärben, auch sonst abfärben, abschildern, in gehörige farbe setzen: wenn sie essen, werd ich die übrigen gäste abfärben. J. Paul uns. loge 2, 113.
 
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abfärbig, der farbe verlustig. der gelbe jasmin leidet den morgenthau im sommer nicht und wird davon abfärbig. Hohberg 1, 607a.

 

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1) abgrasen
 ... gramen depascere, das gras wegfressen. die lämmer grasen den anger, die junge saat ab.
 
2) acker
 ... meʒʒen' Parz. 174, 30. niederfallen, s. anger .
 
3) ackerumsatz
 ... zuweilen die wechselwirtschaft, wenn das feld einige jahre als anger, dann zum getraide dient.
 
4) anger
 ... anger , m. pratum, viridarium, ahd. angar ( Graff
 ... ahd. angar ( Graff 1, 350 ), mhd. anger ( Ben. 1, 45 b ), grasbewachsnes land,
 ... ), grasbewachsnes land, weidetrift, wie schon mhd. gewöhnlich grüene anger, altn. engi pratum; vielleicht dasz der alte volksname
 ... dazu gehört, einzelne dörfer heiszen Angersbach, Angersberg, Angersdorf. die anger sind vol schafen und die awen stehen dick mit korn.
 ... landes. Ez. 34, 13 ; auf einen schönen anger. Dan. 3, 1 ; die reichen zelten auf
 ... schönen grünen angern. maulaffe 276; hütten auf dem grünen anger, den ich aus meinem fenster übersehen konte. westf. Robins.
 ... westf. Robins. 122; welch ein anger, o ihr schönen, o wie dünkt er mir
 ... umschattet war mit rasen bedeckt ein weiter grünender anger vor dem dorfe. Göthe 40, 284
 ... angers. Rückert 294 ; eigentlich liegt anger hoch und trocken, aue und wiese feucht: er kommt
 ... feucht: er kommt über wiesen und auen, umgeht auf trocknem anger manchen kleinen see. Göthe 22, 151 .
 ... 22, 151 . auch pferde werden auf dem anger getummelt: sieh .... den anger
 ... anger getummelt: sieh .... den anger voll finsterer rosse. E. v. Kleist 2, 9
 ... 2094 sagt von einem niedergestochnen ritter, dasz er den anger maʒ, wie es sonst heiszt den acker meʒʒen
 
5) anger
 ... anger , enger , steht in den weisthümern für
 
6) angerblume
 ... kurzer, ich bin langer' alsô strîtents ûf dem anger bluomen unde klê. Walth. 51, 36
 
7) angerhäusler
 ... m. hintersasz, nd. brinksitter, einwohner, der auf dem anger ansäszig ist.
 
8) aue
 ... zum frischen wasser. ps. 23, 2 ; die anger sind vol schafen und die awen stehen dick
 
9) befleischen
 ... betrat an einem frühlingsmorgen der fetten anger feuchtes grün. da sah er mit erwünschten freuden
 
10) bestellen
 ... erhellt, wiederum am saum mit schînât; anger und walt bestalt sind wunneclîch. MS.
 
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