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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
treszler bis treteltanz (Bd. 22, Sp. 180 bis 182)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) treszler, m., schatzmeister; analogische bildung mit -(l)er-suffix zu der gruppe tresel, trese, tresekammer. die form empfahl sich aus dissimilatorischen gründen gegenüber dem danebenstehenden trisorer, tresorier, s. o. sp. 171: mhd. treseler, triseler, frühnhd. auch triesler, trieszler gazophylax (1482) bei Diefenbach 258b; gelegentlich in romanisierender form trisolier (s. u.). auch mit dem -ner - suffix trisnir Götze frühnhd. 55b: ieglich person ... söllen von hundert milion lifergelts von unserm (des sultans) trisolier begabt werden chron. d. dt. städte 10, 170 (Nürnbg. 1448);

der stete tresilere,
di sullin sin so mere,
so daz die stete in bevelin,
icht do van duplich stelin
pfarrer ze dem hechte zs. f. d. altert. 17, 338;

[Bd. 22, Sp. 181]


inðem ein convers (laienbruder) kam,
den man den trisler nant,
dem gab ich in sin hant
ducaten guter echt
meister Altswert 234, 11 H.-K.;

vgl. das fem.: o des duren schattes ene treselerynne (Maria) weg des crutzes bei Schiller-Lübben 4, 612. der cantor hewlet, der trisler schet untrew Steinhöwel spiegel menschl. lebens (1479) 160b. vor allem als amtsbezeichnung des schatzmeisters des deutschen ordens, der auch trisorer heiszt, s. oben sp. 171: de grote kumptur unde de treselere (1394) recesse d. hansetage i 4, 197; dis nochgeschreben hot der groszscheffer usgegeben vor den trezeler handlungsrechn. d. dt. ordens 6 Sattler; da kamen fur mich und offens gerichte der ersam herre Johannes Ziegler, trisler des tüschen hses hie ze Ulme (a. d. j. 1440) das rote buch der stadt Ulm 270 Mollwo; item des gliches hat her genomen alle silberwerk und gelt des kompthurs ... und des alden treselers in der fermenie zu Thorun (1411) acten d. ständetage Preuszens 2, 178; er war homeister, ... groszkompter, marschalck, treseler S. Grunau preusz. chron. 2, 20. heute nur in historischem stil: der treszler, einst der verwalter des bescheidenen vermögens, das dem orden aus milden gaben ... zuwuchs, konnte nun dem finanzminister eines groszen staates verglichen werden Prutz preusz. gesch. 1, 65; dann der trisorer (treszler), aufseher des geheimen (ordens)schatzes Freytag w. 18, 192.
 
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tret , von treten abgeleitetes wort mit verschiedener bedeutung und verschiedenem, z. t. unsicherem genus.
1) tret, f.?
a) das betreten der gründe mit weidendem vieh, in der festen verbindung etz und trett; die folgenden belege meinen das strafbare betreten fremder gründe: auch ist zu merken, das der von Görz richter von Vurgen ze richten hat, was mit clag über des von Görz leut furbracht würdet, ..., am ort als umb täglich klag, etz und trett, umb geldschuld und nicht verrer österr. weistümer 1, 305; item ob ainer dem andern schaden thuet on gevär, es sei bei tag oder bei nacht, mit etz, mit trett, mit überpawen, mit überzennen oder mit übermäen oder was so gethan ding wär 306; ähnlich 2 u. 304.
b) in der verbindung tret und traib. das recht auf das betreten mit vieh. ist die formel disjunctiv aufzufassen, so ist traib im gegensatz zu tret das recht auf den viehweg (s. oben sp. 1): und wo lütt getrett und traib zesamen haind, da sol des gerichtz knecht püten an 1 . pfg., das dahin nieman me viehs usschlach, denn er uf dem guot mug wintren, das tret und traib dar hät (15. jh.) weistümer 5, 189.
c) concret 'gemeindetrift': von jedem haubt viech, so er auf der gemeind trätt laufen laszt (1613) bei Staub-Tobler 2, 272.
2) tret, m. und f., eine holztreppe, in steirischen rechnungen des 16. jh. (1557, 1558, 1573, 1600), s. Unger-Khull 167. vielleicht dasselbe wie DWB trete 3 (s. u.)?
3) tret, m., f., n., ein dialectwort der österreichischen und bairischen Alpen, meist eine örtlichkeit, in der sich das almvieh in hut befindet oder auf der es sich bewegt, bzw. davon abgeleitete bedeutungen. die zugehörigkeit zu dem verb treten ist jedoch nicht in jedem falle eindeutig.
a) tret, m., ein stall auf der alm, um das vieh während der mahlzeit einzustellen oder ihm nachts oder bei regen unterstand zu geben Schmeller-Frommann 1, 679; 45 kasen, welche in 6 tretten abgetheilt sind ebda; trett (ohne genusbez.) viehschirm ebda; tret, m., n., dass. wie tretstall (s. unten) Unger-Khull 167.
b) dünger aus dem sog. trettstall (s. das vorige), z. b. in einem urbar von 1787, s. Unger-Khull 167.
c) tret, n., mehr ebener weideplatz Schmeller-Fr. 1, 679; dazu trett, m., mit steinen eingemarkte alpenwiese (Oberbayern) Martiny wb. d. milchwirtschaft 129.
d) tret, n., platz um die viehhütte einer alpe Schöpf tirol. 755; Schmeller-Fr. 1, 679; ähnlich trett (ohne genusbez.)

[Bd. 22, Sp. 182]


ebda; tret, m., f., vom vieh auf der alm ausgetretene stelle Unger-Khull 167.
e) im anschlusz an das vorige: tret, f., überhaupt 'almwirtschaft' (steirisch) E. M. Krausz d. eherne mark (1892) 1, 23.
4) tret, m., mit unklarer bedeutung: welches ros den tret hat Münchener cod. bei Schmeller-Fr. 1, 680 (ebda auch trait).
 
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tretbar, adj., calcabile Kramer 2 (1702) 1133b.
 
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tretbrett, n. , auch tretebrett.
1) ein fischereigerät: dergleichen sol auch das dretpret verboten sein und nit gepraucht werden alwegen von ostern untz das wir oder unser nachkomen die jungen fisch zu vahen vergonnen (1513) Würzb. fischereiordnung in: 6. bericht d. unterfränk. kreisfisch.-ver. Würzburg, beiband 46. kaum zu treten gehörig, s. 1trette u. trettscherre.
2) im gartenbau ein brett, das an den füszen befestigt wird und womit der boden gleichmäszig festgetreten und geebnet wird, s. Brockhaus' convers.-lex.14 15, 555: wenn sie (erdkrebse u. s. w.) im erdreiche wühlen, welches mit tretebrettern gleichgetreten worden, kan man es sehen und sie aushacken allg. haushalt.-lex. (1749) 2, 699b.
 
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tretbrief, m., mahnbrief; aus der burschensprache, zuerst nachgewiesen bei Niebergall d. burschen heimkehr, s. Kluge studentenspr. 131; schreibe doch einmal dem würdigen Dronke, dasz er ... nicht nur im falle von tretbriefen schreibt (1850) K. Marx briefwechsel 1, 117; nicht gerade als einen tretbrief, sondern blosz um ein altes versprechen zu erfüllen, schicke ich hier den nun endlich gedruckten aufsatz über Otto Ludwig Treitschke briefe 2, 53. zu 1treten I A 4 h; s. auch trittbrief.
 
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trete, f. , von treten gebildetes wort in mehrfacher bedeutung.
1) trittbrett, weberschemel u. ä., zu treten I A 4 c: treta scansile (14. jh.) vocab. optimus 13, 28 Wackernagel; in schweizerischen mundarten: trätti brett, auf welches man mit dem fusz tritt, um das spinnrad in bewegung zu setzen Seiler Basler ma. 84; trete der tritt am handwebstuhl, der die stellung der garnkette regelt Hunziker Aargauer wb. 59.
2) kelter, weinpresse, zu treten I A 4 a: torcular kelter, trett Frischlin nomencl. (1591) 271;

hie tragen andre schon die tröber in die tret
(die neulich an dem stock man lachen sah und scheinen)
da man sie zwinget dan, gleichsamb auf dem todbeth
mit allem safft und krafft ihr letztes ausz zu weinen
Weckherlin gedichte 2, 385 lit. ver.


3) eine art leiter in bergwerken: tretten (dass. fahrten) sind lange rundbäume, in welche kleine stufen eingehauen sind, auf denen man in den schächten oder verhauen auf- und abklettern kann Scheuchenstuel idioticon d. österr. berg- u. hüttenspr. 245; dem armen bergvolk, welches sehr vieles ertzt und berg in körben auf dem rücken über die sogenannten tretten heraustragen musz (1779) s. Veith bergwb. 501; versicherung der fahrten (leitern, stiegen, tretten) allg. österr. berggesetz (1854) § 171.
 
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trete- s. auch tret-.
 
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tretel, m.?, dass. wie trete 1: scansile schemel oder trettel textoris voc. theut. v. 1482 bei Diefenbach 516b.
 
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treteln, vb., deminutivbildung zu treten: wie sie hin und wider trettlen, ein fusz für den andern wechszlen Guarinonius greuel d. verwüstung (1610) 1239.
 
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tretelohn, m., lohn für die arbeit des traubentretens: darnach sollen die genanten Herman Jan von Melre und Agnese, des genanten Herman ehliche wirthin und alle ere erben leselon, tragelon, furlon, tretelon, hutelon, kelterlon adder was von dem winkoift inzubrengen, mit den genanten Hansze und Syfarde und eren erben uf beide partige glichtragen und usgeben (1418) urkundenb. d. stadt Arnstadt 216.
 
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treteltanz, m.: treteltantz Münchener codex bei Schmeller-Fr. 1, 679. vgl. DWB treten II A 2 d; B 7; C 2 b und treter 1 a.