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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tressenmacher bis tresterwein (Bd. 22, Sp. 177 bis 180)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -macher: vom stall (ging es) zu den waffenschmieden und harnischern, zu den gewandhändlern und tressenmachern A. v. Arnim s. w. 9, 41 Grimm;
 
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-mütze: einer schauspielerin hatten (die räuber) nichts gelassen, als eine rothe tuchjacke und eine rothe tressenmütze F. v. Raumer lebenserinn. 2, 28; zur volkstracht gehörend: darauf verwett ich (eine bäuerin) mein sonntagsmieder und meine tressenmütze Kotzebue s. dram. w. 2, 173;
 
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-rock das festkleid des 18. und beginnenden 19. jh.: es wohnen so ein paar alte erb- und eingeborene von und zu in der nähe, dahin will ich, der bewegung halber, nachmittags in einem schweren tressenrock Iffland theatr. w. (1827) 4, 27; mit leichtem accent als kleidungsstück des alamodestutzers:

(der stutzer:)
mein dressenrock schimmert auf dich,
geliebteste, wähle du mich
Göthe 37, 44 W.;

als zeichen der vornehmheit: herr, ich bitte, keine pöbelhaftigkeit, oder ich färbe sie noch einmal roth, trotz dem tressenrocke! Zschokke s. ausgew. schr. 20, 229; schon als altmodisch empfunden: gepudert, eine mächtige allongenperücke auf dem haupt, im tressenrock, genug im costüme eines marquis aus dem siècle Ludwigs des Vierzehnten, trat ein gratulant ein Hebbel briefe 3, 9 Werner; personificiert: der pöbel hingegen (worunter ich ... nicht die mistpantscher allein, sondern auch und noch vielmehr manchen federhut und manchen tressenrock und manchen weiszen kragen zu zählen ursache habe) Schiller 2, 6 G. (vorrede zu d. räubern). als berufskleidung: er (der jäger) hatte einen grünen tressenrock, ähnlichen jagdhut und haarbeutel an Brentano Godwi (1801) 1, 31; anders:

er hätte können sitzen
im hohenpriesterchor,
im tressenrock mit spitzen
v. Sallet s. schr. 4, 455;


 
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-werk: (der landvogt) trug ein dunkelgrünes kleid ohne alles tressenwerk G. Keller ges. w. 6, 146;
 
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-weste: es musz doch wohl ein vornehmer herr seyn, ... er hatte doch eine hübsche tressenweste portraits (Lpz. 1779) 71;
 
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-winkel: kapitulantenabzeichen ist ein tressenwinkel am linken oberarm v. Alten hdb. f. heer u. flotte 1, 73.
 
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tressel, s. DWB tresel.
 
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tressenbeere, f. (in Österreich) vaccinium vitis idaea, preiszelbeere Pritzel-Jessen 425.
 
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tressieren, vb., flechten Kinderling reinigk. d. dt. spr. 340; Schaffer dt.-frz. 2, 2, 376, s. DWB tresse 1.

[Bd. 22, Sp. 178]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trest, m. und n., bodensatz bei der weinkelterung. nicht der von Fick in Kuhns zs. 21, 4 vermutete alte sing. von trester, sondern eine secundäre, vor allem obd. neubildung eines sing. aus dem plur. trester, zu dem dann wieder ein eigner plural tresten gebildet wird, s. u. vereinzelt bleibt, auch geographisch, gegen ende des 17. jh. eine form trast E. G. Happel Witekind 3, 385. gebucht wird das wort von Frisius magma das dick, das überbleybt, nachdem etwas ausztruckt ist, wie das träst vom weyn dict. (1556) 793a; Schottel (1663) 1433. auch die literarische bezeugung ist auf das 15. bis 17. jh. beschränkt und nicht gerade häufig: die aschen von weinbeerkernlin oder trest mit essich Geszner-Carronus schlangenb. (1589) 69a; es halffe nichts zum jären, ob man schon gluth unter die zuber und feuer in die trotten machte, oder den trast wärmete E. G. Happel Witekind 3, 385; die Griechen haben vor das gesinde einen besondern wein gemacht von den abgekelterten weintrauben oder tresten, darüber sie wasser geschüttet Lonicerus kreuterb. (1577) 33b; wer ain weingarten dint, der sol seinem herren den vorlas geben, er schol in (als abgabe) nicht aus den tresten (d. h. tresterwein) weren (15. jh.) steierm. landr. 120 Bischoff. uneigentlich: 'warum ist dann dein kleid rot?' ... 'ich hab das träst allein getreten und was aus allen völkern nit ein mann bei mir. also hab ich die feynd in meinem zorn geträtten' Zürcher bibel (1530) 2, 98d (Jesaias 63, 3). vereinzelt auch mundartlich: träsch, trääst was auf einmal gekeltert wird Stalder schweiz. id. 1, 298.
 
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trester, n. pl., rückstand, schlauben des gekelterten weines; rückstand von ausgepreszten vegetabilischen stoffen überhaupt. form. ahd. trestir, trester; mhd. trester; nhd. trester, triester, trister, tröster; daneben formen mit anlautendem d-. ags. entspricht, jedoch abweichend in genus und flexion, dærste, dræste fermentum, plur. dræstan faex und dærst, dræst, plur. dræsta, f. wahrscheinlich aus *drahst- zu anord. dregg, dreggjar; altpreusz. plur. dragios, altlit. plur. drages, altslav. droždija, droštija, alle in der bed. 'hefe', alban. dra 'bodensatz des öls' Fick Kuhns zs. 21, 4; Kluge10 495; Trautmann baltoslav. wb. 58; Walde-Pokorny 1, 855. ablautend u. mit anderer bildung drusen, trusen (s. d.). idg. *dhregh- steht in wurzelvariation mit *dhrebh- in treber (s. d.). der ahd. befund, der nur ir-bildungen aufweist, läszt vermuten, dasz das wort zu den alten -s-stämmen gehört, vgl. auch Braune ahd. gramm. § 197 anm. 1; Kluge nominale stammbildungslehre § 84; Schatz ahd. gramm. § 321. ein alter singular ist im deutschen nicht bezeugt; über den jungen secundär gebildeten singular trest, trast vgl. oben.die flexion ist die eines starken neutr. plur.: nom. acc. trestir; dat. trestirum, -un Graff 5, 547 (trestira senecias ahd. gl. 1, 641, 44 gehört erst dem 12. jh. an und ist wohl kein zeugnis für vereinzelten gebrauch als masc.); nom. trester Notker psalm 8, 1. auch nhd.: nom. acc. die trester Mich. Herr feldbau (1551) 97a; Francisci alleredelst. unglück (1670) 23; nach dem pressen enthalten die trester ... noch eine menge öl Muspratt chemie 3, 639 Stohmann - Kerl; gen. der trester Lehman florileg. polit. (1662) 1, 14. bisweilen, gewisz öfter als zu erkennen, wird der pl. als starker sg. verstanden: wenn der wein aus ist, so gehet die trester und hefe mit Nigrinus widerlegung d. ersten centurie (1570) y 1a; trester, der, pro treber vom weine, vinacea, flocci vini Steinbach dt. wb. 2, 847 (neben träster fem. 2, 840). seit dem frühnhd. daneben schwache flexion: trestern acinarium Diefenbach gl. 9c (15. jh.); acc. triestern, trestern Luther 6, 313; 2, 129 W.; tröstern Wickram 5, 160 lit. ver.; vinacia trestern Golius onomast. 369; Faber thes. 948b; trester oder tristern Harsdörffer teutsch. secretarius 1, 538. vereinzelt auch noch modern: trestern heiszen die ausgepreszten hülsen von weintrauben Voigt hwb. f. d. geschäftsf. 2, 511; nun wird die flüssigkeit abgezogen ..., der satz aber, die trestern, auf den torkel gebracht Steub drei sommer in Tirol 2, 234.
das wort findet sich mundartlich hauptsächlich obd. und im westlichen md., also in den weinbautreibenden landschaften:

[Bd. 22, Sp. 179]


Loritza id. vienn. 133; Fischer schwäb. 2, 371; Martin-Lienhart 2, 766; Sartorius Würzb. 127; Lenz Handschuhsh. dial. 72a; lux. ma. 442, in anderer bedeutung (s. 2) auch bei Sallmann beitr. z. dt. ma. in Estland 85. bedeutung und gebrauch.
1) der hauptsächliche bereich des wortes ist die weinbereitung; es bedeutet hier den bei der kelterung zurückbleibenden preszkuchen aus traubenschalen, -kernen und stengeln: träster, f., marc des raisins Hulsius-Ravellus (1616) 326b; Wiederhold dt.-frz.-lat. (1669) 341b; allgemeiner quisquiliae ahd. gl. 2, 364, 54; 603, 4; Diefenbach 480c. auch der secundäre singular trest, trast (s. d.) bezeugt diese complexe auffassung des wortes. innerhalb der masse hebt es sodann einzelne teile heraus; die kerne: dürre trauben von tröstern gesäubert Wirsung artzn. (1588) 166b, vor allem die schlauben der weinbeeren: trester oder tristern ... sind die hülsen von ausgepresseten weintrauben Harsdörffer teutsch. secretarius 1, 538; zu allen zeiten als feste bedeutung durch reiche glossierungen gesichert: acinum, vinacea, seneciae ahd. gl. 1, 272, 40 St.-S.; 359, 51; 668, 21; 641, 42; acinarium Diefenbach gl. 9c; vinacium ebda 619c; senecia ebda 526b; siliqua ebda 534a, abweichend, doch ähnlich paste sunt uve siccate drester Diefenbach gl. 415b; vinaceus, vinaceum trestern Golius onomast. lat.-germ. (1571) 369; vinacea ... sunt uvae pressae, die leren hülsen vnd körner von weinberen, trestern Faber thes. 948b; expressi acinorum folliculi Zehner nomencl. (1645) 338; Schottel haubtspr. 1433, und oft bis ins 19. jh.: in dien sih ilent kuote fone ubelen scheiden in iro muote, also in torculari uuerdent kescheiden uuin unde trester Notker psalm 8, 1; die trettknechte sollen ... die trester beseyts legen, damit der wein ungehindert hinaus fliessen könne M. Herr feldbau (1551) 97a; wann zu der herbstzeit der most gekältert, kan man aus den trästern oder trüsen brod machen Hohberg georgica cur. aucta 3, 1, 140. auszerhalb der fachliteratur naturgemäsz selten; literarisch fruchtbar ist nur die situation Luc. 15, 16:

also begert er mit den süwen
zu essen tröstern oder klüwen
Wickram w. 5, 160 lit. ver.


der im 16. jh. vorübergehend beliebte bildliche gebrauch verwendet die eigenschaft 'abfallproduct' als vergleichsmittel: wann die trauben sind gekeltert, so achtet man der trester nicht Lehman florileg. polit. (1662) 1, 14; sie lieben die trestern für die trauben; aus trestern läszt sich kein wein pressen Wander 2, 1308; ähnlich: vor der zeit ... sind die gelerten nur in Platonis schacht oder grufft gesessen, haben nur den schatten der künst gesehen, und sich mit den hülsen und trestern behelfen müssen Mathesius Luther (1580) 68b; sonst vom concreten meist entfernt, als 'abfall, wertlose sache': es gehoren artickel von trestern und kleyen, von knochen und beinen für solche heiligen (nicht meine artikel), was solt der sew müscaten? Luther 30, 3, 195 W.; der sophisten kleien, trester und treber, die sie in die schrifft gemenget Mathesius Sarepta (1578) 68a; als wenn er ... für korn spreu und triestern, für gold kupfer, für silber bley ... gebe Luther 6, 313 W.; send uns gelert priester und prediger, die uns nit trestern und sprewen eyteler fabeln, sondern dein heiliges evangelium leren ebda 2, 129. mit demselben wertungssinne: wir (die jetzt lebenden) sind die hefen und trester der heiligen, und wenn wir uns mit den vorigen heiligen und christen vergleichen, sind wir wie ein gar alter, kranker mann gegen einem gesunden, starken jüngling Nigrinus Daniel (1594) 434.
2) seltener ist im deutschen die anwendung auf hülsen und reste anderer ausgepreszter früchte, die aber durch die oben (sp. 178) angeführten frühen verwandten in auszerdeutschen, nicht weinbautreibenden ländern als alt erwiesen wird. im ahd. steht neben wîntrester vinatium ahd. gloss. 3, 263, 63 Steinm.-Siev. napta olitrester ebda 1, 660, 48; 4, 282, 10; 309, 7; ferner fona trestirun als glosse zu amurca ahd. gl. 2, 311, 39. auch heute noch von den rückständen der zu öl gepreszten oliven Muspratt 3, 693, vgl. öltroster,

[Bd. 22, Sp. 180]


m., bodensatz des öls Martin-Lienhart elsäss. 2, 767. in der bierbrauerei die abgeschiedenen reste des malzes Karmarsch-Heeren techn. wb. 9, 628; 'die überbleibsel beim fettschmelzen' Sallmann n. beitr. z. ma. in Estl. 131, vgl. abweichend in lautung und genus troster, m., niederschlag beim abkochen einer flüssigkeit, insbes. der butter, anketroster Martin-Lienhart elsäss. 2, 766.
3) zusammensetzungen mit trester- sind belegt seit dem 14. jh., vgl. z. b. tresterkern; -korb: tresterasche rückstand beim verbrennen der trester, reich an kali und deshalb für pottaschenerzeugung sehr geeignet A. dal Piaz universallex. 125; -bottich: tresterpotige magister Bartholomäus practica, in einer hs. 15. jh. bei Lexer 2, 1506; -branntwein ein dem cognac ähnlicher branntwein aus trestern hergestellt Karmarsch-Heeren techn. wb. 9, 629; -flosz weinstein, der aus der bei der tresterbranntweindestillation zurückbleibenden schlempe herauscristallisiert A. dal Piaz universallex. 125b; -flusz dasselbe Karmarsch-Heeren 9, 629; -haufe: es sol auch iederman die tresterhauffen vor seinem haus ausfüren (a. d. j. 1454-64) copeyb. d. gemainen stat Wienn 12 Zeibig; -kern: daz in weinperchorn chain tresterkern wachs meister Bartholomäus arzneib. 108, 47 Jos. Haupt (15. jh.); -korb Hugo v. Trimberg renner 353 Ehrismann; -korn: und wo man schon zu disen warmen etliche anziehende stück kalter natur mischt als galles, granatschelffen, ruszkensamen, trösterkörner, eychlenhülsen Wirsung artzneybuch (1588) 173b; deminutiv: trästerkörnlein Hulsius-Ravellus (1616) 326b; -kuchen preszkuchen, die auf der presse festgepreszten trester A. dal Piaz univers.-lex. 126a; Popowitsch versuch 577; -maische A. dal Piaz 126a; -schlempe ebda; -wein aus trestern hergestellter wein, nachwein, lauer (s. teil 6 sp. 303), der als geringwertiges getränk für das gesinde bestimmt war; bei Diefenbach in glossarien des 16. jhs. tortivum gl. 589c; vinum tortivum gl. 621a; aciatum gl. 9b; floces träster vel knechtenwein gl. 240a. auch sonst häufig gebucht: Pinicianus promptuarium (1516) a 3b; Alberus nov. dict. genus (1540) N n 2b; Frisius 570a; Faber thes. (1587) 460b und oft bis in das 19. jh. literar. belege sind seltener: solchen (wein) haben sie genennet deuteria, das ist vinum secundarium und lora, tresterwein Lonicerus kräuterb. (1577) 33b; (die weintrester) werden gemeiniglich den wintzern zur ergötzlichkeit überlassen, welche durch aufgieszung frischen brunnenwassers den lauer- oder tresterwein daraus machen allg. öcon. lex. (1731) 2646; bereitung von tresterwein aus weiszweinhülsen Karmarsch-Heeren 10, 599.