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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
tresenei bis tresorschein (Bd. 22, Sp. 166 bis 171)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tresenei, f. , grobes, würziges pulver als leckerei und medicament; gemüse. form und herkunft.
1) das wort ist nur auf continental-westgermanischem boden zu belegen: mnl. tresie, traitsye zuckerwerk Verwijs-Verdam mnl. wb. 8, 632; mhd. tresenei, tresanei; daneben formen auf -et: trisanet, drysenet; mnd. trisanet, trisinet, treserye; Schiller-Lübben 4, 613b; nhd. überdies tresznei, tressei, dräseney, tres(e)net, tresset, triset (vgl. auch driet teil 2, 1409), sowie im 18. jh., wo die tradition abbricht, fast allgemein trisenet, trisinet.
2) das bei Adelung vers. 4, 1066, Lexer 2, 1516, Schiller-Lübben 4, 613 als ursprungswort genannte frz. trisenet ist nicht nachzuweisen; auch die herleitung aus ahd. triso, treso 'schatz' (Woeste westf. 274; ebenso Alemannia 3, 134) will angesichts des scharf ausgeprägten bedeutungsgehaltes 'pulver' nicht als ausreichend erscheinen. lautlich und bedeutungsmäszig nahe liegt prov. trissar 'zerreiben, zerstoszen', trisson 'stöszel des mörsers' (Diez et. wb. d. roman. spr. 693), davon vielleicht eine ableitung *trissonat als grundlage des nl.-dt. wortes. einen andern weg könnte zeigen mnl. dresene glechoma hederacea, gundermann (eine aromatische, als volkstüml. heilmittel gebrauchte pflanze); spät-anfränk. dresna edera nd. jahrb. 17, 83a; 18, 137; westfläm. dreesem de Bo-Samyn westvlaam. id. 229b.
3) das geschlecht der auf -ei, -ie endenden formen ist fem., die auf -et endenden sind neutra (s. u. die bel.); ausnahmen sind selten: trisenet, f., Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-ital. 326.
die flexion ist im sg. für beide gruppen stark: gen. dye ... büchs ist tresznye vol Schweiz. arch. f. volksk. 14, 249; dat. to trezerye gesch. d. herzöge v. Braunschw. u. Lüneb. 8, 245; von einem tryset Guarinonius grewel 581; acc. starke treseney visirl. exorcist (1675) 46; ein liebliche dräseney H. Bock kreuterb. (1587) 446b; der plural ist von tris(en)et nicht, von tresenei nur im dat. belegt: zu den ... dräseneien ebda 332b (s. auch unter 2).
4) das wort ist bei beginn des 19. jhs. so gut wie ausgestorben: trisenet gröblich gestoszene sachen Kinderling reinigkeit (1795) 151; Campe führt es trotz der notierung

[Bd. 22, Sp. 167]


bei Adelung (1801) 4, 685 nicht mehr auf. auch litterarisch ist es im 19. jh. nicht mehr belegt. in den maa. hat es sich in der bedeutung 1 gehalten, im westfälischen: trisêdüppen 'gewürztopf' Woeste 274b und im schwäbischen: trisinettschnitte Fischer 2, 390. die bedeutung 2 wird noch aufgeführt als trisonettpulver bei Arends volkstüml. namen der arzneimittel (1930) 266. s. auszerdem B. bedeutung.
A. eine pulverförmige mischung aus gestoszenen vegetabilischen stoffen.
1) als naschwerk.
a) in form eines wohl nur grob gestoszenen gemisches von verschiedenen, nicht völlig zu erschlieszenden, aber gewisz wechselnden, wohlschmeckenden gewürzen mit zucker:

da kam ein kamerer on vil brachtes
und bracht mir zucker und tressny
und me des besten wynes daby
Hans v. Bühel königstochter 3278 Merzd.;

18 gulden ... umb worze und dreseny (1390) dtsch. reichstagsakten 2, 363, 28; ausgeben zum tanz 10 sz. umb drysenet chron. d. dt. städte 3, 344; vor tzugkir unde krude to trezerye myme gn. juncheren (1409) gesch. d. herzöge v. Braunschw. u. Lüneb. 8, 245 anm. 2 Sudendorf; will man ein gten lauttertranck haben, oder ein liebliche dräseney zrichten, so msz der canel allmal z forderst da seyn H. Bock kreuterb. (1587) 446b; es müssen schier die edle negelein allen confecten, träseneyen, pulver, latwergen, dräncken und dergleichen dienen ebda 445. oft synonym mit confect: man sol auch kainerlay trysanet oder confect, notwein oder ansinggelt geben (Nürnberger policeiordn.) chron. d. dt. städte 3, 423a;

ain zwehel strackt er über tisch
und satzt darauf ein schlaftrunk frisch,
confect und ander tresanei zimmr. chron. 4, 245 Barack;

trisanet oder confect (1485) Siebenkees materialien zur Nürnb. gesch. 2, 462; die tresneien und confect Wurstisen Pauli Aemilii histor. (1572) 2, 156. oft auch in verbindung mit wein Schumann nachtbüchl. 93; 160 lit. ver.; wein, bier und driessney (a. d. j. 1608) bei Diefenbach-Wülcker 876. übertragener gebrauch ist selten; in der composition:

nun ist ein junger mann
dir, gleichfalls junges kind, ein dorn in deinen augen,
ein alter aber ists, aus dem dein auge kan
das liebestrieseneth mit vollem schlunge saugen
Hoffmannswaldau u. a. ged. 5, 7 Neukirch.

eine beliebte verwendung war das aufstreuen und rösten auf brot, vgl. A. Schultz dt. leben im 14./15. jh. (1892 gr. ausg.) 500:

dye ander büchs ist tresznye vol,
die sol man an dem morgen essen
vff gebeytem brot im bad gesessen badschenkenged. (15./16. jh.) Schweiz. arch. f. volksk. 14, 249;

wer ein wenig von einem ringen tryset auf die brotschnitte strewen wil Guarinonius grewel d. verwüst. (1610) 581.
b) daher bedeutet tresenei (vor allem in der form trisenet) auch die gewürzte, geröstete, in wein getauchte brotschnitte selbst (vgl. driet teil 2, 1409): des rosties à l'Hippocras (gewürzter wein) Stör dict. frç.-all. (1663) 2, 491; panis imbutus Falerno Aler (1727) 2, 1921a; Steinbach dt. wb. 2, 1380c; Adelung vers. 4, 1066; Schrader dt.-frz. 2, 1384; vgl. schwäb. trisinettschnitte Fischer 2, 390; 'trisinet heiszt, wenn man gebähete semmelschnitten mit gestoszenem zucker und gewürz bestreuet, mit wein begeust und bey gebratenen türckischen hänen, capaunen ... mit aufsetzet' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2043.
c) eher eine gebrauchsform von a) als eine besondere bedeutung ist die anwendung im sinne von 'gewürz für gekochte speisen': er möchte erzürnet zu starke treseney und gewürtz hinein (in die suppe) thun der visirliche exorcist (1675) 46; folgt allerhand gute dreseney und sonst allerlei gewürz koch-, gewürz- und confectbuch (16. jh.) in Scheibles antiquariat 1, 86. immer mit der gemengevorstellung: 'trisanet, trisenet ein aus gewürz zusammengemengtes

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pulver zu abwürzung der speisen' verzeichn. d. gebräuchlichsten ... wörter (1748) 181. in bildlicher verwendung: glübd ist gegen gtten wercken z schätzen als zucker gegen coriander, der davon lieblichen wirt ... und trsseney gegen aim schlechten msz Keisersberg predigen teutsch (1508) 85d.
2) medicinisches pulver; diacalamentum confect oder treseney von katzen- o. bergmuntzen (1694) Diefenbach gl. 179a; triffera (medic. statt tryphera) tressei var. triszeny (1493) ebda 596a; trisenet tragema, tragea Calvisius thes. lat. serm. 797 (im cap. 'de medicina'); trisenet, triet tragea in off. Weismann lex. bipart. (1698) 2, 380; trisenet aus der apoteck Aler dict. (1727) 2, 1921a; pulvis medicus Frisch 2, 338b; Adelung vers. 4, 1066: triet, triseney, oder treseney heisset griechisch tragema ... und bey unseren artzten tragea Wirsung artzneybuch, register s. v. triet; die medici hetten mier gären geholfen mitt lassen (aderlasz), trsznien, was aber alles umbsunst Platter 69 Boos; treseney ist zu jetziger zeit bey unseren artzten also in brauch kommen, dasz man die vermischten pulver mit zucker, die wir treseneyen nennen, tragemata heiszet Tabernämontan kreuterb. (1588) register s. v. triseney. sachlich oft dasselbe wie 1:

byren küten gebraten
möchte ich in auch woll geratten,
gesprengt mit zucker süsse woll,
oder treszney, die man sol
in der appotecken machen (als mittel gegen die pest) tractat contra pestem (Straszb. 1500) d 3b;

(sie) hat ihr trisinettlein und gestüp auff ire essen gestrewet, damit die leut ir krafft in der schüssel und schalen suchten Mathesius Sarepta (1571) 10a.
a) an ein bestimmtes pulver wird auch hier meist nicht gedacht, sondern nur an die pulverförmige consistenz: ein gut träszeney zum haubt: nim ymber ... muscatnusz ... zucker ... und mach ein pulver dorusz Gersdorff wundarzn. (1526) 30b; tresenei wird so zum inbegriff des medicin. pulvers (ähnlich wie pulver teil 7, 2217): ein gar köstlich trisenet, zu vorkommnung vieler hauptkrankheiten (aus einer receptsammlung) v. Hohberg georg. cur. aucta 3, 1, 197a.
b) daneben die specialisierung 'magenpulver', 'abführmittel' (vgl. auch Schiller-Lübben 4, 613): ein magewurtz oder dreseny Hier. Braunschweig (1509) bei Ch. Schmidt els. 358; (man mag das süszholz) under andere artzney brauchen, sonderlich zu den magenpulvern und dräseneien H. Bock kreuterb. (1587) 332b; sie machen auch ein köstliche träsenei ..., vermischen zucker darzu so viel, dasz man es niessen mag, für den magen Tabernämontan kräuterb. (1687) 1167; trisenet pulvis aut tragema laxativum Frischlin nomencl. (1591) 219; die alten verstunden eigentlich darunter (unter tresnei) nur grob zerstossene pulver aus gewürzen ... zur stärkung des magens, zu beförderung der däuung ... heutzutage aber verstehet man darunter alle zarte süsze magenpulver onomatol. med. compl. (1755) 1291; (den wundärzten) soll neben den äuszerlichen mitteln auch wundtränck ..., aber keine purgationen, julep, träseney ... einzugeben zugelassen sein corps der chirurgorum (1757 Straszb. stadtarchiv).
B. mundartlich übertragen auf 'gemüse, frucht, specereiwaren': treszenei auf brachäckern gezogenes gemüse (zehntordnung von 1742) Bauer-Collitz waldeck. 177; tresenîe gartengewächse aller art wie kohl, steckrüben, runkelrüben, das gemüse Schambach Götting. 234; dräsenei runkeln, kohlrabi Hertel Thür. 84; gemüse, nichtgetreide, specereiwaren (in Kaberg am Inselberge) sprachwart 1 (1866) 379: im Cölnischen am Rhein war sehr gute zeit anno 1463, und wolfeil an frucht und anderer treseney Frankenl. chron. bei Frisch 2, 385c. dazu treseneiland land, auf dem ein deputat von gemüse gebaut werden darf Schambach 234; Hofmann niederhess. wb. 241. —
 
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treseneizehnte eine abgabe: treseneyzehnte decimae munitae von dem, was unter der erde wächst Estor staats- u. kirchenrecht § 372.

[Bd. 22, Sp. 169]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) tresett, trisett, tresset, trisset, n., 'kartenspiel unter 3 personen mit 40 karten, das man gewinnt, wenn man 3 sieben zusammen hat' Hoffmann dt. wb. 5, 707a; Schrader dt.-frz. 2, 1384; Voigt hwb. f. d. geschäftsf. 2, 514. aus ital. tre und sette. die belege gehören alle dem 18. und beginnenden 19. jh. an: wir spielten trisett, und ich lernte sie kennen Schöpfel Thomas Imgarten (1777) 38;

vor euch erzittert des lombers weites reich,
und im trisset und wisk fiel alles hin vor euch
Zachariä poet. schr. 1, 185.

auch für die einzelne partie: frauen, die ein tresset, welches geringer als einen dukaten gespielt wird, ein bettelspiel nennen Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 80. statt dessen sonst zusammensetzungen: tresettpartie Gemmingen hausvater (1782) 63. — tresettspiel: lesen, ... ein spatziergang macht unsere unterhaltung aus, und bei schlechtem wetter ein sehr niedriges ... tresettespiel Mozart bei O. Jahn Mozart 3, 158 anm. 40; dazu tresettspieler allgem. dt. bibl. 101, 327.
 
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tresor, m. , schatz, behälter für wertsachen; credenztisch, aufsatz. herkunft und form. die erste gruppe ist aus frz. trésor entlehnt, das seinerseits durch fränkisch treso beeinfluszt ist Gamillscheg 862 f.; in der zweiten wurde frz. dressoir 'schaugestell, schenktisch' an die lautform der ersten angeglichen. abzusondern sind die formen der ahd. stufe, die unmittelbar aus dem lat. thesaurus stammen und deutschen accent haben: ahd. erarium tresere gl. 3, 717, 5 Steinm.-Siev.; altsächs. tresurhûs Heliand 3766 hs. M.; das frz. als grundlage hat dann mhd. tresor, trisor; mnd. tresor, trisor, auch treiser B. Sastrow herkommen 2, 87 Mohnike; nhd. tresor, tresur, trisur (dresor Stieler 330; Frisch 1, 350; drösur Frischlin, s. 1 b, tresir Mathesius Sar. [1571] 203a). — die aus dressoir stammende gruppe verdrängt vom 16. jh. ab den gebrauch der älteren und macht das wort bis zum 18. jh. ganz allgemein, wird aber ihrerseits im 19. jh. durch die neue entlehnung tresor 1 c in der hochsprache abgelöst; erhalten bleibt sie in einem teil der mundarten, s. unter 2.
das geschlecht ist mhd. stets masc. Lexer 2, 1505, und so auch meist in der folgezeit; das 17. jh. hat innerhalb der zweiten gruppe einige deutliche belege für das neutrum: das trysur Grimmelshausen 2, 400 Keller; das tresor beutelschneider (1641) 2, 149; das thresor Moscherosch gesichte (1650) 2, 713 (daneben aber auch masc.: auf dem thresor, auf welchen er ... geworfen ebda 2, 715); Stieler stammb. 330; Frisch 1, 305; noch seltener ist fem.: das schönste glas von der ganzen tresur Zendorius a Zend. winternächte 300. das wort wird stark flectiert: dat. aus dem trisur Comenius ian. iv ling. (1643) 210; auf dem trisur gepflückte finken 274 u. ö.; nom. pl. küsten, kästen, tresur, anrichten Messerschmidt esels adel 125.
die bedeutung teilt sich nach der herkunft in zwei äste, die durch gelegentliche überschneidungen mit einander in beziehung stehen.
1) dem frz. trésor entsprechend
a) selten und nur für die mhd. zeit belegt in der ursprünglichen bedeutung 'schatz':

Tintajêl muoz iemer sîn
dîn triskamere und dîn trisor
Gottfried Tristan 4483 Ranke;

bildlich:

dîner gnâden trisor Marienlegenden 230 Pfeiffer;

tresor und schatz des wysen,
des alweltighen vater ...
hat ave vast besloszen alzugater
in eynen reynen cystel wyd bekennet,
ich meyn der reyner maghet liip.
susz ist ave godz tresorer ghenennet
bruder Hans Marienl. 1371 Minzloff;

wilich si dines minnesamen herzen trisor,
de dich hat braht ver den oversten chor Marienlieder, zs. f. d. altert. 10, 89 W. Grimm.


b) 'schatzkasten', 'behälter für wertsachen': repositorium silberkast, drösur Frischlin nomencl. (1591) 301; auch allgemeiner gebraucht: eynreley cast, kist, trisoir, dair men

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wat in bewaren mach Schueren Teuthonista 405 Verdam; auch machen sie allerhand schreibzeuch, tresur, kisten, schächlin, stäb und schafft Aug. Cassiodorus regnum Congo (1597) 2, 30; noch bei Kramer: tresoor, tresur i. e. kasten, behalter niderhochteutsch (1719) 40. zweideutig als glosse zu promptuarium trisoer (Köln 1507) bei Diefenbach 464c, dessen sonstige glossierung auch die deutung als 'vorratskammer, speisekammer' zuläszt, vgl. a. a. o. weiterhin. schon von der anwendung 2 beeinfluszt für einen schrank, in dessen innerm schön anzuschauende gläser und geräte aufbewahrt werden: ausz dem trisur oder becherschranck werden guldene, silberne, vergüldte credentzer oder grosse pocal, becher, kelche und schalen, gläser hervorgelangt Comenius iv ling. (1643) 210; da nehme den schlüssel, schliesz das tresor auff, du wirst eyer darinnen finden beutelschneider (1641) 2, 149; 1 grün angestrichen tresour mit 2 thüren inventar ende d. 17. jh. Frankfurt bei G. Schnapper-Arndt vortr. u. aufs. (1906) 160; vgl. un buffet ein tresur Duez nomencl. (1652) 84; cupboard Ludwig teutsch-engl. (1716) 2014.
c) neu entlehnt ist im 19. jh. tresor als bezeichnung eines einbruchsicheren schrankes sowie eines ganzen in derselben weise geschützten raumes, besonders in banken. heute dafür oft stahlkammer.
2) ziermöbelstück als standort für schöne krüge und gläser. meist eine art bank oder tisch; anfangs noch als gebrauchsmöbel: trisor, richt- vel kochbank cenopolium (15. jh.) bei Diefenbach gl. 112a; später mit dem deutlichen zweck, zur schau zu stellen, 'prunktisch', vgl. DWB tresur, trisur mensa locata ad ostentationem vasorum Schottel (1663) 1433; triesur abacus Zehner nomencl. (1663) 481; dresor, tresur abacus, mensa ad ostentationem vasorum Stieler stammb. 330; trisur Weismann (1698) 380; tresur credenztisch Aler dict. 2, 1916b; vgl. tresurtisch Reyher (1668) 1, 1714; der erste literarische beleg ist in form und bedeutung isoliert: darum sollen grosze leut stetigs ire gleserne trinckgeschirr und tresir auff iren tischen haben Mathesius Sarepta (1571) 203a; als er aber ... gesehen, wie ein tisch oder tresor, voller köstlicher güldener und silberner trinckgeschirr gestanden ist, hat er ... seinen dienern befohlen, dasz sie das halb theil darvon hinweg solten nemen Xylander Plutarch (1580);

een tresor mut da sin gestellet bi den aven,
de gläse möten sin up golden föte schraven bei
Lauremberg scherzged. 2. anh. 2, 179 Lappenberg;

das trysur neben den kostbaren und christallinen gläsern von allerhand formen beydes mit güldenen, silbernen und überguldten trinckgeschirren überstellt Grimmelshausen 2, 400 Keller; in einer stube stehen gläser auf einen tresur Joh. Georg Schmidt cur. grillen (1728) 272; seiner bestimmung entsprechend ist dieses möbelstück selbst aus wertvollem holze: viel seltzames und köstliches schreinwerck, als ... küsten, kästen, tresur, anrichten Messerschmidt esels adel 125. vom 18. jh. an vor allem eine art commode; 'thresor ist ein aus holtz zusammengesetzter und sauber fournirter schranck, so auf einem postament von gedreheten oder ausgeschnitzten säulen ruhet, von oben her aber mit einem durch kleine stützen abgetheilten simms versehen, worauf man insgemein ... allerhand zierliche gläser oder andere porcellaine, galanterien und gefässe statt einer zierrath aufzustellen pflegt' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 2016; im 19. jh. ähnlich 'glasschrank': (die couverts) bildeten ... eine stattliche reihe im tresor, in welchen Johanna sie endlich aufgestellt Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 357. daneben der obere, für sich gesehene teil beider möbelstücke: dresor, n., eine stufe auf dem credenztisch, worauf man geschirr zum prunk stellet Frisch teutsch - lat. 1, 305; tresur ein kommodeaufsatz Voigt hwb. f. d. geschäftsf. 2, 311. weiter ein 'wandbrettchen': 'tresor ... so an der wand hängt, und worauf man gläser ... setzt' Ludwig teutsch-engl. 2014. in dieser bedeutung besonders das deminutiv: 'thresorgen oder tabulet ist ein kleines, mit gedreheten säulen ausgeziertes gesimslein oder gestelle, auf ostindische art lacciret oder bunt gemahlet und an die wand fest angemachet' Amaranthes frauenz.-lex.

[Bd. 22, Sp. 171]


(1715) 2016; nimm sie ein gebetbuch und lesz sie hübsch drinn, sie sagt ja, sie könnts; dort auf dem tresurchen steht der himmel- und höllenweg H. L. Wagner theaterst. (1779) 120.
d) für die maa. ist diese gruppe gut bezeugt: trisur buffet in der unteren stube (ehemals) Autenrieth pfälz. id. 142; dressur zierlicher schrank mit nach oben sich verjüngenden brettern (gegnwärtig absterbend) Martin-Lienhart els. maa. 2, 764; drèssis-schaf küchenschrank lux. ma. 71; dressi schrank für teller und platten Follmann lothr. maa. 103; vgl.dresse schrank, spind de Bo-Samyn westfl. 230. verbreiteter ist das deminutiv: tressurchen eine kleine etagere Albrecht Leipz. ma. 224b; tressurchen, tresurl, tressoorl kleiner schrank, der auf einem gröszeren steht; kleines simsgestell mit gedrehten säulchen, an der wand befestigt Müller-Fraureuth obersächs. u. erzgeb. maa. 1, 247; tresurchen eckbrett Hentrich Eichsf. 66.
3) zusammensetzungen erscheinen seit dem 17. jh., vor allem in der bedeutung 2: tresorkranz schmuck für den tresor, vgl. G. Schnapper-Arndt vorträge u. aufsätze (1906) 160; zahlt Josten von Hilden vor atlas zu den trisurkränzen zu nehen 1648 bei K. Bräuer studien zur lebenshalt. in Frankf. 2, 51; -tisch dass. wie tresor 2 a Reyher thes. (1668) 1, 1714; -tuch: die modos, die man zu tischtuchern, serveten, handzwehlen, thresortüchern zu gebrauchen ... pflegt Garzoni allgem. schawplatz (1641) 568a. — zu 1 c: tresoranlage Lueger lex. d. ges. techn. 7, 252; -einbruch, -schlüssel, -verwaltung;-tür Lueger 7, 251.
 
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tresorier, m., schatzmeister; quaestor aerarius, vulgo thesauriarus Kilian (1605) 566b; aus frz. trésorier, spätmhd. jedoch gelegentlich tresorer, spontane deutsche ableitung von tresor: godz tresorer bei bruder Hans Marienlieder 1376 Minzloff s. oben tresor 1; wie man des meisters kost nemen sul von deme trisorere (13. jh.) ordensbuch 63 Schönhuth; vgl. mnd. treserer: deme byscope van ..., de treserer is (1379) hans. recesse I 2, 241; Guntram und Hilpert brachtend grosz gt z iren landen durch etlich kung Hilfrichs selgen tresaurier J. v. Watt hist. schr. 3, 85 Götzinger; in derselbigen (häuslichkeit) erkennt der hauszfürst (der familienvater) ... seinen zweyzpffigen tresorier und kuchenmeister Fischart Garg. 92 ndr.; ihm nach (im zuge des papstes) der tresorier, die cämmerling und ubrigen Wurstisen Basl. chron. (1580) 369; durch des königs ... tresorier Stumpf Schweizerchron. (1606) 212b; thresorier ein rent- oder schatzmeister Menantes d. Teutschen curiosité (Hambg. o. j.) 104; verz. d. gebr. wörter (1748) 180; wuszte ich doch nicht, welche wichtige person ich die ehre hatte in meinem hause zu beherbergen, den geheimen tresorier einer geheimen gesellschaft Alexis Isegrim (1854) 3, 65.
 
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tresorschein, m., banknote; lehnübersetzung des frz. billet de trésor, von anfang bis mitte des 19. jh. vor allem in der anwendung auf preuszisches geld bezeugt: tresorscheine eine art papiergeld im preuszischen Voigt hwb. f. d. geschäftsf. (1807) 2, 371; man kann ... dem preuszischen staate nicht ... glück wünschen, dasz er in den tresorscheinen ein köstliches nationalgut besitze A. W. Rehberg polit.-hist. schr. (1829) 274; ihr wart ja doch bisher gut preuszisch gesinnt. — ei was, ich hab nun keine tresorscheine mehr H. König selts. gesch. 111. ohne derart ausgesprochene begrenzung: ich steckte ihr einen tresorschein in die kleine hand Hauff s. w. (1890) 5, 127; Gutzkow ritter v. geiste 4, 137; H. Heine briefe (Bln. 1906) 1, 234. der seltene übertragene gebrauch geht davon aus, dasz der tresorschein nur eine schatzanweisung, nicht selber ein schatz ist: die tresorscheine der tugend gelten hier (in Berlin) blutwenig Kotzebue s. dram. w. (1828) 26, 81. heute ist das wort allgemein durch schein, banknote, papier (-geld) ersetzt, jedoch gleichwohl noch notiert bei Leithäuser Barm. wb. (1929) 160.