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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trennungszeit bis trensen (Bd. 22, Sp. 147 bis 150)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -zeit, f. 1) durativ in bezug auf den zeitraum:

nach langer jahre trennungszeit
A. v. Arnim 22, 333 Grimm;

auch wir waren während der sechsjährigen trennungszeit höchst unglücklich Fr. L. Jahn w. (1884) 1, 385; nach ablauf der bestimmten trennungszeit (in der ehe) schweiz. civilgesetzb. (1901) 136; 2) gelegentlich für den zeitpunkt: konfirmation als trennungszeit, zu der die kinder aus der hut der mutter genommen werden L. Weiser altgerm. jünglingsweihen u. männerbünde 72.
 
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trense, f. , schnur, litze; pferdezaum.
das wort fehlt in den alten und mittleren germanischen dialekten. nl. trens; trensse 'funiculus, vinculum, camus, retinaculum equorum' Kilian (1605) 566, dän. norw. trendse litze, pferdezaum, schwed. träns pferdezaum, schnur. die quelle scheint das niederl. zu sein, das trense während der berührung mit der spanischen cultur aus span. trenza flechte, achtfadiges bastseil < roman. treccia 'aus drei teilen geflochtenes' (Diez et. wb. d. roman. spr. 326; Meyer-Lübke 675) entlehnen konnte Falk-Torp 1282; 'zweifelhaft' Kluge10 495. in das deutsche dringt das wort noch im 16. jh., wohl gleichzeitig mit der sachentlehnung, da, wie die abbildungen in der zeitgenössischen fachlitteratur zeigen (etwa Seutter biszbuch [1584]; Creutzberger contrafactur und formen der gebisz [1591]; Reuschlein gründl. bericht [1597]; Fiorentini biszbuch [1608]; vgl. auch Zschille-Forrer die trense in ihrer formentwickl. [1893]), bis zu dieser zeit in Deutschland fast ausschlieszlich auf kandare gezäumt wurde.
1) die nl., der roman. grundbedeutung nahe bedeutung 'litze, tresse' erscheint mundartlich nur in den westlichen nachbargebieten: Doornkaat-Koolman 3, 434; tränsche garnöse Hönig Köln. ma. 182; Rovenhagen Aach. ma. 147; Elberfelder ma. 164; brem. wb. 5, 106; Schütze holst. 4, 279 (auch 'genähte öse'); Schumann Lübeck 16; auch im nordfriesischen Jensen 640. Adelung notiert das wort als nur niederd., sonst ist es selten gebucht: trentze Stör frç.-all. (1663) 2, 489a; Steinbach (1734) 2, 847; trense runde schnur Voigt hwb. f. d. geschäftsführ. 2, 511. Duesius nomencl. (Leiden 1652): les gances, ou les brides du collet, die schlingen oder trentzen und schnürlein am kragen 41; des cannetilles, trentzen oder bördtlein 51, reiht sich landschaftlich ein. litterarische belege fehlen; vgl. 4trensen.
2) die hauptbedeutung 'leichter pferdezaum ohne hebelmundstück' im gegensatz zu kandare und kappzaum ist eine übertragung von 1, die schon im nl. stattgefunden hat. sie geht vom augenschein aus, da bei der trense, anders als bei der bis dahin üblichen kandare, nur das lenkseil sichtbar ist.
der älteste beleg erscheint weit vom entlehnungsgebiet und wendet das wort, wie die beigegebene abbildung zeigt, falsch auf eine seltene, leichtere kandare an: das ist ein drenssen, da man die kuppelrosz in bereidt Creutzberger contrafactur (Wien 1591) abb. 2; beides spricht für eine schon ältere, unterlitterarische tradition auf deutschem boden. dann richtige sachvorstellung: es köndte auch nicht mehr als gut sein, wann ihr dem pferd beneben diesem cavezon (kappzaum) von stricken auch ein drenssen gebiszlein mit einem schlechten holmundstück ins maul geben thet Lieb übung u. kunst d. reitens (Dresd. 1616) 8. auszerhalb solcher fachlitteratur ist das wort im ganzen 17. jh. selten und immer noch landschaftlich gebunden: die Javaner ... wissen das pferd mit einem kurzen zaum oder trense ... füglich zu regieren W. Schultz (aus Haarlem) ostindische reise (1676) 214a. auch im 18. jh. lexikographisch

[Bd. 22, Sp. 148]


noch spärlich belegt: Schrader dt.-frz. 2, 1380; Adelung 4, 668; Voigtel hochd. hwb. 3, 421a; sonst nur fachsprachlich: bridan ein sehr subtiles mundstück, auf teutsch eine trense v. Hohberg georg. cur. aucta (1715) 3. teil 8. buch 125a; allg. ökon. lex. (1731) 2461; Eisenberg reitschule (1746) 57; Eggers kriegslex. 2, 1166, jedoch litterarisch verbreiteter als vorher: (er) putzte das stangenzeug ... und liesz kinnkette und trense ... die musterung passieren Löwen schr. (1765) 3, 66; 'nehmen sie sich in acht' sagte er (zu einem reiter), 'ihre trense ist ja entzwei' Hermes Sophiens reise (1769) 4, 121. doch erst das 19. jh. verschafft trense als einem wort der cavalleriesprache allgemeine geltung, sodasz es nun auch in die maa. dringt: Sallmann neue beitr. zur ma. i. Estl. 42; Fischer Saml. 92; Damköhler Nordharz. wb. 196; Leithäuser Barmer ma. 160; Crecelius oberhess. 294; Lenz Handschuhsh. dial. 72a; Fischer schwäb. 2, 367; Schöpf tirol. 754; Überfelder kärnt. 76; Loritza id. vienn. 132.
seit mitte des 18. jhs. auch in der dichtung:

hinangeschlungen
mit der trense zwischen zweien
linden geht sein pferd und graset
Herder 25, 174 S.;

(ein pferd) in sichrem gleichgewicht gehalten
durch den gelinderen zug der trense
Klopstock oden 2, 24 M.-P.;

man durfte kaum die trense rücken:
so sahst du es (das pferd) von freyen stücken
den schönsten antritt wiegend gehn
Schwabe belust. 2, 476.


bildlich für den begriff des zügelns überhaupt: so musz ich meinen dramatischen Pegasus einstweilen auf der trense der prosa reiten Schiller bei Scherr Schiller (1873) 1, 162; (der zopf wurde) durch das langweilige einwindeln an jedem morgen ein sperrstrick und eine trense seines feuers Jean Paul Titan (1800) 1, 91; ja, es war ihm sogar ein wenig göttlich zu mut, als hätte er stangen, zaum und trense der welt unter der faust Hauff s. w. (1890) 3, 93; man moot em mit ener scharperen trense riden brem. wb. 5, 106; er ... nahm sich vor, sich von dem pfarrer keine trense aufsetzen zu lassen Auerbach schr. 9, 112; im hinblick auf die gelindere art der trensenzügelung im gegensatz zu der schärferen durch kandare und kappzaum: ich stehe dann mit gekreuzten armen und schaue ihr wohlgefällig nach und überlege, ob ich sie auf der stange reiten soll oder auf der trense Heine w. 3, 179 Elster; gehts nicht mit der drense, so gehts mit dem kappzaum Michaelis poet. w. 4, 78. noch anders:

droht der bleiche tod mit seiner sense,
reit ichs leben doch auf stang und trense
E. M. Arndt w. 3, 130 Rösch-Meisner.


3) zusammensetzungen mit trensen-, vereinzelt trense-, seit mitte des 18. jh. belegt, sind ausschlieszlich benennungen von teilen der trense, z. b. trensengebisz v. Alten handb. 3, 725; -knopf Hoyer-Kreuter 1, 776; trenseriemen mag. d. mod. 2 (1791) 253; trensenring v. Alten 1, 342; unter seinem einflusse wurden des jungen gedanken recht aufgestellt wie ungeduldige vollblüter an der beginnstelle eines rennens, wo sie sich kaum verhalten lassen, wo von den trensenringen die schaumflocken wehen H. Grimm volk ohne raum 1, 188; -spiel:

und als ich so ritt,
klang mein herz in den rasengedämpften schritt,
klang ins schnauben und trensenspiel meinem schimmel
B. v. Münchhausen standarte 129;

-zügel: endlich ergriff ich den linken trensenziegel, zog dem flüchtigen pferde den kopf an die linke schulter F. v. Trenck leben und thaten (1747) 161; ich sprang vom pferde, und mir den trensenzügel über die schulter hängend, kniete ich nieder D. v. Liliencron s. w. (1896) 1, 14.
 
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trensel, subst., borte, tresse, vielleicht zu trense 1, doch vgl. DWB trenseln, vb., u. trenteln, vb.:

do macht man schön tapecerey ...
die wircken leisten uff der ladt,
die sticken trensslen blow, gel, rott,
schnier, binden, schleir mancher handt
Thurneisser archidoxa (1569) N 4a.

[Bd. 22, Sp. 149]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trensel, m., von 3trensen speicheln? im sinne eines scheltwortes:

woluff, wolhin, du alter trensel,
ich mag nit reyten grawe pfärt!
Hätzlerin liederb. 281 Haltaus.


 
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trenseln, vb., eine besondere handarbeit ausführen, 'goldene und silberne borten in ihre fäden auflösen' Schrader dtsch.-frz. wb. 2, 1380; wohl weiterbildung zu trendeln 'zaudern', vgl. nd. aufdröseln zu dröseln zögern und trenteln zögern und handarbeit ausführen: von dieser art (spinnrad) hatte er eines für Selinden kommen lassen, und für sich ein gestell zu knötchen, ... denn die mannspersonen fingen eher an zu knötchen als zu trenseln. das trenseln ... bestand darinn, dasz man goldene und silberne borten, auch seidne zeuge in ihre fäden auflösete. viele modische leute kauften sich neue borten, um ihre hände solchergestalt zu beschäftigen J. Möser s. w. 1, 138 Abeken.
 
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trensen, vb. , schnauben, heftig atmen, stöhnen, auch in den formen trenzen, transen, tre(n)sgen; ablautend und anderer bildung ahd. trinson treni ahd. gl. 1, 638, 1. nahe liegt auch mlat. trinsare brummen des bären Ruodlieb III 96, nach Diefenbach-Wülcker 367 aus dem deutschen, ähnl. mlat. drensare schreien des schwanes Diefenbach gloss. 191b, frz. drenser Körting 132. die gruppe ist wahrscheinlich lautmalenden ursprungs wie nasallose formen gleicher bedeutung: ahd. drâsjan, drâsôn duften schnauben Graff 5, 252; gl. 2, 636, 68 drâsôt; 2, 702, 45 thrasindi zu Vergils georg. III 85 collectumque premens volvit sub naribus ignem (equus); mhd. drâsen, dræsen, drasen, dräsen, trâsen, trasen mhd. wb. 3, 84b; 1, 386b; Lexer 1, 459; nachtr. 125; Schmeller-Fr. 1, 675; dresen teil 2, 1406. zwischen beiden gruppen haben übergänge und kreuzungen stattgefunden.
das verbreitungsgebiet ist Süd-, Mittel- und das westliche Norddeutschland und die Niederlande: mnl. drensen; nnl. drenzen wb. d. neederl. taal 3, 3291; in verschiedenen bedeutungsnüancen und lautlichen spielarten notiert bei Loritza id. vienn. 133; Schmeller-Fr. bair. 1, 670; Fischer schwäb. 2, 367; Martin-Lienhart elsäss. maa. 2, 761; Stalder schweiz. id. 1, 303; Tobler appenzell. 151. Schröer ungr. bergl. 43; Vilmar Kurhessen 78 mit der bemerkung 'ächzen, stöhnen, seufzen sind dem volk völlig fremde wörter'; Crecelius oberhess. 294; rhein. wb. 1, 1436.
1) 'schnauben', 'dumpfe laute ausstoszen' vor allem von tieren, bes. vom pferd: danach sprütz ihme (dem pferde) rosenwasser in die naszlöcher, damit es trenszge Seuter roszartzn. (1599) 9; über das keichen, treszgen und husten lests (das pferd) auch einen dampf aus den naselöchern Böhme roszartzn. (1618) 111; (das rosz) fängt ... an, zu prausten oder zu tresenen Walther pferde- und viehzucht (1658) 105. trensen, trenzen vom rind 'traurige töne von sich geben' Schmeller-Fr. 1, 670; d' chue trēszet Tobler appenzell. 151; drasen, dräsen, dränsen 'leise brummen' von der kuh rhein. wb. 1, 1436; schwäb.:

die capuziner,
wans gehen in den chor,
träsen wie ein alte kueh,
capuzen gibt den tact darzue (um 1740) Ostracher liederhandschrift bei
Rattay diss. (1911) 110.


in der anwendung auf den menschen 'heftig und schwer atmen'; vgl. Martin-Lienhart elsäss. 2, 761; Schröer ungr. 43; Fischer schwäb. 2, 301 u. ö.: und er bucklig und hustend und trensend auf dem stecken herum wanke Rosegger nixnutzig volk (1907) 229. schon früh in erweiterung der bedeutung: murmuro tresen Calepinus sept. ling. (1731) 2, 49a; gemere heiszet achtzen, trensen Keisersberg postille (1522) 3, 17 (randglosse); gutturisare drensen, kneesten, stoenen, dazu gutturisatio drensinge Schueren Teuthonista 86 Verdam; crissari kreisten, anchtzen, trensen, trentschen Diefenbach gl. 158b; trensen und achzgen propheten (Augsburg 1528) Jes. 38; als er aber gesehen, dass es sich gegen den getroheten schoss nicht gewaigert oder gereget, sondern alda hangend zum zweiten mahl

[Bd. 22, Sp. 150]


gedrenset und darnach gekrauchet Marburger hexenproceszacte von 1659 bei Vilmar Kurhess. 78. so auch in neuerer zeit besonders in den maa. als 'stöhnen, seufzen, weinen' bezeugt: Vilmar Kurhess. 78; Tobler appenzell. 151; Chr. Schmidt elsäss. 79 u. ö.:

(das weib) holtert und poltert ...
pentzt und trentzt, pfnaust und haust,
dasz dem armen mann der buckel graust
Neiner tändlmarckt 155;

wir haben schier geweint, geplärrt, gerehrt und trenzt Mozart in O. Jahn Mozart 1, 647.
2) übermundartlich ist eine seit dem 18. jh. belegte einengung der bedeutung auf das schreien des hirsches in der brunftzeit: 'der kurze ächzende ton, welchen der hirsch in der brunftzeit, bevor er schreit und während er die thiere treibt, häufig auszustoszen pflegt' Behlen forst- u. jagdk. 6, 88; Schrader dtsch.-frz. wb. 2, 1380; 'nur vom hirsche' Adelung 4, 670; die förster hörten den mörder trenzen und röhren Löns Mümmelmann 139; (er) ahmte erst das gereizte trenzen nach und dann den vollen grollruf R. H. Bartsch frau Utta 155.
 
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trensen, vb., trenzen, träntschen (vgl. DWB trantsch) langsam sein; in den westdeutsch. und süddeutsch. maa.: rhein. wb. 1, 1436; K. Chr. L. Schmidt westerw. id. 261; v. Klein prov.-wb. 1, 192 (Pfalz); Crecelius oberhess. 294; Fischer schwäb. 2, 368; Stalder schweiz. id. 1, 303; dazu trenzen eine rede lange hinziehen id. austr. (1824) 65 und trentsch, m., zögerer:

man fyndt gar manch nochgültig mensch,
das ist so gar eyn wättertrentsch,
das er sich nyenan schicken kan
zu allem, das er vohet an
S. Brant narrenschiff 70, 2 Zarncke;

'ei wie machst du dich hie so munter?'
'du trentsch, du totschz, was get es dich an?' fastnachtssp. 478, 16 Keller.

möglich ist zusammenhang mit 1trendeln 5.