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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trendelspiel bis trennungszeichen (Bd. 22, Sp. 110 bis 134)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trendelspiel, n., kegelspiel: ain bainin und ein ebeno drendelspill oder kegelspill (1617) Ph. Hainhofer bei Fischer schwäb. wb. 2, 315.
 
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trender, trenter, m.: tränder 'ein hölzernes gestell oder ein pfahl, kleider, wildpret oder anderes daran zu hängen' Anton Oberlausitz 13, 17; fast ausschlieszlich für Schlesien bezeugt: darauff sie in das haus gegangen und vom drendter genummen 2 vierttl kalbfleisch, einen schrut rindtfleisch (1583) aus dem Breslauer stadtarchiv in neuphilol. mitt. 28, 15, mit weiteren belegen, auch für die form trendel, trandel (s. d.);

sie zeucht an trender euch,
so hangt ihr (die gänse) über nacht
W. Scherffer bei
Drechsler 263;

und läst du eine wurst am sonntag dir vortragen,
so glaube, dasz bey mir gantz voll der trender hengt
Hoffmannswaldau u. a. ged. 2, 302 Neukirch.


 
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trendler, trent(e)ler, m., nomen actoris zu 1trendeln 5; lanternier ... ein zauserer oder trendtler Duesius nomencl. (1652) 142; trentler ... verzögerer Kramer 2 (1702) 1132a; niderhocht. dict. 1, 72a; mundartlich Martin-Lienhart elsäss. 2, 759; Askenasy Frankf. ma. 223; Follmann lothr. maa. 102; der einen hoffärtigen gang hat Strodtmann id. Osnabr. 251; doch sicher überall bildbar, wo das verb geläufig ist, man beachte bildungen wie trendelbotz Hönig Köln. ma. 182; trentelmichel lux. ma. 440; trendelmatz Pansner schimpfwb. 70b: ich hätte dem alten trentler in den barth klunkern wollen (weil er trotz seines alters heiraten will) pedantischer irrthum (1673) 115; hurtig, bruder, damit wir nicht wie die trentler kommen maler Müller w. (1811) 3, 10.
 
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trendler, m., nom. actoris zu 2trendeln: es ist einem kauffmann, hendler, kauderer, trendler und kremer, gleich einem vogler, vischer oder jeger, wann sie wöllen vögel, visch, und willprecht fahen, und inn ihr netz und garn bringen Huberinus spiegel d. hauszucht (1553) 179a; die trendeler jedes orts sind vom magistrate sub juramento zu examinieren (1626) acta publica 6, 154 Palm; becken, braüen, melber, hucker, brantweiner, drentler müllerordnung v. 1785 bei Birlinger schwäb. wb. 294 s. v. küchle.
 
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trene, tren, m. u. f., s. DWB drone.
 
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trennbar, adj., what may be separated, divided, discriminated, dissolved, disjoyned, disunited, divorced, severed Ludwig 2013; Kramer 2 (1702) 1131a; weich ... schon mit den fingern trennbar Zappe mineral. handlex. 1, 40; die materie aber ist niemals eine substanz, wenn sie besteht aus trennbaren theilen, deren jeder für sich bestehen kann Mendelssohn ges. schr. (1843 ff.) 2, 211; unanschaulich:

wie, wenn doch deinen wahn die allmacht nicht mehr kränkte,
und den trennbaren leib mit ewger form umschränkte?
Schwabe belustig. (1741 ff.) 4, 297;

der lüfte trennbares gespinste
J. E. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 55;

uneigentlich: gott selbst war das, was wir wort, ... willen der gottheit nennen: denn in seinem wesen ist nichts trennbar Herder 19, 297 S. als gramm. terminus: trenbare ableitungssilben Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 258, partikel Adelung umst. lehrgeb. 2, 10, präpositionen Athenäum 1, 64, worte (composita) Voss zeitmessung (1802) 130; Scherer kl. schr. 1, 375. beim menschen von körperlicher und seelischer gemeinschaft: in wohl und wehe nicht trennbar Zachariä poet. schr. (1763 ff.) 8, 161; ins geistige gewendet: charakter und wesen der dienenden nymphe war vom charakter der göttin ... nicht trennbar Creuzer symb. u. mythol. (1810) 2, 142.

[Bd. 22, Sp. 111]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trennbarkeit, f., die möglichkeit, getrennt werden zu können: auch musz man ... die leichte trennbarkeit mit einem oder dem andern grade der härte nicht verwechseln Zappe mineral. handlex. 1, 440; der einfache kettenstich wird seiner leichten trennbarkeit halber ... verwendet Karmarsch-Heeren 6, 236. bildlich: wider den herrn ... N., der die trennbarkeit des katholischen ehebandes behauptet hat allg. d. bibl., anh. zu bd. 53-86, 1639. von begrifflicher scheidung: das komische flieszt aus der trennbarkeit des sinnlichen von dem geistigen Vischer ästhetik (1846) 2, 173; die trennbarkeit der seele und des geistes Hegel 71, 692.
 
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trenndenschimpf, m., s. trennenschimpf.
 
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trennemesser, n., s. DWB trennmesser.
 
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trennen, vb.
I. herkunft und form.
1) mhd. trennen. ahd. nur in der composition mit en- und za-, mnl. trennen, ternen, terren, tarren, nl. tarnen, tornen. dän. trende 'einschlagen, anzetteln (beim weben)', älter auch 'schlitzen, spalten' ist entlehnt. in den andern germ. sprachen nicht vorhanden. meist wird trennen zusammen mit ahd. abtrunnig 'apostata', antrunneo 'profugus', ab-, antrunnigi 'apostasia', mhd. drunege 'trennung, spaltung, trünne 'schwarm, herde' zur idg. wurzel der- 'spalten' (genauer zur wurzelvariante dren-, die neben der- steht wie ren- neben er-) gestellt, so von Fick 34, 170; Falk-Torp 1283; Persson beitr. z. idg. wortforschg. 778; Walde-Pokorny 1, 798 (vgl. aber 796). doch ist die an den genannten stellen vertretene auffassung, trennen sei causativum zu mhd. trinnen 'entlaufen', aus gründen der bedeutung und bezeugung abzulehnen; dies erst im 15. jh. durch ge- und undertrinnen gesicherte seltene vb. (die von den wbb. für trinnen gegebenen stellen gestattenoder fordernsämtlich die auffassung als entrinnen) ist vielmehr durch falsche zerlegung aus ahd. entrinnan, mhd. entrinnen = ags. otirnan 'entlaufen' entstanden, s. 10Kluge 495 u. teil 3, 640. die möglichkeit ähnlicher herkunft von trennen aus ent-rennen als gegensatz zu garennen 'coagulare' (und von ab-trunnig aus ant-runnig, vgl. ahd. zintrinnanne 'apostatare' ahd. gl. 1, 568, 59) ist nicht zu bestreiten; doch wird sie weder von der chronologie der belege (da zatrennen schon im 8. u. 9. jh. belegt ist, s. ahd. gl. 1, 277, 26) noch von der bedeutung genügend gestützt.
2) im prät. und part. prät. zeigt trennen den sog. 'rückumlaut'. die ahd. und klassisch-mhd. belege sind durchaus unumgelautet. der ausgleich beginnt in der 2. hälfte des 14. jhs.: Suchenwirt 111a Primisser; Oswald v. Wolkenstein 94, 15 Schatz, beide unter reimzwang; do wir kunig Alexandrum aller werlte herschaft entrenneten ackermann aus Böhmen 75 Bernt. im 15. jh. wird der ausgleich allgemeiner, bei autoren des 16. jhs. herrscht er schon durchaus, z. b. bei Fischart, Brant, Weiskunig, zimm. chronik, Emser u. a. daneben behauptet sich die unumgelautete form noch bis hoch ins 18. jh. ältere grammatiker wie Duesius, Schottel führen beide formen nebeneinander auf, ebenso lexikographen wie Stieler, Steinbach. dasz die umlautlose form schon mitte des 17. jhs. antiquiert und blosz dem reim zulieb verwendet wird, zeigt der vers: wer da sich hat getrennt, der hat sich dort getrant (: band) Logau 60 lit. ver. im 18. jh. gebrauchen sie im reim noch Bodmer, Haller (der aber auch erkennt (prät.): getrennt ged. [1750] 48 reimt), Gleim, Günther, letzterer auch im versinnern, ged. (1735) 1025, zuletzt um 1780 Meiszner bei Campe 4, 876.
3) d-anlaut findet sich vereinzelt ahd. bei Notker 1, 596, 10 P. entsprechend seinem anlautgesetz; später bei den alemanen Seuse 382 Bihlmeyer und Fronsperger (1564) besatzung 13b; seltener im rheinischen: chron. d. dtsch. st. 13, 363 u. 366; Zinkgref 31 ndr.; vereinzelt auch bei H. Sachs 6, 236 u. Diefenbach gloss. 177a.
4) spielformen des wortes. alemanisch, 16. jh.: ain laucher, da mitt du das fleisch von ain ander trenngest Braunschweig chirurg. 20b, vgl. hierzu zertrenglung zerstreuung

[Bd. 22, Sp. 112]


Keisersberg bei Ch. Schmidt hist. wb. d. elsäss. maa. 439; tirolisch, 17. jh.: eine naht auftrendeln Schöpf 754; moderne ma: zertrenschen eine naht auftrennen, wb. d. lux. ma. 503.
II. bedeutung und gebrauch. trennen, als simplex im ahd. und mhd. nicht allzu häufig, tritt in altdeutscher zeit vornehmlich in unsinnlicher anwendung entgegen; erst im nhd. tritt neben den unverminderten reichtum des übertragenen gebrauchs kräftiger die verwendung in unverblaszter, sinnlicher bedeutung. dazu entwickelt sich ein stark terminologischer gebrauch, bes. in der kriegs- und rechtssprache. die starke bedeutungsdifferenzierung dieser epoche spiegelt sich in der tatsache, dasz in der älteren lexikographie das wort mit etwa 70 lat. vocabeln umschrieben ist. in der neueren spr. gewinnt die sinnliche anwendung sehr an breite, wird aber stets schattenhafter und blasser; das terminologische geht bis auf kleine reste verloren, ebenso ein groszer teil des mit dem sinnlichen noch enger verbundenen unsinnlichen gebrauchs; in beiden fällen gelten heut meist synonyma. diesem verlust entspricht auf der anderen seite ein vordringen des wortes im bereich des unsinnlichen, gedanklichen ordnens und sonderns, zuletzt in der früher ganz ungebräuchlichen durativen (imperfectiven) anwendungsart.
das im verhältnis nicht häufige wort hat im sprachboden keine tiefen wurzeln getrieben. es scheint groszenteils auf die oberen schichten der sprechenden, mehr noch der schreibenden, beschränkt gewesen zu sein. dasz es allgemein in mundarten fehlt, wurde öfters angemerkt, so bei Konr. Schwenck wb. d. dtsch. spr. (1834) 676; Fischer schwäb. 2, 367. wo es doch eingedrungen ist, wird es entweder blosz registriert Vetsch Appenzell 174; Pfalz in Wiener sitz.-ber. 140, 34; Heilig ostfränk. ma. § 268, 4; Lenz Handschuhsheim. dial. 72; Kroh nass. dial. geogr. 75; Hommer Westerwald. 7; Klein Bistritz 192; Damköhler Nordharz. wb. 196; Martin Waldeck 277; Fischer Samland 157) oder in ganz wenigen, kargen bed., in denen es häufig mundartechteres verdrängt hat, vorgeführt (Schöpf 754; Hunziker Aargau 60; Fischer schwäb. 2, 367; Martin-Lienhart 2, 759; Müller-Fraureuth 1, 247; lux. ma. 503; Sallmann Samland 88; Bauer-Collitz 105; ten Doornkaat-Koolman 3, 434.
trennen bedeutet in seiner ursprünglichen sinnhaltigkeit: etwas, das eine fest geschlossene einheit bildet, in einzelne teile zerlegen. dabei ist es ohne belang, ob diese einheit von vornherein vorhanden war und durch den vorgang der trennung zerstört wird, oder ob sie erst künstlich durch zusammenfügen entstanden ist, der vorgang des trennens also ein auseinanderlegen des sinnlich als einheit erscheinenden gegenstandes in seine ursprünglichen bestandteile darstellt. dagegen ist die vorstellung der gewaltsamkeit dieses lösungsvorganges für den verbalen begriffsinhalt ursprünglich wesenhaft.
A. transitiv.
1) eigentlich.
a) ausdruck der älteren kriegssprache: das durchhauen von rüstungsgegenständen mit dem schwert. so bereits mhd.:

von mînem swerte wirt daz harnasch hin getrant Lohengrin 519 Rückert;

beide si zetranden
die ringe mit den swerten
Ulrich Lanzelet 5312 Hahn;

ebenso frühnhd.:

mit einem ringen leichten schwert
trant er im seine ring so hert
Wickram 8, 138 Bolte;

er trennet pantzerringe Freinsheim bei Schottel haubtsprache 62; auch 'durchstechen, durchbohren': derwegen erlasen sie dafür gute ... grüne und dicke rennstang, damit rannten sie ein thor auff ... und trenten alle pantzer Fischart Gargantua 278 ndr.; dasz sie mit iren spieszen die harnisch trenneten Amadis 148 lit. ver.;

der schusz das pantzer trennen thet
so vormals offt gehalten hett
Spreng Ilias 177a;

[Bd. 22, Sp. 113]


es schien als wann er bald mit einer lantze rannte
und vielen auff einmal damit die pantzer trannte
Dietr. v. d. Werder rasend. Roland ges. 4, str. 17.


für die zerstörung von festungsbauten, dickem mauerwerk u. ä.:

Renoceros tho mich nennen,
thoren und mauren ich tho trennen (1559)
Ziegler geschützinschriften (1886) 16;

wenn in entzündter lufft die kugeln sich entbrennen,
die mit versperrter gluth den holen kerker trennen ...
Pietsch geb. schr. 14 Bock;

selten sogar von einem lebendigen wesen 'vernichten, töten':

proevet, frund, ind ouch ir, vyant,
was gayds genaed nyet dayr bekant,
dat sulgh frembd instrumenten,
dye soulden bursten in vill stuck
den greveren zo ungeluck,
ind doch dayr nyemantz trenten! (1476)
Chr. Wierstrait hist. d. beleegs van Nuys 47 Meisen;

vom fliehen will ich floh dich nennen,
dich allenthalb berennen, trennen
Fischart flöhatz 35 ndr.


b) 'schneiden, abschneiden, durchschneiden': ain laucher da mitt du das fleisch von ain ander trenngest Braunschweig chirurg. (1539) 20b;

sie gleichet einer welcken traube,
bey der kein safft mehr wird erkennt,
als die vom reben ist getrennt
S. Dach 172 Österley;

dasz du noch nicht den jungen faden trenntest,
nimm Lachesis disz blumenband
Schiller 1, 235 G.;

die zerhackte amphibie, deren getrenntes leben, so spricht die volkssage, sich noch rührt bis die sonne untergeht H. Allmers marschenbuch 53;

sie hatte ein silbernes messer
das trennte gut und schnitt;
des knaben blut und leben
trennte sie heut damit
Fontane ged. (1889) 415;

das zerschneiden der steine mit der sog. steinsäge Helfft wb. d. landbauk. 346. zumal für das abtrennen menschlicher körperteile; häufig als justizvollzug:

das beil des henkers sollte dein verdammtes haupt
vom rumpfe trennen
Schiller 13, 245 G.;

kopf und arme des entseelten wurden von dem leibe getrennt Ranke w. 4, 39; im bilde:

das ist ein bain von meinem bain
und fleisch von meinem fleisch getrent
H. Sachs 1, 28 lit. ver.

schlieszlich auch für jede gewaltsame trennung: geriet unter einen einfahrenden zug, dessen räder ihm den kopf vom rumpf trennten dtsche allg. zeitung 31. 12. 1931 morgenausg.; 'mit gewalt auseinanderreiszen':

da trennte der wogen
sturz von den seiten den kiel, und trug die eroberten trümmer
Voss Odüssee 231 Bernays;

me cha di würzestök schier nid fon enandere trenne Hunziker Aargauer wb. 60; bildlich:

gedenke (saget er) der du mein hertze brennest
und es für groszer pein schier in zwey stücke trennest
D. v. d. Werder rasend. Roland ges. 1, str. 41.


c) den breitesten anwendungsbereich und eine bedeutungsspecialisierung entwickelt trennen bei kleidern, stoffen u. ä.
α) das zusammengenähte wird längs der nahtstelle mit messer oder schere aufgeschnitten (vgl. DWB trennmesser). diese bedeutung ist wohl eine der ältesten; sie findet sich in Monseer und Tegernseer glossen des 9.-11. jhs., dissuta vestimenta z. b. ahd. gl. 1, 349, 51, allerdings in compositis, wie denn hier auf-, ver-, zertrennen mit dem simplex von anfang synonym gehen. in den mundarten ist diese bedeutung die weitaus verbreitetste: Schöpf 754; Fischer 2, 367; Martin-Lienhart 2, 759; lux. ma. 503; Meisinger 206; Müller-Fraureuth 1, 247; die meisten uncommentierten dialectbelege gehören wohl hierher, doch ist diese verbreitung

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wohl secundär, indem trennen ältere heimische wörter verdrängt hat: für obd. mundarten scheint trifelen V. Hintner Defregger dial. 43, Fischer schwäb. 2, 381, fürs ostfriesische und zumindest westnd. törren, törnen (vgl. oben ndl. tornen) Stürenburg 285; Richey hamb. 310; Schütze holstein. 4, 271; dann auch Danneil altmärk. 225 ursprünglicher zu sein; z. teil führen die wbb. beide wörter an, z. b. Doornkaat-Koolman 3, 426; 434.
von einem zum kleid zusammengenähten stück stoff:

do sach er sîn hürnîn gwant
im auf die erden was getrant Jüng. Sigenot 181 Schoener;

da recht, da lehn jhn an die banck,
lösz auff die brust, und machs nit lang,
fort doch, schneid, trenn odr reisz nur losz
M. Rinckhart christl. ritter 86 ndr.;

ein kleid trennen dissuere vestem Stieler 2323; stücke eines seidenstoffes ..., die in einem getrennten kleide bestanden Stifter 3, 289 Sauer; auch mit starker bildhaftigkeit übertragen: andere (dienstmägde) seynd so übel gesittet, dasz sie vil lieber trennen als flicken ... und offt die gemüther sogar die eheleute zertrennen durch die boszhaffte zung ollapatrida 19 Wiener ndr.; was nicht vest ist zusammen genehet, das ist leicht zu trennen Lehmann flor. polit. 2, 804. von stoffstücken, die einem anderen auf- oder angenäht sind: brysz ym sein wammasz auff, trantt ym herab seinen glückhaftigen seckel und näet jm ainen andern an desz stat (1509) Fortunatus 109 ndr.;

und trennet vom mantel die flecken,
darinn fand ich das geldtlich stecken
H. Sachs 17, 341 lit. ver.;

er solte die spitzen vom kleide trennen Chr. Weise die drey klügsten leute (1675) 188; trennen: heiszt zusammengenehete stücke von einander zu trennen. alle saubere spitzen müssen von der wäsche getrennet werden allg. haush.-lex. (1749) 3, 543; in bildhafter übertragung:

die fleck an diesen rock (Christi lehre) geflickt ...
der ketzer schaar unförmlich hat ...
Christus hat solchen menschentand,
lappen von newen tuch getrant
G. Stör geistl. schimpf u. ernst (1602) 5.

weiterhin die naht trennen sie auflösen, die berührungsstelle schneidend unterbrechen Kramer 2 (1702) 1130c; Ludwig 2, 2013; Schrader d.-frz. wb. 2, 1380; Krünitz 187, 491; besonderer gebrauch, etwas eingenähtes heraustrennen: nun hatte ich kein gelt mehr im beütl, wolte derowegen was aus den stempfen trennen Kiechel 204 Haszler.
β) die auflösung eines gewebes wird in erweiterung von α in nhd. zeit auch dann als trennen bezeichnet, wenn sie nicht mit messer oder schere geschieht: der faden kann herausgezogen, -gezupft werden Danneil 225; Dornkaat-K. 3, 426; noch anders ist der vorgang bei gewirkten, gestrickten, gewebten dingen: retexo, detexo (häufiger auftrennen) Schütze 4, 271. bei ketten, schnüren, fäden bedeutet trennen die auflösung der verschlingungen durch aufknoten, auseinanderzupfen: eine ... Penelope, die ihren schleier webt und trennt, trennt und webt Herder 22, 127 Suphan. sehr beliebt in bildlicher verwendung:

höre doch endlich mein liebesgeschrey!
trenne die stricke, zermalme die ketten,
reisz die beschwerlichen fessel entzwey ...
B. Neukirch ged. (1744) 35;

(die vaterhand) selber jedes eheband
zu trennen wie zu knüpfen pfleget
Gottsched ged. (1751) 1, 166;

drum wenn du nun ...
gern dieses handels fäden möchtest trennen,
so thu's, du kannst es ja im augenblicke
Rückert (1867) 1, 293;

die sinnliche anschauung des bildes verblaszt zu immer stärkerer abstraction im sinne von 'auflösen, zunichte machen' (vgl. u. 2 a, sp. 119):

doch kann kein ferngelegen land
noch todes macht das feste band
darinn sie mich verstrickt hat trennen Königsberger dichterkr. 89 ndr.;

[Bd. 22, Sp. 115]


kein besser noch füglicher mittel ... als das band der einigkeit und guten vertrauens zwischen churfürsten und ständen zu trennen v. Chemnitz schwed. krieg 1, 3; im fal sich einiger garstiger neidhammel unter die verträglichen schafe mit einmischen und das band unserer genossenschaft trennen und zerstükken solte Zesen helikon. rosenthal (1669) 31; dasz sie, ihrer lust wegen, die stärksten banden der natur trennten: das können sie nicht verantworten Lessing 2, 291 L.-M. davon löst sich als selbständiger rechtssprachlicher terminus die verbindung die ehe trennen ab (s. u. 2 c α, αα, sp. 125).
d) mit abgeschwächter intensität für die gewaltsame auseinanderfügung, zerreiszung von einheitlichen dingen.
α) das lose element zerreiszen, zerstreuen, vornehmlich dichterisch:

die wolcken trennt seins glantzes glitzen
mit eim groszen hagel und blitzen
H. Sachs 188, 84 lit. ver.;

durch ihrer (der winde) flügel muntres weben
wird schwarzer dämpfe gift getrennt
Drollinger ged. (1745) 10;

das vivat trennt die dicke luft
Stoppe Parnasz (1735) 4;

schluchzen und seufzen trennt
die nachhallende luft
Lenz ged. 20 Weinhold.

ein körper teilt durch vorwärtsbewegung einen nachgiebigen stoff:

wie ein schiff die wellen trennet,
und man keinen weg doch kennet
S. Dach 589 Österley;

strebe, mächtiger kiel, trenne die schäumende fluth
Göthe 1, 269 W.;

schon unanschaulicher:

dasz der geschlagne strand der breiten Donau schäumt
und der bewegte feind die leichten wellen trennet,
der mitten in der fluth von heisser rache brennet
Pietsch geb. schr. 6 Bock.


β) hinsichtlich politisch-geistiger ganzheiten: der papst Paschal ii. hatte Arras von Cambrais getrennt, und dem ersteren einen eigenen bischof gegeben M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. (1778) 2, 326; bei der geschichte jenes denkwürdigen aufruhrs, der die vereinigten Niederlande auf immer von der spanischen krone trennte Schiller 7, 8 Göd.; der zustand der von der hierarchie getrennten landeskirchen erhielt im allgemeinen die bestätigung des reiches Ranke s. werke 4, 219; Paschalis faszte ... den ... gedanken, alles zurückzugeben, was die kaiser der kirche jemals verliehen, sie im grunde ganz von dem staate zu trennen ebda 1, 23.
γ) von concreten einheiten, die gewaltsam zerrissen werden: diese zwey schriftsteller vergleichen den risz, der Sicilien von dem übrigen Italien getrennet hat, mit demjenigen, welcher zwischen Afrika und Spanien erfolget ist Popowitsch untersuch. vom meere 55; vornehmlich dann, wenn die aufspaltung nicht vollständig erfolgt, sondern trotz des teilweisen risses die einheit des ganzen weiter bestehen bleibt:

was seine (des erlösers) seite trennt, durch die ein speer gebrochen,
das waffnet meine faust
Günther (1735) 1018;

minder durfte der orden von diesem gesetze lassen, so lange die litthauische provinz Samaiten sich als trennender keil zwischen Ostpreuszen und Kurland einschob, ja sogar den deutschen küstensaum zerrisz Treitschke hist. u. pol. aufs. 52, 25; anders: die tatsächliche aufspaltung ist zwar vollkommen, die einheit aber in der vorstellung erhalten:

so wie in einem wald, den hundert gänge trennen
die fremden wanderer sich leicht verirren können
Pfeffel poet. vers. (1812 ff.) 1, 105.


δ) ein scheiden von substanzen auf künstlichem wege; chemisch zerlegen (statt des häufigeren scheiden) Krünitz 187, 489; Eberhard-Maasz synonymik (1826) 1, 62; verschiedene metalle auf nassem wege scheiden Scheuchenstuel 207; physikalisch: metalle im hüttenwerk durch

[Bd. 22, Sp. 116]


schmelzen scheiden Krünitz 187, 489; von farben: eine stätige reihe in einander greifender, aus einander gleichsam quellender farben zu trennen, zu zerschneiden, zu zerreiszen Göthe II 2, 62 W.; eine grosze anzahl verschiedener farben ..., die man mit einem spektroskop trennen und einzeln sehen kann Lämmel mod. naturwiss. u. d. kosmos 208; bildlich: es musz etwas geben ... das anrege, das den strahlenbündel (der gesellschaftlichen harmonie) trenne und ihn in farben zerstreue Göthe 45, 134 W.
e) das auseinanderscheiden zweier oder mehrerer selbstständiger, nebeneinander angeordneter oder ineinander verschlungener körper, wobei es gleichgültig bleibt, ob zwischen ihnen eine mehr oder weniger innige berührung statthat oder ob sie im weiteren sinn eine einheit darstellen; auch hier ebbt der gewaltmäszige vorgang bis zum einfachen auseinanderfügen ab.
α) von lebewesen untereinander.
αα) vorerst ein mehr gewaltsames auseinanderschaffen von in loser ansammlung, bzw. gegenüberstellung oder zu festen formationen verbundenen: 'streitende scheiden' Ludwig 2, 2013; sie greifen zu den schwertern. werden durch die herolde getrennt, weil es nacht wird Göthe I 41, 281 W.; trennt sie, sie sind erhitzt Shakespeare 3, 352; offiziere, dazwischen springend, trennten die miteinander ringenden Fontane (1890) 1, 30; blasser:

bisz dasz die finster nacht anbricht
und trennet beeder seyts die spitzen
(διακρινέει μένος ἀνδρῶν)
Spreng Ilias (1610) 20a;

ein unwetter, das die kämpfenden trennte Mommsen röm. gesch.4 2, 175; die kämpfenden brüder trennt Arbate mit der nachricht, dasz Mitridate ... gelandet sei O. Jahn Mozart 1, 278. die wendung die schlacht trennen sie abbrechen, pugnam dirimere Steinbach 2, 421; spartire una battaglia Hulsius (1618) 2, 383a stellt wohl nur ein durch die fremdsprachigen vorbilder veranlasztes papiernes lexikographendeutsch dar. weiterhin in den uneigentlichen gebrauch überleitend 'durch schiedsspruch trennen', dann überhaupt 'streit entscheiden': der richter trennt die parteien von einander Pestalozzi (1901) 9, 479;

dem wünscht ein warmen (kühdreck) ich auff d' flennen
so köndt am geschmack den streit er trennen
Fischart flöhatz 68 ndr.


ββ) als ausdruck der älteren kriegssprache 'die feinde zerstreuen, zersprengen', synonymisch mit er-, zertrennen; bis zum ende des 18. jhs. gebräuchlich, zuletzt aber kaum noch terminologisch. zunächst mit deutlicher anschauung: wann dann ein kriegszvolck schon in die gräben fielle, alszdann künden sie für den creutzhespeln (verhaue) nicht fort oder zusammen, sonder sie werden dardurch gedrennet Fronsperger besatzung (1564) 13b; wurden die Venediger getrennt und in die flucht gejagt Heinr. Kelle chronika (1574) 55a; sie überfallen, getrennet und geschlagen wurden Kirchhof milit. discipl. (1602) 59; sie darauff in kurtzer zeit die gantze flotte getrennet und in unordnung gebracht haben theatrum amoris 414;

doch endlich trennt dein arm die maurendichten glieder
König ged. (1745) 9 Besser;

entblösse stahl und arm! komm! blitze, trenne, stürme,
bis der zerstückte feind, mit vieler leichen thürme,
die rothe siegesbahn den streitenden verschlieszt
J. V. Pietsch geb. schr. (1740) 6 Bock;

einzelne teile des feindesheers voneinandersprengen: die glieder trennen Kramer 2 (1702) 1130c; Ludwig 2, 2013; ein heerläger trennen Hulsius (1618) 249b; die flügel von der ordnung trennen abrumpere cornua a caetera acie Frisius 9a. zuletzt sehr häufig mit abstractem object: die (schlacht-) ordnung trennen auflösen, zerstreuen, aciem perturbare, perrumpere nomencl. lat.-germ. (Hamburg 1634) 538; Zehner nomencl. (1645) 128; Reyher thes. (1668) 3, 309; Stieler 2323; Adelung 4, 1089; auff das sie der Römer ordnung von einander trenneten Xylander Polybius (1574) 19; mit dicht zusammen gehaltener mannschafft dem feind eines zu versetzen, und selbigen seine schlachtordnung zu

[Bd. 22, Sp. 117]


trennen Fleming vollk. dtsch. sold. (1726) 278; die Niederländer brachen mit solchem ungestüm ... in den feind, dasz sie ... die schlachtordnung trennten und das ganze heer in die flucht schlugen Schiller 9, 5 G. häufig ohne diese bildliche vorstellung ganz allgemein 'schlagen, besiegen' (vgl. dazu 2 a ε): und ward das heer Anthony also getrent, dasz sie hilf durch die flucht wider in iere schiff erholten Stainhöwel de claris mulieribus 266 lit. ver.; begibt sichs, dasz ... die feind seinen hauffen mehrertheils getrennet, viel umbbracht und die andern flüchtig zurück getrieben Kirchhof wendunmuth 115 lit. ver.;

du hast ja (starcker got) ... der feinden gantzes heer
zu trennen mich gelehret
Weckherlin 2, 47 lit. ver.;

der liga generale
sind trennt, gflohen nach Halle
Opel-Cohn 30jähr. krieg 288;

worauff ... die reuterey ... des jungen Tyllischen regiments vier compagnien getrennet, ein gut theil davon in flucht niedergemachet v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 51;

die andern (manipeln) trennt die wilde wuth der thiere (kriegselefanten)
Collin Regulus (1802) 37.

schlieszlich erstarrt in der formelhaften wendung trennen und schlagen: die ... solln ein gleichmessigen hauffen reytter mit feustlingen ... trennen und schlagen Reutter v. Speir kriegsordn. (1594) 79; (obriste Wingersky) ward aber vom Rheingraffen bey Plawen unversehens angegriffen, geschlagen und getrennet v. Chemnitz schwed. krieg 1, 127; wenn es sich ... zuträgt, dasz ein flügel ... in furcht und schrecken gesetzt, oder wohl gar getrennet und geschlagen wird Fleming vollk. dtsch. soldat (1726) 260.
γγ) seit frühnhd. zeit in stärkerer abblassung der ursprünglichen bedeutungsschärfe für die leiblich-räumliche trennung von menschen, besonders von liebenden, ehegatten, freunden u. s. w.: der jetzige könig hat sich ... unterstanden, mich von meinem manne zutrennen J. Barth weiberspiegel (1505) h ib;

o schatz zu deim rosnfarben blut
das meine hoch verlangen thut.
soln wir getrent seyn mit den leibn,
musz unser blut beysammen bleibn
Gilhusius gramm. (1597) 79;

o wee des schweren leiden!
wo von den elteren die zarte kinderlein,
ein freundt vom anderen verjagt, getrennt musz sein
Zinkgref auserl. ged. 64 ndr.;

dan es ist gewär, dasz eine trän-befästigte libe der härzen, ih weiter si dem leibe nach von einander getrännet sein, ih fäster verbündet Zesen adriat. Rosemund 12 ndr.; nichts als der tod soll unsere freundschafft scheiden und trennen Schupp schriften (1663) 225;

da mich das wehrte Sachsenland
von meiner schäferin getrannt.
getrannt, doch nur auf kurtze jahre!
Günther ged. (1735) 287;

man hat von meinen treuen kammerfrauen,
von meinen dienern mich getrennt
Schiller 12, 408 Göd.;

nicht menschen macht, nicht kerker, nicht der tod
kann vom geliebten die geliebte trennen
Grillparzer 10, 88 Sauer (Cotta);

was bisher in einem hause, in einer stadt beisammen gewesen war, kam auseinander und wurde oft länderweise getrennt Stifter 2, 169 Sauer; mit verinnerlichter beziehung, räumlich getrennt und dadurch auch schon seelisch etwas entfremdet, vereinsamt:

wir stehn von uns getrannt
und können unsrer selbst noch nicht ergänzung finden
S. Dach 774 Österley;

von aller welt getrennt, vom musenchor geschieden,
bin ich mit einem schein des Helikons zufrieden
Gottsched neueste ged. (1750) 43.

häufig das trennen von menschen durch den tod:

dasz du dein Alcestin verlohren,
da durch ihr beyd getrennet seyd,
dasselb ist mir von hertzen leyd
Wolfh. Spangenberg bei
O. Dähnhardt griech. dramen 1, 123 lit. ver.;

[Bd. 22, Sp. 118]


es kömpt die zeit, da mich und euch
vereingen wird in seinem reich,
der euch und mich getrennet
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 321;

er trennt und bricht:
er raubet, er tödtet; doch sieget er nicht
B. Neukirch ged. (1744) 253;

also trennet der tod zween göttliche gatten
Klopstock oden 1, 44 Muncker;

sprichwörtlich:

nichts ist uff erden weit und breit,
welches der tod nicht trent noch scheid
Eyering proverb. cop. (1601-4) 1, 563.


δδ) von tieren: wölff ... trennen also, wanns müglich ist, den hauffen (pferde) von eynanders und fallen die jungen füllin an Sebiz feldbau (1579) 617; anders: dieselbe (die hasen) theyleten sich plötzlich von einander, damit sie die hunde trenneten und irrschweifig machten Rose eselkönig 285; verblaszt, mit vertauschtem object: eine zeitlang hält die familie noch beisammen, bis sie bald ihre unmäszige freszgier trennt Grimm Reinh. fuchs, vorr. (1834) xxii.
β) von lebewesen in beziehung auf gegenstände, vorstellungen, geistige inhalte u. s. w.:
αα) der miszmuth einer groszen seele, die von allem irdischen getrennt ist Göthe 22, 202 W.; so sehr ich durch ihre abwesenheit auch von allem genusz der bildenden kunst getrennt bin IV 12, 109; ein sinnbild der unschuldigen kindlein, weil diese durch das schwerdt vom leben getrennt Brentano ges. schr. (1852) 5, 223; die guillotine wird uns 'von tisch und bett trennen' Büchner nachgel. schr. (1850) 134;

nichts kann sie von dem holden bilde trennen
A. v. Droste-Hülshoff 2, 228;

gibt ihnen (den schriftstellern) titel und orden; oder mann sperrt sie in den adelshof, nur um sie von der volksstadt zu trennen Börne ges. schr. (1829 ff.) 8, 89. die innere gemeinschaft zwischen gott und dem menschen aufheben:

der eygen will auffhör zu bochen,
der uns begert von gott zu trennen
H. Sachs 1, 356 Keller;

du hast mich, Christe, teur erlost ...
der tod mich auch nicht von dir trennt
Hagius bei
Fischer-Tümpel 3, 2;

kein brennen, hauen stechen
sol trennen mich und dich
P. Gerhardt ebda 3, 388b;

deine mir verhaszte sünden ...
haben dich und mich getrennt
Neumark fortgepfl. mus.-poet. lustw (1657) 1, 88;

alle, die dich jetzt verspeyen,
werden Jesu! Jesu! schreyen;
doch ihr schreyen und bekennen
wird sie nur mehr von dir trennen
B. Neukirch ged. (1744) 66;


ββ) häufig begegnet die wendung leib und seele (geist) trennen: so denn der teufel diese macht hat ... dasz er den geist des menschen ausser seinen leib verzucken kan, solte es ihm nicht viel leichter seyn, leib und seel ohne einige zertheilung ... hinzutragen, als einen vom andern zu trennen und zu theilen ohne des menschen tod? Prätorius Blockes-berges verr. (1668) 233; meist umschreibend für 'sterben'; als handelndes subject erscheint oft der tod selbst:

o mensch, bedencke stets dein end,
der todt doch leib und seele trennt
Joh. Herrmann bei
Fischer-Tümpel 1, 264;

leib und seel voneinander getrennt werden Hartmann fluchspiegel (1672) 28; wenn ein elender die schwache gemeinschafft des leibes und der seele zu trennen lust hat Lohenstein Armin. (1689) 1, 76b;

disz eine (traumbild), wir bekennen,
war mächtig, fast die seel aus dieser brust zu trennen
Gryphius trauerspiele 162 Palm;

man richtet keinen gifft in steinern schüsseln zu.
wo theurer malvasier im roten golde brennet,
da fürchte die gefahr, die leib und seele trennet
Rachel sat. ged. 61 ndr.

[Bd. 22, Sp. 119]



γ) von dingen: welch ein himmelweiter unterschied ist aber von da, bis auf die buchdruckerey, mit getrennten buchstaben? Gottsched anmuth. gelehrsamk. 1, 116; der letzte (der setzer) konte nicht trennen, was der erste (der schriftgieszer) zusammengosz Klopstock gramm. gespr. (1794) 43; bei seiner zurückkunft aber war der fusz so geschwollen, dasz der stiefel vom bein getrennt werden muszte Grimm dtsche sagen (1891) 1, 205;

wenn die grabesurne bricht,
läszt sie doch der epheu nicht ...
denn getrennet musz er sterben!
Brentano (1852 ff.) 2, 190;

so höb ich eine kunde an, von der
das kleinste wort die seele dir zermalmte,
die die verworrnen krausen locken trennte
und sträubte jedes einzle haar empor Shakespeare 3, 177;

die geschichtserzählung, wie wir sie sorgfältig von allen einschiebseln getrennt haben Göthe 1, 176 W.; als Peregrino ... die gaben nach dem alter jedes kindes geschickt getrennt und geordnet ... hatte E. Th. A. Hoffmann 12, 18 Grisebach; nie wird die kohlensäure die trennende kraft einer anderen anziehung anerkennen Lotze mikrokosmus 1, 23; überall sind die bibliographischen quellen von dem text getrennt A. v. Humboldt kosmos 1, xiii; heftige winde trennten unterwegs die beiden fahrzeuge Spiesz preusz. exped. (1864) 1, 86; noch sinnlich: unter dem getöse der wagenketten, der hunde und hähne, trennte er sein sanftes herz von lauter liebenden augen Jean Paul Hesp. (1841) 1, 175; es ist schwer, den blick von dem lieben angesichte zu trennen Brentano (1852) 5, 221. bildlich in dem sinne wie 'gutes von schlechtem sondern': diese importante ... mühe wäre nicht ungeräumt, wenn ein geschickter und unpassionierter componist sich über die composition machte, die spreu von dem stroh trennete Heinichen generalbasz (1728) 89. den übergang zum uneigentlichen gebrauch stellt es dar, wenn der räumlichen absonderung der verlust oder der wechsel eines inneren zusammenhangs entspricht:

herr: dämpfe mir den trieb, der für Banisen brennt,
nicht eher wird die furcht aus deiner brust getrennt
Gottsched deutsche schaubühne 4, 422;

wir haben längst das nichts von menschenwitz erkennt,
das herz von eitelkeit, den sinn von tand getrennt
Haller ged. (1750) 48;

in ihrem lebendigen zusammenhange ... sind sie (die töne der empfindung) rührend und gnugsam; aber von allen getrennt, herausgeriszen, ihres lebens beraubt, freilich nichts als ziffern Herder 5, 8 Suphan; er fing nun an, nach seinem plane auszuheben und einzuschieben, zu trennen und zu verbinden (bühnenbearbeitung des Hamlet) Göthe 22, 163 W. weitere entwicklung s. unter 2. ungewöhnlich: geschweige dasz ich jetzt ein silbernen tischbecher verkauffen und das gantze dutzet dardurch trennen und schänden solte Grimmelshausen 3, 336 Keller; vereinzelter passivischer gebrauch statt des gewöhnlicheren reflexivischen (vgl. DWB B, sp. 128): wie grosz und schiffreich er (der Euphrat) vorher gewessen sey, so werd er doch darnach in weite pfütschen getrennet H. Schedel buch d. chron. (1493) 8a.
2) leibliche trennung wird in reicher anwendung aufs uneigentliche übertragen, als scheidung im geistigen, seelischen bezirk, sodann auf dem gebiet der verschiedenen sociologischen und religiösen menschlichen gebilde. dabei ist die ursprüngliche sinnhaltigkeit des begriffs bereits so weit abgeblaszt, dasz die körperliche scheidung nicht durch physische gewalt, sondern durch nötigungen und anlässe höherer art (absichten, wünsche, ereignisse, willensakte u. s. f.) bewirkt wird.
a) in der älteren sprache hat sich ein groszer gebrauchsumkreis gebildet, in dem trennen 'aufheben, auflösen, entfremden, vernichten, zunichte machen' bedeutet. und zwar tritt dieser gebrauch schon im mhd. voll ausgebildet hervor, im simplex wie in den compositis, auch reflexiv, vgl. Osw. v. Wolkenstein 84, 39 Schatz; 90, 48; 111, 56; 8, 21; Walter v. d. Vogelweide 30, 32 Lachm.; Suchenwirt 113a

[Bd. 22, Sp. 120]


Prim.; Hadamar 9 Schmeller; Ezzos ges. 323, 17 Diemer; H. v. Trimberg v. 17115; 18697 Ehrism., verbreitert sich im frühnhd., erreicht um die wende vom 17. zum 18. jh. die gröszte ausdehnung, um dann verhältnismäszig schnell zu schwinden. heut gelten bis auf wenige formale, stehende wendungen zumeist die oben angeführten umschreibungen. die composita en- und zertrennen begleiten diesen gebrauch völlig synonymisch.
α) 'auflösen, zum auseinandergehen bringen'. der sinnliche ursprung läszt sich am ehesten wohl von dort erkennen und herleiten, wo das abstracte object ein (inneres oder äuszeres) beisammensein von menschen anzeigt: das trennen z. b. einer versammlung trägt die sinnliche vorstellung von der trennung der versammelten in sich; erst später erstarrte das wort im formal-terminologischen sinn: 'die versammlung aufheben':

in dem gezänk sie stuenden auff,
da war getrennt der Griechen hauff
Spreng Ilias (1610) 7b;

trennten den rathskreis (λῦσαν δ' ἀγορὴν) Bürger 189 Bohtz; das parlament ist getrennt (dissolved), und es wird ietzt ein neues ausgeschrieben Ludwig 2, 2013; sie muste ihr aber gefallen lassen, damit durch ihren abschied die gesellschaft nicht getrennt würde, bis zu anbrechendem morgen mit auszuhalten A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 2, 576;

bald wird ein kreis gemacht, bald wiederum getrannt,
bald gehn die tänzer rechts, bald auf der linken hand
Gleim sämtl. schr. (1798 ff.) 2, 359;

mein zweck ist erreicht, diese zusammenkunft zu trennen Athenäum 1, 69; auch militärisch, 'aus der ordnung treten': machten den anschlag, sie wolten als ob der turnier end het, die schwert gewinnen, so wurden die andern ir ordnung trennen Wilw. v. Schaumburg 54 lit. ver.; soldaten trennen, dimittere milites (sie entlassen) Haym allg. jur. lex. (1738) 1230.
β) 'vereinzeln, isolieren':

aber griffen (die wölfe) erst nur einen (ochsen) an,
die andern blieben stille stan ...
so meinten sie uns auch zu trennen
Opel-Cohn dreiszigj. krieg 25;

die monarchie läszt zuweilen die bande nach, mit denen sie jeden besonderen stand an sich zieht. nun scheinen die stände gleichsam getrennt Th. Abbt 2, 16 Nicolai; durch hasz werden die dinge getrennt, und jedes einzelne bleibt, was es ist; durch liebe werden sie verbunden Herder 15, 305 Suphan; die bande des lebens vereinigen die geister. nur der schmerz trennt und vereinzelt Schlegel pros. jugendschr. 1, 12 Minor; oft ist man beieinander — und doch getrennt Gentz schriften 1, 42 Schlesier; dabei bedeutet die körperliche oder seelische vereinzelung oft auch zugleich eine seelische oder geistige entfremdung:

aber wohin der mensch auf kühnem pfade sich wagte ...
fand er götter verehrt, und völker betend. zwar trennen
einfalt und irrthum die menschen, und schaffen selber sich götzen
aber sie alle, sie knien vor einem gefürchteten gotte ...
Giseke poet. werke (1767) 33;

welches eben der haubtfehler des lehnsystems war, indem ... der fürst vom staate getrennt wurde M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. (1778) 1, 41; ihr sucht ... den herrscher von der nation zu trennen E. M. Arndt s. w. (1892 f.) 1, 198; das gesellschaftliche leben hat die menschen also getrennt und stellt ihnen wahrheit und recht in der hülle der eigenheiten ihres standes so ungleich ... dar, dasz sie im allgemeinen unfähig sind, wahrheit und recht ... zu erkennen Pestalozzi (1901) 9, 271.
γ) der nachdruck liegt ganz auf der componente des seelisch sich auseinanderentwickelns, 'entfremden, seelisch auseinanderbringen'. in häufiger anwendung von liebenden, gatten, freunden: also pflegen sich auch zuzeiten zwischen klein füge unwillen ... zuerhalten, welche ... sie beide mehr von einander trennen und jeden den lust, welchen sie billich in jrer zuwonung beisammen haben solten, verlaiden Fischart 3, 145 Hauffen; die strafe der verführung

[Bd. 22, Sp. 121]


einer verehlichten frau war ... die schwerste, weil sie die heiligsten bande der gesellschaft zerreiszt, und diejenigen trennt, deren verbindung die innigste ... ist v. Haller Alfred 50; man knüpfe personen, die schon am hochzeittage getrennt ..., so wird eine nerve des gefühls getödtet Herder 3, 32 Suphan; wir nannten uns einstens brüder, lebten in freundschaft und liebe. ein böser geist trennte uns Klinger bei Sauer stürmer u. dränger 1, 123; sprichwörtlich: was sich treu und standhafft nennet, wird durchaus durch nichts getrennet G. Treuer dtsch. Dädalus (1675) 1, 188; mit anderer beziehung: so ist also unser ganzes einheimisches recht ein endloser wust einander widerstreitender, vernichtender, buntschäkiger bestimmungen, ganz dazu geartet, die Deutschen von einander zu trennen Thibaut notwendigk. eines allg. bürg. rechts (1814) 413.
δ) die innere entfremdung führt zum äuszerlich sichtbaren gegensatz, 'uneins machen, spalten, entzweien'.
αα) allgemein; trennen distrahere aliquem ab altero Frisius 433a; animos aliorum dissociare Aler 2, 1916; morum & studiorum dissimilitudo dissociat amicitias Faber thes. erud. (1587) 769a; selten zusprechen trennet (διέλυσεν) manche freundschafft ders. 275b; er hat die gantze freundschaft getrennt omnes animos consanguineorum dissociavit Steinbach dtsch. wb. (1734) 2, 839: gemeinschafft, gesellschaft, verbuntnisz oder fruntschafft sye zeern und nicht zetrennen Riederer spiegel d. wahr. rhet. (1493) f 5b;

ach da (in der hölle) ist alles umbgewandt,
darzu die freundtschafft gar getrant
B. Ringwaldt christl. warn. (1588) e 8b;

wie ist die freundschafft durch den neulich angetrettenen ehestand getrennet Harsdörffer d. teutsche secret. 1, B b 5b; die beste ... freunde, die weder durch noth noch tod, weder in leib noch lebens gefahr hätten mögen getrennet werden, die hat offt ein glasz mit wein bisz auffs morden an einander bracht Moscherosch insomnis cura parent. 61 ndr.; das mein und dein ... trennet auch die mit blutfreundschafft verbundenen Buschky Pathm. 79; doch alle seine angestiffteten boszheiten waren nicht vermögend, unsere freundschafft zu trennen Schnabel insel Felsenburg 43, 19 Ullrich; iene feindschaft, die uns lebend, leider! trante, verschliesze nun ganz das grab A. G. Meiszner Alcibiades (1781) 4, 22;

ei der verfluchte kerkermeister
der wollt' uns zwingherrn wein und wort,
und trennen alle guten geister!
Hoffmann von Fallersleben ges. schr. (1890) 3, 40;

aufs innerliche, gemütsmäszige übertragen, 'innerlich zerrissen; zwiespältig':

der erste in der welt nur sein zerrbild kennt,
der zweite bekriegt sich, denn er ist getrennt
Fr. Werfel spiegelmensch 21.


ββ) insbesondere von der auflösung und zerstörung fester politischer gemeinschaften oder verbindungen: das er sy mit seiner fürstlichen macht und pillichen oberigkait gegen in hanthabet und in (ihnen) den pock (eine adelsverbindung) trennet und seinen vettern hertzog Ludbig zu hilff nam Füetrer bair. chron. 224 Spiller;

durch der ständ verklainerung
zu trennen der ständ ainigung
Fischart glückh. schiff 52 ndr.;

biszweilen drennt die forcht, was einmal ist verglichen,
biszweilen macht das gelt durch bündnusz einen strichen
Zinkgref auserl. ged. 31 ndr.;

sein hochschädliches intent, welches vornemlich dahin, umb die Evangelische zutrennen, gerichtet Chemnitz schwed. krieg 2, 233; die gesetze wollen, dasz die einigkeit und einträchtigkeit der bürger unverletzlich sei und wer dieselbige trenne, soll schwer bestraft werden Lehmann flor. pol. (1662) 4, 151; wann bundsgenossen anfangen, die gefahr zu fürchten und den kosten inzuhalten, sind sie leicht zu trennen ebda 1, 128; im sinne von abtrünnig, abwendig machen: welche intention desto leichter zuerhalten, der keyser teutsche churfürsten und stände des reichs ... von der cron Schweden zutrennen gesuchet

[Bd. 22, Sp. 122]


Chemnitz schwed. krieg 2, 5; und meintend damit die säxischen fürsten, so Philippo anhangetend, von ime ze trennen Tschudi chron. helvet. 1, 99; es ist keine frage, dasz Preuszen nur so geneigt war ... dienstlich zu sein, weil man Kursachsen von dem kaiser zu trennen hoffte Göthe IV 11, 198 W.; mit dem blick auf das ganze 'in sich uneinigmachen':

trennt bündnis und löszt auf die aid
Fischart 1, 421 Hauffen;

gehorsam ist im kriegesheer
fürwar die allersterckste wehr.
der ungehorsam aber trent
ein wohlbesteltes regiment
Moscherosch gesichte Phil. v. Sitt. (1650) 2, 786;

was machts? dort warst du (Deutschland) fest verbunden,
hier trennt dich stolz und eigennutz
Gottsched ged. (1751) 1, 8;

immer abgeblaszter: den hof, den staat trennen Schrader dtsch.-frz. wb. (1784) 2, 1380; folgt also ... dasz man kein foedus eingehen solle, so vielen reichsfürsten zuwider, und sie zu einer gegen-allianz verursachen könnte: denn dadurch das reich hauptsächlich getrennet und manche ... einem andern zugejagt werden dürften Leibniz dtsche schr. (1838), 1, 167;

ungleich gebräuch
trennen ein reich
Erlach d. volksl. d. Deutschen 1, 42;

demuth erhelt fried, hochmuth macht zorn und hader und trennet einigkeit Petri d. Teutschen weish. (1604-05) 2, n id.
γγ) auf religiösem gebiet: confessionell spalten (vgl. DWB B 3 b β): sehet zu, yhr klugling, rotten, sectenprediger, qui trennet die christenheit Luther 34, 1, 156 W.;

ir hertz nicht eines sinnes ist,
yn gottis wort gegründet:
der welet dys, der ander das,
sye trennen uns on alle mas
Wackernagel dtsch. kirchenlied 3, 6;

vil andere ... die kirch trenten und mercklich unrat anrichtetten Casp. Hedio chron. germ. (1530) 4a; wie es dahin zu bringen, dasz ihr in hertzlicher gemeinschafft leben, und das unglückselige trennen untereinander vermeiden könnet. darauf antworten wir mit dem seligen Spener, dasz ihr in der kirche ein kirchlein errichten möchtet Zinzendorf büdingische samml. (1742) 1, 383; auf den glauben bezüglich, ihn variieren, verschieden gestalten:

da ein glaub nur ist gewisz,
das erst denselben trennen soll
das ort und zeit, das laut nicht wol
Fischart 1, 21 Kurz.


ε) durch auseinanderteilen zerstückeln und damit zu grunde richten, zerstören, vernichten: ward das reich schon in vil fürstenthumb trent und theylet S. Franck chron. Germ. (1538) 85a; zo der zit wart dat römsche rich sere gedrent ind geslissen: nu van den Gothen, nu van den Hunen chron. d. dtsch. städte (Cöln) 13, 353;

wie Corah, Dathan, Abiron
mit all jhren vorwanten ...
die gottes ordnung tranten
Kehrein kathol. kirchenl. 2, 363;

es ist ja hohe zeit, o got, das deine hand
verhindre deine feind: dein wort und volk zu trennen
(= ps. 119, 126 διεσκέδασαν τὸν νόμον σου, dissipaverunt
legem tuam, Luther: zurissen)
Weckherlin ged. 1, 385 lit. ver.;

man thut sein einfach wesen dar,
das keine fäulnisz trennt, kein moder kann verderben
Gottsched ged. (1751) 169.


geradezu schon 'überwinden, besiegen' in überschneidung mit 1 e α ββ (sp. 116):

(sonne) deren liebbegläntzter strahl
trennet alle nacht und qual
Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 5, 353a;

der berg Aetna, durch sein ... krachen ..., mag sie nicht bewegen, noch unsere liebe trennen Creizenach schausp. d. engl. com. 213;

[Bd. 22, Sp. 123]


meine wort die threnen trennen
Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 5, 53;

die wahrheit trennt zwar dunst und schatten,
so uns der irrthum umgethan
Gottsched ged. (1751) 1, 148;

wer will den schlusz des höchsten trennen?
B. Neukirch ged. (1744) 9;

im geistigen bereich 'zu nichte machen': (christliche männer)

die solche irrthumb können trennen
und geben die warheit zu kennen
H. Sachs 15, 527 lit. ver.;

ob nun wohl der gemeine mann auf den apotheker sehr schnarchte ... und ihm gern auf den hals wären gewesen, habe ich doch ihre rathschläge getrennet v. Schweinichen denkwürdigkeiten 555 Österley.
b) begriffliche, gedankliche sonderung; diese verwendungsweise gewinnt in der jüngsten zeit immer breiteren raum.
α) theoretisch sondern, unterscheiden; nur im frühnhd. in einem wohl aus der scholastik stammenden terminus: trennt und sondert die götliche natur von der menschlichen Luther 20, 345 W.; 344 und öfter; so fiengen etliche an die beiden naturen inn Christo zu trennen Mathesius Sarepta (1571) 68b;

welchs sonderlich bedencken solln
die sein naturen trennen wolln
Ringwaldt d. lauter warheit (1597) v. 182.


β) der auch heute noch übliche gebrauch im sinne eines theoretisch ordnenden sonderns oder unterscheidens innerhalb der begriffswelt (also ein mehr analytischer vorgang) entwickelte sich erst im lauf des 18. jhs., vielleicht unter dem einflusz der aufklärungsphilosophie: dasz man sich den unterscheid der begriffe, die entweder getrennet oder verknüpfet werden ... ordentlich vorstellet Chr. Wolff vernünft. gedanken v. gott (1720) 156; wer wird die allgemeine vorsicht ... von der besondern trennen Kästner verm. schr. 1 (1755) 9; gegenstände, die unsere sinne rühren und theils von selbst vorstellungen bewirken, theils unsere verstandesthätigkeit in bewegung bringen, diese zu vergleichen, sie zu verknüpfen oder zu trennen Kant 3, 27 ak. ausg.; hat man uns nun unglückseliger weise gewöhnt, diese beyden arten der erkenntnisz zu trennen Lessing 8, 24 Lachmann; in menschlichen seelen war ihm (Sokrates) das gerechte, schöne und gute eins; er tadelte, als sophistenkunst, wenn man sie trennte Herder 22, 93 Suphan; auch im analysieren gewann ich etwas mehr fertigkeit, doch ohne bedeutenden erfolg; trennen und zählen lag nicht in meiner natur Göthe II 6, 107 W.; wenn sie (philosophie) sich vorzüglich aufs trennen legt, so kann ich mit ihr nicht zurechte kommen IV 15, 280; so hoch die vernunft auch stieg, so zog sie doch immer die materie liebend nach, und so fein und scharf sie auch trennte, so verstümmelte sie doch nie Schiller 10, 288 Göd.; aber diese welt, wie sie durch trennen und verbinden, durch sondern und ordnen, durch begriffebilden entstand F. H. Jacobi werke (1812) 3, 416; wir müssen für uns zweierlei in diesem urtheil trennen Fr. Schlegel s. w. (1846) 1, 50; Tarent sezte er (Antiochus) ausserhalb Italiens in Japygien: eben so trennt Thukydides ... Japygien und Italien Niebuhr röm. gesch. (1828) 1, 27; ländliche einfalt und feine hofkünste fanden sich so artig in einander verwebt, dasz man sie nicht trennen konnte S. v. Laroche gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 1, 259; weder kann in einem wirklichen kunstwerke form und gehalt absolut getrennt werden O. Jahn Mozart 4, 143; ob das menschengeschlecht von den affen durch den rang einer ordnung oder nur durch den einer unterordnung getrennt werden solle Peschel völkerkunde (1874) 1; bisher haben wir die stimmlosen geräuschlaute von den stimmhaften getrennt Th. Siebs dtsche bühnenausspr.10 (1912) 12;

von langer klagerede unbethört
weisz klug Veren von wahrheit trug zu trennen
A. v. Droste-Hülshoff (1879) 2, 256.

[Bd. 22, Sp. 124]


etwas anders: ein begriff wird von einer umfassenden gedanklichen einheit abgelöst: wenn man das kleine, das komische der materie von der einkleidung trennet Dusch verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 15; denn auszer logik, mathematik und naturlehre, wer wollte diesen goldnen zweig von der weltweisheit trennen Schubart leben u. gesinn. 1, 46; religion (ich trenne hier ihre politische seite von ihrer göttlichen) Schiller 3, 514 G. in fester verbindung mit der negation zum ausdruck der unlöslichen einheit zweier an sich nicht notwendig verbundener begriffe:

wer Gottscheds art nicht kennt, der musz ihn gar nicht kennen:
von seinem kiel ist nie die fruchtbarkeit zu trennen
Rost verm. ged. (1769) 33;

dieser (reife) beobachter wird den menschen nie von dem beobachter trennen Lavater physiogn. fragm. (1775ff.) 1, 42; wer beide (den menschen und den autor) in sich nie getrennt hat, weisz solche erinnerungen zu schätzen Göthe IV 8, 365 W.; er konnte von der person des staatssekretärs den gedanken nicht trennen Justi Winckelmann 2, 1, 113; anders: da ich mir zur festen regel gemacht habe, das politische von dem persönlichen zu trennen Bismarck ged. u. erinn. 2, 44 volksausg.
γ) zur bezeichnung einer erst im handeln sichtbaren unterscheidung: demnach haben wir dreyerley handlungen umb unser selbst willen vorzunehmen ... (diese) pflichten gegen uns selbst können nicht getrennt werden, sondern müssen beyeinander bleiben Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 141; die natur war allzuweise, als dasz sie diese beyden stücke (kunsterkenntnis und kunstgenusz) hätte trennen sollen Ramler einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 58; dichter und priester waren im anfang eins, und nur spätere zeiten haben sie getrennt Novalis schr. 2, 126 Minor; wir lernen mit vieler mühe, sie (die sinne) im gebrauche trennen — in einem gewissen grunde aber würken sie noch immer zusammen Herder 5, 62 Suphan; kräfte und übungen, die wir nur zu oft trennen und vereinzeln Fr. Schlegel s. w. (1846) 1, 6;

warum wird tag für tag geschütz gegossen,
und in der ferne kriegsgeräth gekauft?
warum gepreszt für werfte, wo das volk
den sonntag nicht vom sauren werktag trennt Shakespeare 3, 144;

den staatsformen, welche zwischen oberhaupt und ständen competenzen um die höchste gewalt hervorrufen, hängt es als ein fast unvermeidlicher mangel an, dasz dann auch das oberhaupt sein persönliches interesse von dem der gesamtheit trennt Ranke s. w. (1867-81) 1, 237; die liebesgemeinschaft von ihrer schöpferischen folge (dem kinde) künstlich trennen, heiszt ihr edelstes und tiefstes vernichten jungnat. stimmen, Berlin (1930) 155.
δ) in einigen selteneren anwendungen bedeutet trennen bei bewahrung eines gewissen zusammenhangs ein sich darüber erheben, innerlich loslösen, objectivieren: indem man nun einem andern die hand gibt ... so wird dadurch die idee der körperlichkeit lebhafter, als sie es bei der betrachtung unseres eigenen körpers wird, den wir nicht so von den gedanken, womit wir ihn uns vorstellen, trennen können, und ihn also über diese gedanken vergessen K. Ph. Moritz A. Reiser (1786) 3, 95; ich habe dich so oft gebeten, du solltest deine empfindungen und phantasien mehr von dir trennen, ... sie zur poesie erheben Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 448; der meister, an besonnenheit Haydn und Mozart ganz an die seite zu stellen, trennt sein ich von dem innern reich der töne und gebietet darüber als unumschränkter herr E. Th. A. Hoffmann 1, 39 Grisebach.
c) fachsprachliche sonderbedeutungen. sie haben sich sämtlich, noch deutlich spürbar, als specialisierungen von ursprünglich concreten gebrauchsweisen losgelöst und durch ihre häufige, schlieszlich terminologische verwendung die frühere sinnhaltigkeit verloren.

[Bd. 22, Sp. 125]



α) in der rechtssprache.
αα) die ehe trennen. ursprünglich als voll sinnhaltiges bild: das band der ehe, das die gatten miteinander verbindet, durchschneiden (vgl. 1 c α); dabei läszt sich in älterer zeit nicht immer entscheiden, ob noch gesehenes bild oder schon terminologischer gebrauch vorliegt: das die priesterlich ehe also ein starcke band sey, das es nit mag getrent oder gebrochen werden J. Frey gartenges. 132 Bolte; statt heute üblichem scheiden: trennen ehe auflösen, ungültig erklären repudiare Dasypod dict. (1535) z 2a; Er. Alberus nov. dict. gen. (1540) i jb; Ludwig 2, 2013; Adelung 4, 1089; als ob durch auszlassung oder verfehlung eines worts ein ehe köndte auffgelöst oder getrennet werden L. Sandrub delit. hist. et poet. 10 ndr.; nach den rechten und billigkeit musz die ehe getrennet werden Lehmann floril. polit. 2, 627; noch heute mundartlich: sie sin gedrennt vun enander ihre ehe ist geschieden Martin-Lienhart 2, 759; heute mehr lösen, auflösen: diese aus staatsabsichten getroffene heirath liesz er hernach ... wieder trennen M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. (1778) 3, 81; wenn der papst sich ... entschlosz, seine ehe mit Margarethe von Valois zu trennen ... Ranke s. w. 9, 45; von der frau ... ist er (Brentano) zwar nicht getrennt, er wird sie aber niemals wieder nehmen, und sie wird nach Frankfurt zu ihren eltern gehn J. u. W. Grimm briefwechsel (1881) 146. das trennen in der ehe wird im sprachgebrauch oft als bloszes gesondert leben der gatten bei sonst gültiger ehe aufgefaszt, so auch heute durchaus: Fischer schwäb. wb. 2, 367; Krünitz 187, 489; im herbst wurden die eheleute getrennt, da sie nicht geschieden werden konnten Auerbach bei Sanders 3, 1368. anders: ehe trennen amorem conjugalem dissolvere Stieler 2323; durch den tod: wann ein ee durch todt getränt wirt, soll das ander innerhalb .x. wochen wider zu der ee gryffen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 113 ndr.;

die ehe heisst für sich und hinter sich die ehe,
dieweil sie niemand trennt, als nur das bittre wehe
Logau sinnged. 161 lit. ver.;

wir empfinden nunmehro doppelt stark das vergnügen unserer unauflöslichen verbindung, welche nur der tod trennen soll Gottschedin briefe 1, 159 v. Runkel; du weiszt wohl noch nicht, Sophie, dasz ein unglücklicher zufall deine heirath getrennt hat? ... herr von Lormeuil ist todt Schiller 14, 141 G. sprichwörtlich: der todt mit wehe trent manche ehe Petri d. Teutschen weiszh. 2, p iib; was gott verbunden hat, soll der mensch nicht trennen Mark. 10, 9. vgl. auch ein verlöbnisz trennen Zedler 47, 1128; 61, 1729.
ββ) im rein juristischen sinn: societät, handelsgesellschaft trennen auflösen Zedler 38, 177; 218, fabrik-, manufaktur-, handelsverbindung Krünitz 187, 487, -compagnie Ludwig 2, 2013; wohl auch aus der sinnlichen sphäre (das dokument der rechtshandlung zerreiszen) aufgestiegen sind juristische ausdrücke in der bedeutung 'null und nichtig erklären, rückgängig machen', annihilare, vgl. ahd. intranteru rescisso (contractu) ahd. gl. 2, 99, 26; einen kauf, vergleich, handel trennen Zedler 61, 1729.
β) in der sprache der handwerker.
'sägen' (vgl. 1 b): ausdruck der zimmerleute, schiffbauer, meist für 'holz entlang der faserung, der länge nach zersägen' Schrader d.-frz. wb. 2, 1380; Kinderling reinigkeit (1795) 430; Campe 4, 876; Krünitz ökon. encykl. 187, 491; Mothes baulex. 4, 367; C. Schumann Lübeck 43; Sasz spr. d. nd. zimmerm. 14.
'schlagen'; im bergwerk: das erzhältige vom tauben gestein mittels eines hammers scheiden Krünitz 187, 489; Scheuchenstuel 13; 206; in der glasfabrikation: die angeschnittenen glasstücke durch hammerschlag theilen Karmarsch-Heeren 4, 41.
fachausdruck in der weberei: das garn, ehe es aufgezogen wird, abtheilend auseinanderordnen u. ä. Schütze holst. id. 4, 279; Campe 4, 876; brem.-nieders. wb. 6, 376; synonymisch mit scheren gebraucht ebda 4, 643, s. ferner teil 8, 2578; dazu die comp. trennraam, trennlade brem.-nieders. wb. 6, 375.

[Bd. 22, Sp. 126]



γ) in wissenschaftlicher terminologie.
im gebiete der grammatik, rechtschreibung: wie bey den Frantzosen, welche gantze consonantes wegwerffen, versetzen, von einander trennen, neue hineinschieben Morhof unterr. v. d. dtsch. spr. 1, 111 f.; wie hätten die dichter (die vocale in den diphthongen) trennen dürfen, was so, wie durch eure aussprache, vereinigt war? Athenäum 1, 16; speciell 'in zwei worten schreiben':

was junge-frau und dann was jungfrau, wird erkant,
dasz dieses wort ist gantz, und jenes ist getrant
Logau sinnged. 28 lit. ver.;

anstatt ist indessen nicht so zusammen gesetzt, dasz es nicht oft sollte getrennet werden Adelung umst. lehrgeb. 2, 118, oder 'ein wort bei zeilenbruch abteilen': da, wo kurze selbstlauter vorhergehen, und man also die doppelten mitlauter trennet: als las-sen, tref-fen Gottsched dtsche sprachkunst 46. in beiden gebrauchsweisen bis heute üblich. in der poetik: satyren, deren ... andres buch in getrennten reimen bestehet J. Chr. Günther 369; wer solche reime trennt, scheidet eine ehe Hippel lebensläufe 1, 44. in der mathematik; Bürja gröszenlehre (1799) 20 schlägt es in puristischer absicht für subtrahieren vor, von Campe 4, 876 abgelehnt; ferner ist noch vorauszuschicken, dasz zahlen ... auf zwei weisen hervorgebracht werden können, entweder durch zusammenfassen oder durch trennen bereits zusammengefaszter Hegel werke 3, 237.
3) durativ. dieser gebrauch ist der älteren sprache fast unbekannt und wird erst seit der mitte des 18. jhs. häufiger; heute ist er durchaus üblich. grammatisch liegt bei ihm eine art subjectsvertauschung vor; vgl. Paul dtsche gr. 3, 31.
a) im sinnlichen bereich.
α) räumlich.
für gewöhnlich ist das subject ein concretum ausgedehnter art:

so manche grosze see, so manches langes land,
hat disz und jenes feldt durch diesen weg getrant
Fleming 1, 183 Lappenberg;

es trennt uns kaum das dritte hausz
und deine treu ist schändlich ausz
Stieler geharnschte Venus 39 ndr.;

ich bin dir nah, nur eine dünne mauer
trennt mich von dir
Körner w. 2, 50 Hempel;

sie schob leise den riegel vor die thür, die das zimmer von der wohnstube trennte Storm w. (1899) 1, 242; dieser ... lehnt die stirn an ... die dünne glaswand, die ihn von dem drüben trennte Raabe Horacker (1876) 7. häufig bei geographischen begriffen:

jenen berg ...
der Schlesien und Böhmen trennt
Stoppe Parnasz (1735) 9;

(die sonne) kömmt zu völkern, welche das meer von uns,
von uns die kette steller gebirge trennt
Denis lieder Sineds (1772) 148;

dich zu beruhigen, durchkreuzt ich schon
die beyden meere, die der Isthmus trennt
Schiller 15, 1, 17 Göd.;

die erhöhungen ... pflegt man hügel und berge, die sie trennenden vertiefungen thäler zu nennen Ritter erdkunde (1822) 1, 64; den wald, der Meesendorf von Golau trennt Holtei vierzig jahre (1843) 1, 28; wirklich trennte die Donau eine lange reihe von jahren die civilisierten und barbarischen völker Moltke ges. schr. u. denkwürd. (1892) 1, 131; ein kleiner blumiger graben trennt weg und feld G. Hauptmann Rose Bernd (1904) 9. bildlich:

(kaiser Josef II.), der die wand,
die uns von unsern brüdern trennte,
zerrisz, und menschen — menschenrechte gönnte
Blumauer ged. (1782) 110;

die menschen- und thierwelt als zwei gesonderte reiche ... über deren trennende kluft ... keine brücke führen könne D. Fr. Strausz schr. 6, 136; freier: keineswegs in der absicht, einen so classischen schriftsteller zu tadeln, als ihm vielmehr ... über die geringe klufft hinüberzuhelfen, die seine wercke bis jetzt von der vollkommenheit

[Bd. 22, Sp. 127]


und seinen nahmen von der unsterblichkeit trennt Lichtenberg nachl. (1899) 100; von diesen (fremden dichtungen) trennt ihn die scheidewand der sprachverschiedenheit D. Fr. Strausz schr. 6, 201. allgemein und abstract:

o wäre nur graf Franz schon hier,
den weg und reise von uns trennen
Stoppe Parnasz (1735) 9;

kaum tausend schritte sinds, die unsre wohnung trennen Lessing 1, 19 Lachm.; (der freundschaft) mittragen erleichtert die schwere last, die auf unsern schultern ruhte — aber in dem raum, der uns trennt, verweht der heilende balsam Caroline 1, 27 Waitz; wenn die welträume, welche die gestirne von einander trennen, nicht leer, sondern mit irgendeiner materie gefüllt sind A. v. Humboldt kosmos (1845ff.) 3, 42; bildlich: es trennt vom todtenkreutz mich nur ein spannen raum Matthisson schr. (1825) 1, 14;

den jubelsaal trennt ein kärglicher raum
nur von dem verstummenden grabe
E. M. Arndt 3, 19 Rösch;

ins uneigentliche übertragen: der abstand, der uns noch von dem anfang einer einsicht trennt, wie die weltformel sie gewähren würde du Bois-Reymond in tagebl. d. 45. vers. dtsch. naturforsch. (1872) 85.
β) zeitlich: Philipp der zweite ist staub. zwei jahrhunderte trennen ihn von uns Schiller 4, 88 G.; überliefert, dasz die massenhafte hellenische einwanderung in Unteritalien und Sizilien von der niederlassung auf Kyme durch einen beträchtlichen zwischenraum getrennt war Mommsen röm. gesch. (1923) 129; der oberstleutnant zählte einem ... die tage und stunden vor, die ihn noch vom wiedersehen mit seiner Lene trennten Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 180; die köstlich einförmigen tage waren getrennt durch kurze nächte voll glücklicher unruhe Th. Mann tod in Venedig (1913) 95; allgemeiner als zeitspanne:

so, ihr lieben musen, betrogt ihr wieder die länge
dieser weile, die mich von der geliebten getrennt
Göthe 1, 254 W.;

eh die schauer langer dauer
mich im grabe trennen von der süszen!
Rückert (1867) 3, 82.

hierher gehören auch die verschiedenen anwendungen des participialen adjectivs, vgl. teil 4, 4496.
b) ins uneigentliche übertragen, als innerliches geschieden sein:

wenn Pharisäer, und Sadducäer, wenn diese nahmen
ewig euch trennen, wie werdet ihr da den propheten vertilgen?
Klopstock Messias (1780) 98;

vom vater trennt den herrn ein einzger unterscheid;
wie jenen die natur, giebt diesen uns der eid
J. El. Schlegel (1761) 4, 129;

thorheit vereinigt oft die, welche durch gesinnungen getrennet waren Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 370;

was den könig
vom bettler trennt, ist menschenfügung
Schiller 5, 46 G.;

was mich aber eine welt weit von Heine trennt, ist seine vergötterung Napoleons Börne ges. schr. (1829) 10, 47; ein scharfer unterschied in der idee der arbeitsehre und arbeitssittlichkeit, der den Semiten vom Arier trennt W. H. Riehl d. dtsche arbeit 63; wenn wir allseitig bestrebt bleiben, in den vordergrund zu stellen, was uns eint, und zurücktreten zu lassen, was uns trennen könnte Bismarck polit. reden 4, 59.
c) besondere anwendungen.
α) in der bedeutung 'hindern, abhalten':

es hätte zwar
sein zorn von neuen mögen brennen,
um diesen bau und dessen schnellen lauff
zu hindern und zu trennen
Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727ff.) 1, 9;

doch trennet mich von jeglichem besinnen
sonettenwuth und raserei der liebe
Göthe 2, 13 W.;

[Bd. 22, Sp. 128]



kein freude kann uns trennen,
von osten, westen, nord und süd
dein göttlich kraft erkennen
A. v. Arnim w. 13, 398 Grimm;

ich dacht, der geist wär nah bei uns und trenne uns von allem unsinn Bettine d. Günderode (1840) 1, 74.
β) selten: eine erwünschte oder notwendige vereinigung verhindern; besonders im 17. jh. üblich: (die Troppauischen landstände) da sie ... grosze reste von steuern und contributionen unterstanden vom lande Schlesien zu trennen und von ew. kays. majest. kays. oberamts gehorsam genczlich zu entziehen acta publica 1, 240 Palm;

kein blumwerck auch beharret
in seiner ziehrlichkeit: wann itzt die hitze brennt
und gleichsam kraft und saft von seiner wurtzel trennt
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657), ehrenv. 13;

dein vater, dem der tag kein stündgen ruh vergönnt,
der meist die halbe nacht von seinem schlaffe trennt
Hoffmannswaldau u. a. Dtsch. auserl. ged. 8, 293;

in bezug auf eine vermählung:

kinderspiel und himmel einen,
was die kirch auf erden trennt
Müllner dram. w. (1828) 1, 65.


B. reflexiver gebrauch.
1) durch gewaltanwendung auseinanderbrechen. nur im mhd. und frühnhd.:

si sluogen durch die helme,
daz daz houbet und die hirneschal
enzwei sich allez trande Rabenschlacht in: dtsch. heldenb. 2, 1866 Martin;

von einem grausamen wint und grosser fortun des mers unser schiff sich auf thet und trennet Arigo decamerone 123 Keller; vom glanz vor ihm trenneten sich die wolken mit hagel und blitzen (διῆλθον transierunt) ps. 18, 13; beim fluctuierenden element 'auseinanderlaufen': gott hat meine feind durch meine hand zutrennet, wie sich das wasser trennet 1. chron. 14, 11; später abgeblaszt vom aufgehn, auseinandergehen der naht: die naht trennet sich Kramer 2 (1702) 1130c; Ludwig 2, 2013.
2) zwei in mehr oder weniger inniger beziehung zueinander stehende körper werden durch einen von innen oder auszen wirkenden zwang aus ihrer räumlichen verbindung gelöst.
a) concret: im wässerigen, zu schnell gebackenen brote trennte sich krume von rinden Göthe 33, 92 W.; wenn sich diese (wurzelknollen einer pflanze) trennen, so entstehen mutterstöcke von ziemlichen umfange Ratzeburg standortgewächse 14;

(bei einer ziemlich gefährlichen operation)
so trennt sich mit wuth nur ein zöllchen gebein
Seume ged. (1804) 262;

der tropfen kann sich von dem körper, an dessen unterem ende er herabhängt, nicht trennen, weil er von ihm stärker, als von der schwere der erde angezogen wird v. Schubert verm. schr. (1823ff.) 2, 35; die früchte schwellen am baum, als ob sie es darauf anlegten, möglichst rasch vom saftstrom des lebens sich zu trennen und herabzufallen R. G. Binding ges. werke 3 (1927) 250; sprichwörtlich:

wo haupt sich trennet von dem schwanz,
da wird das halbe unglück ganz (1705)
Binder sprichwörterschatz 85;

etwas anders:

da iede fläche sich von unsrer sonne zwar
zuweilen wohl in etwas trennen,
jedoch nicht um ain einzig haar
zu weit von ihr entfernen können
Brockes ird. vergnüg. i. gott (1721ff.) 4, 14.

bildlich:

des aberglaubens blinde brut
mag, wie sie gern im dunkeln ruht,
sich in Ägyptens nacht von Gosens sonne trennen
Gottsched ged. (1751) 1, 294;

aufthat sich das licht! sich trennte
scheu die finsternis von ihm
Göthe I 3, 75 W.;

den namen jener frau dann hört ich nennen
und einen laut sich von der kehle trennen
A. v. Droste-Hülshoff werke (1879) 2, 106;

[Bd. 22, Sp. 129]


durch den tod: an meinem letzten ende, wenn sich leib und seele von einander wird trennen sollen Fleming d. vollk. teutsche sold. (1726) 142b;

dann musz ja wohl der schmerz in mark und beinen brennen,
wann sich, so fest vereint, zwo seelen schleunig trennen
Giseke poet. werke (1767) 48;

(die auszerehelichen liebesbeziehungen) entweder trennen sie sich vom kinde oder sie schädigen es jungnat. stimmen, Berlin 1930, 155; sprichwörtlich: theilet sich das bett, so trennen sich die hertzen Petri d. Teutschen weish. 2, T t 3b.
b) in verbindung mit lassen, wobei das reflexiv sich auf dieses bezieht: ir reitendt, wohin euch geliebt, aber wo wir uns eyn mal trennen lassen, so kommen wir niemmer bei eynander hertzog Aymon (1535) n 5b; auff des printzen von Condé gemahlin, welche sich 1616 von ihrem gemahl nicht wollte trennen lassen und neben ihm eine freywillige gefängnisz erwehlete Chr. Weise polit. redner (1677) 84; sprichwörtlich: wenn die ochsen sich trennen lassen, so hat sie der lew bald zurissen Petri d. Teutschen weish. 2, B b b 6a;

das epheu lässt sich nicht gantz von der staude trennen
Lohenstein Sophonisbe (1680) 2, 32;

wenn wir einen körper ... in seine theile zerlegen und diese theile wieder in das, worin sie sich trennen lassen Göthe II 6, 10 W.; übertragen von gedanklicher scheidung: witz und schönheit lassen sich nicht blosz in gedanken trennen, sondern sie sind wirklich getrennt Lessing 10, 107 L.-M.; gegenüber unterscheiden als inhaltlich weitergehend gebraucht: bei jedem geschehenen dinge lässt sich die innere möglichkeit von seiner wirklichkeit unterscheiden, obgleich nicht trennen, wenn es ein geschehenes ding bleiben soll ders. 7, 45; diese eigenschaft ... liegt so tief in dem inneren der sokratischen lehrart verwebt, dasz sie sich nie davon trennen läszt Meiszner Alkibiades (1781) 1, 166. in uneigentlichem gebrauch in einer dem 16.-18. jh. eigentümlichen construction:

hilff, das wir dich (Jesus) als diener treu
mit hertz und mund bekennen
und uns von dir kein lieb noch scheu
durch ergernis lahn trennen
Ringwaldt evangelia b 8 a;

dasz ihr euch kein zwitracht trennen last,
so wird eur reich bestehen fast
Gilhusius gramm. (1597) 38;

und lasz dich nicht gewalt noch lust
von diesem heilgen vorsatz trennen
v. Canitz ged. (1727) 13.


c) der weiteste und häufigste gebrauch des reflexivs findet sich, wo das subject ein lebewesen ist: secessionem facere Frisius 1191a; in diversum ire Aler 2, 1916.
α) für rein äuszeres auseinandergehen, sich loslösen; dabei ist das zum mindesten in der vorstellung vorhandene präpositionale object für gewöhnlich auch ein lebewesen:

vier thier gleich eim gluenden ertz (die vier evangelisten) ...
giengen für sich allesander
allmal einhelig mit einander,
drenten sich von einander nicht
H. Sachs 6, 236 lit. ver.;

wann ihr immer könnt ...
euch von ihm (dem fuchs) nicht trennt Reinicke fuchs (1650) 195;

der erlösete Axel wil sich von Festus nicht trennen Bucholtz Herkuliskus (1665) 6; ich trennte mich also so wenig von ihm, als der schatten vom lichte Lohenstein Arminius (1689) 2, 873a;

der adler, wenn er erst geprüfft des jungen flug
ob er den blitz verträgt, ob er bewehrt genug,
trennt sich und untergiebt ihm endlich das geflügel
J. v. Besser schrifften (1732) 1, 18;

die kinder Noah verstunden einander nicht mehr. sie muszten sich trennen Rabener s. w. (1777) 1, 151; Teucer und sein stiefbruder Ajax hatten ... den befehl bekommen, sich im kriege nie von einander zu trennen Ramler lyr. ged. (1772) 243; man trennt sich mit höflichkeitsbezeugungen

[Bd. 22, Sp. 130]


Archenholtz England u. Italien (1785) 1, 2, 364; dasz sich die zwey ... kämpffer nicht zu trennen gedächten, bis einer dem schwerte des andern erläge Klinger (1809) 3, 218; er hatte aber so viel wohlgefallen an den geschichten und schwänken seines gastes, dasz er sich von seiner gesellschaft nicht zu trennen vermochte Aurbacher ein volksbüchl. (1835) 109; ohne dasz blut geflossen wäre, aber in äuszerster aufregung trennte man sich tief in der nacht Ranke w. (1875) 16, 89. im sportlichen kampf: im anschlieszenden treffen trennten sich Wac und Slowan (fuszballvereine) mit demselben ergebnis Prager tagbl. 2. sept. 1930; in der turfsprache sich trennen euphemistisch für 'vom pferd fallen' Meyers konv.-lex.6 1908, bd. 19; speciell von militärischen verbänden in älterer zeit 'sich auflösen, auseinandergehen': in meynung, daz sie nü sicher wern, trat unser fuszvolk ausz seiner ordnung und geschick und trantten sich, also kamen die veynde ... unter sie gerannt (1449) chron. d. dtsch. st. 2, 182, anm. 2; also zertheylt oder trant sich des keysers here und zoge männiglich heym hertzog Aymon (1535) b 2b; in militärischer ordnung auseinandertreten: hiermit befahl er: dasz in der mitten das fuszvolck sich augenblicks trennen und ... platz zum einbruche machen solte Lohenstein Arminius (1689) 1, 46b. euphemistisch für 'sterben':

in wenig zeit wird er sich von uns trennen
Göthe I 16, 175 W.

selten bezeichnet das präpositionale object etwas dingliches irgendwelcher art:

welcher sich aber von der schlacht
absönderen und trennen thut ...
Spreng Ilias (1610) 20a;

ich trennte mich mit messern aus den schweren überhosen heraus Binding ges. w. 3, 206. in den uneigentlichen gebrauch überleitend bei der verwendung für formale scheidung rechtlicher verbindungen, zumal für eheliche trennung: ich freite nach reichthum, sie nach einem rang; und als wir beide hatten, was uns fehlte — ei nun, je geschwinder wir uns trennten, je besser H. P. Sturz schr. (1779) 1, 27; der könig, dein vater hat beschlossen, sich von deiner mutter förmlich zu trennen Klinger neues theater (1790) 1, 137; für ein dienstverhältnis:

herzliebster garçon, ich musz dirs nur bekennen,
ich (Junos 'kammerkatz') war schon lange satt mit der Juno
— ich wollt' mich schon lang trennen
Meisl theatr. quodlibet 1, 63;

für eine geschäftsverbindung: kaufleute trennen sich Adelung 4, 1089; Stosch gleichbedeut. wörter (1777) 168.
β) uneigentlicher gebrauch; er ist im sprachleben vom eigentlichen nicht schroff geschieden, insofern körperliche ferne häufig ein mehr oder weniger erkennbares fremderwerden mit einschlieszt; fast nur im menschlich-persönlichen bereich. dabei ist der grad der eingetretenen seelischen entfernung sehr verschieden.
zunächst 'sich innerlich entfernen, fremd werden':

wenn zwel gute freunde sind,
die einander kennen,
sonn und mond bewegen sich,
ehe sie sich trennen
Mittler dtsch. volksl. 555;

der wird falsch ein freund genennt,
der sich von dem freunde trennt
Logau sinnged. 552 lit. ver.;

dann gott und nechsten sind verknüpfft in eines band,
wer da sich hat getrennt, der hat sich dort getrant ebda 198;

Nette, ich, wir haben uns getrennt ... wir haben mit der liebe angefangen und hören mit der freunschaft auf Göthe IV 1, 158 W.;

wir wollen sein ein einzig volk von brüdern,
in keiner noth uns trennen und gefahr
Schiller 14, 336 Göd.;

auch von leblosen gegenständen: der kann sich vom gelde (das kind vom kuchen) nicht trennen (sonst braucht man ausenanner gieh) Müller-Fraureuth 1, 247. im rein geistigen bereich in neuerer zeit abgeschwächt zu 'verschiedene wege gehen':

[Bd. 22, Sp. 131]


wenn ihr im suchen euch trennt, wird erst die wahrheit erkannt
Schiller 11, 121 G.;

überhaupt trennen sich jetzt mehr und mehr die geister Görres ges. briefe 3, 211.
schroffer 'sich los sagen von jmd., brechen mit jmd.': dises zeychen hat bedeut, daz sich nun bald Teutschland und Gallia von einander trennen würden S. Franck chron. Germ. (1538) 80a;

damit von dir
mein hertz in deiner lieb entbrenn
und von der gantzen welt sich trenn
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 411a;

Innocentio ... konnte Lotharius die wahrheit mit dürren worten in die augen sagen ... sogar, dasz er unglimpflich drohete, sich von ihm völlig zu trennen S. Fr. Hahn vollst. einl. (1721ff.) 3, 169;

seit der zeit. da zuerst Agamemnon, herrscher der völker,
und der göttliche held Achilleus hadernd sich trennten
Bürger 184 Bohtz;

trennen wollten wir uns? wähnten es gut und klug?
da wirs thaten, warum schrökte, wie mord, die that?
Hölderlin s. w. 1, 164 Zinkernagel;

nur bitten kann ich: trennen sie sich nicht gewaltsam von mir; wenn ein zusammenhang zwischen uns möglich ist, so lassen sie ihn bestehen Bettine bei Pückler briefw. u. tageb. 1, 164; infolge des zeitungsartikels ... ist wiederum von mehreren seiten her in Manteuffel eingeredet worden, um ihn zu bewegen, sich von dem Quehl zu trennen Bismarck ged. u. erinn. 1, 154 volksausg. bei der verbindung mit menschlichen institutionen 'sich lossagen, abfallen':

heimlich man uns verkundschafft hat
ein bösn anschlag und listign rath,
den Vejum und auch Fidena,
unsers reichs stätt, gehalten da,
dasz sie sich von uns trennen wölln
Ayrer dramen 176 lit. ver.;

dann wir unss zwar von der vorgehenden lannde sonderlich in diesem, was ad conservationem status dienlich, nit zu trennen begehren acta publica 1, 35 Palm; (ein harter strafbefehl) vermöge dessen keiner von den bundsverwandten sich bey strafe der acht von dem bund trennen sollte M. I. Schmidt gesch. d. Dtsch. 4, 347; denn obgleich ein jedes volk, zumal in Deutschland, herr in seinem lande ist und also der besonderen mundart seines hofes folgen könnte: so wird es doch niemand für rathsam halten, sich mit fleisz von dem übrigen theile der nation ... zu trennen; zumal, da schon die besten schriftsteller ... den wahren vorzug der wahren hochdeutschen mundart eingesehen ... haben Gottsched dtsche sprachkunst (1748) 7; kirchlich-religiös, vgl. Kramer 2 (1702) 1130c; Kramer nider-hoch-dtsch. dict. (1719) 2, 215a; Ludwig 2, 2013: weil er sie (d. evang. kirche) vor so verdorben halte, dasz sich ein jeder davon trennen müsse Leibniz dtsche schr. (1838ff.) 2, 347.
3) ohne völlige aufgabe der sachlichen, begrifflichen oder gedanklichen einheit sich abzweigen, sich aufspalten, sich veruneinigen.
a) concret; im raum sich abzweigen: ein seitenthal ... das gerade hier von dem hauptthale sich trennte Göthe I 15, 109 W.; die stelle ... wo sein weg sich von dem meinigen trennte und zu seinem pfarrhof in das kar hinabführte Stifter 5, 1, 73 Sauer; bildlich: den scheideweg, wo sich das dichterische genie ... von dem schönen geiste oder bel esprit trennt Gerstenberg schlesw. lit. br. 215 lit.-denkm.; hier trennt sich der weg und ich sage dir, wo es recht ist, jene menschen zu vergessen, und wo es recht ist, sie nicht zu verachten Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 162; anders: hierdurch trennt sich die welt in zwei theile, und der mensch stellt sich als ein subjekt dem objekt entgegen Göthe II 1, 75 W. als visueller eindruck 'sich abheben':

wie trennt sich klar vom himmels glanz
der hohen zinnen statuenkranz
Brentano ges. schr. (1852ff.) 2, 80;

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um den ganzen berg hing ein düsteres, elektrisches geheimnis, und seine zinnen trennten sich an manchen stellen gar nicht von den schwarzen wolken Stifter 2, 105 Sauer; akustisch:

wann aber auff dem instrument
die gröbst seyt sich von andern trennt
Fischart 1, 399 Hauffen.


b) auf geistige oder seelische vorgänge übertragen 'uneins werden; sich spalten; sich gegenseitig bekämpfen'; vornehmlich in der älteren sprache.
α) von rein menschlichen oder politischen verhältnissen: anabaptistae plus, et in nostro hauff, qui suas opiniones habent de istis etc. et ubi man nicht vleissig ist mit leren, vermanen, trennet sichs Luther 34 2, 308 W.; so bald er ins regiment kam, trennten sich die fürsten und bischoffe und begundete eine zerrüttung ... zu entstehen Heinr. Rätel Joach. Curäi chron. d. herzogth. Schlesien (1607) 255; als er von etlichen reichsfürsten, einen aus ihrem mittel zuächten, gebeten ward, antwortete er ihnen: ihr wisset nicht, was ihr bittet; er ist ein fürst und glied des reichs, wollet ihr euch selber trennen? S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 218; der mordens wird kein ende werden, die völker sich trennen, und sich durch bürgerliche kriege aufreiben Klinger (1809) 3, 191; sprichwörtlich: wo yhr euch aber trennen werdt, so wirt euch allen mangeln Agricola 750 teutsch. sprichw. (1534) c 6a; bund trennen sich und halten nicht Petri d. Teutschen weish. 2, l 6a.
β) besonders häufig von religiös-dogmatischer sonderung (vgl. DWB A 2 a δ γγ; ferner trennung sp. 136):

und ist jn auch so ernst damit,
dasz sie drüber eins bleiben nicht,
sonder in faction sich trennen
Fischart 2, 348 Kurz;

auch die Franciscaner han
sich in die vierzehn sect getrent 1, 148;

er (d. Dominikaner) ist ein clerick und geistlich man,
so sint wir (pastoren) auch also gethan.
man pflegt uns all geistlich zu nennen,
so mögen wir uns nicht selbest trennen
Dedekind papist. convers. (1596) c 4b;

da nun keiner unrecht haben wolte, schrieben sie bald wider einander und die leute trenneten sich, dasz eine parthey phthartolatrae, die andere phantasiasten hiessen Arnold kirch. u. ketzer hist. (1699) 271b.
γ) 'sich auflösen, zunichte werden'; so schon im altdt., z. b. Ezzos gesang 323, 17 Diemer; H. v. Trimberg renner 3, 6 Ehrismann. im nhd. nur bis ins 18. jh.:

so wird der seelenbrand sich auch des sultans trennen
durch zeit, vernunfft und witz
Lohenstein Ibrah. sult. (1680) 54;

aller zweifel wird sich trennen,
der uns in der welt umspann
Triller poet. betracht. (1750) 1, 106.

auch als allmähliches verlöschen:

hierauf so trennten sich die sterne nach und nach
J. G. Neukirch anfangsgr. z. dtsch. poesie (1724) 833.


c) seit dem 18. jh. erfolgt die übertragung in anderer richtung.
α) von der auflösung der geistig-seelischen einheit jedes menschen: indem er einer innern stimme des gewissens zu gehorchen glaubte: so beginnt er — wenn sie den ausdruck nicht zu kühn finden — sich von sich selbst zu trennen, sich in eine entfernung von sich selbst zu stellen J. A. Eberhard Amyntor (1782) 72; wie schlau weisz sich der mensch zu trennen, und aus seinen leidenschaften ein von sich unterschiedenes wesen zu machen Lessing 2, 343 L.-M.;

niemand wird sich selber kennen,
sich von seinem selbst-ich trennen
Göthe I 5, 84 W.;

ähnlich eine innerliche zerrissenheit ausdrückend:

zwei seelen wohnen, ach! in meiner brust,
die eine will sich von der andern trennen ders. 14, 57;

[Bd. 22, Sp. 133]


sein gemüth trennt sich, wie auf der folterbank nach entgegengesetzten richtungen aus einander gerissen Fr. Schlegel pros. jugendschr. 1, 107 Minor.
β) mit abstracten redeteilen die aufspaltung einer ursprünglichen einheit durch inhaltliche differenzierung; im bereich des concret-sachlichen: die ursache, warum sich der hofstyl in dem nördlichen Deutschlande so sehr von dem gerichtsstyle getrennet hat Adelung mag. f. d. dtsche spr. (1783) 2, 1, 136; da sich die kunst erst damals anfing nach völkern zu trennen A. v. Arnim 3, 143 Gr.; die armee trennt sich überhaupt nicht in angriffsarmee und vertheidigungsarmee Moltke ges. schr. u. denkwürd. (1892) 7, 104. im bereich des geistig-seelischen: mit Cicero begann jene ... zeit, wo sich das licht von der wärme, die einsicht von der kraft, das wollen von dem können, der geist vom charakter trennte Börne ges. schr. (1829) 6, 18; sein haus ... war eines der wenigen in der hauptstadt, in welchem ein geistreicher umgang sich niemals von der sitte trennte Dahlmann gesch. d. franz. revol. (1845) 84; bei dem tode Lothars trennte sich das kaiserthum wieder vom herzogthum Ranke s. w. 25, 9; von systematischer scheidung: es ist der moment, ... in welchem die frühere und die spätere deutsche geschichte sich voneinander trennen ebda 2, 250.
4) durativ.
a) bei raumvorstellungen 'entfernt sein':

er folgte diesem rath, und wich beschämt zurück,
so weit das opernhaus sich von dem burgthor trennet
Gottsched neuest. ged. (1750) 119.


b) bei vergleichen 'sich unterscheiden'; concret:

nachgehends kompt ain capuciner,
der rümt sich auch Francisci diner,
und trennt sich umb die gugel doch
Fischart 1, 412 Hauffen;

da nach Haller sich der mensch in nichts von einem affen trennt, als durch den besitz eines steiszes Jean Paul Titan (1841) 1, 69; aufs geistige übertragen:

o! gieb mir, theures haupt, auch einen handgriff an,
wodurch ich mich doch auch vom pöbel trennen kan (discernere possim)
Günther bei
Steinbach (1734) 2, 839;

auch die gemäszigte partei trennte sich hierin nicht von ihren kollegen Mommsen röm. gesch. 2, 92.
C. intransitiver gebrauch in der bedeutung 'auseinanderklaffen, auseinandergehen' findet sich ganz vereinzelt, aber in verschiedensten sprachlandschaften und -epochen: es henget eine (schuppe) an der andern unnd halten sich zusamen, dasz sie nicht vonn einnander trennen Heyden Plinius (1565) 305; wenn seine schiff zum selbigen mal getrennet unnd nicht so steiff zusammen gehalten hetten ebda;

der wolcken schaar stund häuffig umb ihn her,
bisz er darnach lies seinen glantz erkennen,
da lieff der dampff, die wolcken musten trennen
Opitz bei
G. Treuer dtsch. Dädalus 729;

(die mutter, die) vor den lieben sohn, dem strumpff und hose trennt,
ein reiches mägdgen sucht
J. Chr. Günther (1735) 487;

auch in modernen mundarten: dopplet genäht hebt wohl und dreifach trennt nit (besonders bildlich, z. b. wenn einer zweimal iszt) Fischer schwäb. wb. 2, 367; 269; auch im compos.: auftrennen 'in der naht auseinandergehen' Sallmann Estl. 88.
D. composita mit trenn- als erstem bestandteil treten vereinzelt im 18., häufiger erst im 19. jh. auf, anknüpfend an verschiedene bedeutungen des verbs und zumeist in (technisch -) terminologischer verwendung:
1) composita, in denen trennen eine active handlung darstellt: trennfall, s. trennungsfall; -gatter, gestell, auf dem das rundholz in bretter zersägt wird s. Karmarsch u. Heeren 7, 477; -kraft: wo soll aber hier die stärk- und trennkraft des geistes aufhören, der schon z. b. bei heben der lasten keinen hebel zu vergröszern braucht als seinen entschlusz Jean Paul 44, 20 Hempel; -säge

[Bd. 22, Sp. 134]


Helfft wb. d. landbauk. 371; Beil 607; Krünitz 187, 485; -schärfe, allgemein gebrauchter ausdruck des rundfunkwesens: dasz die einstellungsmöglichkeit der empfangsapparate auf einen bestimmten sender, die 'trennschärfe', ... erhöhten ansprüchen genügt ich und der rundfunk 38; -schnitt, langsägung Mothes 4, 367; Hoyer-Kreuter 1, 776; -strom, negativer strom zur trennung der (morse-) zeichen Meyers konv.-lex. 21, 892.
2) trennen in durativem sinn: trennbuhne, s. trennungsbuhne; -fläche: die trennfläche zwischen meer und luft dtsche allg. zeitung 11. 2. 1932 morgenausg.; -linie, auch trennungslinie, dividing rule; dash Hellwig wb. d. fachausdr. 89a; -punkt, s. DWB trennungspunkt 4; -schicht, schicht zur isolierung elektrischer kabel Hoyer-Kreuter 1, 776; -stift, buchdruckerspr. 'quadrat, ausschluszstück zum füllen leerer räume im satz' Hoyer-Kreuter 1, 776; Klenz druckerspr.; -strich, z. b. auf postkarten 'der strich zwischen dem raum für die anschrift und dem für mitteilungen' tägl. rundschau, Berlin 1905, nr. 507, 1. beil., 2f.; -system, s.trennungssystem, Lueger 5, 436; -wand, bei kammer(ring)öfen Muspratt chemie 8, 772; bildlich: es gibt auch keine zusammenstösze mehr ... hat das ungeheure leiden die trennwände zwischen ihnen niedergerissen? Dwinger zwischen weisz u. rot (1930) 470; -wort, une disjonctive (disjunctivpartikel, z. b. 'entwederoder') Mozin-Biber-Hölder wb. d. frz. spr. 3, 22b; -zeichen: wegen der unvollkommenheit ... bey den bisher eingeführten unterscheidungs- (interpunctions-) zeichen ... schlägt der verfasser noch ein kleineres sowohl verbindungs- als trennzeichen vor allg. dtsche bibl. 22, 270.