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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trendeln bis trenndenschimpf (Bd. 22, Sp. 108 bis 111)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trendeln, vb. , rollen; zaudern; ags. ā-trendlian Grein 685b (engl. trend); nl. drentelen; vgl. DWB tründeln und DWB trindeln sowie ahd. thuruhtrennilon 'peragere' (gl. zu lustrare, circuire) ahd. gl. 1, 203, 24.
1) rollen; vor allem nd. bezeugt: tröndeln, trendeln (in Niedersachsen) an der erde fortrollen Schrader dtsch.-frz. 2, 1386; 'mit kugeln spielen, kegeln': wur ein botzellek (kegelbahn) is ... dar me trendelt eder botzet umme penninge ... dewile dat me dare spelet eder de botzeklote eder de stene dar lopet, dar me pleghet to spelende eder to trendelende goslar. bergges. § 14 bei Schiller-Lübben 4, 610; 'würfeln': (den knechten der 'garbrader' ist verboten) nicht to dobelende noch to trendelende by 3 mk sulvers (1376) Lübecker zunftrollen 205 Wehrm.; vom spiel der kinder mit kügelchen u. dergl. Kehrein Nass. 1, 407; Pfister nachtr. z. Vilmars id. 299; 'auf eine besondere art mit bällen spielen' für Hildesheim d. dtsch. maa. 2, 123 Fromm.; die beschreibung des spieles (als trenseln) Schambach Götting. 234. für sich steht, auch lautlich abweichend: revolvirn wider umbhin walgen, widerweltzen, hinumb trandlen Sim. Roth diction. (Augspurg 1572) o 6a.
2) aufs rad flechten: trendiln oder radebrechin rotare Konr. v. Heinrichau voc. 396a Gusinde; trendelen, trendeln auch sonst mit rotare glossiert Diefenbach gloss. 500c aus ndd. md. u. obd. glossarien des 15. jh., was aber auch zu 1) gestellt werden könnte.

[Bd. 22, Sp. 109]



3) wirbeln: gedanzt a getrendelt Follmann lothr. 102; sich drängeln 'sich hin und her drehen' siebenbürg.-sächs. wb. 2, 67b; trendeln 'tanzen, sich drehen' Unger-Khull steir. 170; Lexer kärnt. 69; vgl.

nu trink wir auss dem fläschlin
und lassen wir den kopf,
so trenelt uns der schopf
Osw. von Wolkenstein 117 Schatz.


4) gerste u. andere früchte in der mühle abstoszen, von den schalen befreien; auch in der form trindeln: getrendelt, gebrochen, gespalten, gerolt, geschraden, getrendelte bonen, erbis, getrendelte, gerölte getraid Henisch (1616) 1587; synonym mit rändeln, rollen, rellen, renneln (s. d.) u. a.; Fischer schwäb. 2, 315; Brenner - Hartmann Bayerns maa. 1, 41; Schmeller-Fr. 1, 666; Lexer kärnt. 69; Schöpf tirol. id. 754; ain vierling ungetrindelt erbis umb 40 d ... ain vierling getrindelt gersten umb 40 d chron. dtsch. st. 23, 327 (Augsburg 1530).
5) vermutlich andern ursprungs ist die wortgruppe tränteln, trändeln, trenteln, trendeln im sinne 'langsam gehen, nicht vorwärts kommen', meist mit wertender nebenbedeutung 'trödeln, saumselig sein'. denn abgesehen von dem bedeutungsunterschied (vgl. auch trant 'langsamer gang') hebt sie sich auch dialektgeographisch von 1 ab; doch musz mit formkreuzungen gerechnet werden. bemerkenswert sind auf diese bedeutung beschränkte, im schriftdeutschen überwiegende formen mit inlautendem t. das wort ist weit über die von Kretschmer wortgeogr. 540 angegebenen landschaften (Elsasz, Lothringen, Hessen, Schwaben, Bayern) hinaus verbreitet: Unger-Khull steir. 170; Lexer kärnt. 69; Stadler schweiz. 1, 297; lux. ma. 440; Autenrieth pfälz. 141; Sartorius Würzburg 126; Hertel Thür. 246; insbesondere auch im nordwesten, vgl. drenten, drentelen Schuerman vlaam. id. 104b; tranten, trantselen Kilian (1605) 565a: Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 430; Hönig Köln. 182; Rovenhagen Aach. 147; Wegeler Kobl. 77; Schmidt westerw. 262; Christa Trier. 70; Woeste westf. 274; Köppen Dortmund 60; Leihener Cronenberg. 127; tränteln trippeln Bauer-Collitz waldeck. 105a; trenteln hoffärtig gehen Strodtmann id. Osnabr. 251; auch in Ostdeutschland: trandeln, transeln Knothe schles. ma. in Nordböhmen 184; 186; trenteln Frischbier preusz. 2, 411a.
lexikographisch ist das wort häufiger erst seit dem 18. jh. belegt: Kramer 2 (1702) 1132a; niderhocht. dict. 1, 72a; Ludwig teutsch-engl. (1716) 2, 2013; Adelung versuch 4, 1026; Schrader dtsch.-frz. 2, 1380; Voigtel hwb. 3, 415b; 'schlendernd gehen':

so kumen dan hin zue (zu den budenhändlern) dy jungen knaben
und trendln da in die lettzelten (lebkuchen) altd. passionsp. aus Tirol 345 Wackernell;

(sie) zehlen (beim essen) die bissen und die khewer, triendlen und fiendlen, als ob sie schlaffend essen Guarinonius grewel der verw. 811; Catonis praeceptum fuit: quare cessator es? warumb trendelstu so lange mit einem ding? Corvinus fons latinit. (1646) 1701; zeit hat ehre, war der magd wort, als der knecht so lange trentelte alamod. techn. interim (1675) 470; ihr hund, soll ich euch bein machen? wie sie zaudern und trenteln, die esel Göthe 8, 140 W.; das wetter wäre gut genug, wenn die droben auf dem schlosse nicht so lange trentelten maler Müller w. (1811) 3, 26;

nun rührt euch, rührt euch, dasz es einmal wird,
der junker schilt, dasz ihr so lange trentelt
Tieck schr. (1828) 13, 195;

deutlichere bewegungsvorstellung läszt das abschätzige in der bedeutung zurücktreten: darob trendelte er vergnügt durch die straszen der stadt Spitteler Imago (1906) 212; die maulthiere trendelten hinter dem pferde her in immer weiterem abstande, sie schienen gehend zu schlafen H. Grimm volk ohne raum 2, 128.
 
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trendeln, vb., trödelwaren feilbieten; vgl. 2trendel; s. auch trendelmarkt, trendler; das genauere etymologische verhältnis zu tändeln, dessen zugehörigkeit als sicher angenommen

[Bd. 22, Sp. 110]


wird, ist ungewisz Kluge etymol. wb.10 496: Kramer 2 (1702) 1147b; als in Österreich gebräuchlich Klein prov.-wb. 2, 192; dazu vielleicht schwäb. trempel- in derselben bedeutung Fischer 2, 366 als contamination aus trendel- und grempel- (s. teil 4, 1, 6, 106).
 
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trendeln, vb., s. DWB trennen.
 
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trendelspiel, n., kegelspiel: ain bainin und ein ebeno drendelspill oder kegelspill (1617) Ph. Hainhofer bei Fischer schwäb. wb. 2, 315.
 
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trender, trenter, m.: tränder 'ein hölzernes gestell oder ein pfahl, kleider, wildpret oder anderes daran zu hängen' Anton Oberlausitz 13, 17; fast ausschlieszlich für Schlesien bezeugt: darauff sie in das haus gegangen und vom drendter genummen 2 vierttl kalbfleisch, einen schrut rindtfleisch (1583) aus dem Breslauer stadtarchiv in neuphilol. mitt. 28, 15, mit weiteren belegen, auch für die form trendel, trandel (s. d.);

sie zeucht an trender euch,
so hangt ihr (die gänse) über nacht
W. Scherffer bei
Drechsler 263;

und läst du eine wurst am sonntag dir vortragen,
so glaube, dasz bey mir gantz voll der trender hengt
Hoffmannswaldau u. a. ged. 2, 302 Neukirch.


 
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trendler, trent(e)ler, m., nomen actoris zu 1trendeln 5; lanternier ... ein zauserer oder trendtler Duesius nomencl. (1652) 142; trentler ... verzögerer Kramer 2 (1702) 1132a; niderhocht. dict. 1, 72a; mundartlich Martin-Lienhart elsäss. 2, 759; Askenasy Frankf. ma. 223; Follmann lothr. maa. 102; der einen hoffärtigen gang hat Strodtmann id. Osnabr. 251; doch sicher überall bildbar, wo das verb geläufig ist, man beachte bildungen wie trendelbotz Hönig Köln. ma. 182; trentelmichel lux. ma. 440; trendelmatz Pansner schimpfwb. 70b: ich hätte dem alten trentler in den barth klunkern wollen (weil er trotz seines alters heiraten will) pedantischer irrthum (1673) 115; hurtig, bruder, damit wir nicht wie die trentler kommen maler Müller w. (1811) 3, 10.
 
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trendler, m., nom. actoris zu 2trendeln: es ist einem kauffmann, hendler, kauderer, trendler und kremer, gleich einem vogler, vischer oder jeger, wann sie wöllen vögel, visch, und willprecht fahen, und inn ihr netz und garn bringen Huberinus spiegel d. hauszucht (1553) 179a; die trendeler jedes orts sind vom magistrate sub juramento zu examinieren (1626) acta publica 6, 154 Palm; becken, braüen, melber, hucker, brantweiner, drentler müllerordnung v. 1785 bei Birlinger schwäb. wb. 294 s. v. küchle.
 
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trene, tren, m. u. f., s. DWB drone.
 
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trennbar, adj., what may be separated, divided, discriminated, dissolved, disjoyned, disunited, divorced, severed Ludwig 2013; Kramer 2 (1702) 1131a; weich ... schon mit den fingern trennbar Zappe mineral. handlex. 1, 40; die materie aber ist niemals eine substanz, wenn sie besteht aus trennbaren theilen, deren jeder für sich bestehen kann Mendelssohn ges. schr. (1843 ff.) 2, 211; unanschaulich:

wie, wenn doch deinen wahn die allmacht nicht mehr kränkte,
und den trennbaren leib mit ewger form umschränkte?
Schwabe belustig. (1741 ff.) 4, 297;

der lüfte trennbares gespinste
J. E. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 55;

uneigentlich: gott selbst war das, was wir wort, ... willen der gottheit nennen: denn in seinem wesen ist nichts trennbar Herder 19, 297 S. als gramm. terminus: trenbare ableitungssilben Klopstock gelehrtenrepubl. (1774) 258, partikel Adelung umst. lehrgeb. 2, 10, präpositionen Athenäum 1, 64, worte (composita) Voss zeitmessung (1802) 130; Scherer kl. schr. 1, 375. beim menschen von körperlicher und seelischer gemeinschaft: in wohl und wehe nicht trennbar Zachariä poet. schr. (1763 ff.) 8, 161; ins geistige gewendet: charakter und wesen der dienenden nymphe war vom charakter der göttin ... nicht trennbar Creuzer symb. u. mythol. (1810) 2, 142.

[Bd. 22, Sp. 111]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trennbarkeit, f., die möglichkeit, getrennt werden zu können: auch musz man ... die leichte trennbarkeit mit einem oder dem andern grade der härte nicht verwechseln Zappe mineral. handlex. 1, 440; der einfache kettenstich wird seiner leichten trennbarkeit halber ... verwendet Karmarsch-Heeren 6, 236. bildlich: wider den herrn ... N., der die trennbarkeit des katholischen ehebandes behauptet hat allg. d. bibl., anh. zu bd. 53-86, 1639. von begrifflicher scheidung: das komische flieszt aus der trennbarkeit des sinnlichen von dem geistigen Vischer ästhetik (1846) 2, 173; die trennbarkeit der seele und des geistes Hegel 71, 692.
 
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trenndenschimpf, m., s. trennenschimpf.