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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
trempen bis trendeln (Bd. 22, Sp. 104 bis 108)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) trempen, vb., von frz. tremper 'eintauchen, einweichen': salsamenta macerare ghesaltzene fisch wessern, weichen, trempen, ins wasser legen Junius nomenclator (1567) 72b.
 
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tremplin, s. trampolin.
 
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tremse, f., centaurea cyanus, kornblume; auch trimse Köne pflanzennamen 33; tremisse, trempe Holl wb. dtsch. pflanzenn. 107a; nl. tremske. das verbreitungsgebiet ist Norddeutschland, vor allem der nordwesten: tremese flaviola voc. Strals. (15. jh.) bei Schiller-Lübben 4, 610; tremissen baptisecula, cyanus Chyträus ebda. als ndd. notiert auch bei Adelung 4, 667. die idiotika bezeugen diese geographische begrenzung: tremisse, trems brem-nds. 5, 106; trems Schütze holst. id. 4, 279; Schumann Lübeck 7; Dähnert 494; triems Jellinghaus Ravensb. ma. 153; tremse Schambach Götting. 234; s. auch Pritzel-Jessen 86; das charakteristische merkmal der tremse ist die blaue farbe, daher gern in vergleichen: so blau as an trems Schütze a. a. o.; wie sie ihn letztlich ans land brachten, befand es sich, dasz er sich das genicke abgestürtzt, und bereits so blau als eine trembse anzusehen war Meinhold

[Bd. 22, Sp. 105]


bernsteinhexe 244; ihrem bescheidenen ländlichen milieu entsprechend wird sie gern in idyllischer dichtung gebracht: des ackers blaue tremsen Stolberg 4, 228; Schmidt v. Werneuchen ged. (1797) 87; vgl.'tremsen', plattdeutsche dichtungen in Mecklenburger mundart von Fr. und K. Eggers 1875 (buchtitel);

so lang stünn denn bi eren (mutters) platz an't finster
de vulle, schöne strusz von blage tremsen ebda 8;

die wiederkehrenden dirnen
brachten, geflochten aus trämsen und rade gewaltige kränze,
wanden Jucunden sie erst, und dann der hüpfenden Tecla
um den schmächtigen leib
Kosegarten Jucunde (1843) 9;

in derselben verwendung tremsenkranz:

(ich trage) einen blauen trämsenkranz
um mein hellgelbes haar
Kosegarten rhapsodien (1794) 2, 354;

im blauen tremsenkranz juchhein
zu weidenflöten und schalmein
die kinder, rund und rot
Voss s. ged. (1802) 2, 91;

ähnlich:

ihr freundliches antlitz
schirmte, gekränzt mit tremsen, der feingeflochtene strohhut ebenda 1, 18;

die blaue kornblume nannte der vorfahr tremisse, tremse oder schönchen, von trim ders. zeitmessung (1802) 73; tremse, rade und rittersporn blühen H. Löns aus forst u. flur 123. —
 
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tremsenmutter, f., ein korndämon Mannhardt mythol. forsch. (1884) 297.
 
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tremulant, m. , vereinzelt f., entlehnt aus ital. tremolante, in dem die deutschen bedeutungen schon vorgebildet sind.
1) tremolo, triller einer singstimme oder eines saiteninstrumentes; minuritio das ziehen der stimme oder auch tremulant Schönsleder promptuar. (1647) k 2a; ein trille schlagen, tremulanten machen Stieler stammb. 116; Ludwig teutsch-engl. 2, 2013; Frisch dtsch.-frz. 594; Hederich dtsch.-lat. 2, 3000; langsamer triller Adelung 4, 667; Voigtel hwb. 3, 421a: ja man kan auch von fern und durch wände und fenster die tremulanten (der laute oder geige) mit hören, welches tremuliren durch gelindes berühren des fingers entstehet Schottel ethica (1669) 83; wie die töne verhallten, so hielten drei stimmen dies wort in der quarte und sexte schwebend mit einem gemäszigten tremulant aus Jung-Stilling s. schr. (1835) 5, 155; oft nur eine zustandsform bezeichnend: (ein volkslied) das bei dem geholper des wagens und dem tremulant ihres (der mitfahrenden) gesanges sehr sonderbar liesz Kerner dichtungen 274;

'hu, hu, ich zittere'.
'so singet nur tremulant!
nur tremulant!'
Uhland ges. w. 2, 328 Cotta;

wertend:

(ich) will die stimme zieren
mit re, mi, fa,
fa, mi, sol, la
und schönen tremulanten
Chr. Reuter Harlequins hochz.-schm. 56 ndr.;

euer schulmeister singt keinen schlechten tremulant Hebel w. 2, 221 Behaghel;

so viel du tremulanten machst,
soviel empfind ich stich im hertzen
Hoffmann v. Hoffmannswaldau u. a. ged. 5, 257 Neukirch;

ich sitze niemals still,
für keinen aus der zunft lasz ich mich nicht ansehn,
die stumm sind als ein fisch, des tags zwei schritte gehn,
den nennt man artig nur, an welchem alles lacht,
bey deme zung und fusz stets tremulanten macht
Petrasch s. lustsp. 1, 910.


2) orgelregister, das das zittern der töne hervorruft; vereinzelt auch fem.: imgleichen eine newe tremulant, die man zu allen stimmen gebrauchen kan (1607) chron. d. klosters Ribnitz 158 anm. Techen; sonst masc.; regula tremula, der tremulant an der orgel Zehner nomenclator (1645) 14; Weismann lex. bipart. (1725) 2, 412; Walther musical. lex. 517; Adelung 4, 667: (es) hat auch darinn (im schlosz) ainen tisch mit 7 unterschidlichen registern als orgl, regel, positiv, tremulant und dergl. zuegerichtet Ernstinger raisbuch 102 lit. ver.; es ist ein solcher tremulant

[Bd. 22, Sp. 106]


nur eine klappe in der windröhre auf den orgeln Mattheson vollk. capellm. 114; mit sinnbildlicher ausnutzung der eigenartigen modulation in mannigfacher verwendung: wenn er (der orgelspieler) mitunter den tremulanten zog und die töne wie zitternd vor der majestät gottes dahinflutheten Storm s. w. 6, 140; sprichwörtlich: den tremulanten ziehen jem. durch seine rede rühren wollen Wander 4, 1306; die ehrfurcht zieht den tremulanten Stoppe Parnasz (1735) 30; häufig ist die beziehung auf physisches zittern z. b. in der redensart: ein manicher zittert, als wolte er auf der grossen orgel zu Ulm den tremeland spillen Abr. a s. Clara Judas 4 (1695) 662; ebenso den tremulant (tremeland) schlagen Stranitzky ollapatr. 221 Wiener ndr.; Schwabe tintenfässl b 7b; vereinzelt persönlich gewandt: männiglich schaute und nicht ohne höchsten gelächter diesen seltsamen knödelreiter. endlich nach langen und vielen gespött laszt sie den armen tremelanten hinunter (1701) Abr. a s. Clara Urmerkur 18 Bertsche, vgl. italienisch: tremolante fig. o scherz. di pers. che trèma colle mani Petròcchi diz. della ling. ital. 2, 1160b. gelegentlich die durch den tremulanten modulierte orgelstimme; uneigentlich: vor seinem ohre wogte der tremulant der bäche, schrie das flötenwerk der vögel und brauste das zweiunddreiszigfüszige pedalregister der waldungen Jean Paul w. 7, 491 Hempel; das ... publicum schlich sich mit verbissener wuth, unter beständigem murmeln, welches wie ein tremulant lautete, hinternach Kerner dichtungen 350.
 
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tremulieren, vb., die musikalische stimmführung bei gesangs- oder instrumentalmusik trillerähnlich modulieren (s.tremolo): altus heiszt hoch, nemlich die hohe, schwebende, tremulierende oder bebende stimme der jungen gesellen Scheräus sprachenschule (1619) 51; wenn nun der obersten dermern säitten eine mit dem finger oder bogen gerühret wird, so resonirt die unterste messings- oder stälene säitten per consensum zugleich mit zittern und tremulieren, also, dasz die lieblichkeit der harmony hierdurch gleichsam vermehret und erweitert wird Prätorius syntagma mus. (1619) 2, 47; das ist ein pfeiff, die da anders nichts thut als zitteren oder tremuliren Spee güldenes tugendbuch (1649) 625; sein tremulierendes falsett schwebte ... wie eine flatternde krähe über dem gesang der gemeinde Storm s. w. 8, 150; deutlicher zeigt die bewertung des tremulierens:

bald tremulierten sie, bald sangen sie gar sachte,
bald schrien sie empor, dasz alles umb sie lachte
Zesen poet. rosenwäld. vorschmack 22;

ich begriff nur nicht, wie so viele, die sich kunstsinn zutrauten, ... unangenehmes winseln und tremulieren ... für ... kunst halten konnten Tieck schr. (1828) 1, 18; doch vgl. DWB tremulant; ohne das kunstmäszige, als zeichen von körperlicher schwäche, gemütsbewegung u. s. w.: nicht nur aus schwäche, sondern auch in einem wehmütigen gefühle meiner lage und der erinnerung an jene sorglosen zeiten fiel der vortrag (auf der flöte) ein wenig tremulierend oder zitterhaft aus G. Keller ges. w. 3, 66. auch von der sprechenden stimme: da ging die stubenthür auf, eine frauensperson trat ein, sie begann mit feierlich tremulierender stimme Holtei erz. schr. 12, 168.
selten ist die übertragung vom akustischen auf den mechanischen vorgang: das ventil würde beim spielen in eine tremulierende bewegung kommen Töpfer lehrb. d. orgelbaukunst (1855) 607. ansätze zu allgemeinerem gebrauch bleiben vereinzelt: aber so man noch nicht zu töten willens, wurden die hände halb abgehackt, und sie also mit beizuhangenden und tremulierenden gliedmassen wieder weggelassen E. Francisci der hohe traursaal (1665) 1, 899; 'tremuliren, heist eigentlich zittern, item vor furcht mit den zähnen knirschen, in der music heist es einen triller schlagen' Sperander à la mode spr. 755a.
 
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trendel, m. u. f., rundung; drehbarer gegenstand; wirbel; mhd. trendel, trindel; ags. trendel, (engl. trendle); altschwed. trindhel, dial. trinnel; mit ags. trendan 'rollen', trinda 'rundes stück', trundulness 'circuitus', afries. trind,

[Bd. 22, Sp. 107]


trund 'rund', mnd. trent, trint, trunt zu einer germ. wz. tren- 'rund', zu der auch mit anderm suffix ahd. trennila 'turbo' ahd. gl. 2, 660, 3 gehört, s. Falk-Torp 2, 1283. im oberdeutschen erscheint eine form trandel (vgl. unten 2 und 1trendeln 1), in der nicht notwendig alter suffixablaut vorliegt, sondern bei der mit formkreuzungen gerechnet werden musz wie bei 1trendeln 5. eine seltene nebenform ist trindel, vgl. auch tründel. adjectivisches trendel teres ist nur niederländisch belegt Diefenbach gloss. 579.
1) als orts- und flurname für irgendeine rundung im gelände: trendel, f., kuppel, rundung Buck flurnamenbuch 281; vgl. B. Eberl d. bayerischen ortsnamen (1925) 180; Trendel in Mittelfranken, Hannover, Trendelberg im bezirk Kassel s. ortsbuch f. d. dt. reich 1158b; Trendelstieg Andree Braunschweiger volkskde2 123; Trendelnburg in Westfalen; Trendelbusch, Trendelburch Schiller-Lübben 4, 611; vgl. noch Trindelberg, Trenthorst u. ähnl. a. a. o.; Trenelun in Württemberg ca. 1140 bei Förstemann-Jellinghaus 1, 742.
2) bezeichnung für einen runden, drehbaren gegenstand, vor allem für den 'kreisel' als kinderspielzeug, vgl. DWB trendel giraculum (1482) bei Diefenbach 263b:

an der bürge lâgen lobes werc,
nâch trendeln mâze was ir berc:
swâ si verre sach der tumbe,
er wând si liefe alumbe
Wolfram von Eschenbach Parz. 508, 2;

(er) gewann zehant den schwindel,
er gie umb als ein trindel
und viel nider auff den grat
Heinrich v. Neustadt Apollonius 12816 Singer;

(die mutter zur tochter:) deine füszlen für in setz,
gang zyspen, zaspen übers fletz,
als ain trendel dich vercher,
lasz dich sehen hin und her
Hätzlerin liederb. 307;

auch heute in oberdeutschen maa.: beinerner hosenknopf (als kreisel verwendbar) Fischer schwäb. 2, 315; trendel, treindel Unger-Khull steirisch. wortsch. 170; trendl Lexer kärntisch. wb. 69; trandl, der grosze, heiszt zu Passau ein kreusel, der kleine trandl ist ein kleiderknopf Nicolai reise 5, anh. 137; im deminutiv: dort lebt er als rentier bei seinen kindern und schnitzt 'trendelchen' für seinen pausbackigen enkel Mosenthal ges. w. 1, 162; auf seine alten tage dreht und wendet man sich nicht um wie ein trenderl L. Kompert gottes annehmerin (1906) 38; du hast doch sonst getanzt wie ein trenderle Auerbach dorfgesch. 2, 46 Cotta, volksausg. weiterhin für verschiedene drehbare gebrauchsgegenstände: ein trendl im zergadem, 1 drendl, darauf man prot legt (1490) mittelalterl. inventare aus Tirol und Vorarlb. 108 Zingerle, erklärt als 'vertical gestellte, drehbare holzsäule, an der eine oder mehrere stellen, meist in form einer runden tischplatte, für die vor den mäusen zu sichernden speisevorräte angebracht sind' a. a. o. 293; drehbarer kellertisch zs. d. Ferdinandeums in Innsbr. 3, 21; 'drehbares milchgestell' Fischer schwäb. 2, 312; im steirischen bauernhaus 'durchlochtes brett an einer senkrecht stehenden stange zum gehenlernen' wörter u. sachen 1, 141; hierher auch trendel 'göpelwerk' Götze frühnhd. 54b. drehbarer werkteil in arbeitsgeräten verschiedener art: ergata ... der wellbaum an der kelter, der trendel im hebezeug Corvinus fons latinit. (1646) 603; ergata ein trendel, ein auszzug oder rüstung, damit man schwere lasten auffhebet, nemblich, da ein auffrechter wellbaum wird umbgetrieben, mit einem hebel, daran man sich mit den achseln oder brust sperret, und also umbtreibet. ein winde Zehner nomencl. (1645) 391; trendel in einer mühle, womit man richtet, wie fein oder grob man mahlen will Ludwig teutsch-engl. 2013. abweichend die nd. bedeutung flacher kuchen: trendele placenta voc. Oldenb. bei Schiller-Lübben 4, 610.
3) unconcreter, dei kreisförmige bewegung erfassend, als 'wirbel', 'strudel' (vgl. 1trendeln 3 und ndd. kŷsl als 'wirbel' und 'kreisel' Kluge et. wb.10 278a): trindel, m., wirbel Schmitz Eifler 1, 232b; dröndel, drönnel wasserstrudel Christa Trierer ma. 73; tröndel strudel, wirbel

[Bd. 22, Sp. 108]


lux. ma. 443; trendel wasserstrudel, wirbelwind Follmann lothr. maa. 102; Kisch vergl. wb. d. Nösner ma. 225; siebenb.-sächs. wb. 2, 66; 67; trennel Kehrein Nassau 1, 409; Pfister nachtr. zu Vilmars id. 299.
 
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trendel, m., trödel, kram; vgl. 2trendeln; nur uneigentlich belegt: es würden auch die leute dester wilder, wenn sie nicht (durch die glocken) vermahnet werden, gott umb leben und nahrung zu bitten. doch musz das der prediger viel basz ausrichten, denn die glocken, sonst würd ein teufelstrendel daraus, wie zuvor gewest Luther s. w. 23, 62 Erl.;

derhalb sind so vil böser hendel,
darmit der teuffel hat sein trendel
H. Sachs 16, 438 lit. ver.;

specialisiert und übertragen auf den aufbewahrungsort: vestiarium trentel, drödel a. d. j. 1723 bei Diefenbach gl. 616a.
 
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trendelei, trendlerei, f., schlendrian, bummelei, nomen actionis zu 1trendeln 3;

(er) rüff an Mariam und noch mehr
die heiligen all nach des bapst lehr,
glaub auch, das sey gantz eben recht
die ein gstalt (im abendmahl) und halt sich sonst
an der pfaffen alt trendtlerey schlecht bebstische information (o. o. u. j.) b 3b;

die ursach dieser trentelei kan ich nicht ergründen frau rat Göthe an ihren sohn 29. viii. 1794 in schriften d. Göthegesellsch. 4, 62; trändelei lanternerie Schaffer dt.-frz. wb. 2, 2, 368; trantelei bummelei Hentrich Eichsfeld 16.
 
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trendelmarkt, m., besonders im 16. jh. gebräuchlich für trödelmarkt (s. d.); tendeta trendelmarket Diefenbach gloss. 577b (nd.); trentelmarck scrutarium Nürnberger teutsch-lat. wörterbüchl. (1713) 46;

er het dort am trendelmarck feyl
allerley haussrats einen theyl
H. Sachs 17, 206 lit. ver.;

(die bestimmung) wie es mit den losamentern, gassen und trendelmärckt ... solte gehalten werden Wolfg. Hartmann Augsb. chron. (1590) 108; vor einen halben thaler kaufte ich (der auf die wanderschaft gehende schneidergesell) mir auf dem trändelmarkt einen degen Ettner unw. doct. 359; übertragen und wertend: hie wisset yhr selbs, lieben herrn, welch einen schendlichen trendel und jarmarckt yhr aus dem sacrament gemacht habt Luther w. 30, 2, 293 W.; mit loserer beziehung: man schätzt offt einen, als hätte man denselben am grempel- oder trändelmarckt ... gefunden, da er doch mit innerlicher würdigkeit angefüllet ist Abele gerichtshändel (1654) 256.
 
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trendeln, vb. , rollen; zaudern; ags. ā-trendlian Grein 685b (engl. trend); nl. drentelen; vgl. DWB tründeln und DWB trindeln sowie ahd. thuruhtrennilon 'peragere' (gl. zu lustrare, circuire) ahd. gl. 1, 203, 24.
1) rollen; vor allem nd. bezeugt: tröndeln, trendeln (in Niedersachsen) an der erde fortrollen Schrader dtsch.-frz. 2, 1386; 'mit kugeln spielen, kegeln': wur ein botzellek (kegelbahn) is ... dar me trendelt eder botzet umme penninge ... dewile dat me dare spelet eder de botzeklote eder de stene dar lopet, dar me pleghet to spelende eder to trendelende goslar. bergges. § 14 bei Schiller-Lübben 4, 610; 'würfeln': (den knechten der 'garbrader' ist verboten) nicht to dobelende noch to trendelende by 3 mk sulvers (1376) Lübecker zunftrollen 205 Wehrm.; vom spiel der kinder mit kügelchen u. dergl. Kehrein Nass. 1, 407; Pfister nachtr. z. Vilmars id. 299; 'auf eine besondere art mit bällen spielen' für Hildesheim d. dtsch. maa. 2, 123 Fromm.; die beschreibung des spieles (als trenseln) Schambach Götting. 234. für sich steht, auch lautlich abweichend: revolvirn wider umbhin walgen, widerweltzen, hinumb trandlen Sim. Roth diction. (Augspurg 1572) o 6a.
2) aufs rad flechten: trendiln oder radebrechin rotare Konr. v. Heinrichau voc. 396a Gusinde; trendelen, trendeln auch sonst mit rotare glossiert Diefenbach gloss. 500c aus ndd. md. u. obd. glossarien des 15. jh., was aber auch zu 1) gestellt werden könnte.

[Bd. 22, Sp. 109]



3) wirbeln: gedanzt a getrendelt Follmann lothr. 102; sich drängeln 'sich hin und her drehen' siebenbürg.-sächs. wb. 2, 67b; trendeln 'tanzen, sich drehen' Unger-Khull steir. 170; Lexer kärnt. 69; vgl.

nu trink wir auss dem fläschlin
und lassen wir den kopf,
so trenelt uns der schopf
Osw. von Wolkenstein 117 Schatz.


4) gerste u. andere früchte in der mühle abstoszen, von den schalen befreien; auch in der form trindeln: getrendelt, gebrochen, gespalten, gerolt, geschraden, getrendelte bonen, erbis, getrendelte, gerölte getraid Henisch (1616) 1587; synonym mit rändeln, rollen, rellen, renneln (s. d.) u. a.; Fischer schwäb. 2, 315; Brenner - Hartmann Bayerns maa. 1, 41; Schmeller-Fr. 1, 666; Lexer kärnt. 69; Schöpf tirol. id. 754; ain vierling ungetrindelt erbis umb 40 d ... ain vierling getrindelt gersten umb 40 d chron. dtsch. st. 23, 327 (Augsburg 1530).
5) vermutlich andern ursprungs ist die wortgruppe tränteln, trändeln, trenteln, trendeln im sinne 'langsam gehen, nicht vorwärts kommen', meist mit wertender nebenbedeutung 'trödeln, saumselig sein'. denn abgesehen von dem bedeutungsunterschied (vgl. auch trant 'langsamer gang') hebt sie sich auch dialektgeographisch von 1 ab; doch musz mit formkreuzungen gerechnet werden. bemerkenswert sind auf diese bedeutung beschränkte, im schriftdeutschen überwiegende formen mit inlautendem t. das wort ist weit über die von Kretschmer wortgeogr. 540 angegebenen landschaften (Elsasz, Lothringen, Hessen, Schwaben, Bayern) hinaus verbreitet: Unger-Khull steir. 170; Lexer kärnt. 69; Stadler schweiz. 1, 297; lux. ma. 440; Autenrieth pfälz. 141; Sartorius Würzburg 126; Hertel Thür. 246; insbesondere auch im nordwesten, vgl. drenten, drentelen Schuerman vlaam. id. 104b; tranten, trantselen Kilian (1605) 565a: Doornkaat-Koolman ostfries. 3, 430; Hönig Köln. 182; Rovenhagen Aach. 147; Wegeler Kobl. 77; Schmidt westerw. 262; Christa Trier. 70; Woeste westf. 274; Köppen Dortmund 60; Leihener Cronenberg. 127; tränteln trippeln Bauer-Collitz waldeck. 105a; trenteln hoffärtig gehen Strodtmann id. Osnabr. 251; auch in Ostdeutschland: trandeln, transeln Knothe schles. ma. in Nordböhmen 184; 186; trenteln Frischbier preusz. 2, 411a.
lexikographisch ist das wort häufiger erst seit dem 18. jh. belegt: Kramer 2 (1702) 1132a; niderhocht. dict. 1, 72a; Ludwig teutsch-engl. (1716) 2, 2013; Adelung versuch 4, 1026; Schrader dtsch.-frz. 2, 1380; Voigtel hwb. 3, 415b; 'schlendernd gehen':

so kumen dan hin zue (zu den budenhändlern) dy jungen knaben
und trendln da in die lettzelten (lebkuchen) altd. passionsp. aus Tirol 345 Wackernell;

(sie) zehlen (beim essen) die bissen und die khewer, triendlen und fiendlen, als ob sie schlaffend essen Guarinonius grewel der verw. 811; Catonis praeceptum fuit: quare cessator es? warumb trendelstu so lange mit einem ding? Corvinus fons latinit. (1646) 1701; zeit hat ehre, war der magd wort, als der knecht so lange trentelte alamod. techn. interim (1675) 470; ihr hund, soll ich euch bein machen? wie sie zaudern und trenteln, die esel Göthe 8, 140 W.; das wetter wäre gut genug, wenn die droben auf dem schlosse nicht so lange trentelten maler Müller w. (1811) 3, 26;

nun rührt euch, rührt euch, dasz es einmal wird,
der junker schilt, dasz ihr so lange trentelt
Tieck schr. (1828) 13, 195;

deutlichere bewegungsvorstellung läszt das abschätzige in der bedeutung zurücktreten: darob trendelte er vergnügt durch die straszen der stadt Spitteler Imago (1906) 212; die maulthiere trendelten hinter dem pferde her in immer weiterem abstande, sie schienen gehend zu schlafen H. Grimm volk ohne raum 2, 128.