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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schoszwurz bis schotenapfel (Bd. 15, Sp. 1606 bis 1608)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schoszwurz, f., mhd. schoʒwurz Lexer mhd. handwb. 2, 783; abrotanum, schosz-, schoswurtz Dief. 4c; abrotanum, stabwurtz, oder schosszwurtz, oder gartenkraut. Gersdorf wundarzn. (1530) 100d; schosszwurtz, (die) gertwurtz, abrotomus, abrotomum Maaler 361b; schosz - wurz, stab - wurz, ein kraut, abrotonum Frisch 2, 221c. cimbr. wb. 228b. die pflanze hat ihren namen von dem grade aufschieszenden stengel, ihre heilkraft ist seit alter zeit hochgeschätzt, vergl. Lonicerus kräuterb. (1577) 183a; bei Nemnich unter artemisia abrotanum schloszwurz neben schoszwurz. bei Oken 3, 572 wird der hundszahn (erithronium dens canis) als gemeine schoszwurz bezeichnet, als ostpreuszisch bezeugt Pritzel - Jessen schoszwurz, lycopodium clavatum. Campe überliefert schoszwurzel neben schoszwurz.
 
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schoszzeit, f. (nd. schottel-tydt), tempus solvendi censum Frisch 2, 221b.
 
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schoszzins, m. census tributarius civitatis Haltaus 1649.
 
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schoszzweig, m. junger sprosz: in denen sich neuwe schoszzweig, stil und bletter generiren. Thurneisser beschr. influent. wirk. aller erdgewächse (1578) 22; biszweilen wachsen ausz den stämmen junge geschwancke frische schoszzweige. Colerus öcon. (1680) 203a.
 
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schostack, schustack, m. polnische silbermünze (= 6 kreuzer), poln. szóstak; die bezeichnung wird in den grenzgebieten gebraucht Jacobsson 4, 38b. Frischbier 2, 324a.
 
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schot, m. (daneben schoter, schaut, schauter, schoder, schauder), in jüdisch-deutscher gaunersprache, der büttel der die peitsche handhabt, schlieszer, gerichtsknecht, polizeiknecht Avé-Lallemant gaunerthum 4, 603.
 
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schötchen, n., dimin. zu schote, f.; schötgen, f. silicula Steinbach 2, 500.
 
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schote, m. narr (gaunersprache), einfaltspinsel, s. DWB schaute th. 8, sp. 2378; besonders der händler, der sich an seinem ladentische bestehlen läszt; schotenfäller, schotten-, schautenfeller, schautenpicker heiszt der gauner, der in diesem fache arbeitet Avé-Lallemant gaunerthum 4, 603. schote erscheint dann aber auch im sinne von spaszvogel, possenmacher, geringer, niedrig denkender mensch Schm. 2, 485, vgl. auch Kehrein 366.
 
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schote, f. längliches samengehäuse bei pflanzen (besonders bohnen und erbsen); die grundbedeutung des wortes ergibt sich als 'deckende hülle'; verwandt sind altn. skauð, scheide, skjóða, beutel, tasche, ags. skeáþ, scheide. zweifelhaft ist das verhältnis zu goth. skaudaraip, ἱμάντα; man faszt es als 'hüllenden riemen', J. Grimm in der zeitschr. f. deutsches alterth. 8, 13 (vgl. oben unter

[Bd. 15, Sp. 1607]


flachs 2, theil 3, sp. 1701) bringt es in zusammenhang mit dem von Graff 6, 425 aufgestellten fem. skota, bündel, fasciculus, das er als skōta ansetzt (schôt, schœt, n. bei Lexer mhd. handwb. 2, 773, mit kurzer wurzelsilbe im mhd. wb. 2, 197a, vgl. Schm. 2, 487; indessen ist diese maszbezeichnung, die sich zunächst auf getreide, heu, flachs u. ähnl. bezieht, wol mit dem in schütten vorliegenden stamme zu verbinden (vergl.schottach, spreu bei Lexer a. a. o. 774); in den bei Lexer a. a. o. angeführten schlesischen urkunden ist eine münze gemeint, s. Ducange unter scotus, ein anderer einfall über skaudaraip gramm. 12, 346; mhd. schôte mhd. wb. 2, 2, 197a. Lexer mhd. handwb. 2, 774, mnd. schode Schiller-Lübben 4, 108a (schode, n. scheide am pferde). im heil. Georg des Reinbot von Turn 4594 erscheint das wort als m. die schreibung des wortes schwankt in älterer sprache: escanea, schott o. arbais scheid, eyn erbeysz schote, eritschode, schut Dief. 210a, folliculus, schotte 241b, siliqua 534a, escanea, schat nov. gl. 156b; mit kurzer stammsilbe:

es warn vier hawer in die schotten gesant.
Uhland volksl.2 313 (162, 2);

und streichelt mit der hand uff die spannische schotte. Maynhincklers sack D 1a; schotten, hulsen, siliqua, theca et involucrum seminis Schottel 1408; schoten et schotten Stieler 1859. ebenso hat schotte neben schote Kramer im deutsch-ital. dict. (1702) 2, 644b, Steinbach 2, 500 dagegen nur schote, ebenso Frisch 2, 221c; durch hochd. einflusz ist nd. schâte zu erklären, das Schambach 181a bezeugt.
1) schote bezeichnet zunächst ganz allgemein eine längliche fruchthülse, sie besteht aus zwei theilen, die mit ihren der länge nach verlaufenden rändern an einander gewachsen sind; pflanzen mit solchen fruchthülsen heiszen daher schotenpflanzen. im engeren sinne wird das wort auf die erbse (auch bohne) und ihre frische frucht bezogen: erbsen, bonen in schoten. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 644b. unterscheidung durch zusammensetzung feld-, zuckerschoten. dabei wird bald die grüne frucht der erbse, bald die pflanze selbst durch schote bezeichnet: die schoten reifen; in die schoten gehen (sprichwörtlich: er wird mir schon wieder in meine schoten kommen, er wird mir schon wieder in die hände laufen Frommanns zeitschr. 3, 243, 70); der schottebätz ist ein gespenstischer hund im erbsenfelde, vor dem man die kinder warnt. quellen u. forsch. 51, 103. schoten pflücken; zurechtmachen für die küche: schoten pulen Frischbier 2, 313b, ausbulstern Hupel 212, schoten kochen, siliquas pisorum coquere Steinbach 2, 500; die schoten sambt den schalen seynd beyde nicht gesund, sonderlich die haut, so über der erbsen ist, denn sie machet viel winde, blehet den bauch, und bringet das winden im leib. Colerus öconom. (1680) 1, 68b;

die schothen würden selbst verderben,
und noch als junge täschgen sterben.
Picander 2, 401;

reiner flieszt das blut bey kohl und magern schoten.
Wieland Oberon 8, 10;

als die schote nun allgemach
sich dehnt' in die breit' und länge.
Bürger 61a;

ackergewächs in üppigen ähren und schoten.
Voss 2, 46;

zuckererbsen und schoten, gepflückt von der rank' in den tiegel. 234;

es wachsen fast dir auf den tisch
die spargel und die schoten.
Schiller 11, 214;

(wir hielten uns) so sicher in unserm boote, wie die kicher in ihrer schoote. Rückert (1882) 11, 462; unnützer .. als eine schoote ohne saame. 472.
2) der schotenklee (lotus corniculatus) wird auch gelbe schote genannt, vgl. Tabernaemontanus kräuterb. 893 K, Nemnich unter lotus corniculatus; vielleicht ist, wie J. Grimm vermutete, diese pflanze schon im heil. Georg des Reinbot v. Turn gemeint:

die keiserin clar, licht gemal,
die wug glich der rosenfar,
so pruve ich den keiser dar
tzu des gelwen schoten,
der formet nach den toten. 4594.

esula (wolfsmilch, hundsmilch) wird glossiert mit grosz o. kleinschottel, scodeke Dief. 211a, lupinus mit wolfesschoten 339c u. ähnl.; miszbildungen von pflaumenfrüchten werden schoten, taschen der pflaumen genannt. eine schneckenart (nautilus legumen) bezeichnet man mit schote, erbsenschote Nemnich.
3) obscön für cunnus: (sie streichelt sich) mit der hand uff die spannische schotte. Maynhincklers sack D 1a.
 
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schote, f. (seemännische bezeichnung), segelleine, die an der ecke des segels angebracht ist; die schote macht das segel nach

[Bd. 15, Sp. 1608]


hinten fest, die halsen wirken den schoten entgegen Bobrik 609a; bei günstigem winde, der beinahe von hinten kommt, segelt das schiff mit fliegenden (d. h. losen) schoten; kommt der wind von der seite, wird die leeschote angeholt (schärfer angezogen), die luvschote gefiert, aufgegeben, aufgestochen oder geräumt (d. h. entsprechend losgelassen), sodasz der wind eine gröszere fläche drückt. nach den segeln, zu denen sie gehören, werden die schoten näher bezeichnet als grosze schoten, fock-, vormarsschoten u. s. w. schote vel schoote, funis velorum Steinbach 2, 501; nd. schoot: de schoot anhalen Richey 236; de schoot fieren Schütze 4, 59, vergl. ten Doornkaat Koolman 3, 139a; bei Stürenburg 233 als schote verzeichnet. das wort gehört seit alter zeit der nordgermanischen seemannssprache an und führt auf die ursprüngliche bedeutung von schosz (ecke, zipfel, spitz zulaufender saum) zurück; altn. skaut, n. bezeichnet die unteren beiden zipfel des segels, das am zipfel befestigte seil heiszt skautreip. ags. sceáta, m. glossiert pes veli Wright voc.2 1, 288, 25, das zugehörige seil wird sceátline genannt (ebenda 24); die neuenglische bezeichnung ist sheet; nld. schoot ist m., unser weibliches schote bildet sich erst unter dem einflusse des hochd. aus dem germanischen stammt franz. écoute, span. escota, ital. scotta.
 
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schotenapfel, m. so nennt Oken 2, 94 äpfelartige früchte, bei denen die scheidewände weich bleiben und viele samen tragen (z. b. kürbisse).

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für