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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schosser bis schoszfinger (Bd. 15, Sp. 1600 bis 1601)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schosser, schösser, m.
1) einnehmer des schosses, steuereinnehmer, rentmeister, mhd. schoʒʒer mhd. wb. 2, 2, 176b. Lexer mhd. handwörterb. 2, 683: Bastian Wulner, schosser zu Jhenne (1497). Michelsen spec. cod. diplom. Jenensis (Jena 1852) 15; dem schosser zu Gotha. quelle von 1528 bei Dief.-Wülcker 844; später mehr und mehr durch die umgelautete form verdrängt: schöszer, receptor, rentmeister Schottel 1408; geiziger, ungerechter schöszer, quaestor rapax et injustus Stieler 1789; schösser, dispensator, quaestor Steinbach 2, 497; schösser, einnehmer der herrschafftlichen einkünfte Frisch 2, 221b; abgesehen von der eigentlichen bedeutung bezeichnet schösser auch andere beamtete personen, so besonders den amtsvertreter: amtmann, amtsverweser, schöszer. Stieler 339, vgl. Weisze kom. opern 1 (1771), 146 ff.; schösser, eine amtspersohn. Frisch 2, 221c. auf bäuerliche verhältnisse übertragen: der schosser, knecht, welcher auf der alpe den dünger besorgt; der gschoszner, helfer des melkers Schm. 2, 478; belege: schösser und dergl. amtleut. reichs-pol. ordn. 1530, xix, 5; und als er ins schössers haus kam. Luther 2, 644a; der schösser zu Alstet. 3, 138a; er war selbst (kurfürst Friedrich) schösser, nach Claus Narren rath, der sagte einmal zu jm, da der hertzog klagte, er hette kein geld, werde ein schösser oder rentmeister, sprach er, so kriegestu auch geld. tischreden (1568) 344b (vgl. Kirchhof wendunm. 3, 70 Österley); vitzthom, pfleger, verwalter, schösser

[Bd. 15, Sp. 1601]


und amptleut. Fischart Garg. 269b; schrieb derowegen dem schösser allda. Schweinichen 1, 245; den aufenthalt eines amtmanns oder schössers, welcher die ehemals hieher flieszenden zinsen und gefälle noch fernerhin einnimmt. Göthe 39, 265; seit dem vom römischen volk kein schosz mehr gefordert ward, war auch der eigentlichste theil des amts der schösser weggefallen. Niebuhr röm. gesch.3 1, 464;

ein weisze mausz, war sein mundschenck,
ein aff, sein schösser wolgelenck.
Rollenhagen froschm. F 1b;

schösser, die in ämtern dienen.
Logau 2, 241, 194;

ist es kein superintendent,
so mags ein küster seyn,
und ists kein schösser der mich kennt,
so mags ein schreiber sein.
Weise cur. gedanken s. 7.


2) schosser, die bäckerschaufel, womit die bäcker den geformten teig in den ofen schieben (schieszen); s. DWB schosse 1. schöszer Pfister 267.
3) schösser, hänfling, s. DWB schösserlein.
4) schosser, schösser, spielkügelchen der kinder (s. DWB schusser) Frisch 2, 221c; mit schössern, hinckers, löpers. Comenius sprachenth. (1657) 941; eine schachtel mit schossern für die kinder. Göthe an Knebel 227. schosser, schossers Pfister 267.
 
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schosser-, schösseramt, n. amt eines einnehmers, rentmeisters, s. DWB schosser, DWB schösser 1: eynname erstlich schosserambts an erbzinsen. Dief.-Wülcker 845 (16. jh.); schösseramt, quaestura Stieler 43. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 644a.
 
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schosserei, schösserei, f., s. DWB schosser, DWB schösser 1; es bezeichnet nicht blosz das amt, die behörde, sondern auch den amtssitz, das amtslocal: schöszerei, quaestura, amtschöszerey, praefectura, amtsaszen müszen vor der schöszerey stehen. Stieler 1790; schösserey, schösserstube Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 644a, vgl. Steinbach 2, 497. Frisch 2, 221b; zw Weimar off der schosserey. Dief.-Wülcker 845 (16. jahrh.); unbarmhertzige geschwinde schossereien. Melanchthon der prophet Daniel ausgeleget (Wittenb. 1546) 145.
 
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schösserle, schösserlein, n. hänfling, daneben schösser, schössel, schöszlein: von dem schösszerle oder stockhänfling. Geszner vogelb. 173a, vgl. Dief.-Wülcker 845. Frisch 2, 221c; vielleicht seines schieszenden fluges wegen so genannt, oder entstellt aus zötscherlein (s. Frommanns zeitschr. 4, 189)?
 
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schösserling, m. schwein unter einem jahre (eigentlich schöszling, niederd. schöttling) Kehrein 366; schösserling für schöszling in eigentlicher bedeutung: die schösserling, die unten und mitten an den stämmen oder wurzeln auswachsen. Colerus calend. 45 (1640).
 
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schosser-, schösserstube, f., s. schosserei, schösserei.
 
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schosz-, schooszfall, m. 'in den rechten einiger gegenden der erbfall, dasz bei dem tode eines kindes der nieszbrauch seines väterlichen vermögens der mutter anheimfällt, oder wie es in den Bautzener statuten heiszt, in den schosz der mutter fällt, wobei doch das eigenthum den übrigen kindern verbleibt' Adelung:

Huldiberta hat kein kind, weniger noch kindes kinder:
mancher schoszfall, wie man sagt, fellt jhr dennoch zu nichts minder.
Logau 3, 90, 73.


 
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schoszfasz, n. eine kufe von etwa hundert quart, die in brauereien gebraucht wird, 'die vor dem hahn des bottigs steht, und in die der meisch gezapft werden kann' Jacobsson 4, 38a (so genannt, weil man die flüssigkeit hineinschieszen läszt).
 
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schosz-, schooszfehler, m. gewohnheitsmäsziger, lieblingsfehler, wie schoszsünde gebildet: sie können seine künftigen schooszfehler daraus abnehmen. Rabener 6, 184.
 
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schosz-, schooszfell, n. schurzfell, starke schürze die den schosz bedeckt, wie sie handwerker, arbeiter tragen; schosfell, cinto di pelle d'un artigiano Kramer deutsch-ital. diction. (1702) 2, 643c; verzeichnet bei Adelung und Campe; das wort ist besonders in niederd. (als schōtvel) gegenden zu hause, vergl. Schiller-Lübben 4, 128b. Richey 236. brem. wb. 4, 679. Woeste 231a. ten Doornkaat Koolman 3, 140b, nld. schoot-vel Kilian. schoszfell ist zugleich name einer augenkrankheit der pferde: so ein rosz faist umb den kopff ist, wässerige augen oder schoszfell hat. Seuter roszarznei (1599) 147, s. oben fleugfall (richtiger fleugfell) th. 3, 1773; wahrscheinlich ist ein trübender überzug des auges, eine art schürze, die das auge bedeckt, gemeint.
 
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schoszfinger, m. finger, mit dem man zum schusse den bogen spannt, ostfries. schotfinger W. Grimm kl. schriften 3, 433.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für