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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schosz bis schoszblatter (Bd. 15, Sp. 1595 bis 1598)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schosz (mit kurzem stammvocal), m. und n., abgeleitet von schieszen (für alle bedeutungen ist zu vergleichen geschosz, n. theil 4, 2, sp. 3958 ff.).
1) an bäumen und sträuchen der sprosz eines jahres, steckling, dann überhaupt zweig, junger trieb (auch am getreide): schosz, palmes Diefenb. 407b, barhaft schosz, surculus 568c, germen, uszschosz, utscot, anschooz 261a; im mhd. ist das wort neutr. (Lexer mhd. handwb. 2, 779); im ahd. ist ein fem. bezeugt: erdscoʒʒa, palmite Graff 6, 562. im nhd. ist das wort in das männliche geschlecht übergetreten: schossz eines gewächsz (das), surculus, germen, stirpes Maaler 361a. daneben hat er aber unfruchtbarer schosz der böumen, spadones ebenda; als m. bei Schottel: schosz, m., germen 1408, ebenso bei Stieler: schosz, et schieszling, der, plur. die schosze, et schieszlinge, germen, stolo, suboles 1769, vgl. Steinbach 2, 497; schosz, m. incrementum naturale, eines gewächses, quod protruditur a natura; surculus, germen Frisch 2, 221b; plur. gewöhnlich ohne umlaut, schosse: die schosse, so man zweigen wil. Schottel 326a; selten schösse:

ietzt weil die schösse klein,
bricht er was wild ist ab.
Opitz 1, 154;

[Bd. 15, Sp. 1596]


es ist merkwürdig, dasz die jungen schösse verpflanzt werden. Oken 2, 345; bisweilen in schwacher form die schossen; nd. schöt, schöte ten Doornkaat Koolman 3, 139b. das n. ist im alemannischen erhalten, s. Hunziker 230. Seiler 263b, dagegen md. als m. Liesenberg 200: nach der zeyt wird dʒ schoszz des herren schön und mächtig, und die frucht der erden klg und herrlich. Zür. bibel Jes. 4, 2; lasz dich krænzen, Faun! hier ist das schœnste schosz, lasz dich krænzen. Geszner schriften 3, 108 (der Faun); zwei bartscherer und ein schuhmacher pflegten so das junge schosz der deutschen bühne. Keller 2, 178.
a) in allgemeiner anwendung, junger trieb: ein jung grad schossz, läblich oder frisch schossz, schossz gewünnen. Maaler 361a; ästlin, schosz, zweiglin. Henisch 134, 21; an fruchttragenden gewächsen spricht man von wilden schossen, nebenschossen, die unfruchtbar sind und deshalb abgeschnitten werden, nebenschosse, wasserschosse Jacobsson 4, 38a; und alles was Esaias von dem schosz oder zweig, so ausz dem stammen Jesse herfür kommen solle, geweissagt. Fischart bienenk. 181a; wenn du etliche schosz und zweig davon herabschneidest. exilium melanch. 150 (1655);

nah am schmerlenbache wuchsen
üppig junge erlen; locker
grünten sie empor und schosse wuchsen
schon im ersten jahr zu schlanken
bäumchen auf.
Fr. Müller 2, 401;

im frühling schöb' ich weiter schosz auf schosz.
Rückert ges. ged. 1, 129.

von einem pfeifenrohre:

wie so lang und gerade der schosz des rosengebüsches,
blank von bräunlichem lack, aufstieg mit der mündung des bernsteins.
Voss Luise 2, 787.

in älterer sprache freier wie zweig:

ein linde was gegoʒʒenûf dem palas rîch:
obenan saʒ in den schoʒʒenmanec vogel minneclîch. Wolfdietrich VI, 48, 2.

in bildlicher anwendung: ich weis das im schosse mein name schmeckt (stinkt), ehe er ehren gewinnet. Luther 3, 110b; der detail in diesem gemählde der schönheit Kombabs schien zu den üppigen schossen zu gehören, welche Horaz ohne schonen weggeschnitten haben will. Wieland 10, 300; von einer person (wie sprosz):

weil dises ädle schosz
von seinem stammen fällt.
Rompler 118.


b) in eingeschränkter bedeutung für steckling, pfropfreis: wider eyngelegt schossz einer räben, das man wider in das erdtrich legt damit andere schossz darvon auffwachsind; schossz eynlegen, schossz zwyen oder stecken. Maaler 361a, vergl. Hunziker 230.
2) die zweite in der ausgebildeten nhd. schriftsprache übliche bedeutung von schosz ist die von steuer, abgabe; eigentlich bezeichnet schosz das was der einzelne zur bestreitung gemeinsamer ausgaben zuwirft (vgl. unter zuschieszen, ferner oben schieszen sp. 46, gleiche bedeutung zeigen altnord. skjóta, ags. sceótan; dieselbe vorstellung also wie bei gewerf, abgabe). das wort ist gemeingermanisch, altn. skot, n., ags. scot, n. (vergl. engl. scot and lot, scotfree), altfries. skot, schot, n., nld. schot, symbolum, collatio, collecta, solutio vulgo scotum Kilian; schot ende lot, census, vectigal. ebenda; mnd. schot, schote, n. Schiller-Lübben 4, 123b, neund. schott (in gleicher anwendung schatt, hochd. schatz) Richey 239. brem. wb. 4, 679. Schütze 4, 60. Dähnert 412b. Danneil 186b. Stürenburg 233b. ten Doornkaat Koolman 3, 139a. auf mlat. scotum geht zurück franz. écot, ital. scotto, s. Diez wb.4 288. das wort ist dem eigentlichen hochd. ursprünglich fremd (vergl. Schm. 2, 478), und aus dem mitteldeutschen gebiete vorgedrungen (daher wird Luthers schosz im Basler n. testament von 1523 mit zinsz, steur, rent erklärt), s. für die ältere zeit mhd. wb. 2, 2, 176a. Lexer mhd. handwb. 2, 780 (hier fälschlich als m.), Vilmar 367 und besonders Haltaus 1646 ff. das wort ist im nhd. zum männlichen geschlecht übergetreten, so in Luthers bibelübersetzung: verbeut den schos dem kaiser zu geben. Luc. 23, 2 u. öfter, dagegen vgl.: dem schosz, dem das schosz gebürt. H. Sachs 22, 43, 35 Götze. schosz, m. tributum, vectigal, reditus Schottel 1408; der schosz, et frequentius das geschosz Stieler 1789; schosz entrichten ebenda; schosz anlegen, describere incolas et aestimare eorum bona; zum schosz geben, schwören, profiteri omnia quae quis habet et jurato edere Frisch 2, 221b; drey schosse geben, einen dreifachen grundzins entrichten Adelung. in der schreibung schoosz:

[Bd. 15, Sp. 1597]


wenn schoosz und steuer-geld wird hefftig eingetrieben.
Canitz ged. 104 (1727).

schosz bezeichnet in älterer zeit besonders die städtische steuer, die nach eidlicher angabe über vermögensverhältnisse (vgl. schoszeid) entrichtet wurde; bis in neuere zeit erhielt sich der schosz in den hansestädten in der form, dasz die steuernden nach eigenem ermessen und ohne controlle durch die behörde ihren antheil an städtischen ausgaben hinterlegten, später noch als bezeichnung der festen einkommensteuer. im allgemeinen gebrauche hat das wort aufgehört eine technische bezeichnung des öffentlichen lebens zu sein, es fristet sein dasein als gewählterer ausdruck; häufig wird es mit synonymen verbunden: und Jerusalem sol heilig und frey sein von allen bürden, schos und zehend. 1 Macc. 10, 31; kein schosz noch zol noch tribut geben. Schade sat. u. pasqu. 2, 266, 5; wenn die armen underthanen jren tribut, schosz, zinsz, rennt und andere gebür geben. Spangenberg jagteuffel (1566) 40b; denn der vogt daselbst, hielt etzliche Dantzker bürger, umbs schos willen auch gefangen. Hennenberger preusz. landt. 70 (1595); schosz und schatzung von seinem acker und garten zu fordern. pers. rosenth. 1, 18; der regelmäszige schosz nach dem census ward von der plebs entrichtet. Niebuhr röm. gesch.3 1, 518;

niemand wil geben schosz und rent,
zu erhaltung der regiment.
Rollenhagen froschm. (1595) Cc 4b;

freiheit von zoll und schosz, als recht der ritterschaft.
Voss 6, 181;

nicht mehr gehalten in herrschendem zwang,
werden sie weigern dienstbaren schosz.
Stolberg 15, 156;

nahmst des glücks tribut zum opfer, nahmst den zoll und schosz der zeit.
Platen 87a;

aus jedem gau kam schosz und zoll
aus furcht vor des starken helden groll.
Rückert Firdosi 1, 243.


3) besonderes.
a) schosz, n. im sinne von geschosz, wie vereinzelt noch im älteren nhd.: vorgemerckte pfyl, oder schossz, deren man sich versicht. Keisersberg post. 26a; als er von eim vergifften schosz verwundt. buch der liebe 234b; meteor, blitzähnliche erscheinung: in der finstry kam ein schosz, daʒ was heytter als ein liechte für. volksbücher 108, 19 Bachmann-Singer, vgl. blickschosz, DWB blickschusz th. 2, sp. 118. schosz, m. kleine steinkugel zum spielen (schusser, schösser) Schultze (Nordthüringen) 43b, vgl. plur. die schossen, marbelkugeln zum spielen Schröer 204b.
b) schosz, m. für schusz (plur. die schösse):

muszt sich das pferdt auch feindtlich stellen,
im krieg gewarten schösz und stich.
Waldis Esop 1, 77, 27 Kurz;

nun erschleicht er (der tod) hämisch dich
und verletztet dir dein leben,
das zuvor sich wolte geben
keinem schosse, keinem stich.
Fleming 247, 64 Lappenberg (vgl. 563);

der schosz gieng in das pferd, und es in bauch verwundt.
Dietr. v. d. Werder Ariost 9, 75;

besonders von der verwundung durch liebespfeile (Stieler 1771):

so kann er der liebe nicht entrennen,
er musz ihr einen schosz vergönnen. amantes amentes G 5b;

du liebster sanct Sebastian,
nim dich doch meines schosses an. D 2;

im sinne von neigung: ihr hett wol alle (ihr damen) ein schosz zu mir, wann ich euch lieben wolte. engl. komöd. 2, Oo 5b; eben als wenn ihr gn. mirs sagen solte, wenn sie irgend einen schosz wohin hette. Filidor verm. printz 74; so noch mundartlich erhalten Frischbier 2, 313 (vgl.schusz); wendungen, wie die letzten, scheint die vorstellung des auf seine beute herabschieszenden vogels beeinfluszt zu haben: ergreifft er (der habicht) sie (die taube), nicht im ersten oder andern schosz, so ergreifft oder erdappt er sie doch im dritten schosz. Colerus hausb. 608b (1680); verschlimmert: dän schosz hann, albern, verrückt sein Jecht 99b (s. DWB schoszbartel). schosz wird dann auch in persönlichem sinne von einem närrischen oder blödsinnigen menschen gebraucht Schmidt 208. Kehrein 365. d' schosz hah (fem.?), heftige, reiszende zahnschmerzen haben (vergl. hexenschusz) Tobler 399b.
c) vorspringender, vorschieszender theil an einem hause, vorspringendes stockwerk, dann überhaupt stockwerk (jetzt geschosz); besonders oberer abgesonderter theil einer scheuer: insicium, vach o. ein schosz als in der scheuern Dief. 300c; schosz an eim hausz, fürschutz, projectura Maaler 361a; für- sive uberschusz, schosz et schupfen an den dächern. Stieler 286;

[Bd. 15, Sp. 1598]


man geht bestürtzt, als sonder rath, einher,
wenn das wüste land zu bauen,
und kein mittel mehr zu schauen,
wenn scheur und schosz von allen saamen leer.
A. Gryphius 2, 151.

altn. skot bezeichnet einen engen um das gebäude gehenden gedeckten gang, in ähnlicher weise von skjóta abgeleitet.
d) schosz, n. die backschaufel, brotscheibe mit der der brotteig in den ofen geschoben (geschossen) wird Schmidt 208. Kehrein 365. Pfister 267. schles. schosse, schusse. s. DWB schosse, DWB schosser, DWB schösser.
e) schosz, m. in bergwerken, dasselbe wie schiebebühne, 'eine auf rollen ruhende bühne, die bei der schachtförderung nach ausförderung eines fördergefäszes über die schachtöffnung geschoben wird und auf der das ausgeförderte fördergefäsz aufsetzt' Veith bergwb. 427. 122.
f) daneben im bergbau schosz, pl. schösse erze und gesteine, die zum zerschlagen sondern 'herein geschossen' werden Jacobsson 4, 38a. 270b. vgl. nd. schott, erde, die aus einem graben herausgeworfen wird. brem. wb. 4, 680.
g) schosz, eine gewisse menge von getreide: schosz, manipulus Diefenb. 347b. von menschen: da steht e schosz leute. Frischbier 2, 313a.
 
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schosz-, schooszaltar, m.:

wer diesem schoosz-altar zu opffern nicht begehrt,
der ist viel billiger des engen stranges wehrt.
Hofmann v. Hofmannswaldau ged. (1695) 170.

s. erstes schosz 5, a.
 
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schoszbalg, m. derjenige theil am halme des getreides, aus dem die ähre hervorsprieszt Jacobsson 4, 38b. Frischbier 2, 313a: diese sollte die schoszbälge an der frucht aufflösen, wann sich die ähren beginnen herfürzuthun. anm. weisheit lustg. 30.
 
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schoszballe, schoszballen, m., in gleichem sinne wie das vorhergehende: das das getreidich in deme schoszballen bleib. Stolle chronik 191.
 
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schosz-, schooszband, n. schürzenband (schweizerisch): schooszaböndel Tobler 399a; s. erstes schosz 3.
 
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schoszbank, n. 'lange, schmale bank in bauernstuben, die man leicht schiebt, schieszt' Kehrein 1, 366 nach Schmidt 208, vergl. Jacobsson 4, 38b; vielleicht ursprünglich an der wand befestigt und aus dieser hervorschieszend; s. zweites schosz 3, a. Pfister 267.
 
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schoszbar, adj., schosz tragend, zu schosz, abgabe verpflichtet, s. zweites schosz 2. mhd. schoʒbære Lexer mhd. hdwb. 2, 781, vgl. Haltaus 1649; schoszbare güter, güter, auf denen abgaben lasten Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 644a; schoszbare hufe im gegensatz zu freien hufen Frisch 2, 221b; schoszbare unterthanen Adelung; hierzu schoszbarkeit, f. bei Campe: was die vicarien fur werntlich stadt guter, der stad schoszbar, zu sich bracht. quelle von 1493 bei Dief.-Wülcker 844; nd. skotbar: were aver dar en borger edder borgersche inne, edder dede scotbar were. d. städtechr. 16, lxiii, 81. in neuerem gebrauche ist schoszbar entsprechend dem zurückweichen von schosz ungewöhnlich geworden.
 
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schoszbartel, schuszbartel, m. (besonders in mitteldeutschen gegenden üblich) geck, hasenfusz, spaszmacher Schmidt 208; mensch, der blödsinnig, närrisch ist oder sich so stellt; schuszbartel, lebhafter, übereilt handelnder mensch Kehrein 1, 365; schoszbartel, einfältiger, possenreiszerischer mensch Vilmar 374; bei Frischbier 2, 313a wird neben der gewöhnlichen bedeutung noch bezeugt 'weiberfreund, der zum schosieren neigt', vgl. im übrigen Schm. 2, 480. Reinwald 1, 150. Bernd 279. Spiesz 228. der zweite theil ist Barthel, Bartholomaeus (vgl. die zusammensetzungen mit -trine, -michel, -hans); zum ersten vgl. zweites schosz 3, b.
 
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schoszbeere, f. rhamnus frangula Pritzel-Jessen; beere des faulbaums, schiesz-, scheiszbeere.
 
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schosz-, schooszbein, n. das schambein Campe.
 
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schoszblatter, f.: schôsblôder, f. blatter am augendeckel Haltrich plan z. vorarbeiten für ein idiot. d. sieb.-sächs. volkssprache 115.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für