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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schorrstatt bis schoszbalg (Bd. 15, Sp. 1582 bis 1598)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schorrstatt, n., nebenform zu schornstein, schor(r)stein: dasz Venedig vermöchte 300 000 schorrstette oder camin. Luther tischreden 434b.
 
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schorse, f. rinde, borke, bast eines baumes; besonders nd.-nl., entlehnt aus dem roman., it. scorza, franz. écorce, die auf lat. cortex beruhen Franck 859. Diez etymol. wb. 288; mnd. schortse, schurtse die äuszere bekleidung der blumenknospe, rinde Schiller-Lübben 6, 256a, nl. schorsse, cortex, liber cutis arboris, vulgo scorssa. schorsse vel korste crusta Kilian, s. auch

[Bd. 15, Sp. 1583]


Oudemans 6, 242; scorse van canele, cinamomum. nl. glossar des 15. jh. bei Dief.-Wülcker 844. selten hd.: schorssen oder runen gemahlen nach der schuster weisse, die 100 lonnen. Casseler licentenliste von 1647 s. ebenda. so auch siebenbürgisch schörz rinde vom baum Schröer 2, 288a.
 
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schörsieb, n.: unsere müller hie sollen, ein ieder müller uns hie mahlen vor anderen leuten, und zwei malsib ein ieder müller haben und ein schörsib und ain wannen. tirol. weisth. 2, 180, 35.
 
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schorte, schörte, f., s. DWB schürze. hierher auch: mit den nesteln (sencklen) bindet man knoten (schörten) oder löset sie auff (ligulis nodos astringimus). Comenius sprachenthür 516 —?
 
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schorteich, m., nd. schor-dyk, ein teich, der mit vorpfälen musz versehen werden. Frisch 2, 221a.
 
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schorung, f., nd. schoringe risz, leck Schiller-Lübben 4, 119b, laceramen (nrh.) schoringhe Dief. gl. 314c, ruptura ... schoringe, schorrung 504b, scissura ... snid vel schoringe 519a.
 
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schose, f. aus franz. chose, besonders in Norddeutschland verbreitet, meist im plur. schosen kurzweil, scherz. brem. wb. 6, 288, späsze, alberne scherze, possen Frischbier 2, 312b, dumme streiche, alberne erzählungen Danneil 186b, sachen, saubere geschichten, lügen Mi 76b, lügen, flausen Avé-Lallemant 4, 603:

und was der schosen mehr.
Rachel satir. 119;

in züchten, wie sich's ziemt,
weil mich vor langem breie
in solchen schosen scheue.
Bürger 23b.

Frischbier 2, 312b f. verzeichnet dazu folgende ableitungen: schosel, m. mensch, der schosen macht; loddriger, alberner, dummer, halbverrückter mensch; schoselei, f. dummer, läppischer, närrischer streich; schoseln, verb. schosen machen; schoslig, adj. albern, läppisch, närrisch, verwirrt, dumm; schosieren, verb. mit frauen schön thun, liebeln (schossieren geschrieben,hierher?).
 
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schosz, schoosz, m. (mit langer stammsilbe) gremium; veraltet ist das f. die schosz; mhd. schôʒ, m., daneben diu schôʒe, diu schôʒ und daʒ schôʒ mhd. wb. 2, 2, 174a. Lexer mhd. handwb. 2, 780; gremium, schosz, schoszs, schos, schoysz, schoysze, schoes, schoesze, schose Diefenbach 269c, sinus, schossz, schosze, schoesz, schusz 537b, schawssz nov. gl. 340b; ahd. scôʒ, scôʒo, scôʒa Graff 6, 563; nd. schôt Schiller-Lübben 4, 123a. Richey 235. brem. wb. 4, 679. Dähnert 411b. Danneil 186b. Mi 76b. Woeste 230b. ten Doornkaat Koolman 3, 139a, schāt Schambach 181a. die grundbedeutung des mit nhd. schieszen zusammenhängenden (vgl. Grimm gramm. 2, 20) wortes ist spitze, winkel, ende, daher ahd. drîscôʒ, triangulus Graff a. a. o., der vordere zum knie herabhängende theil der rumpfkleidung wurde nach seiner faltung und gestalt schôʒ genannt; für diese ansicht ist von bedeutung die verwendung des mhd. gêr, gêre, das wie schôʒ ein 'keilförmiges zeugstück' bezeichnete Lexer mhd. handwb. 1, 869. Grimm rechtsalterth. 158. dem mhd. scôʒ, m. entspricht ags. sceát nach form und bedeutung, dem ahd. scôʒo vergleicht sich sceáta, m.; im altnord. ist das wort n. skaut, goth. skauts übersetzt κράσπεδον, fries. skat, schat Richthofen 1021a. von der bedeutung ecke, zipfel aus erklärt sich die anwendung auf die vier zur richtung dienenden endpunkte der welt (Gylfaginning cap. 8); die ursprüngliche bedeutung von etwas, das nach dem saume hinstreicht, ist verblaszt zu regio in den ags. formelhaften verbindungen corþan, foldan sceát. das oben erwähnte gêr, gêre wird ebenfalls von einem strich landes gebraucht, vgl. Lexer mhd. handwb. a. a. o. über das schwankende geschlecht des wortes s. Grimm gramm. 3, 406. das n. erscheint nur vereinzelt und in älterer sprache, dagegen hält sich das f. neben dem m. bis in die neue zeit. Maaler verzeichnet nur weibliche form des wortes die schosz, gremium, sinus 361a; Schottel dagegen gibt schoos, m. gremius 1408; Stieler führt beide an, der und die schos 1912; die schoosz, gremium; auch der schoosz. Gottsched sprachk. (1757) 170. Steinbach 2, 496 bezeichnet das f. als die in Schlesien übliche form, bei Adelung steht das m. fest, Campe weist richtig das fem. den oberd. mundarten zu. vergl. Stalder 2, 347. Tobler 398b. Hunziker 230. Seiler 263b. Schm. 2, 480. Schöpf 644. Lexer 225a. Schmid 477. cimbr. wb. 228b (neben dem m.); durch differenzierung der bedeutung (s. unten) wird in oberd. gegenden das fem. besonders gestützt. als schwaches masc. erscheint das wort im hessischen der schöszen Vilmar 367. schwaches fem.: auff der schossen des kollers. Lazarillo de Tormes (1617) 101. Luthers gebrauch schwankt zwischen der und die schosz. in

[Bd. 15, Sp. 1584]


der bibelübersetzung gilt das masc., doch vergl.: und er nam jn von jrer schos. 1 kön. 17, 19; in den schriften findet sich das fem. öfter: Lazari sein beth ist yetz in der schosz Abrahams. 12, 595, 24 Weim. ausg.; nun hat die seel weder hendt noch füsz auch kainen schosz. ebenda z. 41; wir fallen Christo in die schos. 14, 267, 7 (vergl. auch unten). einige andere beispiele für das fem. aus der älteren periode des nhd. sind: so senhen zwai klaini knäblin Esopum, die erschracken ser und wurdent schryen und fliehen in die schosz irer muoter und ir angesicht dar in verbergen. Steinhöwel Äsop 42 Österley; die holdseligen blumen, aus ihrer (der erde) schos herfür lokt. Butschky Pathmos 730;

(die kinder) den müttern reiszen von der schosz.
H. Sachs 3, 1, 188c;

und Jupiter des adlers ey,
ausz seiner schosz wirffet entzwey.
Rollenhagen froschm. N 2b;

wann dich küssen, hälsen, herzen
ich gemöcht in meiner schoosz.
Spee trutzn. 201 Balke;

vergl. dagegen:

die reine sonn zu morgen,
in sanften haaren blosz,
den brand noch trug verborgen
in ihrem purpurschoosz. 34;

der wendete seine augen nie von meiner schosz abe. Lazar. de Tormes (1617) 120. über Flemings gebrauch (meist das fem.) s. das glossar von Lappenbergs ausgabe. bei den schlesischen dichtern ist das fem. besonders häufig, aber nicht ausschlieszlich gebraucht (s. unter den belegen aus dieser periode):

schütte deine blitzen
auf die gekränckte schos.
Chr. Gryphius wälder (1718) 1, 278;

Günther z. b. hat die schosz und der schosz neben einander:

(was) eure schoosz für kinder trägt. 165;

erwart ich mir statt deiner schosz den sarg. 326;

in die schoosz Germaniens. 339;

die tochter ihrer schoosz. 384;

unter allen brüdern,
die mir Calliope in ihrer schoosz geschenckt. 577;

und wird ein mahl dein haupt dem glück im schoosze ruhn. 400;

der besten in den schoosz. 393;

den krantz aus meinem schoosze zu empfangen. 441;

spielt in ihrem schoosze. 514;

das fem. begegnet bis zum beginne des 19. jahrh. in der schriftsprache und wird dann endgültig durch das masc. verdrängt:

durch dessen (des thales) grüne schosz ...
ein klarer bach mit holdem murmeln eilte.
Brockes 1 (1739), 54;

im schoosz der vaterstadt.
Haller 176 Hirzel;

in dessen treuer schoosz das herz entladen ruht. 178;

diesz England
die amm' und schwangre schoosz von königen. Shakespeare Richard II 2, 2;

dem horchenden kind auf der schoos. Geszner 3, 11; drängten sich an die schoosz der mutter. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 183 (1790). der plur. von schosz lautet schösze, bisweilen findet sich eine schwache form (zum fem.): schooszen Birlinger volksth. 2, 356; schwacher acc. sing. zu schosz, f.:

gab ihren sohn, der freude lohn,
der mutter auf die schooszen. wunderhorn 2, 479 Boxberger.

veraltet ist die schreibung schos (oft bei Luther); so schreibt Stieler 1912 (bei Schottel 1408 schoos); hierzu der plural schose, schöse, vgl. Kramer deutsch-italien. dict. (1702) 2, 643c. Frisch 2, 221b; Schiller reimt schoose dat. auf loose (schoose: rose 1, 228):

noch liegen die loose
dunkel verhüllt in der zukunft schoose. braut von Messina 1, 3;

ebenso Herwegh:

der dichter ist der sultan Scheriar,
und liebt, wie dieser herr, das grandiose;
der ruht auch zweimal nie im selben schoose. ged. eines lebend. 1, 171 (1841);

Adelung tadelt diese schreibung als der aussprache widersprechend. schoosz (zum unterschied von schosz, tributum) ist in der ausgebildeten neuhochdeutschen schriftsprache die gewöhnliche schreibung, doch schon Campe erkennt schosz im hinblick auf blosz, klosz als berechtigt an.
1) schosz als theil des gewandes; die bedeutung ändert sich naturgemäsz mit den wandlungen der tracht. im mhd. bezeichnet

[Bd. 15, Sp. 1585]


schôʒ den langen, faltenreichen theil des gewandes, der über den unterleib herabfällt, in dem man etwas tragen oder verbergen kann, wenn man ihn aufhebt, bauscht: (eine frau) mag ein schousz foll (obst) wol uflesen. Grimm weisth. 5, 232; wat, of ic di geve dinen scot vol disser erde. d. chron. 2, 1, 260, 10;

(er brachte) tûsent unze in sîner schôʒe. Flore 5152;

dô nam vor in der gotes knecht
gluende koln in die schôʒ
und trûc die mit also blôʒ
verren wec so hin abe
zû sante Martînes grabe. passional 647, 7 Köpke;

ein schoosz voll (brombeeren), den begehr ich nicht;
ein hand voll hab ich genug. wunderh. 2, 68 Boxberger.

ein schosz machen, die schosz aufheben, den rock zsamen fassen wie ein schosz, ex toga facere sinum Maaler 361a. in neuerer zeit bezeichnet schosz untere theile des obergewandes, die über die taille herabfallen oder von ihr abstehen; so bei der frauentracht: an den wämmessern musz nur ein einiger, und zwar gewickelter schosz seyn, wie die weiberhembder, die unten auff der seiten keine schlitze haben .. doch düncket es sie, es stehe hübscher, auch adelicher und fürstlicher, wann man die schösze ganz abschafft, und die hinderste sitzberge ein wenig geschleifft und eben gemacht werden. Simpl. 3, 754 (1684); durch ein camisol mit kurzen schössen drückte sich der schönste wuchs und noch etwas mehrers aus. Möser phant. 1, 4 (1775); an männerröcken: die schose am wammes, wammesschose; vordere, hintere schose. Kramer deutsch-ital. diction. (1702) 2, 643c; schos, der theil vom kleid, so diesen vorderleib (den schosz, gremium) bedeckt; und hernach alle herabhangende theile hinten und vornen. Frisch 2, 221a; rockschösze, frackschösze: etliche bröszlein so jhme auff der schossen des kollers lagen. Lazarillo de Tormes (1617) 101; es (das wams) hat keine ermel, wenn ich mir einen neuen leib und schösse dazu machen lasse, es solte ein fein wams noch werden. Schoch studentenl. D 6a; (die hunde) zerfetzten dem männle, der sekundiren wollte, die schösze. Kl. Schmidt kom. dicht. 157 (1802); er trug einen feierlichen schwarzen frack mit sehr breiten schöszen. Keller 1, 253; in seinem dunkelblauen kleide, dessen spitze schösze gegen die fersen schlugen. nachl. 249; niederd. rok mit lange, korte schooten. Schütze 4, 59, vgl. Richey 236. brem. wb. 4, 679; en'n bîn schâte hem, bî de schöæte krîgen, bei den schöszen halten, fassen; hei let sek de schöæte nich afrîten, er stellt sich nicht erst, als wolle er fort und liesze sich nur mit gewalt zurück halten, er bleibt von selbst Schambach 181a.
2) im mittelalter als theil der rüstung, das den unterleib, hüfte, oberschenkel deckende stück: und auch die burger mit jhren wapenröcken darüber (über dem plattenharnisch) .. mit schossen und lipeisen. Limb. chron. 21 Rossel (zu 1351);

durch schôʒ und ouch durch platen
vil manger wart geletzet.
Suchenwirt 8, 166;

vür den satel in die schôʒ. 15, 75;

vgl. Wolfdietrich D V 15, 3 var. Schm. 2, 480. Schiller-Lübben 4, 123b, ebenso schœʒel Germ. 24, 145; im 16. jh. verstand man nach Böheim waffenk. 100 u. öfter unter schöszen die an den harnisch angeschnallten, die vorderen oberschenkel deckenden, eventuell bis zum knie reichenden theile der rüstung, s. z. b. die abbildung 123 a. a. o. s. 114.
3) in alemannischen gegenden hat schosz (hier herrscht das fem.) die bedeutung von schürze entwickelt, was sich leicht erklärt, vgl. Schmid 477; seidene schooszen Birlinger volksth. 2, 356. Stalder 2, 347. Tobler 398b. Hunziker 230. Seiler 263b. Frommanns zeitschr. 6, 119, 26. in besonderer bedeutung erscheint das wort im hessischen: schôszen, m., die innere rocktasche, besonders auch die unter dem rocke der weiber angebrachte, angenähte oder angebundene tasche Vilmar 367.
4) die weitere entwicklung der bedeutung von 1 her ist die, dasz die von dem schôʒe bedeckte körpergegend mit in den begriff des wortes einbezogen wird; busen, schosz, geren, gremium, quod est inter complexum fœmorum Henisch 569, 38;

aber hinten hätt' er nicht vorgesehn,
dasz da auch wieder leute stehn,
gab einem zur linken in den schoos
mit seinem hintern einen derben stosz.
Göthe 13, 114.

gewöhnlich aber ist mit schosz die vorstellung einer sitzenden person verbunden: bald von der vertiefung, welche im sitzen .. zwischen den schenkeln entstehet; einen schoosz machen, besonders von weiblichen personen, im sitzen die schenkel ein wenig von einander thun, damit eine vertiefung entstehe. Adelung;

[Bd. 15, Sp. 1586]


dô sluoc daʒ kint OrtliebenHagen der helt guot,
daʒ im gein der hendeanme swerte vlôʒ daʒ bluot
unt der küniginnedaʒ houpt spranc in die schôʒ. Nibel. 1898, 3.

ebenso aber von männlichen personen in entsprechendem sinne, jemanden auf den schosz setzen oder nehmen; etwas im schosze haben, auf dem schosze halten. es kommt eine reihe bestimmter vorstellungen in betracht:
a) das kind auf dem schosz, im schosz der mutter; in der mutter schos spielen Stieler 1912; es wächst auf im schosze der mutter; Christus auf dem schosze der Maria;

daʒ bilde machentend si
nach Jesus dem kindelin
und nach der magt der muoter sin ...
als si es hat uf der schossen.
W. von Rheinau Marienl. 88, 28;

vrewe dich daʒ ûf dîner schôʒe
saʒ der rîche got der grôʒe. Mariengrüsze 477 (zeitschr. f. d. alterth. 8, 289);

diu scham alsam ein reineʒ kint in schœner vrouwen schôʒen spilt. minnes. 2, 250b Hagen;

nach diesem ward es als ein christen-kind getragen
mit freuden in die schosz der mutter und mit lust
erzogen in der furcht des herren.
Rist Parn. 642;

und das kindlein — in der mutter schoose
lag es da in süszer goldner ruh.
Schiller 1, 228;

das kleine wesen — welch vergnügen! —
im mütterlichen schoosz zu wiegen. 3, 167;

es erschine in gemelten hellen, glanzenten wolkencirkel die königin der barmherzigkeit, bekleit mit einem glanzenten klait, gleich der claren sonnen, doch einen himelblauwen feurigen mantel an. die hette ihr allerliebstes kind uf irer gebenedeiten schosz. sie erscheine süzent uf einer wolken als uf einem sessel. Villinger chron. 57; der mutter in der schosz braten feigen an eim spieszlein essen. Paracelsus op. (1616) 1, 268 A; sprichwörtlich: die schosz macht grosz, deutlicher: auf der mutter schosz werden die kinder grosz. Lehmann 190; immer näher als andere im schosze sitzen wollen. Schottel 1118b; das erschreckte kind flüchtet sich zum schosze der mutter, s. die oben aus Steinhöwels Äsop angeführte stelle; es trägt sein spielzeug in den schosz der mutter: so freuet sich ein kind, das bunte kiesel am ufer findet, und einen nach dem andern mit jauchzen der mutter in den schoosz bringt. Lessing 8, 19. in entsprechender anwendung, naturgemäsz seltener, schosz des vaters: wenn er euch auf dem schoosze sasz oder in die backen zwickte. Schiller räuber 1, 1 schauspiel;

wie das der teuffel hab geschwindt
ein bösz und ungehorsam kindt
dem vatter ausz der schos gerücket,
solchs mit sich in die lufft gezücket.
Stephanus geistl. action (1568) C 8b;

was liegt in des vaters schoosze?
ist's ein neugebornes wiesel?
ist es ein alraunenmännlein?
Immermann 12, 21 Boxberger;

der vater erkannte in altgermanischer zeit das kind an, indem er das neugeborene auf seinem schosze hielt, auf gleiche weise adoptierte er. Grimm rechtsalterth. 465. kl. schr. 6, 164. Weinhold altnord. leben 260. ein kind auf dem schosze reiten lassen u. ähnl.; frei, im bilde, schosz des wohlthäters:

hab ich dich tollen hund vom koth in hof gebracht?
und auf selbst-eigner schosz berühmt und grosz gemacht.
A. Gryphius 1, 11.

schosz der ältern: die kinder aus der eltern schosz reiszen. Steinbach 2, 496; beide ziehen sie auff, hertzen, küssen, und halten sie warm in bosen und schosz. Comenius sprachenth. (1657) 599.
b) schosz gottes. die seligen sitzen oder ruhen im schosze des himmlischen vaters, vor allen Christus: der eingeborne son, der in des vaters schos ist, der hat es uns verkündiget. Joh. 1, 18; wölcher in verordneter zit nach gefallen götlichs rats usz der schosz sins vaters sich in disz jamertal genidert. Schade sat. u. pasqu. 3, 3, 1;

das ist Jhesus Christus Marien sone,
der do ist von dem obersten throne
usz des ewigen vatters schosz. Alsfeld. passion 4556.

vom eingehen in die seligkeit, leben in der seligkeit:

alle diu got vurchtentund nach im gerne wurchent
riche ode armedie choment alle ze sinem barme,
in sin schoʒe er si setzet. genesis 45, 7 Diemer;

dasz ich mit dir durch die himmel schwebe,
wonnestrahlend und beglückt, wie du;
und auf einem sterne mit dir lebe,
und in gottes schoosze ruh.
Hölty 64 Halm;

[Bd. 15, Sp. 1587]



und dann komm' ein himmelsbot' und trage
deine seel' in gottes schoos. 161;

wer nu ein christ ist, der hat gut sterben, dencket also, wenn die seele ausferet, so stehets vol engel umb her, die sie gott in die schos hinein tragen. Luther 4, 155b. die wendung in gottes schosze sitzen wird formelhaft gebraucht: nicht anders meineten, denn sie seszen gott in der schos (wären der gnade gottes völlig versichert). Luther 4, 151b; für glückseligkeit überhaupt: ach müssen diese leute nicht gott mitten im schosze sitzen. Weise kl. leute (1679) 159; was vor ein glückseliger mensch daher tritt, wie tief er gott im schosze sitzen musz. 291. wie hier so wird auch sonst die vorstellung von dem zustand im jenseits nicht mehr fest gehalten, sondern wir denken an das väterlich schirmende verhalten gottes zu uns im irdischen leben: ich will euch laben und erquicken, und bisz ins alter in meinem schosz tragen und bewaren. Mathesius Sar. 4a; sehr oft bei P. Gerhardt:

läszt gott ihm seine kinder,
wann not und trübsal blitzen,
in seinem schosze sitzen. 19, 20 Gödeke;

der herr wird uns viel gutes thun,
das land wird früchte geben,
und die in seinem schosze ruhn,
die werden davon leben. 22, 59;

wenn die not wird viel und grosz,
schliesz er dich in seinen schosz. 94, 42;

dem ich in dem schosz gesessen,
warum hast du mein vergessen? 129, 55;

halt unser liebes vaterland
in deiner schosz und starker hand. 208, 86;

als dasz ich wider ihren trutz
mich leg in deinen schosz und schutz. 289, 76;

er nehme dich auf seinen schoosz,
er geb' ins herz dir ein ...
und lasse dich wahrhaftig grosz,
wahrhaftig glücklich sein.
Claudius 5, 160.

schosz der engel, schirmend und behütend: kinner fall'n engel in'n schōt, sie fallen ohne sich schaden zu nehmen Danneil 186b.
c) die jüdische vorstellung des seligen, der im schosze Abrahams ruht, ist in die christliche anschauung übergegangen durch das gleichnis vom armen Lazarus (es begab sich aber, das der arme starb, und ward getragen von den engeln in Abrahams schos. Lucas 16, 22): dasz Abraham in dem evangelisten Luce am 16. seine schosz auszleget, und von den engeln die jenigen, so die seligkeit ererben sollen, auffnimpt. Gretter erkl. der epistel Pauli an die Römer (1566) 243;

thô her theses lîves solde gewandelen,
tho wart sîn siele untfangen van godes engelen,
the vôrden se mit sange ande rouche vile sôʒen
zo then Abrahâmes scôʒon. legendar in d. zeitschr. f. d. phil. 10, 159, 729;

in truoc der engel vreude grôʒ
ze himel in Abrahâmes schôʒ. Barl. u. Jos. 86, 16;

nu bist dû in Abrahames schôʒ
worden der heiligen genôʒ.
Lamprecht v. Regensb. S. Francisken leben 4028;

wand si füeren alsô drât
in Abrahames schôʒ.
Ottokar reimchron. 16111;

in die schoʒ her Abrahe
fuor er und het guote rue.
Suchenwirt 40, 166;

mer woln in her Abrahams schosz alle liegen. Alsfeld. passion 4690;

quid faciemus nos?
wie machen wir's, dasz wir kommen in Abrahams schoosz?
Schiller Wallensteins lager 8;

so werd' ich auch wohl in Abrahams schosz
bleistift und pinsel nicht werden los.
Göthe 47, 166;

vil (sind), die aus seinen (Abrahams) lenden kommen, aber wenig, die in seiner schos sizzen werden. Butschky Pathm. 103. sitzen, ruhen wie in Abrahams schosz als ausdruck höchster behaglichkeit. ähnlich: wenn er vollends in schönen phantasien sich des pastors Götze eingeweidewürmerkabinet ausmalte — und den himmlischen Abrahams schoosz, auf dem er darin sitzen würde. J. Paul Katzenb. badereise 1, 5; verblaszt ohne beziehung auf die seligkeit des gerechten: ich war auch nur drey schritte von der sakraments-leiter, auf der ich in den schoos Abrahams steigen sollte. Schiller räuber 2, 3 schauspiel.
d) vorstellungen wie die unter b und c behandelten liegen den verbindungen schosz des glückes, der seligkeit u. ähnl. zu grunde: er meint er sitzt dem glück im schos. Stieler 1912; sie könnte in dem schoosze der seligkeit nicht aufgehobner seyn. Lessing 2, 156;

schlaff engel! schlaff voraus und liege
im schoosze der zufriedenheit.
Günther 279;

[Bd. 15, Sp. 1588]



kann nicht hier ein mann sich in der freude schoosz
niederlegen.
Wieland 9, 342;

dieser mann, der so dem glück im schoosze sitzt. 18, 83;

sprang der sklave
der sorge in der freude schoos.
Schiller 6, 270;

der than von Cawdor lebt, und lebt im schoosze
des glückes. Macbeth 1, 5;

von deinem volke los
und seinem kampf und trachten
müszt aller füll im schoosz
dein einsam herz verschmachten.
Geibel 3, 18,

anders gewendet: manchen monarchen, der etliche millionen köpffe unter ihm, aber seinen selbst eigenen nicht in der gewalt, sondern in der schos, des ungewissen glükkes ligen hat. Butschky Pathmos 778.
e) in anderen übertragungen tritt der begriff des schirmenden, schützenden, des mütterlichen oder väterlichen hervor: er tt uns auf sein schoʒʒe siner gt. Schönbach pred. 2, 126, 23; vielfach wirkt auf den gebrauch die später entwickelte bedeutung von schosz als des bergenden mutterleibes ein (s. unten unter 5): aus der schosz des vaterlandes weg reiszen. Steinbach 2, 496; von einem verirrten zügellosen leben in den schoosz der tugend und reiner liebe zurück zu bringen. Klinger theater 1, 310;

nicht im getümmel, nein, im schoosze der natur
am stillen bach.
Wieland 9, 28 (Musar. 1);

im schoos der freundschaft und natur
legt er der sorgen bürde nieder.
Gotter 1, 464;

auf reich bebauter flur,
in dem schoose herrlicher natur.
Göthe 1, 84

(s. dagegen unter 5, g); die unfälle, die ihn zwangen, in den schoosz seiner ländlichen heimat zurückzukehren. Grillparzer 11, 230; in den schosz der familie zurückkehren u. ähnl.: war ja diese ganze kunst dem dienste der frauen gewidmet und reinlich und friedsam, dasz ein sohn in ihrem schosze wohl geborgen schien. Keller werke 1, 226; eine feste verbindung ist schosz der kirche, von dem schönen bilde der kirche als mutter ausgehend: in den schos der wahren kirche Christi wiederkehren; im schos der heiligen kirchen leben; kirchenschos Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 643c;

unde wolde strebin
widir in der kirchin schôʒ.
N. v. Jeroschin 6121;

ein mter, haubt der gantzen welt
die nit beschlisset iren schosz
dem sunder irrend klein und grosz,
der sich z ir in demt ker.
Brant narrensch. s. 107b Zarncke;

ich kehrte in der kirche schoosz zurück,
schwur meinen irrthum ab in seine hände.
Schiller M. Stuart 1, 6;

der rechte weg zum heil
führet durch den schosz der kirche.
Müllner schuld 4, 7;

es wäre denn, es fühlte einer trieb,
im schoosz der kirche — nun, sie wollen nicht.
Grillparzer 7, 100;

meine sehnsucht, einer kirche in den schoosz zu kommen, die uns so angenehm einwiegt. Thümmel reise 4 (1794), 121; (gen Rom) wo der himmelspförtner, sankt Peters statthalter, hauset, dem die schlüssel zur himmelsthür anvertraut sind, dasz er dich aufnehme in den schoosz der kirche. Musäus volksm. 1, 117 Hempel.
f) im gegensatze zu wendungen wie der schosz gottes, Abrahams schosz spricht man vom schosz des teufels: man soll nicht rückwärts gehen, sonst läuft man dem teufel in den schosz. Birlinger volksth. 1, 278;

daʒ du dich woldest engen
und dîne sêle brengen
Lucifer in sînen schôʒ. zeitschr. für d. alterth. 7, 118, 325.


g) hündchen werden im schosze gehalten und gehegt (vgl. schoszhund):

Îsôt die küneginne clâr
des hundels kleine vordrôʒ;
sie leget eʒ schône an ire schôʒ
und nam mit ir wîʒen hant
iren mantel von bliant
und behulde eʒ dâ mite.
H. v. Freiberg Trist. 4582.

vgl. über diese sitte für das mittelalter Schultz höf. leben2 1, 450, anmerk. 2;

einem hundelîn,
daʒ lac in der schôʒe sîn.
Ottokar reimchr. 78249;

he nam en (den hund) vaken up den schod
unde gaff eme eten dat beste brod. Reinke de vos 5107;

[Bd. 15, Sp. 1589]



ihr mädchen, nehmt diesz allemahl in acht,
den kleinen hund, der eure schosz bewacht,
müszt ihr zum beiszen nicht gewöhnen.
Rost schäferged. 10;

zur rechten wiegt sich an ihr prinzessin Dindonette,
ihr eichhorn Puck auf der schulter, im schoosz ihr türkischer hund.
Wieland 4, 10 (der neue Amadis 1, 11);

ein hase flüchtet sich in den schosz des heiligen Franciscus:

dô flôch er zem heiligen sân
und leit sich ruowen in sîn schôʒ.
Lamprecht v. Regensb. S. Francisken leben 2525;

das einhorn schlummert im schosz einer reinen jungfrau ein, s. goldene schmiede xxxii, 30. frosch im schosz: do der frosch in die schosz kompt, so welt er gern in den psen. quelle bei Schm. 2, 480.
h) Johannes ruht beim heil. abendmahle auf dem schosz des herrn (so oft auf mittelalterlichen darstellungen), nach Joh. 13, 23: erat ergo recumbens unus ex discipulis ejus in sinu Jesu; dorum einer von seinen jungern, der ruwet in der schoʒʒ Jhesus. cod. Tepl., vgl. Schm. 2, 480 und unten schoszjünger. Luther übersetzt: an der brust Jhesu. schosz des freundes, des vertrauten, des schützers.

komm du her, alter kanzler,
und leih zum ausruhn heut mir deinen schoosz.
Grillparzer 5, 127;

anders gewendet:

o welch ein glück hat der, dem gar liegt in der schosz
ein freund, dem sich ein mann kan kühnlich geben blosz.
Logau 1, 235, 86.

Eberhard im bart, herzog von Würtemberg, rühmte sich, im tiefsten walde sicher im schosze jedes seiner unterthanen übernachten zu können: dasz er sich ihrer (der unterthanen) rühmen dorffte, er getraue in eines jeden seiner unterthonen schos seinen kopff zu legen und darinn sicherlich zu schlaffen. Simplic. 2, 87 Kurz;

dasz jn wäldern noch so grosz,
ich mein haupt kann kühnlich legen
jedem unterthan in schosz.
J. Kerner.

von einem toten:

daʒ wunde houbet (des Vivianz) er zehant
legt al weinde in sîne schôʒ.
Wolfram v. Eschenbach Willeh. 61, 29;

so liegst du nackt und schmucklos, groszer könig,
das haupt gelegt in deines dieners schosz.
Grillparzer 5, 152.

man verbirgt das haupt im eigenen schosze oder dem eines anderen aus scham, schmerz u. s. w. (Schiller 1, 324), wirft sich in den schosz eines andern, um dort tröstung, schutz zu finden oder sich hinzugeben; übertragen: um sich nicht dem seelenlosen materialismus in den schoosz zu werfen. Kant 2, 323.
i) schosz der geliebten, wendungen wie liegen, ruhen, schlafen in ihrem schosze können zweideutig sein oder verhüllend die unter 5 behandelte bedeutung von schosz enthalten (Haml. 3, 1). die arme des liebenden ruhen auf dem schosze der geliebten:

die wîle lâgen mîn arme ûf ir schôʒ:
ach, wie suoʒe mir daʒ dur min herze gie. minnes. 2, 279b Hagen;

sitzen, liegen, ruhen im schosze der geliebten; sie nimmt den geliebten auf ihren, in ihren schosz u. ä.: der liebsten im schos sitzen. Stieler 1912; ja sie meinen sie hetten disz fest nit recht geeret, wan sie die füllerei underwegen lieszen, unnd legen sich den weiberen ynn die geren yn die schosz. Keisersberg narrensch. 109d; sonst da er dich noch liebte, noch in deinem schoose lag. Göthe 10, 144;

er sach in einer barken
einen schœnen ritter starken ...
der hât sich in die schôʒ geleit
einer schœnen juncvrouwen.
Heinrich v. d. Türlin krone 26390;

ich kêrte mich hin dannewert,
swenne er sich leite uf iuwer schôʒ.
mîn herze heiʒe trehene gôʒ.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 21287;

der pabst, der liesz ihn (den kaiser) stehn;
er lag in seiner buhlen schoosz. wunderhorn 1, 138 Boxberger;

mein allerfeinst liebchen,
nimm mich in deinen schoosz. 2, 323;

drauff ist er (herr Specht), jungfrau braut, in eure schoosz geflogen,
in der er voll von lust ihm seinen sitz erkiest.
A. Gryphius 2, 311;

ich sank in deinen schoos.
Göthe 1, 18.

[Bd. 15, Sp. 1590]


in besonderer wendung:

den leeren reimer, welcher, mit goldnem schnitt
im schoos der schönen tochter der enkelinn
zu ruhen träumte.
Hölty 89 Halm;

liebchen öffne deinen schoos,
bleibt wohl einer hangen.
Göthe 41, 28.


k) das weib im schosz, auf dem schosz des mannes: sie ist dem edelman in den schosz über sich gesprungen und gehotzet, sprechend: ei, er kützelt mich. Zimmerische chron.2 1, 458, 35; wenn mich ein guter freund auf den schoos nimmt, sagte Philine, so bin ich zufrieden, dasz wir eng und erbärmlich sitzen. Göthe 19, 31;

alsdenn besinne dich auf gärten, grasz und linden,
worunter meine schoosz dein schläffrig haupt gewiegt.
Günther 635.


l) etwas wird jemandem in den schosz gelegt und dadurch ihm als eigen zugewiesen; nimmt der vater das neugeborene kind auf seinen schosz, so erkennt er es nach altgermanischem brauch als sein eigenes an, s. oben unter a. eine enkelin wird der groszmutter in den schosz gelegt: der betrübten Naemi, welche er nach vielen auszgestandenen creutz und armuth in des vornehmen mannes, des Boas zu Bethlehem hause wiederumb erfreuete durch ihre schnur, die Ruth, und legte ihr einen solchen enckel in die schosz, ausz dessen henden hernach könige entsprossen sind. Schuppius 667; gaben, geschenke: eine heimliche gabe stillet den zorn, und ein geschenck im schos den hefftigen grim. spr. Sal, 21, 14; ein vol, getrückt, gerüttelt und uberflüssig mas wird man in ewern schos geben. Luc. 6, 38,

was zog er von seinem finger?
ein'n ring von reinem gold gar fein,
er warf den ring in ihren schoosz. wunderhorn 1, 104 Boxberger;

vom abgeschlagenen haupte des feindes:

ihr sey erlaubt
sein wie Jamblichens kopf in ihrer schoosz zuschauen.
Lohenstein Cleopatra 2, 417.

in bildlichen wendungen: gott hat jr (der kirche) seine gewalt in die schosz gelegt, und als der frawen die schlüssel gegeben. Luther 4, 100b; den verarmtesten die zwey schönsten blumen des irdischen lebens, hoffnung und geduld, in den schoos zu legen. Thümmel reise 8 (1803), 304; sein herz ausschütten in den schosz des freundes. Adelung. das mühelose des empfangens kann mehr oder minder hervortreten: dieser schatz wird uns für die thür bracht, und in die schos gelegt, on unser zuthun oder verdienst. Luther 2, 330a; (das evangelium) heist uns nur die schos herhalten und nemen. 3, 165b; als ob gott der königin Christinae zepter und cron und das gantze königreich Böhmen in den schosz schütten wolte. Schuppius 385;

(das glück spricht:)
mein füllhorn gosz ich dem verschwender
in seinen schoos, so mütterlich.
Schiller 1, 247.

es fällt jemandem in den schosz, er gewinnt es mühelos; es kommt einem in den schosz, es kommt ihm zu gute:

eʒ kumt dir gar in dînen schôʒ. pass. 584, 20 Köpke,

vgl. Reinaert II, 2190; sprichwörtlich: der geluckigen brût regent it in den schôt. Tunnicius 298.
m) im Schwabenspiegel wird die vereidigung eines frôneboten geschildert: so sol in der rihter nemen bi der hant, und sol in sezen uf einen stul, da ein kussin ufe lige, und sol im die heiligen (die reliquien) uf sine schoʒe sezen (damit er auf sie seinen amtseid leiste). 106, 2 Gengler; die gegenwart der heiligen zeugen beim eide sollte dem schwörenden recht deutlich werden.
n) jemandem etwas in den schosz legen, damit er walte, urtheile, entscheide, helfe: juwe ghnade sint myner ere unde rechtes mechtich unde wil myn recht unde unrecht legen in juwer gnaden schot. quelle bei Schiller-Lübben 4, 123a;

vil milter got, nû sî dir al mîn ungemach
ûf dîn erpermede geopfert in dîn schôʒe. Lohengr. 683.


o) los in den schosz geworfen: los wird geworffen in den schos, aber es fellet wie der herr wil. spr. Sal. 16, 33; im schosz der götter ruht die entscheidung:

es ruht ja mein los,
wie deines, allwaltenden göttern im schosz.
Leuthold ged.4 264;

schosz des zufalls:

sey ein gewinnst noch so klein, er liegt dem zufall im schoosze.
Thümmel reise 8 (1803), 294;

[Bd. 15, Sp. 1591]


christlich:

das glück
wohnt droben in dem schoosz des ew'gen vaters.
Schiller jungfr. von Orleans 3, 4.


p) die hend in die schosz legen, insinuare manus Maaler 361a; besonders im sinne von müszig sein: die hände in den schos legen, otiosum esse, nihil laborare Frisch 2, 221a; die hände, die hand ruht im schosze, die hände fallen in den schosz u. ähnl.: den weibern ist nichts zu glauben, als diese drei ding: erstlich, wenn sie vor ihrer thüre sitzen und die hand in der schoosz haben liegen, wann man sie dann fragt, was macht ihr guts? und sie antworten: nicht viel; das ist ihnen wol zu glauben. Abr. a S. Clara närrinnen 126; wie wir denn auch in der that die hände nicht in den schoosz legten. Felsenb. 1, 66; mons. Plager, der seine hände auch nicht in den schoos legte. 2, 74; aber was nennen sie ruhig sein? die hände in den schoosz legen? Lessing 2, 186; die dieses moralische gute mit der hand im schoosze, als eine himmlische gabe von oben herab, ganz passiv zu erwarten meinen. Kant 6, 341; bei einer gefahr die hände in den schoosz zu legen. Grillparzer 15, 71;

was steht ihr und legt die hände in schoosz?
Schiller Wallenst. lager 8;

als ausdruck der überraschung:

die frouwe des werkes vergaʒ,
ir hende enphielen in die schôʒ.
K. von Fuszesbrunnen kindheit Jesu 229;

schreck:

ir wart in dem lîbe kalt
daʒ herze, daʒ geloubent mir.
ir liehten hende enphielen ir
beide für sich in die schôʒ.
Konr. v. Würzburg herzemœre 483;

sie duchte iʒ ginge ir an ir êre.
ir hende vîln ir in den schôʒ.
Bartsch md. gedichte 466.

ausgelassene heiterkeit: lacht und schlegt die hend zusammen in sein schosz. Ayrer 4, 2527 Keller.
q) das haupt im schosz verbergen:

sîn houbet legt er in sîn schôʒ,
er klagte, daʒ er was blôʒ.
Ottokar reimchr. 16721.


r) in den schosz schauen bei frauen als zeichen der verschämtheit:

die ritter schauten muthig drein,
und in den schoos die schönen.
Göthe 1, 178.


5) eine weitere begriffsentwicklung von schosz ist die, dasz die bezeichnung die vorstellung des deckenden gegenstandes nicht mehr mit festhält, sondern sich auf den körpertheil, den unterleib selbst bezieht: meine nieren sind verzeret in meinem schos. Hiob 19, 27.
a) schosz des weibes. schon unter 4, i ist erwähnt, dasz in wendungen wie im schosze der geliebten ruhen, schlafen u. ä. eine beabsichtigte unklarheit vorliegen kann. daneben findet sich aber auch unzweideutiger gebrauch, so dasz ausschlieszlich der körpertheil selbst gemeint ist:

ir valsche liebe diust sô grôʒ,
si bietet mangem iren schôʒ,
und lacht in alsô lieplich an
daʒ er von ir niht komen kan. meisterl. der Kolm. handschr. 75, 187;

ee ich z land kom
in meins beibes schôsse.
O. v. Wolkenstein 12, 4, 34;

und die götter uns zum frommen
wolten dasz jhr zarte schosz,
achtend kaum Amors geschosz,
würd von Hymen eingenommen.
Weckherlin 348;

Cupido ein mahl sehr verdrossen,
dasz er hat so vil pfeil umbsunst
auf meine Myrta losz geschossen,
die niemahls achtet seiner kunst,
erwöhlet jhre zarte schosz
zu wunden, zornig, ein geschosz. 392;

die winde reiszen loosz,
weil Eolus sich legt in seiner liebsten schoosz.
Fleming 152;

unser bräutgam wird verjünget
in der schoosz der schönen braut. 353;

es ist ja deine schoosz der auszug aller zierde,
der enge sammel-platz der schmeichlenden begierde.
Hofmannswaldau ged. (1695) 170;

durch deine tulpen-schoosz, durch deine nelcken-brüste. ebenda;

man sih't auf unser brust den herbst mit äpffeln prangen;
die schnee-gebirgte schoosz des winters bildung sein.
Lohenstein blumen (1680) 80;

mir ist die kleine schosz ein irrdisch paradisz.
Aszmann v. Abschatz die schöne kleine (2. schles. schule 1, 364 Bobertag);

[Bd. 15, Sp. 1592]



ihr schnöde greis' (Susanna spricht), ihr irrt, dasz meine nackte schoosz,
die keinen kitzel fühlt, für euch sey frey und blosz.
Wernike (1763) 4;

so wünscht in deiner schos ein kaiser selbst zu schlafen. 138;

entschleusz die wollust-schwangre schoosz,
gieb mir die schönen lenden blosz.
Günther 300;

ach, schönste Phyllis, hör
doch unser musiciren
und lasz uns eine nacht
in deiner schoosz pausiren. wunderhorn 1, 72 Boxberger.


b) schosz des weibes empfangend, tragend, gebärend: kain tier sæt seinen sâmen slâfend oder wachend auʒwendig seins weibes schôʒ, ân allein der mensch. Megenberg 117, 19;

fruchtbar und fro zugleich ist jhrer weiber schosz.
Weckherlin 254;

im bilde:

die weiszheit, so mit dir genaue buhlschafft macht,
bekennt auf deinen fleisz, der ihre schoosz geschwängert.
Günther 548;

unfruchtbarer schosz: ich will dem Holofernes keinen sohn gebären. bete zu gott, dasz mein schoosz unfruchtbar sei. Hebbel 1, 74 (1891). Christus barg sich im schosz der heil. jungfrau:

Crist Jêsus, den dîn lîp gebar,
der leite sich in dîne schôʒ. g. schmiede 275;

(die göttliche liebe)
sie warf in ûʒ des vater herzen
in sîner reinen muoter schôʒ.
L. von Regensburg tochter Syon 3092;

schosz der mutter, tragend:

mein liebes kint hanget mer leider zu hoch (Christus),
das ich trug in minem schoisze. Alsfeld. passion 6231;

das turteltäublein, das du erschoszt,
das trug meine mutter unter ihrer brust,
das trug meine mutter in ihrem schosz
und zog es mit ihrem blute grosz. wunderhorn 1, 109 Boxberger;

wer hat dich als ein kind getragen?
disz hat der mutter schoosz gethan.
Günther 93;

wenn er mit ruchlos frechem übermuth
den eignen schoos verletzt, der ihn getragen.
Schiller jungfr. von Orleans 1, 2;

das kind, das ich im eignen schoosz getragen,
das ich genährt an dieser meiner brust.
Grillparzer 4, 229;

und todt die beiden hoffnungsvollen kleinen,
die ihm mein schoosz, seitdem verschlossen, trug. 5, 18;

kind im schosz, frucht im schosz: ach mein kind! wenn ich dich entweder nie gebohren hette, oder wenn du in meiner schoosz gestorben werest. A. Gryphius horribil. 14 neudruck;

auch nicht im schoosze das knäblein (entrinne)
welches die schwangere trägt.
Voss Ilias 6, 58;

das pochen des neulebendigen fühlen,
das in dem lieblichen schosz immer sich nährend bewegt.
Göthe 1, 375;

ich trieb sie fort als metze schlecht
mit ihrer armen frucht im schoosze.
Immermann 13, 66 Boxberger;

in freier übertragung:

ist's, dasz die creatur ausz gott ist auszgeflossen:
wie hält er sie dannoch in seiner schosz beschlossen?
Scheffler cherub. wandersmann 23 neudr.;

schosz gebärend, kind des schoszes u. ähnl.: eher (glaube ich), dasz die gräber befruchtet werden, und sich dem schoosze der leichen eine geburt entwickeln wird. H. v. Kleist 4, 109 Hempel; den gesegneten schooszen aber entspringen kleine muthige kobolde. Immermann Münchh. 3, 201 (1841);

die kinder seiner schoosz sieht er nach wunsch gerathen.
Götz 3, 205;

ein schöner jüngling reizender als keiner
Auroras schoosz entflossen.
Schiller 1, 320;

ihres schooszes einz'ger sohn.
Grillparzer 3, 28;

plur.:

aus den schöszen sterblicher mütter.
Klopstock Mess. 2, 446.


c) hin und wieder wird schosz in gleicher bedeutung beim manne gebraucht: sohn seines schoszes.
6) bildliche und übertragene anwendung von schosz; die vorstellung des bergens, umschlieszens (5) liegt meist zu grunde, doch wirkt ebenso auch die unter 4 behandelte bedeutung des wortes ein (einige solcher wendungen sind schon angeführt), oft auch bleibt die vorstellung unbestimmt. eigenthümlich ist die anwendung in folgender stelle; auch hier ist das bergen, umschlingen wesentlich, indessen denkt man auch an den eigentlichen sinn von schosz:

[Bd. 15, Sp. 1593]


wer hatte kraft den mantel (himmel) auszubreiten.
der tausendfarbig über unsrem haupte flieszt,
des lenzes hofnung und des herbstes schätze
in seiner falten schoosz verschlieszt.
Gotter 1, 402.

schosz im sinne von höhlung:

aus dem schoosze goldner schilder
läszt sie seidne röslein glänzen.
Brentano ges. schriften 3, 316.


a) schosz der erde, die keime empfangend, hegend, zum licht gebärend, nährend, dichterisch in gleiches verhältnis auch zu dem menschen gesetzt; in anderen wendungen tritt mehr die vorstellung des verborgenen innern, der dunklen tiefe auf; die erde empfängt, was sie gebar, zurück, in ihrem schosze ruhen die toten (daher auch schosz des grabes); daneben auch in verblaszter anwendung oder mit beziehung auf die unter 4 behandelte bedeutung, besonders in dem sinne, dasz die erde rast, erholung gewährt: si ligt numehr in der schos der erden, so unser aller mutter ist. Butschky hochd. kanz. 877;

der sî in der erdin schôʒ
begrûbe.
N. v. Jeroschin 9136;

da wurden billich sie, beiszend der walstat schosz
under die füsz getretten.
Weckherlin 71;

der hohe himmel liebt die tieffe schosz der erden.
Fleming 151;

itzt, wenn die schoosz der erden
von eines mannbarn lufft geschwängert pflegt zu werden. 124;

(es müsse) deine (eines ortes) feuchte schoosz mit kalten brünnen rinnen. 628;

bekleidete mit blumen, kraut und gras
im februar bereits die nackte schosz der erden.
Brockes 1 (1739), 4;

sie setzten sich an einen grünen hügel,
dem mosz und rohr die schosz, ein wald den rücken, deckte. 22;

die berg-crystallen gleiche bäche,
von ihres eises banden los,
versilbern Tellus grüne schosz. 23;

es grünt der erde befruchtete schosz.
Uz 14 Sauer;

ein jüngling ruhet hier in unsrer mutter schoos.
Gotter 1, 144;

empfange mich, heiliges land, das ich zu lange vermisse,
in den geselligen friedlichen schoos.
Giseke (1767) 115;

der schoosz der au, der wiesenklee,
verlieh ihm süszre rast,
als himmelbett' und kanapee.
Hölty 14 Halm;

die felder waren hart und weisz,
der erde schoosz verschlossen.
Stolberg 2, 7;

um den reitz der erde zu genieszen,
siehest du dich um, mein lieber freund,
wo violen ihrem schoosz' entsprieszen.
Göckingk 3, 108;

wir flehten um trinkbare quellen,
erde! dich an und was sendet dein schoos uns herauf?
Schiller 11, 192;

dem dunkeln schoosz der heil'gen erde
vertrauen wir der hände that,
vertraut der sämann seine saat. 11, 313;

der fröhner, der sucht in der erde schoosz,
da meynt er den schatz zu erheben. Wallenst. lager 11;

sobald ihn (den samen) der erde
stille befruchtender schoos hold in das leben entläszt.
Göthe 3, 92;

das lied der nachtigallen
tönt nicht in seinem (des grabes) schoosz.
Salis (1821) 41;

ich fühle,
mein oheim, dasz ich hoffnungslos;
bald geh' ich in der erde schoosz.
Immermann 13, 146 Boxberger;

im finstern schoosz der mütterlichen erde.
Grillparzer 4, 221;

dasz wir die reste suchen meines kindes
und sie bestatten in der erde schoosz. 240;

als ob die erde aller wesen fülle
zurückgeschlungen in den reichen schoosz
und mädchen draus gebildet, nichts als mädchen. 6, 32;

schosz allein im sinne von grab:

schooszkind des glücks! was nützt dein luft'ger lustpalast,
wann dich umfängt der klaffend enge schoosz.
Rückert 11, 350.

schosz der klüfte, felsen u. ä., die verborgene tiefe bezeichnend: solche muscheln, sampt andern gestalten der meerthier, sollen zuzeiten in den löchern, schossen oder hölen der schroffen desz gebirgs, nahe am meer gelegen, gefunden werden. Forer fischb. 130b;

so bricht aus tiefer höhlen schoosz
das heer der winde brüllend los.
Hagedorn 3, 130;

[Bd. 15, Sp. 1594]



wenn fürchterlich das kerkerschlosz
klirrt in mein morgenlied,
und wenn mein aug im felsenschosz
nur elend um sich sieht.
Schubart 1, 23 (1787);

eine kluft, in deren schoosz
tiefverhüllte, finstre mächte
würfeln mit dem schwarzen loos
über kommende geschlechte.
Grillparzer 3, 123.

vom dunklen innern einer waldkluft:

versunken lag im moose
Merlin, doch tönte lang
aus einer waldkluft schoosze
noch seiner stimme klang.
Uhland ged. (1864) 314.

schosz des waldes:

mit ehrwürdigem ansehn steht das einsame kloster
in dem sichern schoosze der wälder.
Zachariä tagesz. 73 (1757).


b) schosz einer rose, die weiblich, mädchenhaft gedacht wird:

kein Amor bettet je in ihren schoos.
Hölty 47 Halm.


c) vom innern eines baumes:

es stand in meinem hage
ein eichbaum kronenlos;
von jähem wetterschlage
zerspalten war sein schosz.
Geibel 3, 51.


d) wendungen, die sich auf gewässer, bach, flusz, see, meer beziehen; im mnd. bezeichnet schôt das bett eines flusses, den schoszartig geschwungenen grund des meeres, es liegt also die unter 4 behandelte vorstellung zu grunde: dat volck ging dorch den drogen schot des Jordans, mit anderen belegen bei Schiller-Lübben 4, 123b. dichterisch in hochdeutscher schriftsprache, schosz eines flusses, aufnehmend, tragend (schosz im äuszeren sinne genommen, s. oben unter 4):

das stumme heer durchstreicht der Thetis feuchte schosz.
von Zigler und Kliphausen Adam an Evam (zweite schles. schule 1, 338 Bobertag);

und zu eines stroms gestaden
kam ich, der nach morgen flosz,
froh vertrauend seinem faden
werf ich mich in seinen schoosz.
Schiller 11, 381.

schosz des meeres (nach 4 und 5):

es glückt' auch manchem schwarzen hummer,
zu plumpen in den feuchten schoosz.
Immermann 13, 98 Boxberger;

sie (die welle) durfte aus dem dunkeln schoos sich heben.
Herwegh ged. eines leb. 1, 159 (1841);

als grab:

empfangt mich dann, ihr wellen, faszt mich auf,
und festumschlingend, senket mich hinab,
in eures tiefen friedens grabesschosz.
Göthe 9, 372.

schosz der wolken:

und du, nahes gewölk, o senke du tiefere ruhe
in die kühlenden schatten aus deinen schöszen herunter.
Klopstock Mess. 1, 560;

der wolken schwarzer schoosz
gieszt feuerströme aus.
Wieland Ober. 7, 18;

liebevoll stiegst du (sonne) früh aus dem rosigen schoose
deiner wolken empor.
Schiller 1, 214.

schosz der luft, des himmels, vergl. himmelsschosz theil 4, 2, sp. 1363.
e) schosz der nacht, des dunkels u. ähnl.:

rosenwangichte phantasie,
die du bilder ins herz deiner vertrauten malst,
die vergangenheit aus dem schoos
ihrer mitternacht rufst.
Hölty 72 Halm;

nach jenen frohen tagen, deren morgen
aus froher nächte schoose steigt.
Gotter 1, 178;

und senke dich hinab
in schoosz der nacht, dem dräuend du entstiegen.
Grillparzer 4, 136;

da du hervorriefst aus des dunkels schoosz
mildglänzend Habsburgs leuchtendes gestirn. 5, 73.

schosz des morgens, des tages: der erdball wälzt sich grosz und trunken voll blüten und thieren in den glühenden schoos des morgens. J. Paul Hesp. 1, 148;

das doch lauter ist und klar,
gleichwie der glanzvoll ofne schoosz des tages.
Schiller Tell 2, 2.

schosz der zeit, der vergangenheit oder zukunft:

ihm ruhen noch im zeitenschoosze
die schwarzen und die heitern loose.
Schiller 11, 307;

noch liegen die loose
dunkel verhüllt in der zukunft schoose. braut von Messina 325 (1, 3);

als wenn ich in den schoosz vergangner zeit versenkt
auf der geschicke leises wachsthum merke.
Geibel 3, 34.


f) in ähnlicher weise auch sonst in bildlichen wendungen; schosz der natur:

[Bd. 15, Sp. 1595]


(der mensch) steigt eyffers voll empor und dringt sich in die schosz
und gründe der natur.
Opitz 1, 26.

hier also nach 5 (vgl. dagegen 4, e);

wer weisz, was künftig noch, wo sich das all verliehrt,
geschwängert von dem wort: es werde!
des fruchtbarn chaos schoos gebiehrt?
Creuz 1, 81 (1769).

schosz der verwesung:

Christ ist erstanden
aus der verwesung schoos.
Göthe 12, 40.

schosz der traurigkeiten:

der mangel der vollkommenheiten
bracht aus dem schoos der traurigkeiten
dich blassen neid herfür.
Creuz 1, 96.

schosz der möglichkeit: schöner vortrefflicher deutscher iliaden, so wie eben auch griechischer, mag der schoosz der möglichkeit vielleicht noch genug in sich enthalten. Bürger 183a. schosz der gesellschaft, gemeinschaft, eines staates, einer nation u. ähnl., in doppeltem sinne: im schosze einer gesellschaft sich wohl fühlen u. ähnl., hier liegt die unter 4 behandelte bedeutung zu grunde: mitten im schoose der raffiniertesten geselligkeit. Schiller 10, 286;

dem aber sey nun wie's auch sey,
er wohnt in unserm schoosz.
Göthe 47, 122;

dagegen nach 5: aus dem schosze dieser gesellschaft entwickelte sich ein plan u. ähnl.; wie die buchstaben in den schoosz Griechenlandes aufgenommen waren, und darinn künste und wissenschaften erzeugten. Hagedorn 3, 134; aus dem schosze der versammlung selbst erhob sich widerspruch; schosz einer stadt, der städte: diese unser statt Marpurg, welche viel leute, so hundert jahr und drüber, in ihrem schosz wärmet. Schuppius 777; da sie (die stadt Antwerpen) alle drey christliche kirchen in ihrem schoose hegte. Schiller 9, 29;

weh, wenn sich in dem schoosz der städte
der feuerzunder still gehäuft. 11, 317.

schosz einer burg:

schon ist îhr (Helena) alles eigen was die burg
im schosz verbirgt.
Göthe 41, 216.

schosz des herdes:

als aber ich dem schosze des herdes mich genaht. 186.

auf das geistige innere des menschen bezogen: in unsern hertzschrein und in den schosz desz gemütes. a. weish. lustg. 699; vernunft, wissenschaft: mit aufgaben, die ganz aus ihrem schoosze entspringen. Kant 2, 52. der poetische gebrauch von schosz im bildlichen sinne und in übertragungen ist frei und durch die angeführten beispiele natürlich nicht erschöpft; vergl. noch: wodurch auch die secunde zur gnade gelangt in den schoosz des wohlklangs. Grillparzer 11, 272.
7) besondere verwendungen, die sich auf die ursprüngliche bedeutung des wortes gründen, in technischer sprache:
a) bei den fleischern ist schosz 'das lappigte und dünne stück fleisch am rinde, das noch unter den lappen hängt' Jacobsson 4, 36a. Stalder 2, 347; vom rindfleisch aus der mitte neben den hüften bis zum rückgrat Schröer 204b.
b) schosz in heraldischer sprache, spitzzulaufende, keilförmige abtheilung auf dem wappenschilde (die älteste bedeutung des wortes ist hier festgehalten); näheres bei Gritzner heraldische terminologie 57.
 
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schosz (mit kurzem stammvocal), m. und n., abgeleitet von schieszen (für alle bedeutungen ist zu vergleichen geschosz, n. theil 4, 2, sp. 3958 ff.).
1) an bäumen und sträuchen der sprosz eines jahres, steckling, dann überhaupt zweig, junger trieb (auch am getreide): schosz, palmes Diefenb. 407b, barhaft schosz, surculus 568c, germen, uszschosz, utscot, anschooz 261a; im mhd. ist das wort neutr. (Lexer mhd. handwb. 2, 779); im ahd. ist ein fem. bezeugt: erdscoʒʒa, palmite Graff 6, 562. im nhd. ist das wort in das männliche geschlecht übergetreten: schossz eines gewächsz (das), surculus, germen, stirpes Maaler 361a. daneben hat er aber unfruchtbarer schosz der böumen, spadones ebenda; als m. bei Schottel: schosz, m., germen 1408, ebenso bei Stieler: schosz, et schieszling, der, plur. die schosze, et schieszlinge, germen, stolo, suboles 1769, vgl. Steinbach 2, 497; schosz, m. incrementum naturale, eines gewächses, quod protruditur a natura; surculus, germen Frisch 2, 221b; plur. gewöhnlich ohne umlaut, schosse: die schosse, so man zweigen wil. Schottel 326a; selten schösse:

ietzt weil die schösse klein,
bricht er was wild ist ab.
Opitz 1, 154;

[Bd. 15, Sp. 1596]


es ist merkwürdig, dasz die jungen schösse verpflanzt werden. Oken 2, 345; bisweilen in schwacher form die schossen; nd. schöt, schöte ten Doornkaat Koolman 3, 139b. das n. ist im alemannischen erhalten, s. Hunziker 230. Seiler 263b, dagegen md. als m. Liesenberg 200: nach der zeyt wird dʒ schoszz des herren schön und mächtig, und die frucht der erden klg und herrlich. Zür. bibel Jes. 4, 2; lasz dich krænzen, Faun! hier ist das schœnste schosz, lasz dich krænzen. Geszner schriften 3, 108 (der Faun); zwei bartscherer und ein schuhmacher pflegten so das junge schosz der deutschen bühne. Keller 2, 178.
a) in allgemeiner anwendung, junger trieb: ein jung grad schossz, läblich oder frisch schossz, schossz gewünnen. Maaler 361a; ästlin, schosz, zweiglin. Henisch 134, 21; an fruchttragenden gewächsen spricht man von wilden schossen, nebenschossen, die unfruchtbar sind und deshalb abgeschnitten werden, nebenschosse, wasserschosse Jacobsson 4, 38a; und alles was Esaias von dem schosz oder zweig, so ausz dem stammen Jesse herfür kommen solle, geweissagt. Fischart bienenk. 181a; wenn du etliche schosz und zweig davon herabschneidest. exilium melanch. 150 (1655);

nah am schmerlenbache wuchsen
üppig junge erlen; locker
grünten sie empor und schosse wuchsen
schon im ersten jahr zu schlanken
bäumchen auf.
Fr. Müller 2, 401;

im frühling schöb' ich weiter schosz auf schosz.
Rückert ges. ged. 1, 129.

von einem pfeifenrohre:

wie so lang und gerade der schosz des rosengebüsches,
blank von bräunlichem lack, aufstieg mit der mündung des bernsteins.
Voss Luise 2, 787.

in älterer sprache freier wie zweig:

ein linde was gegoʒʒenûf dem palas rîch:
obenan saʒ in den schoʒʒenmanec vogel minneclîch. Wolfdietrich VI, 48, 2.

in bildlicher anwendung: ich weis das im schosse mein name schmeckt (stinkt), ehe er ehren gewinnet. Luther 3, 110b; der detail in diesem gemählde der schönheit Kombabs schien zu den üppigen schossen zu gehören, welche Horaz ohne schonen weggeschnitten haben will. Wieland 10, 300; von einer person (wie sprosz):

weil dises ädle schosz
von seinem stammen fällt.
Rompler 118.


b) in eingeschränkter bedeutung für steckling, pfropfreis: wider eyngelegt schossz einer räben, das man wider in das erdtrich legt damit andere schossz darvon auffwachsind; schossz eynlegen, schossz zwyen oder stecken. Maaler 361a, vergl. Hunziker 230.
2) die zweite in der ausgebildeten nhd. schriftsprache übliche bedeutung von schosz ist die von steuer, abgabe; eigentlich bezeichnet schosz das was der einzelne zur bestreitung gemeinsamer ausgaben zuwirft (vgl. unter zuschieszen, ferner oben schieszen sp. 46, gleiche bedeutung zeigen altnord. skjóta, ags. sceótan; dieselbe vorstellung also wie bei gewerf, abgabe). das wort ist gemeingermanisch, altn. skot, n., ags. scot, n. (vergl. engl. scot and lot, scotfree), altfries. skot, schot, n., nld. schot, symbolum, collatio, collecta, solutio vulgo scotum Kilian; schot ende lot, census, vectigal. ebenda; mnd. schot, schote, n. Schiller-Lübben 4, 123b, neund. schott (in gleicher anwendung schatt, hochd. schatz) Richey 239. brem. wb. 4, 679. Schütze 4, 60. Dähnert 412b. Danneil 186b. Stürenburg 233b. ten Doornkaat Koolman 3, 139a. auf mlat. scotum geht zurück franz. écot, ital. scotto, s. Diez wb.4 288. das wort ist dem eigentlichen hochd. ursprünglich fremd (vergl. Schm. 2, 478), und aus dem mitteldeutschen gebiete vorgedrungen (daher wird Luthers schosz im Basler n. testament von 1523 mit zinsz, steur, rent erklärt), s. für die ältere zeit mhd. wb. 2, 2, 176a. Lexer mhd. handwb. 2, 780 (hier fälschlich als m.), Vilmar 367 und besonders Haltaus 1646 ff. das wort ist im nhd. zum männlichen geschlecht übergetreten, so in Luthers bibelübersetzung: verbeut den schos dem kaiser zu geben. Luc. 23, 2 u. öfter, dagegen vgl.: dem schosz, dem das schosz gebürt. H. Sachs 22, 43, 35 Götze. schosz, m. tributum, vectigal, reditus Schottel 1408; der schosz, et frequentius das geschosz Stieler 1789; schosz entrichten ebenda; schosz anlegen, describere incolas et aestimare eorum bona; zum schosz geben, schwören, profiteri omnia quae quis habet et jurato edere Frisch 2, 221b; drey schosse geben, einen dreifachen grundzins entrichten Adelung. in der schreibung schoosz:

[Bd. 15, Sp. 1597]


wenn schoosz und steuer-geld wird hefftig eingetrieben.
Canitz ged. 104 (1727).

schosz bezeichnet in älterer zeit besonders die städtische steuer, die nach eidlicher angabe über vermögensverhältnisse (vgl. schoszeid) entrichtet wurde; bis in neuere zeit erhielt sich der schosz in den hansestädten in der form, dasz die steuernden nach eigenem ermessen und ohne controlle durch die behörde ihren antheil an städtischen ausgaben hinterlegten, später noch als bezeichnung der festen einkommensteuer. im allgemeinen gebrauche hat das wort aufgehört eine technische bezeichnung des öffentlichen lebens zu sein, es fristet sein dasein als gewählterer ausdruck; häufig wird es mit synonymen verbunden: und Jerusalem sol heilig und frey sein von allen bürden, schos und zehend. 1 Macc. 10, 31; kein schosz noch zol noch tribut geben. Schade sat. u. pasqu. 2, 266, 5; wenn die armen underthanen jren tribut, schosz, zinsz, rennt und andere gebür geben. Spangenberg jagteuffel (1566) 40b; denn der vogt daselbst, hielt etzliche Dantzker bürger, umbs schos willen auch gefangen. Hennenberger preusz. landt. 70 (1595); schosz und schatzung von seinem acker und garten zu fordern. pers. rosenth. 1, 18; der regelmäszige schosz nach dem census ward von der plebs entrichtet. Niebuhr röm. gesch.3 1, 518;

niemand wil geben schosz und rent,
zu erhaltung der regiment.
Rollenhagen froschm. (1595) Cc 4b;

freiheit von zoll und schosz, als recht der ritterschaft.
Voss 6, 181;

nicht mehr gehalten in herrschendem zwang,
werden sie weigern dienstbaren schosz.
Stolberg 15, 156;

nahmst des glücks tribut zum opfer, nahmst den zoll und schosz der zeit.
Platen 87a;

aus jedem gau kam schosz und zoll
aus furcht vor des starken helden groll.
Rückert Firdosi 1, 243.


3) besonderes.
a) schosz, n. im sinne von geschosz, wie vereinzelt noch im älteren nhd.: vorgemerckte pfyl, oder schossz, deren man sich versicht. Keisersberg post. 26a; als er von eim vergifften schosz verwundt. buch der liebe 234b; meteor, blitzähnliche erscheinung: in der finstry kam ein schosz, daʒ was heytter als ein liechte für. volksbücher 108, 19 Bachmann-Singer, vgl. blickschosz, DWB blickschusz th. 2, sp. 118. schosz, m. kleine steinkugel zum spielen (schusser, schösser) Schultze (Nordthüringen) 43b, vgl. plur. die schossen, marbelkugeln zum spielen Schröer 204b.
b) schosz, m. für schusz (plur. die schösse):

muszt sich das pferdt auch feindtlich stellen,
im krieg gewarten schösz und stich.
Waldis Esop 1, 77, 27 Kurz;

nun erschleicht er (der tod) hämisch dich
und verletztet dir dein leben,
das zuvor sich wolte geben
keinem schosse, keinem stich.
Fleming 247, 64 Lappenberg (vgl. 563);

der schosz gieng in das pferd, und es in bauch verwundt.
Dietr. v. d. Werder Ariost 9, 75;

besonders von der verwundung durch liebespfeile (Stieler 1771):

so kann er der liebe nicht entrennen,
er musz ihr einen schosz vergönnen. amantes amentes G 5b;

du liebster sanct Sebastian,
nim dich doch meines schosses an. D 2;

im sinne von neigung: ihr hett wol alle (ihr damen) ein schosz zu mir, wann ich euch lieben wolte. engl. komöd. 2, Oo 5b; eben als wenn ihr gn. mirs sagen solte, wenn sie irgend einen schosz wohin hette. Filidor verm. printz 74; so noch mundartlich erhalten Frischbier 2, 313 (vgl.schusz); wendungen, wie die letzten, scheint die vorstellung des auf seine beute herabschieszenden vogels beeinfluszt zu haben: ergreifft er (der habicht) sie (die taube), nicht im ersten oder andern schosz, so ergreifft oder erdappt er sie doch im dritten schosz. Colerus hausb. 608b (1680); verschlimmert: dän schosz hann, albern, verrückt sein Jecht 99b (s. DWB schoszbartel). schosz wird dann auch in persönlichem sinne von einem närrischen oder blödsinnigen menschen gebraucht Schmidt 208. Kehrein 365. d' schosz hah (fem.?), heftige, reiszende zahnschmerzen haben (vergl. hexenschusz) Tobler 399b.
c) vorspringender, vorschieszender theil an einem hause, vorspringendes stockwerk, dann überhaupt stockwerk (jetzt geschosz); besonders oberer abgesonderter theil einer scheuer: insicium, vach o. ein schosz als in der scheuern Dief. 300c; schosz an eim hausz, fürschutz, projectura Maaler 361a; für- sive uberschusz, schosz et schupfen an den dächern. Stieler 286;

[Bd. 15, Sp. 1598]


man geht bestürtzt, als sonder rath, einher,
wenn das wüste land zu bauen,
und kein mittel mehr zu schauen,
wenn scheur und schosz von allen saamen leer.
A. Gryphius 2, 151.

altn. skot bezeichnet einen engen um das gebäude gehenden gedeckten gang, in ähnlicher weise von skjóta abgeleitet.
d) schosz, n. die backschaufel, brotscheibe mit der der brotteig in den ofen geschoben (geschossen) wird Schmidt 208. Kehrein 365. Pfister 267. schles. schosse, schusse. s. DWB schosse, DWB schosser, DWB schösser.
e) schosz, m. in bergwerken, dasselbe wie schiebebühne, 'eine auf rollen ruhende bühne, die bei der schachtförderung nach ausförderung eines fördergefäszes über die schachtöffnung geschoben wird und auf der das ausgeförderte fördergefäsz aufsetzt' Veith bergwb. 427. 122.
f) daneben im bergbau schosz, pl. schösse erze und gesteine, die zum zerschlagen sondern 'herein geschossen' werden Jacobsson 4, 38a. 270b. vgl. nd. schott, erde, die aus einem graben herausgeworfen wird. brem. wb. 4, 680.
g) schosz, eine gewisse menge von getreide: schosz, manipulus Diefenb. 347b. von menschen: da steht e schosz leute. Frischbier 2, 313a.
 
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schosz-, schooszaltar, m.:

wer diesem schoosz-altar zu opffern nicht begehrt,
der ist viel billiger des engen stranges wehrt.
Hofmann v. Hofmannswaldau ged. (1695) 170.

s. erstes schosz 5, a.
 
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schoszbalg, m. derjenige theil am halme des getreides, aus dem die ähre hervorsprieszt Jacobsson 4, 38b. Frischbier 2, 313a: diese sollte die schoszbälge an der frucht aufflösen, wann sich die ähren beginnen herfürzuthun. anm. weisheit lustg. 30.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für