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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schorerde bis schorfmoos (Bd. 15, Sp. 1575 bis 1577)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schorerde, f., s. DWB scharrerde (th. 8, 2218) Krünitz 147, 747: findet sich aber kein guter boden, so ist am rahtsamsten, so viel möglich, die steine beyseits zu werffen, das übrige mit schor-erden und alten guten mist zu vermengen und zu füllen. Hohberg 1, 457b; im feld, so guten grund hat, oder der mit schorerden, holtzmist oder weidengeniest verbessert ist. 3, 530a.
 
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schorf, m. rauhe rinde, grind. nominalbildung zu dem alten starken verbum, das im ags. als sceorfan erhalten ist. unmittelbaren zusammenhang mit scharf (und schürfen, s. das.) anzunehmen, verbietet die lautstufe des labials, niederd. scharp, aber schorf. es findet sich in allen german. sprachen (auszer dem goth.): nord. erst in neuerer zeit bezeugt in der bedeutung 'grind', isl. skurfur (f. plur.) Cleasby-Vigfusson 561a, schwed. skorf, dän. skurv (m. ohne plur.); ags. scorf, sceorf, scurf, scruf Bosworth - Toller 839a, mittelengl. neuengl. scurf, vgl. Skeat 536a; mnl. scorf, schurf, später mit angehängtem t, das vielleicht aus dem adj. scurved stammt (nach Franck 874) schorft: schorft, schorftheyd, scabies Kilian (daneben schorft, schorftigh scabiosus), jetzt schurft; mnd. schorf grind, räude Schiller-Lübben 4, 122a; ahd. scorf scabies, dazu scorfwrz scabrosa Graff 6, 544, mhd. schorf, auch schorpf Lexer hdwb. 2, 772, schürpf 830: impetigo .. grint, schoref, scorf, en droghe scorf, scroff, droeghe schorfft (gemma gemmarum Cöln 1507), scharpf Dief. gl. 288c; schorf, gryst voc. von 1420 s. nov. gl. 211b; petigo .. schurf, schorf, grint gl. 432a; scabies .. schurff, scorff, schorff, schorft (lat.-nd. voc. von 1420) 515a; schorf, schorft nov. gl. 328b. vgl. dazu Dief.-Wülcker 844 (die glossen meist nd. oder nl.), und zum ganzen Weigand 2, 533. Kluge5 335b. im nhd. findet sich neben schorf selten schorpf, schurpf, s. unten: man spricht das f auch in einigen gegenden als b aus, schorb, auch einige schorpf. Frisch 2, 221a; schorb für schorf bezeichnet Stieler 1737 als sächsisch (nd.). mundartlich besonders im niederd. verbreitet, meist in der form schorf (plur. schörwe) Strodtmann 374b. brem. wb. 675 f. Schütze 4, 61. Dähnert 412a. Danneil 186b. Mi 76b, ostfries. mit umlaut schörf Stürenburg 232a. ten Doornkaat Koolman 3, 136a, daneben mit derselben t - erweiterung, die im nl., nrh. und mnd. (s. die glossen, ferner Schiller-Lübben a. a. o. und 3, 442, s. unten) begegnet, in Westfalen schorf und schorwed Woeste 230, in Hamburg schörft Richey 238 (daneben schörft als adj.: een schörfden kopp ebenda, auch bremisch schorfd neben schorwig brem. wb. 4, 676). in der hd. volkssprache nur auf nordd. gebiete (Hupel 211, preusz. schorb Frischbier 2, 311b) und unmittelbar an der grenze auf dem thür. Harz als schoreb Liesenberg 199. Hertel sprachschatz 220.
bedeutung. schorf bezeichnet zunächst etwas, was sich abschürft, abblättert, oder was abgestoszen wird, daher
1) grind, schuppen der kopfhaut, vgl. die glossen; schorf, m. scabies, rogne Schottel 1467; schorf, schurf, scabies, crusta,

[Bd. 15, Sp. 1576]


vel squama cutis Wachter 1461; schorf, ist so viel als grind .., scabies, crusta, quam scabies in cute facit, squama cutis Frisch 2, 221a, s. auch Krünitz 147, 747. ebenso in heutigen niederd. mundarten: he sitt vull luus un schörft Richey 238, sprichwörtlich: leven as de luus im schorve, 'in überflusz und erwünschten umständen leben' brem. wb. 4, 676, vgl. Schütze 4, 61. Dähnert 412a. auch als bezeichnung der krankheit, die solches hervorruft, räude, krätze: schorf .. scabbia, rogna scabbra e secca, e che rende la pelle scabbra ed aspra Kramer diction. 2, 643a; schorf am kinn .. mentagra, umfressender schorf, aussätziger, böser schorf s. ebenda; schorf, der, plur. car. scabies à scharben .. scabrities. schwefel ist gut vor den schorf, sulphur tollit scabiem. hunger und dürrigkeit verursachet den schorf. Stieler 1736; schorff (der, pro krätze, raude) scabies Steinbach 2, 494; so schon mnd., vgl. auch Stürenburg 232a. ten Doornkaat Koolman 3, 136a. Woeste 230:

syn haer was wechgefreten
van frantzösischem schorff, van lüsen und van neten.
Lauremberg schertzged. 2, 392.

speziell: schorff oder ansprung kleiner kinder, denen medicis crusta lactea oder achoris genannt, ist ein weiszlichter auswurff auf dem haupt hinter den ohren oder auch im gesichte der jungen und säugenden kinder, die ursache dessen ist das üble blut, so insgemein von der zäh- und scharffen milch verderbt worden. frauenzimmerlex. 1775. öconom. lex.2 2642; bei thieren: is leider to Bockhorn de schorff der perde so hefftich, dat se etliche perde derhalven vordrencken mosten. Oldenb. urk. von 1565 bei Schiller-Lübben 4, 122a; den schorpf schmieren, scabiosa loca in corpore ovium ungere Frisch 2, 221a; einige (hasen) bekommen auch einen rechten grind und schörbe auswendig auf dem balge, rücken und blättern hinauf. Döbel 1, 30a; — sprichwörtlich: vier ding lassen sich nit bergen ... kretz und schurff, denn alsbald der kretzige warm wirt, kann ers nit underwegen lassen. Agricola sprichw. nr. 663; schorf lehrt klauwen oder krauen; schorf und grind will bessern mit jucken ein (einfältig) kind, s. Wander 4, 327a. bildlich:

man süht jo wo gelehrde und leyen
ere hoffarts schorvet mit titeln kleien.
Lauremberg schertzged. 3, 442.


2) die rauhe rinde oder kruste, die sich über einer in heilung begriffenen wunde bildet Adelung, nd. s. Danneil 186b. Mi 76b.
3) selten, in poetischer übertragung, von baumrinde: ist dieser berühmte see gröszer als ein thautropfen, der zwischen dem aufgerissenen schorf einer baumrinde hängt? Keller nachlasz 40.
4) nd. auch auswüchse bei früchten, wie kartoffeln und äpfeln Danneil 186b. Mi 76b.
5) preusz. von einem menschen: armer teüffel, elender schorb und scherpenter. quelle (aus der 1. hälfte des 17. jahrh.) bei Frischbier 2, 311b.
6) bergmännisch, span, splitter, der sich von eisernen gerätschaften infolge draufschlagens abzieht Veith 426.
7) schorf, in metallifodinis est fossa Wachter 1461. Frisch 2, 221a. s. schurf.
 
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schorfeld, n. 'feld, das umgegraben, nicht gepflügt wird?': eine scheuer nebst 2 stück schorfeld und 10 ruthen. quelle bei Schm. 2, 459. vgl. DWB schoren 2, e.
 
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scherfeln, verb., s. DWB scherfeln theil 8, 2582 f.
 
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schorfen, verb.
1) den schorf haben, mit dem schorf (1) behaftet sein, von schafen Campe. dafür schorben, in der mark Brandenburg bey den schäfern, scabiei contagio laborare Frisch 2, 221a.
2) nebenform zu schürfen, s. daselbst, vgl. Veith 426.
 
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schorfflechte, f. eine flechtenart, lepraria Behlen 5, 548.
 
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schorfhobel, m., auch schruffhobel, bei den holzarbeitern ein grober hobel, womit das holz aus dem groben behobelt wird Jacobsson 4, 38a.
 
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schorficht, adj. , mit schorf (1) behaftet, scabiosus Schottel 1407; rognoso, scabbiolo, ein schorfichtes schwein. Kramer dict. 2, 643a; schorficht seyn, laborare scabie. die andern sind von ihm auch schorficht worden. Stieler 1737, schorfficht Steinbach 2, 494; mit folgenden nebenformen:
1) schurficht: schurfetht (l. -echt?) bei Dief.-Wülcker 844; eine sich abschälende schurfigte unterlippe. J. Paul unsichtb. loge 1, 9.
2) dicitur etiam schorbicht, a saxon. schorb (s. DWB schorf) .. schorbichtes schwein Stieler 1737; niemand hasset sein glied,

[Bd. 15, Sp. 1577]


schneit es ab, und wirfft es weg, ob es gleich verletzt, schörbicht oder unrein ist. A. Musculus eheteuffel (1564) D 7b.
3) weitergebildet mit ig: scaber, -iosus .. vol grund, schorffs, sere also schorffachtich, -ig, schorpachtich Dief. gloss. 515a; schorftachtich nov. gl. 328a.
4) niederd. in weitem umfange schorved, schorft, so mnd. schorvet neben schorvich, -edich Schiller-Lübben 4, 122a (vgl.schorf); scaber schorvede Diefenb. nov. gloss. 328a, s. ferner: schorvede katten leven lange Tunnicius 1051; ein schôn angesichte vorkoft wol einen schorfden ers. 1098;

edder (sie) hebben schorvede und vule beene.
Lauremberg schertzged. 2, 327;

auch in neuern mundarten, s. Richey 238. brem. wb. 4, 676.
5) jetzt gewöhnlich schorfig, s. daselbst.
6) nd. auch schörwisch, -wesch Schambach 184b. — abweichende bedeutung findet sich selten, so von einem rauhen, holprigen wege:

ein krummes steiglein (ich) vor mir hat,
das gieng gerad ein berg auff, auch
gantz jech, schörffigt, schmal, darzu rauch.
Kirchhof wendunm. 4, 236 Oesterley (7, 10).


 
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schorfig, adj. mit schorf (1) behaftet, bedeckt, vgl. DWB schorficht, mnd. schorvich, schorvedich, s. Schiller-Lübben 4, 122a, nd. scorvich, schorvech, scabidus, aspidus Dief.-Wülcker 844, mnl. schorft, schorftigh, scabiosus Kilian, vgl. auch engl. scurvy; in neuern nd. mundarten schorvig brem. wb. 4, 676, schörvig Schütze 4, 61. Danneil 186b. Schambach 184b. Stürenburg 232. ten Doornkaat Koolman 3, 136a, schorfig Dähnert 412a, schorwig, -welig Woeste 230b. dafür schorbig, scabiosus Frisch 2, 221a: wann einer ein geringes, schorbiges, böses haupt hab, so gehe er nicht zum scharffrichter, und begehrt dasz er ihm den kopf abhaut. Schuppius 326; und was das grindige, schorbige haupt begehre, das thun die andere glieder. 327, s. auch Hupel 211. — im wasserbau sagt man schorfig oder schorrig von einem deiche, wenn dessen böschung oder grüne bekleidung nicht mehr ganz rein und glatt ist Jacobsson 4, 38a. 7, 268b. Krünitz 147, 748. brem. wb. 4, 676.
 
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schorflattich, m. der grindwurz, eine art sauerampfer, als heilmittel gegen den grind gebraucht, rumex acutus Nemnich, rumex obtusifolius, mnd. schorfladeke, - lodeke, - laddeke, - loddich, - löddig Schiller - Lübben 4, 122b. Pritzel - Jessen; schorfladeke lappa ebenda.
 
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schorfmoos, n. bezeichnung der flechte, lichen Nemnich. vgl. DWB schorfflechte.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für