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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schoppwoche bis schöpsern (Bd. 15, Sp. 1569 bis 1571)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schoppwoche, f. bei den sennern die letzten acht tage des almlebens Schöpf 644.
 
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schoprin, m. für schopf (s. daselbst) antiae, capronae; polnisch schoprin, cirrus Polonicus Stieler 2633.
 
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schöps, m. verschnittener schafbock, hammel. entlehnt aus slav. (böhm.) skopec, altslav. skopĭcĭ verschnittener, zu skopiti castrieren Kluge 335b. Grimm gramm. 2, 265. gesch. d. deutschen spr.3 24. Weigand 2, 632. mhd. schopʒ, schöpʒ, älter schöpz, schöpcz Lexer handwb. 2, 772; muto .. schecz et wechsil Dief. gl. 374b, vervex .. scheps, schöps vel schütz 615a; muto star vel schapcz voc. Vrat. 1422, schepcz vel bezil voc. Vrat. ms. nach Weigand a. a. o. ist md. schopz 1340 belegt. im nhd. auszer mit ö oft mit e und ä geschrieben, so schreibt Luther scheps, s. die belege. vereinzelt findet sich auch neben dem gewöhnlich auslautenden s oder sz das ältere z, tz, cz:

im kessel wol vier schäptzen südt
und an dem spiesz ein ochssen briet.
B. Waldis Esop 3, 64, 17.

von wörterbüchern verzeichnet das wort zuerst Henisch in der bedeutung 3 (s. unten) als schöps; Schottel 1407 schreibt: schöps, m. vervex, aries castratus, scheps, schäps; ebenso Stieler 1781: ein scheps, vervex, aries castratus, qui etiam scribitur schäps, et schöps; noch Frisch hat schäps, vervex, 162b neben schöps 220c. das wort ist besonders dem östlichen hd. sprachgebiete eigen; die Ingolstädter und die Züricher bibel kennt es nicht und sagt männliches schaf, s. Kluge v. Luther bis Lessing s. 81. mundartlich findet es sich bair. Schm. 2, 442, österreich. (selten) Höfer 3, 112, vergl. 2, 113, schlesisch Weinhold 87b, henneb. Spiesz 226 (nur in schöpsenbraten und als schimpfwort), ostthür. Hertel sprachschatz 220. im ganzen nicht sehr gebräuchlich, den westlichen (alem. fränk. hess.) und nd. mundarten ganz fremd. in einigen mundarten (mainfränk. oberpfälz. südböhm.) finden sich formen mit ausdrängung des p: schötz, schütz, schüz, s. Adelung. Frommann 6, 266, 41. ähnliche formen in Nürnberg schon im 15. jahrh., s. unter DWB schöpsbauch und DWB schöpsfleisch. — die casus obliqui werden stark und schwach gebildet. der plur. schöpse Steinbach 2, 493. ganz vereinzelt begegnet auch im nom. die erweiterte form schöpse:

Bescher endlich ist der dritte,
dem das schaf musz g'nüge leisten;
doch dasz er nicht schaden litte,
ist's ein schöpse von den feisten.
Rückert (1882) 4, 95.

[Bd. 15, Sp. 1570]


wenn dagegen auch in zusammensetzungen neben den gewöhnlichen mit schöps- gebildeten formen auch solche mit schöpsen- stehen (so besonders schöpsenbraten, -fleisch, -keule, -schlägel), so ist dabei wol weniger einflusz der schwachen declination, als junge zusammenrückung mit dem alten adj. schöpsen (mhd. schöpʒîn) anzunehmen. in der folgenden zusammenstellung sind überall die kürzeren formen schöpsbraten u. s. w. zu grunde gelegt. bedeutung.
1) vervex Nemnich (unter ovis aries); der schöps (bötling) ist ein widder (hammel) dem der sack genommen ist. Comenius sprachenth. 182; vervex, aries castratus, ein schöps, verschnittener widder, castraun. Corvinus fons latin. 2, 724b; vervex, mas ovium Steinbach 2, 493; schöps, ein verschnittener schaf-bock. Frisch 2, 220c; vgl. auch öcon. lex.2 2640 ff. Krünitz 147, 735 ff.; wil er aber dem herrn ein danckopffer von kleinem vieh thun, es sey ein scheps oder schaf, so sols on wandel sein. 3 Mos. 3, 6; darnach hies Raguel einen scheps schlachten. Tob. 7, 9; und ward bestetiget durch scheps und bocks tod und blut. vorr. auff das alte testament bei Bindseil - Niemeyer 7, 313; dasz sie ihm so gute wolle auf den schafen hätten wachsen lassen, sowohl gute schöpse gemästet und schöne butter eingeleget hätten. Schweinichen 1, 363; verschantzt mit hammen, hinderviertheiln vom schöps. Garg. 53b; wol und viel mocht er auch essen, .. ein schincken, oder gebraten hindertheil von einem hammel, schöpts oder widder. Kirchhof wendunm. 2, 53 Österley (2, 24); ich habe .. meinen hunger an dem schmackhaftesten braten gestillt, wie ihn der könig nicht essen kann, wenn er seine schöpse nicht auch mit rosmarin füttern läszt. Thümmel reise 2, 138.
2) übertragen auf einen dummen, einfältigen menschen, vgl. DWB schaf 4, e, th. 8, 1997 f.: er ist ein alberer, einfältiger schöps, egli è un pecorone et un scempiotto, sempliciotto, gocciolone, bietolone, mestolone Kramer dict. 2, 643a; scheps .. catachr. de homine stolido, et bardo dicitur. es ist ein alberner scheps. Stieler 1781; schöps, figürlich ein tummer mensch, caput vervecinum, homo stupidus Frisch 2, 220c; so im bilde: wer ein fuchsz fahen wil, der musz kein scheps hinders garn stellen. Mathesius Sar. 153b; du bist ein schöps, wirst nimmer lernen zu rechter zeit blöken. Kotzebue dram. sp. 2, 261;

die guten deutschen lämmer,
nicht gern nennt' ich sie schafe,
sie brauchen einen widder,
der vorgeht und sie leitet ...
der jetzige heiszt Menzel,
nicht widder, eher schöps.
Grillparzer5 2, 177;

wortspielend mit der eigentlichen bedeutung: du bist so glücklich, Amyntor, besser zu denken, ob du gleich im vaterlande der schöpse und unter einer dicken luft geboren bist. Wieland suppl. 3, 208; allein es entstand die besorgnisz, dasz ich bei dieser methode leicht wieder in meinen früheren zustand versinken könnte, und es dann vielleicht nicht einmal bis zum bock, sondern nur bis zum schöps brächte. Immermann Münchh. 2, 118; für 'dummkopf' schlechthin: wie wir auch noch teglich erfaren, wie geschwind, listig, klug, behend der welt kinder sind, gegen uns frome, albere, gute, einfeltige schepsse und schafe. Luther 6, 155b; mein gott, was seid ihr doch albere einfältige schöpse! Rist friedew. Teutschl. 34; ich bin aber wohl ein dummer schöpsz gewesen dasz ich solche narrenpossen geglaubt habe. gespenst 212; wie es über mich armen schöps hergegangen. Felsenb. 2, 142; ihr werdet vielleicht gedencken .. mein vater müsse ein alberner schöps oder liederlicher hauswirth gewesen seyn. 241; weil ich nunmehro als ein armer schöps, mich zu gratuliren hatte, dasz ich von ihm .. mit aufgenommen wurde. 3, 456; wer heiszet uns dumme schöpse einer aufgestellten lockspeise folgen? Pierot 2, 6; einfältiger schöps! Lessing 1, 411 (freig. 2, 5); läszt mancher schöps von muttersöhnchen in einem abend 20 louisd'or sitzen thun. Gotter schausp. 260 (basen 3, 1); eine sehr schöne frau, die einen schöps zum manne hat. Göthe briefe 1, 31 Weim. ausg.; wo er aber niemanden ansah, nichts redete, und also von einigen aus der gesellschafft, für einen philosophen, von andern, für einen schöps gehalten wurde. 81;

diesz (gold) giebt selbst verstand den thoren,
und macht schöpse hochgebohren.
Weisze kom. op. 2, 133 (d. teufel ist los 3, 9);

der henker hohle den schöps!
Wieland 4, 36 (Am. 2, 19);

und jeder schöps weisz ungefähr:
von diesen erntet man natürlich ungleich mehr.
Bürger 323 Sauer;

[Bd. 15, Sp. 1571]



wie die schöpse laufen,
vom narren gift zu kaufen?
Göthe 13, 18;

ach, höret den getreuen diener an,
der nur ein schöps ist gegen eure weisheit,
doch hier in seiner dummheit klüglich räth!
Immermann 14, 20 Hempel (pr. v. Syrak. 1).


3) name eines sehr starken und fetten bieres, das ehemals in Breslau gebraut wurde Jacobsson 7, 268b. ferner Adelung und Campe, die in dieser bedeutung scheps schreiben; ein berühmtes Schweidnitzer bier Weinhold 87b; in Baiern, eine art nachbier, covent Schm. 2, 442; breszlisch bier, schöps, cerevisia Wratislaviensis Henisch 502, 63; coquitur in ea civitate (Breslau) cerevisia optima, quam Germanice vocant, Breszlawischen schöps. Corvinus fons latin. 2, 63b; (so) ging auf solchem taufen mir auf ... 11 achtel schöps, à 60 weiszgrosch. Schweinichen 2, 182; weil ich denn neben dem guten wein und schöps auch eine schöne musik hatte. 3, 286; und ist mir den abend zwei eimer wein .., und 2 achtel schöps, auch 2 achtel bier aufgegangen. 288; desz lieben rebensaffts wuste ich nicht zu bekommen, suchte derowegen scheps oder Strieger-bier. Simpl. schr. 3, 409, 24 Kurz (vogeln. 1, 17); wegen groszer verführung des schöpses oder braunen biers. quelle vom j. 1418, s. zeitschrift für deutsche phil. 20, 489; ein sog. weisser schöps oder das heutige ordinari weitzenbier. ebenda; schöps oder toller wrangel zu Breszlau, davon nachfolgende knittel - verse gemacht werden:

schöps caput ascendit, nec scalis indiget ullis,
sessitat in stirnis, mirabilis intus in stirnis (l. hirnis, nach Schm. a. a. o.) item
o scheps, scheps, te libenter bibit omnis plebs.
Dach zeitvertreiber (1685) 188, s.
Kurz Simpl. schriften 3, 499;

doch ein solcher reimen-spruch ...
schickt sich wohl dahin am besten, wo man schöps und kofent schenckt.
Günther 860.


 
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schöpsbauch, m.: auch sol kein fleischhacker .. einichen schutzpauch oder scheffinfleisch annders feil haben .. dann mit anhanngender hewt. Nürnb. polizeiordn. 229 Baader; unnd welcher fleischhacker .. einen schutzpawch also ungeschawt .. verkauffet, der sol von einem yeden schutzpauch ein pfund newer haller zu puss verfallen sein. 230; das die vorsteher .. schicken müssen eine tonne Numburgisch bier, gesottene eyer, schopsenbuch. quelle bei Spittendorf 124, anmerk. vgl. DWB schöpsfleisch.
 
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schöpsbraten, m., auch schöpsenbraten, arrosto ò carne arrosta di castrato Kramer dict. 2, 643a: schäpsen-braten, caro vervecina assa Frisch 2, 162b; schöps - braten mit knoblauch. frauenzimmerlex. 1772; hammelbraten Krünitz 147, 743, auch als schimpfwort Spiesz 226: warumb setzt man denn solchen geldnarren keine esels-ohren auf, der elende schöps-braten möchte alle jahr 500. thaler verzehren. Weise erzn. s. 64 neudruck.
 
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schöpsbrust, schöpsenbrust, f. brust eines hammels als bratenstück Campe.
 
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schöpsbutten, m. landschaftlich, z. b. im meisznischen, der butten (magen) mit den übrigen eingeweiden eines schöpses Adelung. Krünitz 147, 746.
 
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schöpschristel, m. dummer, einfältiger mensch, als schimpfwort, besonders in Schlesien und Posen Weinhold 87b. Bernd 275. Albrecht 206a: du alberner schöppschristel! A. Wall die beiden billets 22.
 
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schöpsdrehe, f. drehkrankheit der schafe (z. b. in Leipzig); auch übertragen: er hat die schöpsdrehe, ist verrückt Hertel sprachsch. 220.
 
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schöpsen- (braten , fleisch u. s. w.), s.schöps-.
 
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schöpsern, adj.: vervecinus, verveceus, ovillus, schöpserne nieren, renes vervecis Steinbach 2, 493. dafür älter schöpʒîn, schöpʒen, auch schötzen, schutzein, das sich in zusammensetzungen wie schöpsenfleisch u. ähnl. erhalten hat.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für