Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schoppen bis schopperholz (Bd. 15, Sp. 1565 bis 1568)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schoppen, verb. stopfen, in etwas dicht hinein schieben, zwängen. eine intensivbildung zu schieben (so richtig Adelung),

[Bd. 15, Sp. 1566]


die auf das hochd., hauptsächlich das oberd. sprachgebiet beschränkt ist. im wurzelauslaut wechseln pp und pf, doch überwiegt ersteres: ahd. scoppôn in der glosse kiscoppot (giscoppot) onustum Graff 6, 408, mhd. schopfen und schoppen Lexer handwb. 2, 771. auch im ältern nhd. sehr verbreitet, besonders im 16., doch noch bis ins 18. jh.: schoppen, linire, et linere, stipare Dasypod.; schoppen, füllen, infarcire, voll schoppen, confercire Maaler 360d; voll schoppen, ausfüllen, confercire, vollgeschoppet, confertus Calepin. dict. (1570) 305; geschoppet, saginatus Henisch 1544, 18; schoppen, verb. [da schieben, senza dubbio], farcire, borrare, abborrare, imborrare, it. ingozzare, strozzare, lat. saginare turundis. Kramer dict. 2, 642b; schoppen, infarcire Frisch 2, 220b, s. auch Frisius 287b. Dentzler 2, 254b und die zusammensetzungen an-, aus-, be-, ein-, verschoppen. in der neuern schriftsprache ist das verb. erloschen; Adelung und Campe kennen es noch als oberdeutsch, auch in der form schopfen. oberd. mundarten haben es bis heute in weitestem umfange erhalten: schweiz. schope Hunziker 230, schoppa Tobler 397a, schoppe Seiler 263a, schwäb. schoppen Schmid 475, bair. schoppen Schm. 2, 437 f., seltener schopffen 440, vgl. Klein 2, 140, ebenso österr. Höfer 3, 112. idiot. Austriac. 117. Castelli 250. Hügel 144a, kärnt. tschoppn Lexer 225, tirol. Schöpf 643, schoppm Hintner 213, schoppen verstopfen, vermauern Zingerle 50a, cimbr. an venster schoppen, vermauern cimbr. wb. 228b. auszerhalb des oberd. nur ganz vereinzelt, so im westl. Fichtelgebirge Frommann 5, 517, III, 27.
1) etwas wohinein schoppen: wullen ins or schoppen, compellere lanam in aurem Maaler 361a; d' hosen in d' stifel schoppe s. Seiler 263a; vgl.: schüttelt den sack, so steht er strack, stopfft und schopfft. Garg. 43a; so dy weib lang an man seind, so geswilt in die matrix .. nim rosenöl und ein weibgespunn die ain kneblein sauge und nim wollen und pere die darein und schope die an die stat. quelle bei Schm. 2, 438 (vergl. schopperin); die ding alle scharreten sie mit girigem herzen zusammen und schoppetens in secken (in sacculos .. farcientes). Virgilius v. d. erfindern der dingen, übers. von M. C. Alpinum (Augsb. 1537) 192b; guter angemachter brenneter zeug hineyn (in den sack), auff das hertest gefüllet, geschopt und zerschlagen. Fronsperger kriegsb. 1, 140b; deren (der kröte) waren die därme aus dem hindern gezogen und wieder zum maul hinein geschoppet. Simpl. 1, 177, 5 Kurz;

sie kunden der stund kaum erwarten,
darinn sie jn under die erden schoppen.
Wirsung Calistus k;

stro musz ich in mein stiffel schoppen.
H. Sachs 2, 2, 33a;

das feist diech von dem koppen (kappaun)
das thu in dein feist bäuchlein schoppen. 5, 246a;

hab vor daheim ein reiche joppen,
darein wil ich mein kötzen schoppen. 350d;

freier:

der zeygt, dasz immer noch der schulsack an ihm hanget,
und dasz er nicht verdaut, wasz ihm der herr Donat
in seinen blöden kropff zu vil geschoppet hat.
Rompler v. Löwenhalt reimged. 113.

ähnlich in schweizerischer mundart eim öpis (zue)schope, zuschieben, zustecken Hunziker 230; dem ross schoppa, das futter zutheilen Tobler 397a; übertragen, emm schoppa, nachhelfen. ebenda.
2) mit umgekehrter beziehung etwas womit schoppen, vollstopfen, dicht anfüllen, ein kummet mit kühehaar etc. schoppen ò ausschoppen, empire, riempire, guernire, imborrare ... un collarone con peli di vacca ò di borra Kramer dict. 2, 642c;

des mag nieman gewinnen nihtvor des hirzes hiute;
diu ist geschopfet îsens vol. minnes. 3, 280b Hagen;

gürt sie zu jhm nach bettlers art
sein haar und einen grawen bart,
den schoppet er vol hew und stro.
H. Sachs 4, 3, 59a;

darnach schoppens mit hew und stro
den teufl, dasz er wird grosz und dick. 60d;

ohne nähere angabe:

der dritte sac der ist vol,
ûf und ûf geschoppet wol. Helmbr. 1344.

etwas voll schoppen: so sie (die murmelthiere) in einem gemach, da sie wonen, strauw, höw, lumpen unnd dergleichen tcher finden, schoppen sie das maul so voll, dasz nit mehr darein mag. Stumpf 610a. — besonders mit bezug auf essen: einen schoppen, ingozzare uno, dargli da mangiare di soverchio. ved. ausschoppen. Kramer a. a. o.; heiszhungerige bälge seynd schwerlich zu schoppen ò zu erschoppen. ebenda; sich schoppen mit etwas, ingozzarsi, strozzarsi, saginarsi, empirsi la

[Bd. 15, Sp. 1567]


pancia. ebenda; einen wanzenvoll anschoppen, mit speise vollstopfen Schm. 2, 437; ihr herr brueder der gstreng herr Hansz Jacob schoppt ein mit kasz, dasz ein (einem) der bauch tropfft. Schwabe tintenf. A 5a;

hett ich mich ainmal auch mit fisch
gnueg an zu schoppen fressen uber tisch.
J. Rasch fastenlob (1588).

vergl. auch: si haben sich mit yrer fettikait angeschoppet. Melissus psalm F 5a (17, 10). — ohne nähere angabe: demnach asz er wie es jn ankam, .. schoppet sich und frasz bisz jm der bauch strotzt. Garg. 163a; an statt, dasz in Italia und Hispania man an der fürsten und herrn taflen auffs längst nur zwo stundt lang tischet, so schoppen und mösten die Teutschen jhre wampen unnd kothbäuch 6. 7. oder 8. stundt lang under tags. Albertinus landtstörtzer 468. so auch anschoppen (s. theil 1, 449): als nun der koch in dem speisgewölb den hahnen-dieb (fuchs) ertappt, wollte solcher unverzüglich durch das vorige enge loch den ausfall nehmen, kunnte aber wegen der angeschoppten wampen nicht. Abr. a S. Clara etwas für alle 2, 729.
3) so in besondern verwendungen:
a) geflügel schoppen, mästen, nudeln; gänse, kapphanen etc. schoppen. Kramer dict. 2, 642c; gänse schoppen, anseres farcire, farciendo saginare Frisch 2, 220b, vgl. Adelung. Schm. 2, 437. Klein 2, 140. idiot. Austr. 117. Hügel 144a: will man sie (die hühner) aber, wie die copaunen, in die mast legen, musz man .. sie mit von gersten-mehl angemachtem taig und kugeln schoppen. Hohberg 2, 332b; wann man die phasanen mästen will, werden sie von nudeln aus gersten- und bohnen-mehl geschoppt. 670a. — auch vom füllen der geschlachteten gans:

ir pewch schoppen vol piern und küetten,
ir dote körper vol kesten schüeten.
H. Sachs 23, 456, 21 Keller-Götze.

auch vom ausstopfen der toten vögel: ausgeschoppte vögel. Adelung.
b) ein schiff schoppen, die fugen zwischen den hölzern wasserdicht machen Schmeller 2, 437: wan dann das schef aufhin gelaint (mittelst leinen in die höhe gehoben) wirt, so sol es nicht geschoppt werden, es sei vor beschawet mit dem pfleger. österr. weisth. 1, 88, 17; wie jene schiffsmacher zu Salzburg, so von frühe an bis auf die nacht allezeit schoppen und darumb die schopper genannt werden. Abr. a S. Clara närrinnen 90. vgl. schopper.
c) medicinisch, beschweren: du solt wissen dz derbes prot sich lancksam dewet und thut offt gar wee in dem leibe und alles gesotten prot schoppet die lebern. Ortolff von Bayrlandt 54b.
4,
a) reflexivisch, sich schoppen, sich anhäufen und daher nicht weiter kommen, sich stauen, verstopfen Lexer 226, wie in groszer menge getriftetes schwemmholz Schöpf 643, oder von menschenmassen Höfer 3, 112. Schm. 2, 437; auch von der arbeit, sich häufen. ebenda. Klein 2, 140.
b) gern im particip, geschoppt voll, dicht angefüllt, gepfropft voll Schm. 2, 437, refertus Frisch 2, 220b; er ist geschoppt voll, egli è tutto pieno Kramer dict. 2, 642c; freier:

sein lughaft maul ist stets mit verflchng,
mit falsch' nt trg geschopt vol angestekt.
Melissus psalmen D 4a (ps. 10, 4).


5) mundartliches.
a) in der Schweiz balle schope, ein spiel, wobei ein ball versteckt und von einem andern gesucht wird. Hunziker 230.
b) österr. einen schoppen, einen für einen narren halten. idiot. Austriac. 117, foppen Castelli 250.
6) eigenthümlich ist eine intransitive gebrauchsweise im mhd.:

die lefze wâren rôsevar ..
und schopfeten ein cleine.
Walther v. Rheinau 26, 20

(ähnlich 110, 2), die bei Lexer handwb. 2, 771 als 'geschwellt, aufgeworfen sein' erklärt wird.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenbrauer, m., niederd. schopen-brauer, 'brauerknechte, die nicht mehr bei einem wirte dienen, sondern in ihrem eigenen brote sitzen, den brauern aber für gewissen lohn bei jedem brau zu hülfe gehen' Richey 236. brem. wb. 4, 673. Schiller-Lübben 4, 118a. Dähnert 412a. Schütze 4, 60.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenglas, n. bierglas, das einen schoppen ( liter) enthält, bicchiere di vetro, dove cape .. una foghetta Kramer dict. 2, 642b: dasz sich in Mainz der kleinstädtische weinschwelg, hinter seinem hessischen mächtigen schoppenglase, an Napoleonischen erinnerungen gütlich that. Gutzkow rückblicke 163;

[Bd. 15, Sp. 1568]


siehst du izt, du lokrer specht?
dasz wir gottes gelbe sonne
für die Heidelberger tonne
berge, bäume, thürme, schlösser,
angesehn für schoppengläser.
Schiller 1, 213.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenkännlein, n.: da risz und schätt man den wein ausz potten, ausz pinten, ausz kelchen, napffen ... schoppenkännlein, stotzen. Garg. 83b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenkrüglein, n. boccaletto da mezzetta Kramer dict. 2, 642b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenschlag, m. afterschlag, die äste und wipfel der gefällten bäume Nemnich (zu dem ersten schopf 6, c?).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenstecher, m. einer, der viele schoppen weins aussticht (eigentlich mit dem stechheber aus dem fasse zieht, dann: austrinkt, s. daselbst 4, theil 1, 984): der ewige spaziergänger und schoppenstecher! Keller 8, 13; immer wieder erzählte man sich von finsteren anschlägen der Preuszen gegen die rheinische freiheit, und wer nur auf die losen worte der schoppenstecher hörte, mochte leicht an dem lande verzweifeln. Treitschke d. gesch. 2, 273.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schoppenweise, adv. a mezzette Kramer diction. 2, 642b; nach schoppen, in ganzen schoppen Campe.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schopper, m. einer, der schoppt, den verschiedenen bedeutungen des worts entsprechend, besonders in oberd. mundarten, farcitore, ingozzatore, strazzatore, ingrassatore Kramer dict. 2, 642c; im einzelnen
1) kapphanen-schopper, strozza- è ingozza-capponi etc. ebenda. vgl. DWB schoppen 3, a.
2) schiffszimmermann Schm. 2, 437, schiffmann der die fahrzeuge baut Schmid 475. Lexer handwb. 2, 772, vgl. DWB schoppen 3, b: es ist auch recht, ob ainem schopper an einem scheff umb gieng, das nicht gerecht gemacht wurd und zu chlain wär und wär dann, ob es ain vart gefürt wurd, so sol es der schopper vercheren in vierzehen tagen. österreich. weisth. 1, 87, 4—6; und sol auch chain schopper noch vertiger noch ausferig soleiche vercherte und übrige schef nicht hinleihen. 90, 17.
3) im Pinzgau 'derjenige bauernknecht, der bei der heuernte das heu auf dem heuboden niederzutreten hat, damit es, wie man dort sagt, abbrennen könne' Schm. 2, 437; 'der das heu festtreten und dem vieh durchs schopploch das futter geben musz' Schöpf 643.
4) in Baiern, schuhmacher (?) Klein 2, 140.
5) in der Schweiz, ein pfropfen um etwas zu verschoppen Stalder 2, 348.
6) in Schwaben schnuller, saugläppchen Birlinger 401b.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schöpper, m. vliesz, schaffell, andere aussprache für schepper, s. theil 8, 2558 f.: schöpper, vellus, toison, ein klutwolle, ein buschlein wolle, so viel ein schaaf trägt. Schottel 1407. s. auch Stieler 1781. Kramer dict. 2, 643a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schopperholz, n. holz zum schiffbau Schm. 2, 437, vgl. DWB schopper 2.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für