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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schöngrün bis schönheitsapfel (Bd. 15, Sp. 1510 bis 1516)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schöngrün, n. grüner zinnober Karmarsch-Heeren3 7, 778.
 
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schönhaar, m. eigentlich schönes haar, dann einer mit schönem haar, zur übersetzung des altnord. hárfagr gramm. 2, 649.
 
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schönhaarig, adj. zum vorigen, auch schönhärig, für altnord. hárfagr gramm. 2, 649. 964.
 
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schönhaft, adj.: schönlich, schönbar, et schönhaft, pulchellus, bellulus, bellatulus, et idem est quod schön Stieler 1756.
 
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schönhandig, adj. schöne hände habend, auch schönhändig, nd. im sinne von schön 1, c schônhandig, reine hände habend, übertragen: arbeitsscheu ten Doornkaat Koolman 3, 135a.
 
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schönhärlein, n.: schönhärle, die sanddistel, carlina vulgaris Nemnich 1, 891. Pritzel-Jessen 82a (Schlesien).
 
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schönhäszlich, adj., substantiviert:

eine schön-heszliche.
ich kenn ein frauenbild, das wäre völlig schön,
nur dasz der schönheit stück in falscher ordnung stehn.
Logau 1, 11, 26.


 
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schönheit, f. das schönsein, mhd. schœnheit, schônheit Lexer mhd. handwb. 2, 770, nhd. schönheit, pulchritudo Dief. 471c (von 1505), beaulté, beltà, bellezza Hulsius (1616) 288a, pulchritudo, venustas, elegantia, forma, formositas, corporis concinnitas, festivitas, dignitas Stieler 1755. Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 639a. Steinbach 2, 490. Frisch 2, 219a. Adelung, mnd. schônheit, so bei Tunnicius (s. unten 2, a, δ), nnd. schônheit, schönheit, mndl. scônheit, scoenhede, scoenheit Oudemans

[Bd. 15, Sp. 1511]


6, 197. 198, nndl. scoonheid, jünger als das gleichbedeutende schöne, f., hochd. bis ins 16. jahrh. diesem noch an häufigkeit nachstehend, während dann das umgekehrte verhältnis eintritt. vgl. DWB schöne, f.
1) im sinne von schön 1: schönheit des wetters, serenitas Frisch 2, 219a. Adelung. nach 2 überleitend: Gottfried Trist. 6636 (die stelle s. unter DWB schönen 1, a, δ);

der wirt aldâ (der leib im himmel) gegestet
daʒ er von schônheit glestet
als der liehte sunnen glanz.
Hugo v. Langenstein Martina 267, 52.


2) im sinne von schön 2.
a) in bezug auf den menschen und menschenähnlich gedachte wesen meist
α) vom weiblichen geschlecht: Judith die tochter Merari, hat jn (Holofernes) nidergelegt mit jrer schönheit. Jud. 16, 8; jr schönheit fieng sein hertz. 11; darumb hiessen diese bösewichter jr den schleier wegreiszen, damit sie verhüllet war, auff das sie sich ergetzten an jrer schönheit. Sus. 32; wie ich nun ihre kleidung und schönheit der Maria Magdalenen wolte beschreiben, habe ich von punct zu punct die kleider und schönheit dieser andern frauen Magdalenen abgemahlet. persian. reise 3, 25, 149b; Medusa, Phorci tochter, macht mit ihrer schönheit, die leute zu steinen und tohren. Butschky Pathmos 304; die schönheit Bathseba, hat dort den David in einen groszen sünden-fall gestürtzet. 353; ich weisz nicht wie dieser gute mann auch ein freyeres auge auf die schönheit der tochter warff. Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 490; sie ist von gemeiner schönheit, formâ statâ est et uxoriâ, i. e. neque pulcherrima neque deformissima Stieler 1756; es mangelt nichts überal an ihrer schönheit, usque ab unguiculo ad capillum summum est festivissima. ebenda; nach schönheit heurathen, sposar' una per la sua bellezza Kramer 2, 639b; aber die schönheit kann's kosten, und der verlust der schönheit geht uns mädchen an den hals. Raimund (1891) 2, 217; es weinten mit ihnen die Nymphen über ihre schönheit, die nun übertroffen war. Ludwig (1891) 2, 408;

ein alsô minnenclîcheʒ wîp,
... an schœne als ûʒ erkorn,
daʒ ir schœne hœnet,
mit schœnheit überschœnet
gar aller wîbe schœne.
Heinrich v. Freiberg Trist. 3920;

die schonheit aller frauwen
die hostu (Maria Magdalena) genczlich woil an dir. Alsf. pass. 1773 Grein;

ich kenn ein frauen-bild, das wäre völlig schön,
nur dasz der schönheit stück in falscher ordnung stehn.
Logau 1, 11, 26;

lobt' ich tausend jahr,
reine weiberschaar,
eurer schönheit blüthe,
eures herzens güte,
wäre doch mein sang,
nur ein schwacher klang.
Hölty 148, 3 Halm;

wenn ich den schönen mond am abend dunkel sehe,
und welken sehe eines weibes schönheit.
Herder 26, 413 Suphan;

im bilde:

deiner schönheit reiffe früchte
martern mich ja auch zu scharff,
denn sie sind nur schaugerichte,
die mein mund nicht kosten darff.
Günther 252.


β) seltener vom männlichen:

si gesach daʒ wunder,
daʒ an im lac besunder
von schœnheit über alle man.
Konrad v. Würzburg troj. krieg 20341.


γ) allgemein vom menschen: und darzu stünde es reputirlicher, wann ein mensch etwas von sich und seiner schönheit hielte, als dasz er auffgezogen käme, wie die fliege ausz der buttermilch. Weise erzn. 33 neudruck; allein die schönheit eines menschen (und unter dieser art die eines mannes, oder weibes, oder kindes), die schönheit eines pferdes, eines gebäudes (als kirche, palast, arsenal, oder gartenhaus) setzt einen begriff vom zwecke, welcher bestimmt, was das ding sein soll, mithin einen begriff seiner vollkommenheit voraus. Kant 7, 75; wenn daher dem menschen, vorzugsweise vor allen übrigen technischen bildungen der natur, schönheit beygelegt wird, so ist diesz nur in sofern wahr, als er schon in der bloszen erscheinung diesen vorzug behauptet, ohne dasz man sich dabey seiner menschheit zu erinnern braucht. Schiller 10, 72. von den engeln: zur schönheit der engel, ist der mensch erschaffen. Butschky Pathmos 304.
δ) schönheit der frauen und schönheit allgemein mit bezug auf den menschen in gnomischen wendungen: de schônheyt der

[Bd. 15, Sp. 1512]


wyve heft mannigen vordorven, feminea multi specie cecidere virorum. Tunnicius 1185; schônheit vorgeit von sükede, sorge unde older, forma perit morbo, cura, anxietate, senecta. 1288; schönheit macht hertzenleid. Petri 2 (1605), Ss 5b; di schönheit verleuret sich eher, als di frülingsblumen: auch wol nur durch ein geringes feber. Butschky kanzl. 240; nichts wird so sehr, als die schönheit (von den frauen) begehret. 551; di schönheit und holdseligkeit, seyn das rechte tränklein, davon mancher in libe entzündet wird. 563; jeder tag bricht eine blume von der schönheit; drüm hat sie keinen bestand. Pathmos 353; die schönheit ist ein anstos, welcher nicht den blinden, sondern den sehenden gesäzt ist. ebenda; schöngebildetes frauen - zimmer, befindet sich in groszer gefahr, ihre keuschheit zu bewahren; weil sich allzeit ein harter streit, zwischen der keuschheit und schönheit verhält. 407; der baum der schönheit träget vil gutte; doch auch sehr unsichere früchte. 808; so gar ist die schönheit ein magnet der augen und hertzen. Abr. a S. Clara Jud. 1 (1686), 133; schönheit verschwindet leicht, forma bonum fragile est Stieler 1755; von der schönheit kan man nicht leben, della bellezza non si vive (mangia) Kramer 2, 639b; schönheit und tugend stehen selten beysammen, pulchritudo et virtus raro in uno deprehenduntur Steinbach 2, 490; (er) behauptete, dasz das gefährlichste geschenk, so der himmel einem weib nur verleihen könnte, schönheit sei. Schiller 3, 561; schönheit und keuschheit sind selten bei einander. Simrock 432, 9166; schönheit brockt man nicht in die schüssel. 9170; schönheit kann man nicht eszen. 9171; schönheit? ein kindbett! 9172; schönheit ist kein erbgut. 9173; der schönheit ist nicht zu trauen. 9174; die schönheit ist ein guter empfehlungsbrief. 9175a; schönheit ohne tugend ist verdorbener wein. 9178;

die schönheit fleugt hinweg, als wer sie nie gewesen;
wer sie mit tugend schmückt, ist selig und genesen.
Zinkgref bei
Wander 4, 319;

es weisz die gantze welt,
dasz reiner wille sich mit schönheit kaum gesellt.
Opitz 58;

schawe! wie leichtlich zerbricht ein glaasz,
fället auch nieder der schönheit baum. Venusgärtlein 14, 8 neudruck;

lieber! wie schnelle wird schönheit verlohren,
kömmet ein fieber das sie verletzt? 9;

schönheit vergeht,
tugend besteht.
Simrock 433, 9179.


ε) natürliche schönheit, non fucatus nitor Stieler 1755, leibliche, äuszerliche schönheit u. ähnliche verbindungen: schonheit des lichams vorgeit bolde, corporis ornatus fallax et gratia vana. Tunnicius 1062; mich dünket nicht wohl gesaget zu haben, der gesagt: das des leibes schönheit der tugend desto besser anständig. Butschky kanzl. 484; las dich euserliche schönheit nicht verleiten, den solche ist ein wind, der bald verswind. 568; die leibliche schönheit, ist der frey - brif der natur, mit welchem das frauenzimmer mehr begnädiget werden, als nicht die männer. Pathmos 304. schönheit des leibes im gegensatz zu der des gemüths: schönheit des leibes vergehet; des gemüttes aber wächst mit dem alter. 354.
ζ) von einzelheiten des menschlichen körpers: die schuldern .. sint dar umb mæʒicleîchen dünne, daʒ si der prust schônhait mit irr übriger dicken iht unschœnen, wann eʒ unschœnt den menschen wenne im die achseln her für hangent gegen der prust. Megenberg 19, 16; schönheit des gesichtes. Adelung;

der wohllaut ihrer rede
verschlang die schönheit ihrer züg'.
Rückert (1882) 4, 97.


b) von thieren: schönheit eines pferdes. Kant 7, 75 (die stelle s. oben unter a, γ);

sijn (des panthers) scoonheit ende dat hi ruuct so wale
dat doet menich dier hem volghen na. Reinaert II 5466.


c) von pflanzen: was sollte man nun anderes daraus vermuthen, als dasz die schönheit für eine eigenschaft der blume selbst gehalten werden müsse, die sich nicht nach der verschiedenheit der köpfe und so vieler sinne richtet, sondern wornach sich diese richten müssen, wenn sie darüber urtheilen wollen? und doch verhält es sich nicht so. Kant 7, 137.
d) schönheit einer gegend Adelung, des regenbogens. der natur: dagegen aber behaupte ich, dasz ein unmittelbares interesse an der schönheit der natur zu nehmen (nicht blos geschmack haben, um sie zu beurtheilen) jederzeit ein kennzeichen einer guten seele sei. Kant 7, 158. nach e überleitend: schönheit eines gartens. Kramer 2, 639b.

[Bd. 15, Sp. 1513]



e) von menschlichen erzeugnissen: schönheit eines gebäues. Kramer 2, 639b, eines gebäudes. Kant 7, 75 (die stelle s. unter a, γ). schönheit eines bildes, einer statue.
3) im sinne von schön 3, a: schönheit der stimme, der musik.
4) im sinne von schön 4, verinnerlicht und vertieft.
a) auf worte bezogen: schönheit in worten, lepor Frisch 2, 219a, auf die dichtkunst: schönes lied, gedicht, drama.
b) zum einheitlichen ästhetischen begriff ausgebildet: er (Oeser) lehrte mich, das ideal der schönheit sey einfalt und stille. Göthe briefe 1, 229 Weim. ausgabe (20. febr. 1770); wenn ich ihnen rathen darf, so werden sie mehr vortheil finden, zu suchen wo schönheit seyn möchte als ängstlich zu fragen was sie ist. einmal für allemal bleibt sie unerklärlich; sie erscheint uns wie im traum, wenn wir die werke der groszen dichter und mahler, kurz, aller empfindenden künstler betrachten; es ist ein schwimmendes glänzendes schattenbild, dessen umrisz keine definition hascht. 238 (v. 14. juli 1770); wenn ich gleich zugebe, dasz die hohe schönheit, das höchste princip und der höchste zweck der kunst, freilich noch etwas ganz anders sey. werke 38, 92; können sie mir sagen was schönheit sey? rief er aus .. ehe wir an diese untersuchung gehen, versetzte er, möchte es wohl nöthig seyn, dasz wir das wort schönheit und seinen ursprung näher betrachten. schönheit kommt von schein (ebenso 56, 31), sie ist ein schein und kann als das höchste ziel der kunst nicht gelten. 93; das characteristische liegt zum grunde, auf ihm ruhen einfalt und würde, das höchste ziel der kunst ist schönheit und ihre letzte wirkung gefühl der anmuth. 97; schönheit ist form der zweckmäszigkeit eines gegenstandes, sofern sie ohne vorstellung eines zwecks an ihm wahrgenommen wird. Kant 7, 82; schönheit also ist nichts anders, als freiheit in der erscheinung. Schiller briefe 3, 246 Jonas (vom 8. febr. 1793); schönheit aber ist freiheit in der gebundenheit, natur in der kunstmäszigkeit. werke 10, 56. schönheit der wahrheit gegenübergestellt:

die wahrheit ist vorhanden für den weisen,
die schönheit für ein fühlend herz. don Carlos 4, 21,

als einheitlich dem mannigfachen schönen, an dem sie in die erscheinung tritt, entgegengesetzt:

schönheit.
schönheit ist ewig nur éine, doch mannichfach wechselt das schöne,
dasz es wechselt, das macht eben das éine nur schön. werke 11, 174.

dem idealen einheitlichen begriff der schönheit gegenüber unterscheidet Kant zwei arten von schönheit in der erscheinungswelt: es gibt zweierlei arten von schönheit: freie schönheit (pulchritudo vaga), oder die blos anhängende schönheit (pulchritudo adhaerens). die erstere setzt keinen begriff von dem voraus, was der gegenstand sein soll; die zweite setzt einen solchen und die vollkommenheit des gegenstandes nach demselben voraus. 7, 74. Schiller macht hinsichtlich der wirkung der im idealschönen vereinigten, in der erfahrung getrennten schönheit den folgenden unterschied: das idealschöne, obgleich untheilbar und einfach, zeigt in verschiedener beziehung sowohl eine schmelzende (vorher auflösende) als energische (vorher anspannende) eigenschaft; in der erfahrung giebt es eine schmelzende und energische schönheit. 10, 330; die schmelzende schönheit, wurde behauptet, sey für ein angespanntes gemüth und für ein abgespanntes die energische. 334.
c) auf das innere des menschen übertragen, schönheit des gemüths (vgl. gemütsschönheit, pulchritudo animi Stieler 1756): nicht des leibes; sondern des gemüttes schönheit, ziret den menschen. Butschky kanzl. 484; ja, wie die tugend eine innerliche schönheit des gemüttes, also ist die euserliche schönheit eine gleichständige tugend des leibes. Pathmos 303;

selbst die schönheit vom gemüthe (eines mädchens)
bricht durch blick und antlitz vor.
Günther 273.

schönheit der seele Adelung, in ausgeführtem bilde sinnlicher auffassung genähert: du, deren junge seele, als sie heut nackt vor mir stand, von wollüstiger schönheit gänzlich triefte, wie die mit ölen gesalbte braut eines perserkönigs, wenn sie, auf alle teppiche niederregnend, in sein gemach geführt wird! Kleist 3, 25 (Käthchen v. Heilbr. 2, 1) Hempel. schönheit des geistes Adelung, des verstandes: die männer; so ihnen (den frauen) meistens an der schönheit des verstandes überlegen seyn. Butschky Pathmos 304;

durch schöner glieder reiz, durch schönheit des verstands,
erwarb Monime sich den beyfall Griechenlands.
Gellert 1 (1775), 93.

[Bd. 15, Sp. 1514]


schönheit der menschlichen natur: ein inniges gefühl für die schönheit und würde der menschlichen natur, und eine faszung und stärke des gemüths, hierauf, als auf einen allgemeinen grund, seine gesammten handlungen zu beziehen, ist ernsthaft, und gesellt sich nicht wohl mit einer flatterhaften lustigkeit, noch mit dem unbestande eines leichtsinnigen. Kant 7, 393. nach d überleitend: artigkeit ist die schönheit der tugend. 384; nur indem man einer so erweiterten neigung seine besondere unterordnet, können unsere gütigen triebe proportionirt angewandt werden, und den edlen anstand zu wege bringen, der die schönheit der tugend ist. 392.
d) vom handeln: es ist auch diese neigung (scham) nicht einmal so nahe, wie die gutherzigkeit, der ächten tugend verwandt, weil sie nicht unmittelbar durch die schönheit der handlungen, sondern durch den in fremde augen fallenden anstand derselben bewegt werden kann. 393; er (der cholerische) hat kein gefühl für die schönheit oder den werth der handlungen, sondern für das urtheil der welt, das sie davon fällen möchte. 399; zur schönheit aller handlungen gehört vornehmlich, dasz sie leichtigkeit an sich zeigen und ohne peinliche bemühung scheinen vollzogen zu werden; dagegen bestrebungen und überwundene schwierigkeiten bewunderung erregen und zum erhabenen gehören. 407; zur moralischen schönheit der handlungen ist freiheit des willens die erste bedingung. Schiller 9, 174; schönheit der handlung besteht in der handlungsweise, in der gesinnung, nicht in dem resultat. 10, 54; daher weisz sie (die schöne seele) selbst auch niemals um die schönheit ihres handelns, und es fällt ihr nicht mehr ein, dasz man anders handeln und empfinden könnte. 103.
e) auf die auffassung der schönheit natürlicher körper wirkt die verinnerlichte anwendung vertiefend zurück: schönheit ist wenn der leib von dem geist, den er herbergt, ganz durchdrungen ist. Bettine tageb. 91.
5) im sinne von schön 5.
a) objectiv, wie 'annehmlichkeit', jedoch selten: schönheit froh verlebter tage, der jugendzeit.
b) subjectiv, wie 'freundlichkeit', nur in älterer sprache:

daʒ (hündlein) habet ir schôner durch in,
dan etelîche vürstin
handelt unde haben kan
mit schônheit ir êlîchen man.
Heinr. v. Freiberg Trist. 4252;

wer auf die hochzeit kümpt gezogen,
geriten, gefaren oder gegangen,
der wirt mit solcher schonhait enpfangen,
das er solch freud nie ein hat genumen. fastn. sp. 762, 7 Keller.


6) im sinne von schön 6, wie 'herrlichkeit', im ersten der folgenden belege noch an schön 1, a rührend, fast wie 'glanz' in sinnlicher anwendung:

daʒ selbe her vil breitdaʒ vuor mit grôʒʒir schônheit:
manege halsperge wîʒʒedie vuorten si ze vlîʒʒe, ..
helm unde brunnedie schînen sam diu gimme,
si louhten sam die sterne. genes. u. exodus 158, 7 Diemer;

ich (Jesus) sal uch ougin mîne schônheit,
ich sal uch ougin mîne herschaf. fundgr. 2, 137, 7 Hoffmann;

swer schouwet herzenlîche
daʒ êwige rîche
und die gotlîchen schônheit,
die got mit stæte hât bereit
ze iemer werndem lône
mit einer stæten krône, ..
den dunket gar diu welt ein niht.
Rudolf v. Ems Barlaam 141, 37;

sam sie ir gerne hæt geseit
von des wunders schônheit,
von der fröude und von dem lobe,
daʒ sie gesehen het dort obe.
Lampr. v. Regensburg tochter Syon 4244;

der mensche sal sîn guot gemêre (: êre)
mit reht, mit unreht, swie er kan,
sehe (inf. oder sehet) der rîchen schônheit an,
und sî (sît?) der werlde guot geselle.
Hugo v. Trimberg renner 8001;

din (gottes) gewalt, wisheit, gudikeit zu erfaren,
und die schonheit dins hus zu offenbaren. Alsfeld. pass. 6339.


7) im anschlusz an 5 und 6, wie 'ehrenvolle, geziemende art, gebühr': Carolus IV anno 1360. confert Ottoni marchionatus Brand. et Lusic. mit sulcher schonheit und czirheit, als wir daʒ billeich tun sollten. quelle bei Haltaus 1641; ob wir in diesen sachen sulche schonheit unde czirheit nicht gehalten hetten, als gewonlich und recht ist ze tuen, so man dem heil. reich, us dinstmannen freyen machet. quelle ebenda.
8) im anschlusz an 1 wie 'schmuck' in concretem sinne: do

[Bd. 15, Sp. 1515]


ward ir zorn ont sprah dat si nimerme an di stat nequeme da sin amie were si newold ir tschapel nemen ont ir ander scounheit al zemal derzo. quelle des 13. jh. in Wackernagels altd. leseb.2 776, 15;

sehet, alle dise wile,
daʒ ir herre nit enquam,
di frouwe ir schônheit abe nam
und alleʒ ir geziere
drg si gehalden schiere
in laden und in schrîne. Elisabeth 2106 Rieger.


9) in vereinzelnder anwendung
a) von 6 aus wie 'feierlichkeit, festlichkeit' zur bezeichnung einzelner vorgänge: dabey gebewt auch eyn erber rate, das hinfüro eynich frow oder junckfrow, burgerin oder inwonerin dieser statt, eynich hefftlein, das achtzehen guldin reinisch am werdt übertreffe, kost oder werdt sey, zu eynicher hochzeyt, tantz oder annder schonhait oder schympfe nyt tragen solle. Nürnberger polizeiordnungen 102;

auch quâmen umme ir selen heil
des volkes unzelliche schar,
di umme schouwen quâmen dar,
beide frouwen unde man,
daʒ si di schônheit (die anderweitige bestattung der heil. Elisabeth) sehen an
unde in daʒ wunder wurde erkant. Elisabeth 10004 Rieger.


b) art, gattung von schönheit: die gutherzigkeit, eine schönheit und feine reizbarkeit des herzens, nach dem anlasse, der sich vorfindet, in einzelnen fällen mit mitleiden oder wohlwollen gerührt zu werden, ist dem wechsel der umstände sehr unterworfen. Kant 7, 394.
c) was an einem dinge schön ist, schöne einzelheit, schöner theil eines dinges Adelung.
α) an einem kunstwerk, einer dichtung: wenn er (der verfasser des Philotas) es mir erlauben will, werde ich mich in einem vorberichte über verschiedene puncte näher erklären; und warum sollte er es mir nicht erlauben wollen, da ich nichts als schönheiten werde auszusetzen und zu kritisiren finden? Lessing 12, 131; der zuschauer vom gewaltigen licht der sinnlichkeit geblendet, übersieht offt eben sowohl die feinsten schönheiten, als die untergeflossenen flecken, die sich nur dem auge des bedachtsamen lesers entblöszen. Schiller 2, 7.
β) an einem natürlichen körper, besonders dem menschlichen: das grübchen in den wangen wird für eine schönheit gehalten. Adelung; sie hatte sich diesen tag so leicht, reitzend und verführerisch gekleidet, als es die toilette einer circassischen dame verstattete; und so viel ich weisz, ist keine in der welt geschickter, gewisse schönheiten den sinnen recht auffallend und gefährlich zu machen. Klinger 10, 33; sie aber wuszte nichts von ihren schönheiten, es war ihr lieb, dasz sie künftig nicht so lange an ihren haaren zu kämmen hätte und so sank ihr haar, .. im raschen schnitt einer scheere wie ein schwarzer schleier auf dem boden rings um sie her. Arnim 1, 26.
γ) schönheiten der natur, was sie an schönem bietet: freuden, die die schönheiten der natur in endloser mannigfaltigkeit uns anbieten. Geszner bei Adelung.
d) schöner gegenstand: blumen sind freie naturschönheiten. Kant 7, 74; viele vögel (der papagei, der kolibri, der paradiesvogel), eine menge schalthiere des meeres sind für sich schönheiten, die gar keinem nach begriffen in ansehung seines zwecks bestimmten gegenstande zukommen, sondern frei und für sich gefallen. ebenda; so bedeuten die zeichnungen à la grecque, das laubwerk zu einfassungen oder auf papiertapeten u. s. w. für sich nichts; sie stellen nichts vor, kein object unter einem bestimmten begriffe, und sind freie schönheiten. ebenda.
e) schöne person, besonders weiblichen geschlechts Adelung: als ich also lechzend sasz, sahe ich gegen mir über aus einem schattichten pallast eines schönen hauses diese liebliche schönheit auffgehen, gleich aus der finstern nacht die anmuthige morgenröthe herfür bricht. pers. rosenth. 5, 15, 69a; in eine schönheit verliebt seyn. Kramer 2, 639b; man würde sie .. wie eine schönheit, die man liebete, im leichten überwurf kürzlich aus dem bette erhoben, zu sehen wünschen. Winckelmann 1, 263; Chloris ist eine wahre schönheit. Adelung; das schönste exemplar einer blondine, die, nicht zu viel gesagt, neben den ersten schönheiten des hofes noch figur machen würde. Schiller kab. u. liebe 1, 5; eine lebende weibliche schönheit wird uns freylich eben so gut und noch ein wenig

[Bd. 15, Sp. 1516]


besser als eine eben so schöne, blosz gemahlte, gefallen. werke 10, 373; vorzüglich sollte der jäger wieder kommen und ihn zu jener angebeteten schönheit einladen. Göthe 19, 69; als mir der unangenehme streich passirte, dasz bei'm nachtische ein älterer freund meiner liebsten schönheit, von reisen kommend, unvermuthet hereintrat, sich zu ihr setzte und ohne grosze umstände seine alten rechte geltend zu machen suchte. 23, 79;

eine schönheit hab' ich mir
aus zur braut erlesen,
minder schön von äuszrer zier
als von innrem wesen.
Rückert (1882) 1, 383.

im wortspiel mit b oder c, β: wem that der arme teufel etwas an? nicht einmal damen, für welche er zwar, gleich einem kupferstecher, immer vor dem spiegel arbeitete an seinem ich, allein nur, um mit diesem kunstwerke, gleich andern figuristen, reine schönheiten darzustellen, nicht aber solche zu verführen. J. Paul Titan 1, 121.
f) von 5, b aus wie 'beweis freundlicher gesinnung', concret:

elc (dreier ritter, die eine jungfrau lieben) quam to haer om ene scoonhede,
dat si harde gaern dede,
ende gaf elken enen siden mouwe. altd. bl. 1, 70, 182.

ähnlich von liebenswürdigen worten: ein prinz begrüszt sie und sagt ihr schönheiten; allein es fehlt Nannchen an verstand, denn sie weisz nicht zu antworten. H. W. Thümmel 76.
10) im sinne von 2 allegorisch personificiert: es musz eine feine freude seyn, wenn man denkt, man hat (in der gattin) die Schönheit leibhaftig, und auge, zahn und haar ist geborgt. Weisze kom. opern 2 (1768), 186;

die Schönheit gab ihr selbst den preis. 184.


 
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schönheit-, die zusammensetzungen von schönheit zeigen trotz aller gegentheiligen bestrebungen der sprachreiniger heute durchgehends das unorganische genitiv-s und sind deshalb hier in dieser form angesetzt worden.
 
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schönheitelei, f. streben nach schönheit, verächtlich: lasz die weiche lehre neuerer schönheiteley dich für das bedeutende rauhe nicht verzärteln, dasz nicht zuletzt deine kränkelnde empfindung nur eine unbedeutende glätte ertragen könne. Göthe 39, 348.
 
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schönheitsapfel, m. der apfel, den Paris der Aphrodite als preis der schönheit zuerkannte Campe, in freier, bildlicher anwendung: sie sehen heute den zank- und schönheitsapfel (schönheitapfel?) der ehe nur in der sonnenseite der liebe hangen. J. Paul bei demselben; schönheitapfel: eine frau wie diese, deren blicke throninsignien und deren worte mandata sacrae caesareae majestatis propria waren, hatte aus den händen der natur selber die huldigungmünze und das throngerüste, um ihren reichsapfel gegen die schönheitäpfel junger mädchen abzuwägen. Hesp. 3, 208.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für