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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schöngeglättet bis schöngeisterisch (Bd. 15, Sp. 1508 bis 1509)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schöngeglättet, adj., vgl. DWB schön geglättete wannen, ἀσαμίνθους εὐξέστας Voss Od. 4, 48:

aber der jüngling
eilte zur nahen birk' und schnitt von den hangenden zweiglein
schöngeglättete stäb' und vertheilte sie rings der gesellschaft (als ersatz der vergessenen löffel). Luise 1, 286;

streitende gedanken jagten ihre wolken über die schöngeglättete stirne. Grillparzer (1887) 11, 227.
 
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schöngegraben, adj. schön graviert:

dasz des heiligen unnennbarer name
dir im täglichen brauch gemein nicht werde,
trage gott, auch im schöngegrabnen steine,
nicht an dem finger.
Herder 27, 153 Suphan.


 
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schöngegürtet, adj.:

er (Achilles) zürnet im herzen
ob des schöngegürteten weibes, welches die Griechen
ihm mit macht und unrecht entrissen.
Stolberg 11, 27

(Il. 1, 429: ἐξώνοιο, denselben ausdruck braucht auch Voss an der stelle).
 
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schöngehaart, adj., substantiviert:

die schöngewimperte, schöngehaarte,
die schöngehüftete, gliederzarte,
der strahlende frauenedelstein
ging in den kreis der einsiedler ein.
Rückert (1882) 12, 52.


 
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schöngeharnischt, adj.:

treib' sie (die rosse)
von den Troern hinweg zu den schöngeharnischten Griechen!
Bürger 223b (Il. 5, 264: ἐκνήμις).


 
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schöngehenkelt, adj.:

nun bringt mir wein im Griechenkrug,
im ird'nen kruge, schöngehenkelt.
Leuthold ged.4 107.


 
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schöngehüftet, adj. Rückert (1882) 12, 52. die stelle s. unter DWB schöngehaart.
 
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schöngeist, m., nach dem frz. bel-esprit, der dem schönen, besonders den schönen wissenschaften interesse und verständnis entgegenbringt, sich damit beschäftigt, allmählich discreditiert, spöttischen nebensinn gewinnend Campe (unter schön), vergl. schön 4, c: die dame aber, die von der geisterwelt eine ganz andere theorie hatte als die töchter, und keine geister glaubte als schöngeister und starke geister, strafte die fräuleins dieser pfahlbürgerlichen vorurtheile halber. Musäus 1, 57 Hempel; da lobte ich mir unsere pfiffige schöngeister, die ihren abgestumpften witz gelegenheitlich bei dieser lezten instanz (den almanachen) noch umtreiben. Schiller 2, 376; die benennung, schöngeist, die vor dreyszig jahren so angenehm klang, ist nun zu einem widrigen schall geworden; man bedient sich jetzt des allgemein bezeichnenden wörtleins: schriftsteller. Klinger 11, 140; es waren kurze jahre, wo der gute geist unserer nation von dem hofe des groszen fürsten (Karls des groszen) so helles licht ausstrahlte, wie niemals seitdem im

[Bd. 15, Sp. 1509]


hause eines deutschen herrschers, nicht unter der ritterlichen umgebung der Hohenstaufen, und nicht unter den französischen schöngeistern des groszen Friedrich. Freytag 17 (1888), 328. schöngeist dem denker gegenüber gestellt: es hiesze etwas unmögliches verlangen, wenn ein werk, das den denker anstrengt, zugleich dem bloszen schöngeist zum leichten spiele dienen sollte. Schiller 10, 397, dem schönen geist als dem wahrhaft schön, harmonisch durchgebildeten:

der schöne geist und der schöngeist.
nur das leichtere trägt auf leichten schultern der schöngeist,
aber der schöne geist trägt das gewichtige leicht.
Schiller 11, 169,

dem philister, in durchaus üblem sinne:

philister und schöngeist.
jener mag gelten, er dient doch als fleisziger knecht noch der wahrheit,
aber dieser bestiehlt wahrheit und schönheit zugleich. ebenda.


 
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schöngeistelei, f. schöngeistiges wesen, in spöttischem sinne: da er mit allen meynungen, hypothesen, und dem ganzen bischen wissenschaft und schöngeisteley des richters längst bekannt war. Müller Siegfried v. Lindenberg 1 (2), 296; manche hielten diese wahre altdeutsche denkart für stolz — oder eigentlicher zu reden, für hochmuth, andere für schöngeisteley (anmerk.: dies ist ein modeausdruck, womit heutiges tages die gens du bon ton alles gute belegen, dessen sie sich nicht fähig fühlen). 2 (3), 35.
 
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schöngeisterei, f., dasselbe wie das vorige, gleichfalls meist verächtlich Campe: angesehen die idiosynkrasie des bothen und seine mischung von schöngeisterey und religion denen herren recensenten mehr und mehr unerträglich geworden. Claudius 7, iii; in puncto der schöngeisterey, tausch' ich, hol' mich der teufel! nicht mit deinem witze. wiewohl ich nur ein naturalist bin, so mach ich doch auch, dann und wann, noch verse, die hände und füsze haben. Gotter 3, 344; blitz und wetter in all' die schöngeisterey hinein! Lenz 1, 157; unter dilettantismus in der lyrischen poesie: belletristerey auf universitäten, durch eine moderne studirart veranlaszt. frauenzimmer-gedichte. schöngeisterey. Göthe 44, 278. im plur. von einzelnen äuszerungen schöngeistigen wesens: die nachwelt wird an solchen schöngeistereien von werk und theorie stehen und staunen. Herder 8, 34 Suphan.
 
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schöngeisterisch, adj. einem schöngeist gleich, gemäsz: in welcher verlegenheit ist zuweilen ein mann, der nicht viel journale und neuere modeschriften liest, wenn er in eine gesellschaft von schöngeisterischen herrn und damen geräth. Knigge umg. m. menschen 1, 22; der rektor selber würde so gut wie Victor verlegen gewesen sein vor der schöngeisterischen ministerin. J. Paul Hesp. 2, 46. in adverbialer fügung: verdient ein richter lob oder tadel, wenn er kaltblütig prüft, nicht schwärmerisch schwindelt? wenn er feierlich und ernsthaft spricht, nicht schöngeisterisch faselt? Sturz 1, 209.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für