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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schönen bis schönerraritätenkasten (Bd. 15, Sp. 1504 bis 1506)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schönen, verb. zu schön:
1) schön machen, mhd. schœnen, md. schônen Lexer mhd. handwb. 2, 769, ahd. scônen (skônjan), belegt: gascônit (hûs), ornatam. frgm. theot. Matth. 12, 44, daneben scônôn (skônjôn), belegt kascônnôta, ornavit. Murb. hymn. 11, 3, 2 und kascônnôt, candidatus, part. prät. 26, 4, 3. zu der doppelconsonanz vgl. Braune ahd. gr. § 96, anm. 1. Stieler 1755 bezeichnet das simplex als selten. gebräuchlicher sei es in zusammensetzungen, von denen er abschönen, anschönen, aufschönen, ausschönen, entschönen, beschönen, überschönen, zerschönen, verschönen (als üblicher daneben verschönern) anführt. die neuere sprache kennt, abgesehen von technischer und mundartlicher verwendung des simplex, nur beschönen, neben häufigerem beschönigen (vgl. nd. schônigen, schönnigen, reinigen, noch in sinnlicher anwendung, im sinne von schönen 1, a, γ ten Doornkaat Koolman 3, 135a) und verschönen, neben üblicherem verschönern (vgl. unten schönern).
a) im sinne von schön 1.
α) nach a in technischer anwendung, durch behandlung gefärbter oder bedruckter zeuge mit seifenlösung oder anderem der farbe gröszere lebhaftigkeit, gröszeren glanz geben, avivieren Karmarsch-Heeren3 1, 265.
β) nach b gleichfalls bis heute in technischer sprache, vom klären des weins Campe. Kehrein 1, 365. Stalder 2, 347, auch des biers Karmarsch - Heeren3 7, 778, im bilde: o wie mir dieses blank gescheuerte blei der polierten alltäglichkeit, dieses destillierte wasser, dieser geschönte landwein ein gräuel ist! J. Paul kom. anhang z. Titan 2, 32. allgemeiner, wie 'aufhellen', unsinnlich:

wiʒʒet, daʒ ir guoter lîp
mannes trüebeʒ herze schœnet,
ob eʒ hât verhœnet
trûrik sorge unt kumberlîcheʒ leit. minnesinger 1, 361a Hagen.


γ) nach c, reinigen, an d rührend: item so sie (schneckenschalen) gebrandt, werden sie gebraucht die zän damit zu schönen und zu reiben. Gesners fischbuch übersetzt von Forer (1598) 141b. ebenso oder im sinne von schön 2: die schalen etlicher straubschnecken brauchen die weiber zu schönen jhr angesicht. ebenda. die bäume schönen, ausputzen Campe, in der auffassung an schön 1, b, α angelehnt: die böum schönen, den böumen den lufft lassen, und erhouwen, sublucare Maaler 360c. auch vom säubern, schälen von früchten Stalder 2, 347. unsinnlich, sich schönen, sich rein, weisz brennen, sich entschuldigen: doch so will ich mich selbs hie mit nit ganz geschönt han, dann ich gleich als wol als ein ander fälen mag. Etterlin (1752) 63. schönen dann auch freier wie 'entschuldigen, einer sache einen guten anstrich geben' Stalder 2, 347, mit anschlusz an schön 2, vgl. DWB beschönen, DWB beschönigen:

mancher wird mit dieser that (Reinekes) seine boszheit schönen,
und gedenken, sündige nur, du kanst wol aufsönen
deinen könig. Reinicke fuchs (1650) 26 (ohne vorbild).

in ausgeführtem bilde:

ein mahler ist er (der fuchsschwänzer) auch der alle laster schönet
zu einer Helena.
Logau 3, 218.


δ) zu der anwendung im sinne von schön 2, überleitend:

der arme in dem bade beleip
unz man daʒ hor von im treip:
daʒ schœnete in vil cleine.
im bedahte sîn gebeine
ein hût swarz als ein rân. gute frau 2793.

passivisch, mit instrumentalem genitiv:

nu lûhten disiu vier werc
helm unde halsberc
schilt und hosen ein ander an
so schône, ob si der wercman
alle viere alsô hæt ûf geleit,
daʒ iegelîches schônheit
dem andern schœne bære
und sîn geschœnet wære,
sone kunde ir aller viere schîn
ebenliehter niemer gesîn.
Gottfried Trist. 6636.

[Bd. 15, Sp. 1505]



b) im sinne von schön 2.
α) mit bezug auf personen:

diu niunde (frau) dûhte in gekrœnet,
diu zehende baʒ geschœnet
mit dem gotes vlîʒe.
Hartmann v. Aue Erec 8271;

nur schminke schönet dein gesicht.
Schwieger geharn. Venus 41 neudruck.

besonders wie 'schmücken, zieren', vgl. DWB schön 2, a, α, ε:

der tôten küniginne
houbet man dâ schône
mit zweier lande crône
in dem sarke schœnete.
Heinrich v. Freiberg Trist. 6793;

daʒ beste, daʒ im tohte
ze tragen an dem lîbe sîn
von gurtel und von vingerlîn,
dâmit wart er geschônt.
Ottokar 73601;

(im bilde:) wol geschœnet
was si mit bluomen mangerlei
an irme lîbe über al. minnes. 3, 419b Hagen.


β) ähnlich in sonstigem sinnlichen gebrauch, vgl. DWB schön 2, a, ι:

nu siht man die grüenen heide
wol bekleidet, wol geschœnet. minnes. 1, 60a Hagen;

helfet grüeʒen mir den meien
der so lobelîchen schœnet
anger, heide ûf berg und in dem tal. 360a;

nu ist heide wol geschœnet
mit vil manigen blüemelîn gemeit. 354b.


c) im sinne von schön 5:

daʒ selbe (der gedanke) schœnet mannes leben.
Reinmar v. Zweter 220, 4 Roethe.


d) im sinne von schön 6 allgemein wie unsinnliches 'zieren', wie 'ehren, verherrlichen':

ir (der ehre) craft die hêren gotes tougen crœnet,
ir wird die engel tiuret unde schœnet. 77, 8;

Marîâ, du geschœnte
ûʒ aller menscheit gar,
Marîâ, dû gekrœnte
hôch über aller engel schar.
Marner xiii, 6 Strauch;

dit wunder in da schônte,
daʒ zu im daʒ volc lief
unde gemeinlîchen rief,
daʒ er keiser solde wesen,
wande in daʒ recht hete ûʒ erlesen. pass. 356, 53 Hahn;

wasz nur sagest, was nur klagest,
ausz gar hoch betrangtem geist,
dich nit schönet, klingt, noch thönet.
Spee trutznacht. (1649) 270.

in ausgeführtem bilde wieder dem sinne von a, α genähert:

mit waʒ crônen soln gecrônt,
mit waʒ zîrheit suln geschônt
dî reinen von dir (Jesus) werdin,
dî sulche nôt ûf erdin
durch dich lîdin mit gedult?
Nic. v. Jeroschin 3496 Strehlke.


e) ein freierer reflexiver gebrauch vermittelt zwischen 1 und 2.
α) im sinne von schön 1, b: de lücht schônd sük (klärt sich auf), wî krîgen gewis môi wër. ten Doornkaat Koolman 3, 134b.
β) im sinne von schön 5:

des meien tugende krœnet
sendiu liebe: wer wære alt,
dâ sich diu zît sô schœnet! minnes. 3, 443b Hagen.


2) schön sein oder werden, entweder aus 1 entwickelt, oder, wofür das fehlen des umlauts im heutigen alemannischen spricht (s. unten a), eine andere bildung zu schön, ein ahd. scônên voraussetzend. doch ist eine solche für die älteren stufen des hochd. nicht bezeugt, wenn man nicht schonen, parcere dafür ansehen will (s. dieses). auch umgelautetes schœnen ist in dieser anwendung mhd. nicht sicher zu erweisen. in der folgenden stelle kann es vorliegen, möglich ist dort aber auch eine auffassung als absolut gebrauchtes 'schön machen', d. h. 'schöner erscheinen lassen' (nämlich 'den geliebten'), s. mhd. wb. 2, 2, 194a:

diu wuocherhafte minne
diu schœnet nâch beginne.
Gottfried Trist. 11872.

mnd. ist schônen in solchem gebrauche belegt, schonen, clarescere (unsinnlich) Schiller-Lübben 4, 116a. schwäb. begegnet eine entsprechende weiterbildung schönelen, mehr schön als nützlich sein Schmid 477. intransitives schönen ist in der neueren schriftsprache ebensowenig gebräuchlich als transitives.
a) im sinne von schön 1, b, α, dissereno, schön und hüpsch wetter werden, anfahen schönen Dasypodius (latein.-deutsch). Maaler 360c, schonen, aufschonen (mit haben), sich aufheitern (vom wetter) Stalder 2, 347. Schmid 477, auch in Ost- und Westpreuszen gebräuchlich, meist in zusammensetzung mit auf: das

[Bd. 15, Sp. 1506]


wetter schönt auf, der himmel wird klar Frischbier 2, 310b, ebenso mit es als subject es schont, es ist schönes wetter, das schöne wetter hält an Hunziker 229: könnend wir zur morgenröthe sagen, es werd z' abend witterig, und zur abendröte, es wirt morn schonen. Zwingli 2, 435 (Matth. 16, 2, Luther: ein schöner tag werden).
b) im sinne von schön 2:

fürstin, euer reines schön, hat ein fieber jetzt verhöhnet:
aber schönes ruhet nur, dasz es nachmals schöner schönet.
Logau 2, 120, 5.


c) die folgende stelle bietet der erklärung schwierigkeiten. es scheint, als ob schönen dort 'prunken' bedeute, eine anwendung, die sich an die vorige anschlieszen würde:

der hübsche kerrel ward verändert also gar,
dasz nunmehr gantz umbsonst, mit jhm zu schönen, war.
Dietr. v. d. Werder 27, 26, 8

(das original hat: che ne potrà far paragone indarno).
 
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schonenfahrer, m. bezeichnung gewisser gildenartiger genossenschaften, so genannt, weil sie ursprünglich aus seefahrern oder rhedern bestanden, die handelsschifffahrt nach Schonen oder heringsfang an der dortigen küste trieben, in Hamburg Röding bei Campe, auch in Greifswald, schonfahrer Dähnert 411b.
 
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schonenswerth, adj. werth geschont zu werden Campe.
 
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schonenswürdig, adj., dasselbe wie das vorige: ein schonenswürdiger unantastbarer greis. Herder bei Campe. davon schonenswürdigkeit, f. Campe.
 
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schoner, m. der schont Campe.
1) persönlich, schoner, et verschoner, parcens, condonans, praetermittens, connivens, clemens, indulgens Stieler 1910, conservatore, risparmiatore Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 640b; von gott:

nur murre nicht, ...
wenn, deinem dünkel nach, der schoner
des frevlers stolz zu lange trägt!
Gotter 1, 415.


2) unpersönlich, ein stück tuch zur schonung der kleidung, serviette, schürze u. dgl., ebenso nd. ten Doornkaat Koolman 3, 134b, im heere ein um die schulter geschlungenes und an den obersten knöpfen des waffenrocks befestigtes stück tuch zur verhinderung der abnutzung des rocks durch das gewehr.
 
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schoner, m. 'eine art in England üblicher platter schaluppen, welche zum anlanden sehr bequem sind' Adelung. Jacobsson 4, 35b, schuner, schooner, ein kleineres, zweimastiges, scharfgebautes schiff Bobrik 614b. ten Doornkaat Koolman 3, 139b. der name ist gleich der schiffsart selbst, wie Adelung bemerkt, englischen oder nach Webster eigentlich amerikanischen ursprungs (schooner, scooner), soll zu anfang des 18. jh. entstanden sein und mit dem mundartlichen to scoon, steine über wasser gleiten lassen, zusammenhängen, vergl. Skeat2 531a. ebenso mndl. schooner, schoener, schwed. dän. skooner (dän. auch skonnert), franz. schouner, span. ital. skuna. Bobrik a. a. o.
 
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schöner, m., substantiviertes schön, s. dieses 2, a, β.
 
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schöner, m. der schönt, nd. schôner, gerät zum reinigen, bürste, besen mit langem stiel ten Doornkaat Koolman 3, 134b. vgl. DWB schönen 1, a, γ.
 
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schonerig, adj. zum schonen geneigt, sparsam, in Ost- und Westpreuszen: der junge ist sehr schônerig. Frischbier 2, 310b.
 
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schönern, verb. schöner machen, lusernisch schienern Zingerle 50a. in der schriftsprache nur in der zusammensetzung verschönern üblich.
 
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schönerraritätenkasten, m. kasten voll schöner raritäten, guckkasten: jeder hat doch seine reihe in der welt, wie im schönerraritätenkasten. Göthe br. 1, 247 Weim. ausg. (10. sept. 1770). im nom. getrennt geschrieben: Schäckespears theater ist ein schöner raritäten kasten, in dem die geschichte der welt vor unsern augen an dem unsichtbaaren faden der zeit vorbeywallt. d. j. Göthe 2, 42. daneben schönraritätenkasten: ich guckte nur drein wie das kind in schön-raritäten kasten. ders. in Mercks briefs. 1, 139.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für