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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schöne bis schöner (Bd. 15, Sp. 1490 bis 1506)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schöne, f. schöne frau, s. DWB schön 2, a, α.
 
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schöne, f. zu schön, das schönsein, mhd. schœne, md. schône Lexer mhd. handwb. 2, 768 (auch später noch gelegentlich ohne umlaut, so in der unter 2, a, β angeführten stelle H. Sachs 13, 483, 30 Keller Götze), ahd. scônî Graff 6, 516, goth. skaunei (bezeugt in guþaskaunein, ἐν μορφῇ θεοῦ Phil. 2, 6, vgl. schön sp. 1465 oben), altsächs. skônî (in den zusammensetzungen sinskônî, wlitiskônî Heliand), mnd. schône Schiller-Lübben 4, 114b, nhd. mehr und mehr durch das jüngere gleichbedeutende schönheit verdrängt, bei Dasypodius und Maaler 360b als einzige abstracte substantivbildung zu schön angeführt, bei Stieler 1755 und Kramer 2 (1702), 639 neben schönheit; von Steinbach 2, 490 als veraltet bezeichnet, durch Klopstock neu belebt und seitdem wieder durchaus üblich, jedoch auf die gehobene sprache beschränkt. eine nach analogie der verbalabstracta auf -în, goth. -eins gebildete nebenform begegnet ahd.: mit scuonîn, decore Is. 28, 19 Hench und setzt sich bis ins spätere mhd. fort:

man nympt meiner schonyn war.
Suchenwirt 46, 100.

als wirkliches verbalsubstantiv zu schönen musz wol schweiz. schöni, f. mittel den wein zu klären Stalder 2, 347. Hunziker 229, auch: abfall beim schälen, säubern von früchten Stalder a. a. o. aufgefaszt werden (vgl. DWB schönen 1, a), ebenso scheint bair. schön, f. die nachgeburt beim vieh Schm.2 2, 427. Hintner 216 und schweiz. schon, m. wetter das heitere, helle tage verspricht, auch: der nordwestwind, weil er gewöhnlich gute witterung bringt Stalder 2, 347 auf das verbum schönen zurückzugehen (s. dieses 1, a, doch vgl. zum letzteren auch unten 1, b). eine andere abstractbildung zum adj. ist ahd. scônida, scônidi Graff 517, mhd. schœnde, md. schônde, f. Lexer mhd. handwb. 2, 767, mnd. schônde Schiller-Lübben 4, 114a, altniederfränk. scônitha ps. 67, 13, noch frühnhd. schônde, elegantia Dief.-Wülcker 844 und mundartlich bis heute erhalten: scheande (neben scheane) Lexer kärnt. wb. 225. der plural von schöne, der naturgemäsz selten ist, würde heute schönen lauten (vgl. DWB mengen zu menge, f.); aus frühnhd. zeit ist er noch in starker form bezeugt als schöne, verkürzt schön, vgl. unten 4.
1) im sinne von schön 1.
a) wie 'glanz':

der selbe stern was sô lieht
und sô michel daʒ im niht
genemen mohte sînen schîn
diu sunne noch die schœne sîn.
Philipp Marienleben 2523.

dieselbe bedeutung ist erkennbar in der verwendung des worts als krankheitsbezeichnung, schöne, erysipelas Dasypodius, schöne, ein sucht desz haupts, das die haut auffbläyet, hydrocephalaea, infirmitas, rubedo. Jac. Twingeri voc. lat. germ. et hodie sic Argentorati. Scherz-Oberlin 1431, d' schöni, rotsucht, masern Spreng Basl. idiot. bei Seiler 263a: von der schöne oder uberröte an einem knie. Würtz wundarzn. (1612) 185a; die knie so da auffgond mit einer geschwulst, unnd rohte maasen hin und wider haben, sich auffbäumen, aber doch nicht erschweren, die hat die schöne also genempt, eingenommen. ebenda.
b) wie 'klarheit', schöne des himmels, sudum, serenitas Dasypodius, schöne desz wätters, apricitas, serenitas Maaler 360c: dissereno, .. schön und hüpsch wetter werden, anfahen schönen, oder sich zu eyner schöne ziehen. Dasypodius (lat.-deutsch); die vögelin fröwend sich dor schöne, apricitate diei gestiunt aves Maaler 360c; und so der donner beschehen ist, so resolviert sich das gewülch zu regen, nach eigenschafft desz saltzs: also erlescht der schwefel in seim brandt unnd zergeht der salpeter auch, und folgt ein schöne hernach. Paracelsus (1616) 2, 117 B.
c) den übergang zu der folgenden bedeutung in der anwendung auf menschen (vergl. DWB schön 2) veranschaulichen die folgenden stellen: netûont des nîet wara, daʒ ih so salo sî, iʒ tûot mir michel nôt, wanta diu hêiʒʒa sunna hât mir mîne scône benomen (vulg.: nolite me considerare, quod fusca sim, quia decoloravit me sol). Williram 10, 3;

nu was si (Maria) als wol getân,
das man si ûszer den winkeln sach.
ir schœni durch die vinstri brach
als diu sunne durch die naht.
Hahn ged. des 12. u. 13. jh. 144b;

sîn varwe an schœne hielt den strît.
Wolfram Parz. 39, 23;

an den der tievel sich versneit,
daʒ im sîn süeʒe wart ze sûr,
sîn schœne swerzer denne ein Sur. Winsbeke 40, 5.

[Bd. 15, Sp. 1491]



2) im sinne von schön 2.
a) von menschen.
α) allgemein: wiʒʒ, daʒ dû dein kraft, dein schœne, dein leben dâ mit (mit der unkeuschheit) krenkest. Megenberg 189, 29; niemant sol sich syner schöny ze vil überheben und ander lüt darum verachten. Steinhöwel Äsop 278 Österley; wenn du einen züchtigest umb der sünde willen, so wird seine schöne verzeret wie von motten. ps. 39, 12; sy (ein volk in Indien) heyrathen nach keiner reichthumb noch adel, sunder nach der schöne kinder zuzeügen, unnd jr begird zuersettigen. Franck weltb. 194b; sich auff sein schöne lassen, fallaci figurae confidere Maaler 360b;

eʒ enschirmet burt noch guot,
schœne, sterke, hôher muot,
eʒ enfrumt tugend noch êre
für den tôt niht mêre
dann ungeburt und untugent.
Hartmann v. Aue arm. Heinrich 718;

wird schön durch kranckheit abgewend,
so hat die lieb denn auch ein endt.
Ackermann 41, 878 Holstein;

sechs heydnisch meyster ich bekrön,
haben geschrieben von der schön
mit artlichen und kurtzen worten,
darausz man spürt an allen orten,
dasz die leiblich schön ist ein gab,
die wol ein grosz ansehen hab,
doch bring sie selten groszen nutz
und wohn auch in ir nicht vil guts
weder bey frawen noch bey mann.
H. Sachs 16, 450, 6 Keller-Götze;

wenn du (gott) ein mit plag, spot und schand
züchtigest umb sein sünd unrein,
so wird verzehrt die schöne sein,
eben einer spinnen geleich. 18, 168, 30.

gnomisch: schöne vergehet von kranckheit, sorg und alter. Petri 2 (1605) Ss 5b.
β) meist vom weiblichen geschlecht: Cleopatra cyrode sic an ir gewant unde vor to deme keisere an der hopene, dat siu mit erer scone ene irweken solde. deutsche chron. 2, 1, 89, 18 Weiland; also ward ich bewegt in barmhertzigkait von ir schön und frumkait und tugend wegen. d. städtechron. 5, 138, 20; und da er ir schön und reicheit an sach, da was im leid umb sie. heiligen leben (1472) 14b; das iunge meidlin er nicht anders hielte dann als es sein leyplich tochter were; die pey im in zucht schöne und tugent auf wuchse. decamer. 339, 34 Keller; las dich jre schöne nicht gelüsten in deinem hertzen. spr. Sal. 6, 25; des weibs gleiche ist nicht auff erden, von schöne und weisheit. Jud. 11, 16; das ein megdlin pranget in einem newen rock, oder mit den schwartzen augen, das gehet wol hin, denn balde kömpt ein fieber, und nimpt ir die schöne. Luther tischreden (1568) 194b; die hertzogin mit lachendem munde z dem ritter sprach, ach mein aller liebster ritter, ich bitt eüch vertragen mich ewers schimpffs, und nit legen mir solliche schöne z, deren ich doch wenig an mir hab. Galmy (1540) 61b; solt nun ire schöne sie verfüren und in jammer bringen, so wer es doch wol zu erbarmen. Livius übers. von Schöfferlin (1546) 97a; Sextus der son Tarquinii desz hoffertigen keysers, (ward) seine unkeusche augen in die ehrbare schöne der keuschen frauwen, reitzlichen werffen. buch d. liebe 311b; denn in jhrer jugend, umb jhr wunnigkliche schöne dem vatter uber lieb gehabte, ward sie Ulissi vermähelt. 312b; man kan jhnen (den poeten) auch deszentwegen wol ihre einbildungen lassen, und ein wenig ubersehen, weil die liebe gleichsam der wetzstein ist, an dem sie jhren subtilen verstand gleichsam scherffen, und niemals mehr sinnreiche gedancken und einfälle haben, als wann sie von jhrer buhlschafften himmlischen schöne, jugend, freundligkeit, hasz unnd gunst reden. Opitz poet. 15 neudr.; vater und tochter werden an éinem tage krank — und die tochter durch die blattern völlig entstellt, so dasz nicht gestalt und schöne an ihr ist. Hippel 8 (1828), 48 (vgl. ps. 52, 2 unter γ);

der wirt der het die sinne,im was daʒ wol erkant,
wie rehte herzenlîcheder helt von Niderlant
sîne swester trûtedie er noch nie gesach,
der man sô grôʒer schœnevor allen juncvrouwen jach. Nibel. 271, 4;

waʒ sol lieblich sprechen?waʒ sol singen?
waʒ sol wîbes schœne?waʒ sol guot?
Walther 112, 11;

ich hat' des gar ungedâht,
daʒ mich betwingen möht' ein wîp;
ûʒ dem wâne hât mich brâht
ir gar wîplich schœne und ir minneklîcher lîp. minnes. 1, 354a Hagen;

[Bd. 15, Sp. 1492]



ein alsô minneclîcheʒ wîp ..
.. an schœne als ûʒ erkorn,
daʒ ir schœne hœnet,
mit schœnheit überschœnet
gar aller wîbe schœne.
H. v. Freiberg Trist. 3918;

so man dem Tâtrær ie mê
von ir schœne seite,
ie harter in verjeite
in ir netz diu minne.
Ottokar 19111 Seemüller;

zehant dô ich sie an sach
ir schœne mir in mîn herze prach.
Heinr. v. Neustadt Ap. 12056;

nû wendt meins hertzen laid,
das mich allraid
beklaid
durch dein seuberlîch schön gemait.
Oswald v. Wolkenstein 76, 3, 22;

nu sich her an dit spiegelglas
der schonestn schone, der du (Maria Magdalena) hoist! Alsf. pass. 1777 Grein;

fürwahr glaub ich, hätt Paris dich
mit deiner schön gesehen,
Venus wär nit begabt damit (dem apfel),
der preis wär dir verjehen.
Erk-Böhme liederhort 3, 472;

Susann, das from und keusche weib,
mit irer schön und zartem leib
die richter beid entzundet hat,
doch on ir wiszen, willn und tat.
Rebhun in den schauspielen aus dem 16. jh. 1, 28, 2 Tittmann;

also ists umb ein junge magd,
die eim gesellen basz behagt,
wenn sie mit schön und tugent putzt,
denn wers mit kleidern auffgemutzt.
Waldis Esop 4, 28, 55 Kurz;

so wist, das ewr englische schon
Jovem dort in der götter tron,
den höchsten gott zu lieb beweget,
euch gunst ob allen frawen treget.
H. Sachs 13, 483, 30 Keller-Götze;

aber die zwen richter boszhafft
lieszen ir den schleyer abthan,
begierlich sie zu blicken an,
ergetzten sich ir schöne gar. 15, 279, 32;

ir gfiel der junckfraw schön und zucht. 20, 19, 15;

(der Satyr) trillte manches liedel
zu ihrer (meiner muse) schöne preisz.
Schiller 1, 351;

der junge Phrygier .., der,
wie das gerücht verbreitet, zwischen drei
göttinnen einst der schöne preis entschieden. Iphig. in Aulis 82;

dem helden tönt sein name voran,
drum schreitet er stolz,
doch beugt sogleich hartnäckigster mann
vor der (deiner, der Helena) allbezwingenden schöne den sinn.
Göthe 41, 180;

dreimal selig die brüder zugleich! musz ihnen das herz doch
stets von entzückender wonn' ob deiner (der Nausikaa) schöne durchglüht sein.
Voss Od. 6, 156;

Nausikaa jetzt, mit göttlicher schöne geschmücket,
stand dort neben der pfoste des wohlgebühneten saales. 8, 457.

eines brauchs, der heute noch landschaftlich unter derselben bezeichnung statthat, so im Böhmerwalde Schm.2 2, 427, wird in der folgenden stelle gedacht: an disem tag (Johannis des evangelisten) trincken die mann die stärcke, die frawen aber die schöne (d. h. sie trinken sanct Johannis minne, sanct Johannis segen, dasz der heilige ihre stärke, ihre schönheit schütze, vgl. DWB Johannes oben theil 4, 2, 2333). Franck weltb. 130b. in Baiern pflegen die bursche am weiszen sonntage, dem ersten nach ostern, ihre mädchen zum meth zu führen, damit sie das jahr über schön und stark bleiben, eine galanterie, die sie die schön und die stärk zahlen nennen Schm. a. a. o. Klein 2, 139. die schön und die stärk als bezeichnung eines gewissen theils der eingeweide einer gans Schmeller a. a. o. steht vielleicht in scherzhafter beziehung zu solchem brauch.
γ) vom männlichen geschlecht: er hat keine gestalt noch schöne. Jes. 53, 2; da hat mich sein person, gestalt unnd angesicht, dermaszen verletzt, als wenn ich mit einem donnerstral wer geschoszen worden, denn auch seine schöne einer groben unfreundlichen frawen nicht köndt verborgen seyn. buch der liebe 209c;

er bluome an mannes schœne!
Wolfram Parz. 39, 22;

aller manne schœne ein bluomen kranz,
den vrâgte Karnahkarnanz. 122, 13;

er mannes schœne ein blüende rîs,
er kunde valscheit mâʒen. 195, 4;

kein schöner mans-bild ich nie gesach,
sein schön bringt mich in ungemach.
H. Sachs 13, 269, 6 Keller-Götze;

[Bd. 15, Sp. 1493]



mein herr vatter gibt im grosz lob,
sein schön lieg allen göttern ob,
sein angsicht gleich der sunnen glast. 468, 6;

vor leid ich nit kan leben,
wenn ich an die studenten gedencke,
ir schöne mein junges hertz bekrenckt,
jnen hab ich mich ergeben. Ambras. liederb. 65, 5;

(ich) nahm
das kind (den knaben) und wickelt' es in meinen mantel,
erfreut ob seiner schöne.
Tieck 1 (1828), 120.


δ) schöne des leibes:

des leibes schön' ist nichts, ob sie das aug entzückt,
wo leibesschöne nicht mit tugend ist geschmückt.
Rückert Hamasa 2, 27.

vom antlitz: do die hebammen sohent die schöne an dem antlyde des kindes (Mosis), do woltent sü es nüt döten. d. städtechron. 8, 260, 27;

sein ernstes gesicht ist
voll von männlicher schöne.
Klopstock 3, 131 (Mess. 3, 375).

von den lippen:

ihr güldnen pforten ihr,
die euch die götter selbst um schöne neiden sollen.
Fleming 604.

von den wangen:

ein wenig stieg ihm das blut
in seine wangen, doch nur, um ihrer blühenden schöne
mehr reitz und die miene zu geben von einem mann von muth.
Wieland 5, 100 (n. Amadis 15, 24).


ε) mhd. geribeniu schœne, durch schminke erzeugte falsche schönheit, gnomisch:

geribeniu schœne niht enzimt
dâ man den schaden blecken siht. Winsbeke 26, 3;

dicke worden ist ze hœn
getwungen dienst, geribeniu schœn. Seifr. Helbling 2, 150.


b) von thieren: wenn der pfâw in der vinster wachet und sich selber niht gesehen mag, sô erschrikt er und schreit laut, wan er wænet, er hab sein schœne verlorn. Megenberg 213, 24; diu slang ist sô manigverbich, daʒ si die läut still helt mit irr schœn, alsô daʒ man si gern siht. 281, 18; ir (der immenwölfe) schöne reitzt die jungen knaben in Creta, dasz sy die mit höuwschrecken, als die schwalmen, fahend. Gesners vogelbuch übersetzt von Heuszlin (1582) 160b; sein (der meerschwalbe) gestalt, so viel die farben und flecken belanget, ändert sich etlicher weisz, ausz der ursach hie sein gestalt nicht weiter sol beschrieben werden, denn sie steht vor augen, allein sein schöne so er an jm tregt. desselben fischbuch übersetzt von Forer (1598) 17b;

niht ze grôʒ, doch starc genuoc
was ein pfärt daʒ den künec truoc,
an pfärdes schœne niht betrogen.
Wolfram Parz. 605, 17;

wie sich in brüllenden heerden der stier vor den rindern hervorthut,
denn er ist mächtig, mit furchtbarer schöne vor allen geschmücket.
Stolberg 11, 67.

von einzelnem am körper der thiere: Jacobus spricht, wenne man den pfâwen schawt und in lobt, sô streckt er seinen zagel auf in ains halben kraiʒes weis und zaigt seins zagels schœne allermaist gegen der sunnen, wan dâ sint sein varb aller liehtest und aller klârst. Megenberg 213, 10;

de pawe sprak: 'wat helpet mi dat?
der vederen schone enbere ek bat,
wen dat ek van allen vogelen were,
vorsmât dorch minen hals so sere'. Gerh. v. Minden 79, 12 Seelmann.


c) von pflanzen: also diu ligna Libani uberfâhent andere waltholz mit iro scône unte mit iro hôhe. Williram 69, 34;

irn (der linde) schadet der winter noch envrumt
an ir schœne niht ein hâr,
sine stê geloubet durch daʒ jâr.
Hartmann v. Aue Iwein 579;

mîn vriundinne
muoʒ vür ander tohter sîn,
alsam der schœnen liljen schin
minneclîche schœne hât,
dâ si in den dornen stât.
Rudolf v. Ems Barlaam 64, 19;

dâ was sô rîchiu schouwe
von liehter bluomen schœne. Reinfried von Braunschweig 2825;

beide winter unde sommer lîke grône
blêven se (die reiser) an einer schône
wol twê und druttich hundert jâr. v. d. holte d. hill. cruzes 302;

morgen wird der wanderer kommen,
er, der in meiner schöne mich (die blume) sah.
Herder 16, 328 Suphan;

[Bd. 15, Sp. 1494]



(im bilde) brich die blume in der schönsten schöne.
Schiller 1, 298.


d) von landschaftlich sehönem: ihr werdet sehen die bäume, was immer bey den flüssen begriffen, beederseits mit der anderen schöne der gestad desz wassers spielen. Schuppius 690. schöne der natur, der schöpfung, der erde u. ähnl.:

ihr wiszt es, o geister,
wie die neue natur in liebenswürdiger schöne
da sich erhub, wie in eurer gesellschaft die morgensterne
vor dem schöpfer sich neigten.
Klopstock 3, 32 (Mess. 1, 461);

dasz in der einöd' hier es ihnen an heiliger freude,
über die mannigfaltige schöne der schöpfung nicht fehle. 66 (2, 273);

mit personificierung:

mach' in deiner schöne dich auf, o erde! 5, 208 (13, 758);

in junger schöne lächelten die himmel wieder
auf ihre schwester, gottes erde, nieder
voll zärtlichkeit.
Schiller 1, 218.


e) von körpern, die durch menschen gebildet sind: welches auch dem galanen so wol gefiele, dasz er demselben eine gantze hand voll funckel neuer gulden-thaler von einem schlag zuwarff, davon zween so nahe zu mir rollten, gleichsam als wann sie mich baten, ich solte mich ihrer schöne wegen über sie erbarmen. Simpl. 3, 355, 2 Kurz;

dat ....
.. dat werk (der dom) deste êr wedder an sîne schône queme. deutsche chron. 2, 2, 423, 1676 Weiland.


3) der entwicklung des adj. zu der bedeutung 4 gemäsz verallgemeinert und verinnerlicht:

mit höhrer schöne schmückt der tod
den christen.
Klopstock 1, 91;

hier in dem hain, wo eichen
schatten, erschallst schöner, telyn, auch du,
wenn schöne des herzens voran
vor der schönheit des gesangs fleugt! 214;

ihrer schöne beraubt, der anerschaffenen unschuld,
tritt alsdann vor gottes gericht die entflohene seele. 3, 253 (Mess. 5, 212);

o der christ ist immer grosz und schön,
doch im tod' in seiner gröszten schöne.
Claudius 8 (1812), 50;

immer, immer schau' ich die werthen plätze,
wo du mit mir wandeltest, theurer vater!
wo dein mund, dein redlicher mund, der tugend schöne mich lehrte.
Hölty 81, 16 Halm;

doch ihr, die ächten göttersöhne,
erfreut euch der lebendig reichen schöne!
Göthe 12, 25;

himmlischer söhne
geistige schöne,
schwankende beugung
schwebet vorüber. 75;

was hier allein das trunkne aug' entzückt,
dient unterwürfig dort der höhern schöne.
Schiller 6, 272;

der freysten mutter freye söhne
schwingt euch mit festem angesicht
zum strahlensitz der höchsten schöne,
um andre kronen buhlet nicht. 278.

gott ist der meister, der ursprung aller schöne: der aller schöne meister ist, hat solchs alles geschaffen. weish. Sal. 13, 3; der ein anfenglicher ursprung aller schöne ist, hat dieses alles erschaffen. Reiszner Jerus. 2, 73a. von ihm heiszt es: was gott thut, das ist löblich und schön. gott kan nichts unehrlichs noch heslichs thun, aber die schöne ist nicht jedermans erkentnis, sie ist geistlich. Luther 3, 256b. mit bezug auf eine edle frau, die ihm das ideal verkörpert, sagt der dichter:

es schwebt kein geistig unbestimmtes bild
vor meiner stirne, das der seele bald
sich überglänzend nahte, bald entzöge.
mit meinen augen hab' ich es gesehn,
das urbild jeder tugend, jeder schöne.
Göthe 9, 146.


4) schöne wie 'schöner gegenstand', daher im plural, von den einzelheiten des weiblichen körpers, frühnhd., vgl. oben das formale und zur sache die in der anmerkung zur ersten stelle angeführte literatur: die 18 schön eyner junckfrawen. H. Sachs 5, 176, 1 Keller; dann sie hatte die vier schöne an statt der vier tugenden, ja der siben schöne wol vierzehen, sampt dem löchlin im backen, wann sie lacht, und dem grüblin im kün. Garg. 76a;

sie hat der siben schon wol dreizehen. fastn. sp. 72, 6;

und wenn ich die warheit sol jehen,
hets (sie) der sibn schön wol dreyzehen.
H. Sachs 2 (1590), 4, 22d;

[Bd. 15, Sp. 1495]



der siben schön tragt ir ein kur,
die doch all siben traget ir.
da sprach die zart junckfraw zu mir:
seind denn der schön nit mehr, denn siben?
wo habt ir das funden geschrieben?
ich sprach: ich hab bey meinen tagen
von siben schönen hören sagen.
sie sprach: der schön sind wol achtzehen,
die natürlichen mayster jehen,
die werden ausz-gethailt darbey
in sechs thail, yeder thail hat drey.
H. Sachs 5, 176, 23 Keller;

mann sagt, ein weib hab sieben schön:
ach herr, was solt meim lieb abgehn,
dasz sie der nicht vierzehen het?
Ayrer 967, 23 Keller.


5) schöne personificiert, im anschlusz an Walther 50, 4:

der liebe gêt diu schœne nâch,
liebe machet schœniu wîp:
desn mac diu schœne niht getuon, sin machet niemer lieben lîp

mit der liebe streitend dargestellt:

diu Liebe zuo der Schœne sprach. minnes. 1, 337b Hagen;

dye Schöne zü der Liebe sprach. altd. erzählungen 624, 11 Keller;

die Schön sprach tzu der Liebin wider.
Suchenwirt 46, 86.

nicht so deutlich in der folgenden stelle:

hold mit der Weisheit spielt die schöne
der musenkunst in deinem (des kaisers) glanz:
sie nähren that durch süsze töne,
und winden ihr den kranz.
Voss 3, vi.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schonen, verb. parcere, mhd. schônen Lexer mhd. handwb. 2, 769, der bedeutung nach in engster beziehung stehend zu dem alten adv. schône im sinne von 'freundlich, rücksichtsvoll', wie es in den unter schön 5 angeführten wendungen gebraucht erscheint, und entweder eine neubildung zu diesem oder durch ausgestaltung des unumgelauteten *scônên (s. 2 des folgenden) im anschlusz an solche anwendung des adv. entstanden. im nd. gleichfalls sehr verbreitet, mnd. nnd. schonen Schiller-Lübben 4, 116a. brem. wb. 4, 670. Dähnert 411b. Schütze 4, 58. ten Doornkaat Koolman 3, 134b. weniger fest wurzelt es im niederl., wo es zwar in älterer zeit als schonen und schoonen begegnet Oudemans 6, 195. 198, heute aber durch andere ausdrücke (sparen, ontzien) verdrängt ist. hier scheint also entlehnung aus dem deutschen vorzuliegen, wie sie sicher für dän. skaane, schwed. skona anzunehmen ist. der stammvocal weicht gelegentlich nach u aus, schuanen Schöpf 643, schuən Hintner 216:

ich (tod) schun nit den keiser noch den bapst.
Jasper v. Gennep Homulus 732.

im prät. ist für das ältere alemannische ausfall (assimilation) des t bezeugt, vgl. Weinhold alem. gramm. § 359: er schone weder fründe noch moge: wer den dot verschuldet hette, der mste sterben. d. städtechron. 8, 348, 12.
bedeutung und gebrauch. schonen heiszt im allgemeinen 'rücksichtsvoll behandeln, rücksicht nehmen auf, vor schaden bewahren, nicht verletzen, nicht antasten', im einzelnen modificiert sich die bedeutung nach den syntactischen beziehungen und dem charakter des objects.
1) am häufigsten wird das wort in älterer zeit mit dem gen. verbunden (vergl. eines schone pflegen unter schön 5), eine fügung, die heute auf die gehobene sprache beschränkt ist.
a) mit persönlichem object.
α) freundlich, rücksichtsvoll behandeln, auf gesellschaftliche stellung, ehre, empfindungen rücksich nehmen, einsi schonen, und wol halten, indulgere alicui Maaler 360d:

des mâʒe ie sich bewarte,
der getriuwe stæte man
wol friwendinne schônen kan.
Wolfram Parz. 202, 4 (oder dat., vgl. 3);

waʒ hân ich unsælic man (Artus)
dem künige Gramoflanz getân,
sît er gein mîme künne pfligt,
daʒ in lihte unhôhe wigt,
minne und unminne grôʒ?
ein ieslîch künec mîn genôʒ
mîn gerne möhte schônen. 719, 25;

wir müʒʒen einander vil vertragen,
wollen wir niht neit und haʒ bejagen.
schône du mîn, so schône ich dîn,
seit wir peide schuldic sîn.
Hugo v. Trimberg renner 7576;

Pauli wart geschonet,
wande man im êrhaften tôt
mit dem halse ane erpôt,
der doch genûch was bittere. pass. 189, 26 Hahn;

du solt ir (Joseph der Maria) schônn sam dîner vrouwen
und phlegen ir mit rehten triuwen.
Philipp Marienleb. 1364 (oder dat., vgl. 3);

[Bd. 15, Sp. 1496]



swie man ie frouwen schônde
daʒ kêrte der verfluochte wider
und leite wîbes êre nider.
Hugo v. Langenstein Mart. 98, 18 (oder dat., vgl. 3);

seit ain mal das ich köden schol,
so gefellt es mir von in peden nit wol,
und halt sie für recht schlauraffen,
das sie so vil red ausz eim solchen machen.
sie möchten doch schon (sc. schonen) frumer leut. fastn. sp. 610, 15 Keller;

(zu Jesus in der gerichtsversammlung, mit bezug auf seine vertheidigung:)

wiltu der fursten nit schonen,
so habe den slagk zu lone! Alsf. pass. 3498.

gottes schonen, ihn nicht durch verletzung seiner gebote kränken:

ain ubel gaist ist mit dir.
het ich dir nicht wol gelônet,
machtestu gotes haben [an] gescônet. Ruolandes liet 111, 10, vgl. die anmerkung W. Grimms zu dieser stelle;

in gleichem sinne:

hêt ich dir niht gelônet
dû mahtest doch mînes trechtînes hân gescônet! kaiserchron. 12288 Schröder.

zu der folgenden anwendung überleitend: es schonet niemant des andern (auf der flucht), es stiesz einer den andern ausz dem weg und eilt hinfür. d. städtechron. 5, 96, 1. rücksichtnahme auf körperlich schwache bezeichnend, sie nicht durch aufregung körperlich schädigen: sie sehen meinen zustand. schonen sie meiner! Gotter 3, 57; Amalia, Amalia! schone meiner! Schiller räuber schauspiel 2, 2; schone ihrer (der schwachen Marie), ich bitte dich, mein bruder. Göthe 10, 112;

Heman. was soll ich dann von dir den vätern sagen?
du schweigst? Salomo. ich schone dein (weil du am rande des grabes stehst).
Klopstock 9, 53.


β) häufiger in mehr äuszerlichem sinne, vor schaden an leib und leben oder an besitz bewahren, daran nicht verletzen: der keyser schonde der Engelender (griff sie nicht an). d. städtechron. 8, 488, 16; du (Abraham) hast nit geschont dyns eingebornen suns. 1 Mos. 22, 12 in der sogen. 4. bibelübersetzung bei Kehrein gramm. der d. sprache des 15.—17. jahrh.2 3, 183 (Luther: verschonet); da schlugen sye fünf tausent man ze tod und schonten nyemants. heiligen leben (1472) 2a; du (Israel) wirst alle völcker fressen, die der herr dein gott dir geben wird, du solt jr nicht schonen. 5 Mos. 7, 16; der herr wird ein volck uber dich (Israel) schicken, .. ein frech volck, das nicht ansihet die person des alten, noch schonet der jünglingen. 28, 50; denn im zorn des herrn Zebaoth ist das land verfinstert, das das volck ist wie speise des fewrs, keiner schonet des andern. Jes. 9, 19; die Meder .., die nicht silber suchen, oder nach gold fragen, sondern die jünglinge mit bogen erschiessen, und sich der früchte des leibs nicht erbarmen, noch der kinder schonen. 13, 18; so spricht der herr, umb drey und vier laster willen Damasci, wil ich jr nicht schonen. Amos 1, 3; darumb wil ich auch nicht mehr schonen der einwoner im lande, spricht der herr, und sihe, ich wil die leute lassen einen jglichen in der hand des andern. Zach. 11, 6; lasst uns den armen gerechten uberweldigen, und keiner widwen noch alten mans schonen. weish. Sal. 2, 10; er (gott) schonet auch nicht dere, bey welchen Lot ein frembling war, sondern verdampt sie umb jres hohmuts willen. Jes. Sir. 16, 9; man schonet keines menschen, nemini parcitur Stieler 1909; schonet doch .. der armen landleute! perdonate a' poveri paesani Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 640a; des überwundenen feindes edelmütig schonen. ebenda; man hat des kindes im mutterleibe nicht geschonet. 640b; wer der gottlosen schonet, schadet den frommen. 640a; wer der bösen schonet, schadet den frommen, bonis nocet qui malis parcit Frisch 2, 219b; um eine probe zu geben, wie gern er eines prinzen, den er allezeit besonders hochgeschätzt habe, schonen möchte, verwandelte er die strafe der konfiskazion aller seiner güter in eine blosze zurückhaltung der einkünfte von denselben. Wieland 2, 368; so wenig des vornehmen, als des geringen, so wenig des kindes, als des greises, so wenig des weibes, als des mannes wurde geschont; über alles schwang die fanatische wuth ihr mordschwert. Bürger 405b;

sînen kamerærewold er niht slahen tôt:
er schônde sîner liute (var. zühte, s. unten b, a, αα), als im tugent daʒ gebôt. Nib. 465, 4;

dâ vielen ritter unde ros
ûf dem gevilde grüene,
wan Troilus der küene
der schônte weder dis noch des.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 39807;

[Bd. 15, Sp. 1497]



dô schônden (sc. sie) dur manlîche zuht
und dur wîplichen namen,
den werden reinen lobesamen,
der vrouwen (der amazonen), als diu wârheit giht,
und tâten in nie leides niht. 42526;

sô wirt irs dinstes in (den bösen) gelônet,
swie lange ir got ûf erden schônet.
Hugo v. Trimberg renner 6810;

der andern niht
ern shônte, waʒ im der wider reit,
mit den als ir vient er streit,
deheine erbarmde in der nam. Ludwigs kreuzf. 7312;

der richter ging
sehr nah bey dir vorbey, und schonte dein!
Klopstock 9, 126;

und Phädra säumte noch, ihn anzuklagen,
und Phädra schwieg und schonte des verräthers!
Schiller Phädra 4, 1.

vom tode, der gern persönlich gedacht wird:

darnâch in der tôt bevînc,
der nîmandis schônen pflît.
Nic. v. Jeroschin 21132;

de dôt wil mi nu alsus lonen;
he denket miner nicht lenger to schonen. dodes danz 738;

och dôt, schone miner noch umme Jesus willen! 1209.

ähnlich von anderem persönlich gedachten: aber wenn ich schon rede, so schonet mein der schmertze nicht, las ichs anstehen, so gehet er nicht von mir. Hiob 16, 6;

sîn edel und sîn kürlich swert
enschônte weder dis noch des.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 25689.

statt der person steht in biblischer sprache auch das auge: auch sol dein auge seiner (des götzendieners) nicht schonen, und solt dich seiner nicht erbarmen, noch jn verbergen, sondern solt jn erwürgen. 5 Mos. 13, 8. in milderem sinne, mit bezug auf anstrengung, ermüdung: wo ich was dienen kan, bitte meiner nicht zu schonen, dovunque sarò buono di servirlà, supplico di non risparmiarmi. Kramer 2, 640b.
γ) mit näheren bestimmungen. in älterer sprache eines schonen an einem andern, durch sein verhalten diesem gegenüber die rücksicht gegen jenen zu erkennen geben:

dû soldes gotis schônin
an der vil armer diete,
unde lieʒis sie ûʒ der nôte. Rother 1209;

swer mir schade an miner frouwen,
dem wünsch ich des .. rîses
daran die diebe nement ir ende.
swer mîn dar an schône in trouwen,
dem wünsch ich des paradîses. minnes. frühling 58, 14;

wolt ir an mir niht hân geschônt
kunic Ruodolfes, der mich sant
iu ze dienst her in daʒ lant,
sô solde ich doch hân genoʒʒen,
daʒ ich ie was unverdroʒʒen
iwers dienstes zaller stunt.
Ottokar 22667 Seemüller.

eines an etwas schonen, darin seine rücksicht zeigen: und also msten die geschawer gelert aid schwern, waʒ geltz fur si köm, daʒ ze ring wer oder falsch, daʒ si daʒ zerschniten und niemantz daran schonten. d. städtechron. 4, 108, 6. ähnlich eines mit etwas schonen: daʒ wir in (den christen) an nihtiu beswæren âne reht, noch an dem lîbe, noch an dem guote, noch an dem liunde (leumunde), noch mit keinem herzenleide; schônen sîn mit worten unde mit werken unde mit gebærden, als ein lit des andern schônet, beidiu vor im unde von im, als des vrides gelider. myst. 1, 339, 33; in gleicher syntactischer fügung, aber mehr ablativisch als instrumental, verschonen, nicht behelligen mit etwas:

ich schonte dein bisher mit jenem bilde
von meines leibes nahenden verwesung.
Klopstock 9, 51.

sehr frei ist die folgende mnd. verbindung: ik byn dyn knecht, here schone myner to levende (so dasz ich leben bleibe). bücher d. könige 96 Merzdorf (2 Sam. 15, 34). loser erscheint die verbindung des verbs mit der adverbialen bestimmung in fügungen gleich den folgenden: wan got di ûʒ erwelten alsô sêre pîniget und kestiget in dirre zît, sô sullen di sunder denken wie grôʒer barmherzikeit got uber si hât, der ir schônet in iren sunden. myst. 1, 115, 37; ist ein mensche in tôtsünden und schônet sîn got in den sünden und beʒʒert er sich danne, daʒ ist ein zeichen, daʒ er der behaltenen einer werden sol. quelle in der Germania 3, 236b.
δ) reflexiv, besonders mit bezug auf erhaltung von leben und gesundheit, seinen selbs schonen, sich selbs schon halten, sibi parcere Maaler 360d: wenne her nu sach daʒ si des (betens

[Bd. 15, Sp. 1498]


zur nachtzeit) zu vel mache wolde, so hilt her or di hende unde sprach 'lîbe swestir, schone din selbis unde lege dich an dine ruge!' leben des heil. Ludwig 28, 8; und Petrus nam jn zu sich, fur jn an, und sprach, herr, schone dein selbs, das (leid und tod) widerfare dir nur nicht. Matth. 16, 22;

schone dein, und deiner herd.
Spee trutzn. 239;

du schonest dein!
und willst des ernsten, himmlischen gedankens nicht!
Klopstock 9, 54.

statt seiner heiszt es auch, wo leibliches wohl gemeint ist, deutlicher seines leibes schonen:

üppige magt, volge mir,
schône dîner tugende,
dînes lîbes und dîner jugende. quelle in der Germania 4, 445, 183;

wer aber da hin nit kumen möcht,
und auf die hochzeit mit kunst nit töcht,
der zu alt wer oder krank ..,
der pleib da heimen und schon seins leibs. fastn. sp. 767, 4 Keller.

wie 'sich in acht nehmen': wie jr (der lastträger in Venedig) brauch, nach dem dann die gassen seer eng sind, das sie schreihen: 'warda, warda!' das ist auff teutsch: weichent, oder schonent ewer, oder wie die Schwaben sprechen: aufsehen! rollwagenb. 57, 21 Kurz.
b) mit unpersönlichem object.
α) bei abstracten begriffen.
αα) im sinne von a, α, mit hervortreten des begriffs der freundlichen, rücksichtsvollen förderung:

dâ wîb im diens lônden
unt sîns prîses schônden.
Wolfram Parz. 811, 14.

auch später bei bedeutungsverwandten ausdrücken, aber mehr im negativen sinne des nichtverletzens: deines ansehens zu schonen, ad dignitatem tuam parcendam Steinbach 2, 491;

so schont' ich deines ruhms.
Günther ebenda.

von solchen fügungen aus in besonderem sinne des namens eines schonen, ihn aus rücksicht für den träger verschweigen: man solt hie billich der namen (der mörder Heinrichs v. Zütphens) schonen, nachdem sie aber ehre gesucht haben zuerlangen, mus man sie jrer ehre nicht berauben, das sind die namen der heubtleute. Luther 3, 33b. dann auch ebenso eines schonen, ihn nicht namhaft machen. Kramer 2, 640b.
ähnlich, mit zurückbeziehung auf das subject (doch in einigen der angeführten belege möglicherweise nach 3 gehörig): der seiner eeren nichts schonet, non temperans famae Maaler 360d; ich schone meiner ehre, dignitatem meam respicio Stieler 1909;

rehte als dû dîner êren
unz her hâst geschônet,
als wirt ouch dir gelônet. quelle in
Haupts zeitschr. 8, 95, 197;

derhalb solcher lieb euch enthalt,
schondt euer jungfrewlichen ehr.
H. Sachs 13, 274, 4 Keller-Götze.

mhd. sîner zühte schônen Nib. 465, 4 var. (die stelle s. unter a, α). in gleichem sinne, mit näherer adverbialer bestimmung (vgl. a, γ):

ir sult iuwer tugendean dem künege Hartmuoten schônen. Kudrun 1595, 4.

der unschuld, des herzens, der empfindungen eines schonen: hier fuhr die rechtschaffene Arsenia fort, mir ihre besorgnisse zu entdecken, und endigte ihre rede endlich damit, dasz sie mich mit vielen thränen beschwor, der unschuld ihrer jungen freundin zu schonen. Wieland 12, 137; schonen sie meines herzens, das beschämung und wütende reue zerreiszen. Schiller kab. und liebe 2, 3; die schaubühne allein kann unsre schwächen belachen, weil sie unsrer empfindlichkeit schont, und den schuldigen thoren nicht wissen will. werke 3, 518;

o drum eile, liebstes mädchen! schone
meiner sehnsucht!
Göckingk lieder zweier lieb. (1779) 160;

ich will nicht mehr in zweifel, zwischen furcht
und liebe schweben, will nicht weibisch mehr,
indem ich untergehe, noch des herzens
und seiner weichlichen gefühle schonen.
Göthe 9, 369;

schont seines schmerzens!
Schiller Tell 1, 4.


ββ) im sinne von a, β, des lebens schonen: der herr sprach zu dem satan, sihe da, er (Hiob) sey in deiner hand, doch schone seins lebens. Hiob 2, 6; das dich (Judith) allzeit preisen werden alle, die des herrn werck achten, darumb das du deines lebens nicht geschonet hast, in der trübsal und not deines volcks. Jud. 13, 24; nu begere ich meins lebens nicht zu schonen. 1 Macc. 13, 5;

[Bd. 15, Sp. 1499]


gy synt nu komen in Reynkens hende.
doch wolde gy bydden unde soenen,
ik wolde yuwes levendes schonen. Reinke de Vos 6346 Prien.

seiner gesundheit schonen, valetudini tribuere, consulere, operam dare, salutis rationem habere Stieler 1909 (kaum dativisch, vgl. unten 3 bei Steinbach 2, 491 ausdrücklich als genitivisch bezeichnet). ähnlich der stimm schonen, nit wöllen laut reden, voci parcere Maaler 360b (hier ist vielleicht dativ anzunehmen, vgl. 3).
γγ) allgemeiner, wie 'rücksichtsvoll beachten'. von αα überleitend:

diu frowe (die der gemahl verdächtigt) rewainde harte,
si spraeh: 'hêrre, nu scônet iuwer worte!
gehaltet iwer êre! ..' kaiserchron. 15449 Schröder;

wiltu die muomen mîn
haben, al die gote dîn
muostu durch si versprechen
unt immer gerne rechen
den widersatz des hôhsten gots
und mit triuwen schônen sîns gebots.
Wolfram Parz. 816, 30;

mancher der sytten wenig schont.
Brant narrensch. 9, 21 Zarncke;

freier:

doch wart under in (den juden, die Jesum gefangen nehmen wollen) geschrît
'jâ schônen wir der hôchzît,
daʒ sich vome volke iht hebe
ein grûsen unde ein getrebe'. erlösung 4271;

zu fronen schickt eüch wenn ich jag,
und schonet nit der feyertag.
Schwartzenberg mem. d. tug. (1535) 138c;

do bestunt den edeln furstin di groʒe krankheit di man nennet daʒ kalde, zu latine di febres, da von leit he groʒe not, doch schonte he der krankheit nicht. leben des heil. Ludwig 40, 13.
δδ) wie 'scheuen, sich enthalten', der arbeit schonen, labore supersedere Steinbach 2, 491: he schonde nenes arbeides, nenes wakendes, nenes unghemakes. quelle bei Schiller-Lübben 4, 116b; ich hätte der arbeit wol schonen können, sive gern schonen wollen, labori isti ego parsissem lubens Stieler 1909. der lügen schonen, sibi a mendaciis temperare Steinbach 2, 491, der wahrheit:

na der warheit was neyn vrage.
olt hät, torn, kyff unde valscheit
schonen jo vaken der warheit. d. städtechron. 16, 110, 291.

ähnlich: seiner worte schonen, verbis supersedere Steinbach 2, 491: en sinnech mynsche schonet alle tyd siner word, de he to rechten tiden wol spreyken kan. quelle bei Schiller-Lübben 4, 116b. vergl. die unter γγ angeführte stelle kaiserchron. 15449.
β) bei concreten begriffen.
αα) vor schaden, verschlechterung behüten, nicht verletzen, zuweilen mit hervortreten des begriffs rücksichtsvoller achtung: man hat der kirchen geschonet, sacris aedibus temperatum est Stieler 1909, aber auch allgemeiner: als, wenn ein töpffen zuschmettert würde, das man zustösset und sein nicht schonet. Jes. 30, 14. gnomisch: wer seiner ruten schonet, der hasset seinen son, wer jn aber lieb hat, der züchtiget jn bald. spr. Sal. 13, 24, ein spruch, bei dessen umschreibung Logau schonen anders, im sinne von a gebraucht:

es liebet nicht sein kind,
der keine rutte bind:
das hertzeleid belohnet
den, der der kinder schonet. 3, 178, 25.


ββ) vor verminderung bewahren, nicht weniger werden lassen: ich hatte, des gemeinen schatzes zu schonen, mein eignes vermögen zugesetzt. Wieland 2, 126; Eduard, der erst durstig, dann aufgeregt, des weines nicht schonte. Göthe 17, 123.
γγ) von hier aus freier wie 'sparsam mit etwas umgehen, aufwand an etwas scheuen', sich mit dem unter α, δδ erwähnten gebrauch berührend: er schont der unkosten, parcit impensae Stieler 1909; der unkosten, der zeit schonen, risparmiare (gall. menager) le spese, il tempo Kramer 2, 640a;

deheiner koste er schônde:
sîn herze im des niht werte,
lîp und guot er zerte.
Wolfram Willeh. 204, 10 (vielleicht dat.? vgl. 3).


γ) mit bezug auf thiere, sie vor tod oder schaden bewahren: jre hirten schonen jr (der schlachtschafe) nicht. Zach. 11, 5;

schone deiner pferde;
denn ich mag nicht, dasz ein thier
blosz aus leidenschaft zu mir
abgemartert werde.
Göckingk lieder zw. lieb. 59.


2) vereinzelt begegnet in älterer zeit bei schonen der acc. (vgl. einen schon halten, haben unter schön 5), der in der neueren umgangssprache vorherrscht.

[Bd. 15, Sp. 1500]



a) bei persönlichem object.
α) im sinne von 1, a, α: ich will ihn nicht schonen, non lo trattarlo con delicatezza Kramer 2, 640a; der römische hof half sich, um beyde partheyen, wo nicht ganz zu befriedigen, doch beide zu schonen, mit einer spitzfindigkeit. Schiller 7, 154;

hör' auf! er ist bis in der seele tiefen
erschüttert! schon ihn!
Klopstock 9, 54;

schone den armen,
der sich in liebender lust, willig gezwungen, verzehrt!
Göthe 1, 325;

Alcest. an eben diesem platz — erinnerst du dich noch?
schwurst du mir ew'ge treu! Sophie. o schonen sie mich doch! 7, 54;

man schonet einen freund, ja man ist höflich
und sorgsam, keinen fremden zu beleid'gen;
doch den geliebten, der sich einzig mir
auf ewig gab, den schont' ich nicht, und konnte
mit schadenfroher kälte den betrüben. 10, 298;

ich fühl' es wohl, dasz mich der herr nur schont,
herab sich läszt, mich zu beschämen. 12, 160;

sie (die königin) ist erhascht. ich schone sie nicht länger.
Schiller dom Karlos 2, 14.


β) im sinne von 1, a, β:

mortlîch vorterbitin (sie)
jung und alt, wib unde man, ..
nicht si joch inschôntin.
Nic. von Jeroschin 18169 (oder absolut? 'sie erbarmten sich nicht', vgl. unten 6);

(mit bezug auf thiere in der fabel:)

lammer, schape, ya alle Bellyns slechte,
desse werden van en nicht gheschonet. Reinke de Vos 3241 Prien;

ihr götter der hölle,
ihr furchtbaren schatten,
o! schonet den gatten!
hier bin ich, und stelle
zum opfer mich dar.
Wieland 26, 8.

vom tode:

ik wolte, dat mi de dôt mit vlite schônde. dodes danz 240;

nimm mich nicht gleich dahin jetzund,
spar mich noch eine weile,
schon mich noch etlich stund! des knaben wunderhorn 1, 69 Boxberger;

ich (tod) wel nimmant schonen. Alsfeld. pass. 2201 Grein.

ähnlich vom kriege:

du glaubst an menschlichkeit! es schont der krieg
auch nicht das zarte kindlein in der wiege.
Schiller Tell 1, 2.

milder: die soldaten schonen, ihnen beschwerden zu ersparen suchen, aber auch: ihre anzahl unvermindert zu erhalten suchen Adelung.
γ) mit näheren bestimmungen:

doch schônte in der von Tirlant
weder an fuoʒ noch an hant.
Heinrich v. Neustadt Apoll. 12588;

er schont darinnen keinen, nemini in hac re temperat Steinbach 2, 491. freier, wie 'verschonen, nicht behelligen':

ihr gärt und gärtner all: ihr seyd mit ruhm zu schonen,
der garten Österreich trägt lauter käyser-kronen.
Logau 3, 244, 147.


δ) reflexiv, sich schonen, risparmiarsi, conservari, sottrarsi, non metter mano alla fatica, non esporsi a patimenti come, ó con gli altri Kramer 2, 640a, sich vor unangenehmen empfindungen, beschwerden, auch: vor ausgaben (vgl. unten b, β, γγ) zu bewahren suchen Adelung: schone dich doch ein wenig, fac ut valeas, tuere et sustenta corpus et vires tuas Stieler 1909; Marie (auf die brust deutend). es drückt mich hier so — es sticht mich so — es wird mich umbringen. Sophie. schone dich. Göthe 10, 110; schon di nig, strenge dich an, sei nicht träge Schütze 4, 58; du must dî beter schonen. ten Doornkaat Koolman 3, 134b. sich schonen für etwas (dativ), daver bewahren:

das brüllende metall der grausamen canonen
schont nichts, es kan auch nichts für seinem grimm sich schonen.
Logau 1, 188, 91.

sich einem schonen, für ihn erhalten:

ich hätte flehentlich gebeten; sie, als vater,
zum treulichsten ermahnt, sich mir zu schonen,
und von der wuth tollkühner reiterey,
um unsres glückes willen, abzustehn.
Göthe 9, 312.

ähnlich mit dativ der sache:

denn was halt ich noch an? was schon' ich mich gröszeren stürmen?
Bürger 250a.


b) bei unpersönlichem object.
α) bei abstracten begriffen.
αα) im sinne von a, α:

ihr aber schont, o! ruhestörerinnen (frauen),
schont unser armes herz!
Gotter 3, lxv.

[Bd. 15, Sp. 1501]



ββ) im sinne von a, β, seine gesundheit schonen, haver, prender cura della sua salute Kramer 2, 640a: erholen sie sich, gnädige mama! schonen sie ihre kostbare gesundheit! Gotter 3, 52. ähnlich, mit adverbialem zusatz: ich hab dir nahrung und kleider gegeben, und dein schwaches alter in allen geschäften geschonet. Schiller räuber schausp. 4, 2; menschenleben schonen:

ich mag menschenleben schonen,
weisz zu schätzen menschenwerth.
Grillparzer 3 (1887), 59.


γγ) allgemeiner, auf etwas rücksicht nehmen: durch ein sanftes clima hatte sie (die vorsehung) seine (des menschen der urzeit) nacktheit geschont. Schiller 9, 125.
δδ) scheuen, sich enthalten, vgl. β, γγ:

also hört' ich sie reden, dasz hatt' ich mit wenigen worten,
dasz ich sie muhme genannt und dasz ich die wahrheit geschonet,
reichlich verdient.
Göthe 40, 200 (Reinke 5952: sparde to seggen de warheyt).


εε) in älterer sprache auch 'rücksichtsvoll hingehen lassen, verzeihen':

so wil sik got diner wol erbarmen
unde wil dîn arbeit hôchliken belonen,
men dine missedât en wert he ôk nicht schonen. dodes danz 718.

in der folgenden stelle ist der casus zweifelhaft: ir künd dem herrn nicht dienen, denn er ist ein heiliger gott, ein eiveriger gott, der ewr ubertrettung und sünde nicht schonen wird. Jos. 24, 19.
β) bei concreten begriffen.
αα) im sinne von 1, b, β, αα. ähnlich wie die gesundheit schonen (s.α, ββ), die augen schonen Campe, die lunge:

hör! merk' dir diesz —
ich bitte dich, und schone meine lunge —
wer recht behalten will und hat nur eine zunge,
behälts gewisz.
Göthe 12, 159.

aber auch allgemeiner (im bilde:) begnügen sie sich, misz, an dem vergnügen, ihn (den geliebten) sehr nahe an ihrer schlinge gesehn zu haben; und weil sie voraussehen können, dasz er die schlinge ganz gewisz zerreiszen werde, wenn sie ihn vollends hinein lockten, so schonen sie ihre schlinge, und locken ihn nicht herein. Lessing 2, 70. ein kleid schonen, conservare, difendere un vestito dalle brutture, rotture e stracciature, e dal troppo ogorarlo Kramer 2, 639c; seine kleider schonen, schön zu erhalten suchen Frisch 2, 219b, vor verletzung, abnutzung bewahren Adelung, ebenso nd. sin tüg, sine kleder schonen Dähnert 411b. ten Doornkaat Koolman 3, 134b: nehmet etwas vor euch, und schonet eure kleider, pigliate qualche servietta dinanzi e salvate e vostri panni Kramer 2, 639c. ähnlich: man kann nichts schonen, wo alles so säuisch ist, non si può conservare nulla, dove ci è tanta porcheria. ebenda. den acker schonen, vor verschlimmerung behüten Adelung. forstwirtschaftlich holz, bäume schonen, vor wildschaden und verletzung durch passanten schützen, auch vor schädigung durch unzweckmäsziges ausholzen bewahren und überhaupt richtig, zweckmäszig bewirtschaften: man hat dahero sogar alles eichenholz dergestalt zu schonen, dasz man die abständig gewordenen stämme sehr wohl untersuchen musz, um zu wissen, was daraus noch etwa von nutzstucken geschnitten werden kann. Heppe jagdlust (1781) 3, 467. in freieren wendungen: ach last ihn gehen, er ist klug genug, aber er schont die klugheit, dasz er sie spanfunckelneu mit nach hause bringen kan. Weise erzn. 219 neudruck; die wahre anmuth schont blosz die werkzeuge der willkürlichen bewegung. Schiller 10, 123.
ββ) im sinne von 1, b, β, ββ: weil hiebei ein guter landwein keineswegs geschont wurde. Göthe 25, 347. das geld schonen Adelung: schont er doch sein geld nicht. Weise erzn. 219 neudruck;

drum lasz ichs wohl bleiben, dasz ich mich verliebe,
ich liebe mich selber und schone mein geld.
Günther bei
Steinbach 2, 491.


γγ) im sinne von 1, b, β, γγ: die unkosten schonen Adelung, die kosten:

sie bildet sich wohl ein, dasz ich die kosten schone?
J. E. Schlegel 2, 486.

ähnlich:

Thrax schont die pünctchen auf dem i
um dinte zu ersparen.
Hagedorn bei
Adelung.


3) seltener als der gen., aber häufiger als der acc. ist in älterer zeit der dativ bei schonen (vgl. einem schönthun im früheren sinne unter schön 5). bis heute hat sich diese fügung nur mundartlich erhalten.

[Bd. 15, Sp. 1502]



a) bei persönlichem object.
α) im sinne von 1, a, α:

die warhait, weils ainfaltig red,
und nimmer kainem schont,
hat nur zu feind das zart gezett,
das schmaichlens ist gewont.
Fischart 3, 74, 38 Kurz.

nach β überleitend, auf eines schwachheit rücksicht nehmen: gêbe ich ir (Jesus der seele) daʒ ich bin in disem lîbe, siu vermöhteʒ niut. ich schône ir, die wîle siu ist in disem lîbe. quelle in der Germania 3, 242b, 8.
β) meist im sinne von 1, a, β: noch wolde Tytus der stat (Jerusalem) unde dem volke gerne sconet hebben. d. chron. 2, 1, 102, 22 Weiland; de Holsten schoneden noch den wiveren noch den kinderen. quelle bei Schiller - Lübben 4, 116a; der künig schont Miphiboseth dem sun Jonathe. 2 kön. (2. Sam.) 21, 7 in der sogen. 4. bibelübersetzung bei Kehrein gramm. d. sprache des 15.—17. jahrh. 3, § 202 (Luther: verschonet mit genitiv); auff das inen geschonet werde. Keisersberg pater noster L 4; wie künd etwas bleiben, wenn du (gott) nicht woltest? .. du schonest aber allen, denn sie sind dein herr, du liebhaber des lebens. weish. Sal. 11, 27;

vur den neiman enmaich geneisen,
it si der arme, it si der riche,
si brechent eme ave dorperliche
beide sin gelt und oich sin goit.
si drivent so groissen overmoit,
si enschonent richen noch armen. d. städtechron. 12, 83, 2140 (dat. plur. oder acc. sing.? vergl. 1).

vom tode:

der ist, der nye keym ye hat gschont.
Brant narrensch. 85, 86 Zarncke.


γ) mit näheren bestimmungen, so mit genitiv, daran seine rücksicht gegen einen zeigen: du solt jm des lümbdens (leumunds) schonen. Keisersberg post. 2, 60. mnd. mit van und dativ, vor etwas bewahren: unde schonede nemande van deme dode. quelle bei Schiller-Lübben 4, 116a.
δ) reflexiv: er waiss - em z' schone, trägt sorge zu seiner gesundheit Seiler 263a. Hunziker 230.
b) mit unpersönlichem object.
α) bei abstracten begriffen.
αα) im sinne von a, α: den eeren schonen, existimationi consulere Maaler 360d.
ββ) im sinne von a, β:

schon meinem lebn, du küner degen.
H. Sachs 13, 356, 21 Keller-Götze.


γγ) wie 'nachgeben, folge geben' dem begriffe rücksichtsvoller artigkeit gegen einen nahestehend:

lêwe noch einhurnescône sîneme zorne
swenner dich (den menschen) fernemesîne grimme er hinelege. genes. in
Hoffmanns fundgr. 2, 16, 1.


β) bei concretem begriff: öpisem schone, sorglich damit umgehen Hunziker 230, mehr dem sinne des 'scheutragens vor etwas' nahekommend: wenn ich dürfte, ich würde ihm nicht schonen (dem grenzstein, ihn verrücken). Pestalozzi Lienh. u. Gertrud 1 (1790), 216.
4) schonen mit infinitiv und zu, sich scheuen, mit hervortreten des begriffs rücksichtsvoller scheu: sie haben einen greuel an mir, und machen sich ferne von mir, und schonen nicht fur meinem angesicht zu speien. Hiob 30, 10. allgemeiner: da aber dem reichen man ein gast kam, schonet er zu nemen von seinen schafen und rindern, das er dem gast etwas zurichtet .. und nam das schaf des armen mans. 2 Sam. 12, 4. wie 'sich enthalten':

ach schone, groszer herr, ach schone mich zu straffen.
Fleming 15.


5) schonen mit etwas, damit sparen (vgl. 1, b, β, γγ und 2, b, β, γγ): lasz mich gehn, schrie Vreneli, das während der schönen rede gethan hatte wie eine katze am strick und selbst mit klemmen und kratzen nicht schonte. Gotthelf 2, 344.
6) schonen absolut.
a) im sinne von 1, a, α, rücksicht zeigen einem gegenüber mit bezug auf seine ehre, seine empfindungen: er (der pfarrer) schont jetzt nicht mehr; er hält ihm sein leben, sein gestriges zittern beym nachtmahl, und die abscheulichkeit seiner mittagsstunde vor. Pestalozzi Lienhard u. Gertrud 1 (1790), 241; (zu Jesus in der gerichtsversammlung:)

wie wistu (bist du) worden so balt
dasz du nit schonen salt? Alsf. pass. 3497 Grein;

Sophie. weh mir! wie ist mein herz, mein armes herz zerrüttet!
Alcest. bist du Sophie, so bleib! Sophie. ich bitte, schonen sie!
Göthe 7, 53.


b) im sinne von 1, a, β, erbarmen, mitleid, gnade walten lassen: das gott anfienge und zuschlüge mich, und lies seine hand gehen und zuscheittert mich. so hette ich noch trost,

[Bd. 15, Sp. 1503]


und wolt bitten in meiner kranckheit, das er nur nicht schonet. Hiob 6, 10; und (ich) wil einen mit dem andern, die veter sampt den kindern, verstrewen, spricht der herr, und wil weder schonen, noch ubersehen, noch barmhertzig sein, uber jrem verderben. Jerem. 13, 14; ich .. schreibe es nu im abwesen, denen die zuvor gesündigt haben, und den andern allen, wenn ich abermal kome, so wil ich nicht schonen. 2 Cor. 13, 2; 'by miner trüw', sagt Rengnold, 'verflüecht werd ich, wenn ich yetz (im kampfe) schone! wann ich hab vorhinn nun (nur?) geschimpffet'. Haimonsk. 155, 18 Bachmann;

soll er (der gott) strafen oder schonen,
musz er menschen menschlich sehn.
Göthe 1, 251;

ich will schonen, grimmig schonen:
nicht der tod in kampf und schlacht
werde dieser brut (den räubern) zu theile,
nein, dem rad, dem henkerbeile
sei ihr schuldig haupt gebracht.
Grillparzer (1887) 3, 56.

mit unpersönlichem subject: der grimm des mans eivert und schonet nicht, zur zeit der rache. spr. Sal. 6, 34; gehet diesem nach durch die stat, und schlahet drein, ewer augen sollen nicht schonen, noch ubersehen. Hes. 9, 5. milder:

(der bischof) sprach: 'bist unsinnig! hab den ritten!
darffst umb ein gülden new jar bitten?'
der bub sprach: 'schont, gnediger herr!
ob denn ein güld zu viele wer,
gebt ein batzen, ich nem jn an,
das jr ein gut new jar müszt han'.
Waldis Esop 2, 75, 9 Kurz.


c) allgemeiner, scheu tragen, vgl. 4: ruffe getrost, schone nicht, erhebe deine stim wie eine posaune. Jes. 58, 1. abstehen, ablassen: ihr ziegen und schafe schonet, o schonet, und reiszt das junge epheu nicht vom weiszen stamme. Geszner bei Adelung.
d) in der weidmannssprache ist schone! ein zuruf an den allzu ungestümen leithund, sich zu mäszigen, auf der suche, beim apportieren, aber auch sonst Behlen 5, 547, in älterer zeit meist mit verstärkendem â schona Kehrein weidmannsspr. 263: schona oder lusa wird dem leithund zugerufen, wenn er ruhen und sich nicht so unbändig stellen soll. Heppe wohlred. jäger (1763) 269b, so schon mhd.:

mîn Herz (als hund aufgefaszt) daʒ tobet recht als eʒ welle wüeten.
ich sprach: 'schônâ, geselle!
wiltu hin nâch, du must dîn eben hüeten'.
Hadamar v. Laber jagd 62.


7) schonend in freierer adjectivischer verwendung.
a) wie 'rücksichtsvoll': der actuarius nahm über diese schonende behandlung von Wilhelmen ein aufrichtiges lob an. Göthe 18, 71; welchen weg muszte nicht die menschheit machen, bis sie dahin gelangte, auch gegen schuldige gelind, gegen verbrecher schonend, gegen unmenschliche menschlich zu seyn! 21, 66; ich vermied nicht und konnte nicht vermeiden Lilli zu sehen; es war ein schonender zarter zustand zwischen uns beiden. 48, 158; ein staat wie dieser (die Niederlande) konnte mit riesenstärke handeln und ausdauren, wenn das dringende bedürfnisz seine kraft aufbot, wenn eine kluge und schonende verwaltung seine quellen eröfnete. Schiller 7, 61. in adverbialer fügung: was verletzen könnte, ist (im 'vetter von Lissabon' von Schröder) schonend in die ferne geschoben. Ludwig (1891) 5, 331.
b) wie 'sparsam', vgl. 1, b, β, γγ: nach der genauesten erkundigung, bringet ein arbeitsamer und schonender mensch in seiner 40wöchigen abwesenheit (in Holland) 100. gulden zu hause. Möser patr. phant. 1 (1775), 86.
8) das part. prät. erscheint in attributivem gebrauche
a) im sinne von 'mit rücksicht behandelt, gethan, rücksichtsvoll': aus dissonanzen stieg die höhere konsonanz mit jeder geschonten annäherung feierlich, schauderlich, langsam, prächtig hervor. Herder zur lit. u. kunst 17, 209.
b) mit sorgfalt behandelt, gut erhalten: geschonte kleider. auch in höherer sprache: deine mutter war die schönste ihres geschlechtes — du bist ihr geschontes veredeltes bild. Schiller 6, 304.
9) substantivierter infinitiv. im sinne von 1, a, β: das er sie mit der scherffe des schwerts also schlahe, das kein schonen noch gnade, noch barmhertzigkeit da sey. Jer. 21, 7; denn so du die feinde deiner kinder und die des todes schüldig waren, mit solchem verzug und schonen gestrafft hast, und gabst jnen zeit und raum, damit sie kundten von jrer bosheit lassen. weish. Sal. 12, 20;

[Bd. 15, Sp. 1504]


ich heute dich
verlassen? diesen tag der neuen sünden?
und auch des neuen schonens?
Klopstock 9, 127.

allgemeiner:

Boreas fuhr ohne schonen
über berge, wald und stadt,
nach dem lande der Ciconen,
wo er seine wohnung hat.
Lichtwer (1828) 16.

mit objectivem gen., im sinne von 1, a, α: gib ihm nur, Klotilde, den groszen warmen blick voll dank für sein schonen deines bruders, für sein edles lieben und für sein überschleiern dieses liebens. J. Paul Hesp. 3, 216.
 
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schönen, verb. zu schön:
1) schön machen, mhd. schœnen, md. schônen Lexer mhd. handwb. 2, 769, ahd. scônen (skônjan), belegt: gascônit (hûs), ornatam. frgm. theot. Matth. 12, 44, daneben scônôn (skônjôn), belegt kascônnôta, ornavit. Murb. hymn. 11, 3, 2 und kascônnôt, candidatus, part. prät. 26, 4, 3. zu der doppelconsonanz vgl. Braune ahd. gr. § 96, anm. 1. Stieler 1755 bezeichnet das simplex als selten. gebräuchlicher sei es in zusammensetzungen, von denen er abschönen, anschönen, aufschönen, ausschönen, entschönen, beschönen, überschönen, zerschönen, verschönen (als üblicher daneben verschönern) anführt. die neuere sprache kennt, abgesehen von technischer und mundartlicher verwendung des simplex, nur beschönen, neben häufigerem beschönigen (vgl. nd. schônigen, schönnigen, reinigen, noch in sinnlicher anwendung, im sinne von schönen 1, a, γ ten Doornkaat Koolman 3, 135a) und verschönen, neben üblicherem verschönern (vgl. unten schönern).
a) im sinne von schön 1.
α) nach a in technischer anwendung, durch behandlung gefärbter oder bedruckter zeuge mit seifenlösung oder anderem der farbe gröszere lebhaftigkeit, gröszeren glanz geben, avivieren Karmarsch-Heeren3 1, 265.
β) nach b gleichfalls bis heute in technischer sprache, vom klären des weins Campe. Kehrein 1, 365. Stalder 2, 347, auch des biers Karmarsch - Heeren3 7, 778, im bilde: o wie mir dieses blank gescheuerte blei der polierten alltäglichkeit, dieses destillierte wasser, dieser geschönte landwein ein gräuel ist! J. Paul kom. anhang z. Titan 2, 32. allgemeiner, wie 'aufhellen', unsinnlich:

wiʒʒet, daʒ ir guoter lîp
mannes trüebeʒ herze schœnet,
ob eʒ hât verhœnet
trûrik sorge unt kumberlîcheʒ leit. minnesinger 1, 361a Hagen.


γ) nach c, reinigen, an d rührend: item so sie (schneckenschalen) gebrandt, werden sie gebraucht die zän damit zu schönen und zu reiben. Gesners fischbuch übersetzt von Forer (1598) 141b. ebenso oder im sinne von schön 2: die schalen etlicher straubschnecken brauchen die weiber zu schönen jhr angesicht. ebenda. die bäume schönen, ausputzen Campe, in der auffassung an schön 1, b, α angelehnt: die böum schönen, den böumen den lufft lassen, und erhouwen, sublucare Maaler 360c. auch vom säubern, schälen von früchten Stalder 2, 347. unsinnlich, sich schönen, sich rein, weisz brennen, sich entschuldigen: doch so will ich mich selbs hie mit nit ganz geschönt han, dann ich gleich als wol als ein ander fälen mag. Etterlin (1752) 63. schönen dann auch freier wie 'entschuldigen, einer sache einen guten anstrich geben' Stalder 2, 347, mit anschlusz an schön 2, vgl. DWB beschönen, DWB beschönigen:

mancher wird mit dieser that (Reinekes) seine boszheit schönen,
und gedenken, sündige nur, du kanst wol aufsönen
deinen könig. Reinicke fuchs (1650) 26 (ohne vorbild).

in ausgeführtem bilde:

ein mahler ist er (der fuchsschwänzer) auch der alle laster schönet
zu einer Helena.
Logau 3, 218.


δ) zu der anwendung im sinne von schön 2, überleitend:

der arme in dem bade beleip
unz man daʒ hor von im treip:
daʒ schœnete in vil cleine.
im bedahte sîn gebeine
ein hût swarz als ein rân. gute frau 2793.

passivisch, mit instrumentalem genitiv:

nu lûhten disiu vier werc
helm unde halsberc
schilt und hosen ein ander an
so schône, ob si der wercman
alle viere alsô hæt ûf geleit,
daʒ iegelîches schônheit
dem andern schœne bære
und sîn geschœnet wære,
sone kunde ir aller viere schîn
ebenliehter niemer gesîn.
Gottfried Trist. 6636.

[Bd. 15, Sp. 1505]



b) im sinne von schön 2.
α) mit bezug auf personen:

diu niunde (frau) dûhte in gekrœnet,
diu zehende baʒ geschœnet
mit dem gotes vlîʒe.
Hartmann v. Aue Erec 8271;

nur schminke schönet dein gesicht.
Schwieger geharn. Venus 41 neudruck.

besonders wie 'schmücken, zieren', vgl. DWB schön 2, a, α, ε:

der tôten küniginne
houbet man dâ schône
mit zweier lande crône
in dem sarke schœnete.
Heinrich v. Freiberg Trist. 6793;

daʒ beste, daʒ im tohte
ze tragen an dem lîbe sîn
von gurtel und von vingerlîn,
dâmit wart er geschônt.
Ottokar 73601;

(im bilde:) wol geschœnet
was si mit bluomen mangerlei
an irme lîbe über al. minnes. 3, 419b Hagen.


β) ähnlich in sonstigem sinnlichen gebrauch, vgl. DWB schön 2, a, ι:

nu siht man die grüenen heide
wol bekleidet, wol geschœnet. minnes. 1, 60a Hagen;

helfet grüeʒen mir den meien
der so lobelîchen schœnet
anger, heide ûf berg und in dem tal. 360a;

nu ist heide wol geschœnet
mit vil manigen blüemelîn gemeit. 354b.


c) im sinne von schön 5:

daʒ selbe (der gedanke) schœnet mannes leben.
Reinmar v. Zweter 220, 4 Roethe.


d) im sinne von schön 6 allgemein wie unsinnliches 'zieren', wie 'ehren, verherrlichen':

ir (der ehre) craft die hêren gotes tougen crœnet,
ir wird die engel tiuret unde schœnet. 77, 8;

Marîâ, du geschœnte
ûʒ aller menscheit gar,
Marîâ, dû gekrœnte
hôch über aller engel schar.
Marner xiii, 6 Strauch;

dit wunder in da schônte,
daʒ zu im daʒ volc lief
unde gemeinlîchen rief,
daʒ er keiser solde wesen,
wande in daʒ recht hete ûʒ erlesen. pass. 356, 53 Hahn;

wasz nur sagest, was nur klagest,
ausz gar hoch betrangtem geist,
dich nit schönet, klingt, noch thönet.
Spee trutznacht. (1649) 270.

in ausgeführtem bilde wieder dem sinne von a, α genähert:

mit waʒ crônen soln gecrônt,
mit waʒ zîrheit suln geschônt
dî reinen von dir (Jesus) werdin,
dî sulche nôt ûf erdin
durch dich lîdin mit gedult?
Nic. v. Jeroschin 3496 Strehlke.


e) ein freierer reflexiver gebrauch vermittelt zwischen 1 und 2.
α) im sinne von schön 1, b: de lücht schônd sük (klärt sich auf), wî krîgen gewis môi wër. ten Doornkaat Koolman 3, 134b.
β) im sinne von schön 5:

des meien tugende krœnet
sendiu liebe: wer wære alt,
dâ sich diu zît sô schœnet! minnes. 3, 443b Hagen.


2) schön sein oder werden, entweder aus 1 entwickelt, oder, wofür das fehlen des umlauts im heutigen alemannischen spricht (s. unten a), eine andere bildung zu schön, ein ahd. scônên voraussetzend. doch ist eine solche für die älteren stufen des hochd. nicht bezeugt, wenn man nicht schonen, parcere dafür ansehen will (s. dieses). auch umgelautetes schœnen ist in dieser anwendung mhd. nicht sicher zu erweisen. in der folgenden stelle kann es vorliegen, möglich ist dort aber auch eine auffassung als absolut gebrauchtes 'schön machen', d. h. 'schöner erscheinen lassen' (nämlich 'den geliebten'), s. mhd. wb. 2, 2, 194a:

diu wuocherhafte minne
diu schœnet nâch beginne.
Gottfried Trist. 11872.

mnd. ist schônen in solchem gebrauche belegt, schonen, clarescere (unsinnlich) Schiller-Lübben 4, 116a. schwäb. begegnet eine entsprechende weiterbildung schönelen, mehr schön als nützlich sein Schmid 477. intransitives schönen ist in der neueren schriftsprache ebensowenig gebräuchlich als transitives.
a) im sinne von schön 1, b, α, dissereno, schön und hüpsch wetter werden, anfahen schönen Dasypodius (latein.-deutsch). Maaler 360c, schonen, aufschonen (mit haben), sich aufheitern (vom wetter) Stalder 2, 347. Schmid 477, auch in Ost- und Westpreuszen gebräuchlich, meist in zusammensetzung mit auf: das

[Bd. 15, Sp. 1506]


wetter schönt auf, der himmel wird klar Frischbier 2, 310b, ebenso mit es als subject es schont, es ist schönes wetter, das schöne wetter hält an Hunziker 229: könnend wir zur morgenröthe sagen, es werd z' abend witterig, und zur abendröte, es wirt morn schonen. Zwingli 2, 435 (Matth. 16, 2, Luther: ein schöner tag werden).
b) im sinne von schön 2:

fürstin, euer reines schön, hat ein fieber jetzt verhöhnet:
aber schönes ruhet nur, dasz es nachmals schöner schönet.
Logau 2, 120, 5.


c) die folgende stelle bietet der erklärung schwierigkeiten. es scheint, als ob schönen dort 'prunken' bedeute, eine anwendung, die sich an die vorige anschlieszen würde:

der hübsche kerrel ward verändert also gar,
dasz nunmehr gantz umbsonst, mit jhm zu schönen, war.
Dietr. v. d. Werder 27, 26, 8

(das original hat: che ne potrà far paragone indarno).
 
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schonenfahrer, m. bezeichnung gewisser gildenartiger genossenschaften, so genannt, weil sie ursprünglich aus seefahrern oder rhedern bestanden, die handelsschifffahrt nach Schonen oder heringsfang an der dortigen küste trieben, in Hamburg Röding bei Campe, auch in Greifswald, schonfahrer Dähnert 411b.
 
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schonenswerth, adj. werth geschont zu werden Campe.
 
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schonenswürdig, adj., dasselbe wie das vorige: ein schonenswürdiger unantastbarer greis. Herder bei Campe. davon schonenswürdigkeit, f. Campe.
 
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schoner, m. der schont Campe.
1) persönlich, schoner, et verschoner, parcens, condonans, praetermittens, connivens, clemens, indulgens Stieler 1910, conservatore, risparmiatore Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 640b; von gott:

nur murre nicht, ...
wenn, deinem dünkel nach, der schoner
des frevlers stolz zu lange trägt!
Gotter 1, 415.


2) unpersönlich, ein stück tuch zur schonung der kleidung, serviette, schürze u. dgl., ebenso nd. ten Doornkaat Koolman 3, 134b, im heere ein um die schulter geschlungenes und an den obersten knöpfen des waffenrocks befestigtes stück tuch zur verhinderung der abnutzung des rocks durch das gewehr.
 
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schoner, m. 'eine art in England üblicher platter schaluppen, welche zum anlanden sehr bequem sind' Adelung. Jacobsson 4, 35b, schuner, schooner, ein kleineres, zweimastiges, scharfgebautes schiff Bobrik 614b. ten Doornkaat Koolman 3, 139b. der name ist gleich der schiffsart selbst, wie Adelung bemerkt, englischen oder nach Webster eigentlich amerikanischen ursprungs (schooner, scooner), soll zu anfang des 18. jh. entstanden sein und mit dem mundartlichen to scoon, steine über wasser gleiten lassen, zusammenhängen, vergl. Skeat2 531a. ebenso mndl. schooner, schoener, schwed. dän. skooner (dän. auch skonnert), franz. schouner, span. ital. skuna. Bobrik a. a. o.
 
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schöner, m., substantiviertes schön, s. dieses 2, a, β.
 
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schöner, m. der schönt, nd. schôner, gerät zum reinigen, bürste, besen mit langem stiel ten Doornkaat Koolman 3, 134b. vgl. DWB schönen 1, a, γ.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für