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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schöme bis schönarmig (Bd. 15, Sp. 1458 bis 1486)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schöme, m. , nebenform zu schemen, s. daselbst theil 8, 2536 ff.
1) schatten(bild): in den höchsten anfechtungen, die mich an meinem leibe so erschepfften unnd zumarterten, dasz ich kaum lechtzen und athem holen kondte, gieng wie ein schome, verdorret und auszgedrocknet. Luther tischr. 224a.
2) schöme, oder butzen antzlit, larva, persona Dasypodius.
3) Kilian führt an: schom, schomme, glabretum, calvetum: locus situ obsitus, squalidus; daneben schom der boomen, bryon,

[Bd. 15, Sp. 1459]


canities arborum, muscus, lanugo in corticibus arborum, s. auch Schmeller 2, 420.
 
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schömen, verb., für schämen:

schöm dich, du schnöder teüfels knecht.
Schwartzenberg 136d.


 
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schomerling, m. krammetsvogel, turdus pilaris Campe, wachholderdrossel Behlen 5, 547.
 
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schompen, verb.?: trug sammet, seiden, damassken, treget jetzund den damassken so auff dem brachfeldt wechst (flachs, leinen), das gibt finger deutens und schompen gnug. Joh. Rhode tugendsamer weiber spiegel (Erfurt 1586) V 6a.
 
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schömpfer, m. schatz, liebhaber, bräutigam, dazu schömpfere, f. geliebte, braut; wol nichts als eine entstellte aussprache für schimpfer, s. daselbst (sp. 179) und schimpfen 1, c. in mitteldeutschen mundarten weit verbreitet, s. Reinwald 1, 148. Spiesz 225 (dazu schömpferblume, f. wasserrettig, tugendblume, euphalorium cannabium) Frommann 6, 528, 16, 1, schäumpfer(e) Vilmar 343. letzterer und Reinwald 1, 147 haben auch das zu grunde liegende verb. schömpfen, schümpfen, schäumpfen schön thun, verliebt sein.
 
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schon, m. zu schonen, schonung, vgl. das gleichbedeutende mhd. mnd. schône, f. Lexer mhd. handwb. 2, 768. Schiller-Lübben 4, 114b:

drey fürsten hat der keyser lon
enthaupten sie, ohn allen schon.
Frischlin Wendelgard 4, 2.


 
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schon , iam, altes adv. zu schön, dessen historisch berechtigter unumgelauteter vocal (ahd. scôno, mhd. schône) sich in folge der im nhd. abgewichenen bedeutung erhalten hat. in früheren nhd. quellen begegnet es noch im sinne des adj., obgleich im 16. jahrh. schon vielfach z. b. bei Luther in solcher anwendung die umgelautete form vorherrscht und der heutige gebrauch von schon bereits völlig ausgebildet ist: frewet euch des herrn, jr gerechten, die fromen sollen jn schon preisen. ps. 33, 1; dieweil wir denn wissen, das der herr zu fürchten ist, faren wir schon mit den leuten. 2 Cor. 5, 11; sich selbs schon halten, seiner gesundtheit pflägen, consulere saluti Maaler 360d; man empfieng jhn gar schon. buch d. liebe 268c;

das einer gnant was Arion,
kundt spielen auff der harpfen schon.
Waldis Esop 2, 30, 4 Kurz;

der jüngling sprach: hertzlieb, fahr schon (: lon)!
H. Sachs 21, 289, 6 Keller-Götze;

sie gleissen schon von aussen her. Ambras. liederbuch nr. 137, 37;

ich danck dir schon durch deinen sohn,
o gott, für deine güte.
Wackernagel kirchenlied 5, nr. 118, 1.

Stieler 1910 bemerkt: schon etiam nonnunquam pro schön dicitur, und mundartlich sind spuren dieses gebrauchs bis heute erhalten geblieben: schôn tuen (bairischer wald, Ober-Main, wo das adj. sche~i, schêi~ lautet) Schm.2 2, 426, schoane, schuen adv. leise, still, schonend, lieb, zärtlich Lexer kärnt. wb. 225. umgekehrt findet sich auch bisweilen schön im besonderen sinne von schon besonders in concessiver anwendung: ob sie schön die megde mit bringet, so mag jr leichtlich was fürfallen, das sie die wegschicket. Heinrich Jul. v. Braunschweig 54 (Sus. 2, 1) Holland. der vocal weicht in den mundarten manchmal nach u aus: schuen Hintner 216, schuan Zingerle 50b, schûne, schunne Jecht 100b, schunn, schund Bernd 178. Jecht führt neben schûne, schunne auch schonne an, formen mit erhaltenem end-e, wie sie auch in älteren nhd. schriftquellen bezeugt sind: so könnten wir schone mit durchlaufen. Weise böse Cath. 1, 14. fränk.-hennebergisch mit ausfall des n schuë, schoë Frommanns zeitschr. 2, 403, 26. das von Bernd verzeichnete schund zeigt verstärkung des auslauts durch einen dental, vgl. DWB jemand, DWB mond aus ieman, mân(e), die sich mundartlich hier häufiger findet: schunt, schont Frommanns zeitschr. 2, 286, 52 (düringisch), schont Albrecht 206a, schund Frommanns zeitschrift 3, 250, 6 (schles.). Göpfert 114b, schönt Frommanns zeitschr. 5, 271, 7, 5. schons Kehrein 1, 365, ebenso nd. ten Doornkaat Koolman 3, 135a, mittelrh. schuns Frommanns zeitschr. 6, 280, 27 sind vielleicht genitivische bildungen (vgl. DWB schlechts, schlimms). durch verstärkung des auslauts kann schonst daraus entstanden sein (vgl. DWB sonst, älter sost, sust aus mhd. sus, einst aus eines, mundartlich anderst für anders), das aber auch eine auffassung als superlativ zuläszt: wie wol er vil und grosze marter schonst auch erlütten hat. Villinger chron. 52 (von 1496). auch heutige mundarten kennen es. Albrecht 206a. Hertel sprachsch. 220. Kehrein 1, 365. Frischbier 2, 311a, schunst Göpfert 114b, ebenso

[Bd. 15, Sp. 1460]


das neuere nd. brem. wb. 4, 671. Dähnert 411b. Danneil 486b, das schonst ebenso wie schon und schons besonders in concessivem sinne verwendet (ofschoon, ofschoonst, wenschoonst brem. wb. a. a. o.), während schon im sinne von 'bereits', das in der älteren form schone bereits aus dem 15. jh. erwiesen ist Schiller-Lübben 4, 115, heute meist durch al vertreten wird. brem. wb. a. a. o. daneben schonsten, schonstens Kehrein a. a. o. (vgl. DWB schönstens). in concessivem und adverbialem gebrauehe begegnet niederd. auch schöner, augenscheinlich eine comparativbildung, und daneben ein genitivisches schöners (of schöners, wen schöners, obschon, obgleich, schöners, al schöner, gleichwol, dennoch) brem. wb. 4, 671. 672. ebenso ist wol das düringische schunter aufzufassen Frommanns zeitschr. 5, 411, 14.
die heutige anwendung entwickelt sich aus dem begriffe des abgeschlossenen, völligen, den schone, schon als noch deutlich gefühltes adv. zu schön haben kann (vgl. DWB schön 6), indem dieser einer anderen erwartung gegenüber betont wird. spuren der abgezweigten bedeutung finden sich schon im mhd. des 13. jahrh. (s. 1, a, α), deutlicher im mnd. Schiller-Lübben 4, 115.
1) schon im sinne von 'bereits'.
a) die vollendung einer handlung, eines zustandes hat früher stattgefunden, als erwartet wurde, erwartet werden sollte oder konnte.
α) mit beziehung auf vollendung in der gegenwart: ich enlaugen des niht, er enphulhe mir daʒ gut, daʒ han ich im schone wider geben. quelle von 1276 bei Schm.2 2, 426; das schwert ist schon gefaszt und gezückt. Hesek. 32, 20; es ist schon komen und geschehen. 39, 8; es ist schon die axt den bewmen an die wurtzel gelegt. Matth. 3, 10; mach mir keine unruge, die thür ist schon zugeschlossen. Luc. 11, 7; ich .. habe schon als gegenwertig beschlossen. 1 Cor. 5, 3; mit vermeldung, der im duell beschädigte mensch gehöre einem graffen zu, welcher diesen schimpff nicht leiden wolle, auch die obrigkeit schon ersucht habe, sie mit allen helffershelffern in arrest zu nehmen. Weise erzn. 23 neudruck; bisz du schon kommen? jamjam venisti? Steinbach 2, 489; ich habe ihnen schon gesagt, dasz es nicht viel ist. Lessing 1, 467; habt ihr nicht schon abgeredet, mich an den ersten besten pfahl zu hängen? Göthe 14, 299;

frisch gewagt ist schon gewonnen. 1, 61;

schon ist mir das thal gefunden,
wo wir einst zusammen gehn. 62;

schon hat's (das kind) den weg ins feld gelenkt. 224;

hat der begrabene
schon sich nach oben,
lebend erhabene
herrlich erhoben. 12, 46;

und die sonne geht unter, da steht er am thor
und sieht das kreuz schon erhöhet.
Schiller 11, 289.

in irrealen fügungen: nicht das ichs schon ergriffen habe. Phil. 3, 12; das nachtässen solt schon gekochet und gerüst sein, coenam iam esse coctam oportuit Maaler 360d.
β) mit beziehung auf vollendung in der vergangenheit: sie hatten schon gessen. 1 kön. 1, 41; sie hatten schon verzagt, das sie nicht würde wider komen. Jud. 13, 14; die jüden hatten sich schon vereiniget, so jemand jn fur Christum bekennete, das derselbige in bann gethan würde. Joh. 9, 22; als Jhesus wuste, das schon alles volnbracht war. 19, 28; da sie sahen, das er schon gestorben war. 33; nun hatte der priester von dem gantzen handel schon nachricht bekommen. Weise erzn. 20 neudruck;

(ich) träumte da von vollen goldnen stunden
ungemischter lust,
hatte schon das liebe kind empfunden
tief in meiner brust.
Göthe 1, 79.


b) eine handlung, ein zustand ist wider erwarten früh eingetreten.
α) mit beziehung auf dauer in der gegenwart: spricht zu jm Martha, die schwester des verstorben, herr, er stinckt schon, denn er ist vier tage gelegen. Joh. 11, 39; er ist schon da, jam adest Stieler 1910; er ist schon zu hause, egli è gia à casa Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 639c; man sihet schon die stadt, si vede già là città. ebenda; spricht sie auch schon von kindern, die sie haben könnte? Lessing 1, 465; schon beglänzen deine (der sonne) stralen der bäume wipfel auf den hohen hygeln. Geszner 3, 99; du willst die vorhaut aus der mode bringen, weil der barbier die deinige schon hat? Schiller räuber schausp. 1, 2;

sie kommen. da kommt schon der nächtliche graus.
Göthe 1, 226;

[Bd. 15, Sp. 1461]



schon trübet der mond sich verschwindenden scheins. 231;

verkündiget ihr dumpfen glocken schon
des osterfestes erste feyerstunde?
ihr chöre singt ihr schon den tröstlichen gesang
der einst um grabes nacht, von engelslippen klang,
gewiszheit einem neuen bunde? 12, 44;

ich höre schon des dorfs getümmel. 54;

schon sieht er wie ein nilpferd aus. 67.

irreal: mir ists als säh ich dich schon um den nichtswürdigen, den abscheulichen ... in tausend thränen ergossen. Schiller räuber schausp. 1, 1.
β) mit beziehung auf dauer in der vergangenheit: das schiff war schon mitten auff dem meer. Matth. 14, 24; Pilatus aber verwunderte sich, das er schon tod war. Marc. 15, 44; fanatische eiferer sahen ihn (Gustav Adolph) schon mit einer armee über die alpen klimmen und den statthalter Christi selbst in Italien entthronen. Schiller 8, 223;

schon stand im nebelkleid die eiche
ein aufgethürmter riese da.
Göthe 1, 75;

schon lag das ganze haus im stillen. 242.

mit ungewöhnlicher wortstellung:

schon um die linde war es voll. 12, 54.


c) einer aussage gegenüber, die vollendung oder eintritt einer handlung, eines zustandes betrifft, drückt man die verwunderung über die schnelligkeit derselben oft durch ein einfaches fragendes schon? aus Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 639b: Louise. mir wird sehr übel .. Ferdinand. schon? Schiller kab. u. liebe 5, 7. auf eine mit schon so gestellte frage wird die negative antwort mit noch nicht gegeben: hast du es schon gethan? noch nicht. noch erscheint als gegensatz zu schon, wenn eine andere handlung, ein anderer zustand dauert, der erst beendet sein musz, ehe die mit schon bezeichnete eintreten kann: da lobet ich die todten, die schon gestorben waren, mehr denn die lebendigen, die noch das leben hatten. pred. Sal. 4, 2;

er ist noch heide mit den seinen,
und sie sind schon Christen und getauft.
Göthe 1, 242,

auch bei regelmäsziger wiederkehr desselben zustandes:

es ist morgen
und ihre königliche majestät
noch angekleidet oder schon.
Schiller dom Karlos 3, 4.


d) schon in verbindung mit anderen zeitlichen bestimmungen der aussage.
α) mit solchen, die den zeitraum, den zeitunterschied zwischen eintritt des ausgesagten und der gegenwart oder einem andern zeitpunkt angeben: nun hab ich zehen jahr in frembden ländern zugebracht, liege auch schon zwanzig jahr zu hause. Weise erzn. 37 neudruck; schonlängst, jam diu Stieler 1910; schon von kleinen auf, jam inde ab incunabulis. ebenda; schon von der jugend an, jam usque a puero Steinbach 2, 489; wir haben dieses schon lange vor uns, jam dudum isthaec tractamus. ebenda; es ist schon lange, dasz, jam diu est, quum. ebenda; wir haben schon lange nichts neues erfahren, jam diu nihil novi ad nos adfertur. ebenda; sie waren schon länger als eine stunde bemüht, jam amplius hora moliebantur. ebenda; schon seit monaten sind wir in éinem hause, und warten auf einerley glück. Lessing 1, 387; schon seit vier jahren hat man nicht die geringste nachricht von ihm. 468; schon von der zeit der blyhte bis zu der ernde-zeit hatt' ihn die liebe gepeinigt. Geszner 2, 25; ich will dir was ins ohr sagen Moor, das schon lang mit mir umgeht. Schiller räuber schausp. 1, 2;

mich freut sie lange schon.
Göthe 1, 69;

schon seit manchen schönen jahren
seh' ich unten schiffe fahren. 101;

stürze dich (sonne) eilig ins meer, um morgen früher zu sehen,
was jahrhunderte schon göttliche lust dir gewährt. 282;

ich sah ihn lange schon. 12, 62.


β) mit solchen, die zur genaueren bezeichnung des zeitpunktes dienen, wo das ausgesagte statt hat: schon vorher, jam antea Stieler 1910; zu der zeit schon, eo jam tempore Steinbach 2, 489; schon damals, jam tum illis temporibus. ebenda; schon so fryhe, meine schwester! Geszner 3, 79; ich bin freylich wunderbarerweisz schon voraus beschnitten. Schiller räuber schausp. 1, 2; sie (die natur) verschwor sich wider mich schon in der stunde meines werdens. räuber trauersp. 1, 1; ich kann nicht elender werden, als ich jezt schon bin. werke 3, 566;

beide väter waren gastverwandt,
hatten frühe schon
töchterchen und sohn,
braut und bräutigam voraus genannt.
Göthe 1, 242.

[Bd. 15, Sp. 1462]



γ) die nähere verbindung, die das wort mit solchen bestimmungen eingeht, kennzeichnet sich dadurch, dasz es neben ihnen in diesem sinne auch bei futurischem prädicat stehen kann: schon in, nach drei tagen werde ich fertig sein. besonders fragend: wirst du dann schon fertig sein?
δ) wie bei adverbialen bestimmungen, so erscheint schon auch bei temporalen nebensätzen: stand nicht der kopf schon, eh noch ein glied sich regte? Schiller räuber schauspiel 1, 2; schon solange ich ihn kenne, thut er das; schon als ich ihn kennen lernte, that er das; mit ungewöhnlicher wortstellung:

doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
schon warnt mich was, dasz ich dabei nicht bleibe.
Göthe 12, 66.


ε) anders ist das verhältnis, wenn schon im nebensatze selber steht, wo es den früheren eintritt des darin ausgesagten gegenüber dem hauptsatze bezeichnet: und nach dem abendessen, da schon der teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins herz gegeben, das er jn verrhiete, wuste Jhesus, das jm der vater hatte alles in seine hende gegeben. Joh. 13, 2; durch den glauben opfferte Abraham den Isaac, da er versucht ward, und gab dahin den eingebornen, da er schon die verheissung empfangen hatte. Ebr. 11, 17.
ζ) verschieden von δ sind gleichfalls fälle, in denen ein mit als eingeleiteter nebensatz einen fortschritt in der erzählung darstellt, ein neues verspätetes oder unerwartetes ereignis einführt, dem gegenüber das im mit schon modificierten hauptsatze ausgesagte als wider erwarten früh eingetreten erscheint:

schon schien die list dem juden als gelungen,
als der betrieger schnell sich selbst gefangen sah.
Lessing 1, 33.


η) in gleichem sinne wird einem mit schon modificierten hauptsatz ein anderer mit da eingeleiteter gegenüber gestellt:

schon war ich hinein (in den garten); da sah ich zum glücke den oheim
neben den stöcken, bemüht hin sich und her sich zu drehn.
Göthe 1, 284.


θ) in einer paratactischen verbindung zweier sätze, von denen der erste mit kaum, der zweite mit schon modificiert ist, bezeichnet der letztere den wider erwarten frühen, unerwarteten eintritt eines zustandes, einer handlung kurz nach dem eintritt des im ersten ausgesagten: kaum beschien die morgen-sonne das bemosste dach, so waren alle schon wieder versammelt. Geszner 2, 75; kaum hat die schwalbe ihren gesang angefangen, der fryhe hahn hat kaum noch den morgen gegrysst, und du bist schon in den thau hinausgegangen. 3, 79;

kaum bist du sicher vor dem gröbsten trug,
kaum bist du herr vom ersten kinderwillen,
so glaubst du dich schon übermensch genug,
versäumst die pflicht des mannes zu erfüllen!
Göthe 1, 5.

ähnlich steht bei wiederkehrenden ereignissen im vordersatze nur mit vorangestelltem verbum und im nachsatze schon:

reift nur eben der sommer die früchte,
denkt sie an vorrath schon für den winter. 342.


e) schon in verbindung mit näheren bestimmungen, die die wiederholung der handlung angeben: schon etliche mahl, jam aliquoties Steinbach 2, 489; ich bin schon so oft da gewesen. Adelung;

seht, er läuft zum ufer nieder;
wahrlich! ist schon an dem flusse,
und mit blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem gusse.
schon zum zweytenmale!
Göthe 1, 238.


f) zur hervorhebung überhaupt gegenüber ausgesprochener oder angenommener geringerer erwartung, geringerer meinung von etwas.
α) den übergang vermittelt neben den unter d und e erwähnten auch ein gebrauch von einem prädicat, bei dem das unerwartete sowol in der kürze der zeit bis zum eintritt als in dem geringen masz der bedingungen dafür liegt: ich sehe schon, woran ich mit dir bin. Lessing 1, 484; ich rieche den braten schon. Schiller räuber schausp. 3, 2. es ist schon gut, schon recht; ironisch: habt euch selbst verrathen. so ist's schon recht. Göthe 14, 299;

nur nicht so stolz! es ist schon gut! 12, 51.

auch kurz schon recht, schon gut:

Alba. zwei worte, gnäd'ger prinz.
Carlos. ganz recht — schon gut — ein andermal.
Schiller don Carlos 2, 5.


β) in näherer verbindung mit anderen einzelnen satztheilen: wenn ihr gesichte auch das schönste ganz und gar nicht wäre, so würden sie doch schon ihre manieren zu der angenehmsten

[Bd. 15, Sp. 1463]


person unter der sonne machen. Lessing 1, 465; in der folge aber fand sichs, dasz schon allein die dramatische methode auch ohne hinsicht auf theatralische verkörperung, vor allen gattungen der rührenden und unterrichtenden poesie einen vorzüglichen werth habe. Schiller 2, 4; ist doch schon manches universal-genie, das die welt hätte reformiren können, auf dem schindanger verfault. räuber schausp. 1, 2; eckelt dir schon von dem matten gemälde? 1, 3; schon die politik könnte sie zwingen wort zu halten. 2, 3;

das wort erstirbt schon in der feder.
Göthe 12, 87.


γ) bei nebensätzen: schon dasz du das sagst, ist ein frevel; schon wenn du dies thust, bin ich zufrieden. mit vorbereitendem demonstrativpronomen: glaubt ihr nicht dasz er das schon für verzeihung nehmen werde, wenn ihr ihn noch eines eigenhändigen schreibens werth haltet? Schiller räuber 1, 1. mit folgender steigerung:

ach, schon wird es so schwer, der könige schande verbergen! ...
schwerer wird es nun mir, ein schönes geheimnisz zu wahren.
Göthe 1, 291.


2) schon im sinne von 'gewisz, freilich, allerdings'.
a) dieser gebrauch fügt sich eng an den vorigen an, ist aber jedenfalls auch im unmittelbaren anschlusz an die zu grunde liegende bedeutung 'völlig, abgeschlossen' entwickelt. es wird hier eine thatsache schlechthin der gegentheiligen, anderer erwartung, ausgesprochenem oder angenommenem zweifel gegenüber hervorgehoben: es wird sich schon schicken. Weise erzn. 53 neudr.; gehet nur voran, ich will schon nachfolgen, passate avanti, iò seguirò già Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 639c; ich will ihn schon krigen, io lo trovarò acchiapperò, coglierò già. ebenda; ich will euch schon bezahlen, io vi pagherò già. ebenda; das thue ich schon nicht, questo non lo farò già. ebenda; wir wollen heute schon noch eins werden. Gellert bei Adelung; ich will es ein ander mal schon wieder einbringen. derselbe ebenda; ich weisz schon, wie junge leute sind. derselbe ebenda; jetzt wird ihm ein armes mädchen angehangen, und das arme mädchen, um dankbar zu seyn, wird auch schon wissen, wie es sich gegen den vormund verhalten musz. Lessing 1, 476; ich will meine dinge schon machen. Weisze bei Adelung; sie können einander schon heurathen. Adelung; es wird schon reichen. ebenda; es wird schon gehen. Campe; wir wollen schon sehen. Schm.2 2, 426; es wird schon werden. ebenda; das ist schon wahr. ebenda; das ist schon ein rechter spitzbueb. ebenda; chunst (kommst du)? jo i chume schó, freilich, gerne Hunziker 229;

wer wahrheit liebt, den menschen nützt,
sich selbst beherrscht, die tugend schützt,
der ist schon werth gekrönt zu werden.
Günther bei
Steinbach 2, 489;

sein einziger son der bin ich ja schon.
Uhland volksl.2 527 (nr. 259), 5;

wir wollens am alten schon rächen.
Bürger 61b;

ich meine,
wir wollten uns schon selbst zu schirmen wissen.
Schiller Tell 1, 4.


b) bisweilen wird durch schon etwas als richtig zugegeben, zugleich aber auf einen einwand, einen gegensatz, einen widerspruch vorbereitet, der in einem mit adversativer partikel eingeleiteten satz ausgesprochen wird, ein gebrauch, den Adelung als 'im hochdeutschen fremd, und besonders den Nidersachsen geläufig' bezeichnet: es ist schon wahr, aber. Adelung; schon recht, schon recht — aber, wenn er nun kommt mit der larve des heuchlers, euer mitleid erweint, eure vergebung sich erschmeichelt? Schiller räuber schausp. 1, 1;

Nathan. dann, Daja, hätten wir ein neues (haus) uns
gebaut; und ein bequemeres.
Daja. schon wahr!
doch Recha wär' bey einem haare mit
verbrannt.
Lessing 2, 191.


c) tritt so das mit schon modificierte gegenüber dem gegensatz zurück, so ist das noch mehr der fall, wenn der vordersatz mit schon conjunctivisch gewendet wird: das ginge schon an, aber ..
d) daran reiht sich schon im verein mit der dem fragesatz gleichen wortstellung zur bezeichnung eines concessiven nebensatzes: musz ich schon kümmerlich leben, so .. Adelung;

hast du dir schon allhie sonst können nichts erwerben;
dein eignes und dich selbst fast drüber eingebüst,
sei dennoch unbetrübt.
Fleming 107.

ungewöhnlich ist die folgende satzstellung:

gleichwol habt ihr jhn gehabt,
ist er schon hinweg getragen. 342.

[Bd. 15, Sp. 1464]


auch im mnd. wird schon ähnlich verwandt: die schone better wisten, die moisten stil schweigen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 115a.
e) häufiger und bereits im hochd. des 16. jh. völlig entwickelt ist schon in verbindung mit conditionalem ob oder wenn zur bezeichnung eines concessiven verhältnisses, vgl. DWB ob 4, c oben theil 7, 1057 und wenn unten. mnd. oft, eft schone Schiller-Lübben 4, 115a, nnd. ofschoon, ofschoonst, wenschoonst brem. wb. 4, 671, auch of schöners, wen schöners 672, in den XIII comuni bi (wie) schoan cimbr. wb. 228b.
 
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schön, m. pulcher, gemeingermanisches wort, mhd. schœne, verkürzt schœn Lexer mhd. handwb. 2, 768, ahd. scôni, älter scaoni Graff 6, 512. 513, alts. skôni, mnd. schône, schôn Schiller - Lübben 4, 114a, nnd. schôn, schön, mndl. schône, schôn, nndl. schoon, altfries. skêne, schên, schôn Richthofen 1026, ags. scîne, sciéne, scéne, sceóne, scióne, skŷne Bosworth-Toller 833a, mittelengl. schene, neuengl. sheen Skeat2 546a; goth. skauns (belegt skaunjai, ὡραῖοι Röm. 10, 15 und ibnaskaunjamma, σύμμορφον Phil. 3, 21); altnordisch unbezeugt, schwed. skön und dän. skiøn sind vielleicht aus dem niederd. entlehnt. J. Grimm vermutete zusammenhang mit scheinen kl. schr. 3, 300. 7, 273; in neuerer zeit hält man schauen für urverwandt Fick3 3, 336. Kluge etym. wb.5 335, wo noch altnord. skjóne, apfelschimmel und skjóme, strahl verglichen werden. näher scheint lit. szaũnus, 'trefflich, gut' zu stehen. wie im mnd., so widerstrebt das wort auf md. sprachgebiet lange dem umlaut, der oberd. schon im 13. jh. überwiegt (vgl. Weinhold mhd. gramm.2 § 111 und 116), und unumgelautete formen halten sich besonders hier bis in die nhd. zeit hinein: in der zeit wird des herrn zweig lieb und werd sein, und die frucht der erden herrlich und schon. Jes. 4, 2;

o Christe lieber bräutgam schon (: thron).
B. Ringwald ev. D 2b;

von einem megdlein schon (: krohn). D 4b.

das adverb hat den historisch berechtigten unumgelauteten vocal (ahd. schôno Graff 6, 515, mhd. schône Lexer mhd. handwb. 2, 768) nur in dem in besonderer bedeutung ausgebildeten nhd. schon bewahrt, sonst ist es formell mit dem adj. zusammengefallen. weiteres darüber unter schon. das ô des adj. weicht ahd. bisweilen in uo aus. Graff 6, 513. Braune ahd. gramm. § 45, anm. 5, später gelegentlich in û: item nicht lanck noch dem kryg do kom ein grosze güsz und flosset die prucken alle weck und ging uncz herauf zu dem schun prunnen. d. städtechron. 2, 352 (15. jh.); summa summarum als auszgebens dicz vergangen jars .. fur ein schun kallter (schrank) 18 fl. Anton Tucher haushaltb. 106 Loose, auch in ou: md. wil dat bedde da gemaht were so scoun ont so herlih. quelle des 13. jahrh. in Wackernagels altd. leseb.2 775. nebenformen zu dem regelmäszigen umgelauteten schœne, schön sind schênne, schên Lexer mhd. handwb. 2, 768: ein schen grab mit vil lichten die prunnen. d. städtechron. 2, 29, 9 (15. jahrh.), heute sächs.-düringisch scheene Albrecht 198b, oberd. schèə~ Schm.2 2, 427, schean Schöpf 643. Lexer kärnt. wb. 225; weiter schün, schüen (vgl. oben schûn): dem stelt man ein kuffen zu dem schün prunnen. Tucher baumeisterb. 303, 18; item adi 9 augusto das confentt czu sant Clarn vereret mit 2 schün stabkerczen mit cziburgen (ciboria). A. Tucher haushaltb. 125 Loose;

ich gib euch (jungfrau) hutzeln dürr und grün,
wann ir seit gemait und schün. fastn. sp. 614, 14,

ebenso heute mundartlich schüen Lexer kärnt. wb. 225, ähnlich schian Schöpf 643. Hintner 216, schiene Schultze 43b; daneben auch schein (vergl. oben schoun): neben ander, so dozumal fürgieng, hett herr Gottfrid Wernher ain schein pferdt, das über die massen wol sprange. Zimm. chron.2 2, 381, 36, ebenso in heutigen mundarten Schröer 204a, schaə~, schoi', schêi~ Schm.2 2, 427. formen mit erhaltenem end-e begegnen noch im früheren nhd. häufiger: lieblich und schöne sein ist nichts. spr. Sal. 31, 30; sihe, meine freundin, du bist schöne. hohel. 1, 15; und sie wunderten sich, das sie so schöne war. Jud. 10, 8; denn wie bewust ist, dasz er unserm frauenzimmer ein recept aufgeschrieben, wie man schöne werden kan. Chr. Reuter Schlamp. 100 neudruck; nur ihr allein blieb es unbewuszt dasz sie so schöne war. ehe eines mannes 155; vielleicht adverbial gedacht:

dasz einem wahren freünd auch an der seinen schaar
das laster häszlich scheint, und nur die tugend schöne.
Drollinger 111.

in adverbialer fügung hält sich die vollere form länger, so in dem substantivisch gebrauchten schönethun: ich war so ziemlich

[Bd. 15, Sp. 1465]


auf dem wege mit jüngeren freunden, wo nicht auch mit älteren personen, in ein solches wechselseitiges schönethun, geltenlassen, heben und tragen zu gerathen. Göthe 25, 295. familiär wird schöne auch heute noch als adverb nicht selten gebraucht: da bist du schöne dumm gewesen, und einzelne mundarten kennen es noch in adjectivischer verwendung. vgl. das oben angeführte düringische scheene, schiene.
bedeutung und gebrauch. die grundbedeutung des wortes scheint der mutmaszlichen etymologischen verwandtschaft mit schauen gemäsz (s. das formale) 'anzuschauen, anschaubar, sichtbar' zu sein. zur weiteren stützung dieser annahme lassen sich das schon oben erwähnte goth. ibnaskaunjamma, σύμμορφον Phil. 3, 21 und das substantivische guþaskaunein, μορφῇ θεοῦ 2, 6 anführen, wo die vorlage einen indifferenten begriff bietet. man hat daher auch auf ein goth. *skauns, aussehen, gestalt geschlossen Kluge etym. wb.5 335a. es bleibt aber zu bedenken, dasz es sich in den beiden stellen um den verklärten Christus handelt, dasz also der übersetzer hier vielleicht den indifferenten begriff durch einen prägnanten hat ersetzen wollen, der der Röm. 10, 15 belegten bedeutung ὡραῖος des simplex nahe stehen würde. vgl. Bernhardt Vulfila 511. 517, wo 'gleichschön' und 'gottesschönheit' übersetzt ist.
1) besteht wirklich etymologischer zusammenhang mit schauen, so ist die ursprünglich indifferente bedeutung prägnant geworden, indem das wort bezogen wird auf das, was in die augen fällt, auf glanz, helligkeit, klarheit.
a) glänzend, leuchtend:

zi in quam boto scôni,engil scînenti.
Otfrid 1, 12, 3;

gisiuni sîn was, wunna!sô scônaʒ io, sô sunna;
in wîʒes snêwen farawîsô was al sîn gigarawi. 5, 4, 31;

ich (Lucifer) werde widder als ee
viel schoner dan die sonne. Alsfeld. passionsspiel 173.

der vergleich mit der sonne in den beiden letzten stellen legt nahe, auch schön in beziehung auf die gestirne so aufzufassen, obschon seine bedeutung hier heute meist im sinne von 2 gefaszt wird: demo scônen sternen. Graff 6, 514; ein sterne der was schôner unde liehter denne dehein sterne den got gescaffen hete. quelle im mhd. wb. 2, 2, 191a; (im bilde:) wie bistu vom himel gefallen, du schöner morgenstern? Jes. 14, 12;

thuo warð it kûð oar al,
hwô thiu sunna warð gisworkan,ni mahta swigli lioht
skôni giskînan. Heliand 5628;

si (die heil. 3 könige) zaltun seltsânijoh zeichan filu wâhi,
wuntar filu hebigaʒwanta êr ni hôrta man thaʒ,
thaʒ io fon magadburtiman giboran wurti;
inti ouh zeichan sîn scônaʒin himile sô scînaʒ.
Otfrid 1, 17, 18;

ein smâreides was der stein:
ûʒ iegelîchem orte schein
ein alsô gelpfer rubîn,
der morgenstern möhte sîn
niht schœner, swenne er ûf gât
und in des luftes trüebe lât.
Hartmann v. Aue Iwein 627;

teugentlîch nym war,
bie sich verschart
der sterne gart
in der schœnen haittern klâren sunne glantz.
Oswald v. Wolkenstein 44, 1, 11;

o Luciper, du werest der schonen sonnen glancz. Alsf. pass. 234 Grein;

sie (die sonne) hofft' ich nach der trübe doppelt schön.
Göthe 1, 4.

ähnlich: er wird erfur brechen wie die schöne morgenröte. Hosea 6, 3. entsprechend adverbial: wie schön glänzt uns die morgen-sonn' entgegen! Geszner 1 (1762), 176;

wie schön leuchtet der morgenstern.
Ph. Nicolai;

scheint die sonne noch so schön,
einmal musz sie untergeh'n!
Raimund (1891) 1, 269.


b) allgemeiner, hell, klar: schön, häll, serenus Dasypodius, ebenso mnd. schone vel clar, serenus Schiller - Lübben 4, 114a.
α) so ursprünglich in der heute oft im sinne von 5 gefaszten anwendung vom wetter, schön wätter, heyterer himmel, caelum serenum, sudum, bona tempestas, coelum gratum, temperatum, aer temperatus Maaler 360b, schön still wetter, beau temps Hulsius (1616) 288a, schön wetter, serenitas, sudum Stieler 1754, imperturbata lux Frisch 2, 219a, schönes wetter, serenum cœlum Steinbach 2, 490. Adelung; (im bilde:) in demo scônen wetere, sô sint nu gewahsen flores virtutum. Williram 39, 7; es schickt sich ains tags, als es schön wetter war, das sie alle .. spazieren giengen. Zimm. chron.2 2, 337, 8; es ist vier wochen nach einander schön wetter. Colerus (1680) kalend. 89b; wann's regnet, und die regenwürme unten an der erden kleine häufflein

[Bd. 15, Sp. 1466]


erden neben einander auffwerfen, so wirds schön wetter. 124b; es mag schön oder häszlich wetter seyn, meine gewohnheit bleibt auf jeden fall um fünf uhr abends im palais royal spazieren zu gehen. Göthe 36, 3;

than sia (die bäume) brustiat endi blôiatendi bladu tôgeat,
lôf antlûkid,than witun liudiô barn,
that than is sân after thiusumer ginâhid
warm endi wunsam,endi weder skôni. Heliand 4345;

ihr (der rose) antlitz sticht das schönste wetter
und selbst Aurorens wangen hin.
Günther 330.

bildlich, um schön wetter bitten, um gnade, geneigtheit: aber ich bat umb schön wetter, dasz ich nur zum fasse und hause hinausz kam. Weise erzn. 171; Ludovicus Balbus bate so fort nach seines vaters ableben bei Ludovico Saxono um schön wetter. Hahn hist. (1721) 1, 252. schöne heitere, wenn es nit trüblächt ist, wenn der lufft klar und heiter ist, unnd one gewülck, imperturbata lux Maaler 360b, niederd. lücht: de lücht is nët so schôn, dat d'r gên wulkje an tô sên is. ten Doornkaat Koolman 3, 134a. es ist, wird schön, klares, schönes wetter: dô was eʒ xii wuchen an einander schœn, daʒ eʒ einen tropfen nie geregnote. quelle im mhd. wb. 2, 2, 191a; es wird heut schön werden, farà bello, bel tempo hoggi Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b; es wird wieder schön, il tempo si rimette su'l bello. ebenda. mit dem zusatz am himmel: am himmel wirds schön durch seinen wind, und seine hand bereitet die gerade schlangen. Hiob 26, 13. ein schöner tag, una bella giornata Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b; schöne nacht, schöner morgen, abend u. dergl.: des abends sprecht jr, es wird ein schöner tag werden, denn der himel ist rot. Matth. 16, 2; es ist sonst heute ein schöner tag, und die sonne scheinet heisz. Heinr. Jul. v. Braunschweig 54 Holland; an einem schönen morgen sasz das mädchen im hain. Geszner 3 (1762), 99; ebenso werden sie (die frauen) von dem weltgebäude nichts mehr zu kennen nöthig haben, als nöthig ist, den anblick des himmels an einem schönen abende ihnen rührend zu machen. Kant 7, 409;

de dach was schone, dat weder klar. Reinke de Vos 8 Prien;

wie ergetz' ich mich im kühlen
dieser schönen sommernacht!
Göthe 1, 46.

von hier aus verallgemeinert und völlig verblaszt: eines schönen tages, eines tages. anders in älterer sprache schöner tag, hellichter, clara lux, im gegensatze zur dämmerung, nacht: daʒ suln si aber tun bi schönem tage vor ir türe offenlichen an der strâʒe. Schwabensp. 214, 7 Gengler; sullen eineme beseʒʒenem manne vor gebieten di wîle iʒ schône tac ist. quelle im mhd. wb. 2, 2, 191a; daʒ he daʒ guit gekôpht habi rechte und redelîche bî schônime tage unde bî schîninger sunnen. quelle ebenda; ouch sol man, weder burger noch gädemler, kein korn niht koufen bî der naht, wan niur bî schœnem liehten tage. quelle in Haupts zeitschr. 6, 415; swe enen kop vorkoft, de mach den nicht wederspreken; men de den kop koft, de mach ene wederspreken by sconen dage unde by schyner sunnen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 114a. vielleicht noch so: der schön heyter und klar tag, almus dies, clara dies Maaler 360b, vgl. Haltaus 1641 und Schm.2 2, 428. wol von hier aus freier: von kauffn .. auff schonem freym markt. quelle bei Haltaus 1641, im gegensatze zum unreellen winkelgeschäfte.
β) schön edelgestein, so klar das man dardurch sähen mag, lapides clari Maaler 360b: unter seinen (gottes) füszen war es, wie ein schöner saphir, und wie die gestalt des himels, wens klar ist. 2 Mos. 24, 10.
γ) von flüssigkeiten, wie 'lauter': thu schönen lauttern essig in einen schönen kessel. quelle bei Schmeller2 2, 428; nim ain schones wasser in ain schone schussel. quelle ebenda; ein  gar schöns regenwasser. quelle ebenda. nd. wîn schoon maken, klären Schütze 4, 58, vgl. DWB schönen. in diesem sinne auch schöner born, lauterer quell: ists nicht gnug, das jr so gute weide habt, und so uberflüssig, das jrs mit füssen trettet, und so schöne börne zu trincken, so uberflüssig, das jr drein trettet und sie trübe machet? Hesek. 34, 18; nun hat es hinder dem schloss .. ain schönnen bronnen. Zimm. chr.2 2, 337, 12. der schöne brunnen in Nürnberg und das österr. Schönbrunn haben ihren namen wol in diesem sinne erhalten.
δ) unsinnlich, wie 'klar, deutlich':

thiz sint buah frôno:sio zeigônt filu scôno,
uns zellent se âna bâgathie Kristes altmâga.
Otfrid 1, 3, 1;

dasz sag mir offenbar und schon! fastn. sp. nachl. 248, 19 Keller.

[Bd. 15, Sp. 1467]



c) in die bedeutung 'klar, rein' übergehend. zwischen a und c vermittelt schone als ein spigelglas, von einem schwerte, bei Adelung aus einer alten quelle angeführt. ganz im obigen sinne zeigen es dann die folgenden wendungen: ein schœn tûch. quelle bei Lexer mhd. hdwb. 2, 768; schöner kessel, schone schussel. quellen bei Schm.2 2, 428 (s. b, γ); nim ain schönes schaff. quelle ebenda; in einer schonen phannen wellen, durch ein schones tch sihen in ein schön püchsen. quelle ebenda; mit schone handen anpakken. ten Doornkaat Koolman 3, 134a; de schöttel ist schôn, rein, auch 'leer' ebenda. ein schön hemd anlegen, mettersi una camiscia bianca, netta Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 638a; 'n schôn hemd antrekken, bildlich 'seine schulden tilgen durch zahlung oder bankerott' ten Doornkaat Koolman 3, 134a. in der niederdeutschen seemannssprache vom wasser oder einer küste ohne untiefen: is en grote golfe unde is schone. seebuch 8, 2; by oesten mach he setten up 8 oft up 10 vadem up enen bogenschote na, wente de cape is al schone. 5, 21. schon machen und subern, mundare Dief. 371b (von 1515); niederd. schoon maken, rein machen, putzen. brem. wb. 4, 670. ten Doornkaat Koolman 3, 134a: es schön machen vor seiner thür. Kramer deutsch - ital. diction. 2 (1702), 638a; die gassen schön, i. e. die leute in die häuser lauffen machen. ebenda; vom putzen, fegen des schwertes: de raet hedde eyn groit swert tor make gebracht und leyten dat schonemaken. quelle bei Schiller-Lübben 4, 116a; ähnlich in der folgenden bildlich gebrauchten wendung: er soel eym schultheissen von des vougts wegen sin messer schön machen, das ist, sin imbʒ (imbis) bezalen. quelle bei Scherz - Oberlin 1430. schön machen, etiam obscoena est locutio, notatque nates lambere Stieler 1754. in Caub macht man auch das korn schön, reinigt es Kehrein 1, 365. alemannisch in der kindersprache: es schöns büebeli, meiteli machen, den knaben, das mädchen waschen Hunziker 229. Seiler 263a. in gleicher syntactischer fügung niederd. 'n schôn schap maken, den schrank reinigen oder ausräumen ten Doornkaat Koolman 3, 134a; in der seemannssprache schön deck machen, abfegen und abspülen Bobrik 608b; schön schiff machen, die seiten des schiffs über dem wasser nach einer seereise abschrapen, abspülen und neu theeren. ebenda. niederd. schôn lei (rechentafel) mit'n ander maken, mit einander abrechnen ten Doornkaat Koolman 3, 134a. tirol. schön (schiən) machen in besonderem sinne, von der kuh, sich von der nachgeburt befreien Hintner 216, vgl. DWB schöne, formales. nd. sprichwörtlich: mâk dy êrsten schône! disce quid in tergo pendet, tua lumina terge Tunnicius 485. auch sonst bildlich sich schön machen, wie 'sich weisz waschen, rein brennen, entschuldigen, in günstiges licht setzen' Schm.2 2, 428. Schöpf 643. Frischbier 2, 311a: o du faltscher verretter, du woltest dich gern schön machen. Morgant d. riese 336, 28 Bachmann; mit abhängigem genetiv: dann er vormals auch etlicher geübter händel halb vom könig Ludwig berüchtigt ward. desz sich der cantzler z Nürnberg vor xv prelaten entschüttet und schön macht. Franck chron. (1531) 194b;

doch hôrte man der sachin
den pâbist sich schône machin
in dem concilio darnâch,
daʒ zu Rôme dort geschach.
Nic. v. Jeroschin 25265 Strehlke.

sich mit etwas schön machen, damit entschuldigen: (man hat kinder geopfert) vermeynend sich mit dem Abraham schön zu machen, gleich als gefalle es gott überausz wol, so ein vatter sein vätterlich affect überwindt, und ein so grosz werck umb gottes willen fürnimpt, das er seyn eygen fleysch und blt gott auffopffern darff. Franck weltb. 21b. ebenso schön sein mit genetiv: das sie so grundtbösz bben, falsch propheten .. waren und nit sein wolten, sondern alles liegens, triegens und untugent schön sein. Franck parad. 41b. schön von etwas: die wile der mensche junc ist, so ist er schone von den snden. Schönbach altd. pred. 1, 15, 5;

van allen vlecken bistu schone. quelle bei
Schiller-Lübben 4, 114a.

schön (schone) ohne weiteren zusatz heiszt dann auch 'schuldlos': so sullen di boten bekennen daʒ he ein schône man sî und daʒ man in nicht volbrengen muge. quelle im mhd. wörterb. 2, 2, 191b; he blîbet ein schône man zu rechte, darumme daʒ si ân rede und âne recht gesûchet haben. quelle ebenda; wenne ich gefengnisze geleden habe von unschult unde ich der brive nicht gefuret habe obir grenicze, sundir ich dornoch gesant habe und ich stehe hy als ein schoner man,

[Bd. 15, Sp. 1468]


der ny obirwunden ist mit keynen boszen dingen. Magdeb. fragen 3, 9, 2 Behrend.
d) hell, weisz: schön weitzenbrodt, beau pain blanc Hulsius (1616) 238a, schön - brood, eine art weiszbrod mit zwei spitzen und zwei stumpfen enden. brem. wb. 4, 672, in Hessen nach Vilmar 56 bis in die zweite hälfte des 17. jahrh. üblich, schon mhd. schœneʒ brôt, schœn brôt Lexer mhd. handwb. 2, 767 und 768 und mnd. schon(e) brod Schiller-Lübben 4, 115b. so nim denne schœn brot. buch von g. speise in Haupts zeitschr. 5, 13; des morgins wan dy selmesse gesungin ist, sal man kauffen dryszig schone brod unde sal dy armin ludin geben umme godis willin. quelle von 1397 bei Vilmar 56; wes hir van overlepe, dar scholden myne vormundere schonebrod vor backen laten. quelle von 1432 bei Schiller-Lübben 4, 115b; ouch so soln und woln eyn meystern und eine kostern uff den karfreytag laissen kouffen schonebroid vor eynen schilling penge zu Ebistorff und das andelagen den heilgenmeistern da selbis, das die selben heilgenmeister geben soln armen luten umb gots willen. quelle von 1434 bei Vilmar 56; zu dem ist etwan ein schwanger frawe, frembdt ader kranck mensch, der gern eins frischen ader sunst schön brots geniessen wolt. quelle von 1533 ebenda;

seht, des gie ir groʒiu nôt,
wande er kou si tägelîch vür schœneʒ brôt (hatte täglich verkehr mit ihr. vgl. Haupts zeitschr. 6, 294).
Neidhart v. Reuenthal 42, 31;

ic dede sijns nemen goede goom
van boter ende van sconen brode. Reinaert II 4461.

im gegensatz zum roggenbrod: zwelf brôt, sehs schœniu, sehs rokkîniu, XIV panes, sex siliginei et sex triticei. quelle in Haupts Neidhart 147; des ersten donredaghes in der merte sal eyn droste hebn twe schoenbroet, twe ruggenbroet. quelle bei Schiller-Lübben 4, 115b;

von strôwe kumen schaube,
dâ mite man nû decket
und in dem ofen becket
schœneʒ unde rückin (sc. brod).
König v. Odenwald 7, 17.

aber auch dem weizenbrod gegenübergestellt: welkes beckers broed ghewroghet (gerügt) worde, yd were weten eder schöne, de scolde vor iewelker broke geven dree bremer schillinghe. quelle bei Schiller-Lübben 4, 115b. als feines dem groben entgegengesetzt im nd. sprichwort: de dat schône brôt vor it, de mot dat grôve brôt nâeten, qui nitidum absumpsit, laetatur pane secundo. Tunnicius 1232. niederd. auch als scherzhafte benennung des letzten paars eines leichengefolges, 'welches etwa vor diesem mit einem schön-brood, so wie jetzt mit gelde, dazu ist erkauft worden' brem. wb. 4, 672. ähnlich niederd. schôn-, schône-, schônenrogge, brod aus gesichtetem, feinen roggenmehl Schiller-Lübben 4, 117a, hamb. schönroggen, eine art weiszen kümmelbrodes mit drei runden ecken Richey 235. auch in den folgenden stellen scheint die bedeutung 'weisz' durchzuschimmern:

die blumen gele,
hele,
hübsch geverbet,
gerbet,
praune,
schöne,
plâbe
grâbe
mangerlay.
Osw. v. Wolkenstein 35, 2, 6;

wie schön, wie weisz ist schne?
Logau 2, 55, 10;

ich erster (der heil. 3 könige) bin der weisz' und auch der schön'.
Göthe 1, 164.


e) blank, glatt: also Moysi got chad, stôʒ in dînen buôsem dîna hant, unde si ingestôʒʒeniû scône was, unde er aber chad, zie ûʒ dîna hant, unde si ûʒkezogeniû miselohtiû was. Notker ps. 73, 11; is umi abir di hant schône (von dem glühenden eisen nicht verletzt), sô scal man zu ume besigile mit wahsi. quelle im mhd. wb. 2, 2, 191a;

si sprach: 'ist schœn' der rukke mîn (trotz der erhaltenen schläge),
sô mac eʒ iu wol getroumet sin'. ges. abent. 2, 345, 303.

vielleicht auch so in der folgenden bildlichen wendung, nach Luc. 3, 5:

ist thâr wiht so sarphesodo iawiht ouh so gelphes:
iʒ wirdit in girihtîzi scôneru slihtî.
Otfrid 1, 23, 26.

ähnlich noch bei Luther: das der wein erfrewe des menschen hertz, und seine gestalt schön werde (lesart gleysse) von ole. ps. 104, 15.
2) mit der beziehung des worts auf menschen, die durch eine weisze, glatte haut und strahlende augen ausgezeichnet sind,

[Bd. 15, Sp. 1469]


wandelt sich sein begriff in folge zunehmender cultureller verfeinerung zu der bedeutung: 'durch aussehen, gestalt wolgefallen erregend'.
a) vom natürlichen gewordenen.
α) in der anwendung auf den menschen und menschlich gedachte wesen meist vom weiblichen geschlecht: scône bist tu, frûintin mîn. Williram 22, 1; sie suchten eine schöne dirne in allen grentzen Israel. 1 kön. 1, 3; man suche dem könige junge schöne jungfrawen. Esther 2, 2; und worden nicht so schöne weiber funden in allen landen, als die töchter Hiob. Hiob 42, 15; ein schön weib on zucht, ist wie ein saw mit einem gülden harband. spr. Sal. 11, 22; das ebreisch volk ist trawen nicht zu verachten, weil es schöne weiber hat. Jud. 10, 20; wende dein angesicht von schönen frawen, und sihe nicht nach der gestalt anderer weiber. Sir. 9, 8; ein schön weib, das from bleibt, ist wie die helle lampen auff dem heiligen leuchter. 26, 22; desgleichen ein schönes weib, wann sie einem mann vertrauet ist, sich befleiszet, das sie ihm allein gefalle, brauchet sie ihre schöne recht, aber unrecht, wo sie ein leichtfertig üppig leben führet. Bechius Agricolas bergwb. übers. (1557) 16b; da wont auff ein zeit ein alter reicher baur, der het ein ausz der massen schöne Österreicherin zum weib. Schumann nachtbüchl. 63, 10 Bolte; die schön und hüpsch Venus, Venus aurea Maaler 360b; schöne jungfraw, une belle fille Hulsius (1616) 288a; schön weib, luculenta, atque festiva foemina Stieler 1754; das mensch ist schön genug, satis scitum filum, i. e. lineamentum mulieris. ebenda; ein schön weibsbild, schönes bild, schönes frauenzimmer, schöne dame, schönes mägdlein, bella donna etc. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637a; eine, die schön ist, die ist reich genug, quella che nacque bella, non nacque povera. ebenda; sie ist zwar nicht schön, aber sie hat schön geld, ella non è bella, mà ella è bella incassa. 637b; und dabey nicht hager; aber auch nicht dicke. sie wissen wohl, herr vormund, beides musz nicht seyn, wenn ein frauenzimmer schön seyn soll. Lessing 1, 465; aber darf man denn wissen, wer diese schöne, liebenswürdige, galante bettlerinn ist? 467; alle welt kommt darin überein, dasz ein schönes weib das schönste unter allen werken der natur sey. Wieland 1, 174; weil dieses mädchen schön ist, und sich entschlossen hat, auf ihrer tugend standhaft zu beharren, so wollen sie ihr verfolger seyn? Schiller 3, 563;

thô ina thiu môdar nam,
biwand ina mid wâdinwîô skôniôst. Heliand 379;

heil magad zieri,thiarna so skôni,
allero wîbogote zeiʒôsto!
Otfrid 1, 5, 15;

fon in ward ouch giboraniusîn muater, magad scôniu. 1, 12, 16;

schœne unde schœne unde schœne, aller schônist,
ist si, mîn frouwe. minnes. frühling 133, 31;

eʒ wuohs in Burgondenein schœne magedîn. Nibel. 2, 1;

er hât von iu ein schœne wîp,
ein rîcheʒ lant unde den lîp
und swes ein man zer werlte gêrt.
Hartmann v. Aue Iwein 2747;

vil schiere mir zu helfe quam
ein schœne vrouwe wunnesam
und mit ir eine schœne maget,
daʒ mir sô schœneʒ nie betaget
in herzen noch in ougen wart.
Heinr. v. Freiberg Trist. 1082;

ich (Maria Magdalena) wel zieren minen lipp
want ich bin ein schones wipp. Alsfeld. pass. 1791 Grein;

es war ein schönes weibesbild.
Uhland volksl.2 186 (nr. 105), 3;

wenn ich doch so schön wär'
wie die mädchen auf dem land.
Göthe 1, 32;

nach Burgdorf kommt herauf, gewisz dort findet ihr
die schönsten mädchen und das beste bier. 12, 48;

ey! wie geputzt! das schöne junge blut!
wer soll sich nicht in euch vergaffen? 51;

beim himmel, dieses kind ist schön. 133;

schön war ich auch, und das war mein verderben. 238.

gern in der anrede gebraucht: da kam Bagoa zu Judith, schöne fraw, jr wollet euch nicht wegern zu meinem herrn zun ehren komen, und mit jm essen und trincken, und frölich sein. Jud. 12, 13; schönste gebieterin. Weise erzn. 57 neudruck;

ir schonen frauwen wol gethan,
ir moeget ewern truren lan. Alsf. pass. 7562 Grein;

kehr dich schöns lieb herumb. Garg. 28a;

ker wider, ker wider, mein schönes lieb!
Uhland volksl.2 197 (nr. 114), 3;

o schönes Käthchen! du bist gut.
Göthe 1, 23;

[Bd. 15, Sp. 1470]



was gehst du, schöne nachbarin,
im garten so allein? 122;

wohin? wohin?
schöne müllerin? 205;

ihr guten herrn, ihr schönen frauen,
so wohlgeputzt und backenroth,
belieb' es euch mich anzuschauen,
und seht und mildert meine noth! 12, 50;

mein schönes fräulein, darf ich wagen,
meinen arm und geleit ihr anzutragen? 133.

mit seltener wortstellung:

wann komst herwider, du schöns mein lieb?
Uhland volksl.2 201 (nr. 116), 3.

die schöne, meine schöne substantiviert: stant ûf, frûintin mîn, îlego, mîn tûba, mîn scôna, unte kum. Williram 38, 2; stehe auff meine freundin, meine schöne, und kom her. hohel. 2, 10; ach wertheste schöne, sie vergebe meinem kiel, dasz er die feuchtigkeit seines schnabels an ihrem ruhm wetzen will. Weise erzn. 57; o du meine schöne! o mia bella! Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 638b; die schönen lieben, besuchen, bedienen etc., amare, visitare, praticare, servire etc. le belle. ebenda; eine schöne von sechzehn jahren würde vielleicht etwas weniger stolz seyn, wenn sie die bilder ihrer vierzigjährigen mutter, und ihrer sechzigjährigen groszmutter betrachtete. Rabener 4 (1764), 156; Syrakus hatte schönen, welche so gut als Danae den Polykleten zu modellen hätten dienen können. Wieland 3, 97;

der gê nâch der schônen,
diu mit ir krônen
gie von hinnen abe;
daʒ si mir ze trôste kome,
ê daʒ ich verscheide. minnes. frühling 129, 28;

iedoch wart hier under
sîn varwe sô verwandelt
und alsô missehandelt
daʒ sîn diu schœne wart gewar.
Konrad v. Würzburg Engelh. 1985;

stolzer schönen grausamkeiten
sind noch immer ungemein.
Hagedorn 3, 56;

und ihres holden kusses
vergiszt die stolze schöne. 67;

ich schlief in einem garten,
den ros' und myrthe zierten,
in dem drey holde schönen
den halbentblöszten busen
mit frischen blumen krönten. ebenda;

die schöne folgt mit leichten zephyrfüszen.
Wieland 9, 14;

spröde damen mit der kalten tugend,
blonde schönen mit dem leichten mut!
Schiller 1, 186;

so hab' ich wirklich dich verloren,
bist du, o schöne, mir entflohn?
Göthe 1, 67;

die schöne. der äpfelchen begehrt ihr sehr
und schon vom paradiese her. 12, 215.

mit starker flexion: vielleicht würde sie über diese groszmütterlichen runzeln manchmal ernsthafte gedanken bekommen, welche einer jungen schöne sehr erbaulich seyn können. Rabener 4 (1764), 156;

Leander stimmet süsze töne,
und singt und seufzet seiner schöne,
bis ihr das ohr fast gellt.
Hagedorn 3, 32;

tanzt daher, am arm der schöne,
der ein treuer busen fröhnt.
Hölty 131, 9 Halm;

hier that mit seiner schöne
der herr sich trefflich bene.
Bürger 23b.

in gleicher anwendung die schönste, schönste!, mit partitivem genetiv oder ähnlichem zusatz: welîch ist der dîn trût vone trûte, aller wîbo scônesta? Williram 86, 2; dem zarten edeln ölpaum geleicht sich diu schönist ob allen frawen in der geschrift. Megenberg 336, 28, aber auch ohne solchen:

beim spiel und tanze werden mir
die schönsten immer winken.
Bürger 11a;

die schönste war geschmückt
mit einem leichten kleide
von rosinfarbner seide. 21b;

Amorn bemerkte sie nicht: er schlich bei seite; den helden
bracht' er mit weniger kunst unter der schönsten gewalt.
Göthe 1, 288;

schönste, du hast mir befohlen.
dieses thema zu glossieren.
Uhland (1864) 149.

die schönheit gilt als besonders dem weiblichen geschlecht eigen: einsmals nun ware ein gewiszer von der jägerey eben gegenwärtig, da ich einen hirsch zerwirkte, und dieser nennte das gehörn schön. darauf sprach mein lehr - prinz: mädel sind schön, das gehörn aber gut. Heppe wohlr. jäger (1763) 154b;

[Bd. 15, Sp. 1471]


das zarte weibesvolk mag wol nach schönheit trachten;
und sich drum höher achten,
an männern siehts nicht fein,
denn jene sollen schön, und diese häszlich sein.
Grob 143.

es heiszt das schöne geschlecht Adelung: derjenige, so zuerst das frauenzimmer unter dem namen des schönen geschlechts begriffen hat, kann vielleicht etwas schmeichelhaftes haben sagen wollen; aber er hat es besser getroffen, als er es wohl selbst geglaubt haben mag (der ausdruck wird dann tiefer gefaszt, auf das ganze wesen des weiblichen geschlechts bezogen und diesem das männliche als das edle geschlecht gegenübergestellt). Kant 7, 405; das schöne geschlecht war ihm gleichgültig. Schiller 4, 197; diese göttinnen (die Grazien) wurden also von ihnen (den Griechen) zwar als begleiterinnen des schönen geschlechts vorgestellt, aber doch als solche, die auch dem mann gewogen werden können. 10, 66;

zuletzt — mein schön geschlecht, gesagt zu deinen ehren!
liesz sie (Europa) — von wem? — vom bullen sich bethören.
Lessing 1, 3.

in gleichem sinne die schönen: die schönen können den Cartesius seine wirbel immer drehen lassen, ohne sich darum zu bekümmern. Kant 7, 407. sprichwörtlich: es ist leicht eine schöne frau zu bekommen, aber schwer schön zu behalten. Simrock 433, 9175, ebenfalls wol zunächst von der frau gemeint: schön und fromm stehen selten in éinem stall. 432, 9164;

schön und züchtig sein
trifft selten ein. 9165.


β) doch gilt schön auch, obgleich seltener, vom männlichen geschlecht: sihe, ich hab gesehen einen son Jsai des Bethlehemiten, der kan wol auff seitenspiel, ein rüstiger man und streitbar, verstendig in sachen, und schöne. 1 Sam. 16, 18; da nu der Philister sahe und schawet David an, veracht er jn, denn er war ein knabe, braunlicht und schön. 17, 42; es war aber in gantz Israel kein man so schön als Absalom. 2 Sam. 14, 25; sie kam zu einem schönen jungen münch, dem mst sie beychten. Schumann nachtbüchl. 63, 20 Bolte; schöner jüngling, beau jeune homme Hulsius (1616) 288a; also dasz sie blosz von dieser einbildung durch hülffe desz eiszapffens schwanger worden und ein artiges schönes weiszhäriges knäbchen an die welt gebracht. Weise erzn. 18 neudruck; Adonis, Atys, Cyparistus, Crocus, Aranthus, Amaracus, Hylas, Nisus, etc. seynd lauter schöne, wolgeschaffene, und hüpschgestalte leuth gewesen, und beynebens ehevergessene, ehrvergessene, lehrvergessene gesellen gewest. Abr. a S. Clara Judas 1 (1686), 140; ein schöner knabe, jüngling. Steinbach 2, 490; und dies ist die statur für einen schönen mann. Kant 7, 80; der schönste jüngling, die schläfe mit dem keuschen lorbeer umwunden. Lessing 6, 428; zwey knaben, schön wie der tag, in farbigen jäckchen, die man eher für aufgebundene hemdchen gehalten hätte, sprangen einer nach dem andern herunter. Göthe 21, 4;

unz sie thâr thô stuantun,tharafter luagêtun,
thâr stuantun man thô zwênejoh harto filo scône.
Otfrid 5, 18, 2;

ich sage iu von dem degne,wie schœne der wart. Nibel. 21, 1;

sus twelte mîn her Îwein hie
unz in diu wilde varwe verlie,
unde wart ein schœne man.
Hartmann v. Aue Iwein 3697;

ich bin aller manne schœnest niht.
Walther 115, 36;

wär ich doch so hold, wie jener
freund der liebesköniginn;
oder nur ein wenig schöner,
als ich armer jetzo bin!
Bürger 5b;

da sieh mir nur die schönen knaben!
Göthe 12, 49;

ihr schönen kinder laszt mich wissen:
seyd ihr nicht auch von Lucifers geschlecht? 41, 329.

in der anrede:

schöner jüngling! kannst nicht länger leben. 1, 249;

schöner fremdling, lampenhelle
soll sogleich die hütte seyn. 252;

substantiviert: mein schöner! mio bello! Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 638b; sprichwörtlich: wer nicht schön ist mit zwanzig (jahren), nicht stark mit dreiszig, nicht reich mit vierzig und nicht weise mit funfzig, der wird nicht schön, nicht stark, nicht reich, nicht weise werden. Wander 4, 316.
γ) mit näheren bestimmungen: ich weis, das du ein schön weib von angesicht bist. 1 Mos. 12, 11; sie war schön von angesicht. 26, 7; Joseph war schön und hübsch von angesicht. 39, 6; und Absalom wurden drey söne geborn, und eine tochter, die hiesz Thamar, und war ein weib schön von gestalt.

[Bd. 15, Sp. 1472]


2 Sam. 14, 27. wie hier in den ersten belegen der einzelne schöne körpertheil hervorgehoben wird, so geschieht das auch ironisch in dem volksmäszig derben ausdrucke der verachtung, abweisung: küsse mich, wo ich am schönsten bin. vgl. DWB küssen 1, c oben theil 5, 2871.
δ) schöne gestalt, elegantia formae Steinbach 2, 490: das weib war seer schöner gestalt. 2 Sam. 11, 2;

wær eʒ von dînem lîbe komen,
des kindes gestalt
wær schön und unversalt.
Ottokar 19216 Seemüller.

schöner körper Adelung, leib, corporis nitor, venustas Stieler 1754: ich hatte sie (die weisheit) lieber denn gesunden und schönen leib. weish. Sal. 7, 10; weil dich auch di vilgüttige mutter der mildreichen natur, mit einem sehr schönen leibe, für andern begabet. Butschky kanzl. 476;

ern erkunte sît noch ê
âne sin selbes wîp
nie süeʒer rede noch schœnern lîp.
Hartmann v. Aue Iwein 6516;

wie ist der schöne leib in so geschwinder zeit
so mager abgezehrt?
Rachel bei
Steinbach 2, 490;

wiewohl ich ihren leib, den schönen leib verliesz.
Hoffmannswaldau ebenda.

schöne reize des frauenzimmers: dagegen ist der mann viel delicater in ansehung der schönen reize des frauenzimmers. Kant 7, 420. schönes haupt, schöner kopf: könnten also die locken an einem schönen haupte sich mit anmuth bewegen, so wäre kein grund mehr vorhanden, warum nicht auch die äste eines baumes ... sich mit anmuth bewegen sollten. Schiller 10, 68;

lât mir nâch mîme leideein kleine liep geschehen,
daʒ ich sîn schœne houbetnoch einst müeʒe sehen. Nibel. 1008, 2.

schön, hüpsch angesicht, forma bona Maaler 360b, schönes gesicht, bel volto, viso Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637a, antlitz: dîn stimma ist sûoʒe unde dîn antluzze scône. Williram 44, 3; jr angesicht war seer schön. stücke in Esther 4, 5; je dasz gott im hohen himmel erbarme, meiner Charlotte ihr schön gesichte. Chr. Reuter Schlamp. 100 neudr.; wenn ihr gesichte auch das schönste ganz und gar nicht wäre, so würden sie doch schon ihre manieren zu der angenehmsten person unter der sonne machen. Lessing 1, 465; seine neigung könnte sich in reifern jahren ändern, und wenn er alsdann das schöne gesicht satt wäre, dem der beste nachdruck fehlt, so würde alle schuld auf mich fallen. 468;

ir schœneʒ antlützedaʒ wart rôsenrôt. Nibel. 240, 1;

dein (der rose) kranz erhöht das schönste gesicht.
Göthe 1, 190.

schöne augen, oculi venusti, flagrantes, hilariores Stieler 1754: er (David) war braunlicht mit schönen augen, und guter gestalt. 1 Sam. 16, 12; die ruhe, die vernunft, um die mich ein paar schöne augen brachten, habe ich oft am pharotisch wiedergefunden. Schiller 4, 326. redensart: er thut es nicht um deiner schönen augen willen, aus reiner gefälligkeit, er hat selbstische gründe für sein handeln. schöne stirn, nase Campe, schöne wangen:

jugend, lust und schöne wangen
stehn fast stündlich auf der flucht.
Günther 325.

schöner mund, bella bocca Kramer deutsch-it. dict. 2 (1702), 637a:

ein sanftes lied aus deinem schönen munde,
versüszen würd' es mir die letzte bittre stunde.
Gotter 1, 331;

wie glühst du nach dem schönen munde,
der bald verstummt und nichts versagt.
Göthe 1, 54.

schöne zähne, dentes candidi, minutuli Stieler 1754; hüpsch schön und zierlich haar, decora caesaries Maaler 360b:

sie schenkte mir die schönen haare,
den schmuck des schönsten angesichts.
Göthe 1, 48;

nimm dich in acht vor ihren (Liliths) schönen haaren,
vor diesem schmuck, mit dem sie einzig prangt. 12, 215.

schöner hals, bella gorga Kramer 2, 637a. schöne brüste: wie schön sind deine brüste, meine schwester, liebe braut. hohel. 4, 10. schöne hände, belle mani Kramer 2, 637a. von gang und haltung: wie schön ist dein gang in den schuhen, du fürsten tochter. hohel. 7, 1; tadelnd, von einem stutzer: mit den händen legte er sich in so schöne positur, dasz er gleichen weg in den schiebsack und auf den hut haben könte. Weise erzn. 32 neudruck.
ε) kleidung und schmuck kann das aussehen verschönern, daher erscheint schön auch von geputzten menschen gebraucht:

[Bd. 15, Sp. 1473]


schön in kleidern musz ich kommen.
Göthe 1, 102;

hierauff spatzirte der teutsche Frantzose die gasse hin, und liesz die augen an alle fenster fliegen, sahe sich auch biszweilen um, ob iemand oben oder unten sich über den schönen herrn verwunderte. Weise erzn. 33 neudruck. sich schön machen, putzen Albrecht 199a. die schöne welt, das elegante, fein gekleidete publicum: wo die schöne welt beym spieltische sich sammelt. Geszner bei Adelung;

der ball versammelt nun was innerhalb der pfählen
der stadt Salern zur schönen welt sich zählt.
Wieland 18, 145.

mundartlich schöne leut, wolgekleidete, und freier: honoratiores Schm.2 2, 428. Spiesz 225. Hertel thür. sprachsch. 220.
ζ) von thieren: Plinius spricht, daʒ diu slang diu schœnist sei ob allen slangen. Megenberg 273, 10; und nach zweien jaren hatte Pharao einen trawm, wie er stünde am wasser, und sehe aus dem wasser steigen sieben schöne fette kühe. 1 Mos. 41, 2; lobt den herrn, die jr auff schönen eselin reittet. richter 5, 10; Egypten ist ein seer schönes kalb. Jerem. 46, 20; ich habe einen groben tölpel gesehen, welcher schöne kleider von gülden stücken an, und einen köstlichen egyptischen bund auffhatte, und auff einen schönen arabischen pferde ritte. pers. rosenth. 3, 25, 52b; ein schön pferd, ein schöner hund, eine schöne katze, ein schöner vogel, un bel cavallo, un bel cane, bella gatta, un bell' ucello cioè ben fatto, ben proportionato, di belle fatezze Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637a; schöne rinder, mira specie boves Steinbach 2, 490; mit dem muster eines schönen pferdes oder hundes (von bestimmter race) würde es ebenso gehen. Kant 7, 81;

ir ros diu wâren schœne. Nib. 69, 1;

dô zôch man der frouwen wert
starc wol gênde ein schœne pfert.
Wolfram Parz. 274, 2;

er hieʒ in geben ...
schœne ros und schœne pfert.
Heinr. v. Freiberg Trist. 1527;

seht die schönen vögel.
Göthe 1, 43.

schöne gestalt der thiere: ihre (der vögel) glatte biegsame gestalt ist schön. Schiller 10, 57. von einzelnem an ihrem körper: die feddern des pfawen sind schöner denn die flügel und feddern des storcks. Hiob 39, 13; an vögeln ist der hals einer der schönsten theile. Schiller 10, 57; schöner kopf eines pferdes; schöne augen eines hundes.
η) von pflanzen: scône boum ist palma. Notker ps. 91, 13; ich pin erhœcht sam ain gar schœner ölpaum auf dem veld. Megenberg 336, 30; und solt am ersten tage früchte nemen von schönen bewmen. 3 Mos. 23, 40; der herr nennete dich einen grünen, schönen, fruchtbarn olebawm. Jerem. 11, 16; gleich wie die grünen bletter, auff einem schönen bawm, etliche abfallen, etliche wider wachsen. Sir. 14, 19;

es hat der luchs gar schöne har,
uberall fleckecht gantz und gar,
wie schöne blümlin fein gemalt.
Waldis Esop 2, 20, 3 Kurz;

ich musz ein spiegel seyn, darein die jugend schauet,
wie oft der schönste baum vergiffte früchte trägt.
Hoffmannswaldau bei
Steinbach 2, 490;

ach! denkt das veilchen, wär' ich nur
die schönste blume der natur.
Göthe 1, 180.

ebenso von einzelnen theilen der pflanzen, natürlich besonders von der blüte: alsô diu affaltera scôner ist danne ander waltholz, wante siu dîe scônen unte dîe sûoʒen epfele biret. Williram 28, 4; samo scône wînblûod. 42, 5; der berg Zion ist wie ein schön zweiglein. ps. 48, 3; er (der cederbaum) hatte schöne, grosze und lange este. Hesek. 31, 7; seine (des baumes) este waren schön. Dan. 4, 9; wenn er aus dem furhang erfür gieng, so leuchtet er, .. wie eine schöne rosen im lentzen. Sir. 50, 8; die rose, die ich anblicke, erkläre ich durch ein geschmacksurtheil für schön. Kant 7, 57;

da sah ich einen apfelbaum,
zwey schöne äpfel glänzten dran.
Göthe 12, 215.

nach b überleitend:

machen ainen schœnen krantz
von schônen ...
.. plümlîn spranntz.
Osw. v. Wolkenstein 44, 1, 13;

hundert sträusze vertheil' ich des tags, und kränze die menge;
aber den schönsten doch bring' ich am abende dir.
Göthe 1, 306;

schön ist er (der kranz) wirklich. ebenda.

in entsprechendem adverbialen gebrauche: seht doch, wie schön das getraide steht! Schiller räuber schauspiel 3, 2.

[Bd. 15, Sp. 1474]



θ) von unorganischen körpern: wie ein smaragd in schönem golde stehet, also zieren die lieder beim guten wein. Sir. 32, 8; so er (der gang) schöne bergart füret, .. so wechst dem bergman das hertz. Mathesius Sar. 37a.
ι) von landschaftlicher schönheit, ein gebrauch, der sich im laufe der zeit vielfach modificiert und erweitert, vgl. DWB schöne gegend oben theil 4, 1, 2231: die tochter Zion ist, wie eine schöne und lustige awe. Jerem. 6, 2; der könig Nebucadnezar lies ein gülden bilde machen, sechzig ellen hoch und sechs ellen breit, und lies es setzen im lande zu Babel, auff einen schönen anger. Daniel 3, 1; schöne gegend, bella contrada Kramer deutsch-italien. dict. 2 (1702), 637b; wir wollen in die schöne gegend binausgehn. Geszner 1 (1762), 177; du bist das liebste womit ich (mir) alle schöne gegenden ziere. Göthe an frau von Stein 2, 343; eine schöne landschaft musz zwar richtig seyn; die richtigkeit giebt ihr aber noch keine schönheit. Schiller 10, 51; ist er (der hügel) endlich so hoch hinauf gestiegen, dasz es dem auge beynahe unmöglich wird, ihn in ein einziges bild zusammen zu fassen, so ist er uns mehr werth, als die ganze schöne ebene um ihn her. 183;

than was thâr ên mâri berg
bi theru burg ûtan,the was brêd endi hôh,
grôni endi skôni. Heliand 4238;

daʒ volc sich vaste nider lie
ûf eine schône wise breit. livl. reimchron. 1049;

schön ist das land (Italien).
Göthe 1, 349;

Mondekar. sie sollten
so ungern von Aranjuez sich trennen?
königin. von — dieser schönen gegend wenigstens.
Schiller don Carlos 1, 3;

das korn wächst dort in langen schönen auen. Tell 3, 3.

vom paradiese:

thit was alloro lando scôniust. altsächs. genesis 5 Zangemeister - Braune;

thô er deta ...
.. himilrîchi hôhaʒjoh paradys so scônaʒ.
Otfrid 2, 1, 25.

allgemein von der natur: indem wir die denkungsart derer für grob und unedel halten, die kein gefühl für die schöne natur haben. Kant 7, 162; von der erde: o geliebter! wie schön ist die erde. Geszner 1 (1762), 177. nach b überleitend: ein schöner garten, un bel giardino Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b; und jr man Joiakim war seer reich, und hatte einen schönen garten an seinem hause. Sus. 4;

o dörfft ich nur bey einer rose
wie bienen honig naschen gehn!
ich liese warlich unserm Bose
den schön- und theuren garten stehn.
Günther 330.


b) von menschlichen erzeugnissen.
α) von gebäuden, eine schöne stadt, schönes schlosz, schön dorf, un bella città, bel castello, bel villaggio Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b, ein schön haus, schön zimmer, una bella casa, bella stanza. ebenda, schönes gebäu, bella fabrica, fabrica ben intesa, ben simmetriata. ebenda: das, wenn du nu gessen hast und sat bist, und schöne heuser erbawest, und drinnen wonest, .. das denn dein hertz sich nicht erhebe und vergessest des herrn deines gottes. 5 Mos. 8, 12; denn die feste stad mus einsam werden, die schöne heuser verstossen und verlassen werden, wie eine wüste. Jes. 27, 10; du schöne stad must da hin mit allen schanden. Micha 1, 11; als aber Nicanor sahe, das jm Maccabæus klüglich zuvor komen war, gieng er hinauff zu dem schönen heiligen tempel. 2 Macc. 14, 31; was hatten sie dem Tito gethan, der sie mit seiner armee überzog, das gantze land verderbete, und die hauptstatt Jerusalem, die schöneste und berühmste in gantz orient, in die aschen legte? Schuppius 279; da will ich mir lassen ein haus bauen, mit schönen erckern, mit groszen sälen, mit zierlichen kammern. Weise erzn. 53 neudr.; wenn mich jemand fragt, ob ich den palast, den ich vor mir sehe, schön finde. Kant 7, 45;

sus begunder suochende gân
und sach ein schœne palas stân.
Hartmann v. Aue Iwein 6426;

wente Reynke hadde mannich schon husz. Reinke de Vos 479 Prien;

hirumme wart mi ein schôn schip under de vote gedân. des dodes danz 1126;

zu Lübeck in der schönen stadt
ein alter bürger sasz im rath.
Waldis Esop 4, 82, 1 Kurz.


β) von gerät und waare allgemein: item adi 22 jener per Aszem Frey dem maister Hans pildschniczer gesant ein schün

[Bd. 15, Sp. 1475]


gut truhenschlosz und 1 thürschlosz. A. Tucher haushaltb. 97 Loose; den schönen leuchter mit den lampen zubereit (brachte man zu Moses). 2 Mos. 39, 37; schön tuch, schön leinwand, bel drappo, bella tela Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b;

von rôtem goldeder herre fuorte ein schœne horn. Nibel. 892, 4;

dâ er vor was begraben.
da enoben wart erhaben
ein alter schœne unde groʒ,
darinne man verslôʒ
die bein heilikeite rîch.
Ottokar 28342 Seemüller;

so nehmet auch den schönsten krug,
den wir mit frischem trunk gefüllt.
Göthe 12, 55.

entsprechend adverbial: item adi 27 febrer schenckt ich des Hanns Fillczner weib ein schün gemodelt tischtuch. A. Tucher haushaltb. 84 Loose; da nun Judith Holofernem sahe sitzen unter seinem teppich, das schön gewirckt war. Jud. 10, 21.
γ) von kleidung und schmuck, ein schön kleid, un bel vestito Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b: (sie) machten .. den hut von weisser seiden, und die schönen hauben von weisser seiden. 2 Mos. 39, 28; zu schaffen den trawrigen zu Zion, das jnen schmuck fur aschen, und freudenöl fur trawrigkeit, und schöne kleider für ein betrübten geist gegeben werde. Jes. 61, 3; sie legte jre widwekleider ab, und zoch jre schöne kleider an. Jud. 16, 9; jre schöne schuch verblendten jn. 11; folgestu der gerechtigkeit nach, so wirstu sie kriegen, und anziehen wie einen schönen rock. Sir. 27, 9; in der krause steckte ein schöner ring. Weise erzn. 32 neudr.; mein Sadi was dünket dich von so schönen kleidern, die der grobe ungeschickte bengel an hat. pers. rosenth. 3, 25, 52b; ein ring, so kostbar er auch ist, ist im grunde bey jedem juden wieder zu haben .. vielleicht hat er einen schönern dafür eingehandelt. Schiller räuber schauspiel 1, 3. in bildlichen wendungen: mein kind, gehorche der zucht deines vaters, und verlas nicht das gebot deiner mutter. denn solchs ist ein schöner schmuck deinem heubt, und eine ketten an deinem halse. spr. Sal. 1, 9; du wirst sein eine schöne krone in der hand des herrn, und ein königlicher hut in der hand deines gottes. Jes. 62, 3; die furcht des herrn, ist ehre und rhum, freude und eine schöne krone. Sir. 1, 11; sprichwörtlich:

bescheidenheit
das schönste kleid.
Simrock 43, 936.

ähnlich:

die unschuld ist das schönste kleid.
Günther bei
Steinbach 2, 490.

entsprechend adverbial, sich schön anlegen, schön butzen, mettersi, vestirsi bellamente cioè splendidamente, pomposamente, attilatamente, addobbarsi Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 638a; sich schön kleiden, schmücken: Benedictus ein Romer waʒ bobst 2 jor 6 monot und 10 tage. der satte uf, daʒ pfaffen erberlich und schon sollent gekleidet gan. d. städtechr. 8, 23, 8; gurte dein schwert an deine seiten du helt, und schmücke dich schön. ps. 45, 4; er hat jn (gott den Aron) ehrlich und schön gekleidet, und legt jm einen herrlichen rock an, und zoch jm allerley schmuck an. Sir. 45, 9;

man mochte wunder schouwen
an manger ritterlîchen schar
und an manger vrouwen clâr,
die dâ gefeigetieret
schône und wol gezieret
brâchten engelîschen schîn
aldâ zu Karke mit in în.
H. v. Freiberg Trist. 560;

vom thier in der fabel:

es floh in einem hof ein häher
und fand ein hauffen pfawen feder,
damit thet sich bestecken schon,
als ob er wer eins pfawen son.
Waldis Esop 1, 29, 3 Kurz.

spottend:

eia Jhesus gekronet schone! Alsf. pass. 5290 Grein.

bildlich: sie (die mutter) wird dein heubt schön schmücken, und wird dich zieren mit einer hübschen krone. spr. Sal. 4, 9. mit bezug auf ein geschmücktes pferd:

dô er nu wol gewâpent was,
sîn ors vordecket, als ich las,
was schône, daʒ man im dar zôch.
Heinr. v. Freiberg Trist. 1643.

in sonstigem gebrauch: ich habe mein bette schön geschmücket, mit bundten teppichen aus Egypten. sprüche Sal. 7, 16. ein kleidungsstück, schmuck kleidet einen, steht einem schön; spottend:

werlich uwer konigliche kron,
her juddenkonig, die stet dir schone,
und auch uwer kostlich gewant. Alsf. passion. 5285 Grein.

[Bd. 15, Sp. 1476]


freier:

mir ist liep daʒ si mich klage
ze mâʒe als eʒ ir schône stê.
Walther 61, 9;

fürwar der ernst steht euch recht schön!
Göthe 41, 330;

es kommen fälle vor im menschenleben,
wo's weisheit ist, nicht allzuweise seyn,
es kommen andre, wo nichts schöner kleidet,
als mäszigung.
Schiller Iphig. in Aulis 1154.


δ) schöne handschrift, schön schreiben, scribere un bel carattere Kramer 2, 638a, auch eine schöne hand schreiben.
ε) von werken der bildenden kunst, die lediglich zum anschauen dienen und für sich selbst gefallen sollen (Kant 7, 186), schönes bild, simulacrum formosum Steinbach 2, 490, schönes gemälde:

dies bildnisz ist bezaubernd schön.
Schikaneder zauberflöte;

was wir in einem kunstwerke schön finden, das findet nicht unser auge, sondern unsere einbildungskraft, durch das auge, schön. Lessing 6, 415. adverbial: schön malen, reissen, zeichnen. Kramer 2, 638a.
c) allgemein mit substantiven verbunden, die sich auf aussehen und anschauen beziehen, schönes aussehen, schöne gestalt, form: vielmehr werden sie (die farben) durch das, was die schöne form erfordert, mehrentheils gar sehr eingeschränkt. Kant 7, 69; es ist ein sinn da, die schöne form zu ergreifen. Schiller 10, 543. schöne farbe, ursprünglich 'leuchtende', dann 'angenehme': sihe den regenbogen an, und lobe den, der jn gemacht hat, denn er hat seer schöne farben. Sir. 43, 12; ein blose farbe, z. b. die grüne eines rasenplatzes, ein bloser ton (zum unterschied vom schalle und geräusch), wie etwa der einer violine, wird von den meisten an sich für schön erklärt; obzwar beide blos die materie der vorstellungen, nämlich lediglich empfindung zum grunde zu haben scheinen und darum nur angenehm genannt zu werden verdienen. Kant 7, 67. schöne pracht: deine kleider sind eitel myrrhen, aloes und kezia, wenn du aus den elffenbeinen pallasten daher trittest in deiner schönen pracht. ps. 45, 9. schöner anblick, blick, schöne aussicht: wenn jemand ein gebäude, eine aussicht, ein gedicht nicht schön findet, so läszt er sich erstlich den beifall nicht durch hundert stimmen, die es alle hoch preisen, innerlich aufdringen. Kant 7, 140;

des schönen blicks sollt' ich nicht mehr genieszen,
die gegend deckte mir ein trüber flor.
Göthe 1, 3.

ein schönes schauspiel: es ist ein erfreuliches schönes schauspiel um die fahrt auf dem see. 23, 137. volksmäszig eine schöne leiche, prächtiges, stattliches leichenbegängnis. Albrecht 198b. Seiler 263a.
3) von der bezeichnung angenehmer wirkung auf das gesicht erweitert zu der angenehmer erregung anderer sinne.
a) des gehörs, ein schönes gesang, una bella canzone Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637c, eine schöne music, una bella musica. ebenda, eine schöne melodie, eine schöne stimme. Adelung: ain schœneu stimm bedäut tôrheit und kleine weishait. Megenberg 47, 5; von einem ton Kant 7, 67 (die stelle s. unter 2, c); was wird von dichtern höher gepriesen, als der bezaubernd schöne schlag der nachtigall? 162; wer bei einer schönen musik langeweile hat, gibt starke vermuthung, dasz die schönheiten der schreibart und die feinen bezauberungen der liebe wenig gewalt über ihn haben werden. 401;

thâr (im himmlischen paradiese) ist sanc scônaʒjoh mannon seltsânaʒ,
scônu lûtida ubar dag.
Otfrid 5, 23, 175;

daʒ senfte vogelgedœne,
daʒ süeʒe daʒ schœne,
daʒ ôren unde muote
vil dicke kumt ze guote,
daʒ vulte dâ berg unde tal.
Gottfried Trist. 574.

entsprechend adverbial: schön singen, cantar soavemente, dolcemente, met. dar belle e dolci parole Kramer dict. 2, 638a;

îli thu zi nôte,theiʒ scôno thoh gilûte.
Otfrid 1, 1, 37;

vor dem walde in einem tal
tantaradei,
schône sanc diu nahtegal.
Walther 39, 19;

daʒ die vor vröuden kûme erbiten,
daʒ sim ze helfe kâmen
und alle ir horn nâmen
und hürneten vil schône
mit ime in sînem dône.
Gottfried 3215;

wan von der schîben dône,
die um mich klungen schône,
enmoht ich nihtes war genemen,
des mich dâvur kunde gezemen.
Lampr. v. Regensburg tochter Syon 2701 Weinhold.

[Bd. 15, Sp. 1477]



b) des geschmacks oder geruchs: ein schönes essen, un bel mangiare, it bei messi cioè delicati e bene stagionati Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637b; schöner geschmack. adverbial:

der rundtrunk musz der stimmen bund beleben,
so schmeckt der wein uns doppelt schön.
Hagedorn (1771) 3, 99;

sprichwörtlich:

nichts schmeckt so schön als das gestohlne brodt.
ein sprichwort sagts, das ich nicht falsch befinde. 2, 156.

schöner geruch. etwas riecht schön. Albrecht 198b, in gleichem sinne bei Megenberg schôn smecken: des paumes (der ceder) pleter sint nâhent geleich der cypressen pleter und sint sam der tannen und der viechten pleter und smeckent gar schôn. 317, 27. diese ganze anwendung ist weniger verbreitet und wird, besonders in der verbindung schön schmecken, sapere, in Süddeutschland heute lebhaft als norddeutscher provinzialismus empfunden.
4) die beziehung auf das auge und ohr angenehm erregende, bei dem sich mit der bloszen sinnlichen empfindung ein höherer geistiger genusz paart, bleibt im vordergrund und verhilft dem worte zur erweiterung und vertiefung seiner bedeutung, so dasz es die gemeinsame benennung dessen wird, was ästhetisches wolgefallen erregt.
a) bezeichnend dafür ist besonders die ausdehnung auf die dichtkunst, die sich unmittelbar an die anwendung auf die musik anknüpfen läszt. ein schönes lied wirkt durch wort und weise, die ja in alter zeit überhaupt eng zusammengehören: fur ein jglichs werck danckt er dem heiligen dem höchsten, mit einem schönen liede. er sang von ganzem hertzen, und liebete den der jn gemacht hatte. Sir. 27, 9. auch gesprochene schöne verse klingen dem ohre schön und selbst von schöner prosa erwarten wir wollaut. weiter wird dann schön aber auf den inhalt der worte und die künstlerische gesamtwirkung bezogen.
α) die ältere sprache bietet hier eine auch heute noch bewahrte vorstufe der späteren verinnerlichten anwendung, die das wort im allgemeinen sinne des lichtvollen, den geist erleuchtenden oder des beweglichen, eindringlichen, das herz rührenden zeigt: ih gibo dir sulihe doctores, dîe der habent sensum sapientiae, qui auro comparatur, unte dîe den selben wîstûom mit scônemo gesbrâche kunnon vure bringen, quod per argentum figuratur. Williram 18, 6; darumb thet der doctor ein schöne predig dem heiligen Joseph zueer. Keisersberg sünden des munds 58a; da sie nun Judas mit solchen schönen worten, die einem ein hertz und mut machen, getröstet hatte. 2 Macc. 15, 17;

zi then herôston allensô sprach er worton follen
scônarâ bredigâ.
Otfrid 3, 17, 6;

darumb sollet ir nu ansehen
mit innikeit das schone spiell,
das man hie beginnen well
vonn den liden unsers herren. Alsf. pass. 47 Grein.

schöne worte als bezeichnung schön klingender redensarten, denen aber nicht zu trauen ist, leitet gleichfalls zu dem tieferen sinn über:

denkst du den schweren zweifel deines vaters
mit schönen worten zu erschüttern?
Schiller don Carlos 2, 2.


β) die vertiefung zu der rein ästhetischen bedeutung erfolgt erst im späteren nhd.: daher läszt sich ein junger dichter von der überredung, dasz sein gedicht schön sei, nicht durch das urtheil des publicums, noch seiner freunde abbringen. Kant 7, 138; es sind eigentlich nicht die sogenannten rührenden stellen, die ihn in diesen zustand versetzen: es sind, wenn ich mich deutlich ausdrücke, die schönen stellen, aus welchen der reine geist des dichters gleichsam aus hellen offenen augen hervorsieht. Göthe 19, 173.
b) so wird schön dann zum einheitlichen auf alle künste in gleichem sinne bezogenen begriff: geschmack ist das beurtheilungsvermögen eines gegenstandes oder einer vorstellungsart durch ein wohlgefallen oder miszfallen ohne alles interesse. der gegenstand eines solchen wohlgefallens heiszt schön. Kant 7, 52; schön ist das, was ohne begriff allgemein gefällt. 62; es kann keine objective geschmacksregel, welche durch begriffe bestimmte, was schön sei, geben. 77; schön ist, was ohne begriff als gegenstand eines nothwendigen wohlgefallens erkannt wird. 87; der begriff schön ist nicht leer, sondern hat seine bestimmte und immer dieselbe bedeutung, auch bei heterogenen gegenständen. Schiller 10, 48. die kunst im höchsten sinne heiszt schön, wol unter einflusz des

[Bd. 15, Sp. 1478]


franz. les beaux arts, s. oben kunst II, 4, c, γ theil 5, 2681. die verbindung schöne kunst begegnet schon früher, aber nur im sinne des 'trefflichen' oder 'angenehmen': weil aber die schöne kunst glaszmachen wenig leut gesehen. Mathesius Sar. 34a;

ouch wonte in ir gemüete
ze schœner kunst diu güete
daʒ si in schier ernerten
unde sînen geverten.
Hartmann v. Aue Iwein 5618.

später dann vertieft: Petron tadelte allbereit den üblen geschmack der redner und poeten zu seiner zeit, und erzehlet, dasz noch bey des Nero leben, die schönen künste, und sonderlich die mahlerey, viel von ihrer vollkommenheit verlohren. König zu Canitz ged. (1727) 232; zur schönen kunst würden also einbilduugskraft, verstand, geist und geschmack erforderlich sein. Kant 7, 183; wenn wir also die schönen künste eintheilen wollen, so können wir, wenigstens zum versuche, kein bequemeres princip dazu wählen, als die analogie der kunst mit der art des ausdrucks, dessen sich menschen im sprechen bedienen, um sich so vollkommen, als möglich ist, einander, d. i. nicht blos ihren begriffen, sondern auch empfindungen nach mitzutheilen. ebenda; mit dieser (der natur) also, oder vielmehr mit ihrem urheber haben die schönen künste ihren zweck gemein, vergnügen auszuspenden und glückliche zu machen. Schiller 10, 1; steht man also an, gemälde oder dichtungen, welche blosz unbeseelte naturmassen zu ihrem gegenstand haben, für ächte werke der schönen kunst (derjenigen nemlich, in welcher ein ideal möglich ist) zu erkennen; so zweifelt man an der möglichkeit, diese gegenstände so zu behandeln, wie es der character der schönen kunst erheischt. 238. die schöne kunst von der schönen natur unterschieden: die natur war schön, wenn sie zugleich als kunst aussah; und die kunst kann nur schön genannt werden, wenn wir uns bewuszt sind, sie sei kunst, und sie uns doch als natur aussieht. Kant 7, 167, von der mechanischen und der angenehmen kunst: wenn die kunst, dem erkenntnisse eines möglichen gegenstandes angemessen, blos ihn wirklich zu machen die dazu erforderlichen handlungen verrichtet, so ist sie mechanische; hat sie aber das gefühl der lust zur unmittelbaren absicht, so heiszt sie ästhetische kunst. diese ist entweder angenehme (wie geistreiche unterhaltung, tafelmusik) oder schöne kunst. 165. schöne literatur: du rächst unsere ganze schöne literatur. Lenz 1, 156. schöne wissenschaften nennt man nach dem vorbilde des franz. belles lettres geschichte und theorie der künste und verwandte wissenschaften sowie dichtkunst und redekunst selber (s. oben kunst a. a. o.): an die heutigen beförderer der schönen wissenschaften und freyen künste. Hagedorn (1771) 1, 130. Kant lehnt den ausdruck ab: es gibt weder eine wissenschaft des schönen, sondern nur kritik, noch schöne wissenschaft, sondern nur schöne kunst. 7, 165; was den gewöhnlichen ausdruck schöne wissenschaften veranlaszt hat, ist ohne zweifel nichts anderes, als dasz man ganz richtig bemerkt hat, es werde zur schönen kunst in ihrer ganzen vollkommenheit viel wissenschaft, als z. b. kenntnisz alter sprachen, belesenheit der autoren, die für classiker gelten, geschichte, kenntnisz der alterthümer u. s. w. erfordert, und deshalb diese historischen wissenschaften, weil sie zur schönen kunst die nothwendige vorbereitung und grundlage ausmachen, zum theil auch, weil darunter selbst die kenntnisz der producte der schönen kunst (beredsamkeit und dichtkunst) begriffen worden, durch eine wortverwechslung, selbst schöne wissenschaften genannt hat. 165. freier heiszt die hand des künstlers, die das schöne bildet, schön:

der käyser Ferdinand
wil abgebildet seyn von deiner schönen hand.
Opitz 2, 39.


c) gleichfalls unter franz. einflusz gewinnt die seit alter zeit geläufige beziehung des worts auf geist und seele eine neue bedeutung, s. oben geist II, 22, c theil 4, 1, 2706 ff. wie die dort angeführten belege zeigen, hat schön hier bis ins 17. jh. hinein die bedeutung 'rein' (die anima candida ist gemeint), mit der sich die allgemeinere des 'trefflichen' (s. 6) mischt, dann wird dem franz. bel esprit gemäsz schöner geist eine bezeichnung für den, der die schönen künste, die schönen wissenschaften betreibt oder fördert, der ihnen interesse und verständnis entgegenbringt. zuweilen neigt der ausdruck der verflachung oder ironischem sinne zu: der könig Archelaus in Macedonien, ein groszer liebhaber der schönen künste und der schönen geister (wie man damahls gewisse verzärtelte kinder der natur nicht nannte,

[Bd. 15, Sp. 1479]


und wie man heutiges tages einen jeden nennt, von dem man nicht sagen kann was er ist). Wieland 19, 332, erhebt sich aber andrerseits von hier aus zum ehrenden namen für den, dessen geist künstlerische harmonie zeigt und eine künstlerisch befreiende wirkung auf andere ausübt: Yorik Sterne war der schönste geist der je gewirkt hat; wer ihn lies't fühlt sich sogleich frei und schön; sein humor ist unnachahmlich und nicht jeder humor befreit die seele. Göthe 23, 273. in einer diesem höchsten sinne verwandten art entwickelt sich wol besonders durch einwirkung Rousseaus (belle âme in der nouvelle Héloise) der ausdruck schöne seele, der im oben angeführten sinne unter geist a. a. o. schon aus den schriften der mittelalterlichen mystiker belegt ist und in eng verwandter anwendung auch noch im 17. jh. begegnet:

disz kan eine schöne seele,
die den himmel vater heist.
Fleming 413.

dann mit bezug auf reinste harmonische ausbildung, feinste empfindung und wolgefälligste äuszerung: bekenntnisse einer schönen seele. Göthe 19, 265; von dieser seite betrachte man das wenige, was gleichdenkende freunde (Winckelmanns) .. an dem feste darbringen, welches bei gelegenheit der gefundenen und hier aufgestellten briefe von allen schönen seelen und allen geistern höherer bildung gewisz gefeyert wird. 37, 14;

was schöne seelen schön empfunden
musz treflich und vollkommen seyn.
Schiller 6, 278.

die moralische seite, eigentlich nur ein theil des begriffs, wird nun auch wieder in den vordergrund gestellt, aber in verfeinertem sinne: (Heyne) ist die schönste seele, und der auch die entfernteste kleinste krümme wittert, ein todfeind der ränke. Herder an C. Flachsland in den erinnerungen aus seinem leben 1, 217; eine schöne seele nennt man es, wenn sich das sittliche gefühl aller empfindungen des menschen endlich bis zu dem grad versichert hat, dasz es dem affect die leitung des willens ohne scheu überlassen darf, und nie gefahr läuft, mit den entscheidungen desselben im widerspruch zu stehen. Schiller 10, 103. ebenso bedeutet es eine annäherung an den alten sinn des ausdrucks, wenn die seele in ihrer ursprünglichen göttlichen vollkommenheit und freiheit schön heiszt:

jetzt wand sich von dem sinnenschlafe
die freye schöne seele los.
Schiller 6, 270.

ähnlich schöne natur: wenn nun eine schöne natur sich allzu hart, sich allzu gewissenhaft bildet, ja, wenn man will, sich überbildet, für diese scheint keine duldung, keine nachsicht in der welt zu seyn. Göthe 20, 164; der gemeinen gegenübergestellt:

auch in der sittlichen welt ist ein adel: gemeine naturen
zahlen mit dem, was sie thun, schöne mit dem, was sie sind.
Schiller 11, 167;

schönes gemüth, schöner character: ein character ist dann schön, wenn er uns mehr liebe als achtung einflöszt. 10, 48; im gegensatze zum schlechthin moralischen:

der moralische und der schöne character.
repräsentant ist jener der ganzen geistergemeine.
aber das schöne gemüth zählt schon allein für sich selbst. 11, 167.

schöner verstand im gegensatze zum tiefen: das schöne geschlecht hat ebensowohl verstand, als das männliche; es ist nur ein schöner verstand, der unsrige soll ein tiefer verstand sein, welches ein ausdruck ist, der einerlei mit dem erhabenen bedeutet. Kant 7, 406. ebenso schöner mensch: aber der heranziehende abend und die kleinen herrunterrollenden zerrissenen perlenschnüre von regentropfen riefen die schönen menschen in die zimmer zurück. J. Paul Hesperus 3, 217. substantiviert: ich würde sie gute - schöne nennen. Göthe 23, 185. solcher auffassung entspricht der anfang von Schillers künstlern:

wie schön, o mensch, mit deinem palmenzweige
stehst du an des jahrhunderts neige
in edler stolzer männlichkeit,
mit aufgeschlosznem sinn, mit geistesfülle,
voll milden ernsts, in thatenreicher stille,
der reifste sohn der zeit. 6, 264.


d) in entsprechendem sinn auch von geistiger und seelischer bethätigung, an die allgemeinere bedeutung 'angenehm, liebenswürdig' (s. 5) anknüpfend: verstand ist erhaben, witz ist schön. Kant 7, 384; kühnheit ist erhaben und grosz, list ist klein, aber schön. 10, 384; wahrhaftigkeit und redlichkeit ist einfältig und edel, scherz und gefällige schmeichelei ist fein und schön. ebenda; mitleiden und gefälligkeit sind gründe von schönen handlungen, die vielleicht durch das übergewicht eines gröberen eigennutzes insgesammt würden erstickt

[Bd. 15, Sp. 1480]


werden. 392; eine handlung nach dem gesetze der vernunft ist dann schön, wenn sie aussieht, als geschähe sie aus neigung und ohne allen zwang. Schiller 10, 58;

die kleinste bitte ward schon oft ihm abgeschlagen,
schon oft die schönste that durch worte nur gelohnt.
Gotter 1, 168.

selbst schwachheiten, fehler können schön sein: selbst viele von ihren (der frauen) schwachheiten sind, so zu reden, schöne fehler. Kant 7, 410. handlungen werden ausdrücklich als sittlich schön bezeichnet: sie (die frauen) werden das böse vermeiden, nicht weil es unrecht, sondern weil es häszlich ist, und tugendhafte handlungen bedeuten bei ihnen solche, die sittlich schön sind. 409. so gibt es dann auch eine schöne tugend: die tugend des frauenzimmers ist eine schöne tugend. die des männlichen geschlechts, soll eine edle tugend sein. ebenda; (von der unschuld:)

schönste tugend einer seele
reinster quell der zärtlichkeit!
Göthe 1, 58;

schon das mhd. kennt diese verbindung; dort aber hat schön wol die bedeutung 'rein' oder 'leuchtend':

in sîme (gottes) heiligen gebote
wuohsen si in schôner tugent. pass. 6, 15 Köpke.

adverbial, schön empfinden:

die moralische kraft.
kannst du nicht schön empfinden, dir bleibt doch vernünftig zu wollen,
und als geist das zu thun, was du als mensch nicht vermagst.
Schiller 11, 167.


e) im 18. jh. herrscht also das bestreben, schön in der vertieften auffassung nicht nur auf die kunst, sondern allgemein auf geistige und seelische fähigkeit und bethätigung als einheitlichen begriff anzuwenden. heute ist diese neigung bedeutend zurück gegangen, und mehr und mehr scheint schön als philosophischer begriff auf die kunst beschränkt zu werden. auf die auffassung der schönheit natürlicher körper wirkt die vertiefung der bedeutung zurück: ein frauenzimmer, an welchem die annehmlichkeiten, die ihrem geschlechte geziemen, vornehmlich den moralischen ausdruck des erhabenen hervorstechen lassen, heiszt schön im eigentlichen verstande. Kant 7, 415.
f) besonders in solcher anwendung ist die substantivierung das schöne üblich: das schöne bestehet in der mannigfaltigkeit im einfachen. Winckelmann 1, 247; das schöne ist das, was ohne begriffe, als object eines allgemeinen wohlgefallens vorgestellt wird. Kant 7, 52; das schöne gefällt ohne alles interesse. Schiller 10, 53; das schöne ist das mittelglied zwischen der sittlichkeit und sinnlichkeit. 55;

nur durch das morgenthor des schönen
drangst du in der erkenntnisz land. 6, 265;

schönheit ist ewig nur eine, doch mannichfach wechselt das schöne,
dasz es wechselt, das macht eben das eine nur schön. 11, 174.

das schöne mit andern begriffen verbunden oder ihnen entgegengesetzt: übergang von dem beurtheilungsvermögen des schönen zu dem des erhabenen. Kant 7, 92; sie (die frauen) .. ziehen das schöne dem nützlichen vor. 406; bis unser publicum cultiviert genug sein wird, um das wahre, schöne und gute ohne fremden zusatz für sich selbst lieb zu gewinnen. Schiller 9, 404; das gute beschäftigt unsre vernunft, das wahre und vollkommene den verstand; das schöne den verstand mit der einbildungskraft, das rührende und erhabene die vernunft mit der einbildungskraft. 10, 4; der gürtel des reizes verliert auch bey dem minder - schönen, und selbst bey dem nichtschönen seine magische kraft nicht. 68;

was erst, nachdem jahrtausende verflossen,
die älternde vernunft erfand,
lag im symbol des schönen und des groszen
voraus geoffenbart dem kindischen verstand. 6, 266;

indessen schritt sein (Schillers) geist gewaltig fort
in's ewige des wahren, guten, schönen,
und hinter ihm, in wesenlosem scheine,
lag, was uns alle bändigt, das gemeine.
Göthe 13, 170.

ins schöne malen, bildlich: glauben sie, dasz es nicht gefährlich ist, solche personen, solche karakter .. ins schöne zu mahlen, ihre tugenden zu erheben, ihre fehler zu beschönigen, ihre schwachheiten und übereilungen zu entschuldigen? Wieland 30, 532. vereinzelnd, schönes, alles, jedes schöne u. ähnliche verbindungen: wenn wir bey gedichten, von denen sich unendlich viel schönes sagen läszt, nur auf die fehlerhafte seite hingewiesen haben. Schiller 6, 329; alles was er (Moses) in langen jahren gesammelt, alles was er schönes und groszes gedacht und entworfen hat, soll in dieser wüste mit

[Bd. 15, Sp. 1481]


ihm sterben, soll er umsonst gedacht und entworfen haben? 9, 115; alle anmuth ist schön, denn der gürtel des liebreizes ist ein eigenthum der göttin von Gnidus; aber nicht alles schöne ist anmuth, denn auch ohne diesen gürtel bleibt Venus, was sie ist. 10, 65;

den ersten klang vom urbild alles schönen
ihr (künstler) lieszet ihn in der natur ertönen. 6, 271;

und jedes grosze bringt uns Jupiter
noch diesen tag, und Venus alles schöne. Piccol. 3, 4.

eine substantivierung der nhd. unflectierten form schön ist zwar versucht worden (vgl. DWB das gut, rund, weisz, rot u. s. w.), hat sich aber nicht eingebürgert:

der Paris wurde blind durch zierath einer frauen,
er muste mehr auff schön, als auff die tugend schauen.
Fleming 154;

fürstin, euer reines schön, hat ein fieber jetzt verhöhnet:
aber schönes ruhet nur, dasz es nachmals schöner schönet.
Logau 2, 120, 5;

und doppelt theuer
wird äuszer's schön, als innrer schönheit schleier.
A. W. Schlegel bei
Campe.


5) die vertiefung der bedeutung knüpft an die wirkung auf auge und ohr an. andrerseits verbreitert sie sich in folge der übertragung vom gesicht auf gehör, geruch und geschmack (s. 3) zu der allgemeinen, häufig verflachten von 'angenehm, erfreulich, freundlich' überhaupt.
a) so vom leben und lebensabschnitten, schon bei Otfrid, im stärksten sinne des freudenvollen, wonnesamen, vom ewigen leben:

thara leiti, druhtîn,mit thînes selbes mahtin
zi themo scônen lîbethîe holdun skalkâ dîne,
thaʒ wir daʒ mammuntiin thînerâ munti
niaʒen uns in muatein êwon zi guate! 5, 23, 28.

auch nhd. noch vielfach so, daneben aber in schwächerem sinne:

die schönen tage in Aranjuez
sind nun zu ende.
Schiller don Carlos 1, 1;

ach wer bringt die schönen tage,
jene tage der ersten liebe,
ach wer bringt nur eine stunde
jener holden zeit zurück!
Göthe 1, 63;

so vertaumelt sich der schönste theil des lebens
ohne sturm und ohne ruh. 85;

mutter! mutter! spricht sie hohle worte,
so miszgönnt ihr mir die schöne nacht. 248;

alles in der welt läszt sich ertragen,
nur nicht eine reihe von schönen tagen. 2, 243;

sohn, mehr wünschest du nicht die braut in die kammer zu führen,
dasz dir werde die nacht zur schönen hälfte des lebens,
und die arbeit des tags dir freier und eigener werde,
als der vater es wünscht und die mutter. 40, 273.

man wünscht einem schönen guten morgen, felicem tibi diem precor Stieler 1754 (als nova phrasis bezeichnet). Schiller 4, 187, abend Hügel 143b. auch die beziehung von schön auf das wetter wird in neuerer zeit häufig ähnlich aufgefaszt: schönes wetter, welches in einem hohen grade angenehm ist Adelung. an solche auffassung knüpft die folgende stelle an:

wie anders tragen uns die geistesfreuden,
von buch zu buch, von blatt zu blatt!
da werden winternächte hold und schön,
ein selig leben wärmet alle glieder.
Göthe 12, 60.


b) ebenso allgemeiner von zuständen und handlungen mit bezug auf ihren träger: warlich es ist schön und artig mit denen, die weit von uns seyn, sich bereden und alles andeuten können, nicht durch botten, sondern durch brieffe. Comenius sprachenthür (1657) 934;

so vergieb den schönen sünden,
denn sie sind hauptsächlich dein,
weil du gar so reitzend bist,
dasz man sich aus lust vergiszt.
Günther 253;

Mercur und Bacchus! sie beide
muszten gestehn: es sey, über dem busen zu ruhn
dieses herrlichen weibes, ein schöner gedanke.
Göthe 1, 289;

einst hatt' ich einen schönen traum. 12, 215.


c) aber auch mit bezug auf andere; gegen die sie sich richten, die davon beeinfluszt werden. so mhd. schœne huote, gnädige, freundliche behandlung in der gefangenschaft:

umbe schœne huotewir geben michel guot,
daʒ ir genædiclîchenan iwren vîenden tuot. Nib. 249, 3.

allgemeiner:

gar schöne spiele spiel' ich mit dir.
Göthe 1, 183;

weisz Amor seinem schönen spiele
doch immer zeitig nachzugehn. 212.

schöne complimenten, schöne worte, bei complimenti, espressioni, belle, galanti, eleganti, cortesi, vaghe, gentili. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 637c: jemanden schöne worte geben,

[Bd. 15, Sp. 1482]


freundliche, schmeichelhafte Adelung; schöne manieren, schöne sitten. ebenda; mit vertiefter auffassung (vgl. 4) schöner umgang: nur ein fremdling im schönen umgang z. b. wird versicherungen der höflichkeit, die eine allgemeine form ist, als merkmale persönlicher zuneigung aufnehmen. Schiller 10, 374. man sagt das ist schön von einem, freundlich, liebenswürdig gehandelt:

herr doctor, das ist schön von euch,
dasz ihr uns heute nicht verschmäht.
Göthe 12, 55;

du kommst sogar noch zu mir?
das ist doch schön von dir.
Schiller don Carlos 5, 1.

einem einen schönen grusz vermelden, far' i suoi divoti baciamani ad uno Kramer dict. 2, 637c; einen schönen befehl an herrn N., le mie humili racommandationi al Sign. N. ebenda; schönen danck sagen, render humilissime gratie. ebenda; schönen dank haben: sie habe schönen dank, dasz sie sich so gütig bezeigen wollen. Weise erzn. 132 neudr. auch kurz schönen dank, maximas gratias ago Stieler 1754: Cratip. ihr diener allerseits .. Charl. Claril. schönen danck. Chr. Reuter Schlampampe 129 neudruck.
d) entsprechend adverbial.
α) jemanden schön grüszen, auf das schönste grüszen Adelung:

ich sanc hie vor den frowen umbe ir blôʒen gruoʒ:
den nam ich wider mîme lobe ze lône.
swâ ich des geltes nu vergebene warten muoʒ,
dâ lobe ein ander, den si grüeʒen schône.
Walther 49, 15.

in gleichem sinne mhd.:

der wirt und sîne gesteempfiengen sô den gast,
daʒ in an ir zühtenvil lützel iht gebrast.
des begunde in nîgender wætlîche man,
daʒ si im heten grüeʒensô rehte schône getân. Nibel. 104, 4;

dô neic si mir vil schône.
Walther 74, 33.

ich danke schön, sich schönstens bedanken Adelung, veraltet sich zum schönsten bedanken Adelung, zum allerschönsten Kramer 2, 638c: ich .. bedanke mich aller angetanen ehre zum schönsten. Butschky kanzl. 442; ich schickte vor einer halben stunde eine flasche wein hin, so lieszen sie sich schönstens bedancken und zugleich sagen, es würde ihnen lieb seyn wenn ich bekanntschafft bey ihnen suchte. Chr. Reuter ehrl. frau 24;

frömdiu wîp diu dankent mir vil schône.
Walther 100, 17;

dem herren dancte er schône dô.
Heinrich v. Freiberg Trist. 1444;

Peregrinus Proteus.
siehest du Wieland, so sag ihm: ich lasse mich schönstens bedancken,
aber er that mir zuviel ehr' an, ich war doch ein lump.
Schiller 11, 145;

doch wollt ihr ihn (den namen) dem alten Pantalon
ganz sachtchen, sachtchen in die ohren wispern,
so wird er sich gar schön dafür bedanken. Turandot 3, 4.

auch ironisch (vgl. 8): ich danke schön; da würde er sich schönstens bedanken. schön bitten Campe, veraltet zum schönsten: bedanke mich demnach deswegen ganz dinstlich: und bitte zum schönsten, also fortzufahren. Butschky kanzl. 244.
β) in älterer sprache einen schone, schön empfangen: als er nun in Italien kummen ist, hat er bey einem würt eingekert, der hat jn schon empfangen. Wickram rollwagenb. 110, 7; und also gieng jhr der graff von Potiers entgegen und empfieng sie nach allen ehren schön und wol. buch d. liebe 265, 4;

dô enpfienc er mich als schône
als ime got iemer lône.
Hartmann v. Aue Iwein 295;

ähnlich: möchten sie den mittag mit mir essen, so sollen sie schönstens willkommen seyn. Göthe an Schiller 5. jan. 1799, Weim. ausgabe briefe 14, 2;

je eher du zu uns zurücke kehrst,
je schöner wirst du uns willkommen seyn. werke 9, 230.

mhd. eines schône pflegen:

der künic sîner gestevil schône pflegen bat. Nib. 247, 2;

der wirt sprach 'daʒ ist billich'
und lieʒ si ûʒ den banden sâ,
und behabte den gast bî im dâ
unz an den sibenden tac
daʒ man ir dô vil schône pflac.
Hartmann v. Aue Iwein 6846.

ähnlich:

willst, feiner knabe, du mit mir gehn?
meine töchter sollen dich warten schön;
meine töchter führen den nächtlichen reihn,
und wiegen und tanzen und singen dich ein.
Göthe 1, 183.

[Bd. 15, Sp. 1483]


einen schône haben: sie was schön, frum, tugenthaft und span fast und hett meine kind gar schon. so hett ich sie auch schon und in eren. d. städtechron. 5, 139, 3;

kunic Ruodolf die boten hât
schône unde wirdiclîchen.
Ottokar 13007 Seemüller;

daʒ weib, das iren man hat schon,
die ist des mannes höchste chron.
Vintler blum. der tugent 731;

mit bezug auf einen hund:

daʒ hundel sî gewesen sîn,
daʒ habet ir schôner durch in,
dan etliche vürstin haben kan
mit schônheit ir êlichen man.
Heinrich v. Freiberg Trist. 4249.

mundartlich erhalten: i' hann mei~ diendle so schuen, lieb Lexer kärnt. wb. 225. schon halten, liberaliter, amanter tractare. voc. von 1618 bei Schm.2 2, 426, scherzhaft:

auch brachte die lausz gleicher weisz
davon besondern ruhm und preisz,
umb deszwegen sie jhr patron
lobte und hielt sie wehrt und schon.
Fischart 2, 159, 898 Kurz.


γ) schone fahren, sich gnädig, freundlich zeigen, gesittet benehmen, und allgemeiner, masz halten, vgl. Haupts zeitschrift 13, 177. 16, 466: und so stunden Appell von Tettaw, der von Querffurdt und die andern herrn und graffen uff dem kirchoffe mit den burgern und auch mit dem rathsmeister Jacob Weyssack und seinen anhengern, und so rieff der von Querffurtt, das sie schone fuhren, sie weren da von meins herren wegen von Magdeburg. und so hilden diese an sich. Spittendorff 389, 26 Opel; und alles volck antwortet zugleich, und sprachen, alles was der herr geredt hat, wollen wir thun. faret schon lieben gesellen, es ist zu hoch und zu viel vermessen. Luther 4, 491b; far schon lieber Paule, ich mein du schertzest mit uns. S. Franck laster d. trunkenheit B 3a;

nû vürhte ich
dîne stange unde dich
niht eine halbe bône.
von diu sô var vil schône.
Gottfried v. Straszburg Trist. 15996;

her Nîthart, daʒ iu sante Zêne lône,
schündet niht
daʒ man roufe mînen hûsgenôʒ.
zieht iuch selbe und vart ein wênic schône.
Haupts Neidhart 149, 4;

durch iwer hübschheit
varnt ein wênic schône,
daʒ ichs iu imer lône,
und stôʒent mich hie niuwet nider.
Ulrich v. Zatzikhoven Lanz. 479;

far schône wilt du werden alt. quelle Germ. 8, 110;

her bischop, weset uns nicht to hart,
latet uns tom êrsten unvervârt!
vârt schôn dôr got, des bidden wy. Trierer Theophitus 288 Hoffmann v. Fallersleben;

ir herren, fart schone
und loiszet uwer gedoine
und slaget uns nicht zu drade! Alsfeld. pass. 7345 Grein;

das man nit sag: schuster, fahr schon.
lasz urtheil ubern schuh nit gan.
Waldis Esop 2, 33, 37 Kurz;

'derhalben mag ich jetzt wol trawren.
ich stiesz den kopff schier an die mauren'.
der sewhirt sprach: 'damit fahr schon:
wer weysz, ob ich euch helffen kan'. 3, 92, 93.

als gegensatz dazu unschône varn:

der kêrte von den sînen dan
und rant den jungen ritter an
und vuor ein teil unschône.
Ulrich v. Zatzikhoven Lanz. 2939.


δ) schön thun, freundlich sein, schonend verfahren Schm.2 2, 426 (bair. wald, Ober-Main), einem schön thun, freundlich gegen ihn sein, liebkosen, verliebt thun, schmeicheln, far bellamente ad uno, una o adurlarlo, corteggiarlo, ablettarlo, .. fargli carezze, lusinghe Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 638b: sie fing an, sagte er, mit befehlen, fuhr fort mit schmeicheln und fiel, als ich ihr schön that, in ein heiter schnippisches wesen, das ihr wohl das natürlichste seyn mochte. Göthe 23, 141; wie die kleine Agnes mir schöne that und bat ich solle noch einen tag bleiben. an frau von Stein 3, 44. sich schön thun lassen: eine grosze, dicke, kupfernasige frau, die .. sich gern von jungen officieren schön thun liesz. Wieland 15, 155;

(die soldaten) sind dir gar lockere leichte gesellen,
lassen sich gerne schön thun und loben.
Schiller Wallenst. lager 1.

schön mit einem thun, gratiosum se reddere, subblandiri, et suppalpari alicui Stieler 1754. Kramer 2, 638b. Adelung: der

[Bd. 15, Sp. 1484]


bruder hat unter der truppe eine tänzerin mit der er schön thut. Göthe 19, 81. substantiviert, das schönthun, simulatio, species honesta, vultus compositus, imago modestiae Stieler 2352: ein solches wechselseitiges schönethun. Göthe 25, 296 (die stelle s. unter dem formalen); die jungen leute haben mich (ein mädchen) immer mit ihrem schönthun traurig gemacht. Arnim kronenw. 1, 224. auch thieren gegenüber wird der ausdruck angewandt: dem jungen pferd (wann es sich wol hält) musz man schön thun. Hohberg 2, 171b; wann es darzu (das pferd zum schieszen) still stehet, so soltu es caressiren, ihm schön thun. 172a. ein thier kann sogar subject sein: der löw thut schön gegen ihm, hebt die tatzen auff, als zeig er jm seine wunden. Ayrer 1164, 33. an solchen gebrauch schlieszt sich unser schön machen, aufwarten, sich auf die hinterpfoten setzen, von hunden. ähnlich weidmännisch schon lasz sehen, als aufmunterung des leithundes, die fährte zu suchen Heppe wohlr. jäger 269a. mundartlich geht das adverb sogar von der bedeutung 'manierlich' in die von 'leise' über Lexer kärnt. wb. 225.
e) in einem sinne, der dieser adjectivischen und adverbialen anwendung von handlungen und zuständen entspricht, verbindet man das wort mundartlich auch mit personenbezeichnungen, schöne leute, liebenswürdige menschen Albrecht 198b. an diesen gebrauch rührt die niederd. redensart: je später am abend je schöner de lüde, zu späten gästen Schütze 4, 57. in der kindersprache ist die schöne hand die rechte, die auch die 'liebe' heiszt J. Grimm kl. schriften 6, 332 (wo norwegisch fagra hand und schwedisch vakkra hanna verglichen werden): gib die scheene hand Albrecht 199a; gipp dämm herr do's schön händli Seiler 263a, händchen, händelchen Kehrein 1, 365. Pfister 266; ähnlich: (Marianne zum kinde) hier, gieb eine schöne hand, eine rechte patschhand! Göthe 7, 126.
f) zwischen dieser und der folgenden bedeutung vermittelt die niederd. substantivierung des superlativs im sinne von 'vortheil, bestes': dat he L.'s schoneste dar mede proven und doen solde. quelle bei Schiller-Lübben 4, 114b; he brengt altîd sîn schônste för. ten Doornkaat Koolman 3, 134a.
6) wol theils im anschlusz an die bedeutung 'glänzend' (s. 2), theils an die vorige sich zum sinne von 'herrlich, trefflich, ausgezeichnet' wendend, auch hier heute vielfach verflacht.
a) adjectivisch: denn die weisheit ist schöne und unvergänglich. weish. Sal. 6, 13; drey schöne ding sind, die beide gott und den menschen wolgefallen, wenn brüder eins sind, und die nachbarn sich liebhaben, und man und weib sich mit einander wol begehen. Sir. 25, 1; die schönen gaben, die sie besitzen, wenden sie mit ruhm auf die philosophie an. Schiller 1, 22; mein Roller starb einen schönen tod. räuber schausp. 3, 2; überdis kann er mit nächstem die gelegenheit haben, seinem nebenbuler den spott auf die schönste art heimzugeben. kab. u. liebe 1, 5; da ein krieg immer der scheinbarste vorwand ist, um ein volk zu drücken, so gab der jetzige .. den nobilis, die ihn führten, die schönste gelegenheit sich zu bereichern. werke 4, 119; um seine reiseroute zu bestimmen, ging er mit dem geistlichen zu rathe, der schöne geographische und statistische kenntnisse hatte. Göthe 19, 63; mit groszem erstaunen fand er sein bette leer, die kissen und decken in schönster ruhe. 200;

ni was im anawânithaʒ arunti scôni.
Otfrid 1, 4, 48;

sämmtliche künste lernt und treibet der Deutsche; zu jeder
zeigt er ein schönes talent, wenn er sie ernstlich ergreift.
Göthe 1, 356;

ich habe oft geschossen in das schwarze
und manchen schönen preis mir heim gebracht
vom freudenschieszen.
Schiller Tell 4, 3.

die schöne zeit: was nicht alles in genauer hererzählung die schöne zeit hinnahm. Göthe 29, 131;

(ein abenteuer) das
nichts fruchtet und die schöne zeit verzehrt. 10, 224;

die liebe schöne tageszeit
und mir die weitere müh zu sparen. 12, 141.


b) entsprechend adverbial: die gelegenheit erstrecket sich nicht allezeit gleich schöne. pers. baumg. 4, 5; da sie einander doch so schön widerlegen können. Kant 2, 396. als zustimmung: schön, schön! Schiller räub. schausp. 4, 3. abgeblaszt als blosze verstärkung bei adjectiven: schön rîff Hunziker 229, schön zîttig, schön ganz, vom backwerk, recht Seiler 263a, in der bei Hunziker a. a. o. als 'besonders beständig' angeführten verbindung schön lûter die bedeutung 1, b, γ streifend. bedeutender, wie 'sorgfältig': darumb schol man sich inn halten und beslieʒen

[Bd. 15, Sp. 1485]


schôn die slâfkamern und die wonung. Megenberg 96, 9; alles schön ordnen. Kramer 2, 638b;

thaʒ kind ir scône thâr irzôh.
Otfrid 1, 21, 14.

wie 'vollkommen': und der blinde ward schône sehende. myst. 1, 217, 4; dô sach der man dare und ward schône blind. 251, 32. auch bei concreten hat schön bisweilen den allgemeinen sinn von 'trefflich': ein schönes regiment. Kramer 2, 637b, besonders in der umgangssprache: das ist eine schöne schreibfeder, eine schöne schere und dergleichen. ähnlich, wie 'fein': schœneʒ gewant quelle bei Lexer mhd. handwb. 2, 768, schœneʒ werc, feines pelzwerk ebenda, schônwerk Schiller-Lübben 4, 117b, verderbt: schonberck oder smalentzisch. d. städtechr. 2, 77, 3, cördin (korduan) vel schönsz leder, aluta Dief. nov. gl. 18b, schön mehl, flos farinae Stieler 1754. Reinwald 2, 113b. Spiesz 226. Hertel thür. sprachsch. 220: das getraid .. in ein oder andern mühlen, zu schön- und nach-meel, gritz und graupen machen lassen. Hohberg 3, 1, 61a, wie das ebenda angeführte schön salz, flos salis, sal candidus an die bedeutung 'rein' oder 'weisz' (s. 1, c und d) gemahnend. vgl. auch schönbrod unter 1, d.
7) im anschlusz an die vorige anwendung wie 'bedeutend, tüchtig, ansehnlich', im hinblick auf quantität: sammelde dar en schone heer. quelle bei Schiller-Lübben 4, 114a; myt sconeme volke. ebenda; do sande he eme en schone stucke des cruces Christi. ebenda; und ein jglicher gab jm einen schönen grosschen. Hiob 42, 11; was hätte man darnach, wann das schöne capital auf einmahl vor die hunde gienge. Weise erzn. 52; wie du es (das zeug) da siehest, so kostet es 100. und 10. thaler .. ich dächte, ich hätte bald drüber geweinet, wie ich das schöne geld ausgeben muste. Chr. Reuter ehrl. frau 13 neudr.; wie manchen schönen groschen haben uns nur die präsenter —. Schiller kab. u. liebe 1, 1; deszwegen wunderts mich, .. dasz es heiszen will, frau Susanne werde den factor heirathen, ihr besitzthum verkaufen und mit schönem geld über's meer ziehen. Göthe 23, 67; ein schönes alter. Adelung; eine schöne kälte. Albrecht 198b;

ir wart ein schœne schar.
Ottokar 66302 Seemüller;

von Kernden herzog Heinrich
brâht im ze helfe und ze wer
von der Etsche ein schœn her. 70725;

doch lagen auch davor
in seinem pult zehn tausend Friedrichsdor.
ein schönes geld!
Göckingk 3, 215.

substantiviert: zechfrey must du ihn halten! da geht freylich ein schönes drauf, aber das achtest du nicht. Schiller räub. schauspiel 2, 3; e schönes zie, bedeutendes erben Seiler 263a.
8) ironisch: du bist ein schöner kerl, egregius vir es, scilicet Stieler 1754; du bist ein schöner vogel. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 638a, auch mit ethischem dativ: du bist mir ein schöner kerl, substantiviert: du bist mir ein schöner. Spiesz 225. Albrecht 199a; du wirst schöne stösze, schläge kriegen. Kramer 2, 638a; eine schöne sache, ein schöner handel, schöne entschuldigungen, schöne ausreden, ein schöner trost. ebenda; wenn ich ihn abschrecke, da wird schön dings herauskommen. Lenz 1, 290; schöner preisz für euren schweisz in der feldschlacht, dasz ihr jetzt in gymnasien lebet. Schiller räuber schauspiel 1, 2; das müssen schöne neuigkeiten seyn! ebenda; das wäre alsdann ein schönes geheimnisz. Göthe 19, 233; eine schöne geschichte. Spiesz 225. Hunziker 229. Seiler 263a;

das wär' ein schöner zeitvertreib!
Göthe 12, 121;

das ist schön: so! du läszt gar maschen liegen! das ist schön! pfui, das hätt ich nicht geglaubt, dasz du nicht besser acht geben würdest. Wagner wohlth. unbek. 6; das wäre schön! Kramer 2, 638b, noch schöner. adverbial: 'du tröwst schön', sagt Rengnold. 'wir hand ein schlosz, da wir üwer wol gewartten wend'. Haimonskinder 137 Bachmann; ey wie schöne kan ich es nun? Schuppius 18; du hast es schön gemacht. Stieler 1754; du wirst schön anlauffen. Kramer 638b; sich schön betrogen finden. ebenda; einen schön sitzen lassen. ebenda; sie haben mich schön verstanden! Lessing 1, 388; wir säszen jetzt schön, wenn wir warten müszten, bis uns die fee Rademante andre wäsche brächte! Wieland 11, 180; da käm' ich schön an. Lenz 1, 155; ich habe sie schön angeführt; ich habe sie zum besten gehabt, wie sie es verdienten. Göthe 18, 156; nd. schön dumm wesen. Mi 76b, aber ähnlich auch hochd.;

der spitzbub! der hat mich schön betrogen.
Schiller Wallenst. lager 5.

[Bd. 15, Sp. 1486]


ironisch zustimmend schön!: Franciska (erbittert). kann ich noch reden? o schön! o schön! Lessing 1, 570.
9) besonderes.
a) schöner nontag, dies ascensionis Christi Scherz-Oberlin 1431. vgl. DWB nonetag oben theil 7, 880: dis geschach an dem ersten zinstage vor dem schönen nondage in d. j. 1343. quelle bei Scherz-Oberlin a. a. o. vielleicht irrthümlich dafür schöner montag: montag nach dem schönen montag, dienstags vor dem schönen montag. quellen bei Scherz-Oberlin 1431. 1432.
b) schöne frau heiszt die tollkirsche, atropa belladonna. quelle von 1695 bei Pritzel-Jessen 52a. Nemnich 1, 535 und die rote lilie, amaryllis bella donna, lilium rubrum 219 ('nach einer affectirten übersetzung').
c) auch ein fisch, der sternseher, uranoscopus scaber wird der schöne genannt Campe. verglichen werden darf dazu wol das von Frischbier 2, 310b aus der chronik des Simon Grunau angeführte schone, f. als name für einen fisch in Preuszen.
 
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schönabendlich, adverbial oder prädicativ-adjectivisch:

italischer au'n
südspitze schwimmt in dem reinsten zauberduft,
verklärt, voll ruhe, schönabendlich.
Platen 133a.


 
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schönadel, m. bezeichnung der reben und trauben, die auch gutedel heiszen Adelung. Nemnich, in Grünberg die auch Elbinger genannte frühweinart Zachers zeitschr. 20, 489, schönädel Jacobsson 4, 35b, schönedel Campe.
 
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schönarmig, adj. schöne arme habend: schönarmiges kind. Gedike bei Campe.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für