Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
scholucher bis schon (Bd. 15, Sp. 1458 bis 1459)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) scholucher, m.? ein vogel: scholuchern, corvus marinus, scalueren, und scharb. Frisch 2, 219a; vgl. dazu: scalueren, scaluchern Gesner d. avib. p. 136 corvus aquaticus palmipes, mergi species, sonst auch scholueren, schulueren. 154b und scholfer; eben der, der doch disem (dem scheldrak) nit ungleych ist, ist der, so vom Alberto morfex geheissen wirt, ein grosser wasservogel, von Niderländern stolucherez, oder scholucheren genent: der ist schwartz, hat einen starcken sgchten schnabel, starcke klawen: er duncket sich under das wasser, und fahet grosse fisch, fürausz l. Gesner vogelb. 46b; prachvögel, scheltrachen, scholucher, fluder. Garg. 237a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schölung, f. bewegung des wassers, wenn kein wind sich erhebt und einen stärkeren wellenschlag hervorruft, anspülen des wassers ans ufer, s. Jacobsson 4, 35a. Krünitz 147, 633, vergl. schölen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schölwasen, m. im deichbau, bündel aus buschwerk gebunden und in der höhe des wassers befestigt, um das schölen (anspülen) des wassers abzuhalten Jacobsson 7, 267b. Krünitz 147, 633 schreibt fälschlich schöllrasen (druckfehler?).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
scholz, m., nebenform zu schulz, s. daselbst: scholtze .. praetor rusticus Steinbach 2, 489; ferner bei Adelung und Campe, auch schon mhd. scholtheisz, s. Lexer handwb. 2, 815; mundartlich im Westerwalde scholz, scholthes Schmidt 207, in Schlesien scholze und scholtisei schulzenhof Weinhold 87b:

wenn Steffen feste glaubt, er wäre ja so gut,
und besser noch geschickt an minen und gebehrden,
als andre, dasz er müss' im dorffe scholtze werden.
Günther 404.

dazu ferner Schölzelin als eigenname, s. Germ. 3, 230; scholzenbirne, f. kellerbirne Campe; schöltzerey (die) praetura, praesidium rusticorum Steinbach 2, 489.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schöme, m. , nebenform zu schemen, s. daselbst theil 8, 2536 ff.
1) schatten(bild): in den höchsten anfechtungen, die mich an meinem leibe so erschepfften unnd zumarterten, dasz ich kaum lechtzen und athem holen kondte, gieng wie ein schome, verdorret und auszgedrocknet. Luther tischr. 224a.
2) schöme, oder butzen antzlit, larva, persona Dasypodius.
3) Kilian führt an: schom, schomme, glabretum, calvetum: locus situ obsitus, squalidus; daneben schom der boomen, bryon,

[Bd. 15, Sp. 1459]


canities arborum, muscus, lanugo in corticibus arborum, s. auch Schmeller 2, 420.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schömen, verb., für schämen:

schöm dich, du schnöder teüfels knecht.
Schwartzenberg 136d.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schomerling, m. krammetsvogel, turdus pilaris Campe, wachholderdrossel Behlen 5, 547.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schompen, verb.?: trug sammet, seiden, damassken, treget jetzund den damassken so auff dem brachfeldt wechst (flachs, leinen), das gibt finger deutens und schompen gnug. Joh. Rhode tugendsamer weiber spiegel (Erfurt 1586) V 6a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schömpfer, m. schatz, liebhaber, bräutigam, dazu schömpfere, f. geliebte, braut; wol nichts als eine entstellte aussprache für schimpfer, s. daselbst (sp. 179) und schimpfen 1, c. in mitteldeutschen mundarten weit verbreitet, s. Reinwald 1, 148. Spiesz 225 (dazu schömpferblume, f. wasserrettig, tugendblume, euphalorium cannabium) Frommann 6, 528, 16, 1, schäumpfer(e) Vilmar 343. letzterer und Reinwald 1, 147 haben auch das zu grunde liegende verb. schömpfen, schümpfen, schäumpfen schön thun, verliebt sein.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schon, m. zu schonen, schonung, vgl. das gleichbedeutende mhd. mnd. schône, f. Lexer mhd. handwb. 2, 768. Schiller-Lübben 4, 114b:

drey fürsten hat der keyser lon
enthaupten sie, ohn allen schon.
Frischlin Wendelgard 4, 2.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
schon , iam, altes adv. zu schön, dessen historisch berechtigter unumgelauteter vocal (ahd. scôno, mhd. schône) sich in folge der im nhd. abgewichenen bedeutung erhalten hat. in früheren nhd. quellen begegnet es noch im sinne des adj., obgleich im 16. jahrh. schon vielfach z. b. bei Luther in solcher anwendung die umgelautete form vorherrscht und der heutige gebrauch von schon bereits völlig ausgebildet ist: frewet euch des herrn, jr gerechten, die fromen sollen jn schon preisen. ps. 33, 1; dieweil wir denn wissen, das der herr zu fürchten ist, faren wir schon mit den leuten. 2 Cor. 5, 11; sich selbs schon halten, seiner gesundtheit pflägen, consulere saluti Maaler 360d; man empfieng jhn gar schon. buch d. liebe 268c;

das einer gnant was Arion,
kundt spielen auff der harpfen schon.
Waldis Esop 2, 30, 4 Kurz;

der jüngling sprach: hertzlieb, fahr schon (: lon)!
H. Sachs 21, 289, 6 Keller-Götze;

sie gleissen schon von aussen her. Ambras. liederbuch nr. 137, 37;

ich danck dir schon durch deinen sohn,
o gott, für deine güte.
Wackernagel kirchenlied 5, nr. 118, 1.

Stieler 1910 bemerkt: schon etiam nonnunquam pro schön dicitur, und mundartlich sind spuren dieses gebrauchs bis heute erhalten geblieben: schôn tuen (bairischer wald, Ober-Main, wo das adj. sche~i, schêi~ lautet) Schm.2 2, 426, schoane, schuen adv. leise, still, schonend, lieb, zärtlich Lexer kärnt. wb. 225. umgekehrt findet sich auch bisweilen schön im besonderen sinne von schon besonders in concessiver anwendung: ob sie schön die megde mit bringet, so mag jr leichtlich was fürfallen, das sie die wegschicket. Heinrich Jul. v. Braunschweig 54 (Sus. 2, 1) Holland. der vocal weicht in den mundarten manchmal nach u aus: schuen Hintner 216, schuan Zingerle 50b, schûne, schunne Jecht 100b, schunn, schund Bernd 178. Jecht führt neben schûne, schunne auch schonne an, formen mit erhaltenem end-e, wie sie auch in älteren nhd. schriftquellen bezeugt sind: so könnten wir schone mit durchlaufen. Weise böse Cath. 1, 14. fränk.-hennebergisch mit ausfall des n schuë, schoë Frommanns zeitschr. 2, 403, 26. das von Bernd verzeichnete schund zeigt verstärkung des auslauts durch einen dental, vgl. DWB jemand, DWB mond aus ieman, mân(e), die sich mundartlich hier häufiger findet: schunt, schont Frommanns zeitschr. 2, 286, 52 (düringisch), schont Albrecht 206a, schund Frommanns zeitschrift 3, 250, 6 (schles.). Göpfert 114b, schönt Frommanns zeitschr. 5, 271, 7, 5. schons Kehrein 1, 365, ebenso nd. ten Doornkaat Koolman 3, 135a, mittelrh. schuns Frommanns zeitschr. 6, 280, 27 sind vielleicht genitivische bildungen (vgl. DWB schlechts, schlimms). durch verstärkung des auslauts kann schonst daraus entstanden sein (vgl. DWB sonst, älter sost, sust aus mhd. sus, einst aus eines, mundartlich anderst für anders), das aber auch eine auffassung als superlativ zuläszt: wie wol er vil und grosze marter schonst auch erlütten hat. Villinger chron. 52 (von 1496). auch heutige mundarten kennen es. Albrecht 206a. Hertel sprachsch. 220. Kehrein 1, 365. Frischbier 2, 311a, schunst Göpfert 114b, ebenso

[Bd. 15, Sp. 1460]


das neuere nd. brem. wb. 4, 671. Dähnert 411b. Danneil 486b, das schonst ebenso wie schon und schons besonders in concessivem sinne verwendet (ofschoon, ofschoonst, wenschoonst brem. wb. a. a. o.), während schon im sinne von 'bereits', das in der älteren form schone bereits aus dem 15. jh. erwiesen ist Schiller-Lübben 4, 115, heute meist durch al vertreten wird. brem. wb. a. a. o. daneben schonsten, schonstens Kehrein a. a. o. (vgl. DWB schönstens). in concessivem und adverbialem gebrauehe begegnet niederd. auch schöner, augenscheinlich eine comparativbildung, und daneben ein genitivisches schöners (of schöners, wen schöners, obschon, obgleich, schöners, al schöner, gleichwol, dennoch) brem. wb. 4, 671. 672. ebenso ist wol das düringische schunter aufzufassen Frommanns zeitschr. 5, 411, 14.
die heutige anwendung entwickelt sich aus dem begriffe des abgeschlossenen, völligen, den schone, schon als noch deutlich gefühltes adv. zu schön haben kann (vgl. DWB schön 6), indem dieser einer anderen erwartung gegenüber betont wird. spuren der abgezweigten bedeutung finden sich schon im mhd. des 13. jahrh. (s. 1, a, α), deutlicher im mnd. Schiller-Lübben 4, 115.
1) schon im sinne von 'bereits'.
a) die vollendung einer handlung, eines zustandes hat früher stattgefunden, als erwartet wurde, erwartet werden sollte oder konnte.
α) mit beziehung auf vollendung in der gegenwart: ich enlaugen des niht, er enphulhe mir daʒ gut, daʒ han ich im schone wider geben. quelle von 1276 bei Schm.2 2, 426; das schwert ist schon gefaszt und gezückt. Hesek. 32, 20; es ist schon komen und geschehen. 39, 8; es ist schon die axt den bewmen an die wurtzel gelegt. Matth. 3, 10; mach mir keine unruge, die thür ist schon zugeschlossen. Luc. 11, 7; ich .. habe schon als gegenwertig beschlossen. 1 Cor. 5, 3; mit vermeldung, der im duell beschädigte mensch gehöre einem graffen zu, welcher diesen schimpff nicht leiden wolle, auch die obrigkeit schon ersucht habe, sie mit allen helffershelffern in arrest zu nehmen. Weise erzn. 23 neudruck; bisz du schon kommen? jamjam venisti? Steinbach 2, 489; ich habe ihnen schon gesagt, dasz es nicht viel ist. Lessing 1, 467; habt ihr nicht schon abgeredet, mich an den ersten besten pfahl zu hängen? Göthe 14, 299;

frisch gewagt ist schon gewonnen. 1, 61;

schon ist mir das thal gefunden,
wo wir einst zusammen gehn. 62;

schon hat's (das kind) den weg ins feld gelenkt. 224;

hat der begrabene
schon sich nach oben,
lebend erhabene
herrlich erhoben. 12, 46;

und die sonne geht unter, da steht er am thor
und sieht das kreuz schon erhöhet.
Schiller 11, 289.

in irrealen fügungen: nicht das ichs schon ergriffen habe. Phil. 3, 12; das nachtässen solt schon gekochet und gerüst sein, coenam iam esse coctam oportuit Maaler 360d.
β) mit beziehung auf vollendung in der vergangenheit: sie hatten schon gessen. 1 kön. 1, 41; sie hatten schon verzagt, das sie nicht würde wider komen. Jud. 13, 14; die jüden hatten sich schon vereiniget, so jemand jn fur Christum bekennete, das derselbige in bann gethan würde. Joh. 9, 22; als Jhesus wuste, das schon alles volnbracht war. 19, 28; da sie sahen, das er schon gestorben war. 33; nun hatte der priester von dem gantzen handel schon nachricht bekommen. Weise erzn. 20 neudruck;

(ich) träumte da von vollen goldnen stunden
ungemischter lust,
hatte schon das liebe kind empfunden
tief in meiner brust.
Göthe 1, 79.


b) eine handlung, ein zustand ist wider erwarten früh eingetreten.
α) mit beziehung auf dauer in der gegenwart: spricht zu jm Martha, die schwester des verstorben, herr, er stinckt schon, denn er ist vier tage gelegen. Joh. 11, 39; er ist schon da, jam adest Stieler 1910; er ist schon zu hause, egli è gia à casa Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 639c; man sihet schon die stadt, si vede già là città. ebenda; spricht sie auch schon von kindern, die sie haben könnte? Lessing 1, 465; schon beglänzen deine (der sonne) stralen der bäume wipfel auf den hohen hygeln. Geszner 3, 99; du willst die vorhaut aus der mode bringen, weil der barbier die deinige schon hat? Schiller räuber schausp. 1, 2;

sie kommen. da kommt schon der nächtliche graus.
Göthe 1, 226;

[Bd. 15, Sp. 1461]



schon trübet der mond sich verschwindenden scheins. 231;

verkündiget ihr dumpfen glocken schon
des osterfestes erste feyerstunde?
ihr chöre singt ihr schon den tröstlichen gesang
der einst um grabes nacht, von engelslippen klang,
gewiszheit einem neuen bunde? 12, 44;

ich höre schon des dorfs getümmel. 54;

schon sieht er wie ein nilpferd aus. 67.

irreal: mir ists als säh ich dich schon um den nichtswürdigen, den abscheulichen ... in tausend thränen ergossen. Schiller räuber schausp. 1, 1.
β) mit beziehung auf dauer in der vergangenheit: das schiff war schon mitten auff dem meer. Matth. 14, 24; Pilatus aber verwunderte sich, das er schon tod war. Marc. 15, 44; fanatische eiferer sahen ihn (Gustav Adolph) schon mit einer armee über die alpen klimmen und den statthalter Christi selbst in Italien entthronen. Schiller 8, 223;

schon stand im nebelkleid die eiche
ein aufgethürmter riese da.
Göthe 1, 75;

schon lag das ganze haus im stillen. 242.

mit ungewöhnlicher wortstellung:

schon um die linde war es voll. 12, 54.


c) einer aussage gegenüber, die vollendung oder eintritt einer handlung, eines zustandes betrifft, drückt man die verwunderung über die schnelligkeit derselben oft durch ein einfaches fragendes schon? aus Kramer deutsch - ital. dict. 2 (1702), 639b: Louise. mir wird sehr übel .. Ferdinand. schon? Schiller kab. u. liebe 5, 7. auf eine mit schon so gestellte frage wird die negative antwort mit noch nicht gegeben: hast du es schon gethan? noch nicht. noch erscheint als gegensatz zu schon, wenn eine andere handlung, ein anderer zustand dauert, der erst beendet sein musz, ehe die mit schon bezeichnete eintreten kann: da lobet ich die todten, die schon gestorben waren, mehr denn die lebendigen, die noch das leben hatten. pred. Sal. 4, 2;

er ist noch heide mit den seinen,
und sie sind schon Christen und getauft.
Göthe 1, 242,

auch bei regelmäsziger wiederkehr desselben zustandes:

es ist morgen
und ihre königliche majestät
noch angekleidet oder schon.
Schiller dom Karlos 3, 4.


d) schon in verbindung mit anderen zeitlichen bestimmungen der aussage.
α) mit solchen, die den zeitraum, den zeitunterschied zwischen eintritt des ausgesagten und der gegenwart oder einem andern zeitpunkt angeben: nun hab ich zehen jahr in frembden ländern zugebracht, liege auch schon zwanzig jahr zu hause. Weise erzn. 37 neudruck; schonlängst, jam diu Stieler 1910; schon von kleinen auf, jam inde ab incunabulis. ebenda; schon von der jugend an, jam usque a puero Steinbach 2, 489; wir haben dieses schon lange vor uns, jam dudum isthaec tractamus. ebenda; es ist schon lange, dasz, jam diu est, quum. ebenda; wir haben schon lange nichts neues erfahren, jam diu nihil novi ad nos adfertur. ebenda; sie waren schon länger als eine stunde bemüht, jam amplius hora moliebantur. ebenda; schon seit monaten sind wir in éinem hause, und warten auf einerley glück. Lessing 1, 387; schon seit vier jahren hat man nicht die geringste nachricht von ihm. 468; schon von der zeit der blyhte bis zu der ernde-zeit hatt' ihn die liebe gepeinigt. Geszner 2, 25; ich will dir was ins ohr sagen Moor, das schon lang mit mir umgeht. Schiller räuber schausp. 1, 2;

mich freut sie lange schon.
Göthe 1, 69;

schon seit manchen schönen jahren
seh' ich unten schiffe fahren. 101;

stürze dich (sonne) eilig ins meer, um morgen früher zu sehen,
was jahrhunderte schon göttliche lust dir gewährt. 282;

ich sah ihn lange schon. 12, 62.


β) mit solchen, die zur genaueren bezeichnung des zeitpunktes dienen, wo das ausgesagte statt hat: schon vorher, jam antea Stieler 1910; zu der zeit schon, eo jam tempore Steinbach 2, 489; schon damals, jam tum illis temporibus. ebenda; schon so fryhe, meine schwester! Geszner 3, 79; ich bin freylich wunderbarerweisz schon voraus beschnitten. Schiller räuber schausp. 1, 2; sie (die natur) verschwor sich wider mich schon in der stunde meines werdens. räuber trauersp. 1, 1; ich kann nicht elender werden, als ich jezt schon bin. werke 3, 566;

beide väter waren gastverwandt,
hatten frühe schon
töchterchen und sohn,
braut und bräutigam voraus genannt.
Göthe 1, 242.

[Bd. 15, Sp. 1462]



γ) die nähere verbindung, die das wort mit solchen bestimmungen eingeht, kennzeichnet sich dadurch, dasz es neben ihnen in diesem sinne auch bei futurischem prädicat stehen kann: schon in, nach drei tagen werde ich fertig sein. besonders fragend: wirst du dann schon fertig sein?
δ) wie bei adverbialen bestimmungen, so erscheint schon auch bei temporalen nebensätzen: stand nicht der kopf schon, eh noch ein glied sich regte? Schiller räuber schauspiel 1, 2; schon solange ich ihn kenne, thut er das; schon als ich ihn kennen lernte, that er das; mit ungewöhnlicher wortstellung:

doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
schon warnt mich was, dasz ich dabei nicht bleibe.
Göthe 12, 66.


ε) anders ist das verhältnis, wenn schon im nebensatze selber steht, wo es den früheren eintritt des darin ausgesagten gegenüber dem hauptsatze bezeichnet: und nach dem abendessen, da schon der teufel hatte dem Juda Simonis Ischarioth ins herz gegeben, das er jn verrhiete, wuste Jhesus, das jm der vater hatte alles in seine hende gegeben. Joh. 13, 2; durch den glauben opfferte Abraham den Isaac, da er versucht ward, und gab dahin den eingebornen, da er schon die verheissung empfangen hatte. Ebr. 11, 17.
ζ) verschieden von δ sind gleichfalls fälle, in denen ein mit als eingeleiteter nebensatz einen fortschritt in der erzählung darstellt, ein neues verspätetes oder unerwartetes ereignis einführt, dem gegenüber das im mit schon modificierten hauptsatze ausgesagte als wider erwarten früh eingetreten erscheint:

schon schien die list dem juden als gelungen,
als der betrieger schnell sich selbst gefangen sah.
Lessing 1, 33.


η) in gleichem sinne wird einem mit schon modificierten hauptsatz ein anderer mit da eingeleiteter gegenüber gestellt:

schon war ich hinein (in den garten); da sah ich zum glücke den oheim
neben den stöcken, bemüht hin sich und her sich zu drehn.
Göthe 1, 284.


θ) in einer paratactischen verbindung zweier sätze, von denen der erste mit kaum, der zweite mit schon modificiert ist, bezeichnet der letztere den wider erwarten frühen, unerwarteten eintritt eines zustandes, einer handlung kurz nach dem eintritt des im ersten ausgesagten: kaum beschien die morgen-sonne das bemosste dach, so waren alle schon wieder versammelt. Geszner 2, 75; kaum hat die schwalbe ihren gesang angefangen, der fryhe hahn hat kaum noch den morgen gegrysst, und du bist schon in den thau hinausgegangen. 3, 79;

kaum bist du sicher vor dem gröbsten trug,
kaum bist du herr vom ersten kinderwillen,
so glaubst du dich schon übermensch genug,
versäumst die pflicht des mannes zu erfüllen!
Göthe 1, 5.

ähnlich steht bei wiederkehrenden ereignissen im vordersatze nur mit vorangestelltem verbum und im nachsatze schon:

reift nur eben der sommer die früchte,
denkt sie an vorrath schon für den winter. 342.


e) schon in verbindung mit näheren bestimmungen, die die wiederholung der handlung angeben: schon etliche mahl, jam aliquoties Steinbach 2, 489; ich bin schon so oft da gewesen. Adelung;

seht, er läuft zum ufer nieder;
wahrlich! ist schon an dem flusse,
und mit blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem gusse.
schon zum zweytenmale!
Göthe 1, 238.


f) zur hervorhebung überhaupt gegenüber ausgesprochener oder angenommener geringerer erwartung, geringerer meinung von etwas.
α) den übergang vermittelt neben den unter d und e erwähnten auch ein gebrauch von einem prädicat, bei dem das unerwartete sowol in der kürze der zeit bis zum eintritt als in dem geringen masz der bedingungen dafür liegt: ich sehe schon, woran ich mit dir bin. Lessing 1, 484; ich rieche den braten schon. Schiller räuber schausp. 3, 2. es ist schon gut, schon recht; ironisch: habt euch selbst verrathen. so ist's schon recht. Göthe 14, 299;

nur nicht so stolz! es ist schon gut! 12, 51.

auch kurz schon recht, schon gut:

Alba. zwei worte, gnäd'ger prinz.
Carlos. ganz recht — schon gut — ein andermal.
Schiller don Carlos 2, 5.


β) in näherer verbindung mit anderen einzelnen satztheilen: wenn ihr gesichte auch das schönste ganz und gar nicht wäre, so würden sie doch schon ihre manieren zu der angenehmsten

[Bd. 15, Sp. 1463]


person unter der sonne machen. Lessing 1, 465; in der folge aber fand sichs, dasz schon allein die dramatische methode auch ohne hinsicht auf theatralische verkörperung, vor allen gattungen der rührenden und unterrichtenden poesie einen vorzüglichen werth habe. Schiller 2, 4; ist doch schon manches universal-genie, das die welt hätte reformiren können, auf dem schindanger verfault. räuber schausp. 1, 2; eckelt dir schon von dem matten gemälde? 1, 3; schon die politik könnte sie zwingen wort zu halten. 2, 3;

das wort erstirbt schon in der feder.
Göthe 12, 87.


γ) bei nebensätzen: schon dasz du das sagst, ist ein frevel; schon wenn du dies thust, bin ich zufrieden. mit vorbereitendem demonstrativpronomen: glaubt ihr nicht dasz er das schon für verzeihung nehmen werde, wenn ihr ihn noch eines eigenhändigen schreibens werth haltet? Schiller räuber 1, 1. mit folgender steigerung:

ach, schon wird es so schwer, der könige schande verbergen! ...
schwerer wird es nun mir, ein schönes geheimnisz zu wahren.
Göthe 1, 291.


2) schon im sinne von 'gewisz, freilich, allerdings'.
a) dieser gebrauch fügt sich eng an den vorigen an, ist aber jedenfalls auch im unmittelbaren anschlusz an die zu grunde liegende bedeutung 'völlig, abgeschlossen' entwickelt. es wird hier eine thatsache schlechthin der gegentheiligen, anderer erwartung, ausgesprochenem oder angenommenem zweifel gegenüber hervorgehoben: es wird sich schon schicken. Weise erzn. 53 neudr.; gehet nur voran, ich will schon nachfolgen, passate avanti, iò seguirò già Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 639c; ich will ihn schon krigen, io lo trovarò acchiapperò, coglierò già. ebenda; ich will euch schon bezahlen, io vi pagherò già. ebenda; das thue ich schon nicht, questo non lo farò già. ebenda; wir wollen heute schon noch eins werden. Gellert bei Adelung; ich will es ein ander mal schon wieder einbringen. derselbe ebenda; ich weisz schon, wie junge leute sind. derselbe ebenda; jetzt wird ihm ein armes mädchen angehangen, und das arme mädchen, um dankbar zu seyn, wird auch schon wissen, wie es sich gegen den vormund verhalten musz. Lessing 1, 476; ich will meine dinge schon machen. Weisze bei Adelung; sie können einander schon heurathen. Adelung; es wird schon reichen. ebenda; es wird schon gehen. Campe; wir wollen schon sehen. Schm.2 2, 426; es wird schon werden. ebenda; das ist schon wahr. ebenda; das ist schon ein rechter spitzbueb. ebenda; chunst (kommst du)? jo i chume schó, freilich, gerne Hunziker 229;

wer wahrheit liebt, den menschen nützt,
sich selbst beherrscht, die tugend schützt,
der ist schon werth gekrönt zu werden.
Günther bei
Steinbach 2, 489;

sein einziger son der bin ich ja schon.
Uhland volksl.2 527 (nr. 259), 5;

wir wollens am alten schon rächen.
Bürger 61b;

ich meine,
wir wollten uns schon selbst zu schirmen wissen.
Schiller Tell 1, 4.


b) bisweilen wird durch schon etwas als richtig zugegeben, zugleich aber auf einen einwand, einen gegensatz, einen widerspruch vorbereitet, der in einem mit adversativer partikel eingeleiteten satz ausgesprochen wird, ein gebrauch, den Adelung als 'im hochdeutschen fremd, und besonders den Nidersachsen geläufig' bezeichnet: es ist schon wahr, aber. Adelung; schon recht, schon recht — aber, wenn er nun kommt mit der larve des heuchlers, euer mitleid erweint, eure vergebung sich erschmeichelt? Schiller räuber schausp. 1, 1;

Nathan. dann, Daja, hätten wir ein neues (haus) uns
gebaut; und ein bequemeres.
Daja. schon wahr!
doch Recha wär' bey einem haare mit
verbrannt.
Lessing 2, 191.


c) tritt so das mit schon modificierte gegenüber dem gegensatz zurück, so ist das noch mehr der fall, wenn der vordersatz mit schon conjunctivisch gewendet wird: das ginge schon an, aber ..
d) daran reiht sich schon im verein mit der dem fragesatz gleichen wortstellung zur bezeichnung eines concessiven nebensatzes: musz ich schon kümmerlich leben, so .. Adelung;

hast du dir schon allhie sonst können nichts erwerben;
dein eignes und dich selbst fast drüber eingebüst,
sei dennoch unbetrübt.
Fleming 107.

ungewöhnlich ist die folgende satzstellung:

gleichwol habt ihr jhn gehabt,
ist er schon hinweg getragen. 342.

[Bd. 15, Sp. 1464]


auch im mnd. wird schon ähnlich verwandt: die schone better wisten, die moisten stil schweigen. quelle bei Schiller-Lübben 4, 115a.
e) häufiger und bereits im hochd. des 16. jh. völlig entwickelt ist schon in verbindung mit conditionalem ob oder wenn zur bezeichnung eines concessiven verhältnisses, vgl. DWB ob 4, c oben theil 7, 1057 und wenn unten. mnd. oft, eft schone Schiller-Lübben 4, 115a, nnd. ofschoon, ofschoonst, wenschoonst brem. wb. 4, 671, auch of schöners, wen schöners 672, in den XIII comuni bi (wie) schoan cimbr. wb. 228b.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort:
 
  

 

Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für