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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
scholle bis schollenweise (Bd. 15, Sp. 1455 bis 1456)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) scholle, f. platteise, eine art seefische von eigenthümlicher gestalt, die auf einer seite schwimmen und beide augen und naslöcher auf der obern seite zusammen haben, auch plattfisch, halbfisch genannt, pleuronectes platissa. der name wird auch in weiterm sinne gebraucht, sodasz er butte, flunder u. a. mit umfaszt, s. Adelung. Bloch öconom. naturgeschichte der fische Deutschlands (1782) 2, 31. Jacobsson 7, 267b. Krünitz 147, 607. 627. Oken 6, 163—66. Faber fische Islands 135—148 unterscheidet die rothgefleckte scholle, pleuronectes platessa; vierzähnige scholle, pleuronectes quadridens; nordische scholle, pleuronectes platessoides; stachelichte scholle, pleuronectes flesus; heilbuttscholle, pleuronectes hippoglossus.das wort findet sich zuerst im nd. und ist von da in die hochd. schriftsprache eingedrungen. mnd. schulle, scholle, passer piscis. sculle vel plaidise pecten, gl. Bern., ordinancia (im j. 1377) s. Schiller-Lübben 4, 148b; flagendula .. scholle, hd. scholl, schulgen Dief. gl. 237c, pecten halp fisc .. sculle vel plaidise (nl., 14. jh.), schullen (1517, s. unten) 418c, solea scholle vel meerbotte 540c; Weigand 2, 629 gibt an sculle (14. jh., s. oben), schulgen (1414), mittelrhein. scholle (1469), clevisch schol (1475). niederländisch scholle, platdijs, passer piscis; scholle, tonghe, solea, lingulaca piscis Kilian; jetzt schol. die herkunft ist unbekannt. manche nehmen entlehnung aus lat. solea oder franz. sole an, woraus engl. sole stammt (Skeat 572b); es könnte dann vermischung mit dem ersten scholle eingetreten sein, vgl. Kluge5 335d. Franck 854. nhd. seit anfange des 16. jh.: alosa eine schulle, vulgo squamena Trochus (1517) J 1b; schollen, schullen oder butten, sind zweierley: ettlich sind steinbutten ... die andern sint schlecht meerbutten, pisces sunt generis rhomborum et passerum. Eberus et Peucerus scholl interpretantur soleam .. Germani inferiores tunge id est linguam. Gesner de pisc. 101 f.; flachfisch, breitfisch, oben ausz nicht rund, als ein brachszme, scholle, plateiszlin, stockfisch. Henisch 1121, 4; scholle piscis est, vocatur solea Schottel 1407; scholle, schulle, schole, f. pesce di mare Kramer dict. 2, 636c; scholle, et schulle, die, piscis solea dictus; alias passer, ein halbfisch, refert enim latitudine sua soleam, seu particulam corii perfecti Stieler 2052; scholle (die, plur. schollen, quibusdam platteisen vel platteisken, ein fisch) lingulaca, solea, passer Steinbach 2, 488; plateisslein, schollen, schorr, stockfisch, hering und ander fisch. Fronsperger kriegsb. 1, 160a; von den schollen oder platteissen, und stockfisch. Coler hausb. (1680) 1, 84a; schollen die soll man um ostern einkauffen, da sind sie am wolfeilsten. 326b; ich kenne leute, die stehn in der meynung, wenn sie nicht an der aschermittwoche gelbe musz, am gründonnerstage ein grün kraut von neunerley kräutern, an der pfingstmitwoche schollen mit knobloche fressen, so würden sie noch dasselbe jahr vor Martini zu eseln. Weise erzn. s. 126 neudr.; mich wundert, dasz sie in Holland die schollen oder tungen, die alda häuffig seyn, solcher gestalt nicht zurichten. Becher närrische weish. s. 68; oder wenn es ihnen gelang, eine mächtige scholle (qveite) zu fangen, deren fetter rücken, getrocknet, einen seltenen leckerbiszen der einwohner abgiebt. Steffens bei Wackernagel leseb. 3, 2, 1297, 39. sprichwörtliche redensarten: du hast schollen gessen, die hände kleben dir, cognatum illi visco manum tingere, h. e. furto atque rapinis operam dare Henisch 1569, 27; schollen und butte sind wol gelattet, aber ubel gedecket. 572, 68. Petri Ss 5a; er träumt von schollen und iszt plattfische, oder nd. de vun schullen drömt, itt gêrn butte. Wander 4, 314.
 
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scholle, m. schuldner. alte nominalbildung zu skal, skulan debere: ahd. scolo debitor, obnoxius (thes lîbes scolo, des todes schuldig Otfrid 4, 22, 7, vgl. 24, 27), unscolo insons Graff 4, 467;

[Bd. 15, Sp. 1456]


mhd. schol, schwaches und starkes masc., schuldner; auch urheber, anstifter Lexer handwb. 2, 766; bair. schol (auch als adj.), geschol, scholman, dazu selbschol, selbgeschol Schm. 2, 402; schwäb. scholl, gescholle 1) schuldner, auch selbscholl, 2) haupturheber einer bösen that Schmid 476. die belege reichen bis ins 16. jahrh.: des sol der richter des gotzhaus geschol sein. quelle vom jahre 1380 bei Schm. a. a. o.; er wär ir rechter schol. quelle vom jahre 1435 s. ebenda; auch sant wir am nechsten tag dorvor ein lauffenten poten wegk mit priffen an vogt, schosser und purgermaister, rat der stat Salfelt, umb das sie uns rechtz hulfen zu den vorgeschriben unseren schollen. d. städtechr. 2, 83, 12 (zum jahre 1444); der anclager soll den oder die, die ir geschollen sind zu dreyen malen fürbieten. Augsburger achtordn. vom j. 1540 bei Schmid a. a. o.
 
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schöllelein, n., deminutiv zu scholle: schollelein, seu nostrâ dialectô schöllgen, glebula Stieler 2052; oberd. schöllele (das) grumulus Maaler 360b; parva gleba Frisch 2, 218c: der weyhrauch werde thus genennet, wegen der schöllelein, so man siehet, als wann sie zustossen weren und zu latein tusae glebae genennet werden. a. weisheit lustg. 629.
 
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schollen, verb.
1) ableitung zum ersten scholle, f.; erdschollen aufwerfen, vom maulwurf Schm. 2, 402; in der Schweiz scholle, die erdschollen zerschlagen Hunziker 229; ebenso aufschollen, s. theil 1, 730: aufschollen, contumulare, aufhauffen Maaler 36b. Frisch 2, 218c.
2) sein wasser lassen, harnen, besonders im meisznischen Adelung. Krünitz 147, 627; sprichwörtlich: hinger nem ahlen brom es got schollen. Simrock sprichw. 9162a.
3) ältere nebenform zu sollen, s. daselbst; jetzt besonders in süddeutschen, doch auch in niederd. mundarten, s. Frommann 2, 395, 1. Schm. 2, 260 f. 402. Zingerle 50a. cimbr. wb. 228b. Schröer 204a. Danneil 186b.
 
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schollen, adj.?: nichts destoweniger haben diese jungen leute mich allerseits ersuchet, ihnen den vortheil zu gönnen, und ein theil solcher schollnen erfindungen im drucke mitzutheilen. Joh. Riemer in Hoffmanns spenden 1, 128.
 
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schollenhüpfer, m. name des weiszkehlchens, motacilla oenanthe, weil es auf den schollen des frisch gepflügten ackers umherhüpft und würmer sucht Campe.
 
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schollenkot, m.:

und können wir nicht tragen mehr
krebs, panzerhemd, helm, schwerdt und speer,
und erliegen darunter todt
wie ameis unterm schollenkoth.
Göthe briefe 2, 10 Weim. ausgabe (an Merck, dec. 1771).


 
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schollenpastete, f. pastete von schollen (fischen). Krünitz 147, 615 f., schollentorte 616.
 
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schollenpflichtigkeit, f.: erst in der zeit der russischen herrschaft entschlosz sich der deutsche adel, den bauern von der schollenpflichtigkeit zu befreien. Treitschke hist. u. polit. aufs. 2, 23.
 
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schollentritt, m. der die schollen niedertritt, pflüger, ackersmann?: als eigenname Scholladrit Metzen hochzit v. 15 (Laszberg lieders. 3, 399); einer under jnen .. genannt Forgier Schollentritt. Garg. 198a.
 
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schollenweise, adj. und adv. in oder nach schollen; schollenweise (unbändig) lachen s. erstes scholle 3: den sonntag darauf .. habe es sich lustig gemacht, und auf vernehmen, was das gemürmel von ihm rede, schollenweis (unmässig) gelachet. Pestalozzi 8, 40.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für