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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
scholiast bis scholle (Bd. 15, Sp. 1452 bis 1453)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) scholiast, m. scholienschreiber, erklärer; aus griechischem σχολιαστής: auf Furius, einen heutigen, noch ungedruckten scholiasten. Hagedorn 1, 113 (überschrift); es sind drey jahrhunderte, dasz nicht etwa nur die scholiasten unsrer republik, sondern auch die scholiasten aller gelehrtenrepubliken des ganzen Europa die alten erklärt haben. Klopstock gelehrtenrepublik 219; gleichwol würden wir Deutschen .. noch immer nachsicht mit unsrer scholiastenzunft gehabt haben. ebenda.
 
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scholie, f. erklärende gelehrte anmerkung, wie sie die antiken herausgeber ihren texten beizugeben pflegten, aus griech. σχόλιον Weigand 2, 629; in bezug auf neueres besonders in der mathematik gebräuchlich Eggers kriegslex. 2, 835: unter den Griechen fanden sich gelehrte critiker oder grammatiker, welche die gröszte sorgfalt darauf verwandten, den text der alten dichter .. zu erläutern. ihre scholien schreiten häufig in zuweitgetriebene spitzfindigkeiten aus, allein sie enthalten

[Bd. 15, Sp. 1453]


einen schatz von bemerkungen u. s. w. J. Grimm gramm. 11, s. xvi.
 
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scholieren, verb. mit scholien versehen, erklären (?): nach dem credo, that orator pontificius eine geschwinde oration in latinischer und deudscher sprache, versehe mich, sie werde gedruckt und scholirt werden. Luther 5, 28b.
 
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scholken, verb., auch spolken, seemannsausdruck, die see scholkt, schlägt hoch, aber mit geringer kraft gegen das schiff Bobrik 608b.
 
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scholköpfig, adj.? ht dich z dem ersten, dz du nit für dz hütterlin erwüschest eyn unsinnigen, scholkopffigen wütenden dorffrüdden, der yederman fressen und zerzerren will. Keisersberg bilger 140b.
 
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schölkraut, s. DWB schöllkraut.
 
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scholl, m., s. DWB scholle.
 
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schollbeiszer, m. die schabe, blatta, im hannoverschen Campe.
 
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schollbrechen, n. Alberus dict. L 2a.
 
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schöllchen, n. kleine scholle (s. das.) Campe: schöllgen glebula Stieler 2053.
 
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scholle, f. klumpen von erde oder eis. nach der gewöhnlichen annahme eine participiale ableitung zu der indogermanischen wurzel skel-, spalten, wie auch schale (theil 9, 2060) und schild (s. oben sp. 109), s. daselbst. das ll würde dann aus l-n assimiliert sein, vgl. Grimm gramm. 2, 32. 54. Wilmanns d. gramm. 2, s. 300. schwierigkeiten macht nur die im 15. und 16. jahrh. zahlreich belegte und noch jetzt in mundarten übliche nebenform schrolle (z. b. in wörterbüchern von 1445, 1538 und noch 1723, ferner fastn. sp. 88, 13. 480, 13. 529, 14. H. Sachs 3, 3, 25d. 4, 1, 48d. Schm. 2, 601. Höfer 3, 115. Frommann 3, 192, 91. 6, 170, 96, s. die belege unter schrolle sowie Weigand 2, 629; ferner die zusammensetzungen ackerschroll th. 1, 175, eisschroll theil 3, 380, erdschrolle 780). das nebeneinander von scholle und schrolle vergleicht sich den zahlreichen fällen, wo r nach anl. consonanz bald fehlt bald erscheint, die Noreen urgerman. lautl. s. 219 ff. zusammenstellt, und deren erklärung nicht überall klar ist. an der identität der doppelformen wird man nicht gern zweifeln; doch macht es schwierigkeiten, überall das r als ursprünglich in der wurzel enthalten zu denken; einen ausweg bietet die beliebte annahme alter reimwörter, vgl. auch DWB schrillen. eine andere erklärung gibt Streitberg urgerm. gramm. s. 151. eine ablautende nebenform schelle s. theil 8, 2492.
in den ältern dialekten ist das wort vielfach mascul. ahd. scollo, m. und scolla, f., auch scolle, scholle gleba, glebula Graff 6, 478 (nur im nom. sing. belegt); mhd. scholle, schwaches masc., auch scholl, ferner schelle, schalle, schülle, schrolle, s. Lexer handwb. 2, 767. 803. 813. nachtr. 361: gleba .. chnol o. schroll, erdknoll, -scholl, ein scholl erdtrich, scholle, scholl Dief. gl. 265a, schelle, scholle nov. gl. 194b, stiria .. iszolle 349a. mnd. nur schulle rasenstück in einer Oldenburger urkunde von 1501 Schiller - Lübben 4, 148b; niederl. schol, f. s. Franck 854 und zum ganzen Kluge5 335a. auszerhalb des deutschen läszt sich nur schwed. skolla, dünnes stück blech, vergleichen. auch im nhd. haben die ältesten wörterbücher das masc.: acker scholl, gleba, glebula Dasypodius; scholen (der) gleba Maaler 361a; scholl, m. gleba terrae Schottel (1663) 1407; scholl (der) gleba, schollen (der) idem, dazu ackerschollen, eiszschollen, erdschollen. Steinbach (1734) 2, 488; scholl, scholle, s. m., ein dickes stück von der obern fläche der erde, oder des eises, crusta crassior Frisch (1741) 2, 218c. doch auch das fem. schon 1657: so du einen erdklosz (erdscholle) zerreibest und zermalmest, so wird sie zu staub. Comenius sprachenth. 81; scholle, schrolle, it. zolle, zolla, cespo, cespuglio, teppa Kramer dict. 2, 636c; scholle, gleba, et grumus terrae Stieler 2052; seit Adelung feststehend. belege aus der litteratur: die Persier weren eins schollen erdrichs nottürftig gewesen. Rihel Livius 498; ferner Simpl. schr. 3, 219 Kurz, s. unten. belege aus Opitz, Gryphius, Hagedorn (s. unten) lassen das geschlecht unentschieden. erdscholle(n) findet sich noch bei Wieland und Göthe als masc., s. th. 3, 780. mundartlich im oberdeutschen, meist als masc., so bair. der schollen, scholl Schm. 2, 402; alemannisch scholla, m. torf Tobler 146b. Frommann 6, 120, 50; schwäb. scholl, m. haufen Schmid 476. schweizerisch sonst als fem. Hunziker 229. Seiler 262b.
bedeutung.
1) groszer erdklumpen: ackerscholle, propr. terra ista quasi scissilis, quae inter arandum et proscindendum vomere agrum in assulas quasi secatur. Stieler 2052, vergl. Krünitz 147, 606;

[Bd. 15, Sp. 1454]


er spielt die rotte sam daʒ sech (karst, pflugschaar)
die schollen ûf dem acker. troj. krieg 33717;

doch mag iclîche sêle ir vegefûr lîden wô got wil: di einen in eime berge, di anderen in eime bruchiche (sumpfe), di dritten in eime schollen, di virden f einre wisen. d. myst. 1, 234, 35; man solle auf dem acker die schollen mit sonderbarem fleisz zerklopffen oder brechen. Hohberg 3, 2, 19a; er (der stier) wütete mit seinen hörnern gegen die erde und schleuderte die schollen hoch in die luft. Siegfr. von Lindenberg4 2, 345; grosze schollen hatten sich vom damme losgetrennt. Göthe 17, 158 (wahlverw. 1, 15); es war aber um die zeit der roggenblüthe; der rauch ging von den ähren und wallte in den warmen sommerlüften, ein opfer der scholle. Immermann Münchh. 1, 157; das letzte wort der grabrede war verklungen, die letzte scholle auf Fritz Nettenmairs sarg gefallen. Ludwig 1, 343; wenn der landmann im frühjahr die erste scholle umwarf. Freytag bilder 1, 19; für das ganze mittelalter der Deutschen ist entscheidend, wie sie in der urzeit auf den schollen des deutschen ackerbodens saszen. 29;

du auch, entschleusz die harten schollen
von diesem thau geschwängert land.
A. Gryphius 2, 239;

hier schaufelst du durch schollen und durch steine.
Hagedorn 1, 73;

ein schwangrer berg beginnt zu kreissen,
und wird itzt, eh man sichs versieht,
mit sand und schollen um sich schmeiszen. 2, 53;

es war ihr pflug, der oft die harten schollen zwang.
Gotter 1, 135;

da hebt sich eine scholle,
die liebe lauscht hervor.
Grillparzer5 1, 223;

nicht eine stadt, kein haus, nicht eine scholle
gab er dahin von Oestreichs weitem grund. 45, 110 (k. Ottokar 4);

(ich) seh' meine äcker frisch und prächtig dampfen,
erfreue mich der pflugschaar, wie sie aus
den umgeworfnen schollen blitzt.
Grabbe 1, 344;

scholle für grundbesitz, auf eigner scholle leben u. ähnl.: die nothwendigkeit ... die stadt zu verlassen, um auf eigener scholle den leichtsinn der letztverflossenen zeit wieder gut zu machen. Grillparzer4 11, 230; bis dahin (1840) verharrte die mehrheit des volkes noch in den kleinstädtischen gewohnheiten der ersten friedenszeiten, seszhaft auf der väterlichen scholle. Treitschke d. gesch. 3, 682; so auch an der scholle kleben, sich nicht von seinem besitzthum oder seiner heimat entfernen, auch freier:

musz ewig ich an dieser scholle (der erde) kleben,
das lichte ahnend, doch in nacht gebannt?
Ludwig 1, 51.

der leibeigne ist an die scholle gebunden: der bauer, welchen ich von der scholle befreit, murrt, dasz ich nicht mehr gethan. Laube Struensee s. 179 (4, 7);

wen sein herr an die scholle befestigt, ohne der scholl' ihm
einiges recht zu gestehn, als lastvieh achtend und werkzeug.
Voss 2, 52.

in freierem sinne auch der bewohner und bebauer der scholle überhaupt: ein mensch auf der scholle geboren, wird ihr durch gewohnheit angehörig. Göthe 23, 118 (wanderj. 3, 9); ihn (Hiller) dem ackerbau widmen, der scholle zueignen, wäre unerlaubt, selbst wenn er aus irrthum zu einem solchen festen und sicher scheinenden besitz einige neigung fühlte. 49, 184; dasz dies mittelland Germaniens nicht durch angestammte bevölkerung besiedelt war, deren heiligthümer und heimatsgefühl an die scholle banden, das ist ein schade der deutschen geschichte geworden, den wir noch heute fühlen. Freytag bilder 1, 36. übertragen im verkürzten vergleiche:

und sprach er (Odysseus) nie mit grollen:?
'fort aus dem freien meer!
wirf nicht in seinen schollen
dein lügenkorn umher!'
Herwegh ged. eines lebend. 1, 9.


2) eisz - scholle, crusta glacialis, fragmentum glaciei aquae innatans Frisch 2, 218c; also nur alles wild durcheinander gestopft und geschoben, wie schollen beim eisgange. Immermann Münchh. 1, 49;

die schollen rollten, schusz auf schusz,
von beiden ufern, hier und dort.
Bürger 36b;

schwimme, du mächtige scholle, nur hin! und kommst du als scholle
nicht hinunter, du kommst doch wohl als tropfen ins meer.
Göthe 1, 408;

oder des winters schnee und gefrorene schollen des eises.
Voss Il. 22, 152.

[Bd. 15, Sp. 1455]



3) ein groszes stück, bildlich in der wendung eine scholle lachen, ein lautes gelächter anschlagen, laut auflachen, herzlich lachen, vgl. die gleichbedeutende volksthümliche verbindung (sich) einen ast lachen. doch ist vielleicht etymologische anlehnung an schallen mit im spiele: Springinsfeld lachte hierüber einen groszen schollen. Simpl. schriften 3, 219, 19 Kurz (Springinsfeld cap. 13). so noch in alemannischen mundarten: einen schollen rauslachen Schmid 476 (Schwarzwald); e scholle lache, auch e schübel lache Seiler 262b; en scholla lacha Tobler 398b; eine scholle lachen Stalder 2, 347, s. auch Wander 4, 314.
4) mundartliches.
a) torf, das einzelne stück torf Tobler 146b.
b) auf den Pinzgauer alpen ein stück dünger von der form eines backsteins Schm. 2, 402.
c) in Danzig schollen, in den polnischen karten carreau. Klein 2, 140, s. DWB schelle 3, a theil 8, 2495.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für