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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
scholdern bis scholieren (Bd. 15, Sp. 1451 bis 1453)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) scholdern, verb.
1) mit würfeln u. a. spielen, oder ein glücksspiel veranstalten: scholderen, ludum aleatorium exercere: aleatoribus et lusoribus ludendi copiam dare, instrumentaque suppeditare certa mercede aut parte lucri Kilian. Scherz-Oberlin 1430: etlich (vom adel) verhengen auch von zeittlichs nutz wegen mangerlay übels in iren tavernen, als spilen, tantzen und scholdern und gott übel handlen. Keisersberg granatapfel c 1c, vgl. Schm. 2, 408; die alten haiden verbieten das spil; es ton unser amptleut, richter und schergen ains an unsern feirtagen und kirchweihen, scholdern offenlich .. nemen das gelt darumb. Aventin werke 1, 192, 26; wir liegen triegen .. sein neidig hessig, scholdern poldern. 4 (chron. 1), 60, 4 (zu 2?). später in der form schollern, mit nüssen oder steinen spielen, nucibus aut lapillis ludere Frisch 2, 219a (mit verweis auf franz. cheoller, choller, picard. chouller, jouer an ballon). so jetzt noch in mundarten: schwäb. mit würfeln, kugeln spielen, (im Elsasz) beim spiel wetten Sghmid 476, in Ulm mit würfeln spielen Klein 2, 139, bair. vom kegelspiel oder vom wetten auf eine zahl zu machender kegel Schm. 2, 408, tirol. ein glücksspiel (würfel- oder kegelspiel) machen Schöpf 643, hennebergisch schollern beim kartenspiele einen bestimmten satz an geld in den teller legen, als vergütung für den wirt, der die karten hergibt Spiesz 225, luxemburg. schulleren beim spielen bank halten Gangler 410.
2) in mundarten finden sich auch andre bedeutungen, so a) schwäb. müssig umher laufen (in Ulm) Schmid 476. Klein 2, 139. Campe, herumflankieren Schöpf 643; b) aufkaufen Schmid a. a. o.; c) waren auf einem beiwagen (s. scholderwagen) fahren ebenda; d) lachen Campe; e) lärmen, mit schellen u. dgl., viel

[Bd. 15, Sp. 1452]


und gern reden, plaudern Schöpf 643. — alle diese bedeutungen werden sich schwerlich auf eine gemeinsame wurzel zurückführen lassen; geht man von der letzteren aus, so liegt es nahe, in dem worte eine ableitung zu schallen u. s. w. zu sehen, woraus sich dann die bedeutung 1 unschwer erklären liesze (s. Campe); doch ist das nicht sicher und die frage der entlehnung musz hier jedenfalls offen bleiben.
 
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scholderplatz, m. platz, wo glücksspiele gehalten werden: wollen wir dass kaine spil noch scholderplötz mit karten, würffel, in die prenndten oder ander spil, umb gelt oder um aufgeworfene gwinnster, zu spilen zugelassen werden. tirol. polizeiordn. von 1603 bei Schöpf 643. Scherz-Oberlin 1430; in München bestand sogar der sold des züchtigers und der richtersknechte darin, dasz diese in der stadt 'spiel- und scholderplätze halten' durften. Kriegk bürgerthum im mittelalter 428.
 
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scholderwagen, m. schwäbisch, beiwagen eines fahrenden boten Schm. 2, 409, der das vom gewöhnlichen fuhrmann zurückgelassene nachbringt Schmid 476 (zu scholdern 2, c).
 
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schöle, f., rectius sole, solea, fussole Schottel 1407, s. DWB sohle.
 
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schölen, verb. , nd. wort.
1) spülen Campe, mnd. scholen spülen, eine flüssigkeit hin und her bewegen, im wasser hin und her schwenken, durch wasser ziehen (bei der wäsche), auch intransitiv vom anschlagen und spülen der wellen (an einen flachen strand) Schiller-Lübben 4, 112a; ebenso nnd. schölen Strodtmann 374a. Richey 234. brem. wb. 4, 600 (schälen). Schütze 4, 56 f. Schambach 184b. nd. korrespondenzbl. 6, 14. 10, 27; dazu auch das subst. schöle, f. spülwelle, ans ufer schlagende welle Schütze a. a. o. Schambach a. a. o., und die zusammensetzungen schölbrett, -busch, -faschine, -kante, -stelle, -wasen (s. das.). so auch in den benachbarten nordthür. mundarten schölen spülen, gefäsze oder wäsche im wasser reinigen Hertel sprachsch. 220 (auf dem Harze), sonst schüllen 222; schölle die wäsche vor dem trocknen spülen, auch vom reinigen des gekochten garns; dazu schölle, f. (Hertel schülle) schwemme Kleemann 20a; auch in Ruhla schöll Regel 267 (dagegen in Aachen sich schöle, sich wälzen Müller-Weitz 220). auszerhalb des deutschen ist das wort besonders im nordischen verbreitet: skola, skyla Cleasby-Vigfusson 554a. 562a, schwed. skölja, dän. skylle. in die hd. schriftsprache kaum eingedrungen, nur Frisch 2, 218c verzeichnet: ausschölen, auswaschen; ausschölung, sagt man vom bernstein, wann er selbst ans ufer durchs wasser und wind ausgetrieben wird, im gegensatz der schöpfung, da er aus dem wasser von den keschern musz gehohlet werden; ausgeschölter bernstein (in einer bernstein- und strand - ordnung Friedrichs III von 1693). vergl. noch schälen 2 (theil 8, 2065) und schüllen.
2) niederd. form für sollen, s. daselbst.
 
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schölfaschine, f. im deichbau, faschine, die auf der obersten fläche eines stockwerks hinter dem kantenzaun festgepfählt wird, um das wegspülen der erde von der stoppellage zu verhindern Jacobsson 7, 267b. Krünitz 147, 606.
 
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schölfe, f. für schelfe, s. daselbst theil 8, 2489 f., bildlich: da doch, wann wir jhr (der welt) die maske, den fürhang, nur ein wenig abziehen, und den kern beschauen wollen, uns allein die blosse schölffen in den händen bleiben. Philand. 1, 48.
 
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scholfer, m. avis fluviatica in Hollandiae amaenissimo nemore, sevenhusen, satis nota, carbo aquaticus, vocatur etiam scharb. Schottel 1407. Stieler 2053. schölferr, kropftaucher Krünitz 147, 606.
 
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scholiast, m. scholienschreiber, erklärer; aus griechischem σχολιαστής: auf Furius, einen heutigen, noch ungedruckten scholiasten. Hagedorn 1, 113 (überschrift); es sind drey jahrhunderte, dasz nicht etwa nur die scholiasten unsrer republik, sondern auch die scholiasten aller gelehrtenrepubliken des ganzen Europa die alten erklärt haben. Klopstock gelehrtenrepublik 219; gleichwol würden wir Deutschen .. noch immer nachsicht mit unsrer scholiastenzunft gehabt haben. ebenda.
 
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scholie, f. erklärende gelehrte anmerkung, wie sie die antiken herausgeber ihren texten beizugeben pflegten, aus griech. σχόλιον Weigand 2, 629; in bezug auf neueres besonders in der mathematik gebräuchlich Eggers kriegslex. 2, 835: unter den Griechen fanden sich gelehrte critiker oder grammatiker, welche die gröszte sorgfalt darauf verwandten, den text der alten dichter .. zu erläutern. ihre scholien schreiten häufig in zuweitgetriebene spitzfindigkeiten aus, allein sie enthalten

[Bd. 15, Sp. 1453]


einen schatz von bemerkungen u. s. w. J. Grimm gramm. 11, s. xvi.
 
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scholieren, verb. mit scholien versehen, erklären (?): nach dem credo, that orator pontificius eine geschwinde oration in latinischer und deudscher sprache, versehe mich, sie werde gedruckt und scholirt werden. Luther 5, 28b.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für