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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
scholastiker bis scholdermeister (Bd. 15, Sp. 1449 bis 1451)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) scholastiker, m. lehrer der scholastik, mittelalterlicher schulphilosoph, auch übertragen für wortkrämer Campe erg.-wb. Weigand 2, 628 f., lat. scholasticus, vergl. indes scholast und scholaster: als der medius terminus, den Aristoteles zur erklärung der tugend annahm, den scholastikern ein räthsel geblieben. Hamann 2, 249; alle mauern und festungswerke der neuesten scholastiker und Averroisten. 4, 186.
 
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scholastisch, adj. schulmäszig: die scholastische philosophie und theologie des mittelalters Adelung. Campe erg.-wb. Krünitz 147, 605. Weigand 2, 628 f.: o wie manch edles ingenium wird durch scholastische tyrannen, von den studiis abgeschreckt! Schuppius 50; und es ist bey diesem M. Bernd eine solche scholastische hoffart, dasz wann er schon würde über der banck ligen, und 40. streich weniger ein empfangen, so würde er es so hoch achten, als ein pferd latratum catelli. 797; die einzige wahre religion in jenen finstern jahrhunderten des mittelalters und ihren scholastischen mysterien zu einer andächtigen mummerey herabgesunken. Hamann 6, 8; so hat er (Mendelssohn) doch .. so manches triviale über das gängelband der sprache und schrift und ihren natürlichen parallelismum mit der religiösen macht des masoretischen buchstaben- und scholastischen wortkrams, nachgebetet. 7, 54.
 
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schölbrett, n. im deichbau die bretter, die bei schnellem andringen des wassers auf der kappe des deichs befestigt werden, um dessen höhe in der geschwindigkeit zu steigern und das überlaufen des wassers zu verhüten. Jacobsson 7, 267b.
 
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schölbusch, m. ein busch, der bei starkem sturmwinde vor den deich schräg gegen den lauf des stroms vorgelegt und mit faschinen befestigt wird, um die aushöhlung oder ausspülung des deichs zu verhindern. Jacobsson 7, 267b.
 
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schold für schuld, s. daselbst.
 
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scholder, m.
1) 'vorrichtung und veranstaltung zu glücks- und hazardspielen; ertrag derselben; recht zu derselben; das spielen selbst' Schmeller 2, 407. Lexer handwb. 2, 766; vgl.: es wurden förmliche spielstuben eingerichtet, deren besitzer, scholderer genannt, gegen einen gewissen antheil am gewinn hazard-spiele hielten oder, wie man sich ausdrückte, scholder nahmen. Kriegk bürgerth. im mittelalter 428. neben scholder begegnen die formen scholier, scholir, scholler; die herkunft ist unklar, vgl. Schm. 2, 409; scholder findet sich besonders in der sprache des 15.—16. jahrh., seitdem nur in bairischen und fränkischen mundarten, bair. als scholter, scholder, fränk. scholler Schm. 2, 407; scholder, scholler würfelspiel auf kirmsen Reinwald 2, 160; das glücksspiel: man hat köglet, scholder gehapt und um ain hannen gelogen. d. städtechr. 23, 124, 19; es soll auch der scholder als mit allerley würfflen in den

[Bd. 15, Sp. 1450]


brendten und trachter, item trädlen und drgl. auf das blosze glück gestellten spil abgestellt und verboten seyn. quelle vom jahre 1616 bei Schm. a. a. o.;

welcher priester sich eins sollichen vermesz
das er ein jar an einem scholder sesz. fastn. sp. 1336;

die hetten da mangerlai spil
mit scholder und ander unfuor vil.
Kaufringer 1, 206.

der spielgewinn: als dann sind die groszen gewaltigen ettlich, die wider und für bey allem brass stecken und auff den stuben von dem scholder, ettwan ainn brass (gelage) auff richten, oder ain vorauszlin, als man es hye nennt. Keisersberg schiff der penit. 106a; da die obersten sitzen, da msz man ein tracht me haben, dann mitten im tisch, heiszet ein voruszle und ist ein schleck der kumpt vom scholder, den der knecht uffhebt von dem spil, von dem bösen gt. narrenschiff 101c; die öffentlichen und den scholler abwerfenden spiele sollen nicht länger als vom sonntag vor bis zu dem nach der kirchweih dauern. Würzburger verordn. von 1774 bei Schmeller 2, 408; daher die redensart den scholder nehmen (vgl. oben): und nemmen den gewinn und scholder davon. quelle bei Scherz - Oberlin 1430; so er scholder nympt oder den scholder ainem andern verkauft. quelle bei Schm. a. a. o.; ye zu zeitten haben die geistlichen auch offenlich würtschafft do unnd dergleichen uff den kirchweyhen, der ort do sy oberherrn seind, legen sye oder ire dyener .. yerlich würffel, kügeln unnd kartenspil uff. nemen auch den gewin und scholder davon unverschampt. teutscher nation beschwerd v. d. geistl. (Nürnb. 1522) bei Schmid 476;

zedelwerffen, scholder nemmen —
die schelmen solt man billich schwemmen!
Murner narrenbeschw. 16, 73;

do (am jüngsten gericht) wirt man sehen wol die knaben,
die solchen scholder genommen haben,
hien z der lincken seitten drot
müssen sie gon in grosse not.
B. Klingler wie man sich hüten sol vor dem spiel (Straszb. 1520) b 4b (s.
Spanier im gloss. zu
Murner narrenbeschw. s. 367 f.). vgl. auch:

so wil ich ainn spielplatz haben
und darzu eitel willetzknaben,
den wil ich legen würfel und karten
und redlich auf den scholder warten. fastn. sp. 689, 23.

weitere belege s. unter DWB scholderer.
2) scholder, schergen, quadruplatores, carnifices, tortores Maaler 360d, vgl. Frisch 2, 218c. scholdere, vetus ger. carnifex Kilian, für scholderer, s. daselbst.
3) schles. scholder, f. für scholle, den bekannten seefisch:

milchram ist im sommer gutt; winterszeit die scholdern schmekken,
die zur darre man in wind, oder in den rauch musz stekken.
Scherffer ged. 304.

vgl. Frommann 4, 184. Drechsler W. Scherffer 236.
4) tirolisch scholder, tscholder, m. kurze mannsjacke, bauernjacket mit herausgeschnittenen ärmeln Schöpf 643. 768, schulder Schmeller 2, 410.
 
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scholderbüchse, f. spielbüchse Birlinger 401a: man hett auch ain platz, und in der scholderpüchs fand man 138 guldin an gold. d. städtechron. 22, 232, 5.
 
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scholderei, f. 1) glücksspiel: spil und scholderey, lusores perniciosi .i. scholdrey. Schmeller 2, 408. 2) für schilderei (sp. 127 f.): gemähl, gemeld, schölderey, pictura Henisch 1483, 31.
 
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scholderer, m. veranstalter von glücksspielen und aufseher bei denselben Campe; scholderer, exercitor alearum, susceptor aleatorum. et choragus: dux chori et suppeditator instrumentorum ludicrorum et expensarum Kilian; scholderer, sortilegus. quelle bei Schm. 2, 408; scholder, quadruplator, scholderer, apparitor ludentium voc. von 1618 s. ebenda; scholderer, der, apparitor ludentium Stieler nachsch. 25a. Frisch 2, 218a; oft verkürzt zu scholder, s. die belege und scholder 2. Schmeller 2, 408 f. gibt folgende schreibweisen an: scholderer, scholdrer, scholdrar, schol(l)drär, schol(l)der, schollirär, scholierer, scholirer, schollyer, schollir, schollerer, scholrär, scholrer. auch entstellt zu scholdner, s. unten. die bedeutung geht manchmal über in die eines hurenwirts, kupplers, oder auch in die des henkers, da diese in älterer zeit vielfach anstatt eines gehalts das vorrecht hatten, solche scholderstuben zu halten, s. DWB scholder 2 und scholderplatz: ich hoff der würffelmacher und scholderer werden auch bald einen .. uiberkommen. quelle bei Scherz-Oberlin 1430; scholderer, quadruplator, kalthans, verschwätzer, darmit und jm der vierteil des verfallnen guts werde. quelle bei Schm. 2, 408; handspiler, zuetrager, raichär, scholdrär, platzmaister ..

[Bd. 15, Sp. 1451]


et omnes tales plebanus absolvit. 409; ain Schweitzer het gespillt und gab ainen scholder, ain Berner blaphart, do sagt der scholderer: 'ich will des kueplapharts nicht', do schlueg der Schweitzer den scholderer mit der faust ins maul. d. städtechron. 22, 135, lesart zu 9; denn das wort Rakil das die deutsche bibel, mit dem wort 'verretherisch' gibet unnd dolmetscht, heist eigentlich ein pfragner, sonnekremer, oder scholderer unnd schott, der mit seim knapsack und gefelschter würtz ... die leut besebelt (betrügt). Mathesius Sar. 157a; so hatte auch jeder mantel oder tisch einen schunderer (scholderer wolte ich sagen und hätte doch schier schinder gesagt) dieser amt war, dasz sie richter seyn und zusehen solten, dasz keinem unrecht geschehe; sie liehen auch mäntel, tische und würffel her, und wusten deszwegen ihr gebühr sowol vom gewinn einzunemen, dasz sie gewöhnlich das meiste geld erschnappten. Simpl. 1, 185, 26 Kurz;

der spiler sprach: 'du hâst gar reht,
dir ist ein teil doch guots dar zuo geschehen.
mînʒ hât der scholer (var. scholler, scholdrer) und sîn kneht,
die nâmenʒ hin und lieʒen mich zuo sehen'. meisterl. 126, 45;

scholdner, (var.: scholder leiher und) gewins nemer
und über das spil liher ...
das ist als das bœs gedigen. d. teufels netz 13325;

das seind aldo die scholderer,
als bald einer höret new mer
von fremden spielen so behend,
so luget er, das er gott schend,
das er bringt würffel und auch karten
und tht aldo des scholders warten.
B. Klingler wie man sich hüten sol vor d. spiel (Straszburg 1520) b 4b;

und bist ein scholdrer, kuppler und bb.
Manuel 263 Bächtold (Elsli tragdenkn. 149. fastn. sp. 866, 2);

sie scholderer würffel und kartenleger. trag. Joh. e 2.

in heutigen mundarten 1) in Tirol der marqueur bei dem sogenannten kleinod, einer art würfelspiel auf kirchweihen und märkten Schm. 2, 408, bestgeber Schöpf 643; 2) kegelaufsetzer, in Franken und Schwaben Schm. a. a. o. Schöpf a. a. o. Schmid 476; 3) aufkäufer ebenda; 4) henneb. schaderer büttel Frommann 3, 133.
 
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scholdergeld, n. geld für die erlaubnis, eine öffentliche spielbank oder auch ein bordell zu halten Schmid 476: ursach dieses verbots (der ehe) wissen sie selber nit, dann allain das vil in die kuchin von milchzins, scholdergelt ... tragen hat. quelle s. ebenda s. 385.
 
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scholdermeister, m.: superiores qui admittunt tales ludos et quemquam magistrum ludentium constituunt alio nomine vulgariter scholdermaister ... et recipiunt a magistro ludentium certum salarium omni anno ... graviter peccant. quelle des 15. jh. bei Schm. 2, 409.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für