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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
scholast bis scholderei (Bd. 15, Sp. 1448 bis 1450)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) scholast, m. schüler, student im mittelalter:

das also war des pudels kern!
ein fahrender scolast? der casus macht mich lachen.
Göthe 12, 69.

ebenda kurz vorher: Mephistopheles tritt, indem der nebel fällt, gekleidet wie ein fahrender scholasticus, hinter dem ofen

[Bd. 15, Sp. 1449]


hervor. ferner: fahrender scholasticus tritt auf. paralip. 11 (14, 290 Weim. ausg.), s. auch 12 und 16.
 
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scholaster, m.
1) canonicus oder domherr an einem domstifte, der die damit verbundene schule zu leiten hat, auch scholasticus, schulmeister, schulherr Adelung. Krünitz 147, 605; später einer, der eine kleine pfründe als sinecure besitzt Campe erg.-wb.: scholaster, ist von den kirchen-ämtern in den domstifften aufgekommen, scholasticus inter canonicos, dom- oder thumb - scholaster. Frisch 2, 231b; vergl. auch J. Grimm über Albertus scolasticus zeitschr. für d. alterthum 8, 464 ff. (kl. schr. 7, 324 ff.). schon mnd. scholaster, scholasticus, rector scholarum: wolde de bischop unde syn capittel bruken erer wald unde koren eren scholaster to bischoppe. Schiller-Lübben 4, 111a; Johannes Manesse, der kustos und scholaster der propstei Zürich. Keller 6, 39. in folgender stelle scheint es für scholastiker zu stehen: einer predigt aus Aristotele und den heidnischen büchern ... ein ander bracht fragen aus S. Thomas und scholastern. Luther 6, 96a. — dazu das fem., mnd. scholastersche Schiller-Lübben a. a. o. und das abstractum scholasterei: dhum-scholasterey, munus scholastici inter canonicos Frisch a. a. o.
2) scholaster oder schalaster im schlesischen für 'elster' (entstellung aus aglaster?) Weinhold 5b. Schm. 1, 48, corvus pica Nemnich (in Anhalt scholaster, in Graz und Grosz - Glogau scholaster, schulaster), vgl. DWB schalaster th. 8, 2058: die papagoyen und scholastern thun uns sogar die sprache nach. Lohenstein Arm. 1, 462a.
 
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scholastik, f. die schulphilosophie des mittelalters, die nach aristotelischem vorbild in system gebrachte theologie Campe erg.-wb. Weigand 2, 628 f.: denn eine neue scholastik und ein neues papstthum sind die beiden midas-ohren unseres herrschenden seculi. Hamann 7, 243.
 
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scholastiker, m. lehrer der scholastik, mittelalterlicher schulphilosoph, auch übertragen für wortkrämer Campe erg.-wb. Weigand 2, 628 f., lat. scholasticus, vergl. indes scholast und scholaster: als der medius terminus, den Aristoteles zur erklärung der tugend annahm, den scholastikern ein räthsel geblieben. Hamann 2, 249; alle mauern und festungswerke der neuesten scholastiker und Averroisten. 4, 186.
 
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scholastisch, adj. schulmäszig: die scholastische philosophie und theologie des mittelalters Adelung. Campe erg.-wb. Krünitz 147, 605. Weigand 2, 628 f.: o wie manch edles ingenium wird durch scholastische tyrannen, von den studiis abgeschreckt! Schuppius 50; und es ist bey diesem M. Bernd eine solche scholastische hoffart, dasz wann er schon würde über der banck ligen, und 40. streich weniger ein empfangen, so würde er es so hoch achten, als ein pferd latratum catelli. 797; die einzige wahre religion in jenen finstern jahrhunderten des mittelalters und ihren scholastischen mysterien zu einer andächtigen mummerey herabgesunken. Hamann 6, 8; so hat er (Mendelssohn) doch .. so manches triviale über das gängelband der sprache und schrift und ihren natürlichen parallelismum mit der religiösen macht des masoretischen buchstaben- und scholastischen wortkrams, nachgebetet. 7, 54.
 
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schölbrett, n. im deichbau die bretter, die bei schnellem andringen des wassers auf der kappe des deichs befestigt werden, um dessen höhe in der geschwindigkeit zu steigern und das überlaufen des wassers zu verhüten. Jacobsson 7, 267b.
 
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schölbusch, m. ein busch, der bei starkem sturmwinde vor den deich schräg gegen den lauf des stroms vorgelegt und mit faschinen befestigt wird, um die aushöhlung oder ausspülung des deichs zu verhindern. Jacobsson 7, 267b.
 
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schold für schuld, s. daselbst.
 
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scholder, m.
1) 'vorrichtung und veranstaltung zu glücks- und hazardspielen; ertrag derselben; recht zu derselben; das spielen selbst' Schmeller 2, 407. Lexer handwb. 2, 766; vgl.: es wurden förmliche spielstuben eingerichtet, deren besitzer, scholderer genannt, gegen einen gewissen antheil am gewinn hazard-spiele hielten oder, wie man sich ausdrückte, scholder nahmen. Kriegk bürgerth. im mittelalter 428. neben scholder begegnen die formen scholier, scholir, scholler; die herkunft ist unklar, vgl. Schm. 2, 409; scholder findet sich besonders in der sprache des 15.—16. jahrh., seitdem nur in bairischen und fränkischen mundarten, bair. als scholter, scholder, fränk. scholler Schm. 2, 407; scholder, scholler würfelspiel auf kirmsen Reinwald 2, 160; das glücksspiel: man hat köglet, scholder gehapt und um ain hannen gelogen. d. städtechr. 23, 124, 19; es soll auch der scholder als mit allerley würfflen in den

[Bd. 15, Sp. 1450]


brendten und trachter, item trädlen und drgl. auf das blosze glück gestellten spil abgestellt und verboten seyn. quelle vom jahre 1616 bei Schm. a. a. o.;

welcher priester sich eins sollichen vermesz
das er ein jar an einem scholder sesz. fastn. sp. 1336;

die hetten da mangerlai spil
mit scholder und ander unfuor vil.
Kaufringer 1, 206.

der spielgewinn: als dann sind die groszen gewaltigen ettlich, die wider und für bey allem brass stecken und auff den stuben von dem scholder, ettwan ainn brass (gelage) auff richten, oder ain vorauszlin, als man es hye nennt. Keisersberg schiff der penit. 106a; da die obersten sitzen, da msz man ein tracht me haben, dann mitten im tisch, heiszet ein voruszle und ist ein schleck der kumpt vom scholder, den der knecht uffhebt von dem spil, von dem bösen gt. narrenschiff 101c; die öffentlichen und den scholler abwerfenden spiele sollen nicht länger als vom sonntag vor bis zu dem nach der kirchweih dauern. Würzburger verordn. von 1774 bei Schmeller 2, 408; daher die redensart den scholder nehmen (vgl. oben): und nemmen den gewinn und scholder davon. quelle bei Scherz - Oberlin 1430; so er scholder nympt oder den scholder ainem andern verkauft. quelle bei Schm. a. a. o.; ye zu zeitten haben die geistlichen auch offenlich würtschafft do unnd dergleichen uff den kirchweyhen, der ort do sy oberherrn seind, legen sye oder ire dyener .. yerlich würffel, kügeln unnd kartenspil uff. nemen auch den gewin und scholder davon unverschampt. teutscher nation beschwerd v. d. geistl. (Nürnb. 1522) bei Schmid 476;

zedelwerffen, scholder nemmen —
die schelmen solt man billich schwemmen!
Murner narrenbeschw. 16, 73;

do (am jüngsten gericht) wirt man sehen wol die knaben,
die solchen scholder genommen haben,
hien z der lincken seitten drot
müssen sie gon in grosse not.
B. Klingler wie man sich hüten sol vor dem spiel (Straszb. 1520) b 4b (s.
Spanier im gloss. zu
Murner narrenbeschw. s. 367 f.). vgl. auch:

so wil ich ainn spielplatz haben
und darzu eitel willetzknaben,
den wil ich legen würfel und karten
und redlich auf den scholder warten. fastn. sp. 689, 23.

weitere belege s. unter DWB scholderer.
2) scholder, schergen, quadruplatores, carnifices, tortores Maaler 360d, vgl. Frisch 2, 218c. scholdere, vetus ger. carnifex Kilian, für scholderer, s. daselbst.
3) schles. scholder, f. für scholle, den bekannten seefisch:

milchram ist im sommer gutt; winterszeit die scholdern schmekken,
die zur darre man in wind, oder in den rauch musz stekken.
Scherffer ged. 304.

vgl. Frommann 4, 184. Drechsler W. Scherffer 236.
4) tirolisch scholder, tscholder, m. kurze mannsjacke, bauernjacket mit herausgeschnittenen ärmeln Schöpf 643. 768, schulder Schmeller 2, 410.
 
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scholderbüchse, f. spielbüchse Birlinger 401a: man hett auch ain platz, und in der scholderpüchs fand man 138 guldin an gold. d. städtechron. 22, 232, 5.
 
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scholderei, f. 1) glücksspiel: spil und scholderey, lusores perniciosi .i. scholdrey. Schmeller 2, 408. 2) für schilderei (sp. 127 f.): gemähl, gemeld, schölderey, pictura Henisch 1483, 31.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für