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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnurre bis schnurrholz (Bd. 15, Sp. 1414 bis 1421)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnurre, m.
1) in studentischer sprache der mit einer schnurre, knarre versehene häscher, scharwächter, nachtwächter, sicherheitssoldat einer universitätsstadt. Kluge studentenspr. 123b: dieser streit (zwischen studenten und häschern) daurete über eine halbe stunde, und die schnurren sahen sich, nach einigen empfangen wunden, zuletzt genöthiget wieder abzuziehen. der reisende avantürier 2 (1749), 431; die schnurren haben gute kopfnüsse bekommen. der deutsche student (trauerspiel, Lüneb. 1779) 15; donnerstags machten die studenten einen groszen ditto (lärm) auf der strasze, und die schnurren schlugen wirklich zu. Lichtenberg 7, 87; (die universität) war schon vollständig eingerichtet mit schnurren, pudeln, dissertationen. H. Heine 1, 5; drück dich, schnurre! Immermann 16, 432;

und ausfäll oft zu thun auf armer schnurren wacht.
Zachariä 1, 34;

der letzte stuhlgang, den ich thu,
der kommt allein den schnurren zu,
den bart damit zu wichsen.
Keil stud.-lieder 98.

[Bd. 15, Sp. 1415]


studenten ziehen nachts, um die nachtwächter zu ärgern, vor die scharwache mit dem rufe: schnurren heraus! Frommann 3, 352; sprichwörtlich sagt man in Franken von einem starken raucher: er raucht wie ein schnurr. ebenda.
2) schnurre, wie schnurrer, umherziehender bettler, landstreicher.
3) kleiner rausch: er hat einen schnurren. Lichtenberg 3, 76; niederd. he hett en snur, er ist betrunken Schütze 4, 149; holländ. ebenso hij had een' snor aan; dän. snurr, haffuer er en liden snur paa, ebriolus Kristiansen ordbog over gadesproget (1866) 328. vgl. das fem. schnurre 8.
 
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schnurre, f. schnurrender laut und schnurrendes ding; mhd. mnd. snurre; zum theil mit der nebenform schnorre (belege im folgenden verstreut, vgl. namentlich unter nr. 6), in nächster etymologischer beziehung zu schnarre sp. 1185, doch im begriffe eigenartig entfaltet.
1) das schnurren, der schnurrende laut und die schnurrende bewegung:

in solches sûsens snurre.
J. v. Frankenstein 10678;

in formelhaften fügungen:

nim mit dir die trumel dîn
unt slach si nâch der snurren (sausend rasch). minnes. 3, 197b Hagen;

pehender snurr (in sausender eile)
ward er gesteckt auff hher gar unsesse (Christus ans kreuz).
O. v. Wolkenstein 106, 11, 7;

mundartlich noch: 's jît in der schnurre, rasch hintereinander. Jecht 98; in der schnurre bleiben, in der gewohnten bewegung und thätigkeit; einen wieder in die schnurre bringen, wenn jemand in seiner rede stecken geblieben ist. Wander 4, 311.
2) übertragen auf unruhiges umherziehen, um zu betteln oder geschlechtlich auszuschweifen, landschaftlich verbreitet (vgl. dazu das verb. schnurren unten): unterrhein. auf die schnurre gehen, betteln gehen Kehrein nachtr. 49; in Preuszen auf die schnurr gehen, in die spinnstube gehen, aber auch von solchen, die an den abenden nach dem manne suchen Frischbier 2, 309; nürnbergisch in die schnurr gerathen, liederlich werden Schm.2 2, 581;

(du betrügst) frawen und auch jungfrawen mehr
umb reinigkeit und weiblich ehr,
die du bringst in die schnurr hinein.
H. Sachs (1558) 1, 228;

wenn ein hur
ist in der schnurr lang umbgeloffen,
unter mönnich und pfaffen gschloffen. 4 (1578), 3, 61b.


3) schnurre, von schnurrenden geräten, so vom spinnrad und von der knarre des nachtwächters Adelung; von einem kreisel: die schnurren, groszer holer dopff, gibt ein grosz gereüsch, so er zogen wirt, trochus. Maaler 360c; nassauisch die schnorr, ein schnarrendes kinderspielzeug Kehrein 363; niederd. snurre, snurrnôt, brummkreisel Dähnert 440b; snurre, ein spielwerk der kinder, bestehend aus einer ausgehöhlten groszen haselnusz, einem festen zwirnfaden, einem stäbchen und einem apfel Woeste 247a; in Lief- und Esthland die schnurre, der hölzerne schlüssel am brummkräusel Hupel 211; auch roulett, hazardspiel, nd. snurre oder snurrmess Zachers zeitschr. 6, 214, vgl. dazu schnurren 10; mittelrheinisch schnurre, schnorr, karroussel: das ganze lebendige bild, das sich auf dem Main (durch das eisvergnügen) entwickelt, wird noch durch errichtung einer schnorr dieser tage gehoben werden. Frankfurter journ. vom 14. dezbr. 1871; in Düringen die schnurren ein auf einer schnur tanzender knopf oder bleiplatte Kleemann 20a; als musikinstrument unter anderen: lullepfeiffen, schwegeln, maultrummen, schnurren. Garg. 82b.
4) schnurre, landschaftlich auch schlechtes, klapperndes hausgerät: schnurren, gerümpel Adelung; niederd. snurren, übertragen auch auf nichtswürdige dinge, schlechte schriften: dat bôk is man êne snurre, das buch ist ein elendes geschmiere. brem. wb. 4, 902; snurren, nichtswürdige dinge, possen Schütze 4, 149; die schnurre, welche sie wissenschaft heiszen, .. ist bei uns ordentlich zum gelächter geworden. Möser patr. phant. 1, 8. vgl. dazu unten 9.
5) schnurre, borstiges barthaar bei katzen und anderen thieren, im plur.: die füsze (des seebären oder der bärenrobbe) sind dunkelbraun, die schnurren bräunlich-schwarz. Brehm illustr. thierleben 2, 783; (der seehund) mit weiszen, kurzen, braun gewellten schnurren. 791;

ein kater putzte sich nicht weit davon
die schnurren mit der pfote.
Platen 177.

der volkswitz in Leipzig nennt schnurre das lange, gedrehte, abstehende ende des schnurrbarts. Albrecht 205b.

[Bd. 15, Sp. 1416]



6) älter aber schnurre eine vorwärts gestreckte thierschnauze, niederd. snurre, nase, schnauze, besonders vom schwein brem. wb. 4, 901; oberdeutsch gewöhnlich in der form schnorre, mit umlaut schnörre, so schweiz. Stalder 2, 344; schwäb. schnörr, rüssel Schmid 475; bair. schnurren, schnorren, maul, maul und nase, schnauze Schm.2 2, 581; nassauisch die schnorr maul Kehrein 363; proboscis, eyn rüssel, schnorre an den thieren, als eyn schwein hat, mausz, igel, helffant. Dasyp.; erhöchten rüssel oder schnorren, der weit herfür gehet (an schweinen). Sebiz 132; die füsz, oren, schnoren (der schweine, als speise) ursachend ein dick, schlimerig blt, speysend doch wol, und sind die füsz gesünder, dann die schnorren, und die schnoren gesünder dann die oren. Forer thierb. 146a; (der fisch) hat kein maul, sonder allein vornen durch die schnorren ein klein löchlin. fischb. 49b; die frau schlug ihnen (den schweinen) mit dem riegel des sautrogs .. auf die schnorren, dasz sie derb bluteten. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 139; mit umlaut: die thiere hatten die schnörren im maulkorb. schrift. 10, 26; von einem teuflischen gespenst:

druf putzt er d' schnören amme tschäubli ab.
Hebel 1, 112.


7) übertragen in grober und verächtlicher rede auf den mund des menschen (vgl. dazu auch schnurrbart), mundartlich weit verbreitet: schweiz. d' schnure halte Seiler 262a; in Appenzell schnorra Tobler 396a; dimin. schnörrli, in traulicher sprache, ein artiges mäulchen. ebenda; niederd. enn ôwer de snurre hauen, einem auf sehr derbe weise den mund stopfen, auch einen anführen, betrügen Schambach 201a; und sonst: einem eins auf die schnurre geben, auf den mund, einen über die schnurre hauen Campe, vgl. auch Wander 4, 311.
8) in andern bildlichen verwendungen: schnurre am schuhwerk der vorderste theil, wenn er breit statt spitz endet (früher kuhmaul, vgl. theil 5, sp. 2573), in Appenzell schnorra Tobler a. a. o.; in Ulm eine klaffende wunde Campe; im östlichen Niederdeutschland leichter rausch, sonst hieb genannt (vgl. th. 4, 2, 1307, nr. 4 und 5) Frischbier 2, 309; er hat eine schnurre Hupel 211, vgl. das masc. schnurre 3.
9) schnurre für scherz, possen, namentlich erzählte, einerseits an den behaglichen ton des schnurrens, andererseits aber auch an die bedeutung 4 von schnurre anlehnend; namentlich anlehnung an jenen ton, wenn das wort synonym mit schnake gebraucht wird, das seinerseits von dem launischen fluge des thierchens ausgeht (vgl. oben sp. 1153): seine tugend (besteht) aus einem system über die tugend und seine handlungen aus schnurren, schnaken und charakterzügen. J. Paul uns. loge 1, 118; das wort kann in der angegebenen bedeutung schon alt nachgewiesen werden, hier wol in besonderer beziehung zu mhd. snürrinc possenreiszer (vgl. unter schnurrant): mit harten bösen und schweren worten und geberden, mit schnurren und andern unwürten wisen. Keisersberg seelenpar. 29a, verbreitet sich aber vor dem 18. jahrh. nicht, und erscheint hier besonders als lieblingswort Lessings: die schnurre fuhr mir nun so heraus! 1, 562; ein wahrer bauer, schalkisch und gerade zu, voller boshafter schnurren. 7, 79; wie viel leichter ist es, eine schnurre zu übersetzen, als eine empfindung! 89; sie kennen es (das sinngedicht) als das sinnreichste von allen kleinen gedichten: als eine witzige schnurre wohl nur. 8, 455; sie werden es kaum glauben, dasz ich die muthwilligsten stellen in meinen schnurren oft in sehr trüben augenblicken geschrieben habe. 12, 504;

hat der herr mich aber
nicht blos mit einer theatralschen schnurre
zum besten. 2, 302;

danach vielgebraucht bei anderen: ihr letzter brief, und die beigelegte poetische schnurre hat mir viel vergnügen gemacht. Boie an Bürger (briefe 1, 222); war das publicum mit solchen dingen nicht immer zufrieden, so rächte er sich durch eine neue, noch wunderlichere schnurre. Göthe 25, 154; er asz und trank, fluchte und machte seine schnurren. Keller werke 1, 79; ich hatte ... ihr allerlei von den fremden sitten und gebräuchen erzählt, die ich sah, und manche schwänke und schnurren eingeflochten. 3, 45; so sah er in dem abenteuer ... nur eine äuszerliche komische schnurre. 191; beim Rheinwein tolle schnurren erzählen. Treitschke d. gesch. 2, 33; mit ausgesprochen geringschätzigem beisinn und dadurch nach der bedeutung 4 hinüber leitend: der custode, der um nach gewohnheit fertig zu werden die auswendig gelernte schnurre herzubeten anfing. Göthe 23, 39; es war meine art auf ansichten und überzeugungen mitlebender männer vorzüglich zu

[Bd. 15, Sp. 1417]


achten, besonders wenn sie nicht gerade der schnurre des tags angemessene bewegung machen konnten. 32, 85; das versteh ich noch nicht, wie ein so gesetzter mann ... noch am rande des grabes solche schnurren treiben kann. J. Paul flegelj. 1, 30.
10) schnurre, schnurrendes, umherziehendes weib, landschaftlich im nassauischen die schnorr bettlerin Kehrein 363; sonst in verfänglichem sinne, von der landstreicherei her, niederl. snorre, snurre, pellex, pallaca Kilian; buben, huren, schnurren. Garg. 272a; abgeblaszt, als verächtliche bezeichnung eines alten weibes: endlich gar die alte schnurre, die äbtissin. Schiller 2, 80 (räuber 2, 3).
11) schnurre und schurre, name der pflanze hahnenkamm, alectorolophus crista galli. Pritzel-Jessen 16b.
 
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schnurrecht, adj. und adv. wie schnurgerecht, nach der schnur, gerade: schnurrecht, schnureben, ad amussim Frisch 2, 217c; so wöllen wir andere schnurrecht haben und richten uns selbst nicht. Luther 4, 49b;

jeder dasselb gantz schuurrecht helt,
wie das jr heilig regel meldt.
B. Waldis päbstl. reich 2, 8;

ob gleich kein spiegel ist zu treffen irgend an,
der dich du schönes bild, schnurrecht entwerfen kan.
Opitz 2, 236;

verblaszt, geradezu: welche schnurrecht wider die lehr ... streiten. Fischart bienk. 41a; das übermäszige gesätze leitet einen printz von dem rechten zweck desselben schnurrecht und gäntzlich ab. Butschky Pathmos 833. adverbialer genitiv schnurrechts Tucher baumeisterb. 318, 27.
 
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schnurren, verb. den durch schnurr bezeichneten ton hören lassen; mhd. snurren, für das ahd. durch die ableitung snurrinch scurra (Graff 6, 850, vgl. dazu unten 7. 8) nachgewiesen, mnd. snurren mit der nebenform snorren, welche letztere auch niederl. (snorren, susurrare, fremere, bombilare Kilian) und dänisch (snorre) sowie schwed. (snorra) auftritt, hochd. als schnorren (s. unten); lautmalende bildung, im ablaut und engster beziehung zu schnarren und dem dort genannten (vgl. sp. 1186), vielfach ausgebildet auf grund seiner allgemeinen bedeutung: schnurren, susurrare, gemere, barrire, fremere Maaler 360a; ich schnurre, strideo, barrio, das schnurren, barritus Steinbach 2, 483.
1) von thieren, besonders fliegenden insekten, auch vögeln mit schwirrendem flug: schnurren, susurrare, wie die schröter. Schottel 1407; schnorren, schnurren, instar vesparum et scarabaeorum susurrare Stieler 1888; die häuschrecken snurrent mit irn flügeln in dem flug, daʒ man wænt, eʒ sein reht vogel. Megenberg 304, 6; indessen schnurrete auch daher eine grosze gelbe hornisz. Scriver andachten (1721) 64; einen hübschen geschnittenen stein lege ich bei, ein löwchen, dem eine bremse vor der nase schnurrt. Göthe 27, 256; die wasserjungfern schnurren blitzschnell an uns vorbei. Oken 5, 1489; die zahnmeise mit schnurrendem flug fast wie ein spinnrad. 7, 247;

o sylphe, traure nicht
dasz locken untergehn,
wenn käfer durch sie schnuren
und winde durch sie wehn.
Zachariä schnupft. 3, 96;

es ruht sich süsz, wenn maienkäfer schnurren.
Schmidt v. Werneuchen im alman. für 1802 22;

im bilde: wolan, diese hummeln lasz ich schnurren und fur uber faren. Luther 3, 222b.
2) von katzen und katzenähnlichen thieren, selten zeichen des grimms:

im kreise scheu
umgeht er (der tiger) den leu,
grimmig schnurrend.
Schiller 11, 28;

bildlich:

schnurrt nicht, alter kater! (zu einem menschen).
Rückert 2, 225;

gewöhnlich ausdruck des wolbehagens: blosz mein weiszes miezgen marschierte schnurrend auf dem spieltisch herum. J. Paul uns. loge 1, 16; wobei sie (die katze) ihre zufriedenheit durch anstreichen und schnurren an den tag legt. Oken 7, 1582; der löwe fing endlich ... vor wolbehagen wie eine katze an zu schnurren. Gaudy venez. nov. 71;

der neue geflügelte kater
schnurrt überall, und ihn nennet Venedig patron.
Göthe 1, 353;

in bildern und vergleichen: meine seele schnurrt vor freuden, wie eine katz, der man die haare strählt. Freytag dram. werke 1, 37; mit bezug auf einen laut der taube:

das turteltäubchen hilft mir nicht,
schnurren und girren kann ich nicht. des knaben wunderhorn 1, 121;

von hunden, besonders wenn sie mit einem gewissen tone die fährte verfolgen:

[Bd. 15, Sp. 1418]


nâch manegen ferten snurren min Herz (name des hundes) aldâ begunde.
H. v. Laber jagd 55;

dîn snurren
mag müediu bein wol machen. 89;

von andern thieren: der schnurrende elephant. Comenius sprachenthür 190 (1657); de söge snurrt, sagt man im Ditmarsischen von der sau, die in der brunst ist. brem. wb. 4, 901.
3) übertragen auf zornig brummende, widerspenstige menschen, besonders in älterer sprache, landschaftlich bis heute (schweiz. schnure Hunziker 229, tirol. schnurren, sich laut und unwillig äuszern, brummen Schöpf 642); vgl. dazu unten 7:

wider götlîcher zühte
begunden si snurren. Servat. 167;

er will gern leiden, er will schweigen und meiden, nit schnurren, sich nit verantworten. Keisersberg seelenpar. 23a; ich musz mit sundern essen, die andern schnurren drumb. Luther krit. ausg. 4, 658, 39; da schnurret der wirt und flucht die wirtin. Mathesius Syrach 2, 29a;

würf ich dich mit dem schelmenbein
und du woltest schnurren darab,
so weisz ich, das ich troffen hab.
Murner narrenbeschw. 2, 111;

in formelhaften verbindungen, vielfach schnurren und murren: und wir wöllen so schnurren und murren in dem klainsten stuck. Luther krit. ausg. 12, 624, 17; wenn du nicht mit vernunfft handlest, sonder schnurren und murren willt. 347, 15; do ehr alszo schnurrt und murret, strafft ihn got. 14, 162, 25; denn wenn gott nichts könnte denn schnurren und murren, so müszt ich mich für jm fürchten. tischr. 35a; ob sie gleich zuweilen schnurren und murren. 309b; schnurr, murr und bell gleich, wer da will. Schade sat. 3, 244; freundlicher herr, der nicht schnurret und murret. Mathesius hist. Christi 2, 16b;

wa ir aber wolten schnurren
und wider unser friheit murren.
Murner narrenbeschw. 19, 87;

der on schult tt ab mir schnurren,
und über mich will alzit murren. 90, 28;

ob einer wer, der mir wolt schnurren
und wider min beschweren murren. 92, 31;

wil ich dir unterthenig sein,
dich nimmer mehr also an schnurren,
umb ein jede sach mit dir murren.
H. Sachs fastn. sp. 4, 135, 313;

ich will si schnurren, murren weisen. Garg. 37b;

nebenform schnorren und morren:

doch ob sichs bgeb und dazu kem,
das er im zorn wider mich schnort
und ich mit worten gegen mort.
B. Waldis Esop 2, 67, 33;

schnurren und purren (daneben schnorren und porren, vgl. auch theil 7, 2277), schnurren und kurren, schnurren und greinen, u. a.: hiemit fare hin, lieber neidhard, und so du viel purrest und schnurrest, so gedenk, es sind etliche, die geben nichts darumb. Luther 1, 219b; wenn man ein wenig lachet und uber die schnur feret, so schnurren und purren sie. 4, 128b; sie urteilen jederman, schnurren und purren, sobald man jenen nicht recht thut. 141b; antworten mit schnorrenden, porrenden, hönischen und schnippischen worten. Glaser gesindteufel (1564) E 1b (dafür bei Schuppius: so antworten sie mit schnurrenden, kurrenden, hönischen, schnippischen worten. 348);

thu darob greinen oder schnurren. fastn. sp. 152, 18;

im ausdrücklichen vergleiche: dasz unser keynützeanus mit diesem text also heftig pochet und schnurt, als wolt eyn hurnausz s. Nichtlgasz fenster ausstoszen. Fischart bienk. 162a. vgl. dazu anschnurren theil 1, 448 fg.
4) auch auf menschen, die hin und her fahren oder mit geräusch vorüberziehen, so von sausenden reitern:

er kam gesnurret und geriten
ûʒ der stat. troj. krieg 12588;

daʒ ich niht ensnurre
mit den andern über ecke
und die gebûren durch die hecke
niht enfüere bî dem hâre,
daʒ ist mir leit ze wâre. Helmbrecht 370;

von eilenden: er ist hinweg geschnurrt (abiit). Bolz Terenz 170a; sie schnurreten aber einmütiglich auff den schawplatz. ap. gesch. 19, 29 (später in stürmeten geändert); er schnurt ab (vom teufel). J. Ayrer 1115 Keller; schnurret er mit groszer eil über die brücken. Bebel (1589) 298b;

nu schnurr auf und lasz prellen. fastn. sp. 620, 18;

die reitschul sucht er selten heim,
er thut vorbei nur schnurren. des knaben wunderhorn 1, 529,

[Bd. 15, Sp. 1419]


mehr aber herumfahren im zorn, sich enge mit der bedeutung 3 berührend: das eyner daher schnurret und wunderlich ist. Luther krit. ausg. 12, 533, 18; wann ein frembd mensch in jhr hausz kumpt, dasselb sol sie mit züchtigen geberden emphahen, unnd wilkum heiszen sein, und nit neben jm hin schnorrn, und hochmütiglich verachten. E. Alberus ehebüchl. G 2b; (er) schnurrte dann aus der stube. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 32; sagte kurz und schnauzig: kannitverstan, und schnurrte vorüber. Hebel 2, 91;

das weib prumbt in dem hausz ...
laufft ein stieg auf, die ander ab,
und schnurret im haus hin und für,
schlägt ungstüm zu kälter und thür.
H. Sachs 2, 65 Keller;

und als ich wolt reden mit jr,
da schnurrt sie trutzig hin von mir,
ich merkt, sie het ein laun auf mich. ebenda,

ungewöhnlich von einem nur leise hörbaren gange: vernahm ich, wie jemand von drauszen ganz leise einen schlüssel ins schlüsselloch steckte .. da drehte es den schlüssel langsam dreimal in der thür um, zog ihn vorsichtig wieder heraus und schnurrte dann sachte über den gang und die treppe hinunter. Eichendorff 3, 59 (1864).
5) schnurren, von dingen; in alter sprache gern von dem die luft durchsausenden pfeile:

dise pfîle ...
die Gâwân durch ellens site
gein sîme verhe snurren lieʒ. Parz. 583, 23;

von der wehenden fahne:

er îlte balde ûf daʒ velt
und lieʒ die banniere snurren. Virg. 573, 8;

vom sausenden schwerte: dasz das swert gleich hindurch snurret. d. städtechron. 11, 706, 15; vom vorwärts stürmenden schiffe:

er sach in dem itwæge
diu schef snurren enzwei. Servat. 3251;

die künigin das schifflin anstiesz,
da schnurret es hin also ein pfyle
in kurtzer zyt manige myle.
Büheler königstochter v. Frankr. 4393 Merzdorf;

anders in neuerer sprache, wo es einen leiseren, nicht mehr sausenden ton bezeichnen will: unsere kleinen segel pfiffen und knarrten und der kiel schnurrte und brummte gegen die kurzen wellen, dasz es eine lust war. Zelter an Göthe 3, 143; vom winde: lasse den wind fein schnurren, woher und wohin es ihm beliebt. Fr. Müller 1, 314; von feuerwerk: sie waren verweht wie schwärmer und raketen, platzend und schnurrend. Gutzkow ritter vom geist 9, 492; selbst, halb spöttisch, von matteren kanonenkugeln: dasz die kanonenkugeln bis zu unserm regiment, das im mittleren treffen stund, durchschnurrten. a. mann im Tockenburg 147; gewöhnlich aber von seilen, rädern, maschinen: dich mget so du ngest, das die spindel .. neben dir schnurrt oder der wirtin entfallt. Keisersberg pred. 123b; die schnurrenden räder (spinnräder) haben eine gewisse beredsamkeit. Göthe 23, 53; wie sie den sarg hinunter lieszen, und die seile schnurrend unter ihm weg und wieder hinauf schnellten. 16, 179; während dem schnurrten die gewichte der uhr ruhig fort. Eichendorff 3, 321; das alte uhrwerk schnurrte und surrte. Auerbach dorfgesch. 4, 233; man liesz die fabrik zuletzt spulen und schnurren, ohne ferner eingriffe in ihre thranduftigen räder zu versuchen. Immermann Münchh. 1, 28; das sanfte schnurren der spinnräder. Keller 7, 46;

horch! der sarg versinkt mit dumpfigem geschwanke,
wimmernd schnurrt das todenseil empor!
Schiller 1, 108;

(sie) dreht um die schnurrende spindel den faden. 11, 309;

hurre, hurre, hurre!
schnurre, rädchen, schnurre!
Bürger 29b;

in freieren, übertragenen, bildlichen fügungen: er predigte, dasz es nur so schnurrte. Hermes Sophiens reise 5, 88; nimmermehr nach diesem schnöden lande, wo die maschinen sich wie menschen, und die menschen wie maschinen gebärden. das schnurrt und schweigt so beängstigend. H. Heine 12, 57; fingen ihre gedankenräder so zu sagen zu schnurren an. Gutzkow ritter vom geist 5, 495;

es schnurrt mein tagebuch
am bratenwender;
nichts schreibt sich leichter voll
als ein kalender.
Göthe 4, 312.


6) namentlich auch vom klange gewisser musikinstrumente; mhd. selbst vom klange der posaunen (Lexer handwb. 2, 1047), später von leiseren eigenartigen tönen, so der schnurrpfeife (s. d.),

[Bd. 15, Sp. 1420]


und anderer instrumente: schnurren, .. von dem schnarrenden thon, den aufgespannte dicke saiten geben. Frisch 2, 218a; der schnurrende bass der tanzmusik. Ludwig 2, 550; ein schnurrender dudelsack; vom klange einer geborstenen glocke: die grosze glocke ist geborsten und schnurrt. Zelter an Göthe 3, 265; von der melodie selbst: die ärmliche leier kehrte immer wieder und schnurrte unbarmherzig .. in ihm fort. Mörike 4, 43.
7) von menschen, die solche instrumente spielen: de beckenslegere snurden unde schurden myt den becken. d. städtechr. 16, 336, 32; an manchen orten schnurren die nachtwächter mit einer schnurre. Adelung; sie schlug das tambourin ... indem sie bald mit druckendem finger auf dem felle schnell hin und her schnurrte, bald mit dem rücken der hand, bald mit den knöcheln darauf pochte. Göthe 19, 211; übertragen auf eintöniges sprechen: ein paar worte hervorschnurren; (er) trat zu uns, noch immer einige paternoster durch die nase schnurrend. H. Heine 2, 238; die worte bekamen etwas schnurrendes. Gutzkow ritter vom geist 6, 287; nein eine taufe ists nicht, schnurrte hässig die stubenmagd. J. Gotthelf schuldenbauer 4; in dieser anwendung wieder nach oben 3 einlenkend. in Baiern stain schnurren, auf eine gewisse art schleudern.
8) nach dem alten gebrauche, mit der schnurrpfeife als bettelmusikant umherzuziehen, hat sich die bedeutung betteln überhaupt herausgebildet; in weitester landschaftlicher verbreitung: bair. schnurren, mit singen, musicieren und andern brotlosen künsten nach milden gaben umherziehen, betteln Schm.2 2, 580; schwäb. schnurren, mit musik betteln Schmid 475; niederd. snurren, betteln, he geit ût to snurren, er geht herum zu betteln. brem. wb. 4, 901; am Unterharz schnurn, bettelnd umherziehen, auch lügen, fabeln Liesenberg 199; düringisch schnurre, schnurre gî (gehen), betteln, betteln gehen Kleemann 20a, u. s. w., vgl. auch DWB schnurrant; in der nebenform schnorren namentlich jüdischdeutsch und wort der gaunersprache Avé-Lallemant 4, 263, 602, aber auch sonst: dergleichen volk schnorrt das ganze jahr im land herum. Göthe 42, 7; mit mancherlei spezialisierungen des sinnes: schnurren, listig stehlen Adelung; um Fallersleben snurren, kleinigkeiten auf eine anständige weise von den nachbarn erbetteln, obst, nüsse u. dergl. Frommann 5, 295; ebenso in der Altmark Danneil 200; in Düringen schnurre den lehrer bei dem extemporaleschreiben betrügen Kleemann a. a. o.; als ausdruck Leipziger studenten: sie schnurren eine vorlesung, welche sie besuchen, ohne den vortragenden zu bezahlen, sie schnurren im konvikt (speisesaal), sie essen umsonst für einen ausbleibenden Albrecht 206a; westerwäldisch schnorren nur faulenzen, müszig umhergehn um zu plaudern Schmidt 203. auf dem Fichtelgebirge ist schnurren, was anderwärts fensterlen (vergl. dazu fenstern 2, theil 3, 1525) Schm. a. a. o.
9) schnurren für zusammenschrumpfen, vgl. dazu einschnorren und einschnurren th. 3, 283, wol an den in hunger knurrenden und zusammengehenden magen anlehnend: mein ohnerträglicher hunger und fast vor speisemangel ganz zusamm geschnurrter magen. Simpl. 1, 26, 2 Kurz; dann allgemein: wollt ihr im schuldthurm stecken, und zusammenschnurren, bis man zum jüngsten tag posaunt? Schiller 2, 40 (räuber 1, 2); zusammen schnurren, zusammen trocknen, im dürre werden einkriechen Adelung; gesagt von getrocknetem obst, vom fleisch beim braten und kochen (Frischbier 2, 307), von handschuhen nach dem waschen (Bernd 274), vom oberleder des schuhwerks nach starker durchnässung (Spiesz 224), u. a.
10) schnurren für roulett spielen, nach schnurre 3 (sp. 1415) hervorgebildet: prêsters sullen nicht dobbelen, snurren, kârten, dedecet ignavis taxillis ludere clerum. Tunnicius nr. 864.
 
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schnurrenhaft, adj. und adv. nach art einer schnurre (s. d. 9): da kamen allerlei schnurrenhafte liedchen zum vorschein. Keller werke 6, 14.
 
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schnurrenreich, n. reich der schnurren, häscher (vgl. das masc. schnurre 1, sp. 1415), hier vom ort, wo sie sich aufhalten:

wer, fieng er muthig an, kennt, brüder, unter euch
das mir an jedem ort verhaszte schnurrenreich?
Zachariä renomm. 5, 121.


 
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schnurrenschaar, f. zahl der schnurren, häscher:

die feige schnurrenschaar soll itzt wohl vor uns weichen.
Zachariä renomm. 5, 252.


 
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schnurrenstock, m. stock als waffe der schnurren, häscher, den sie fliehenden studenten zwischen die beine warfen, um sie zum fallen zu bringen:

der dich oft in der flucht dem schnurrenstock entreiszt.
Zachariä 2, 352.

[Bd. 15, Sp. 1421]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnurrer, m. der da schnurrt: schnorrer et schnurrer, strepens, obstrepens, stridens, it. impetuosus, invasor, excursor Stieler 1888; besonders nach schnurren 8, umherziehender bettler, landstreicher: schnurrer, person welche schnurret oder bettelt, besonders nennt man einen betteljuden einen schnurrer Campe; jetzt gewöhnlich nach der jüdisch - deutschen und gaunerischen form des verbums als schnorrer: der zuzug von schnorrern aus Polen wird in Frankfurt mit jedem tag ärger. Frankfurter journal vom 6. oct. 1871.
 
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schnurrhaar, n. haar von der schnurre eines thieres.
 
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schnurrholz, n. holz womit bei den tuchmachern ein gerät zum wollelockern, die schlagschnur, gerührt wird. Frisch 2, 218a.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für