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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnürleib bis schnürnadel (Bd. 15, Sp. 1411 bis 1413)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnürleib, m. miederartiges, den leib umspannendes kleidungsstück der frauen, das geschnürt wird Jacobsson 4, 33b, nach Adelung weniger gesteift und gewölbt als die schnürbrust, aber auch als dasselbe bezeichnet, schnür-leib, schnür-mieder, schnür-brust Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b. frauenzimmerlexicon (1715) 1753, niederd. snörliiv Dähnert 439b, bei Lauremberg schnörlyff. das geschlecht wechselt, Adelung setzt das wort als n. an, Kramer und Campe als m., und so wird es auch heute gebraucht: die berühmte dreischläfrige sponde (des grafen von Gleichen) wird noch im alten schlosse, in der sogenannten junkerkammer, als eine relique aufbewahrt, und ein span davon statt des blankscheits in dem schnürleib getragen, soll die kraft haben, alle regungen von eifersucht in dem weiblichen herzen zu zerstören. Musäus volksmärchen 1, 131 Hempel;

ja ein junck plögekerl, ein schlichter buer compan.
wen he süth eine fruw in samitn schnörlyff gaen,
so weet he also bald idt si ein fruwen wammes,
und nicht de ruge stert eines ossen edder lammes.
Lauremberg 3, 98 neudruck;

kam aber etwas fremds ins haus
so zog sie gleich den schnürleib aus,
that sich so schlecht und häuslich an,
es übersah sie jederman.
Lenz im musenalmanach von 1798 s. 75;

ach, wenn ich in mein schnürleib sehe,
ich das gefängnisz mir vorstell. des knaben wunderhorn 1, 488 Boxberger.

[Bd. 15, Sp. 1412]


in übertragener anwendung: das behagen, womit er auf seiner schnitzbank schafft oder die glatten dauben in den schnürleib der reife zwingt, hört sich aus jedem schnitt, aus jedem hammerschlag heraus. Ludwig (1891) 2, 122.
 
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schnürleibchen, n., deminutiv zum vorigen, in gleicher anwendung Adelung. Jacobsson 4, 33b: je fester sie ihr schnürleibchen zusammen zog. Thümmel reise 4 (1794), 254.
 
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schnürlein, n., deminutiv zu schnur, taeniola, fasciola, funiculus, resticulus Stieler 1907. Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 635a. Steinbach 2, 483. Frisch 2, 217b Adelung (unter schnur, als oberd. bezeichnet), alemann. schnürle Maaler 360a: oder vielmehr will ich dich (Spiegel, das kätzchen) führen an einem guten schnürlein, damit du mir nicht entwischest! Keller 4 (1894), 297;

zieh nur beim schnürlein! ge rein zum türlein.
Uhland volksl.2 527 (nr. 259), 5;

ist jemand drauszen, begehret mein,
der zieh beim schnürlein und komm herein
gar heimlich! des knaben wunderh. 2, 431 Boxberger.

gern in bildlichen wendungen, vergl. schnürchen: an einem (am) schnürlein haben, certo certius habere Steinbach 2, 483; von denen auch Christus zeugnis gibt, dʒ sy die schrifft nit wissen, noch jr krafft verstehn, so sys doch jres sinnes auff eim näglein auszwendig kündten und an einem schnürlin hetten. Franck weltb. 161a; wan wir nur am schnürlein wissen und haben, dasz unser l. muter die h. kirch, der taghaltung und festwehlung eben sovil krafft als dem blut Christi selbst zuschreibt. Fischart bienenk. 152a; so wir also gewisz am schnürlin haben zu erlengern die alter der menschen und zu verjagen den tod. Paracelsus (1590) 6, 117 (in der ausg. von 1570 dafür: ein gewisz schmirblin haben, eine sichere salbe). man kan es nicht alles an einem schnürlein haben, non si può haver tutte le cose come infilzate in un cordiccino, cioè cosi regolate ed appuntate. Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b, hier also mehr wie 'in ordnung haben'. es heiszt auch: er seit sei sach am schnürle her Wander 4, 311 (Ulm). ähnlich: das geht ja wie am schnürlin Eiselein 554, wie on'n schnüerle Spiesz 224, wie am schnürli Frommanns zeitschr. 5, 407, 19 (Ulm). 's gett ou~n (am) schnürla, genau nach bestimmter ordnung 6, 323, 345 (fränkisch). in diesem sinne auch: beim N. geht alles nach'm schnürl. Hügel 143b. auf's schnürl, ganz genau Schöpf 642. einen am schnürlein haben, ihn beherrschen Eiselein 554. Hügel 143b. anders: einen am schnürle umbhin füren, oder betriegen mit lärer oder vergäbner hofnung, vana spe ludere aliquem Maaler 360a. als redensart führt Wander 4, 311 aus Solothurn an: wäge dem bingt (bindet) er keis schwarzes schnüerli umme huet, wol 'darum trauert, bekümmert er sich nicht'. in übertragenem sinne erscheint das wort als 'sehne, nerv': chorde, tenantes, schnyerlin Gersdorf feldbuch der wundarznei 96d.
 
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schnürling, m. in Ostpreuszen dasselbe wie das vorige. Frischbier 2, 309a.
 
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schnürloch, n. zum schnüren, durchziehen einer schnur dienendes loch, besonders an kleidungsstücken, am schnürleib. Adelung. Jacobsson 4, 33b, foro da pastare la stringa Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b, schnür-löcher, foramina funiculi fibulatorii, wodurch man den schnür-leib zusammen zieht, Frisch 2, 217c: wie sollte ich alle die kleinen schnürlöcher finden, durch welche sich der schnürsenkel zurück gezogen. Arnim 2, 159. auch als bezeichnung ähnlicher, zur verzierung in zeug angebrachter löcher. öcon. lex. (1744) 2636. davon schnürlocheisen, n. ein eisernes werkzeug der handschuhmacher, womit sie die schnürlöcher durch das leder stechen. Jacobsson 4, 33b.
 
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schnurmacher, m. gewerbsmäsziger verfertiger von schnüren, posamentirer, limbolarius Frisch 2, 217c, schnürmacher Stieler 1908.
 
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schnürmieder, n. mieder, das geschnürt wird Campe. Schöpf 642, schnür-leib, schnür-mieder, schnür-brust Kramer deutsch-ital. dict. 2 (1702), 635b, schnür-müter Frisch 2, 217c.
 
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schnurmoder, m. eine gattung der bastpilze, epochnium. der graue schnurmoder, epochnium monilioides, fructigenum. Oken 3, 64.
 
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schnurmühle, f. maschine, webstuhl zum anfertigen von schnüren Adelung, bandmühle Jacobsson 3, 34a, kratzmühle 7, 266b, von Frisch 2, 217c als abgeschafft bezeichnet.
 
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schurnachbar, m. bergmännisch der besitzer der angrenzenden zeche Adelung, vicinus possessor meatus alterius in fodinis Frisch 2, 217c. vgl. DWB schnur 6 und schnüren 9.

[Bd. 15, Sp. 1413]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnürnadel, f. starke stumpfe nadel mit einem öhr, womit man schnüre in zeug einzieht Adelung. Jacobsson 4, 34a.

 

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1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für