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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnurfeder bis schnürhaft (Bd. 15, Sp. 1408 bis 1411)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnurfeder, f. eine gattung der strahlpolypen, funicularia quadrangularis Oken 5, 124.
 
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schnurfen, verb.
1) krümmen, sich krümmen, schrumpfen, welken, verwandt mit dem gleichbedeutenden starken mhd. snerfen, ahd. snerfan Graff 6, 850. 851, älterer sprache und heutigen oberdeutschen mundarten angehörig Schm.2 2, 582. Höfer 3, 109. Lexer kärnt. wb. 224. Schöpf 642. Castelli 249. Hügel 143b, reflexiv: diese (adern) biegen und schnurfen sich in einander und kuglen sich übereinander zum obern teil. Celsus übersetzt von Khüffner (1531) 125b. dazu als deminutiv oder frequentativ schnurfeln Schm.2 2, 582, intransitiv: wer kain wunder das hirn schnurfflet eim zsammen, wie ein alter strumpff. Schwabe tintenf. 75. schnurfling, m. unansehnliche person Schm.2 2, 582. auch schnorfen Lexer kärnt. wörterb. 224 und mit affricata schnurpfen Schmeller2 2, 583: die drossel und der schlund schnurpfen und dorren ein. Conradinus ungerisch sucht (1574) 189;

[Bd. 15, Sp. 1409]


(der pelz) ist zam geschnurpft an manchem ent.
H. Sachs fastn. sp. 6, 128, 224 neudruck.

dazu schnürpflein, das unterbundene ende an säcken, würsten u. dergl. Schm.2 2, 583. in besonderem sinne schweizerisch es schnürpft si, es zieht sich schrumpfend zusammen, geht mit genauer not Hunziker 229. ebenda ist schnurpfen, schnürpfen mit weiten stichen zusammenheften (zusammenziehen), grob, ungeschickt nähen Stalder 2, 345. Hunziker 229, auch schnörpfen(-a) Tobler 396a. dazu schnörpferi, näherin ebenda, schnurpf, grobe naht, auch narbe, besonders blatternarbe Stalder 2, 345. Hunziker 229 und dementsprechend geschnurpft, schnurpfig, blatternarbig, schnurpfli, schelte für einen blatternarbigen Stalder 2, 345. mit anderem suffix schnurpsen, schrumpfen Frommanns zeitschr. 2, 29.
2) mit schnarfen als bezeichnung eines knarrenden, knirschenden geräusches, einer weiterbildung von schnarren, deren zusammenhang mit snerfen zweifelhaft ist (s. DWB schnarfen oben sp. 1184), sind augenscheinlich die folgenden ausdrücke verwandt: md. schnurpen, in etwas sprödes, frisches beiszen, sodasz es knarrt oder knirscht, dazu in frequentativem sinne schnurpeln, wovon schnurpler, und mit anderem suffix schnurpsen, das auch 'schnarchen' bedeutet Hertel thür. sprachsch. 219, schnurpsen, mit den zähnen knirschen Anton 4, 8, auch vom knirschen des schnees Jecht 98b, daneben schnorpsen Albrecht 205b. Göpfert 45. vielleicht hängt mit dieser anwendung schnorps, gewinn, auch name eines kartenspiels (sechsundsechzig) Albrecht 205 zusammen (eigentlich bisz, bissen?), dem das verbum schnurpsen in gleichem gebrauche zur seite steht. in anders gewendeter bedeutung schnürpfa, luft hörbar durch die nase einziehen, den nasenschleim aufziehen Bühler Davos 1, 124, häufiger schnurfeln Schm.2 2, 582. Hintner 224. Lexer kärnt. wb. 224. Frischbier 2, 308b, auch 'durch die nase reden' Lexer 224. dazu schnurfler, geschnurfle Hintner 224. in ähnlichem sinne schnürpsen, seufzen, stille weinen (schluchzen) Pfister 2. ergänzungsh. 35.
 
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schnurfeuer, n. eine art von feuerwerk, das an einer schnur fortgeleitet wird Adelung. Jacobsson 4, 33b, ignis artificialis in funiculo decurrens Frisch 2, 217c, couratins, fusées courantes sur une corde Eggers kriegslex. 2 (1757), 833.
 
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schnurfolge, f. in der baukunst gerade, der ausgespannten schnur, richtschnur folgende richtung, richtung nach der schnur, alignement Jacobsson 4, 33b (vgl. DWB schnur 4): nach der schnurfolge erbauet. ebenda.
 
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schnurförmig, adj. wie eine schnur geformt Campe.
 
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schnurgerade, adj. gerade wie eine ausgespannte schnur, als ob es nach der schnur gerichtet wäre Adelung ('in der vertraulichen sprechart'), schnur-gerad, dritto à filo Kramer deutschital. dict. 2 (1702), 635a, ad amussim factus, ad perpendiculum erectus Frisch 2, 217c.
1) in sinnlicher anwendung: ein schnur-gerader weg, strada dritta à filo Kramer deutsch-ital. diction. 2 (1702), 635a; eine schnurgerade säul, colonna dritta à piombo. ebenda; schmollend .. schlug ich einen längern umweg durch schnurgerade gassen .. ein. Thümmel reise 10 (1805), 329; vom gebäude her, neben der schnurgeraden chaussee, flieszt zu beiden seiten lebendiges wasser dem kommenden entgegen. Göthe 27, 86; der abstand der schnurgeraden zeilen von einander und vom rande des bogens war in allen der gleiche. Ludwig 1 (1891), 234. adverbial: dannen schün- und schnurgerad auf die mitte der heche des Praitenstains. tirol. weisth. 1, 35, 5 (17. jh.); schnurgerad von oben herab, dritto à piombo Kramer 2, 635c;

und lief in vollem trab,
querfeldein, schnurgerade,
zum nächsten meergestade.
Bürger 22b;

Turin.
schnurgrad laufende gassen und höchst kunstlose gebäude;
doch es erfreuen von fern Alpen und ewiger schnee.
Platen 141a.


2) unsinnlich: seine (Spinozas) politischen grundsätze waren so strack, so schnurgerade, dasz sie der damaligen zeit gewisz nicht eingehen konnten. Herder z. phil. u. gesch. 9, 107. adverbial meist in der verbindung schnur-gerad zuwider, drittamente contrario Kramer 2, 635a und ähnlichen, vergl. schnurstracks: wann dieses zu besorgen, so kan ein printz auch wohl den unwürdigen verzeihen: dafern es nicht schnurgerad, dem gebotte gottes entgegen laufft. Butschky Pathmos 853; sey also so gut und verfertige etwas anders das wider die intoleranz unserer censur nicht so schnurgerade anrennt. Schiller 1, 196; dieser denkart gemäsz liesz er (Adrian VI.) sich in der der instruction, die er seinem legaten nach

[Bd. 15, Sp. 1410]


Deutschland mitgab, zu zugeständnissen verleiten, die noch bey keinem pabste erhört gewesen waren, und den grundsätzen dieses hofes schnurgerade zuwiderliefen. 10, 436; würde es denn aber auch nicht unvereinbar mit dem interesse des standes gewesen seyn, unter solchen umständen solche stimmen zuzulassen, so hätte es doch dem geist der aristokratie schnurgrade widersprochen. Niebuhr röm. gesch.3 1, 371.
 
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schnurgerecht, adj. , dasselbe wie das vorige.
1) im sinne von 1: wer .. weidet sein auge nicht lieber an Schottlands wilden katarakten und nebelgebirgen, Ossians groszer natur, als dasz er in dem schnurgerechten Holland den sauren sieg der geduld über das trotzigste der elemente bewundert? Schiller 10, 224. adverbial: von dem Khösselprun auf schnurgerecht auf den Geiszperg. Salzb. taidinge (1870) 113, 2.
2) nach 2, adverbial: ob nun mancher seine sache schnur gerecht, und seiger gericht eine zeitlang hinausz füret. Mathesius Sarepta 94b.
 
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schnurgeschlinge, n. geschlinge von schnüren: wie sie die bettdecke mittelst eines schnurgeschlinges wegziehen konnte, das in den falten der gardinen versteckt hing. Keller 7 (1894), 205.
 
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schnurgleich, adj.
1) einer schnur gleich, schnurgerade, schnurgleich, schnurrichtig, exquisitus, directus Henisch 1643, 50. Stieler nachtr. 25b, schnurgleiche, ad amussim factus, ad perpendiculum directus Steinbach 1, 602.
a) in sinnlicher anwendung: derselbige gang (des herrn durch Egypten) ist nicht ein schnurgleicher durchlaufft, sondern ein umbgang hin und wider gewest. Luther 3, 216b; dasz man heiszt punctum mathematicum, dasz untheilbar und schnurgleich sey, also, das es auch am aller kleinsten und geringsten pünctlin nicht feile, dasselbige ist unmöglich zu finden. tischreden (1568) 102a; ein schnurgleicher weg, via peraequalis Steinbach 1, 602;

da flehst du nicht, dein gütchen zu vermehren:
o mögte mir der nächste fleck gehören!
es würde dann mein acker schnurgleich seyn.
Hagedorn 1, 74.

adverbial: perpendicularis, das schnurgleich auff etwas geht. Corvinus fons lat. (1660) 1, 477a.
b) unsinnlich: wie wir auch in der kinderkunst, so man in schulen lehret, der grammatica sehen, da ist keine regel so gemeine und schnurgleich, die nicht jre auszzüge hat. Luther tischr. (1568) 102a, vgl. Petri 2 (1605), Bb 2a; wie auch leret der spruch, amici vitia noris, non oderis, das ist, ich sol meins freunds weise lernen, aber jnen (ob es nicht alles schnur gleich ist) darumb nicht hassen. Jonas bei Luther 6, 405a. alles schnurgleich haben wollen, erfordern: allein laszt uns mit dem volk säuberlich fahren, durch gottesfürchtige frome prediger ihnen treulich fürstehen, allein zu dem herrn Christo führen, und uns unter einander von herzen verzeihen und vergeben, und, wie man spricht, nicht alles schnurgleich erfoddern, noch aufs genauest suchen. Luther briefe 2, 226; und wo die vergebung der sünden nicht ist, und man wils alles schnurgleich haben, da ist weder friede noch ruge. tischr. (1568) 101b, vgl. Petri 2 (1605), Nnna; si sollen vil lassen für oren und augen gehen, durch die finger sehen, nicht alles wöllen schrgleich haben. Agricola 15b; nicht alles wöllen schnurgleych haben. Fischart ehez. 558;

und wer alls wil stets schnurgleich han,
der muss mit schanden offt ablahn.
Rebhun hochz. z. Cana (1546) schluszgespräch.

adverbial: denn es mag nicht alle ding allzeit schnur gleich zugehen, in keinem stand, die weil wir auff erden in der unvolkomenheit leben. Luther 1, 250b; das gesetze macht in keinem stande oder kunst gerecht, ist unmöglich das alles schnur gleich nach dem gesetz gehen und geschehen köndte. tischr. (1568) 102a; aber ein christ bleibt schnurgleich auff dem Christo. 128b, vgl. Petri 1 (1605) B 8a; fursten und alle regenten unnd oberkeit .. thun biszweilen manchem unrecht, wenn sie sich gleich auffs aller fleiszigste hüten, denn sie könnens nicht allzeit also schnur gleich treffen und fadenrecht machen, wie etliche klüglinge meinen, darumb bedörffen sie am allermeisten vergebung der sünden. 331b; der unbekandte gast aber gab zur antwort, es wäre auch zu hause nicht alles schnurgleich abgemessen. Weise erzn. 88 neudruck. schnurgleich widerstreben, vergl. ähnliche fügungen unter schnurgerade 2 und schnurstracks: szo ist nichts unchristlicher denn die Pariser disputatores, die do ynn den furnemisten hewbtstucken der theologie schnur gleich widderstreben den

[Bd. 15, Sp. 1411]


vetern. Luther 8, 302 Weim. ausg.; dasselb concilium setzt, das ettliche gute werck sind auszer der gnaden: welche stuck schnur gleych widder das evangelium streben. 9, 753.
2) einem anderen gegenstande, einander so gleich wie mit der schnur abgemessen:

die vortrefflichsten waren die Pheretiadischen rosse,
welch' Eumelos trieb; sie, schenkelgeschwind, wie die vögel,
einerlei haars, und einerlei alters, an höhe sich schnurgleich.
Bürger 204a (Il. 2, 765);

trefflich waren die rosse zumeist dem Pheretiaden,
die, von Eumelos gelenkt, hinflogen im lauf wie die vögel,
gleiches haars, gleichjährig und schnurgleich über den rücken.
Voss Il. 2, 765.


 
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schnurgerüst, n. gerüst, das im baugewerke zum abstecken der gebäude benutzt wird Karmarsch-Heeren3 7, 778. vgl. DWB schnur 6.
 
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schnürhaft, adj. linearis, funalis, adstrictorius et (adv.): adstrictorie, filatim, ad modum taeniarum Stieler 1909.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für