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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnupftuch bis schnuppern (Bd. 15, Sp. 1392 bis 1393)
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[Bd. 15, Sp. 1392]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnupftuch, n., dim. schnupftüchlein,n. tuch zum schnauben der nase, taschentuch, vgl. DWB schnaubtuch sp. 1204, facenetlein th. 3, sp. 1218; beide ausdrücke sind älter als schnupftuch, das zwar im 16. jh. belegt ist (s. unter den beispielen), aber erst im 17. jh. sich mehr verbreitet; die form schnuptuch (vgl. DWB schnuppen neben schnupfen) verschwindet allmählich aus der schriftsprache: caesitium, ein schnuptuch. Corvinus fons lat. (1660) 101b; die schnuptüchlein, die schweisztücher. Comenius sprachenth. übersetzt von Docemius (1657) 519, schnuptüchlein, muccinium Stieler 2347, schnuptuch, n. muccinium Frisch 2, 217a, österreich. schnopfdiachl Castelli 249 (vgl. DWB schnopfen neben schnupfen), nd. snufdauk Woeste 247b (zu snûven). A. Amnicola, ein schnoptuchlin auf Luthers geifer und unlust. Dresden 1532; als masc.: indem entfelt der jungfrawen ihr schnuptuch .. (er) hebt denselben eilend auff. H. J. v. Braunschweig 712 Holland; wisch- und schnupptücher. Phil. Lugd. 5, 307; das schnupptuch ist noch gut, die nase dran zu schneutzen. Schoch studentenleben 34 neudruck; zur kappe baumelten wohl sechs trodelchen vom schnuptuche herausz. Weise erzn. 32 neudruck; handschuch und schnuptücher. pol. maulaffe 16 (1679); an feinern ober - hembden, halstüchern, servietten, handtüchern, schnupfftüchern und andern dergleichen kleinigkeiten. Felsenb. 4, 325; dem einen hatten sie im gedrenge das schnupftuch, dem andern die tabacksdose ... wegstipitzt. Lessing 1, 308; (einen brief) mit dem schnupftuch herausschleudern. Schiller kab. u. liebe 3, 2; mit einem schnupftuch in der hand sei sie ausgestiegen. J. Paul Hesp. 1, 187; der commandant soll geäuszert haben, er wolle sich halten, bis ihm das schnupftuch in der tasche brennt. Kleist briefe an seine braut 69; wo wir uns aufstellten und unsere rosenkränze auf unsere seidenen schnupftücher am boden auslegten. Grillparzer 15, 99; ich deckte daher schnell ein offenes schnupftuch über das rasirgeräthe. 135; (er holte sich zum sonntage) das geglättete vorhemdchen, den vatermörder oder das bessere schnupftuch. Keller 4, 218;

ihr fürnem fahn war ein schnuptuch,
das ehemals ein schön mägdlein trug.
Rollenhagen froschm. Xx 1b;

ausgezackt, gefaszt mit silber,
war der gurt; ein feines schnupftuch
wohlgefaltet hing an ihm.
Herder Cid 1, 15.

zum abwischen des schweiszes: habt ihr auch schnupftücher genug bei euch? denn hier (in der hölle) werdet ihr dafür schwitzen müssen. Shakespeare Macbeth 2, 2; um den kopf gewickelt: band sein schnupftuch statt der nachtmütze um den kopf. Siegfried v. Lindenb. 1, 106 (1784). die augen mit dem schnupftuche verbinden u. ä. man weint hinter dem schnupftuche: der liebesgötterchen einer zeigte sich weinend hinter einem kleinen schnupftuche. Kl. Schmidt kom. erzähl. (1802) 351; schäme dich, du hältst das schnupftuch vor die augen. Cronegk (1765) 1, 99; lacht hinter dem schnupftuche, ins schnupftuch, wenn man seine heiterkeit verbergen will: listige erben, die heulend hinter der bahre gehen, und desto lauter ins schnupftuch lachen. Schiller Fiesko 1, 7; aus der ferne weht man mit dem schnupftuche zum abschiede oder zum willkommen: so lang ich dich gestern sehn konnte, wehte ich mit dem schnuptuche. Göthe briefe 6, 58 Weim. ausgabe; sich über das schnupftuch schieszen, schärfste, mehr romanhafte form des duells. das schnupftuch galt besonders in früherer zeit als zierstück, mit feineren schnupftüchern wurde groszer luxus getrieben, vgl. Jacobsson 7, 265b; man trug und trägt kostbarere schnupftücher gern sichtbar, s. oben die stelle aus Herder und Schultz alltagsleben einer deutschen frau 46; sie werden anstat der zierlichen rosen, blumen und bäumlein mit allerlei bunten seiden nichts als lauter neckende Cupidgen in ihre hembden und schnüptüchlein nehn. engl. komödien II, G 1b; schnupftücher werden als liebespfänder gegeben oder geraubt (vgl. Shakespeares Othello): Heinrich Homberg fordert ein bottenbrodt, sie gibt ihm ein schön schnuptuch. Moritz von Hessen comoedia Otto d. schütz 8 Schröder; Sylvia. ich wil euch das schnuptuch verehren, das ich selber mit meinen händen auszgenehet. Cimon. was solte ich mit diesem bischen rotzlappen machen? S. von Birken Sylvia 41;

erstlich geb ich euch an die hand,
den ring, unsr beyder liebe pfand.
zu dem die zwey armbänder klein,
welch auch solln unser denckmal sein;
und disz schnuptuch, welchs ich selbst hab,
genehet ausz, schencks euch zur gab.
Wichgrevius Cornel. releg. übers. von
Sommer C 2a (vgl.
Schoch studentenleb. 25 neudr.);

[Bd. 15, Sp. 1393]



dem hat es nicht gebührt,
dasz es aus ihrer hand schnuptücher hat entführt.
Rachel 121;

vgl. Zachariä's gedicht das schnupftuch. im orient wirft der mann dem begünstigten weibe das schnupftuch zu:

dann, dann würd' ich mit keinem sultan tauschen,
wann auch hundert der schönsten landesjungfraun
um die ehre des seidnen schnupftuchs buhlten.
Hölty 83 Halm;

verblaszt und ohne beziehung auf liebesgunst:

Apollo machte fleiszig kunden (mit seinem kram);
die arme Pallas hatte ruh.
nur ihm warf man das schnupftuch zu.
Hagedorn 2, 74.

scherzhaft und verhüllend für anitergium Frischbier 2, 308b. Kluge studentenspr. 123a.
 
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schnupftuchsdesert, n. Göthe-jahrb. 7, 93.
 
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schnupfung, f.: schnupffung, singultus Dasypodius; siehe schnupfen, verb. 1.
 
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schnüppchen, n., dim. zu schnuppe, s. licht-, lampenschnüppchen.
 
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schnuppe, f. verkohlter abfall vom dochte eines lichtes, einer lampe. die verkohlten theile werden mit der lichtputzschere abgenommen, das heiszt ein licht schnupfen, schnuppen (siehe schnupfen, verb. 1); hiervon abgeleitet die schnuppe: mungere, abe nemen dye snupen Dief. 371c; daher heiszen einige noch das abgebutzte vom licht die schnuppe. Frisch 2, 217a, lichtschnuppe Adelung; da hast du schon wieder das pulverhorn bei'm licht, wie leicht kann eine schnuppe herunter fallen. Göthe 15, 68; wo kerzen brennen, gibt's schnuppen. 56, 130; er hatte das licht geputzt. es konnte eine glühende schnuppe aus der schere neben den leuchter unter die papiere gefallen sein. Ludwig 1, 282;

ja manche läst sich kreide schaben,
nimmt schnuppe von dem inselt - licht (um blasz zu werden).
Picander 3, 271;

wie nicht mehr die geweihte schnuppe
der ew'gen lampe sie umstinkt.
Thümmel reise 5 (1794), 463;

mit lichtern, deren hohe schnuppen
räusplinge ganz und gar umpuppen.
Kind 5, 246 (1825);

o du helle hochzeitskerze
mit der langen, schwarzen schnuppe.
Immermann 12, 92 Boxberger.

die md.-nd. form hat sich gänzlich in der schriftsprache eingebürgert, die richtige hochd. gestalt des wortes würde schnupfe sein. lichtschnupfe für das werkzeug, womit das licht geschnupft, geschnuppt wird: ausz holdern macht man abbrechen, liechtschnupffen, und liechtscheren. Agricola sprichw. 749. in hübscher, durchsichtiger übertragung erscheint das wort in sternschnuppe; schnuppe allein in diesem sinne: an dem vaterländischen himmel blieben nur wenige bedeutende sterne, indem er die übrigen alle nur als vorüberfahrende schnuppen behandelte. Göthe 26, 8; lauter reine sterne und keine schnuppe. Rückert (1882) 11, 324; einen stern am firmament mit zwei kleineren nebenschnüppchen. Keller 7, 343;

so geh und werde dann die schnuppe von den sternen.
Zachariä verwandl. 3, 319.

in mitteldeutschen gegenden üblich ist die wendung: es ist mir schnuppe, es ist mir gleichgiltig Jecht 98b. Kleemann 20a. Albrecht 205b. schnuppe im sinne von schlappe nachgewiesen bei Gombert anmerk. u. erg. zu Weigands wörterb. fortsetzung (1877) 15; schnuppe bezeichnet andrerseits in derber sprache rüssel und maul, vergl. Bernd 273; die schnuppe einziehen Wander sprichw.-lex. 4, 309, vergl. DWB schnaupe sp. 1208; übertragen auf einen flicken, den man auf das oberleder eines schuhes setzt Hertel sprachsch. 219; lüderliches weib: dieweil bei uns etliche leichtfertige schnuppen sind und lose fetteln. Horscht geheimn. d. natur (1572) C 6a.
 
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schnuppen, m., s. DWB schnupfen, m.
 
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schnuppen, verb., gewöhnlicher als die eigentliche hochd. form schnupfen (s. DWB schnupfen, verb. 1) in der wendung das licht schnuppen.
 
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schnupper, m., s. DWB schnupfer.
 
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schnupper, adj. schweiz. hochmütig, aufgeblasen Stalder 2, 345.
 
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schnupperer, m. als schelte (vgl. schnupfetzer):

jung schnupperer, alt klapperer,
jung wescher, alt zungendrescher.
Eyering 3, 110.


 
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schnuppern, verb. schnüffeln, wittern, zunächst von thieren; vgl. DWB schnuppe, rüssel, maul, und schnobern, schnoppern Reinwald 1, 147. Jecht 98b. Bernd 274. Kramer Bistritzer dial. 120.

[Bd. 15, Sp. 1394]


Sallmann mundart in Esthland 27a: si schnupperte unterwegs wie ein fuchs wann er geludert wird. polit. colica 85; nur die hunde schnupperten und bellten sie an. Arnim 1, 121; der eine schnupperte rings herum, ob er nicht einen koffer oder mantelsack fände. Eichendorff (1864) 3, 398; um das schlosz herumschnuppern. Gutzkow ritter vom geist 2, 25; da stieg der geruch von den würsten dem wolf in die nase, er schnupperte. Grimm märchen 1, 46; so schnupperte sie mit dem feinsten näschen und mit lächelnden kirschenlippen in der frischen nachtluft. Keller werke 4, 303; (mit nasen,) welche wortkarg nach armensünderblut schnupperten. 5, 183;

aber vergebens am rand schnuppert das thierische maul.
Schiller 11, 100;

beginnt der hund zu zittern,
zu schnuppern und zu wittern.
Lenau 2, 125 Koch.

mit der nebenbedeutung des verzehrens und fressens: schnuppert sich wie eine entenschaar auf diesem sumpfe dick und fett. Oppermann hundert jahre 7, 7. die vorstellung des aufziehens der luft in der nase liegt dem verbum zu grunde, daher bei Stieler noch: schnuppern, fluxu narium laborare 1906. Schröer 204a bezeugt: schnuppern, schluchzen nach dem weinen, s. DWB schnupfen 1.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für