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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
schnupfen bis schnupffliege (Bd. 15, Sp. 1388 bis 1390)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) schnupfen, verb. , mit schnaufen, schnauben verwandt (ähnliche verhältnisse liegen vor bei rupfen, raufen, rauben,

[Bd. 15, Sp. 1389]


tupfen, tief u. s. w.); zu vergleichen ist schwed. snuppa, schluchzen. neben schnupfen (vgl. unter schnupfen, m.) begegnet auch in der schriftsprache die besonders in Mitteldeutschland übliche form schnuppen: schnuppen, singultare Diefenb. 536c; schnupfen, schnuppen Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634b; schnuppen oder schnupfen Adelung; schles. schnuppen Frommanns zeitschrift 6, 276, 46; in Würzburg Sartorius 112; ebenso hessisch Vilmar 364; in Preuszen Frischbier 2, 308b; nd. snuppen brem. wb. 4, 901. Schamb. 201a; umgelautetes schnüpfen s. unter 1. bair. schnopfen Schm. 2, 579, nd. snoppen Schiller-Lübben 4, 278b.
1) in älterer sprache schnaufen:

er sprang vientlich enbor (beim tanz)
und snupfet ungefuog. lieders. 3, 411, 461.

von dem prahlerischen kollern und glucksen eines truthahns: als ob sie mit solchen hoffärtigen närrischen gebärden und stoltzem schnupffen und gekoller unserm teutschen geflügel auffrupfften und rühmten. Simplic. 4, 361 Kurz; besondere schluckende laute der raben: wann die raben auffs höchste schreyen, ihre stimme offt in sich ziehen, als wann sie schreyend schnupffeten. Colerus öcon. (1680) 1, 8b (191); gleich als wann sie hixend belleten. 13b (321). von menschen, im sinne von prahlen (vergl. DWB schnaufen sp. 1207, schnauben 7, b sp. 1203): es würden jr viel dʒ schnuppen hinder sich in sack ziehen, unnd besser in die schulen gehn. Würtz pract. der wundarznei (1612) 50. aufschnupfen, zornig auffahren, s. in theil 1, sp. 729. schlucken, schluchzen (in dieser bedeutung in der Schweiz erhalten): schnupffen, singultire Dasypodius; das schnupffen, singultus Maaler 360a; schluchzend weinen Stalder 2, 345. Hunziker 229. Seiler 261b:

mein herz vor jamer schnupft. Zimm. chron.2 4, 229, 32;

wen er schnupft, so soltw gar wainen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 23, 331 neudruck;

doch bald ich weynt und schnupfft darneben. 5, 60, 131;

wie duet mein herz echʒn und schnuppen. 89, 142;

er schnupfft, als greyn er. Ayrer 916, 6; haben gen himmel geseufftzet, ihre hände gerungen, geschnupft, und öffentlich mit groszem wehklagen ihre noht beweinet. quelle bei Frischbier 2, 308b; unter schluchzen und schnüpfen. Gotthelf Uli der knecht (1841) 272. wie schnauben, schneuzen: nd. snoppen, emungere, die nase schnauben Schiller-Lübben 4, 278b. reflexiv, sich schnuppen Vilmar 364; sik snuppen Schambach 201a; ausschnupfen, emungere Frisch 2, 217a; screare, schnüpffen Dief. nov. gloss. 332a. übertragen wie schneuzen: mungere, das licht snuppen Trochus R 1b; das licht schnuppen Frisch 2, 217a; nd. dat lecht snuppen Schambach 201a. Stieler verzeichnet schnuppen in der bedeutung von gravedine laborare 1907; schnupfen, das herausfliesende nasenwasser zurücke ziehen, wie die rotzigen kinder, oder alte leute. Frisch 2, 217a; einschnupfen, attrahere naribus, zurückschnupfen ebenda; schnupfen, spirando attraho Steinbach 2, 482, vgl. Seiler 261b. auf diese bedeutung des wortes gründet sich die neuere schriftgemäsze anwendung von schnupfen, ebenso aber auch der gebrauch im sinne von schnüffeln, riechen, spüren, merken, der mundartlich erhalten ist, s. Schm. 2, 579. Vilmar 364; starck schnupfen .. an einer rose. Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634b.
2) in eingeschränkter bedeutung seit dem 17. jahrh. von dem aufziehen des tabaks und anderer reizmittel in die nase: taback schnupfen Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634b. eine prise schnupfen; prägnant: sich das schnupfen angewöhnen, abgewöhnen, stark schnupfen u. ä.; theils sauffen den taback (rauchen ihn), andere fressen ihn (kauen ihn), und von etlichen wird er geschnupfft, also dasz mich wundert, warumb sich noch keiner gefunden, der ihn in die ohren steckt. Simpl. 3 (1684), 96; ein tragischer schauspieler, der in der probe taback schnupft, mache sie immer bange. Göthe 19, 187; nur tadelte der schulmeister, dasz .. der pfarrer Rösselmann unaufhörlich schnupfte. Keller 1, 373; nachdem er eine lange prise geschnupft. 6, 279; frei: um den samen von französischen radiesen, maienrüben, bunten feuerbohnen .. zu riechen, und auf diese weise .. einen vorfrühling zu schnupfen. J. Paul flegelj. 4, 103. eim z' schnupfe gë, sticheln Hunziker 229; 's gitt nütt z' schnupfe, daraus wird nichts; 's got wie g'schnupft, leicht, schnell Seiler 261b; vgl. DWB schnupftabak am ende; so hätten sie gefahren mögen wie schnupf. Gotthelf schuldenb. 297.
3) besonderes.
a) häufig begegnet in älterer sprache die wendung es schnupft einem in die nase, es macht einen stutzig, betreten, verdrieszt ihn (vgl. Wander sprichw.-lex. 4, 309, 3): diese frage hat doctori Martino in die nase geschnupfft, aber er

[Bd. 15, Sp. 1390]


hat es verbissen. Luther tischr. (1568) 162b; solche bäpstische antwort schnupfet Pilato in die nasen. Mathesius hist. Christi (1579) 2, 16b; schnupt es Pilato in die nasen. fastenpred. 76a; disz schnupffet dem Belialn ubel inn die nasen. Ayrer proc. jur. (1600) 319 (1, 12); dieses begunte dem guten secretario so gewaltig in die nasen zu schnupffen. Simpl. 1, 2, 10 s. 144;

poz dreck, mir thuz int nassen schnupfen,
das sie mir güenen nit den kranz.
H. Sachs fastn. sp. 2, 91, 304 neudruck;

(ich) kan dir nicht so gschwind auffhupffen,
obs dir schon thut in d' nasen schnupffen.
Ayrer 2184, 27 Keller.

die wendung wird verständlich, wenn wir annehmen, dasz schnupfen, das wir in der bedeutung riechen, schnüffeln kennen, wie riechen daneben den sinn von olere, geruch, unangenehmen geruch von sich geben, habe; Adelung überliefert die redensart in der fassung: das schnupft ihm vor die nase. bei das verschnupft ihn liegt also eine andere vorstellung zu grunde.
b) bei mir hast du geschnupft, das machst du mir nicht glauben, bei mir hast du es verdorben, verschüttet Albrecht 205b, vgl. Wander a. a. o. 4, 309, 2. der eigentliche sinn von schnupfen scheint hier zu sein: abschnappen, versagen. so sagen die bergleute: die zeche schnuppet, die guten erzgänge verlieren sich, so dasz man statt einer ausbeute zusetzen musz Frisch 2, 217a, vgl. Jacobsson 4, 30b. 7, 266a; schnupf bezeichnet ein plötzliches, schnell vorübergehendes, ebenso nd. snupp, s. oben schnupfen, m. 3.
 
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schnupfenartig, adj.: schnupfenartige krankheitserscheinungen.
 
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schnupfenfieber, n. heftiger, unter fiebererscheinungen auftretender schnupfen Campe.
 
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schnupfenhaft, adj.: schnupfenhafte zustände; schnupfen verursachend: schnupfenhafter nebel. Göthe an Zelter 6, 195.
 
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schnupfenhaftet, adj. schnupfenbehaftet: träg, faul, und schnupfenhaftet. Göthe 2, 138 Weim. ausgabe.
 
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schnupfenmittel, n. heilmittel gegen schnupfen Campe.
 
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schnupfennasz, adj.: um sie todt, auf jeden fall schnupfennasz (aus dem wasser) herauszufischen. briefwechsel zwischen Humboldt u. Varnhagen 166.
 
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schnupfer, m. im gebrauch der schriftsprache jetzt beschränkt auf die bedeutung eines, der tabak schnupft (siehe schnupfen 2); er ist ein starker schnupfer u. ähnl.; in zusammensetzung: taback- ò schnupf - tabackschnupfer Kramer deutsch-ital. dict. (1702) 2, 634b;

der leichte Franzen-aff, der schnupfer bei der wahl.
Haller 95 Hirzel;

mundartliches: schnupfer, die nase Frommanns zeitschr. 5, 106, 8 (kärnt.); einmaliges schnaufen, einzelner atemzug (s. DWB schnupfen 1, schnaufer spalte 1208): dasz er gleich niederfiel und keinen schnupfer mehr that. Felder Nümmamüllers 80, vgl. Schm. 2, 579.
 
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schnupfetzen, schnopfetzen, verb., fortbildung zu schnupfen: schnupfezen, schnopfezen, schluchzen, besonders wie kinder nach dem weinen (s. DWB schnupfen 1), auch tabak schnupfezen (schnupfen 2) Schm. 2, 579; schnupfetzen, spüren Klein prov. - wb. 2, 136 (Österreich); schnupfez'n, schluchzen Schöpf 642; schnopfitz'n, ein wenig, aber stoszweise atem holen, schnüffeln Hintner 223, schnupfaz'n, spähen Lexer 224; auf md. gebiete bezeugt bei Pfister 265: schnüpfezen, schluchzendes weinen. rotzen, wainen, seufzen, schnopfezen. quelle bei Schm. a. a. o. mhd. snupfezen, snüpfezen Lexer mhd. handwb. 2, 1046, ahd. snopffizan (daneben snephezungo, f. singultu) Graff 6, 851, vgl. Weigand4 2, 620 unter schnipsen, schnipzen.
 
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schnupfetzer, schnopfetzer, m. (s. das vorhergehende wort): schnopfitzer, einmaliger tiefer atemzug (in gleicher bedeutung also wie schnupfer, schnaufer) Hintner 223; schnupfetzer, die nase (kärnt.) Frommanns zeitschr. 5, 106, 8; in älterer sprache als scheltwort, zänker, prahler:

der selb hiesz in ain knollen,
ain trunken und ain vollen,
er wärnit lär,
ain schnopfezär.
Uhland volksl.2 507 (nr. 249);

greyner, zancker, schnöpffitzer,
wie gefelt dir das.
Ott 115 liedlein (1544) nr. 44.

vgl. Schmeller 2, 579.
 
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schnupffliege, f.: es daurete mich, dasz der kerl, von diesen purschen, worunter einige waren, denen noch der milch-brey am munde klebte, so viele schnupf - fliegen einfressen muszte (sich soviel sagen, sich so behandeln lassen muszte). Felsenburg 2, 368.

 

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Artikel 1 bis 2 von 2
1) gon
 ... gon , gohn , m. , ein schöpfgefäsz
 
2) gon
 ... gon , gohn , m. , der für